Achtung! Titel
Meine Wasser-Kur
Pfarrer in Wörrishofen (Bayern) Neunundvierzigste Auflage
Vorwort zur ersten Auflage Vorwort
Inhalt Aus dem Vorworte zur sechsten
Auflage Vorwort Inhalt
Aus dem Vorworte zur zwölften
Auflage Vorwort Inhalt
Vorwort zur siebenundzwanzigsten
Austage Vorwort Inhalt
Einleitung
Einleitung
Einleitung Inhalt Bücher
Einleitung Inhalt
Krankheit
Einleitung Inhalt
Wasseranstalten
Einleitung Inhalt
Es kamen zu mir aus
verschiedenen Heilanstalten Kranke, welche bitter klagend sagten:
"Es ist nicht zum Aushalten, es hat mich förmlich
ausgeworfen." Das soll und darf nicht sein. Einst stellte sich mir
ein gesunder Mann vor, welcher behauptete, er habe sich beim Waschen in
der Frühe verdorben. "Wie haben Sie es denn angestellt?"
fragte ich, "Ich habe," lautete die Antwort, "eine
Viertelstunde lang den Kopf unter das Brunnenrohr gehalten, welches
eiskaltes Wasser ausspie." Ein Wunder, wenn sich ein derart
Muthwilliger nicht gründlich verderben würde! Wir spotten und lächeln
über ein solch thörichtes, unvernünftiges Verfahren. Und doch, wie
Viele, bei denen man voraussetzen mußte, daß sie vernünftig das
Wasser anzuwenden wissen, haben ebenso thöricht, nach meinem Dafürhalten
noch thörichter gehandelt und damit für immer die Patienten vom Wasser
zurückgeschreckt. Zahlreiche Beispiele könnten meiner Behauptung als
ebensoviele schlagende Belege dienen. Meine Wasserkur
Einleitung Inhalt
1. Was ist Krankheit
Einleitung Inhalt
Krankheiten im inneren Krankheiten am äußeren Körper gehören zu dem täglichen Brote, das die meisten Menschen mit Willen oder Widerwillen kauen müssen. All diese Krankheiten, welche Namen sie, immer führen mögen, haben, so behaupte ich, ihren Grund, ihre Entstehungsursache, ihr Würzelchen, ihren Keim im Blute, vielmehr in Störungen des Blutes, mag dieses nun in seiner im gesunden Zustande geordneten Circulation gestört oder in seiner Zusammensetzung, in seinen Bestandtheilen durch nicht dahingehörige, schlechte Säfte verdorben sein. Gleich wohlgeordneten Bewässerungsanlagen durchzieht das Adernetz mit seinem rothen Lebenssafte den ganzen Körper, Alles, jeden Theil, jedes Organ des Körpers in seiner ihm zuträglichen Art nährend, befruchtend. Im Maße liegt die Ordnung; jedes Zuviel und jedes Zuwenig im Tempo des Blutumlaufes, jedes Eindringen fremdartiger Elemente stört den Frieden, die Eintracht, bewirkt Zwietracht, setzt an Stelle der Gesundheit — Krankheit. 2. Wie erfolgt die Heilung?
Einleitung Inhalt
Wenn ich mit dem Fuße oder mit einer Axt an den Stamm einer jungen
Eiche schlage, so bebt der Stamm, es zittert jeder Ast, und es bewegt
sich jedes Blatt. Wie verkehrt, wollte ich schließen: das Blatt
zittert, es muß angegriffen, von irgend einem Gegenstande berührt
worden sein! Nein, weil der Stamm zittert, zittert auch der Ast und das
Blatt als Theil und Theilchen des Stammes. 3. Auf welche Weise bewirkt das Wasser die Heilung?
Einleitung Inhalt
a) die Krankheitsstoffe im Blute aufzulösen; b) das Aufgelöste auszuscheiden; c) das so gereinigte Blut wieder in die richtige Circulation zu bringen; d) endlich den geschwächten Organismus zu stählen d.i. zu neuer Thätigkeit zu kräftigen Heutige Jugend
Einleitung Inhalt
Es soll nur angedeutet werden, daß bezüglich der Ernährung bei mir die Hauptregel lautet: Trockene, einfache, kräftige, nicht verkünstelte und durch scharfe Gewürze verdorbene Hausmannskost und das unverfälschte Getränk, das in jedem Quell der liebe Herrgott spendet, beides genügsam gebraucht, ist dem Menschenkörper am besten und förderlichsten. (Ich bin nicht Puritaner und gestatte gern ein Glas Wein oder Bier, lege demselben aber durchaus nicht die allgemein beliebte Bedeutung bei. Vom medizinischen Standpunkte aus, nach Krankheiten z.B., mögen diese Getränke zuweilen eine Rolle spielen; in gesundem Zustande indessen lege ich dem Obste größere Bedeutung bei.) Bekleidung
Einleitung Inhalt
Lüften
Einleitung Inhalt
Allgemeines
Wasser-Anwendungen
Inhalt
Abhärtung
Wasser-Anwendungen
Inhalt
Barfußgehen
Abhärtung Inhalt
Diese Abhärtung stählt die noch ganz kleinen Kinder gegen die so häufigen Erkältungen und deren Folgen und erspart den Müttern, welche diesen Uebelständen vorbeugen wollen, die jeden denkenden Menschen wahrhaft entsetzenden Einmummungen und Einhüllungen in Wolle und andere schwere, jeden Luftzutritt hindernde Stoffe. In diesem Stücke wird furchtbar gegen die kleinen Gesundheiten gesündiget. Die zarten Körperchen stecken in förmlichen verbrennenden Wollöfen: der kleine Leib keucht unter der Last der Binden und Decken, das Köpfchen ist eingepuppt, daß ihm Hören und Sehen vergehen müssen, der vor Allem abzuhärtende Hals trägt außer den allgemeinen noch besondere Wärmemittel, die ihn gegen die äußere Luft vollends abschließen. Schon wenn der oder die Kleine auf dem Arm des Kindsmädchens ruht, um ausgetragen oder ausgefahren zu werden, sieht die verzärtelnde Mama nochmals nach, ob ja jedes Winkelchen und jede Ecke sorglichst verschlossen sei. Wen darf es bei sothanen Umständen, bei diesem gänzlichen Mangel der leisesten Spur von rationellem Abhärtungssinne wundern, wenn Diphtheritis, Halsbräune u.s.w. jährlich eine unzählbare Schaar der kleinen, ich möchte sagen jedem Windhauche erliegenden Wesen hinwegraffen, wenn viele Familien von Schwächlingen gleichsam wimmeln, wenn die Mütter über hektische, krampfhafte und andere, früher fast unbekannte Zustände, insbesonders bei den Mädchen, täglich Klage führen? Und wer erst vermöchte die geistigen Gebrechen zu zählen, diese tauben Blüthen und faulen Früchte eines Körpers, welcher vor der normalen Entwicklung und Kräftigung schon sein langsames Siechthum beginnt? Mens sana in corpore sano. Eine gesunde Seele wohnt nur in einem gesunden Körper. Eine Hauptvorbedingung der Entwicklung einer ausdauernden Gesundheit bildet die frühzeitigste Abhärtung. Daß alle Mütter ihre diesbezügliche Aufgabe und Verantwortung früh genug und tief erfaßten und keine Gelegenheit versäumten, aus guten Quellen sich guten Rath zu holen! Gehen im nassen Gras
Abhärtung Inhalt
Gehen auf nassen Steinen
Abhärtung Inhalt
Gehen im neugefallenen Schnee
Abhärtung Inhalt
Gehen in kaltem Wasser Abhärtung Inhalt
a) zur Abhärtung; es wirkt diese Anwendung auf den ganzen Körper, kräftigt die ganze Natur; b) sie wirkt günstig auf die Nieren und auf Ableitung des Harnes, verhütet deswegen manche Leiden, die in den Nieren, der Blase und im Unterleib entstehen; c) sie wirkt recht gut auf die Brust, erleichtert das Athmen und leitet Gase aus dem Magen; d) sie wirkt besonders gegen Kopfleiden, Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerzen. Man kann dies Abhärtungsmittel anwenden, indem man in einer Badewanne (oder Schaff, Zuber) anfangs bis über die Knöchel im kalten Wasser Bewegung macht. Wirksamer ist es, wenn die Abhärtung gesteigert wird und man bis an die Waden im Wasser geht, am wirksamsten, wenn das Wasser bis zu den Knien reicht. Die Dauer betreffend, so kann man anfangen mit 1 Minute, dann länger bis 5 und 6 Minuten. Je kälter dabei das Wasser, um so besser. Nach solcher Anwendung ist Bewegung im Winter im warmen Zimmer, im Sommer im Freien zu machen bis zur vollständigen Erwärmung, Im Winter kann Schnee in's Wasser gethan werden. Bei Schwächlingen kann man mit Wasser anfangen, das nicht sehr kalt ist, und nach und nach zum kälteren und schließlich zum ganz kalten übergehen. Kaltbaden der Arme und Beine
Abhärtung Inhalt
7. Als letztes Abhärtungsmittel sei der Knieguß aufgezählt. Man suche die Art seiner Applizirung bei den Gießungen. Er ist der besondere Freund der Füße, indem er in deren blutleere Adern das Blut lockt. An dieser Stelle habe ich nur zu bemerken, daß ich den Knieguß, wenn ihn Gesunde zur Abhärtung benützen, in stärkeren Formen gebe. Es wird dieses z.B. dadurch erreicht, daß ich den Strahl höher auffallen lasse, daß ich zur Winterszeit das Wasser durch Schnee und Eis noch mehr kühle u.s.w. Die Uebung kann nur vorgenommen werden, wenn der Körper warm ist (nicht fröstelt). Bis zu den Knöcheln kalte Füße sollen die Anwendung nicht hindern. Deßgleichen darf der Knieguß allein, d.i. ohne von einer andern Anwendung begleitet zu sein, nicht zu lange fortgesetzt weiden (nicht über 3—4 Tage). Wer ihn länger gebraucht, gebraucht ihn im Wechsel mit dem Oberguß oder dem Eintauchen der Arme (s. Nr. 6), in der Frühe die eine, Nachmittags die andere Anwendung. Diese angeführten Abhärtungsmittel mögen genügen. Dieselben können zu jeder Jahreszeit vorgenommen, im Winter und Sommer fortgesetzt werden. Im Winter wird man die eigentliche Anwendung etwas abkürzen, dagegen die Bewegung nach derselben um ein Weniges verlängern. Ungewohnte thun gut, die Abhärtungsübungen nicht gerade im Winter, zur kalten Jahreszeit zu beginnen. Vornehmlich gilt dieses allen, welche an Blutarmuth, innerer Kälte viel leiden und durch Wollkleidung verwöhnt, verweichlicht, empfindlich geworden sind. Ich sage dieses, nicht als ob ich Schaden befürchtete; ich fürchte lediglich das Abgeschrecktwerden von einer überaus guten Sache. Gesunde und Kränkelnde können ohne Bedenken sämmtliche Uebungen vornehmen, beide mit Vorsicht und die Anweisungen genau befolgend. Schlimme Folgen sind niemals der Anwendung, sondern stets irgend einer größeren oder kleineren Unvorsichtigkeit zuzuschreiben. Selbst bei Schwindsüchtigen, bei denen das Leiden schon ziemliche Fortschritte gemacht hatte, habe ich die Nummern 1. 2. 3. 6. mit großen Erfolgen angewendet. All die Leutchen, denen mein Büchlein in erster Linie gilt, brauche ich nicht zur Abhärtung aufzumuntern. Ihr Beruf, die täglichen Pflichten bringen täglich, oft stündlich das eine oder andere der genannten und viele, unzählige ungenannte Abhärtungsmittel von selbst mit sich. Sie mögen ruhig ausharren und Niemanden beneiden, der es scheinbar besser hat als sie. Das sind Täuschungen, sehr oft, ja meistens große Täuschungen. Diejenigen meiner verehrten Leser, welche die angeführten Dinge vielleicht noch niemals, auch nur dem Namen nach gehört haben, lade ich ein, vor dem Verdammungsurtheile eine kleine, die kleinste Probe anzustellen. Wenn dieselbe zu meinen Gunsten ausfällt, soll es mich freuen, nicht meinetwegen, sondern wegen der Wichtigkeit der Sache. Es brechen im Leben viele Stürme herein über die Gesundheit der Menschen. Wohl dem, der ihre (der Gesundheit) Wurzeln durch die Abhärtung gut gefestigt, in die Tiefe geleitet und gegründet hat! Die Aufschläger Wasser-Anwendungen Inhalt Einleitung
Einleitung
Aufschläger
Inhalt
I. Der
Oberaufschläger Aufschläger
Inhalt
2. Der
Unteraufschläger Aufschläger
Inhalt
3. Ober- und Unteraufschläger zusammen
genommen Aufschläger
Inhalt
4. Auflage auf den
Unterleib Aufschläger
Inhalt
Exkurs zum Eisauflagen
Aufschläger
Inhalt
Exkurs zum Aderlaß
Aufschläger
Inhalt
Fußbäder Wasser-Anwendungen Inhalt Einleitung/ das kalte Fußbad
Das kalte Fußbad besteht darin, daß man 1—3 Minuten bis an oder über die Waden in
kaltem Wasser steht. 2. Das warme Fußbad
Fußbäder Inhalt
In manchen Fällen verordne ich bei den genannten Fußbädern (man lese
die einschlägige Stelle bei: Warme Vollbäder) wie bei
den warmen Vollbädern den dreimaligen Wechsel. Den Abschluß bildet
auch hier wie dort das Kalte. Eine stete Ausnahme bildet jedoch das oben
unter a erwähnte 25 bis 26° R. warme Fußbad mit Beigabe von Asche und
Salz. Dasselbe hat den Zweck, das Blut in verstärkter Weise von oben
nach unten zu ziehen und daselbst zu vertheilen. Wer auf dieses warme Fußbad
also noch ein kaltes folgen ließe als Abschluß, der würde das stark
nach den Füßen geleitete Blut abermals von unten nach oben zurückschrecken,
und es würde dasselbe keineswegs mehr in so ausgiebiger Menge in die Füße
hinabfließen, in der es durch das warme Wasser mit Asche und Salz
hinabgezogen wurde. Die erste, gewollte Wirkung würde auf diese Art
wenigstens theilweise aufgehoben und der Zweck vereitelt. Auf das warme
Fußbad mit Beigabe von Asche und Salz folgt also nie ein kaltes.
II.
Halbbäder Wasser-Anwendungen
Inhalt III. Sitzbäder/ kaltes Sitzbad
Wasser-Anwendungen
Inhalt
Fig. 2: Sitzbadewanne zu Anwendung des kalten Sitz-Bades
Fig. 3: Ersatz-Badewanne zu Anwendung des Sitzbades
Fig. 4: Anwendung der Badewanne für das Sitzbad Vollbäder Wasser-Anwendungen Inhalt Kalte Vollbäder
IV. Vollbäder oder Ganzbäder. Kalt
a) Das kalte Vollbad für
Gesunde Vollbäder
Inhalt
b) Das kalte Vollbad für
Kranke Vollbäder
Inhalt
Zusehen und Zuwarten, was sich aus einem so schrecklichen Feuerbrande wohl entwickeln möge, scheint mir bedenklich und folgenschwer zu sein. Was soll da "alle Stunden einen Eßlöffel voll", was das theure Chinin, was das wohlfeile Antipyrin, was die giftige Digitalismixtur, deren Folgen für den Magen wir alle kennen? Medikamente sind und bleiben bei solchen Bränden doch recht schwache Hilfs- oder Fieberstillungsmittel. Was sollen endlich jene künstlichen Verauschungsmittel, die man dem Kranken eingibt oder einspritzt, die ihn in der That berauschen, daß er nichts mehr weiß, nichts mehr fühlt, nichts mehr empfindet? Ganz abgesehen vom moralischen und religiösen Standpunkte ist es wahrlich erbärmlich, so einen halb eingeschlummerten, vielmehr berauschten Kranken zu sehen, wie er daliegt mit entstellten Zügen, mit verdrehten Augen. Wird das helfen?
Bei solchem Fieberfeuer hilft gar nichts als das Löschen. Feuer
und Brände löscht man mit Wasser, den allgemeinen Körperbrand, wo
gleichsam Alles in hellen Flammen steht, am gründlichsten durch das
Vollbad. Bei jedem neuen Aufflackern, d.h. so oft die Hitze, die
Bangigkeit groß wird, vielleicht im Anfange des Fiebers jede halbe
Stunde erneuert, wird es, früh genug angewendet, bald Herr des Feuers
sein (s. Entzündungen, Scharlach, Typhus u.A.). 2. Das warme Vollbad Vollbäder Inhalt
dient wie das kalte für Gesunde und Kranke.
Die Art und Weise, wie es genommen wird, ist eine zweifache.
Man steigt einmal in die mit Warmwasser so hoch angefüllte Badewanne
(a), daß das Wasser den ganzen Körper überspült, kein Theil bloß,
d.i. über Wasser liegt. In dem Bade verweilt man 25 — 80 Minuten.
Dann geht man rasch in eine danebenstehende Wanne (d), die kaltes Wasser
enthält, und taucht bis an den Kopf, nicht mit dem Kopfe, unter, oder
in Ermangelung dieser zweiten Badewanne wäscht man den ganzen Körper möglichst
rasch kalt ab.
Die zweite Art, dieses Bad zu nehmen, ist folgende: Die Badewanne wird
gefüllt wie das erstemal, das Badewasser aber hat die höhere
Temperatur von 30 - 35° R. (37 - 44° C.). Ueber die Zahl 35 sollen bei dieser Art Bäder
die Wärmegrade nie steigen (wann, in welchen Fällen sie zur Anwendung
kommen soll, muß stets extra gesagt sein), unter die Zahl 28 nie
fallen; durchschnittlich rathe und bereite ich sie selbst mit 31—33°
R. (38 - 40° C.).
Dasselbe Vorurtheil von der plötzlichen Kälte, die auf die Wärme
folgt, begegnet uns hier schon wieder. Gerade mit Rücksicht auf die
folgenden Kaltbäder können und müssen die Warmbäder in höherer
Temperatur, als sonst normal ist und ich unter andern Umständen rathen
würde, gegeben werden. Der Körper wird mit so viel Wärme erfüllt,
gleichsam gewappnet, daß er den Anstoß der eindringenden Kälte gut
aushalten kann. Wer beim ersten male zu sehr vor der kalten Wanne zurückschrecken
sollte, nehme eine Ganzwaschung vor. Er wird Muth bekommen. Es kommt
Alles nur auf die erste Probe an. Wer es einmal versucht hat, nimmt
schon des Wohlbehagens wegen nie mehr ein warmes Bad ohne das
darauffolgende kalte. Vielen, die anfangs vor Angst gezittert, später
aber sich an den merkwürdig wirkenden Wechsel gewöhnt, denselben
liebgewonnen haben, mußte ich strenge Grenzen ziehen, daß das Uebermaß
des Guten ihnen nicht zum Uebel werde. a) Das warme Vollbad für
Gesunde Vollbäder
Inhalt
b) Das warme Vollbad für
Kranke Vollbäder
Inhalt
aa) Das
Heublumenbad Vollbäder
Inhalt
bb) Das
Haberstrohbad
(Haferstrohbad) Vollbäder
Inhalt
cc) Das Fichtenreiser-
(Nadel-) Bad Vollbäder
Inhalt
dd) Gemischte Bäder Vollbäder Inhalt
nenne ich jene, bei denen, wenn gerade das nothwendige Quantum irgend
einer dieser Heilpflanzen abgeht, die Absude von mehreren
zusammengegeben werden in ein Bad. Am häufigsten habe ich so gemischt
die Absude von Heublumen und Haberstroh (Haferstroh), indem schon die Pflanzen
zusammen gekocht wurden. Das Haberstrohbad (Haferstrobbad) wird auf diese Weise auch
wohlriechender. 3. Die
Mineralbäder Vollbäder
Inhalt
V Theilbäder Wasser-Anwendungen Inhalt Theilbad
Theilbäder
Theilbäder Inhalt
1. Das Hand- und
Armbad Theilbäder
Inhalt
2. Das
Kopfbad Theilbäder
Inhalt
Das Kopfbad 3. Das Augenbad Theilbäder Inhalt
ist kalt oder warm zu nehmen. Man bereitet es in beiden Fällen seinen
Augen folgendermaßen: Man taucht das Gesicht in das kalte Wasser ein,
öffnet die Augen und läßt diese 1/4 Minute gleichsam baden. Dann
erhebt man sich, setzt ungefähr 1/4-1/2 Minute aus und taucht Stirne
und Augen von neuem ein. Die Wiederholung kann geschehen 4-5 mal. Das
warme (24 - 26° R.) (30 - 32° C.) Augenbad soll stets mit kalt abschließen, sei es,
daß man das letzte Bad kalt nimmt, oder daß man zum Schlüsse die
Augen mit frischem Wasser abwäscht. Desgleichen sei das Badewasser
nicht warmes Wasser allein, sondern wieder Kräuterwasser, 1/2 Löffel
gemahlener Fenchel oder Absud von Augentrost (Heilpflanze) haben mir stets gute
Dienste geleistet. Dämpfe Wasser-Anwendungen Inhalt Dämpfe
C.
Dämpfe Dämpfe
Inhalt
Da führte mich gerade zur Winterszeit einmal der Weg nach München; ich
litt an ziemlich heftigem Katarrh (Schleimhautentzündung). Der Zufall spielte mir ein Blatt in
die Hand, welches auf der letzten Seite die an's Wunderbare grenzenden
Wirkungen der russischen Dampfbäder in einem überschwenglichen
Lobeshymnus pries. Unter Anderem hieß es: man probire es nur; ein
einziges Dampfbad ist im Stande, den heftigsten Katarrh zu heilen.
"Das muß ich doch mal sehen," dachte ich, und — gedacht,
gethan. Ich suchte die Anstalt auf, nahm ein solches Bad, und in der
That, ich fühlte nach der allerdings russischen Dampfkur keine Spur
mehr von meinem Katarrh. Aber nur langsam! Kaum waren 5—6 Stunden
verflossen, da saß im ganzen Körper ein neuer Katarrh, doppelt so
heftig als der alte, den ich im russischen Bade zurückgelassen. 1. Der
Kopfdampf Dämpfe
Inhalt
Fig. 7: Kleines Holzgefäß zur Anwendung des Kopfdampf
Die Anwendung des Kopfdampfes erheischt einige kleinere Vorbereitungen.
Zu dessen Vornahme nämlich sind nothwendig ein kleines Holzgefäß (s.
Fig. 7), mehr tief als weit, mit Oehren, auf welche man bequem die Hände
stützen kann, und einem gut abschließenden Deckel; sodann zwei Stühle
und zum Zudecken des Behandelten eine größere Wolldecke. Von den Stühlen
dient der eine höhere zum Sitzen, der zweite niedrigere als
Untergestell des Holzgefäßes.
Fig. 9: Kleines Holzgefäß zur Anwendung des Fußdampfes
Fig. 10: Holzbrett zum Aufstellen der Füße bei der Anwendung
des Fußdampfes
Fig. 11: Darstellung der Anwendung des Fußdampfes 3. Der
Leibstuhldampf Dämpfe
Inhalt
4. Besondere Dämpfe auf einzelne kranke
Stellen Dämpfe
Inhalt
Gießungen (Güsse) Wasser-Anwendungen Inhalt Knieguß
D. Gießungen/Knieguß
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Sehr bald fühlt man, wie eine angenehme Wärme sich entwickelt, wie das
nasse Tuch warm, ja allmählig heiß wird. Die Anwendung des Shawles
kann 1/2 - 1 1/2, in seltenen Fällen bis 2 Stunden dauern, letzteres
dann, wenn stärkere Ableitungen gewünscht werden. Bei längerer Dauer
darf man die Erneuerung, d.i. Neueintauchung des Nickels nicht übersehen.
Dieses geschieht nach ungefähr 1/2 - 3/4 Stunden, in der Regel dann, wenn
die Hitze stark, der Wickel warm, heiß wird.
Bei Hitzen, Congestionen und beginnenden Entzündungen an oder im Kopfe,
bei fieberhaften Katarrhen, Bei Verschleimungen im Hals, in der Luftröhre,
auf der Brust wirkt unser ganz unschuldiger Wickel auslösend und
ableitend. Die größten und auffallendsten Dienste hat er stets gemüths-
oder geisteskranken Personen des schwachen Geschlechtes erwiesen. In
Verbindung mit einer andern, ebenso leichten Anwendung reichte der Shawl
vollkommen aus, den Blutandrang zum Kopfe aufzuheben, den überfüllten
Kopf zu entbluten. Diese zweite Anwendung bestand gewöhnlich in nassen
Socken oder in Fußwickeln oder in einem warmen Fußbade mit Asche und
Salz.
4. Der
Fußwickel Wickelungen
Inhalt
Dieser Wickel ist stets eine wichtige Nebenanwendung, d. h. ein
Hilfsmittel, welches andern Anwendungen helfend entgegenarbeitet. Wir
unterscheiden einen doppelten Fußwickel, nämlich:
a) den eigentlichen Fußwickel.
Landleute, welche mehr beschränkt sind in Zeit und Mitteln, nehmen
diesen Wickel am einfachsten, indem sie ein paar nasse Socken und darüber
trockene Wollstrümpfe anziehen und sich dann während der
Anwendungszeit in's Bett legen unter eine gute Zudecke, Wem dieses nicht
behagt, der tauche grobe leinene Lappen oder eine Linnenbinde in halb
Wasser, halb Essig, umwinde damit die Füße bis über die Knöchel,
bringe den trockenen Umschlag, am besten eine Woll- oder Flanellbinde,
darüber und decke sich im Bette ordentlich zu.
Die Anwendung dauert 1 — 1,5 — 2 Stunden und schreibt stets das Bett
vor.
Entwickelt sich starke Hitze, und handelt es sich bei der betreffenden
Anwendung gerade um deren Ableitung, wie z.B. bei der Lungen-, der
Brustfell-Entzündung, bei Entzündungen im Unterleibe, so soll der
Wickel wiederholt, bei jeder größeren Hitze neu eingetaucht werden. In
allen Fällen, in denen es sich darum handelt, krankhafte Säfte aus den
Füßen auszuziehen, bei Entzündungen die Hitze zu nehmen, das Blut vom
oberen Korper nach unten zu ziehen, leistet dieser Fußwickel treffliche
Dienste.
Man verwechsle ihn nicht mit dem Fußbade und seinen Wirkungen! Wie die
Dauer des Fußbades eine bedeutend kürzere, so ist seine Wirkung eine
beschränktere. Wohl leitet auch es die Wärme, das Blut in die Füße;
aber eine Reinigung, eine Auslegung verdorbener Säfte aus den Füßen
vermag kein kaltes und kein warmes Fußbad zu Stande zu bringen.
Eine Anwendung dieses Wickels darf ich nicht vergessen.
Wer die Wasserübungen am Abende ertragen kann, der ziehe nasse Socken
an beim Schlafengehen, darüber natürlich stets trockene. So verliert
er absolut keine Zeit; er wird prächtig schlafen und braucht auf keine
bestimmte Zeitdauer Acht zu haben. Nur das Eine merke er sich, daß er
beim Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe die nassen Socken
ungesäumt weggibt.
Landleuten, die Abends recht müde sind, zieht dieser Sockenwickel alle
Müdigkeit aus den Füßen, noch gründlicher als das kalte Fußbad.
Wer an kalten Füßen leidet, probire einmal diese Nachtwickel. Auch Fußschweißlern
habe ich dieselben oft mit Erfolg angerathen, jedoch erst, nachdem
mehrere Fußdämpfe vorangegangen waren.
b) Den Wickel über die Kniee.
Kräftiger als der eigentliche Fußwickel in der unter a) beschriebenen
Weise wirkt ein Wickel bis über die Kniee.
Die nasse Linnenbinde, welche beim Fußwickel bis über die Fußknöchel
reicht, wird fortgesetzt, fortentwickelt bis über die Kniee und gut mit
trockener, am besten wollener Umhüllung versehen.
Die Dauer dieses Wickels, auch das andere Verhalten ist dasselbe wie
beim Fußwickel a.
Zur Ausleitung von Hitze im Oberkörper, zur Hebung großer Müdigkeit,
speziell zur Lösung quälender Winde, versessener Gase empfehle ich den
Wickel angelegentlich.
Man verwechsle ihn nicht mit dem bei den Halbbädern genannten "in's
Wasserstehen bis über die Kniee". Diese Anwendung ist rein stärkender,
nie ableitender Natur.
5. Der Unterwickel Wickelungen Inhalt
Der Unterwickel führt seinen Namen aus dem Grunde, weil er hauptsächlich gegen
Gebrechen des Unterleibes und der Füße gerichtet und deßhalb der
speziell dem Unterleibe zugedachte Wickel ist. Er beginnt unter den
Armen und reicht hinunter bis über die Fußspitzen. Der oberste Theil
des Oberkörpers, die Schultern mit den Armen, die frei bleiben, sind
unberührt und müssen, wenn der Behandelte zu Bette liegt, gut mit dem
Hemde, besser noch mit wärmerer Bekleidung bedeckt werden, daß von
oben her nicht etwa Luft eindringe. Der Unterwickel wird also bereitet
und genommen: Auf das die Matratze oder den Strohsack bedeckende
Leintuch wird der Länge nach eine möglichst breite Wolldecke
ausgebreitet. Das zum Wickel bestimmte Linnen soll so groß sein, daß
es zum Mindesten zweimal, in manchen Fällen 3 — 4 mal um den Körper
und bis über die Fußspitzen hinaus reicht (2—3—4fache "Fätschung").
Man nimmt es am besten doppelt gefaltet, taucht es in kaltes Wasser,
windet es aus, so daß es nicht mehr triefet, und legt es in Form eines
Rechteckes
auf den bereit liegenden Wollteppich in's Bett. Auf der nassen Unterlage
nun nimmt man Platz, schlägt sie rechts und links ein, aber so, daß Naß
über Naß geht und keine Stelle des Unterleibes unbedeckt bleibt. Darüber
wird die unter dem nassen Linnen gebreitete Wolldecke als schützende
und luftabschließende Hülle zusammengezogen und das Ganze mit dem
Federbett sorgfältig zugedeckt. Die Füße werden meistens noch eine
Extrazudecke erfordern. (s. Abbildung.)
Anwendung
des Unterwickel
Die Sache ist nicht so verwickelt, wie es beim Lesen erscheinen könnte.
Der ganze Hergang kann dadurch erleichtert werden, daß der Behandelte
außer Bett, vielleicht mit Badehosen bekleidet, den nassen Wickel
vorschriftsmäßig um sich hüllt und sich derart eingehüllt auf die
ausgebreitete Wolldecke legt. Jetzt kann ihm, damit Alles rasch, ohne
Verzug geschieht, daß er möglichst geringe Zeit der Luft ausgesetzt
ist, leicht Jemand behilflich sein, d. i. den nassen Wickel etwas glätten,
zurecht legen, die Ränder anschließend machen, besser über einander
legen, den Patienten endlich sorglich zudecken.
Freilich ist die Sache stets etwas umständlich, doch, wie mir scheinen
will, einfacher und leichter als ein Umwickeln mit eigens dazu
bereiteten Binden, welche ich bei größeren und den grüßten Wickeln
nie verwende.
Bei einiger Praxis ergibt sich ein Vortheil nach dem andern. Ich kenne
Viele, die ohne Mühe und in kürzester Zeit (das ist eine Hauptsache) sämmtliche
größeren Wickel sich selbst allein zu bereiten und umzulegen wissen.
Hier schon möge eine Bemerkung Platz finden, die Manchen, das beim
Lesen empfundene Schauern oder Kaltüberrieseln nehmen wird.
Wer die Furcht vor dem kalten Wasser nicht überwinden kann, wer wenig
Naturwärme, zartere Nerven u.s.w. hat, tauche den Wickel ganz ruhig in
heißes Wasser ein.
Schwächlichen, gebrechlichen, blutarmen, namentlich älteren Leuten
mache ich diese Eintauchung nicht gerade zur strengen Vorschrift, gebe
ihr aber stets den Vorzug,
Die Anwendung des Unterwickels dauert 1 1/2, manchmal 2 Stunden, Das anfängliche
Kältegefühl wird bald einer angenehmen Wärme weichen.
Einfache, arme Land- und Bauersleute können diese ganze Geschichte viel
einfacher haben. Sie suchen sich einen alten, ziemlich abgenützten, deßhalb
weniger steifen Getreidesack aus, tauchen denselben in's Wasser, winden
ihn ordentlich aus und schlüpfen dann bis unter die Arme in den Sack,
gleich als wenn sie die Hosen anziehen würden. In dieser altmodischen
Tracht legen sie sich auf die ausgebreitete Wolldecke in's Bett und
wickeln sich in diese und das Federbett tüchtig ein. Hunderte haben
diese Art von "Sackjucken" probirt. Schäme dich nicht, der
Sack wird auch dir recht wohl bekommen!
Die Wirkung des Unter Wickels, welcher stets mit anderen Anwendungen
verbunden wird, ist verschieden: wärmend, auflösend und ausleitend. Er
übt diese Wirkung, wie bereits gesagt wurde, vornehmlich aus auf den
Unterleib. Bei Fußgeschwülsten, rheumatischen und gichtischen Zuständen,
bei Nierenleiden, Blähungen, Krämpfen u.s.w. wird er regelmäßig zur
Mithilfe beigezogen werden.
Anstatt des einfachen kalten oder warmen Wassers verwende ich sehr häufig
zum Eintauchen die Absude von Heublumen, saurem Heu, Haberstroh
(Haferstroh),
Fichtenreisern. Das saure Heu gilt als Ersatzmittel für Heublumen;
beide dienen bei Harnbeschwerden und in untergeordneter Weise bei Gries-
und Steinleiden.
Absud von Haberstroh (Haferstroh) hat sich jederzeit bewährt bei der Gicht, bei
Gries- und Steinleiden, Absud von Fichtenreisern bei schwächlichen
Naturen zur Ausleitung von Gasen und zur Beseitigung der verschiedensten
krampfhaften Zustände im Unterleib.
6. Der kurze Wickel Wickelungen Inhalt
Der kurze Wickel ist der am meisten genannte und gebrauchte. Er bildet für sich allein
eine abgeschlossene Anwendung, d.h. er wirkt, ohne daß andere Wasserübungen
beizuziehen sind, auf den ganzen Körper. Er steigert die Naturwärme
und zieht anderseits zu große Hitze aus, je nachdem seine Anwendung längere
oder kürzere Zeit dauert.
"Dieser Wickel ist alles werth," hat einmal Einer gesagt;
"was der Sattelgaul am Fuhrwerke, das leistet er unter den
Wickeln." Zu seiner Beliebtheit und allgemeinen Verbreitung hat
sehr viel der Umstand beigetragen, daß ihn ein Jeder selbst leicht und
bequem nehmen, umlegen kann. Der kurze Wickel beginnt wie der
Unterwickel seine Wickelungen unter den Armen und beendet sie oberhalb
der Kniee. Ein grobes Linnentuch wird 4—6fach in solcher Breite
zusammengefaltet, daß es den Körper in besagter Weise umhüllt, sodann
naß gemacht, ausgewunden und gut anschließend umgelegt. Eine Wolldecke
schließt luftdicht ab, und das Federbett gibt die nothwendige Wärme.
(s. Abbildung.)
Anwendung
des kurzen Kurzwickels
Schwächliche und ältere Personen, mit einem Worte die Blutarmen, deren
Blutwärme nicht viel über dem Gefrierpunkte steht, dürfen, ja sollen
auch diesen Wickel warm nehmen.
Arme und einfache Leute auf dem Lande können statt des 4—6fach
gefalteten Linnentuches wieder einen abgenützten, weicheren
Getreidesack netzen und denselben der Breite nach umlegen.
Die ganze Anwendung dauert je nach Vorschrift 1 bis 1,5 zuweilen 2
Stunden.
Würden gesunde Leute alle 8, auch mir alle 14 Tage einen kurzen Wickel
nehmen, so könnten sie einer großen Anzahl Krankheiten gründlich
vorbeugen. Auch erwirkt er günstig und reinigend auf Niere und Leber und
auf den Unterleib, den er von versessenen Winden, quälenden Gasen,
verlegenen Stoffen, überflüssigem Wasser reinigt. Die Wassersucht,
Herz- und Magenleiden, die sehr häufig vom Druck der Gase nach oben
herrühren und aufhören, sobald diese entfernt werden, sind den
Freunden des kurzen Wickels unbekannte Gäste. Und ich kenne eine Zahl
solcher treuen Freunde, welche manche Nacht in seiner Umhüllung
schlafen und bis zum Morgen überaus gut und sanft ruhen.
Bei Verschleimungen des Magens, bei Herz- und Lungenübeln, bei den
verschiedensten Kopf- und Halsleiden findet der kurze Wickel die
mannigfaltigste Verwendung. Das Nähere besagt im dritten Theile eine
Reihe von Krankheiten.
Wenn ich im Unklaren bin über ein Uebel, wenn ich den Sitz einer
Krankheit nicht genau erkenne, so ist stets der kurze Wickel der
treueste und beste Rathgeber. Auf nähere Ausführung kann ich mich
nicht einlassen.
Patienten, deren Unterleib durch was immer geschwächt ist, rathe ich,
unmittelbar vor oder nach dem Wickel den Unterleib mit Schweinefett oder
Kampheröl einzureiben.
Bei Krämpfen lasse ich auch manchmal ein in Essig getauchtes einfaches
Tuch unter den Wickel auf den bloßen Leib legen. Bei Krämpfen und Kältegefühl
ist warmer Wickel am Platze.
7. Das nasse
Hemd Wickelungen
Inhalt
Diese Anwendung habe ich gewählt, weil sie auch von den einfachsten
Menschen mit geringer Fassungskraft nicht leicht mißverstanden werden
kann.
Ein gewöhnliches Linnenhemd wird in Nasser getaucht, ordentlich
ausgewunden und wie üblich angezogen. Man legt sich in's Nett auf eine
ausgebreitete Wolldecke, hüllt sich gut ein oder läßt sich gut einhüllen
und mit einem Federbett warm zudecken.
Ich kannte einen Herrn, welchem auch dieses Verfahren noch zu umständlich
war. Er stellte sich im Hemde in eine Badewanne und ließ über das Hemd
und seinen Körper eine Kanne mit Wasser gießen. Darauf ließ er sich
in die Wolldecken hüllen, und er konnte von dieser "ersten und
besten aller Anwendungen" nicht genug rühmen, wie sie guten Schlaf
bringe, den Humor froh, den Geist geweckt und den Körper frisch mache.
In dem nassen Hemde bleibt man 1 bis 1 1/2, längstens 2 Stunden. Bezüglich
seiner Wirkung habe ich die Erfahrung gemacht, daß es die Poren öffnet
und wie ein gelindes Zugpflaster auszieht, daß es beruhigt,
Congestionen und krampfhafte Zustände hebt, gleichmäßige Naturwärme
hervorbringt und das Allgemeinbefinden des Körpers hauptsächlich wegen
seiner ausgezeichneten Wirkung auf die Haut zu einem sehr guten macht.
Mit sehr großem Erfolge habe ich es bei Gemüthsleiden, bei Kindern
beim Veitstanz* und ähnlichen Erscheinungen, besonders auch bei
Hautkrankheiten angewendet. Sollten in letzteren Fällen starke
Ausleitungen erzielt, Ausschläge, wie Scharlach u.s.w. hervorgelockt
werden, so ließ ich das Hemd in Salzwasser oder in mit Essig
vermischtes Wasser tauchen.
*Die Chorea Huntington, auch "Veitstanz" genannt, ist eine seltene erbliche Erkrankung des Gehirns, bei der es zum einen zu Bewegungsstörungen und zum anderen zu Wesensänderungen bis hin zur Demenz kommt.
8. Der spanische
Mantel Wickelungen
Inhalt
Diesen Namen habe ich nicht erfunden; ich habe aber auch keinen genügenden
Grund, den unter solcher Benennung bekannten und eingebürgerten Wickel
anders zu taufen, selbst auf die Gefahr hin, daß das fremdländische
Wort manchem schnüffelnden Leser spanisch vorkommen sollte. Das ist und
wäre mir alles eins. Auf die so bezeichnete Sache kommt es allein an.
Der spanische Mantel, auch großer Wickel genannt, ist wie das Vollbad
und der kurze Wickel eine ganze, für sich allein genügende Anwendung,
welche auf den ganzen Organismus einwirkt. Das hindert nicht, daß sie
bei größeren und gefährlicheren Krankheiten stets nur im Wechsel mit
anderen Wasseranwendungen vorkommt.
Worin besteht dieser größte Wickel?
Aus
grober Leinwand, dem beim Volke bekannten "Reisten", wird eine
Art Linnenmantel gemacht. Derselbe gleicht einem weiten Hemde mit
Aermeln, welches nach vorne zu ganz offen ist und bis über die Zehen
hinunterreicht, oder, wenn man will, einem weiten, langen
Linnen-Schlafrock. (s. Abbildung.) Dieser Mantel wird in kaltes oder bei
schwächeren, blutarmen, älteren, wasserscheuen Individuen in heißes
Wasser getaucht, ausgewunden, wie ein Hemd angezogen und vorne gut übereinander
geschlagen.
Es kam einst ein Patient zu mir, der an allen möglichen Gebrechen litt.
Congestionen, Blähungen, Hämorrhoiden plagten ihn, und eine
Herzverfettung brachte große Beängstigungen. Er gewöhnte sich daran,
in der Woche 1—2 mal den spanischen Mantel umzulegen, und nach längerem
Gebrauche waren all' die genannten Uebel mit noch anderen wie
weggeblasen. Seitdem benützt der Geheilte bis zum heutigen Tag den
spanischen Mantel als Universalmittel, und da er nicht viel Zeit zu versäumen
hat, zieht er denselben an beim Schlafengehen und legt ihn erst ab beim
Aufwachen in der Nacht oder in der Morgenfrühe. Der Herr ließ sich aus
starkem Wollstoff einen zweiten spanischen Mantel machen, der ihm statt
der Wolldecken trefflich dient und jede Mithilfe bei Anwendung dieses
Wickels erspart.
Das
Bett wurde vorher so zubereitet, daß die Wolldecken zur Aufnahme des
Bemantelten bereit legen. Am besten breitet man eine recht breite, große
Wolldecke aus oder legt 2 kleinere Decken der Breite nach über die
Matratze oder den Strohsack. Darauf legt sich der Patient und wird durch
die Wolldecken luftdicht abgeschlossen und mit einem Plumeau (Federbett)
warm zugedeckt. (s. Abbildung.) Man sehe darauf, daß die nasse
Einkleidung und die Verpackung in die Wolle möglichst rasch vor sich
gehe, daß das der frischen Luft Ausgesetztsein ein Minimum, eine möglichst
kleine Zeit ausmacht.
Die Zeitdauer einer Anwendung beträgt 1 bis 1,5, längstens 2 Stunden,
Dieselbe richtet und bemißt sich nach der Kraft des Individuums,
insbesondere nach der Korpulenz. Für einen schwächlichen Bauersmann
werden 1 bis 1,5 Stunden genügen; einem Herrn Bläumeister kann man ohne Zögern
2 Stunden verordnen.
Wer wissen will, wie und wie stark der spanische Mantel wirke, der
untersuche das Wasser, in welchem der Wickel nach der Anwendung stets
sorgfältigst ausgewaschen werden soll. Er wird finden, daß es ganz trüb
ist; ja er wird staunen und es kaum glaublich finden, daß ein
spanischer Mantel solchen Unrath auszuziehen im Stande ist.
Ich erinnere mich an Fälle, in denen der weiße Linnenwickel ganz gelb
wurde, welche Farbe keine Lauge, erst das Bleichen auf dem Grase wieder
vertreiben, aussaugen konnte.
In der gelindesten (nicht im Mindesten schroffen) Form, aber gründlich
öffnet der spanische Mantel die Hautporen am ganzen Körper und zieht
allen Unrath, Schleim u.s.w. aus. Ich brauche nicht zu sagen, wie
wohlthuend er deßhalb auf die normale Körpertemperatur, auf das
Allgemeinbefinden wirken muß.
Im Besonderen wende ich diesen großen Wickel an bei ziemlich
allgemeinen (den ganzen Körper mehr oder weniger angreifenden)
Katarrhen, bei Schleimfieber, Podagra (Gicht), Gliedersucht (Rheuma),
Blattern (Pocken), Typhus,
zur Vorbeugung gegen Schlaganfalle u.s.w. Im Krankheitstheile (s.
dritter Theil) wird man ihm recht oft begegnen.
Wird der Mantel in Absude von Heublumen, Haberstroh (Haferstroh), Fichtenreiser
getaucht, so wirkt er vortrefflich gegen jene Leiden (Gicht-, Stein-,
Gries-Leiden u.s.w.), deren Heilung genannten Pflanzen eigenthümlich
ist.
G. Trinken des
Wassers Wasser-Anwendungen
Inhalt
In diesem Stücke kann ich mich sehr kurz fassen. Ich warne vor zwei
Extremen, d.h. vor zwei das richtige Maß überschreitenden Ansichten.
Es sind einige Jahrzehnte her, da gab es förmliche Wassertrinkturniere.
Wer die meisten "Maßerl zwang", der war der größte Held,
Ein tägliches Quantum von 4, 6, 8, 10 Maß zählte durchaus nicht zu
den Seltenheiten. Noch heutzutage spuckt in manchem Kopfe der Gedanke,
viel Wassertrinken müsse gesund machen. Besser noch diese Grille als
die andere, welche dem glühenden Hirn vorsingt, 3, 4, 5 Maßerl braunes
Gerstenwasser sei nicht zu viel Flüssiges für die Menge des täglich
eingenommenen Festen.
Den Leuten der zweiten Gattung scheint das Gegentheil von dem Gesagten
das Richtige zu sein, sie trinken Wochen, ja Monate lang gar kein
Wasser; denn das Wassertrinken ist nicht vom Guten, wie sie meinen.
Wie doch die Menschen zu Zeiten allen gesunden Sinn verlieren, sich förmlich
jedes vernünftige Urtheil unterbinden, jedem instinktiven Trieb und Gefühl,
dem die Thiere blind Folge leisten, um es gemein zu sagen, von
vornherein den Hals abschneiden. Ist dieses vernünftig?
Einige Minuten, bevor die Uhr schlägt, kündigt sich's an. Hat denn der
große Werkmeister, unser Schöpfer, etwas Halbes, ein Pfuschwerk
gemacht? Oder haben die Menschen in seine wunderbare Ordnung die
Unordnung gebracht? So ist es. Der unendlich weise Schöpfergott läßt
den Hunger ein Zeichen geben, wann gegessen, den Durst anklopfen, wann
getrunken werden soll. Der Menschenkörper, diese lebendige Uhr vom
besten Gang und Schlag, liefe und schlüge vortrefflich, wenn nicht der
Menschenthor Schmutz und Sand und anderen Unrath zwischen die Räder
werfen und so den geordneten Lauf stören, vielleicht zerstören würde.
So oft die zahmen und wilden Thiere Hunger verspüren, suchen sie
Nahrung; so oft der Durst sich einstellt, eilen sie zum frischen Quell.
Nach erfolgter Sättigung hören sie sofort auf, ein Weiteres zu sich zu
nehmen.
Gerade so handelt der unverdorbene Mensch bei geregelter Lebensweise,
gleichviel ob er gesund sei oder krank.
Demnach lautet unser einziger und oberster goldener Grundsatz, den ein Jeder befolgen sollte:
Trinke, so oft es dich dürstet, und trinke nie viel!
Ich kenne Personen, welche die ganze Woche hindurch vielleicht keinen
Tropfen Wasser trinken, andere, die sich beim Frühstück mit dem herkömmlichen
Glase für den ganzen Tag begnügen. Sie fühlen niemals Durst, und
dieses erklärt sich also, daß bei unserer Zubereitung von Speisen in
letzteren dem Körper täglich eine Menge Wasser zugeführt wird. Wenn
wir von großen Erhitzungen des Sommers oder von den in der Regel eine
Krankheit anmeldenden Hitzen im Körper absehen, so ist der eigentliche
Durst vielen Menschen ein seltener Gast, und es bleibt mir wenigstens
stets ein Räthsel, wie gleichwohl so viele Menschen ohne jedes Bedürfniß
im armen Magen förmliche Überschwemmungen anrichten. So etwas kann ja
nicht ungerächt bleiben.
An dieser Stelle muß ich doch ein Wort sagen über das
Trinken bei Tisch, hauptsächlich während des Mittagessens. Bei
Landleuten kommt es kaum oder wenigstens nicht in ausgedehntem Maße
vor. Die Sache betrifft mehr die Stadt- und Herrenleute. "Unter das
Essen hineintrinken", wie man sagt, ist nicht gut. Ich kenne manche
Aerzte, besonders der älteren Schule, welche den Gesunden dieses
abrathen und ihren Kranken solches entschieden verbieten. Wer ein Auge
hat und etwas Erfahrung, weiß, daß Alle, welche während des Essens
viel Wasser, Bier oder Anderes genießen, mit einem Worte, daß alle
Vieltrinker stets über Mangel an Verdauung klagen.
Es kann gar nicht anders sein. Wieso?
Während man die Speise im Munde kaut, wird sie, oder soll sie gemischt,
ganz durchdrungen werden vom Speichel, der ja zu diesem Zwecke von
eigenen Organen, den Speicheldrüsen, bereitet wird. Es wäre unklug,
irgend etwas Festes zu schlucken, d.i. es in den Magen, diese lederne
Maschinerie, zu bringen, bevor jene erste wichtige Vorarbeit der
Verkleinerung und Erweichung gut und recht gethan ist. — Im Magen
werden sodann die also vorbereiteten Speisen mit dem Magensäfte getränkt.
Je reiner, je besser, je ursprünglicher, d. i. je unvermischter dieser
wichtige Saft, desto besser die Verdauung und ihre Resultate, d.h. desto
besser auch die durch die Verdauung bereiteten und der Natur zur
Ausarbeitung und Vervollkommnung der verschiedenen Bestandtheile des Körpers
vorgelegten Säfte und Nährstoffe.
Wenn Jemand nun eine Speise ißt und das Genossene mit fremder Flüssigkeit,
sei es Wasser, Wein oder Bier, übergießt, so wird diese Speise schon
nicht mehr von reinem Magensaft durchdrungen, sie wird, zum Theile
wenigstens, durchtränkt von dem zugeschütteten Wasser, Bier und Wein.
Wer während einer Mahlzeit das besagte Ueberschütten sechs- bis
achtmal vornimmt, verdünnt einmal den Magensaft derart, daß er als
Verdauungsessenz nicht mehr dient, und bewirkt sodann, daß sein Magen
von einem auf sechs bis achtfache Art gemischten Speisebrei erfüllt,
vielmehr gequält ist. Wer will da noch klagen, daß der arme Magen
nicht Ach und Weh schrei!, daß die Verdauung eine schlechte ist, wie so
oft die Klage lautet!
Wie soll man demnach sein Trinken einrichten?
Wer vor dem Essen Durst hat, der trinke! Durch den Durst zeigt sich die
Dürftigkeit der Säfte an. Die Magensäfte sind zudem dick und erleiden
eine Verdünnung,
Bei Tisch soll wo möglich nicht oder sehr wenig getrunken werden, damit
der reinste Magensaft auch noch den letzten Bissen tränke und
durchdringe.
Ist eine längere Zeit nach dem Essen vorüber, verlangt der Speisebrei
zu seiner weiteren Verarbeitung vom Magensäfte wieder Flüssiges, mit
andern Worten, stellt sich nach 1, 2, 3 Stunden wieder Durst ein, dann
kann mäßig auch wieder getrunken werden.
Ich habe mit manchem tüchtigen Arzte gerade über diesen Punkt
eingehend gesprochen. Alle theilten vollkommen meine Ansicht und
schrieben die Unzahl der Magenleiden zum großen Theil den diesbezüglichen
Ueberschreitungen der Menge zu.
Trinke, so oft es dich dürstet, und trinke nie viel!
Die Landleute lieben den Platzregen gar nicht; sie behaupten, daß er
unfruchtbar sei und mehr zerstöre als nütze. Dagegen versichern sie,
daß jene starken Morgennebel, welche dem Bauern den Hut netzen, daß er
triefet, ihre lieben Freunde seien, weil sie die beste
Fruchtbarkeit" bringen und befördern.
Der Körper, speziell der Magen bedarf Flüssiges, um seinen Magensaft
zuweilen zu verdünnen, zu mehren und so über all' die festen Insassen
Meister zu werden. Er meldet sich jedes mal, wenn die Noth an ihn
herantritt, bald durch leises Anklopfen im geringen Verlangen nach
Wasser, bald durch lautes Pochen und Schreien im heftigen Durste. Da
soll man stets auf ihn hören, mag nun das Rufen von einem gesunden oder
kranken Magen ausgehen, aber ihm nie mehr geben, als ihm selbst gut ist,
kleine Mengen in gehörigen Zwischenräumen; in Erkrankungsfällen
zumal, wie in der Fiebergluth, eher öfter, z.B. alle 5—10 Minuten,
ein Eßlöffel, als auf einmal ein Glas. Letzteres würde den Durst
nicht stillen und zum bestehenden Uebel eine neue Beschwerde hinzufügen.
Ein Beispiel meines Vorgehens möge diesen Abschnitt schließen. Es
leidet Jemand an hartem Stuhlgänge, große Hitze quält den Unterleib,
heftiger Durst den armen Kranken; er könnte, wie er sagt, 2, 3, 4 Glas
Wasser, Glas auf Glas trinken; es ist ihm, als ob es in einen Glühofen
geschüttet werde. Ich glaube das; die Wassermasse kommt in den Magen
und macht dann, ohne die leidende Stelle irgend zu berühren und günstig
zu beeinflussen, eine rasche Wanderung durch den Leib, bis sie
vollinhaltlich, ja noch eine ordentliche Menge des unentbehrlichen
Magensaftes mit sich schwemmend, ausgeschieden wird. Man gebe dem
Kranken statt der vielen Gläser mit Wasser während eines Tages jede
halbe Stunde einen Eßlöffel voll. Man wird ganz andere Wirkung verspüren,
eine Wirkung, welche das nothwendige Ergebniß einer verkünftigen
Behandlung sein muß.
Die kleine Menge Wasser wird schnell vom Magensafte erfaßt und leicht
mit demselben vermischt. Die eine jede halbe Stunde erfolgende
Nachspeisung gibt reichlichere Säfte, die kühlend, und in normalem
Laufe den Körper, die Eingeweide durchströmen und erweichend und lösend
binnen kurzer Zeit allen Stockungen und Verhärtungen ein Ende machen.
Unzählige haben in dieser Beziehung meinen Rath befolgt, und schnell
ward ihnen geholfen.
In der allerneuesten Zeit wurde viel gesprochen und geschrieben von den
Wirkungen des Trinkens von heißem Wasser (30 bis 35° R. = 38 bis 43°
C., wie bei Kaffee
und Thee), besonders bei chronischen Krankheiten. Ich selbst habe vor
Jahren bei manchen Patienten gute Erfolge erzielt, Ehre, wem Ehre gebührt!
Wer dem warmen Wasser vor dem kalten, frischen Elemente den Vorzug gibt,
wer wollte ihn tadeln oder gar verurtheilen! Das ist Geschmacksache. Ich
habe indessen durch Erfahrung gefunden, daß kaltes, lebendiges (nicht
getödtetes) Wasser dieselben, wenn nicht bessere Dienste thut. Ich für
meine Person ziehe es jedem lauwarmen oder heißen Wasser vor. Jeder wähle,
wozu ihn das Verlangen treibt!
II. Apotheke-Heilmittel, Allgemeines, Einteilung, Zubereitung Inhalt
Allgemeines und
Eintheilung Apotheke
Inhalt
Zu den Dingen, welche ich verabscheue und hasse, zählt als ein gründlich
und grundsätzlich gehaßtes das Geheimmittel-Wesen, die Krämerei mit
Heilmitteln, welche als Geheimniß des Erfinders gelten.
Diesen Vorwurf soll mir Niemand machen können. Darum öffne ich in
diesem zweiten Theil die Läden meiner Apotheke und lasse einen jeden
hineinschauen und hineinschmecken bis in's letzte Theeschächtelchen und
in's kleinste Oelfläschchen. In jeder Apotheke steckt ein theures Geld;
in der meinigen ist nicht viel Rares. Ich gestehe dieses sehr gerne zu
und betrachte diesen leicht möglichen Vorwurf als einen großen Vorzug
meiner Apotheke.
Fast sämmtliche meiner Thee und Extrakte, Oele, Pulver rühren von früher
geachteten, jetzt vielfach verachteten, spottbilligen Heilkräutern her,
welche der liebe Herrgott im eigenen Garten, aus freiem Felde, manche
um's Haus herum an abgelegenen und unbesuchten Stellen wachsen läßt,
Heilkräutern, die meistens keinen Pfennig kosten.
Mein Büchlein ist ja in erster Linie für arme Kranke geschrieben, für
welche ich auch, den Himmelslohn im Sinne habend, dieses opfervolle
Handwerk treibe oder, wenn man will, Andern "in's Handwerk pfusche". Für sie suchte ich mit Absicht all die gleichfalls
armen alten Bekannten auf, vieles Andere bei Seite lassend. Lange Jahre
hindurch habe ich sondirt und geprüft, getrocknet und zerschnitten,
gesotten und gekostet. Kein Kräutchen, kein Pulver, das ich nicht
selbst versucht und als bewährt befunden habe! Ich wünsche nur das
Eine, daß die alten Bekannten zu neuen Ehren gelangen, bei einer Klasse
von Menschen wenigstens.
Ich habe mich lange besonnen, ehe ich mich entschloß, den für sich
allein ausreichenden und genügenden Wassermitteln diese Apotheke , d.i.
dieses Verzeichniß der dem Wasser von innen heilsam entgegenwirkenden
Hilfsmittel anzufügen. Es könnte wie eine Mißtrauens-Kundgebung gegen
die Wasserheilkraft aussehen.
Doch es gibt Kranke, welche aus unüberwindlicher Wasserangst sich
schwer zu einer oft notwendigen längeren Wasserkur entschließen können.
Diesen wollte ich es erleichtern, mit anderen Worten: die
Wasseranwendungen reduziren, vereinfachen und die Zeit des Gebrauches
abkürzen. Solches aber kann und wird geschehen, wenn ich der äußeren
Kur (mit Wasser) durch eine innere Kur (die Heilmittel) in die Hand
arbeite.
Wer sämmtliche Artikel dieser Apotheke überblickt, sieht sofort, daß
Sie wie die gesammten Wasseranwendungen selbst dreifachen Zweck haben:
ungesunde, kranke Stoffe im Innern aufzulösen, auszuleiten, sodann den
Organismus zu kräftigen. Insofern glaube ich mit vollem Rechte
behaupten zu können, daß beide Verfahren, das innere und das äußere,
zusammenstimmen und einheitlich zusammenwirken. Ich warne vor einer Täuschung.
Wer glaubt, er müsse die Wasserkur recht strenge und ernst anwenden,
irrt.
Wer meint, er müsse nach innen recht häusig und viel anwenden, irrt
ebenfalls. Immer und in allen Fällen gilt der goldene Grundsatz: die
gelindeste, ob äußere oder innere, Anwendung ist die beste.
Pflanzen mit zweifelhafter Wirkung, wie Eibisch, Süßholz u.s.w.; mit
den geringsten ungünstigen Wirkungen, z.B. auf den Magen, wie Senesblätter,
Hopfen u.s.w.; Giftpflanzen vollends habe ich grundsätzlich übergangen.
Wie gut Gott ist! So drängt sich's mir aus dem Herzen! Nicht bloß was
zur Erhaltung des Lebens, zu des Leibes täglichem Brod nothwendig ist,
läßt er uns wachsen; er, der in unendlicher Weisheit Alles nach Maß,
Zahl und Gewicht geschaffen, läßt in väterlicher Liebe zahllos auch
diejenigen Kräutchen aus der Erde hervorschießen, welche den Menschen
in kranken Tagen Trost, seinem in Schmerzen sich windenden Körper
Linderung und Heilung verschaffen.
Wie gut Gott ist! Daß wir Einsicht haben. Den Pflänzchen, welche durch
die ihnen vom Schöpfer angehängten Riechfläschchen, den würzigen
Heilduft, sich selbst uns ankündigen und freundlich zuvorkommend
stellen, wollen wir fleißig nachgehen und beim Pflücken eines jeden
mit kindlichem Danke unseren unendlich liebevollen Vater preisen, der im
Himmel ist!
Unsere Hausapotheke soll vier Hauptabteilungen oder Hauptfächer und
einige kleinere Nebenfächer enthalten.
In die Hauptfächer stellen wir: in das erste die Tinkturen, in das
zweite, größte, die Theesorten, in das dritte die Pulver, in das
vierte die Oele.
In die Nebenfächer kommt, wieder gut geordnet, alles Andere, was nicht
unter obige vier Abtheilungen fällt. Auch die Leinwandabfälle zum
Ueberbinden und Ueberlegen (stets rein und frisch), die Baumwolle u.s.w.
können eines der Nebenfächer einnehmen.
Die Tinkturen und die Oele müssen in Gläsern ausbewahrt werden, die
verschiedenen Thee und Pulver entweder in festen Papiertüten oder
besser in Schachteln. (Wer neue machen läßt, soll sie länglich rund
und gleichmäßig, wenn auch in verschiedenen Größen, machen lassen,
daß sie dastehen wie Soldaten in Reih und Glied. Das macht einem jeden
Freude und gibt der Hausapotheke ein Ansehen - und das gehört ihr
auch.) Alles an einem kühlen, jedoch nicht feuchten (daß sich nicht
Schimmel ansetze) und nicht allzu abgelegenen Orte im Hause!
Auf einem jeden Glase oder Fläschchen, auf jeder Schachtel oder Düfte
soll genau und für jedermann gut leserlich die Aufschrift des Inhaltes
stehen. Am besten werden sodann die verschiedenen Heilmittel in jeder
Abteilung alphabetisch d. h. nach dem ABC geordnet. Was mit A anfängt
(z. B. Alaun), marschirt am Anfang auf; was mit Z beginnt (z. B.
Zinnkraut), bildet den Schluß der Reihen
Vor Allem soll in der Hausapotheke große Ordnung sein. Jeder Fremde,
welcher dieselbe bisher nie gesehen, muß im Augenblick jedes Fläschchen, jeden Thee u.s.w. finden. Dann muß große Reinlichkeit
herrschen. Auf keiner Schachtel darf, ich will nicht sagen,
liniendicker, es darf gar kein Stäubchen liegen; an keiner Flasche,
selbst nicht an einer Oelflasche, dürfen Schmutz- oder Oelflecken wie
nachlässig gekämmte Haare herunterhängen. Nichts entehrt ein Haus
mehr als Unreinlichkeit; merke wohl: nach zwei Dingen hauptsächlich
beurtheilt man - und zwar mit vollem Rechte und meistens sehr wahr - das
ganze Haus. Sind diese in Ordnung, so ist, schließt man, Alles in
Ordnung. Sind sie unordentlich, so heißt's: in diesem Hause, in dieser
Wohnung müssen die Einwohner recht unordentliche Leute sein. Willst du
die zwei Dinge wissen? Sie heißen: Hausapotheke und Abort.
Am besten wird es mit der Ordnung der Hausapotheke bestellt sein, wenn
die Hausmutter oder ein fleißiger Sohn oder die reinlichste und
ordnungsliebendste Tochter die Sorge und Verantwortung übernimmt. Sie
wird die pünktlichste, gewissenhafteste Reinlichkeitspflege als
Ehrensache betrachten und den Staublumpen stets in einer Ecke bereit
liegen haben. Wenn sie ihr Amt gut verwaltet, das ja für's ganze Haus,
für alle Glieder desselben von Segen ist, darf sie mit Freude an jenes
Wort des göttlichen Heilandes denken: "Was ihr dem geringsten
meiner Brüder gethan habt, das habt ihr mir gethan."
Was so eine kleine Hausapotheke annähernd enthalten soll, habe ich am
Ende dieses zweiten Theiles angegeben. Ich rathe ab von allem nicht
Notwendigen. Man kann gelegenlich das eine oder andere Mittel beifügen.
Hier soll nur noch ein Wort stehen über die Bereitung der Tinkturen,
des Thees, der Pulver.
Zubereitungen
Apotheke Inhalt
Tinkturen oder Extrakte
Thee
Pulver
Oele
Tinkturen oder Extrakte Zubereitungen
Inhalt
Die inneren Kräfte, die Heilsäfte können aus einer Pflanze in
verschiedener Weise ausgezogen werden. Den besten, stärksten Auszug
erhalten wir im eigentlichen, sogenannten Extrakt.
Der Extrakt wird folgendermaßen bereitet:
Man sucht unter den Kräutern, Beeren u.s.w., aus denen man den Extrakt
gewinnen will, die besten aus : die reifsten, die untadelhaften; diese
trocknet man auf einem Brett an der frischen Luft, stets (das merke man
sich gut) jedoch im Schatten, niemals an der Sonne. Beim Trocknen wird
sich noch Manches zeigen, was als untauglich verworfen werden muß.
Nachdem die Kräuter, Beeren u.s.w. gut getrocknet sind, zerkleinere,
zerschneide man sie, wenn nothwendig, und bringe sie in eine verschließbare
Flasche (Weinflasche). Diese nun wird mit echtem Kornbranntwein - den
ich allem Andern vorziehe - oder in dessen Ermangelung mit reinem
Spiritus oder Fruchtbranntwein ausgefüllt und luftdicht verschlossen für
einige Zeit an einen mäßig warmen Ort gestellt. Ich habe derart gefüllte
Flaschen schon ein Jahr lang und noch länger ruhig stehen lassen und
dann erst den mit dem ausgezogenen Saft des betreffenden Heilmittels
durchtränkten Spiritus als Extrakt abgegossen. Im Noth- und
Bedarfsfalle kann man denselben schon nach wenigen Tagen des Ansatzes in
Gebrauch nehmen.
Die Tinkturen nimmt man tropfenweise; in gewissen Fällen (es ist dieses
jedesmal ausdrücklich angegeben) wird aus den Kaffeelöffel (kleineres
Maß) und aus den Eßlöffel (größeres Maß) hingewiesen.
Thee Zubereitungen
Inhalt
Bei trockener Witterung, vielleicht wenn du vom Felde heimkehrst, oder
wenn du hinausgehst, den Stand der Saaten zu betrachten, mache einen
Abstecher und sammle da diese, dort jene Heilkräuter. Was auf trockenem
Grunde wächst, gar an sonnigen Berghalden, verdient den Vorzug, und
welche Pflanzen du in der schönsten Blüthezeit sammelst, diese werden
dir die herrlichste und in Leiden die gesegnetste Frucht bringen.
Manches der Kräuter und Kräutchen wächst in deinem Gras- oder Gemüsegarten,
am Haus oder an der Scheune. Du brauchst nur dem zehnjährigen Knaben
oder deinem kleinen Mädchen es vorzumachen, wie sie es anstellen
sollen, und du verlierst beim Sammeln der Kräuter keinen Augenblick und
bereitest deinen Kindern eine Freude. Die Garten- und Feldkräuter
sollen jedes Jahr erneuert d.h. neugesammelt, die alten weggegeben
werden.
Jede Hausmutter versteht es, jedweden Thee zu bereiten. Von den
getrockneten Kräutern (über das Trocknen lies das auf der
vorhergehenden Seite Gesagte) nimmt sie zu einer Tasse, soviel sie mit
drei Fingern fassen kann, gießt in das Pfännchen über die Theeblätter
oder Blüthen sprudelndes Wasser und läßt es einige Minuten auskochen.
Dann schüttet sie den fertigen Thee ab.
In dieser Weise bereiteter Thee hat den feinsten Geschmack mit dem
besten, jeder Pflanze eigentümlichen Aroma; aber es ist nicht der kräftigste
Thee.
Bei mir werden die Kräuter durch längere Zeit förmlich abgekocht, gründlich
ausgesotten, daß auch nicht ein Theilchen der Heilkraft verloren geht,
vielmehr alle im Wasser gefangen wird.
Die Art des Einnehmens, ob tassen-, ob löffelweise, ist bei jeder
einzelnen Krankheit genau angegeben.
Pulver Zubereitungen
Inhalt
Das Pulver wird gewonnen, indem die trockenen Wurzeln, Blätter, Körner
oder Beeren der Heilpflanzen zerrieben oder im Mörser zerstoßen
werden.
Manchen Kranken ist damit leichter beizukommen als mit Thee. Man streut
ihnen das vorgeschriebene Pulver wie Gewürz (Pfeffer, Zimmt u.s.w.) an
eine Speise oder mischt es an einen Trank, daß sie desselben gar nicht
gewahr werden.
Die Gefäße, welche zur Aufbewahrung der verschiedensten Pulver dienen,
seien des Staubes wegen recht sorgfältig verschlossen.
Oele Zubereitungen
Inhalt
Die Bereitung der Oele, soweit dieselben nicht in der Apotheke gekauft
werden, ist bei jeder Krankheit, in der ein solches zur Verwendung
kommt, jedes mal besonders angegeben.
An der Reinhaltung der Oelfläschchen insbesondere wird man den Sinn für
Ordnungsliebe, Reinlichkeit u.s.w. erkennen.
Heilmittel A bis B Apotheke Inhalt
Agave
Alaun
Aloe
Angelika
Anis
Anserine
Arnika
Attich
Augentrost
Ausscheidungsöl
Baldrian
Bitterklee
Bockshornklee
Brennessel
Agave (Agave americana L.) (Aloe.)
Heilmittel A-B Inhalt
Diese Pflanze hat ihre Heimat fern in Amerika. Von dort wurde sie zu uns
herüber gebracht; man sieht sie jetzt nicht selten an den Fenstern der
Blumenfreunde zwischen anderen Blumenstocken hervorragen. Sie fällt auf
und ist erkenntlich durch ihre recht dicken, fleischigen, ziemlich
langen Blätter, die feegrün sind und viele Stacheln tragen. Blüthen
bringt sie selten ; wenn man aber die Wirkung der fleischigen Blätter
kennen würde, dann würde sicher jeder Blumenfreund auch diese ausländische
Pflanze in einem Topfe unter seinen Blumen haben.
Die Wirkungen sind folgende:
Wenn man ein solches Blatt nimmt, es in Wasser siedet und trinkt, so
reinigt eine solche Tasse Magen wie Gedärme. Auch auf kranke Leber und
Gelbsucht wirkt diese Pflanze, wenn sie zu Pulver gemacht und täglich
zweimal eine Messerspitze voll davon eingenommen wird.
Wenn man von derselben so ein Blatt mit einem Kaffeelöffel voll Honig
in einem Schoppen Wasser siedet und in kleinen Portionen einnimmt, dann
nimmt dieser Absud die innere Hitze aus den Augen, wenn dieselben damit
gut ausgewaschen werden. Wer sich verwundet hat oder ein Geschwür am
Leibe trägt, findet an diesem Blatte Hilfe, weil es ein vorzügliches
Heilmittel ist. Wermuth, mit Aloe gesotten, treibt die wässerigen,
schlechten Stoffe, aus denen leicht Wassersucht entstehen kann, aus und
macht einen recht guten Magen.
Dieses wenige Angeführte veranlaßt mich, jedem Blumenfreunde den Rath
zu geben, diese Pflanze auch in einem Topfe unter seinen Blumenstöcken
zu pflegen.
Alaun
Heilmittel A-B Inhalt
Alaun ätzt, er eignet sich demnach für faule, bösartige Schäden. Ich
habe gesehen, wie er selbst den noch nicht zu weit vorgeschrittenen
Krebs am Weiterfressen hinderte.
Schwärende, eingewachsene Nägel sollen stets mit Alaun behandelt
werden.
Die Anwendung ist folgende:
Alaun wird entweder gepulvert, d. i. zu feinem Staub zerrieben und
direkt auf die Wunde aufgestreut, oder er wird in Wasser aufgelöst und
die Auflösung in Form von Waschungen oder eingetauchten kleinen
Linnenauflagen benützt.
Sind die Wunden von Eiter, Faulfleisch u.s.w. ganz gereinigt, so wirkt
Alaun zusammenziehend, trocknend und rasch heilend.
Für Zähne, an denen sich ungesundes Fleisch mit unterlaufenem Blute
ansetzt, ist verdünntes Alaunwasser ein erprobtes Mittel.
Als Mundwasser zum Ausspülen des Mundes und der Zähne, sowie als
Gurgelwasser dient Alaunwasser längst.
Aloe (Aloe vulgaris
Lam.) Heilmittel A-B
Inhalt
Aloe (man kauft das Pulver in der Apotheke) ist sowohl innerlich als äußerlich
verwendet von guter Wirkung. Siedet man ein bis zwei Messerspitzen
Aloepulver mit einem Kaffeelöffel voll Honig, so reinigt diese Mixtur
den Magen gründlich ohne die geringste Belästigung.
Wird Aloe mit anderen Kräutern vermengt und als Thee bereitet, so ist
obige Wirkung noch nachhaltiger. Die Mischung hat gewöhnlich folgende
Zusammensetzung: eine Messerspitze Aloe, Hollunderblüthen für zwei
Tassen Thee, ein paar Messerspitzen Foenum graecum, ein Kaffeelöffel
Fenchel. Die zwei Tassen Thee sind innerhalb zwei Tagen zu nehmen. Die
Wirkung, die nicht in heftigem Abführen, sondern lediglich in
reichlichem Stuhlgang besteht, tritt erst nach 12 bis 30 Stunden ein.
Eine Anwendung von Aloe mit Johanniskraut und Schafgarbe wird an anderer
Stelle erwähnt werden.
Dieselbe reinigende Kraft, welche Aloe innerlich angewendet zeigt, hat
sie auch bei äußerlichem Gebrauche. Wer kranke, trübe, roth
unterlaufene, triefende Augen hat, aus denen Eiter und anderer Unrath
sich ausscheiden, bereitet sich aus Aloe ein vorzügliches Augenwasser.
Eine kräftige Messerspitze Aloe wird in ein Medizin-Glas geschüttet,
mit heißem Wasser übergossen, gerüttelt - das Augenwasser ist zum
sofortigen Gebrauche fertig. Drei- bis viermal täglich wasche man die
Augen äußerlich ab und innerlich aus. Das anfängliche Jucken und
leichte Brennen darf Einen nicht stören.
Alte Schäden, faulendes Fleisch, tiefe Narben mit viel Eiter werden
vorzüglich gereinigt durch solches Wasser, das sie heilte. Es werde zu
dem Zwecke ein Lappen in Abwasser getaucht und auf die leidende Stelle
gelegt.
Sollte an irgend einer Körperstelle die Neubildung der Haut durch
Geschwüre oder vielmehr durch die aus derselben ausströmende scharfe
Flüssigkeit gehindert werden, so streue man Aloepulver auf die Geschwürstelle
so dicht, daß der ganze offene Schaden bedeckt ist. Das Ganze werde
trocken überbunden. Dieses täglich einmal. Das Pulver bildet, die
schlechten Stoffe aufsaugend, eine harte Kruste, unter welcher bald die
neue Haut sich zeigt.
Wunden, frische wie alte, heilt Aloe sehr schnell zu. Bei alldem kann
das reinliche und reinigende Heilmittel, wohin es immer komme (in das
Auge oder in die Wunde), niemals schaden.
Angelika, wilde oder Wald-Engelwurz. (Angelica silvestris L.)
Heilmittel
A-B Inhalt
Es wächst auf feuchten Wiesen und an nassen Waldstellen eine Pflanze
mit einem Stengel, der einen halben bis ganzen Meter hoch ist. Der
Stengel ist hohl, und die Buben machen gerne Pfeifen daraus. Diese
Pflanze führt den Namen Angelika, Wald- oder wilde Angelika; sie heißt
Waldangelika, weil sie meist im Walde zu finden ist; sie heißt auch
wilde Angelika, weil sie wild, ohne menschliches Zuthun wächst und sich
so von einer andern Art (Angelica archangelica L., edle Engelwurz)
unterscheidet, die einer eigenen Pflege bedarf. Beide sind Heilpflanzen
im gleichen Sinne und mit gleicher Wirkung; ich ziehe erstere aber vor,
weil man sie ohne Mühe haben kann. Hat jemand ungesunde oder
halbgiftige Speisen bekommen, so ist ein Thee, von ihren Wurzeln, Säuren
und Blättern gesotten, ein vorzügliches Mittel, diese schlechten
Stoffe wieder zu entfernen.
Weil das Blut aus den verschiedenen Nährstoffen bereitet wird und die Nährstoffe
nicht alle gut und gesund sind für die Natur, so leitet dieser Thee die
schlechten Stoffe wieder aus dem Blut. Wie oft kommt es vor, daß im
Magen eine unbehagliche Kälte herrscht! Eine Tasse Thee von solchen
Wurzeln bringt dem Magen wieder mehr Wärme. Am besten ist es, wenn man
eine solche Tasse Thee in drei Portionen theilt und die erste am Morgen,
die zweite am Mittag, die dritte am Abend nimmt.
Wenn ungesunde Stoffe im Magen und in den Gedärmen sind, oder wenn
versteckte Gase Grimmen verursachen, so ist wieder dieser Thee ein
Hauptmittel, das Uebel zu heben, besonders wenn man zum Thee halb Wein
und halb Wasser nimmt.
Starke Verschleimungen in der Lunge und Brust, Magenbrennen,
Verschleimungen in der Luftröhre werden gerade durch diesen Thee am
leichtesten beseitigt.
Man kann mit Recht die Angelika als ein vorzügliches Hausmittel
empfehlen, und die Landleute sollten fleißig auf ihren Wiesen und in
ihren Wäldern eine ziemliche Portion für das ganze Jahr sammeln, an
der Luft trocknen und an einem trockenen Orte aufbewahren. Diese
Wurzeln, Samen und Blätter, gut getrocknet, können auch zu Pulver
gemacht werden, und wenn man täglich zwei oder dreimal eine
Messerspitze voll solchen Pulvers einnimmt, so ersetzt dieses den Thee.
Dem Pflanzenunkundigen gebe ich notgedrungen den guten Rath, nicht
Angelika zu sammeln, er könnte sonst aus der Wiese Roßkümmel oder aus
dem Walde gar Schierling (Giftpflanze) zu seinem Verderben nach Hause
tragen. Ich setze diese Worte her, weil Beides sich ereignet hat.
Anis
(Pimpinella anisum L.) Heilmittel A-B
Inhalt
Anis ist wie Fenchel sehr zu empfehlen. Seine Wirkung auf Gase (Winde)
übertrifft jene des Fenchels bei weitem. Meistens werden beide
Heilmittel mit einander gemengt und verbunden.
Die Oele von Anis und Fenchel kauft man am leichtesten in der Apotheke.
Gegen obiges Leiden genügen 4-7 Tropfen auf Zucker, täglich ein bis
zweimal zu nehmen.
Anserine oder
Gänsefingerkraut (Potentilla anseria L.)
Heilmittel A-B
Inhalt
Das Gänsefingerkraut wächst, wie sein Name besagt, da am besten, wo Gänse
sich am liebsten aufhalten. Man trifft es besonders zahlreich in der Nähe
der Häuser, ferner aus Triften, an Weg- und Grabenrändern. Viele Leute
haben ihm, nach seiner Wirkungsweise, den Namen Krampfkraut gegeben.
Thee von Anserinenkraut ist ein vortreffliches Mittel bei Krampfanfällen,
seien dieselben im Magen, im Unterleib oder wo immer. Bei Starrkrampf
selbst - soweit überhaupt eingewirkt werden kann - thut dieses Kräutchen
sehr gute Dienste. Beim Beginne der Anfälle, besser noch bei den sich
zeigenden Symptomen (Vorzeichen) der Krämpfe, gebe man dem Kranken täglich
dreimal recht warme Milch (so warm sie der Kranke ertragen kann), in
welcher solche Heilkräuter (so viel mit drei Fingern zu fassen sind)
wie zu Thee abgebrüht wurden.
Doppelte Wirkung erzielt der, welcher solchen Thee einnimmt und zugleich
auf die krampfhaften Stellen Ueberschläge mit dem im Wasser
angeschwellten oder abgebrühten Kraute macht.
Keine Familienmutter soll es unterlassen, einen hinlänglichen Vorrath
solchen Krautes zu sammeln und zu trocknen. Sie weiß selbst zu
beurtheilen, wie schmerzhaft solche häufig vorkommenden Krampfanfälle
sind, und wie es noch größeren Schmerz bereitet, Angehörige leiden zu
sehen, ohne helfen zu können.
Arnika oder
Bergwohlverleih (Arnica montana L.) Heilmittel A-B
Inhalt
Arnika besitzt in der ganzen Welt den Ruf einer vorzüglichen
Heilpflanze. Weßhalb gerade Viele von denen, die Solches wissen könnten
und sollten, dieses bestreiten, begreife ich wenigstens nicht.
Die Arnika- Tinktur ist so allgemein bekannt und bei Wunden zu deren
Auswaschen, zu Kompressen (Aufschlägen) u.s.w. so allgemein in Uebung,
daß es mir nicht nothwendig erscheint, darüber auch nur ein Wort zu
verlieren.
Man kauft diese Tinktur billig; ein Jeder kann sie aber auch leicht
selbst bereiten. Die Blüthen werden Ende Juni und Anfangs Juli
gesammelt und in Branntwein oder Spiritus angesetzt. Nach ungefähr drei
Tagen schon kann die fertige Tinktur in Gebrauch genommen werden.
Attich oder
Zwerghollunder. (Sambucus ebulus L) Heilmittel A-B
Inhalt
Am Rande der Wälder, besonders abgetriebener (ausgehauener), sieht man
Stauden, einen Meter und darüber hoch, die im Juli weiße, große
Doldenblüthen, im Herbste prächtige, schwere, glänzende Doldentrauben
tragen. Das ist der Attich oder Zwerghollunder.
Der Thee, aus solchen Wurzeln bereitet, treibt mit außerordentlicher
Wirkung das Wasser ab in der Wassersucht und reinigt die Nieren. Mir
sind mehrere Fälle bekannt, in denen solcher Thee die ziemlich
vorangeschrittene Wassersucht vollständig heilte und ausheilte.
Auch bei anderen Zufällen im Unterleib, die von schlechten Säften herrühren,
wirkt er gut; er scheidet die Säfte durch den Urin aus.
Attichthee, den man aus dem Pulver bereitet, thut dieselben Dienste. Zu
einer Tasse, die auf zweimal zu verschiedenen Zeiten des Tages genommen
wird, reichen zwei Messerspitzen des Pulvers aus.
Im Spätherbste sammelt man die Wurzeln, trocknet sie gut an der Luft
und bewahrt die gedörrten Wurzeln oder das aus den zerstoßenen Wurzeln
gewonnene Pulver in der Hausapotheke auf.
Augentrost
(Euphrasia officinalis L.) Heilmittel A-B
Inhalt
Zum Lohn und aus Dankbarkeit für treue Dienste haben unsere Voreltern
diesem kleinen Kräutchen den schönen Namen "Augentrost"
gegeben. Wenn oft kein Mittel mehr helfen wollte, spendete dieses Blümchen
den Augen den letzten Trost. Ich habe dasselbe schon recht häufig
gerathen und mit guten Erfolgen.
Wenn die Oehmd- oder Grummet-Ernte (Grummet = Grüngemähtes, der zweite
oder dritte Schnitt von der Wiese) zur Hälfte reif ist, im August etwa,
findest Du dieses Heilkräutlein fast aus jeder Wiesen. Oft wächst es so
zahlreich, das eigentliche Futter verdrängend, daß die Bauersleute ihm
gram werden.
Sowohl die getrockneten als die zerriebenen Blätter kommen als Thee und
als Pulver zur Anwendung. Mit dem Thee wäscht man täglich zwei- bis
dreimal die Augen gut aus, oder man taucht in denselben kleine
Fleckchen, die man über Nacht auf's Auge legt und mit einer Binde
befestigt. Das Auge wird so gereinigt, geklärt, die Sehkraft gestärkt.
Nach meiner Praxis lasse ich zu gleicher Zeit die Patienten das Pulver
nach innen anwenden, und zwar täglich eine Messerspitze in einem Löffel
Suppe oder Wasser. Damit ist die Heilkraft des Kräutchens nicht erschöpft.
Auch Magentrost könnte man es nennen. Wegen seiner angeborenen
Bitterkeit gilt sein Thee als Magenbitter zu regerer Verdauung und zur
Verbesserung der Magensäfte. Probire es einmal, lieber Leser; das Kräutchen
wird auch bei dir mit seinem Trost nicht kargen!
Ausscheidungsöl (im Volksmunde "Malefizöl")
Heilmittel A-B Inhalt
Es gibt Fälle, wo in Körpern sich so viele kranke Stoffe angesammelt
haben, daß es ungemein schwer ist, dieselben gänzlich auszulösen und
auszuleiten. Die Schwierigkeit besteht nicht in der zweifelhaften
Leistungsfähigkeit des Wassers oder der verschiedenen Anwendungen,
vielmehr in der Frage: wird ein solcher Patient, werden insbesondere
schwächliche Naturen vor den nothwendig anzuwendenden Uebungen und der
Langwierigkeit einer solchen Kur nicht zurückschrecken und so alle Bemühungen
vereiteln? Dieser Gedanke hat mich viel beschäftigt, und manche
Erfahrung hat zu neuem, ernstem Nachdenken angespornt.
Da fiel mir ein, daß ja manches innere Leiden plötzlich verschwand,
sobald nach außen hin ein Ausschlag zu Tage trat.
Könnte man, so fragte ich mich, nicht auf künstliche Weise solchen
Ausschlag bewirken, mit andern Worten, durch irgend ein Mittel den im
inneren Körper verborgenen kranken Stoffen zum Durchbruch verhelfen,
dieselben herauslocken an die Oberfläche der Haut und so der Wasserkur
ihre Arbeit um ein gutes Stück erleichtern?
Nach langem Suchen traf ich auf ein Oel, welches diese Dienste in
vortrefflicher Weise leistet, bei manchen Fällen geradezu mit
anfallenden Erfolgen. Dasselbe ist, wie gesagt, zur Heilung nicht
absolut notwendig, keine conditio sine qua non; das Wasser allein kann
wohl die Arbeit thun. Aber es unterstützt und fördert das oft sehr
schwere Werk der Auflösung und Ausleitung um ein bedeutendes. Das Oel
wird nur äußerlich angewendet und allein in solchen Fällen, in denen
so auf die leichteste Weise eine vortheilhafte Ausleitung des kranken
Stoffes erzielt werden kann. Die Wirkung ist ganz und gar unschädlich,
aber gründlich, tiefgehend bis in's Innerste. Weil es die Rebellen im Körper
und im Blut mit scharfer Spürnase wittert und sicher an's Tageslicht
bringt, hat ein Herr, bei dem es prächtig und erfolgreich diente, ihm
den Namen "Malefizöl" gegeben, den es bis heute behalten. Ich
hatte keinen Grund, den originellen Namen irgendwie anzufechten.
Die Art der Verwendung mögen einige Beispiele veranschaulichen.
Jemand klagt über Augenleiden: die Augen sind geröthet, jede Helle
thut weh. Sie triefen sehr stark und schmerzen auf's erfindlichste. In
diesem Falle reibe ich die Hautfläche hinter den Ohren (an Ohrmuschel
und Hinterhaupt) leise, um sie etwas zu erwärmen, und trage dann sachte
drei bis vier Tropfen solchen Oeles auf die erwärmte Stelle auf. Schon
nach einer halben Stunde spürt der Patient die Wirkung, ein leichtes
Spannen und Brennen ; nach ungefähr 24 Stunden erscheinen unzählige,
mit Eiter angefüllte Bläschen, die je nach der Masse des
auszuziehenden kranken Stoffes wachsen, später vertrocknen und als
verdorrte Krusten abfallen. Sollte der erste Versuch nicht gelingen,
d.h. sollte das Oel nach circa 30 Stunden nicht wirken, so bringe man am
zweiten Tage nochmals ein paar Tropfen auf die gerötheten Stellen. Die
Wirkung wird sicherlich nicht ausbleiben, und der Giftstoff, der im Auge
die Entzündung verursacht hat, in Bälde ausgegangen sein. Bei einer
Reihe derartiger Augenleiden ließ bei Anwendung besagten
Oeles schon nach 1 bis 2 Stunden der Schmerz nach, und binnen kurzer Zeit
waren die Augen rein und gesund.
Patienten, die schon Wasserheilanstalten besucht haben, behaupten, man
erblicke im Erscheinen eines Auschlages ein sicheres Zeichen vom guten
Gelingen der ganzen Kur.
Heftiges Zahnweh plagt einen andern Patienten: das Zahnfleisch ist
angeschwollen, der Kiefer schmerzt, als ob er zerrissen werde, den
ganzen Kopf peinigt die schmerzlichste Aufregung. Wie beim ersten Fall
bringe man einige Tropfen unseres Oeles hinter die Ohren oder in's
Genick. Der Erfolg muß ein günstiger sein.
Eine Eigenthümlichkeit des Oeles besteht noch darin, daß es bei der
ersten und vornehmeren Arbeit des Aufziehens die bestrichene Stelle
verwundet, dann aber, sobald es seine Pflicht gethan, in zweiter Arbeit
dieselbe schnell und gut zuheilt.
Das Oel betrachte ich nicht im Mindesten als ein Geheimmittel; ich habe
dessen Zusammensetzung manchem vertrauten Freunde mitgeteilt. Um
indessen Mißbräuchen und wohl auch Mißgriffen verschiedener Art
vorzubeugen, sehe ich mich veranlaßt, das Rezept der Oeffentlichkeit
nicht kundzugeben.
Baldrian, gebräuchlicher.
(Valeriana officinalis) Heilmittel A-B
Inhalt
Daß im Baldrian etwas Besonderes stecken muß, darüber belehren uns
die Katzen, die er durch seinen Geruch so anzieht, daß sie sich auf
seinem Kraute wälzen.
Wir benützen allein die Wurzel, die entweder zur Theebereitung
zugeschnitten oder zu Pulver zerrieben und stets nur (als Thee und als
Pulver) in kleinen Portionen genommen wird.
Baldrianwurzel lindert Kopfbeschwerden und hebt krampfhafte Zustände ähnlich
wie die Raute; sie wirkt auf beide Leiden gut ein, weil sie deren hauptsächlichste
Ursachen, die Gase nämlich, ausscheidet.
Bitter- oder Sumpfklee
(Menyanthes trifoliata L.) Heilmittel A-B
Inhalt
Bitterklee ist eine Pflanze, welche auf Moorgrund und gewöhnlich in der
Nähe von laufendem Wasser steht. Da, wo das Wasser im Fließen keinen
Ausweg mehr gefunden hat und eine kleine oder größere Pfütze bildet,
wachst unter sauerem Grase auch diese Sumpfpflanze. Sie hat drei Blätter
und ist sehr bitter, daher der Name Bitterklee. Diesem Kraut gibt vorzüglichen
Thee für den Magen; er wirkt gut auf die Verdauung und hilft gute
Magensäfte bereiten.
Bitterklee, in Branntwein angesetzt, gibt den sogenannten "bittern
Geist", der denselben guten Zwecken dient.
Bockshornklee (Trogonella foenum graecum) siehe: Foenum graecum Heilmittel A-B Inhalt
Brennessel, große. (Urtica dioca L.)
Heilmittel
A-B Inhalt
Die Brennessel ist die verachtetste unter den Pflanzen. Manche
zartbenervte Seelen sticht und brennt es schon, wenn sie nur diesen
Namen hören. Ob wohl mit Rechte. Jüngst hörte ich, daß ein
Wanderlehrer, ich glaube in Böhmen, über die Brennesseln und deren
Bedeutung eine ganze Broschüre geschrieben habe. Der fängt's wieder
einmal gut an, das lobe ich mir! Die Brennessel hat in der That für
Kenner den größten Werth.
Frische Brennesseln, vom Standorte gerade weggenommen, gedörrt und zu
Thee verwendet, lösen die Verschiebungen in Brust und Lunge, reinigen
den Magen von verlegenen Stoffen, die sie hauptsächlich beim Uriniren
entfernen.
Kräftiger als die Blätter wirken die Brennesselwurzeln, ob man sie im
Sommer grün ausgegraben oder im Winter gedörrt verwendet. Eine
beginnende Wassersucht kann durch Thee von Brennesselwurzeln gehoben
werden. Derselbe räumt überhaupt mit faulen Säften im Inneren gründlich
auf.
Wer unreines Blut hat, soll zur Sommerszeit recht oft Brennesseln, wie
Spinat gekocht, essen. Man liebt besonders in Italien die Kräutersuppen.
Kräuterknödel aus Brennesseln sind nicht bloß ein Nähr-, sondern
auch ein Gesundheitsmittel.
Wer an Rheumatismus leidet und kein Mittel mehr findet, denselben
auszutreiben, bestreiche oder schlage die schmerzenden Stellen täglich
ein paar Minuten lang mit frischen Brennesseln. Die Furcht vor der
ungewohnten Ruthe wird bald der Freude über deren vorzügliche
Heilwirksamkeit weichen.
Heilmittel D bis F Apotheke Inhalt
Dornschlehblüte
Eibisch
Eichenrinde
Enzian
Erdbeere
Fenchel
Foenum graecum
Dornschlehblüthe. (Prunus spinosa L.)
Heilmittel
D-F Inhalt
Dornschlehblüthen sind das schuldloseste Abführmittel und sollten in
jeder Hausapotheke in vorderster, leicht zugänglicher Reihe zu finden
sein.
Wie oft fühlt man im Magen und im Unterleib, im ganzen Befinden, daß
eine schnelle Purgirung (Abführung) gut, ja nothwendig wäre ; man sucht ein
leichtes Mittel und sucht und - könnte es so leicht bei der Hand haben!
Nimm solche Dornschlehblüthen, siede dieselben 1 Minute lang und trinke
3 bis 4 Tage lang solchen Thee, täglich 1 Tasse! Der Thee wirkt leicht,
ohne alle Unannehmlichkeiten und Beschwerden, dazu dennoch gründlich.
Als Magenmittel, als reinigendes und stärkendes, kann ich diesen Thee
gleichfalls bestens empfehlen.
Eibisch.
(Althaea officinalis L.) Heilmittel
D-F Inhalt
Eibischthee wird sehr viel gebraucht bei Erkältungen. Ich bin für
denselben nicht besonders eingenommen, da er meinen Erwartungen zu wenig
oder nicht entsprochen hat. Schon beim Sieden erhält man eine schlütterige
(zähe) Masse, die nach verhältnismäßig kurzer Zeit schleimig wird
und so - was in der That oft vorkommt - den Appetit nehmen oder
verderben muß. Derlei Medizinen empfehle ich nie. Gelinde gesagt ist
mir Eibischkraut und Eibischwurzel etwas verdächtig. Ich wähle deßhalb
stets Heilkräuter, welche dieselben Dienste zweifellos sicher thun.
Eichenrinde
Heilmittel
D-F Inhalt
Heißt er uns gar die Eichenrinde als Medizin gebrauchen: Ja freilich,
sie mag frisch vom Baume weg oder getrocknet sein.
Junge Eichenrinde, längere Zeit (1/2 Stunde) abgebrüht gibt einen
heilkräftigen Absud. Man tauche nur ein Handtüchlein in denselben und
winde es als Wickel um den Hals. Solche Wickel lösen auf und verdrängen
dicke Hälse, und wenn ein Kropf noch nicht zu groß und zu fest ist,
sind sie selbst die wirksamsten und zugleich schuldlosesten Kropfmittel.
Mit den Drüsen räumen diese Wickel nicht weniger gründlich auf.
Wer an Mastdarmvorfall leide, nehme fleißig Sitzbäder mit Absud von
Eichenrinden, dazu zuweilen kleine Klystiere mit verdünntem Absud.
Die lästigen und oft gefährlichen Mastdarmfisteln löst der Absud und
heilt sie aus.
Auch harte Geschwülste, die nicht entzündet sind, können ebenso
behandelt und aufgelöst werden.
Thee von Eichenrinde wirkt wie Harz stärkend auf die inneren Gefäße.
Enzian, gelber.
(Gentiana lutea L.) Heilmittel
D-F Inhalt
Der gelbe Enzian wächst besonders auf den Bergen. Durch zuverlässige
Leute kann man leicht und billig dieses prächtige Heilkraft sich
sammeln lassen. Vor Allem rathe ich, Extrakte von Enzian zu bereiten.
Die Enzian-Wurzeln werden zu diesem Zwecke gut getrocknet, klein
geschnitten und so mit Branntwein oder Spiritus in Glasflaschen
angesetzt.
Dieser Extrakt ist eines der ersten Magenmittel. Man gieße 20 bis 30
Tropfen desselben an 6 bis 8 Eßlöffel Wasser in ein Glas und nehme diese
Mischung längere Zeit hindurch täglich. Die gute Verdauung wird ein
nicht minder guter Appetit recht bald anzeigen. Spürt man, daß eine
Speise schwer im Magen liegt und belästigt, das Magentränklein von
einem Kaffeelöffel Extrakt in einem halben Glas warmen Wassers wird die
Störung bald beendigen.
Für Magendrücken ist Enzian ebenfalls sehr gut.
Auf größeren Reisen, wenn man Tage lang oft schlecht ißt, noch
schlechter trinkt und todmüde und halbkrank am Ziele ankommt, leistet
ein winziges Fläschchen Enziantinktur, tropfenweise auf Zucker zu Rathe
gezogen, treffliche, unbezahlbare Dienste.
Uebelkeiten und Anfälle von Ohnmächten entfernt ein Kaffeelöffel
Tinktur in Wasser genommen; sie erwärmt, weckt auf, bringt Körper und
Geist wieder in Frieden.
Enzian, zu Thee verwerthet, thut ähnliche Dienste. Man siedet dann
entweder die geschnittenen Wurzeln oder selbst das Enzianpulver und
trinkt den Absud als Thee.
Erdbeere.
(Fragaria vesca L.) Heilmittel
D-F Inhalt
Welche Freude, wenn Kinder das erste Erdbeersträußchen den Eltern, dem
Lehrer, dem Pfarrer bringen! Welcher Genuß, wenn als Nachspeise (mit
oder ohne Wein) der erste Teller kühlender Erdbeeren aus den Tisch
gebracht wird!
Nicht allein die Früchte dieses kleinen, so überaus fruchtbaren Pflänzchens sind gerne gesehen; auch die Blätter sammelt und trocknet
manche, für ihre schwachen Kleinen besorgte, von schwerer Arbeit
heimkehrende Mutter; denn Erdbeerblätter, das weiß sie, sind ein
gutes, gesundes und ein so überaus billiges Nährmittel.
Wie bereitet sie diesen Thee? Sie nimmt Erdbeerblätter, so viel sie mit
drei bis vier Fingern fassen kann, schüttet ungefähr einen halben
Schoppen (ein Viertelliter) siedendes Wasser dran und deckt beides gut
zu. Nach 15 Minuten gießt sie den Thee ab, und sie hat reinen Erdbeerblätterthee.
Dann mischt sie daran heiße Milch, etwas Zucker, und das Tränklein ist
fertig.
Würde die Mutter statt des dritten oder vierten Theiles der Erdbeerblätter
Waldmeister (Asperula odorata) nehmen, so gewänne der Thee an Geschmack
und Gehalt.
Die Erdbeeren selbst sind als Gesundheitsmittel gar nicht zu unterschätzen.
Man gebe dieselben besonders Rekonvalescenten, die große Schwäche und
Entlastung nach schwerer Krankheit spüren ; man gebe sie verbunden mit
anderen Nahrungsmitteln. Wer im Sommer längere Zeit hindurch, gleichsam
zum Kurgebrauch, täglich z.B. einen Schoppen Milch mit einem halben
Schoppen Erdbeeren vermischt (wie man dieses in Süddeutschland vielfach
thut) oder täglich zweimal ein Stück guten Roggenbrodes mit je einem
viertel Schoppen Erdbeeren genießt, wird bald die überaus wohlthuende
Wirkung verspüren, die neben der Kräftigung auch in Blutreinigung
besteht. Werden die Erdbeeren eingekocht wie Kirschen, Weichseln,
Amorellen u.s.w., dann kann obige Kur mit bestem Erfolg selbst im Winter
vorgenommen werden.
Bei innerer Hitze leisten Erdbeeren im Sommer selbst Kranken die besten
Dienste. Welch' herrliches Refrigerans, d.i. kühlendes Labsal kann dem
Lechzenden damit gereicht werden!
Gries- und Steinleidenden werden vielfach täglich gleichmäßige
Portionen von Erdbeeren empfohlen.
Dasselbe gilt für Leberleidende (täglich in verschiedenen Malen bis zu
zwei Schoppen) und für Solche, die mit aus dem krankhaften Blute herrührenden
Ausschlägen behaftet sind. (Morgens und Nachmittags je einen Schoppen.)
Es ist merkwürdig, wie gerade diese Frucht von der Erde den Menschen so
reichlich gereicht wird. Daß unser Verständniß und unsere Dankbarkeit
der liebevollen Freigebigkeit ihres und unseres Schöpfers jederzeit
entsprechen möchte!
Fenchel.
(Foeniculum officinale All.) Heilmittel
D-F Inhalt
Die Fenchelkörner dürfen in keiner Hausapotheke fehlen, da das Leiden,
in welchem sie Hilfe schaffen, so gar häufig vorkommt; ich meine die
Kolik mit ihrer Begleitschaft, den krampfartigen Zuständen. Schnell
Siede die Mutter einen Löffel voll Fenchel in einer Tasse Milch 5 bis
10
Minuten lang und gebe den Heiltrank dem Kranken so warm wie möglich
(nie zu heiß, daß man im Innern nichts verbrennt). Die Wirkung ist
meist sehr gut und sehr schnell. Die rasch sich verbreitende Wärme
stillt die Krämpfe, die Kolik läßt nach und verschwindet. Aeußerlich
soll, wie solches an anderer Stelle angegeben ist, ein warmer Aufschlag
von Wasser und Essig (halb und halb) auf den Unterleib zu liegen kommen.
Fenchelpulver, wie Gewürz auf Speisen gestreut, vertreibt die Gase aus
dem Magen und den unteren Regionen.
Das Pulver wird gewonnen, indem man Fenchelkörner im Ofenrohre röstet
(dörrt) und in einer gewöhnlichen Kaffeemühle mahlt.
Fenchelöl kauft man in der Apotheke.
Fenchel, als Augenwasser verwendet, klingt manchem Geheilten, der dies
liest, nicht mehr neu. Man koche einen halben Eßlöffel
Fenchelpulver ab und wasche mit dem Absud ungefähr dreimal des Tages
die Augen aus.
Reinigender und stärkender noch wirken die Augendämpfe
Da ich bei jedem Kopfdampfe behufs Lösung im Inneren stets ein, zum
Mindesten 1/2 Löffel Fenchelpulver verwende, so ist eigentlich mit
jedem Kopfdampf ein solcher Augendampf verbunden. Aehnliche Wirkungen wie
mit Fenchel erzielt man mit Anis und Kümmel. Oefters werden zwei oder
gar sämmtliche drei Heilkörner mit einander vermischt, zusammen
gemahlen und benutzt.
Bockshornklee
(Foenum graecum) Heilmittel
D-F Inhalt
Von dem Samen (foenum graecum) des Bockshornklees (Trigonella foenum
graecum) wird ein Pulver bereitet, das Vielen derjenigen, die meine
Wassermittel gebrauchten, längst kein Fremdling mehr ist. Sie schätzen
es und benützen es fleißig. Man habe keine Furcht, das Pulver ist ganz
unschädlich.
Nach innen wirkt dasselbe, als Thee zubereitet, kühlend bei hitzigen
Fiebern.
Bei Halsleiden mit starken Hitzen im Halse dient der Thee als gutes
Gurgelwasser. Ein Kaffeelöffel des Pulvers reicht aus für eine mäßige
Tasse Thee, die im Tage (alle Stunden, auch öfter, ein Eßlöffel voll)
getrunken oder zum Gurgeln verwendet wird.
Was die äußere Anwendung betrifft, so ist Foenum graecum das beste von
allen mir bekannten Mitteln zum Auflösen von Geschwülsten und Geschwüren.
Es wirkt langsam, schmerzlos, aber bis zum letzten Tropfen Eiter
ausdauernd und gründlich. Man kocht ähnlich wie beim Leinsamen den
bekannten öligen Brei, den man in kleine Linnentüchlein bringt und
auflegt. Bei offenen Füßen ziehen solche Auflagen die sogenannten
"Zuschläge", d. i. die Entzündungen um die Ränder der Wunde
aus und verhindern die Bildung des faulen Fleisches oder gar einer
Blutvergiftung. Diese letztere Anwendung empfehle ich der besonderen
Aufmerksamkeit Aller, denen solche Fußwunden oft recht viel Leid und
Sorge bereiten.
Foenum graecum kauft man sich in der Apotheke.
Heilmittel H bis K Apotheke Inhalt
Hafer
Hagebutten
Harzkörner
Heidelbeere
Heublumen
Holunder
Honig
Huflattich
Johanniskraut
Kamille
Kampher
Kleie
Knochenmehl
Kohlenstaub
Kreidemehl
Kümmel
Hafer oder Haber.
(Avena sativa L.) Heilmittel
H-K Inhalt
Ein tüchtiges Sieden entzieht den Haferkörnern - auf gleiche Weise
kann Gerste behandelt und gebraucht werden - die innewohnende Kraft.
Solches Getränk, nahrhaft, leicht verdaulich, kühlend bei vorhandenen
inneren Hitzen, ist für Rekonvaleszenten, wie z.B. durch die Blattern,
durch den Typhus und andere ähnliche Krankheiten übermäßig entkräftet
und geschwächt wurden, ein vorzügliches Nährmittel, ein wahres Labsal. Wie oft bedaure ich es, daß man derlei armseligen Kreaturen,
die doch vor Allem neues, gesundes Blut brauchen, alle möglichen, nur
nicht solche Getränke bereitet und bietet!
Die Bereitung ist einfach. Ein Liter Hafer wird 6 bis 8 mal mit frischem
Wasser gewaschen, dann in zwei Liter Wasser so lange abgekocht, bis
dieses zur Hälfte eingesotten ist. In den abgegossenen Absud rührt man
2 Löffel Honig und läßt die Mischung noch einige Minuten kochen.
Hagebutten
Heilmittel
H-K Inhalt
Am Hundsrosenstrauch (Heckenrose, Rosa canina L.) pflückt die auf ihre
Hausapotheke denkende Mutter nicht allein die schönen Rosen, sie
sammelt auch mit Fleiß die sogenannten Hagebutten, und zwar nicht
allein zu Saucen, sondern auch zu Heilzwecken.
Diejenige Hausmutter wird mit noch größerem Eifer ihren Garten und
auch fremdes Eigenthum durchmustern, die in der Familie ein Glied hat,
das an Gries oder an Nieren- und Blasenstein, diesen schrecklichen und
schmerzlichen Uebeln, leidet. Sie weiß, Hagebuttenthee lindert und
reinigt die Nieren und die Blase.
Ich kenne einen hochbejahrten Greis, welcher in jüngeren Jahren viel an
Gries und Stein gelitten hat und sich oftmals nicht zu rathen und zu
helfen wußte. Man rieth ihm diesen Thee, und er gewöhnte sich mit
solcher Vorliebe daran, daß Abends beim Schlafengehen die seit Jahren
übliche Tasse nie fehlen darf; sie ist ihm lieber als ein Glas des
besten Weines. "Das sind meine Spirituosen," sagt er;
"das ist das Oel, welches die bald ausgelaufene Maschine des alten
Körpers täglich von Neuem zum Gange ölt.
Die Hagebutten werden ausgekernt, die Hülsen getrocknet und daraus der
Thee bereitet.
Harz- oder
Weihrauchkörner Heilmittel
H-K Inhalt
Wie die Kerze träufelt, so träufelt es manchmal aus der Rinde der
Tanne oder der Fichte. Ein Jeder, der zur Sommers- oder zur Herbstzeit in
den Wald geht, kann dieses Träufeln gewahren. Wie hängengebliebene Thränen
sehen diese Harzperlen aus, weiß wie Wachs, klar wie Honig, frisch wie
Quellwasser.
Das Harz ist das Blut der Tanne, der Fichte, und wenn ein solcher
lebenskräftiger Baum in's Fleisch hinein verletzt wird, so blutet er
oft ganz gewaltig.
Dieses Harz, das so zäh klebt und dem Ansehen nach edle, körnige
Stoffe enthält, muß gewiß eine besondere Kraft haben.
5 bis 6 solcher erbsengroßen Harzkügelchen oder Harzthränen, längere
Zeit hindurch täglich eingenommen und geschluckt, kräftigen die Brust
und wirken merkwürdig stärkend auf die inneren Gefäße.
Ich kannte einen sehr schwächlichen Priester, der täglich ein größeres
Quantum dieser harzigen Flüssigkeit zu sich nahm. "Diesem
Kraftsirup", meinte er, "verdanke ich die Erstarkung meiner
Brust."
Diese Harzpillen kann Derjenige, dem sie der nahe Wald nicht liefert,
durch Weihrauchkörner weißer Sorte ersetzen. Weihrauch ist ja auch nur
ein feines Harz. 6 bis 8 solcher Körner, auf längere Zeit täglich
genommen, bilden eine gute Brustkur.
Die Angst vor Unverdaulichkeit dieser Harzsteinchen, wie sie eine
hochgehende Phantasie befürchten möchte, soll dir nicht bange machen.
Die Natur verarbeitet auch solcherlei Ware recht gut.
Heidelbeere.
(Vaccinium myrtillus) Heilmittel
H-K Inhalt
Um Jakobi herum gehen die Kinder so gerne in die Wälder. Die
Heidelbeeren sind reif, eine Leibspeise für die jungen Springinsfelde.
Auch alte Kinder lassen sich die Beeren recht gut schmecken. In Großstädten,
aus den Obstmärkten sieht man die schwarzen Bekannten korbweise stehen; manches Studentlein denkt an vergangene schöne Jugendzeit, wo es mit
der kleinen Schwester in die "Hoidlen" - wie die Schwaben
sagen - ging, und läßt sieh von der Obstfrau für ein paar Pfennige
die anheimelnden Schwarzlinge in die Tasche schütten.
Kein Haus sollte sein, das nicht eine gute Portion Heidelbeeren dörrt
und für's Jahr aufbewahrt. Sie sind zu gar Vielem nütze.
Man bringt Heidelbeeren, so viel man mit 2-3 Handvoll fassen kann, in
ein Glas und gießt guten, echten Branntwein darauf. Je längere Zeit
(selbst Jahre lang) die angesetzten Beeren stehen, d.h. je besser
dieselben ausgezogen werden, um so schärfer wird und wirkt die Medizin
solchen Beerengeistes.
Wer an leichten Diarrhöen leidet, nehme von Zeit zu Zeit einige
getrocknete, rohe Heidelbeeren, verkaue und schlucke sie. Sehr oft genügt
dieses leichteste Mittelchen. Ich sah Badegäste in großen Badestädten,
die, um unangenehmen Ueberraschungen aus dem Spaziergange vorzubeugen,
von der erfahrenen und umsichtigen Hausfrau derlei "Diarrhöestillpillchen"
mit auf den Weg bekamen.
Heftiges, andauerndes Abweichen (Durchfall), mit großen Schmerzen verbunden, bei
dem mitunter Blut abgeht, stillt ein
Löffel Heidelbeerbranntwein, genommen in 1/8 Liter warmen Wassers. Nach
8 bis 10 Stunden kann man die gleiche Medizin nochmals nehmen. Eine dritte
Repetition wird kaum mehr nothwendig sein. Suche man in der Apotheke ein
unschuldigeres und doch wirksameres Mittel!
Bei gefährlichen Ruhrerkrankungen arbeitet derselbe Heidelbeergeist der
äußeren Wasseranwendung (warme Aufschläge von Wasser und Essig auf
den Unterleib) von innen überaus wirksam entgegen.
Unter den Tinkturen unserer Hausapotheke ist die Heidelbeertinktur die
erste und unentbehrlichste. Sie dient in all' den oben bezeichneten Fällen
und ist einer der wärmsten Freunde des Unterleibes. Die Dosis richtet
sich nach dem Grade des Uebels: die kleinste beträgt 1 bis 12 Tropfen auf
Zucker, die stärkere etwa 30 Tropfen, die stärkste und größte einen
Kaffeelöffel, in warmem Wasser oder in Wein (6 Löffel voll) genommen.
Heublumen
Heilmittel
H-K Inhalt
Zahlreiche mündliche und schriftliche Berichte haben mich belehrt, daß
viele Leute nicht wissen, was sie sich unter "Heublumen"
vorzustellen haben. Was man in der Heilkunde unter diesem Namen
versteht, ist bereits beim Heublumenfußbad (S. 40) erwähnt worden. An
dieser Stelle möchte ich nur noch den Heublumen das Wort reden und im
Allgemeinen aus deren Verwendung hindeuten. Bei beginnender
Blutvergiftung, bei erfrorenen Gliedern, bei krampfhaften
Unterleibserscheinungen u. A. haben mich die "angeschwellten"
(heißüberbrühten) Heublumen nie im Stiche gelassen.
Bei Rheumatismus, Gicht, bei skrophulösen Zuständen leisten Wickel und
Hemden, in warmen Heublumenabsud eingetaucht, vortreffliche Dienste. Es
verstände mich aber jener nicht recht, der bei den genannten
Krankheitserscheinungen mit den Heublumen allein auszureichen meinte.
Die einzelnen Fälle im dritten Theile thun dieß zur Genüge dar.
Holunder, schwarzer.
(Sambucus nigra L.) Heilmittel
H-K Inhalt
Dem Hause am nächsten stand in den guten alten Zeiten der
Hollunderbusch; jetzt ist er vielfach verdrängt und ausgerottet. Es
sollte kein Wohnhaus geben, wo er nicht gleichsam als Hausgenosse in der
Nähe wäre oder wieder in die Nähe gezogen würde; denn am
Hollunderbaum sind wirksam die Blätter, die Blüthen, die Beeren, die
Rinde und die Wurzeln.
Zur Frühlingszeit sucht die kräftige Natur manche Stoffe, die sich im
Körper den Winter über angesammelt haben, zu entfernen.
Wer kennt nicht diese Zustände, die sogenannten "Frühlingskrankheiten,
wie Ausschläge, Abweichen (Durchfall), Kolik und Aehnliches? Wer durch eine Frühlingskur
Säfte und Blut reinigen und verlegene Stoffe in leichter und natürlicher
Weise ausscheiden will, der nehme 5 bis 8 Blätter des Hollunderbaumes,
schneide sie klein, wie man Tabak schneidet, und lasse den Thee etwa
zehn Minuten lang sieden. Dann nehme er in der ganzen Kurzeit täglich
des Morgens nüchtern eine Tasse solchen Thees, eine Stunde später sein
Frühstück.
Dieser einfachste Blutreinigungs-Thee säubert die Maschine des
menschlichen Körpers in vortrefflicher Weise und ersetzt armen Leuten
die Pillen und Alpenkräuter u. A., die in seinen Schachteln und Schächtelchen
heutzutage die Runde mache und oft ganz sonderbare Wirkung thun.
Wie im Frühlinge, so kann diese Kur auch zu jeder anderen Jahreszeit
vorgenommen werden. Selbst die gedörrten Blatter liefern guten Thee zur
Auflösung und Reinigung.
Wer hat nicht schon von Hollunder-Blüthen zubereitete Kuchen (die schwäbischen
sogenannten "Küchlein") gegessen? Viele Leute backen
dieselben gerade zu der Zeit, in welcher der Baum im weißen Frühlingsschmucke
prangt, und sagen, diese Blüthenkuchen schützen vor Fieber. Ich kenne
einen Ort, in den der Schüttelfrost sehr häufig Einzug hält. Dort
sieht man im Frühling aus jedem Tisch diese Hollunderblüthen- oder
Fieberkuchen. Spitzfindig und kritisch habe ich dieses nie untersucht;
die Leutchen mögen ganz ruhig bei ihrem Glauben bleiben; denn solche
Kost ist gut und gesund.
Auch die Hollunderblüthe reiniget, daran zweifelt Niemand, und es wäre
gut, wenn in jeder Hausapotheke eine Schachtel gedörrter Blüthen
aufbewahrt würde. Der Winter ist lang, und es kann Fälle geben, in
denen ein derart lösendes und schweißtreibendes Mittelchen überaus
treffliche Dienste leistet. Schaden kann solcher Thee niemals bringen.
Bei Organismen, in welche die Wassersucht Einzug halten sich ansetzen
will, treibt die Hollunderwurzel, als Thee zubereitet so kräftig Wasser
aus, daß sie kaum von irgend einem andern Medikament übertroffen wird.
Dabei ist ihr Wirken ganz schuldlos. Die Beere, welche zur Herbstzeit häufig
gekocht und als Brei, als Mus gegessen wird, wurde von den Alten
hochgeschätzt als Blutreinigungsmittel. Meine selige Mutter hat alle
Jahre 14 Tage bis 3 Wochen lang eine solche Hollunderkur vorgenommen.
Dieses war der Hauptgrund, weßhalb unsere Altvordern noch vor 50 bis 60
Jahren mindestens ein paar Hollunderbäume vor's Haus pflanzten. Wie die
hohen Herrschaften heut zu Tage zu der theuren Traubenkur wandern, oft
nach fernen Ländern, so gingen unsere Eltern und Großeltern in die Kur
zum Hollunderbaum, der sie in nächster Nähe so billig und oft viel
besser bediente. Vor mehreren Jahren kam ich in ein österreichisches
Alpenland. Da sah ich zu meiner großen Freude auch den Hollunderbaum
noch in Ehren. "Ja daran," sagte mir ein alter Bauer,
"lassen wir keine Beere zu Grunde gehen." Wie einfach, wie
rationell (vernünftig)! Die Vögel selbst, ehe sie ihre Herbstwanderung
antreten, suchen noch überall den Hollunderbaum aus, um ihr Blut zu
reinigen und ihre Natur zur weiten Wanderung zu Stärken. Wie schade, daß
der Mensch alle diese Naturtriebe, "den gesunden Sinn" vor
lauter Kunst und Gekünsteltem nicht mehr fühlt und achtet!
Wird die Beere mit Zucker oder besser mit Honig eingekocht, so dient
diese Masse zur Winterszeit besonders solchen Leuten vorzüglich, die
wenig Bewegung haben, die mehr zu ruhiger, sitzender Lebensweise
verurtheilt sind. Ein Löffel voll von solchem Eingekochten in ein Glas
Wasser gerührt, gibt den herrlichsten Kühl- und Labetrunk ab, reinigt
den Magen, wirkt auf Urinausscheidung und günstig auf die Nieren.
Viele Landleute dörren die Beeren. Verkocht man diese gedörrten Beeren
zu Brei, oder siedet man sie ab zu Thee, oder ißt sie dürr, in allen
Formen wirken sie sehr gut bei heftigem Abweichen (Durchfall).
Weil man sich an die überaus guten Dienste des Hollunderbaumes, dieses
treuen und früher so geachteten Hausfreundes, nicht mehr erinnerte, deßhalb
hat man denselben vielfach verworfen. Daß der alte Freund wieder zu
neuem Ansehen kommen möchte!
Honig
Heilmittel
H-K Inhalt
Die früheren Generationen behaupteten, junge Leute sollten ja nicht
viel Honig essen, er sei für sie viel zu stark; den Alten dagegen
"helfe er nochmals auf den Gaul."
Ich habe den Honig vielfach verwendet und stets gefunden, daß er von
vorzüglicher Wirkung ist. Er wirkt lösend, reinigend, stärkend.
Als Beimischung zu Thee für Katarrhe und Verschleimungen benützt man
den Honig seit langer Zeit.
Die Landleute verstehen es gut, für äußere Geschwüre die Honigsalbe
anzuwenden. Wer nicht die Gewandtheit besitzt, solche Geschwüre mit
Wasser zu behandeln, dem rathe ich entschieden, vor jeder anderen
Schmiererei nach diesem einfachen, unschädlichen und wirksamen Mittel
zu greifen. Die Bereitung ist höchst einfach. Man nimmt halb Honig,
halb weißes Mehl und rührt die Mischung durch Zugießen von wenig
Wasser gut durcheinander. Die rechte Honigsalbe soll ziemlich fest,
nicht flüssig sein.
Auch nach innen wirkt der Honig bei verschiedenen kleineren Übeln
heilkräftig.
Kleinere Magengeschwüre soll er rasch zusammenziehen, reifen und
ausheilen. Ich würde nicht rathen, den Honig rein, dagegen es sehr
anempfehlen, den Honig mit einem passenden Thee vermengt zu nehmen. Ohne
Beimischung wirkt dieser edle Extrakt zu stark; noch bevor er den Hals
passirt, hat er diesen schon "rauh" gemacht.
Wem das Schlucken wegen Katarrh oder eines ähnlichen Uebels schwer
geht, lasse einen Kaffeelöffel Honig in 1/4 Liter Wasser aufkochen.
Jeder Sänger hat so das herrlichste und süßeste Gurgelwasser. Selbst
wenn ein Tropfen hinunterrinnt, braucht man sich vor dem Magenverderben
und Vergiften nicht zu fürchten.
Das reinigende und stärkende Honig- Augenwasser ist bekannt. Siede
einen Kaffeelöffel Honig in 1/4 Wasser fünf Minuten lang; alsbald
kannst du das Augenläppchen eintauchen.
Eines noch liegt mir am Herzen. Ich kenne einen Herrn von mehr als
achtzig Jahren. Dieser bereitet sich seinen Tischwein täglich selbst.
Er gießt einen Eßlöffel echten Honig in siedendes Wasser und läßt
dieses eine Weile kochen. Der Trank ist fertig; er soll gesund sein, kräftigen
und vortrefflich munden. "Meine Gesundheit und meine Rüstigkeit in
solchem Alter," meinte der Greis, "verdanke ich diesem
Honigwein." Mag sein! Soviel kenne ich aus eigener Erfahrung (ich
habe sehr viel Honigwein bereitet, sehr viel trinken sehen, selbst auch
manchmal ein Glas getrunken): dieser Wein wirkt lösend, reinigend, nährend
und stärkend. Nicht nur dem schwachen, auch dem starken Geschlechte würde
so ein Trank alle Ehre machen. Ich denke dabei stets an den Honigmeth
der alten Deutschen. Diesem unverfälschten Biere schrieben sie, wie
Tacitus erzählt, hauptsächlich ihre Gesundheit und ihr hohes Alter zu.
Wer als echter Sohn urdeutscher Väter sich einmal also gestimmt fühlt,
kann das Recept dieses außer Gebrauch gekommenen Getränkes unter Honigwein
finden.
Huflattich
(Tussilag farfara L.) Heilmittel
H-K Inhalt
Der Schöpfer hat manches Kraut und manche Pflanze wachsen lassen, die
man wenig achtet oder gar verachtet, so daß man eine Freude hat, einer
solchen Pflanze einen Fußtritt geben zu können. Dieses Schicksal
trifft auch den Huflattich, weil er gewöhnlich als das reinste Unkraut
gilt. Wer aber diese Pflanze kennt, wird sie hochschätzen und als vorzügliches
Hausmittel behandeln.
Zum Reinigen der Brust und zum Säubern der Lungen ist es sehr rathsam,
Lattichthee zu trinken. Engbrüstigkeit und Husten kann recht leicht
durch diese eine Pflanze gehoben werden, besonders wenn eine Anlage zur
Schwindsucht vorhanden ist. Diese Blätter können, auf ein Tuch geheftet oder auch ohne dasselbe, auf die Brust gelegt werden. Sie
ziehen die Hitze aus, hemmen Schwächen oder entfernen die Fieber. Vorzüglich
wirken diese Blätter auf offene Geschwüre gelegt; sie nehmen die
Hitze, den Zuschlag (Röthe), und ziehen die schädlichen Stoffe nach außen.
Ganz besonders wirksam zeigen sich die Blätter bei offenen Füßen,
wenn die Stellen blau und schwarz, stark entzündet sind; sie nehmen die
Hitze und den Schmerz, und wiederholt aufgelegt sind sie ein
ausgezeichnetes Heilmittel. Also bei hitzigen Geschwüren, bei Rothlauf,
Gesichtsrose und ähnlichen Zuständen haben wir im Huflattich ein vorzügliches
Mittel. Diese Huflattichblätter können auch im Schatten getrocknet, zu
Pulver gerieben und als solches eingenommen werden; täglich zwei- bis
dreimal jedesmal ein bis zwei Messerspitzen voll; diesem Pulver kann
sogar in der Kost genommen werden.
Johanniskraut
(Hypericum perforatum L.) Heilmittel
H-K Inhalt
Das Johanniskraut führte seiner großen Wirkungen wegen früher den
Namen Hexenkraut. Heutzutage sind seine Leistungen und es selbst ganz
vergessen.
Dieses Heilkraut übt besonderen Einfluß aus auf die Leber; sein Thee
ist ihr vorzüglichstes Heilmittel. Eine kleine Beimischung von
Aloepulver erhöht die Wirkung, die sich im Urin zeigt, der oft ganze
Flocken unreiner Krankheitstoffe mitschwemmt.
Kopfleiden, die von wässerigen Stoffen oder Verschleimungen im Kopfe,
auch von zum Kopf dringenden Gasen herrühren, Magendrücken, leichte
Verschleimungen von Brust und Lunge heilt Thee von Johanniskraut in Bälde.
Mütter, denen kleine Bettnässer viel Arbeit und Sorge bereiten. wissen
von der stärkenden Wirkung solchen Thee's Manches zu berichten.
In Ermangelung von Johanniskraut wende man für all die genannten Zustände
die Schafgarbe (Achillea millefolium L.) an.
Kamille
(Matricaria chamomilla L.) Heilmittel
H-K Inhalt
Kamillenthee wird bei Erkältungen, besonders wenn diese fieberartige
Zustände begleiten, bei Grimmen (heftigem Leibweh), Krämpfen, starken
Congestionen u.s.w. verwendet; die Kamillensäckchen sodann, die
trefflichen Wärmer bei verschiedenen Zuständen, sind in jedem Hause so
liebe Bekannte, daß es überflüssig erscheint, darüber ein Weiteres
zu sagen.
Kampher (Laurus Camphora L.)
Heilmittel
H-K Inhalt
Die Anwendung von Kampher ist eine allgemein bekannte und geübte.
Derselbe wirkt lindernd, erweichend, schmerzstillend. Zur Verwendung
kommt der Kampher im Kampherspiritus und im Kampheröl.
Der Kampherspiritus wird bereitet, indem man ein Stück Kampher, so groß
wie eine Haselnuß, in einem Viertelliter Spiritus auslöst, und dient
nur äußerlich zum Einreiben bei Quetschungen, Verrenkungen,
rheumatischen und krampfhaften Zuständen. Viele benützen ihn zur Stärkung
und Kräftigung irgend eines Gliedes; sie thun vollkommen recht.
Kampher, in Baumöl, Salatöl oder Mandelöl so lange gerieben, bis er
ausgelöst ist, gibt das Kampheröl. Es erweist sich als vortrefflich zu
Einreibungen bei Rheumatismus und Rückenschmerzen und lindert die großen
Schmerzen, welche Gichtarten und ähnliche Geschwülste und
Verknorpelungen verursachen.
Kleie
Heilmittel
H-K Inhalt
Wie unbegreiflich wir Menschen uns in manchen Stücken benehmen, das
zeigt so recht, wenn auch nur in einem kleinen, unscheinbaren Punkte,
die Behandlung der Kleie (Schalenstoffe des Kornes). Jede Dienstmagd wirft die Kleie den Schweinen
vor, die Kleie, die, ich möchte sagen, gesündere und kräftigere Nährstoffe
enthält als das Mehl selbst. Viel vernünftiger würde diejenige
Hausmutter handeln, welche die nahr- und heilkräftige Kleie sorgfältig
in selbsteigenen Verwahr nähme und dieses edle, nahrhafte und gesunde
Heilmittel ihren schwachen Kindern gönnte.
Schwächlingen, Rekonvaleszenten und Kindern ist nichts lieber als
leichtverdauliche Speisen. Was die schwächste Natur noch verarbeiten
kann, ist ein Absud der Kleie, gleichsam der Extrakt der Frucht selbst.
Man nehme Weizen- oder Kornkleie und koche Sie drei Viertelstunden in
heißem Wasser. Dann presse man die Kleie aus, mische in den Absud Honig
und lasse die Mischung nochmals eine Viertelstunde auskochen. Von dem
fertigen Kleientrunke nehme der Patient zweimal im Tage je einen
Viertelliter. Semmelbrod, das er in den süßen Saft taucht, wird ihm
sehr gut schmecken.
Für Kinder und alte Leute weiß ich kaum einen besserem Trank; mit Dank
werden dieselben stets dieses Labsal begrüßen.
Daß wir alle doch wieder einfacher, genügsamer, natürlicher zu werden
strebten! Gott gebe es; viel hängt davon ab!
Knochenmehl
Heilmittel
H-K Inhalt
Von diesem Knochenkohlenpulver bereite ich mir stets drei Sorten. Die
erste Sorte ist das sogenannte
a) Schwarze Pulver.
Ich nehme gesunde Knochen eines gesunden, geschlachteten Stückes Vieh
und setze dieselben so lange der Glühhitze aus, bis die Knochen zu
Kohle verbrannt sind. Diese schwarzen Knochenkohlen werden fein zerstoßen,
und das überaus einfache und unschädliche schwarze Pulver ist fertig.
Als zweite Sorte verwahre ich das sogenannte
b) Weiße Pulver.
Ich brenne die Knochen wie Kalk, d.h. so lange, bis sie das Aussehen
haben wie frischgebrannter Kalk. In der That habe ich ja auch der
Hauptsache nach Kalk vor mir; denn die beigemengten Salze oder anderen
Stoffe bilden bei weitem den kleinsten Theil. Die verkalkten Stoffe
werden wieder pulverisirt, d.h. zu Pulver zermalmt, und ich habe ein
Pulver, welches das Ansehen hat wie Kreidemehl, das sogenannte weiße
Pulver.
Eine dritte Sorte nenne ich das
c) Graue Pulver.
Ein Theil weißes Pulver, ein Theil schwarzes Pulver, ein Theil zerstoßener
weißer Weihrauchkörner dürften in der Farbenmischung ungefähr aus
grau heraus kommen. Daher der Name.
Wer meine Bemerkungen zu der Rubrik Kreidemehl
gelesen hat,
wird verstehen, weßhalb das Knochenkohlenpulver in meiner Hausapotheke
eine Rolle, und zwar eine sehr wichtige Rolle spielt.
Nach schweren Krankheiten und bei Patienten, die recht geschwächt, an
Kräften tief heruntergekommen find, ist die Wirkung am auffallendsten.
Ich selbst konnte manchmal mein Staunen nicht unterdrücken.
Unklar könnte erscheinen, weßhalb ich drei verschiedene Pulver von
denselben Knochen bereite. Die drei Arten des Knochenkohlenpulvers
entsprechen verschiedenen Arten der Schwäche, an welcher die Patienten
leiden.
Rekonvaleszenten, die eine Kräftigung des Gesammtorganismus nothwendig
haben, selbst Kinder, die wie verkümmerte Waldbäumlein ein elendes
Dasein fristen und, man weiß nicht warum, mit den Jahren doch nicht an
Kraft zunehmen (hieher zählen besonders die Kinder, welche an der
sogenannten englischen Krankheit, der Rachitis, leiden), bekommen das schwarze Pulver täglich
in Wasser oder in der Speise, ein bis zwei Messerspitzen.
Patienten, bei denen ich sehe, daß die Maschine nur langsam und träge
arbeitet, daß es mit der Verdauung und Blutbildung schlecht bestellt
ist, daß manche Bestandtheile des Körpers nur karg und unregelmäßig
das bekommen, was sie zum Wachsthum, zum Ansätze notwendig brauchen, daß
insbesondere das Knochengerüste wie ein baufälliges Mauergerüst
wackelt und am Zusammenbrechen ist, solche bekommen das weiße
Kalkpulver. Wie die Mutter dem ganz Kleinen Mehlbrei gibt, der dem noch
zahnlosen Milchkindlein mund- und magengerecht ist, so bediene ich
sozusagen die armen, hungrigen Knochen mit Knochenmehl, aus daß sie
einzeln und im Ganzen wieder zusammenhalten.
Wie die Beimischung des Weihrauches besagt, wird das graue Pulver
insbesondere denjenigen Patienten oder Rekonvaleszenten verabreicht
werden, bei denen die inneren Gefäße in großem Schwächezustande
sind.
Nun hast du, lieber Leser, das Geheimniß vom schwarzen, weißen und
grauen Pulver, von dem viele, sehr viele Patienten zu erzählen wissen,
und worüber schon so viel geraden und disputirt worden ist. Glaube mir,
durch diese Pulver allein hätte ich ein reicher Mann werden können!
Ich verabscheue und verurtheile im Prinzip die Geheimmittelei und stimme
vollkommen Jenen bei, welche dieselbe als Pfuscherei und Quacksalberei
brandmarken und verdammen. Meine Mittel brauchen das hellste Tageslicht
nicht zu scheuen. Jeder prüfe und wähle das Beste!
Kohlenstaub
Heilmittel
H-K Inhalt
Kohlenstaub wird stets aus Holzkohle bereitet. Den feinsten und besten
liefert das Lindenholz, den selbst manche Apotheker bereiten. In
Ermangelung von Lindenholzkohlen reicht jede Holzkohle aus. Je frischer
sie ist, desto bessere Dienste thut sie. Die frischeste Kohle ist die
soeben aus dem Feuer geholte. Zerdrücke sie fein, und du hast den oben
genannten Kohlenstaub!
Nach Krankheiten, in denen die Verdauungsorgane schwer gelitten haben,
erleichtert diese unsere Kohle die Arbeit um ein gutes Stück. Es klingt
vielleicht sonderbar, aber es ist so. Am leichtesten nehmen solche
Rekonvaleszenten den Kohlenstaub in Milch mit etwas Zucker. Das Ouantum
darf täglich einen mittleren Eßlöffel ausmachen und auf einmal oder
in zwei Malen genommen werden.
Auszehrende dürfen täglich im Ganzen zu verschiedenem Zeiten zwei
Schoppen Milch trinken und in jeden Schoppen (Glas) einen Löffel
Kohlenstaub mischen.
Besondere Wirkung erzielt man bei Leberkrankheiten. Das Pulver werde
wieder in Milch genommen.
Auf alle eiternden, netzenden Geschwüre gepudert, täglich ein- bis
zweimal, saugt der Kohlenstaub auf und befördert und beschleunigt durch
diese Austrocknung die Neubildung der Haut.
Kreidemehl
Heilmittel
H-K Inhalt
Wer hat nicht schon gesehen, wie nicht allein die Hühner, sondern auch
andere Hausthiere Körnchen von Kalk oder Mörtel verschlucken? Und wer
hat nicht schon gehört, wie es nothwendig geworden ist, vor manchem
Kinde die Schulkreide zu verstecken, weil es sonst dieselbe entwendet
und mit leidenschaftlichem Behagen das Stück wie Zucker zerbeißt und ißt?
Sollte die Kreide bei manchen Zuständen dem Menschen in der That
dienlich fein? Obige Vorkommnisse mahnen zu reiflichem Nachdenken. Ich
habe Kreidemehl in großen Quantitäten selbst angewendet und Viele es
anwenden lassen. Die Erfolge waren ganz merkwürdige, d. i. überaus günstige.
Die Kreide enthält Kalk, Schwefel und andere Stoffe, oder sagen wir
lieber Baumaterialien, welche der menschliche Körper nothwendig
braucht, insbesondere zum Bau des Knochengerüstes, dieses herrlichen
und kunstfertigen Baues des tüchtigsten Baumeisters.
Bei Schwächlingen könnte der Bau mißrathen oder an Festigkeit einbüßen;
es fehlt ihnen gleichsam der gute Kalk, der alles Andere, Sand und
Steine, bindet.
Diesen, selbst Kindern, die recht schwach sind, gebe ich Kreidemehl, täglich
eine Messerspitze in Wasser oder in der Speise. Da das Mehl geschmack-
und geruchlos ist, nimmt man es sehr leicht.
Wer an schwacher Verdauung leidet, wer überhaupt bei aller Pflege nicht
recht wachsen oder gedeihen will, probire einmal täglich das oben
angegebene Quantum Kreidemehl.
"Hier ist gegypst," ließ Franklin mit solchem oder wenigstens
ähnlichem Kreidestaub auf ein herrlich prangendes Kleefeld in großen
Lettern schreiben. "Bei Diesem oder jenem wurde gekreidet," könnte
ich von vielen Patienten sagen, die mir unter die Hände gerathen sind.
Vor allen anderen Kranken empfehle ich diesen weißen Staub Bleichsüchtigen,
die jeden Tag nicht eine, sondern zwei Messerspitzen - die eine in der
Frühe, die andere Abends - nehmen sollen. Ihr Weiß wird dieses Weiß
bald wieder in's gesunde, lebensfrische Roth verwandeln.
Wirksamer noch als Kreidemehl ist Knochenmehl.
Kümmel (Carum Carvi L.) siehe oben unter: Fenchel Heilmittel H-K Inhalt
Heilmittel L bis T Apotheke Inhalt
Lavendel
Leberthran
Leinsamen
Lindenblüthen
Lungenkraut
Malve
Mandelöl
Minze
Mistel
Nelken
Raute
Rosmarin
Salatöl
Salbei
Santala
Sauerkraut
Schafgarbe
Schlüsselblume
Spiköl
Spitzwegerich
Tausendguldenkraut
Lavendel, Spike (Lavandula vera DC.) siehe bei: Spiköl Heilmittel L-T Inhalt
Leberthran
Heilmittel L-T Inhalt
Ein tüchtiger Militärarzt that mir gegenüber einst den Ausspruch:
"Mit Leberthran wird großer Unfug getrieben, und schlechter
Leberthran hat oft schon recht bittere Folgen nach sich gezogen. Es gibt
Inseln, dort wirkt er bei skrophulösen Zuständen. Sonst aber verachte
ich ihn.
Niemand ist an dieses Urtheil gebunden. Ich für meine Person verwende
denselben nie. Als Heilmittel gilt er mir nicht, und da ich schlechten
Leberthran als Nährmittel fürchte, gebe ich zur Nahrung Anderes,
welches das reichlich ersetzt und bringt, was Leberthran bringen soll.
Leinsamen (Linum usitatissimum L.)
Heilmittel L-T Inhalt
Die Leinsamenumschläge oder Ausleger sind allbekannt und allgemein in
Uebung. Mit denselben erzielt man ähnliche Wirkung (kühlend,
ausweichend, lösend, ausziehend) wie mit Foenum graecum. Ich gebe
letzterem den Vorzug, da es mit mehr Kraft und Energie den Feind
angreift.
Lindenblüthen
(Tilia grandifolia und parvifolia Ehrh.)
Heilmittel L-T
Inhalt
Fast nur noch ältere Leute der alten Schule sammeln die einst so
beliebten Lindenblüthen. Sie haben ganz recht und mögen nur treu und
konservativ bleiben.
Der Lindenblüthenthee ist neben dem Hollunderblüthenthee der
bekannteste Schwitzthee. Ueber das Schwitzen, wie es in der Regel
betrieben, vielmehr dem mißhandelten Körper ausgepreßt wird, habe ich
meine für dasselbe nicht günstigen Sonderansichten. Dagegen verwende
ich die Blüthen sehr gerne für die den Schweiß erzeugenden und das
Schwitzen ersetzenden Dämpfe.
Trefflich wirkt solcher Thee bei altem Husten, bei Verschleimungen der
Lunge und Luftröhre, bei Unterleibsbeschwerden, die ihren Ursprung in
der Verschleimung der Nieren haben.
Statt der Lindenblüthen verwende ich vielfach das Johanniskraut mit
oder ohne Mischung von Schafgarbe ; siehe Johanniskraut.
Lungenkraut siehe unter Spiköl Heilmittel L-T Inhalt
Malve oder Stockrose.
(Althaea rosea L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Unter den Blumen im Garten dürfen die Malven nicht fehlen. Als der gute
Schöpfer ihre uns erfreuende Blüthe malte, hat er mit der Farbe in
jedes Blättchen einen Tropfen Heilsaft gegossen.
Die Malvenblüthen, besonders die der schwarzen Malve, als Thee
bereitet, heilen Halsgebrechen und lösen Verschleimungen aus der Brust.
Gewöhnlich mischt man diese Blüthen mit jenen des Wollkrautes.
Zu Dämpfen mögen dieselben zum Einathmen oder insbesondere als Ohrendämpfe
dienen, erweist sich die Malve als sehr nützlich.
Mandelöl
Heilmittel L-T Inhalt
Das süße Mandelöl soll unter den Oelen der Hausapotheke einen der
ersten Plätze einnehmen. Dasselbe wirkt bei verschiedenen Leiden und
Gebrechen, innerlichen wie äußerlichen, lindernd, kühlend, lösend.
Bei Verschleimungen in der Luftröhre, im Magen löst es auf und stellt
in letzterem Falle den Appetit und die Verdauung wieder her.
Bei Entzündungen, besonders bei der gefürchteten Lungenentzündung kühlt
es. Solche Kranke sollen täglich drei- bis viermal je einen Kaffeelöffel
Mandelöl einnehmen.
Aeußerlich angewendet dient dieses Oel vorzüglich bei den
verschiedenen Ohrenleiden. Bei Ohrensausen, Ohrenreißen, Ohrenkrampf,
bei verhärtetem Ohrenfett ist Mandelöl das beste mir bekannte
schmerzstillende, eventuell auflösende Mittel. Man gieße sechs bis
acht Tropfen in das leidende Ohr und verstopfe dieses mit Baumwolle.
Wer durch Erkältung, Zugluft, rheumatische Zustände am Gehör gelitten
hat, gieße den einen Tag in das eine Ohr sieben bis acht Tropfen, den
andern Tag in das andere ebensoviel und verstopfe jedesmal die Oeffnung.
Nach einigen Tagen kann er, mit lauwarmem Wasser das innere Ohr ausspülend,
nach dem Erfolge forschen. Besser noch ist der Patient daran, welcher
sich durch einen Sachverständigen sachte mit einem Ohrenspritzchen
behandeln läßt.
Geschwülste mit großen Hitzen (Entzündungen) sollen mit Mandelöl
zart eingerieben werden; es lindert den stechenden Schmerz und kühlt
die brennende Hitze.
Die sogenannten "Schrunden" der Landleute, die manchmal recht
wehe thun, die durch Sitzen, Liegen, Reiten u.s.w. entstandenen Wunden,
mögen diese was immer für einen Körpertheil peinigen, werden durch
Anwendung (gelindes Einreiben) mit süßem Mandelöl vortrefflich
behandelt.
Wer unser Oel nicht besitzt, nehme statt dessen Salatöl.
Minze, Pfeffer- und Wasser-Minze.
(Mentha piperita L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Pfeffer- (im Garten) und Wasser-Minze sind verwendbar und in ihren
Wirkungen wenig verschieden. Der Wasserminze, die stärker wirkt, gebe
ich den Vorzug. Die Minze zählt zu den Hauptmitteln, welche den Magen
stärken und die Verdauung befördern. Schon der würzige Geruch zeigt
an, daß dieses Kräutchen bezüglich seiner Heilkraft einen vornehmen
Platz einnehmen müsse.
Wer Minzenkräuter bei heftigem Kopfweh auf die Stirne bindet, wird bald
schon ein Nachlassen und eine Beruhigung fühlen.
Minzenthee, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse, befördert die
Verdauung und macht das Aussehen gesund und frisch.
Denselben Dienst thut das Pulver, wenn ich täglich ein bis zwei
Messerspitzen desselben in Speisen oder in Wasser nehme.
Durch Krankheit sehr Geschwächte, bei jeder Kleinigkeit vom Herzklopsen
Befallene, viel an Uebelkeiten und häufigem Erbrechen Leidende sollen
den Thee und das Pulver der Minze recht oft gebrauchen.
Minzen-Thee, in halb Wasser und halb Wein bereitet, mehrere Tage
hindurch täglich eine Tasse genommen, nimmt den übel- und
faulriechenden Athem.
Minzenabsud, mit Essig bereitet, von Zeit zu Zeit löffelweise (ein bis
zwei Kaffeelöffel) genommen, stillt das Blutbrechen.
Minzen, in Milch wie Thee bereitet und warm getrunken, benehmen die
Unterleibschmerzen.
Daß doch jede Hausfrau diesen wohledlen Pflänzchen neben der Raute ein
Eckchen im Garten anweisen möchte! Sie lohnen die Mühe allein schon
durch den ungemein erfrischenden Wohlduft, den sie bei jeder Berührung
freigebigst in unsere Hand legen.
Mistel
(Viscum album L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Diese Schmarotzerpflanze, die insbesondere auf alten Bäumen gut
gedeiht, ist gleichwohl eine treffliche Heilpflanze. Ihre Heilwirkungen
erstrecken sich in erster Linie auf's Blut, und ich kann den Müttern
nicht genug an's Herz legen, recht gute Bekanntschaft mit diesem Kraute
zu machen.
Thee von Mistel stillt Blutflüsse. Ich könnte eine Reihe von Fällen
aufzählen, bei denen eine einzige Tasse zur Stillung genügt hat.
Auch bei anderen Störungen im Blutumlaufe kann diese Pflanze und ihr
durchaus unschädlicher Thee zu Rathe gezogen werden.
Mit Misteln kann man (zur Hälfte) Zinnkraut mischen; auch Santala, ein
rothes Pulver, dient gut zur Beimengung; siehe Santala.
Nelken
Heilmittel L-T Inhalt
Das Nelkenöl wirkt ähnlich wie das Mandel- und das Salatöl, mit denen
es auch häufig vermischt wird.
Als besonders dienlich hat es sich mir erwiesen gegen faule Gase und
verdorbene, faule Säfte und Stoffe im Magen.
In der Regel nimmt man das Nelkenöl auf Zucker, täglich ein- bis
zweimal, je 4 bis 6 Tropfen.
Raute, Garten- oder
Wein-Raute (Ruta graveolens L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Diese edle, heilkräftige Pflanze ist leider noch allzu wenig bekannt,
das heißt, in ihren vorzüglichen Wirkungen anerkannt. Die Pflanzen
reden zu uns durch ihren Geruch. Wie klar und durchdringend meldet die
Raute ihren guten Willen, uns Menschen, für die sie geschaffen, zu
helfen, verschiedenes Leid zu lindern, als wenn jedes der kleinen Blättchen
gleichsam ein Zünglein wäre Daß wir dieses Sprechen stets verstünden!
Die Raute wirkt, wie und wo immer sie angewendet wird, stärkend und kräftigend.
Wer nur ein Blättchen kaut, kann diese Wirkung alsbald auf der Zunge
verspüren. Dazu erquickt sein Geschmack die ganze Mundhöhle; er thut
wohl und hält an wie Weihrauchduft, der ein Haus erfüllt.
Bei Congestionen, d.i. Blutandrang zum Kopfe, bei Eingenommenheit des
Kopfes, bei Schwindel bewährt sich Thee von Raute vortrefflich; nicht
minder bei Athmungsbeschwerden, Herzklopfen und allen
Unterleibs-Beschwerden und -Zuständen (Krämpfen u.s.w.), die in Schwäche
des Gesammtkörpers oder einzelner Organe ihren Grund haben. Ich
empfehle diesen Thee insbesondere allen jenen Personen, die zu den
genannten Schwächen, zu Krämpfen, Hysterie u.s.w. Anlage verraten.
Wer Raute in Spiritus ansetzt, kann statt des Thee's bei den
bezeichneten Uebeln täglich (höchstens) zweimal 10 bis 12 Tropfen aus
Zucker nehmen.
Rautenöl wird ebenso genommen. Die Bereitung des letzteren geschieht
folgendermaßen: Gedörrte Rautenblättchen werden zerquetscht und in
ein Glas gebracht. Daran gießt man feineres Salatöl und stellt das
Glas längere Zeit an die Wärme. Später gießt man den Inhalt ab und
nimmt ihn, wie angegeben, tropfenweise.
Rosmarin
(Rosmarinus officinalis L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Ein Sträußchen von Rosmarin darf am Hochzeitstage keinem Gaste, bei
solennen (festlichen?) Festlichkeiten, keinem rechten Theilnehmer fehlen. Eine Schande
aber wäre es nicht minder, wenn den Sammler für die Hausapotheke
dieses würzige Kraut entginge.
Rosmarin ist ein vorzügliches Magenmittel. Als Thee zubereitet und
getrunken reinigt er den Magen von Verschleimungen, bewirkt guten
Appetit und gute Verdauung. Wer gerne das Medizinglas auf seinem Tisch
oder Stuhl prangen sieht, diesen Tröster in Krankheiten, der fülle ein
solches mit Rosmarinthee und nehme Morgens und Abends je zwei bis vier Eßlöffel
voll. Der Magen wird bald Raison annehmen, d.i. nicht mehr lange in der
Verschleimung stecken bleiben.
Rosmarinwein sodann, in kleinen Portionen getrunken, hat sich als
treffliches Mittel gegen Herzgebrechen bewährt. Er wirkt beruhigend und
bei Herz Wassersucht stark aus Ausscheidung durch den Urin.
Dieselben Dienste leistet solcher Wein bei der Wassersucht überhaupt.
In beiden Leiden nehme man täglich Morgens und Abends 3 bis 4 Eßlöffel
oder ein kleines Weingläschen von dem angenehmen Tranke, an den man
sich bald gewöhnen wird.
Zur überaus einfachen Bereitung schneide man eine Handvoll Rosmarin möglichst
klein, bringe das Zerschnittene in eine Flasche und gieße diese mit
gutem, gelagertem (am besten Weiß) Weine auf. Nach einem halben Tage
schon ist der Abguß als Rosmarinwein verwendbar.
Dieselben Blättchen können zu einem neuen Ansätze nochmals verwendet
werden.
Salatöl
Heilmittel L-T Inhalt
Salatöl ist jede Sorte (Art) von Öl, die zur Bereitung der Speisen,
besonders des Salates verwenden wird. Im Handel nennt man es gewöhnlich
Tafelöl, Tischöl oder Speiseöl. Die edelste, vorzüglichste dieser
Sorten bildet das reine, feine Olivenöl.
Man lese das über das Mandelöl Gesagte nach ; wenn dieses abgeht,
kommt Salatöl in Verwendung. Bei geringem Vorrathe von Mandelöl kann
ihm Salatöl beigemischt werden.
Das hier genannte Salatöl soll reines Provenceröl oder wenigstens
reines Rapsöl sein.
Die Art der Verwendung (das Wie und Wo) ist dieselbe wie jene des Mandelöls.
Salbei, Garten-Salbei (Salvia officinalis L.)
Heilmittel L-T Inhalt
Wer ein Gärtchen beim Hause hat, wird, wenn er es neu anlegt, den
Salbeistock nicht vergessen; er ist eine hübsche Zierpflanze. Oft habe
ich's gesehen, daß Vorübergehende ein Blatt nahmen und damit die
schwarzen Zähne rieben. Dieses besagt, daß Salbei reinigende Kraft
besitzt.
Alte, eiternde Schäden (Wunden), mit Absud von Salbei ausgewaschen oder
überbunden, heilen sicher und schnell.
Verschleimungen in Gaumen, Hals und Magen entfernt Thee von Salbei.
Salbei, den man wie Thee in Wasser und Wein absiedet und trinkt, reinigt
Leber und Nieren.
Kräftiger sind die genannten Wirkungen, wenn mit Salbei Wermuth (halb
und halb) vermengt und die Mischung als Thee zubereitet wird.
Pulver dieser Heilpflanze, wie Pfeffer, Zucker oder Zimmt auf Speisen
gestreut, leistet bei den verzeichneten Leiden dieselben
Dienste wie der Thee.
Santala
Heilmittel L-T Inhalt
Santala ist ein rothes Pulver vom Santelholzbaum (Sandelholz), eigentlich zum Rothfärben
dienend; es kann in jeder Apotheke gekauft werden. Ich mische dieses
ganz harmlose Heilmittel stets mit dem Thee von Misteln, indem ich zu
einem Eßlöffel Mistelblatter zwei Messerspitzen Santala nehme und so
die Wirkung besagten Thee's verstärke; s. oben unter Mistel.
Sauerkraut
Heilmittel L-T Inhalt
Auch dieses bekannte Heilmittel möge hier seine wohlverdiente Stelle
finden.
Bei Verwundungen, Verbrennungen und anderen derartigen Zufällen, bei
großen Hitzen, zur Auflösung und Ausleitung alter Schäden u.s.w. thun
Auflagen frischen (der Krautstande soeben entnommenen) Sauerkrautes
ausgezeichnete Dienste.
Man sehe bei den betreffenden Krankheiten selbst nach.
Das Heilmittel ist für Landleute zumal um so beachtend werther, je
leichter und schneller sie dasselbe zur Hand haben.
Schafgarbe (Achillea millefolium L.) siehe unter: Johanniskraut Heilmittel L-T Inhalt
Schlüsselblume
(Primula officinalis L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Nur die dunkelgelbe Schlüsselblume hat Werth für die Hausapotheke.
Schon der Geruch verräth, daß in all' diesen Blüthenkelchen eine
besondere Heilflüssigkeit stecken müsse. Kaut man zwei bis drei dieser
gelben Trichterchen, so fühlt man recht gut, welche medizinischen
Gehalt sie bergen.
Wer Anlage hat zur Gliedersucht, zur Gliederkrankheit oder schon an
diesen Gebresten leidet, trinke längere Zeit hindurch täglich eine
Tasse Schlüsselblumenthee. Die heftigen Schmerzen werden sich lösen
und allmählig ganz verschwinden.
Spiköl
Heilmittel L-T Inhalt
Spiköl oder Lavendelöl ist in jeder Apotheke leicht zu kaufen. Es darf
unter den Hausmitteln nicht fehlen.
Täglich zu zweimalen, je zu fünf Tropfen auf Zucker eingenommen, befördert
es die Verdauung und macht guten Appetit.
Wer an Blähungen leidet, an Kopfweh in Folge von aufsteigenden Gasen,
an Uebelkeiten, nehme Spiköl, wie oben angegeben.
Bei Gemüthsleidenden habe ich dasselbe sehr oft mit bestem Erfolge
verwendet, und ich behaupte, daß die Heilung in sehr vielen Fällen mit
der Entfernung der namentlich auf das Gehirn schlimm einwirkenden Gase
zusammenhängt. Nach meinem Dafürhalten schenkt man in der Behandlung
Kranker diesen Gasen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Wer je an Blähungen
gelitten hat, weiß zu erzählen, welche fatale Rolle diese im Körper wüthenden
Winde und Stürme spielen.
Bei Appetitlosigkeit, Congestionen (Blutstauungen), Schwindel und all den mannigfaltigen
Kopfleiden mag man sich an die Anfangs gegebene Verordnung halten.
Spitzwegerich
(Plantago lanceolata L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Wenn die Landleute sich bei ihren Arbeiten verwunden, so suchen sie
rasch Blätter von Spitzwegerich und ruhen nicht mit
Drücken und Kneten, bis das etwas störrige Blatt sich einige Tropfen
auszwingen läßt. Diese bringen sie entweder direkt in die frische
Wunde, oder sie befeuchten damit ein Läppchen, das sie an den wunden
Theil bringen.
Verweigert das Blatt seinen Heilsaft, läßt es sich bloß mürbe und
etwas feucht reiben, so legen die Leute die mürben Blätter selbst auf.
Ist dabei Gefahr der Blutvergiftung? Das kennt der Spitzwegerich nicht.
Ein solcher Verband ist der erste, aber manchmal der beste Notverband;
denn die Heilung solcher Wunden geht rasch vor sich. Wie mit Goldfäden
näht der Wegerichsaft den klaffenden Riß zu, und wie an Gold sich nie
Rost ansetzt, so flieht den Spitzwegerich jede Fäulniß und faules
Fleisch. Die Wirkung dieser Pflanze nach innen ist nicht minder
vorteilhaft. Daß doch Hunderte von Menschen im Frühjahr oder Sommer
diese Heilblätter sammelten, zerquetschten, die Säfte auspreßten und
tranken! Zahllose innere Gebrechen, die aus dem unreinen Blute und den
unreinen Säften wie Giftpilze hervorschießen, würden nicht eintreten.
Das sind Wunden, die freilich nicht bluten, aber vielfach noch gefährlicher
sind.
Die gedörrten Blätter von Spitzwegerich geben gleichfalls eine prächtige
Theepflanze ab gegen innere Verschleimung. Die Zeitungen bringen oft
lange Anpreisungen der vortrefflichen Wirkungen von Spitzwegerich, noch
länger über die da oder dort bereiteten Spitzwegerichsäfte.
Mancher kauft solche Sachen um sein theures Geld. Guter Bauersmann!
Mache selbst den Sammler und den Zubereiter und den Apotheker! Du darfst
dir keine Brillen machen. Eines weißt du: du hast echte Waare.
Mit gedörrten Spitzwegerichblattern kann zu Thee sehr gut das
Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) verbunden werden (halb und halb).
Tausendguldenkraut.
(Erythraea centaurium L.) Heilmittel L-T
Inhalt
Welche merkwürdige Namen unsere Voreltern manchen Kräutchen beilegten!
Sie kannten eben noch deren Werth. Unser Kraut muß bei denselben in
hoher Geltung und Schätzung gestanden sein. Seine Verwendung kündigt
schon der sehr bittere Geschmack an, der es begleitet.
Thee von Tausendguldenkraut leitet die Magenwinde aus, verdrängt
unbrauchbare und ungesunde Säuren, unterstützt und verbessert die
Magensäfte, wirkt vorteilhaft auf Nieren und Leber. Er ist das beste
Mittel gegen Sodbrennen oder, wie die Landleute sagen, gegen den
Magensod.
Wer an Störungen im Blut, besonders an Blutmangel, Blutwallungen u.s.w.
leidet, suche Rath, und Hilfe beim Tausendguldenkraut.
Der Name lautet aus eine hohe Summe; die Hilfe spendet das Kräutchen
einem Jeden umsonst.
Heilmittel V bis Z Apotheke Inhalt
Veilchen
Wacholderbeere
Waldmeister
Wegtritt
Wegwart
Wermuth
Wollkraut
Wühlhuber I
Wühlhuber II
Zinnkraut
Veilchen (Violas odorata L.)
Heilmittel
V-Z Inhalt
Dieses liebliche, wohlduftende Frühlingsblümchen soll mit seinem
Heildufte auch unsere Hausapotheke erfüllen.
Wenn zur beginnenden Frühlingszeit in Folge des oftmaligen
Witterungswechsels die Kinder starken Husten oder Keuchhusten bekommen,
koche die besorgte Mutter eine Handvoll grüner oder gedörrter
Veilchenblätter (auch die Wurzeln des Blümchens können benützt, müssen
aber vor dem Absieden zerquetscht werden) in einem Viertelliter
siedenden Wassers ab und gebe dem Kinde nach je zwei bis drei Stunden
jedes mal zwei bis drei Löffel solchen Thee's. Erwachsene heilen den
alten Keuchhusten, wenn sie den Thee dreimal im Tage (je eine Tasse)
nehmen.
Schwindsüchtigen lindert er ebenfalls den Husten und unterstützt die
Schleimauslösung. Er dient wie eine Medizin, soll auch so genommen
werden, d.i. alle zwei bis drei Stunden drei bis fünf Eßlöffel.
Der Thee dient ferner bei Kopfweh und großer Hitze im Kopf. Man
befeuchte zugleich einen Lappen mit Veilchenblätterthee und binde
denselben an die Stirne, oder noch besser, man wasche den Kopf,
besonders den Hinterkopf, mit solchem Absud. Ich kenne Fälle, in denen
bald Ruhe und Schlaf eintraten.
Bei geschwollenem Halse ist dieser Thee ein probates Gurgelwasser; man
tauche zugleich den anzuwendenden Halswickel statt in gewöhnliches
Wasser in den Absud.
Wer an Athemnoth leidet, die indessen mehr eine Folge ist von in Magen
und Gedärmen angesammelten Gasen und ungesunden Stoffen, mache eine
kleine Veilchentheekur, d.i. er trinke während einiger Zeit täglich
zwei größere oder drei kleinere Tassen unseres Thee's.
Veilchenblätter, zerquetscht und überbunden, kühlen und vertheilen
erhitzte Geschwülste; in Essig abgekocht dient solcher Absud, wenn man
ihn zu Auflagen benützt, zur Heilung von Podagra (Gicht in
der Großen Zehe, Lahmheit).
Erfreue dich an dem Wohldufte und dem herrlichen Blau manches schönen
Veilchensträußchens. Verwahre aber auch einen kleinen Vorrath des
Heilkräutchens in deiner Hausapotheke, daß es dem Kranken dufte noch
zu einer Zeit, in der das Frühlingsblümchen längst verblüht hat!
Wacholderbeere
(Juniperus communis L.) Heilmittel
V-Z Inhalt
Neben den Beeren benütze man die jungen Sprossen des
Wachholderstrauches zu Thee bei Anfängen der Wassersucht, deßgleichen
zur Reinigung des Blutes.
Die Tinktur kann man sich selbst ansetzen in Wein, Branntwein oder
Spiritus.
Den Hausvater und die Hausmutter würde ich nicht loben, welche zwar ihr
Fleisch ihr Sauerkraut sorgfältig und fleißig mit Salz und Beeren vom
Wachholderstrauche einmachen, welche pünktlich und ängstlich ihr Haus,
ihre Wohnungen damit räuchern, die Hütte ihrer Seele aber, den Körper,
vielfach im Staube und Moraste liegen lassen. Auch für diese viel
wichtigere Hütte sollen sie des Jahres ein paar mal so ein Räucherfeuer,
das reinigt und das Athmen erleichtert, anzünden.
Die Wachholderbeere, wer kennt sie nicht? Als Räucherwerk verbreitet
sie in Zimmern und Gängen angenehmen Geruch und verbessert die Luft.
Ich bin kein Freund des sogenannten "Ausräucherns" mit
Zucker, Essig u.s.w., da ich nicht begreife, wie man da von frischer
Luft reden kann. Wenn es aber gilt, einen Raum, worin ansteckende
Kranke, Todte u.s.w. lagen, zu desinfiziren d.i. ansteckungsunfähig zu
machen oder zur Zeit ansteckender Krankheiten durch große Räucherfeuer
die Luft zu reinigen, dann lobe ich mir stets solchen Wachholderdampf.
Der räumt mit allen Pilzen, und wie die fliegenden Anstecker und
Krankheitserzeuger heißen, gründlich auf.
Aehnliche Wirkung übt der Wachholder im Innern des menschlichen
Organismus aus. Die Beere räuchert gleichsam den Mund und den Magen und
seit gegen Ansteckung. Wer im Dienste Schwerkranker (Scharlach,
Blattern, Typhus, Cholera u.s.w.) durch Heben, Tragen, Bedienen, Anhören
derselben der Ansteckungsgefahr bei Tag und bei Nacht preisgegeben ist,
kaue stets einige Wacholderbeeren (6 bis 10 im Tage). Sie bereiten guten
Geschmack im Munde und thun gute Dienste bei der Verdauung. Sie
verbrennen gleichsam die schädlichen Miasmen, Ausdünstungen u.s.w.,
wenn diese durch Mund oder Nase eindringen wollen.
Solche, die an schwachem Magen leiden, mögen das folgende Verfahren
einhalten, gleichsam eine kleine erprobte Kur mit Wachholderbeeren
machen:
Den ersten Tag sollen sie mit 4 Beeren beginnen, den zweiten Tag mit 5
Beeren fortfahren, den dritten Tag sollen sie 6, den vierten 7 Beeren
kauen und so mit Tagen und Beeren bis auf 12 (Tage) und 15 (Beeren) aus-
und dann wieder auf 5 Beeren heruntersteigen, beim Absteigen jeden Tag
eine Beere auslassend. Viele kenne ich, deren gasgefüllter und in Folge
dessen geschwächter Magen durch diese einfache Beerenkur gelüftet und
gestärkt wurde.
Bei Stein und Gries, bei Nieren- und Leberleiden haben die
Wachholderbeeren seit alten Zeiten guten Ruf; ebenso in all jenen Fällen, wo es gilt, faule Gase, faule, wässerige und schleimige Stoffe
aus dem Körper zu entfernen.
Das Oel kauft man am besten in der Apotheke.
Waldmeister (Asperula odorata L.) siehe: Erdbeere Heilmittel V-Z Inhalt
Wegtritt,
Vogel-Knöterich (Polygonum aviculare L.)
Heilmittel
V-Z Inhalt
Es wächst ein Kräutlein ganz unbeachtet, gewöhnlich um die Häuser
herum, besonders in den Bauerngehöften, auch am Rande der Gassen, das
den Namen ,,Wegtritt" führt. Auch Knöterich wird dasselbe
genannt, weil an jedem Glied ein kleiner Knoten ist. Man heißt dieses
Krautlein Wegetritt, weil man gewöhnlich auf demselben geht. Dieses Kräutlein, das von einem Stock viele Ausläufer hat, selbst einen halben
Meter lang oder noch länger, hat große Wirkung bei Steinleiden, wenn täglich
eine oder zwei kleine Tassen getrunken werden. So hatte ein Herr Jahre
hindurch viele Schmerzen in den Nieren, und es ging von Zeit zu Zeit
Sand und Gries ab. Er trank diesen Thee durch mehrere Tage und erzählte,
daß viele Hunderte größerer und kleinerer Steinchen abgegangen seien
und dadurch auch der Schmerz vergangen sei. Wie dieses Kraut: Nieren-
und Blasensteine austreibt, so wirkt es auch reinigend nach innen, wie
aus Nieren, so auf Leber, Magen und Brust. Es kann dies Kräutlein nicht
genug empfohlen werden.
Wegwart
(Cichorum intybus L.) Heilmittel
V-Z Inhalt
Der Wegwart wartet auf den, der ihn in seine HausApotheke einheimsen
will, auf jedem Wege. Er heißt auch Sonnenwirbel, da seine Blätter
sich stets der Sonne zukehren. Wenn man ihn ansieht, den guten Wegwart,
mit seinem verkümmerten Stengel und den zerzausten Blättchen, so kommt
er einem vor wie ein Struwelpeter unter den Pflanzen. Nur die blaue Blüthe,
etwas heller als die Kornblume, bringt ihn wieder etwas in Kredit und
Achtung.
Das Aussehen täuscht gar oft; auch beim Wegwart ist es so; denn sein
Inneres ist golden.
Thee von Wegwartkraut hebt Verschleimungen im Magen, nimmt die überflüssige
Galle, reinigt Leber, Milz und Nieren und führt die kranken Stoffe
durch den Urin aus. Man nehme zu diesem Zwecke (es kann auch geschehen,
um den durch irgendwelche Nahrung u.s.w. verdorbenen Magen wieder in
Stand zu setzen, um die Verdauung zu befördern) während drei bis vier
Tagen täglich zwei Tassen, die eine vor dem Frühstück, die andere
Abends.
Bei Magendrücken, auch bei schmerzlichen Entzündungen am Körper, lege
man an den Magen und auf die wehtuenden Stellen mit heißem Wasser
abgebrühte und in ein Tuch gehüllte Wegwart-Kräuter und -Blüthen und
erneuere diese Auflagen täglich zwei bis dreimal.
Die Kräuter werden sehr oft in Spiritus angesetzt. Dieser Wegwartsprit
hebt das Schwinden (Knochenschwinden = Osteoporose?), wenn man die schwindenden Glieder täglich ungefähr
zweimal gut mit demselben einreibt.
Wie das Kraut und die Blüthen, so sind auch die Wurzeln zu den
genannten Heilzwecken dienlich. Man sticht dieselben am leichtesten aus
bei Regenwetter.
Wermuth
(Artemisia absinthium L.) Heilmittel
V-Z Inhalt
Wermuth zählt mit zu den bekanntesten Magenmitteln. Er leitet die
Magenwinde aus, verbessert und unterstützt die Magensäfte und hilft so
guten Appetit und gute Verdauung bereiten, mag er als Thee oder als
Pulver genommen werden.
Für üblen Geruch aus dem Munde, wenn derselbe vom Magen ausgeht, wirkt
Wermuth vortrefflich.
Wer an der Leber leidet (Melancholie), der greife statt nach der Prise
Tabak einmal oder zweimal im Tage nach dem Döschen mit Wermuthpulver
und streue den Inhalt der beiden Finger aus den ersten Löffel Suppe
oder wie Pfeffer an eine Speise. Die abnehmende Gelbsucht wird bald die
Verbesserung der Galle anzeigen, und der Kranke, dem die verfangene
faule Luft und die oft noch fauleren Säfte - wahre Düngerstätten des
Magens - gleichsam den Athem zuschnüren, wird wieder freier
ausschnaufen.
Wermuth kann auch zu einer Tinktur verwendet werden, die sehr lange hält,
ohne zu verderben. Wie ein einziges Körnchen Weihrauch, das auf der
Kohle glimmt, ein ganzes Zimmer mit Wohlgeruch erfüllt, so vermag ein
Blättchen Wermuth den Inhalt einer ganzen Spiritusflasche mit bitterem
Geschmacke anzuhauchen - ein Zeichen, wie stark die Tinktur ist und
wirkt.
Reisende, die viel von Magenbeschwerden und Uebelkeiten geplagt werden,
sollen ihr Fläschchen mit Wermuthtinktur als treuen Begleiter nie
vergessen.
Wermuth-Thee hat manchem Augenleidenden auch schon als Augenwasser gute,
ja die besten Dienste geleistet.
Wollkraut,
Wetterkerze (Verbascum Schraderi Meyer) Heilmittel
V-Z Inhalt
Die Blüthen des Wollkrautes oder der Wollblume werden von den
Landleuten fleißig gesammelt. Sie wissen, daß dieselben zur
Winterszeit wirksames Gurgelwasser und noch wirksameren Thee abgeben bei
Halsgebrechen, Katarrhen, Verschleimungen der Brust, Athemnoth.
Von Neuem sei solcher Thee recht warm empfohlen. Ich mische unter die Blüthen
des Wollkrautes in der Regel noch die der schwarzen Malve (halb und
halb); solcher Thee wirkt auf die Schleimlösung noch nachhaltiger und
kräftiger.
Wühlhuber
I Heilmittel
V-Z Inhalt
Vor 40, 50 Jahren noch war es Mode, zu einer genau bestimmten Zeit Ader
zu lassen. zu einem anderen, im Kalender gewissenhaft notirten Termine
(ein gewisses Mondviertel) die jährlichen oder halbjährlichen Laxiere
(ergiebigen Stuhlgang) einzunehmen. Wie doch die Zeiten und die Ansichten und die Menschen,
welche die letzteren bilden, wechseln!
Noch heutzutage lassen sich viele Leute den Glauben nicht nehmen, daß
von Zeit zu Zeit der Magen einer gründlichen Musterung und Ausräumung
bedürfe.
Man möchte lächeln, wenn es nicht manchmal allen Ernstes zum Weinen wäre.
Fürwahr, wenn man normalen, einsacken, gesunden Sinnes ist und zuweilen
an die Lebensweise gewisser Menschen, fast fühle ich mich versucht zu
sagen, ganzer Gesellschaftsklassen denkt, und an die Speisen und Getränke,
welche sie genießen, dann in der That ist obiger Glaube nicht unbegründet.
Könnte der entsetzlich geplagte und sündhaft überangestrengte (weil
überfüllte) Magen einen Laut von sich geben, er würde ausschreien und
um Hilfe rufen gegen derlei unvernünftige und frevle Uebelthäter. So
aber muß er Alles selbst "verschlucken" und dabei freilich
nicht verdorben, sondern elendiglich zu Grunde gerichtet werden. Für's
Erste also bin ich für eine vernünftige Lebensweise, für menschenwürdige
Behandlung des Arbeiters, der für alle weitere Arbeit die
unentbehrlichen Fundamente legt. So allein wird und kann dieser treue
und fleißige Arbeiter selbst, der Magen, gesund bleiben.
Sollte unversehens - das kann ja passiren - auch ihm ein Unfall
geschehen, so bin ich durchaus gegen alles drastische (zu starke)
Lavieren und verwerfe alle heftig wirkenden Laxiermittel, sie mögen heißen,
wie Sie wollen.
Unter Laxvieren versteht man doch wohl nichts Anderes, als unbeschadet
der Gesundheit und Körperkraft reichlicheren, ergiebigeren Stuhlgang
hervorzubringen suchen. Dieses aber kann in ganz anderer, in so
einfacher und unschädlicher Weise geschehen, daß die verwendeten
unschuldigen Pflanzenmittel den Magen nicht gleichsam als Feind
angreifen, sondern als treue Freunde mit dem Freund Arm in Arm gehen,
ihn heben und Stützen, zur selbsteigenen Thätigkeit, zur eigenen
Kraft, zu den eigenen Mitteln (Magensäften) ihm lediglich ihre Hilfe
und Hilfsmittel anbieten und leihen. Recht lange Zeit habe ich unter den
verschiedensten Pflanzen diejenigen herausgesucht, die bei der
trefflichsten Sonder- oder Einzelwirkung doch nur viribus unitis, mit
vereinten Kräften, dem Magen wirksam helfen, d.h. die zur selben Zeit,
zu welcher sie ihn durch gründliche Auflösung und Ausleitung alles
verdorbenen Inhaltes schwächen müssen, ihn zugleich so stärken, daß
er nicht nur keine Stunde die Arbeit einstellt, sondern nicht einmal mit
Brummen und Murren arbeitet.
Die Mittelchen und deren Mischung denke ich gefunden zu haben. Die
beiden Thee-Arten sollen kein Geheimniß sein. Ich wünsche, daß im
Gegentheile recht Viele zu ihrem Nutzen sie gebrauchen und zur Linderung
der Leiden Anderer sie bereiten.
Das Kindlein wurde wiederum von fremder Seite, nicht von mir getauft.
Ein Herr, dem dieser Thee die Magenuhr wieder auszog und regulierte,
benannte ihn "Wühlhuber". Ich hatte an diesem Namen nichts
auszusetzen und zu ändern. Seitdem hat er vielen Hunderten wacker
beigestanden, und er könnte
Manches erzählen; denn in großen Quantitäten ist er zu wiederholten
malen gewandert bis in die Schweiz, bis nach Ungarn.
Die zwei Rezepte für den Wühlhuber sind folgende:
Man nehme zwei Eßlöffel gemahlenen Fenchel, zwei Eßlöffel
zerquetschte Wachholderbeeren, einen Eßlöffel Foenum graecum
(Bockskornklee), einen Eßlöffel
Aloepulver. Das Ganze werde gut gemischt und in einer Schachtel an
trockenem Orte ausbewahrt. Das Mittel wirkt erst nach 12 bis 30 Stunden.
Man nimmt den Thee, d.i. eine kleine Tasse desselben, gewöhnlich Abends
vor dem Schlafengehen. Zur Tasse genügt ein Kaffeelöffel der Mischung,
welche während einer Viertelstunde gesoten, dann abgegossen und kalt
oder warm, mit oder ohne Zucker getrunken wird.
Kräftige Naturen können zwei Tage nacheinander eine Tasse Wühlhuber
trinken.
Schwächere Patienten thun besser, die eine Tasse auf zwei bis drei Tage
zu verteilen, so daß sie jeden Abend vier bis sechs Eßlöffel voll wie
Medizin einnehmen. Ohne Beschwerden zu verspüren, werden sie den
Suchenden im Inneren forschen, untersuchen, zusammentreiben, "wühlen"
hören.
Bei Manchen, die den Thee gebrauchen, wird derselbe absolut keine
Resultate zu Tage fördern, obwohl sie im Innern seine emsige Arbeit spüren.
Die Polizei sucht, findet aber manchmal keine Diebe. Der Wühlhuber
sucht; wo aber nichts zu finden und zu entfernen ist, da läßt er alles
Andere in Ruhe und erzeugt so nicht jene großen und beklagenswerten
Schwächen, die dem Abführen sonst stets auf dem Fuße folgen.
Wie auf den Stuhlgang, so wirkt dieser Thee auf den Urin. Selbst große
Verschleimungen auf der Brust leitet er aus.
Mir kamen Fälle vor, in denen der Wühlhuber nach langwierigen, schwer
zu stillenden Diarrhöen (Durchfall) den letzten Rest der Unreinigkeiten entfernte,
und auf die innere Revolution sofort der tiefste und dauerndste Frieden
folgte. Eine kleine Tasse, wahrend des Tages in drei Portionen
getrunken, reicht vollkommen aus.
Wühlhuber
II Heilmittel
V-Z Inhalt
Das zweite Rezept dieses Thee's ist das nachfolgende: zwei Eßlöffel
gemahlenen Fenchel, drei Eßlöffel zerquetschte Wachholderbeeren, drei
Eßlöffel Pulver von Attichwurzeln, ein Eßlöffel Foenum graecum
(Bockskornklee), ein
Eßlössel Aloepulver.
Dieser Thee schließt die Wirkung auf den Stuhlgang nicht aus ; doch
sein Revier sind (statt des Magens und des Darmkanals) mehr die Nieren
und die Blase; die kranken Stoffe treibt er aus durch Harnausscheidung.
Wer Unbehaglichkeit im Unterleibe (in der Blasengegend) fühlt oder
Beschwerden im Uriniren, Brennen in der Blase und den Nieren, die Anfänge
der Wassersucht hat, wende ruhig diesen zweiten Wühlhuber an.
In der Gebrauchsanweisung gelten dieselben Regeln wie beim Wühlhuber I.
Zinnkraut oder
Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense L.)
Heilmittel
V-Z Inhalt
Die vielseitige und vorzügliche Wirkung dieses Heilkrautes kann nicht
genug hervorgehoben werden. Es reinigt nicht bloß die Geschirre, weßhalb
es bei allen Hausfrauen als treffliches Putzmittel gilt, es reinigt und
heilt auch innere und äußere Gebrechen des menschlichen Körpers.
Bei alten Schäden, faulenden Wunden, bei allen, selbst krebsartigen
Geschwüren, sogar bei Beinfraß dient Zinnkraut in außerordentlicher
Weise. Es wäscht aus, löst auf, brennt gleichsam das Schadhafte weg.
Das Kraut kommt entweder als Absud bei Waschungen, Wickeln, Auflagen,
oder indem es selbst in nasse Tücher eingehüllt und auf die leidenden
Stellen gelegt wird, dann besonders bei gewissen Dämpfen zur
Verwendung.
Näheres enthält die Beschreibung der einzelnen Krankheiten.
Mannigfaltiger noch sind die Dienstleistungen des Zinnkrautes nach
innen.
Sein Thee, der nie schaden kann, reinigt den Magen. Man nehme von Zeit
zu Zeit (nicht täglich) eine Tasse. Er lindert die Schmerzen bei Gries-
und Steinleiden (Hunderte von kleinsten Steinen bilden
den so genannten "Gries") und bringt vor Allem den Leidende Hilfe, die Beschwerden
haben im Wassermachen (Uriniren). Da ist er einzig, unersetzbar und
unschätzbar. Die Zinnkrautdämpfe, speziell für diese Uebel, sollen
nur angedeutet werden. Gerade solche Leiden sind entsetzlich schmerzhaft
- und so häufig! Man beobachte wohl das einfache und ohne jede Mühe zu
bekommende Schmerzstillkraut! Täglich sollen solche Kranke neben der
eventuellen äußeren Anwendung eine Tasse Zinnkrautthee trinken.
Bei Blutungen, Blutbrechen zählt er mit zu den ersten und besten Theen.
Wer Blut bricht, nehme ihn schleunigst.
Ich kenne Fälle, in denen nach vier Minuten schon völliger Stillstand
eintrat.
Bei starkem Nasenbluten ziehe man durch die Nase wiederholt solchen Thee
auf. Er wirkt zusammenziehend und hilft schnell.
Solchen, die von Blutflüssen heimgesucht werden, empfehle ich, täglich
ein bis zwei Tassen dieses Thees zu trinken.
In jeder Hausapotheke sei Zinnkraut in genügender Menge vorhanden, daß
man es im Falle der Noth, die oft plötzlich hereinbricht, sofort zur
Hand habe.
Inhalt einer kleinen Hausapotheke
Hausapotheke Inhalt
Tinkturen
Thee
Pulver
Oele
Weitere
I. Tinkturen Hausapotheke
Inhalt
Arnika
Enzian
Heidelbeere
Rosmarin
Wacholderbeere
Wegwart
Wermuth
II. Thee Hausapotheke
Inhalt
Angelika
Anserine
Attich
Augentrost
Baldrian
Bitterklee
Brennessel
Dornschlehblüte
Eibisch
Eichenrinde
Erdbeere
Hagebutten
Huflattich
Johanniskraut
Kamille
Lungenkraut
Malve
Minze
Mistel
Raute
Rosmarin
Salbei
Schafgarbe
Schlüsselblume
Spitzwegerich
Tausendguldenkraut
Veilchen
Wacholderbeere
Waldmeister
Wegwart
Wermuth
Wollkraut
Wühlhuber I
Wühlhuber II
Zinnkraut
III. Pulver Hausapotheke
Inhalt
Alaun
Aloe
Angelika
Attich
Augentrost
Baldrian
Fenchel
Huflattich
Leinsamen
Minze
Salbei
Santala
Wermuth
ferner
Knochenmehl
Kohlenstaub
Kreidemehl
IV. Oele Hausapotheke
Inhalt
Anis
Fenchel
Kampher
Raute
Wacholderbeere
Weitere Hausapotheke
Inhalt
Mandelöl
Nelkenöl
Salatöl
Spiköl
Kraftnährmittel Apotheke Inhalt
Kleiebrot
Kraftsuppe
Honigwein
Rezept zur Bereitung des
Kleienbrodes Kraftnährmittel
Inhalt
Man läßt in der Mühle den Weizen mahlen mitsammt der Kleie. Die Müller
thun Dieses nicht gerne aus naheliegenden Gründen; man soll deßhalb
die erhaltene Waare stets gut mustern.
Von dem Kleienmehle nimmt man 1, 2, 3 bis 4 Kilo (je nachdem man für
wenige oder mehrere Personen zu backen hat) in eine Schüssel und macht
mit heißem Wasser einen Teig an, der über die Nacht an einem mäßig
warmen Orte stehen bleibt. Weder Sauerteig, noch Salz noch anderes Gewürz
darf an den Teig kommen.
Am andern Tage formt man aus dem Teige kleinere, länglich runde
Laibchen oder Wecken, bringt sie in den wie zum Backen gewöhnlichen
Brodes geheizten Backofen und läßt sie 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden in der
Hitze.
Sogleich beim Herausnehmen stößt man das gebackene Brod auf 3 bis 4 Stunden
in siedend heißes Wasser dann kommt es gleich wieder zur Trocknung
kurze Zeit in den Ofen.
Diese letztere Manipulation habe ich von einem Prior (Vorsteher eines
Klosters) der Trappisten (römisch-katholischer Mönchsorden) erfahren, der sagte, er habe das Backen solchen Brodes lange und auf
verschiedene Weise probirt und gefunden, daß diese Art des Backens die
beste sei, indem so aus der Kleie aller Nähr-, insbesondere Zuckerstoffe
ausgezogen werde.
Ich kenne viele Männer, die mit Vorliebe solches Brod gegessen haben,
jetzt noch essen und sagen, daß es bei Magen-, bei Verdauungs- ,
insbesondere bei Hämorrhoidal-Beschwerden vorzügliche, einzige Dienste
leiste.
Andere habe ich gekannt, die das geschmack- und gewürzte Brod beim
ersten Verkosten sonderbar fad fanden, die aber später, ich kann sagen,
mit fast leidenschaftlicher Vorliebe darnach gegriffen haben.
Das gebackene Brod werde an einem kühlen Orte aufbewahrt und, sollte
die Kruste zu hart sein, mit einem feuchten Tuche umwunden.
Etwas über die "Kraftsuppe"
Kraftnährmittel Inhalt
Ich bin der Ueberzeugung: wenn die Kraftsuppe erkannt und benützt
wird, kann man eine große Anzahl unglücklicher Menschen beglücken.
Gerade die Kraftsuppe ist nicht bloß wegen ihrer außerordentlich guten
Nährstoffe zu empfehlen, sondern auch weil sie sehr wohlfeil und leicht
zu bereiten ist.
Ein Herr von Stand, der diese Kraftsuppe kennen gelernt hatte, kaufte
bei einem Bauern zwei große schwarze Laibe Brod. (Das schwarze Brod ist
bekanntlich nur von Roggenmehl bereitet und wird für die Landleute
genau eingemahlen, so daß nur wenig Kleie zurückbleibt und mithin
aller Nährstoff des Roggens ausgenutzt wird.) Diese zwei Laibe Brod ließ
der Herr in kleine Schnittchen schneiden und auf eine blecherne Platte
bringen, welche auf den heißen Herd gestellt wurde, um das Brod soviel
als möglich auszutrocknen. So recht hart getrocknet wurde es in einem Mörser
zu einem groben Pulver gestoßen. Wollte er eine Kraftsuppe, so rührte
er zwei bis drei Löffel voll von diesem Brodpuver in siedende Fleischbrühe,
that ganz wenig oder gar kein Gewürz, ebenso nur wenig Fleischbrühe
daran. In zwei Minuten war die Suppe fertig. Sie schmeckt vorzüglich,
gibt sehr gute Nahrung und bewirkt keine oder doch nicht viel Gase. -
Statt Fleischbrühe hat der Herr öfters Milch genommen und, wenn diese
im Sieden war, das Brodmehl eingerührt. Nach zwei Minuten war auch
diese Suppe fertig. Dieselbe hat noch einen großen Vorzug vor der mit
Fleischbrühe bereiteten, weil ja die Milch die meisten Nährstoffe hat.
Bereitung des Honigweins Kraftnährmittel Inhalt
Sehr empfehlenswert für Gesunde und
Kranke.
Die alten Deutschen hatten wenig oder auch keinen Wein. Das braune Bier
kannten sie nicht, weil es noch keines gab. Ihre Speise war sehr
einfach, und dennoch waren sie ein mächtiger Volksstamm; sie erreichten
ein hohes Alter und erfreuten sich einer außerordentlichen Gesundheit.
Dieses hohe Alter und diese außerordentliche Gesundheit schrieben sie
dem Meth (Honigweine) zu. Es ist nur Schade, daß dieses edle Getränk so
wenig bekannt und an dessen Stelle das allgemein verbreitete Braunbier
als Getränk gekommen ist, das durch die vielen Verkünstelungen oft
nicht mehr als gesundes Getränk betrachtet werden kann. Es sind in den
größeren Werken über Bienenzucht gewöhnlich auch Rezepte, wie der
Honigwein bereitet werden könne. Man hört aber auch oft die Klage, daß
man Versuche gemacht habe, diese Rezepte nachzumachen, aber nie zu einem
glücklichen Resultate gekommen sei.
Ich lasse ihn gewöhnlich bereiten, wie folgt: Ich lasse zu einen recht
reinlichen kupfernen Kessel 60 bis 65 Liter weiches Wasser bringen. Ist
dasselbe ziemlich warm geworden, so werden circa 6 Liter Honig daran gerührt.
Nun läßt man Wasser und Honig recht gelinde 1 1/2 Stunden sieden.
Zeitweilig wird der schmutzige Schleim, der sich oben ansetzt, weggeschöpft.
Ist die Zeit des Siedens vorbei, dann wird dieses Honigwasser ausgeschöpft
in blecherne oder irdene Geschirre. Ist dann selbes so abgekühlt, daß
es noch mehr Wärme hat als das Wasser, das an der starken Sonnenhitze
erwärmt wurde, dann wird es in ein sorgfältig gereinigtes Faß
gebracht. Der Spund (Verschlussteil) wird darauf gelegt, aber nicht befestiget. Ist der
Keller ziemlich warm, dann beginnt nach 5 bis 10 Tagen die Gährung. Nach
ungefähr 14 Tagen Gährungszeit wird dieser junge, gegohrene Honigwein
in ein anderes Faß abgezogen. Die Hefe bleibt natürlich weg. Im
zweiten Faß dauert die Gährung ungefähr 10 bis 14 Tage, und wenn der
Honigwein ganz ruhig wird, daß man im Fasse nichts mehr hört, dann
wird das Spundloch geschlossen. Nach 3 bis 4 Wochen wird er hell und ist
trinkbar. Wird er dann in Flaschen abgezogen, gut verstöpselt und in
kalten Sand gebracht, so moussiert (das Prickeln des Weines unter Einfluß
von Kohlensäure) er in einigen Tagen ziemlich stark.
Dieses Getränk ist sehr kühlend; deßhalb trinken es die Fieberkranken
recht gerne. Wenn Kranke weder Wein noch Bier trinken können, so ist
ihnen ein solcher Honigwein ein Labsal. Er ist aber auch den Gesunden
ein gutes Getränk; er soll jedoch nur in kleinen Portionen getrunken
werden, sonst widersteht er.
Kraftnährmittel Inhalt Internetseite: http://www.kneipp.0nyx.com/