Meine Wasserkur - Krankheiten

Sebastian Kneipp, 49. Auflage 1894

Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.

III. Krankheiten

Inhaltsverzeichnis

Einleitung     Inhaltsverzeichnis

Die folgenden Krankheitsfälle beruhen nicht auf Einbildung und Erdichtung. Es sind lauter aus dem Leben gerissene Thatsachen, und für jede in denselben genannte oder angedeutete Persönlichkeit stehe ich jederzeit ein. Sie wollen nicht Lärm schieben oder großthun, sondern unterrichten und im Leben dienen. Nur zu gut weiß ich selbst, welch' Mangel und lückenhaftes Stückwerk dieser dritte Theil bildet, wie wenig er die Krankheiten erschöpft, d. i. vollständig aufzählt. Zum Theil hat die Zeit solches nicht erlaubt; in der Hauptsache aber wollte ich es gar nicht anders haben. Ich wollte nämlich nicht trocken die einzelnen Hebel und deren Heilmittel herbuchstabieren; ich wollte mit Absicht und mit Rücksicht auf den mir zunächst vor Augen schwebenden Leserkreis die gewählten Fälle mehr in Unterhaltungsform beschreiben, doch so, dass jeder Einzelfall zugleich Winke und Lehren gibt über die Zeichen (Symptome) der betreffenden Krankheit, über die gute Auswahl der Anwendungen u.s.w. wie der im Garten einen Strauß windende Gärtner nicht von allen Blumen pflückt und nicht von jeder Sorte die gleiche Anzahl, so suchte ich auch aus dem Krankheitsfelde die am häufigsten unter uns vorkommenden Krankheiten und unter diesen diejenigen Fälle aus, welche mir besonders lehrreich zu sein schienen. Ob und in wie weit ich's getroffen - der Wille war gut! Und ich denke, wer mit gutem Tillen ohne Voreingenommenheit liest, kann auch im Sande manches Goldkörnchen finden. Ueber die Schreibform im Allgemeinen habe ich in der Vorrede gesprochen; ich bemerke hier nur, daß kleine Wiederholungen, vorzüglich in der Art der Anwendungen, der Klarheit wegen geschahen. Bezüglich der letzteren wolle man stets den ersten Theil zu Rathe ziehen. Krankheiten sind Kreuze, lieber Leser! Jeder von uns wird früher oder später zum mindesten ein solches Kreuz zu tragen bekommen, vielleicht bis zum Absterben. Wir dürfen uns diese Kreuze zu erleichtern suchen. Schon zu Naaman, dem Aussätzigen Syrerfürsten, sprach der Prophet Elisäus: "Geh' hin und wasche dich siebenmal im Jordan, und dein Fleisch wird wieder gesund und du rein werden!"

Möge der Herr die gute Absicht, manchem recht schwer schleppenden Kreuzträger unter die Arme zu greifen, segnen!

Krankheiten Übersicht     Inhaltsverzeichnis

Abweichen (Durchfall)
Asthma
Athmungsbeschwerden
Augen-Katarrh (Entzündung)
Augenleiden
Augen-Staar
Ausschläge
Auszehrung

Beinfraß
Bettnässen
Blasenkatarrh
Blasenleiden, nervöses
Blasenstein
Blattern
Blut-Armuth (Bleichsucht)
Blutbrechen und Blutsturz
Blutfluß
Blutvergiftung
Blutzersetzung
Bruchleiden (Knochenbrüche)
Brustfell-Entzündung

Cholera
Cholerine
Congestionen (Blutandrang)
Darm-Entzündung
Darmkatarrh (Abweichen = Durchfall)
Darmleiden
Diphtheritis (Hals- Kehlkopferkrankung)
Emphysem (Luftansammlung) der Lungen
Entkräftung
Entzündungen (Hals, Lunge, Unterleib, u.a.)
Epilepsie

Fieber
Flechten
Fuß-Geschwüre
Fuß-Leiden
Fußleiden, anderes
Geburten
Gehirnentzündung
Gehirnleiden, schweres
Geisteskrankheit
Gelbsucht
Gelenkrheumatismus, chronischer
Gemüthsleiden
Geschwüre
Gesichtsrose
Gicht
Gries- und Steinleiden

Hämorrhoiden
Halsbräune
Halsleiden
Harnbeschwerden
Heiserkeit
Herzleiden
Hexenschuß
Hüftnerven-Entzündung (Ischias)

Hypochondrie
Impfen
Katarrh (Schleimhautentzündung)
Kniegeschwulst
Knochengeschwüre
Kolik
Kopfflechten
Kopfleiden (eigener Art)
Kopfleiden
Kopfleiden, nervöses
Krämpfe
Krätze
Krebs

Leibschaden
Lungen-Entzündung
Lungenleiden
Magengeschwüre
Magen- und Darmkatarrh
Magenkrampf
Magenleiden
Magen-Säure
Migraine
Nasenbluten
Nervenerschöpfung
Nervenleiden
Nervenüberreizung
Nervenzerrüttung
Nervöses Leiden
Nierenleiden  

Ohrenkrankheit
Ohrensausen
Rheumatische Zustände
Rothlauf Gesichtsrose
Rückgrat
Ruhr
Säuferwahnsinn
Scharlachfieber
Schlaflosigkeit
Schlaganfälle
Schleimfieber
Schweiß
Schwermuth
Schwindel
Schwindsucht (Tuberkulose)
Staar
Steinleiden
Stimme, Verlust derselben

Tuberkulose
Typhus und seine Folgen
Unterleibsentzündung
Unterleibsverschleimung
Veitstanz (Chorea Huntington = Epilepsie)
Verbrennungen
Vergiftung des Blutes
Verstopfung
Wassersucht
Wirbelleiden
Würmer  


Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Abweichen (Durchfall)
Asthma
Athmungsbeschwerden
Augen (-Katarrh)
Augenleiden
Augen-Staar
Ausschläge
Auszehrung

Abweichen (Durchfall)     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: "Ich habe beständig Abweichen (Durchfall), heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause täglich ein- bis sechsmal. An diesem Uebel leide ich bereits seit 3/4 Jahren." Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch zu stark, die Farbe frisch. - Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und jeden Nachmittag einen Knieguß.

Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich sechs bis acht Wacholderbeeren.

Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig ausah, auch das Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort seine Anwendung: Ein guter Wirth wirft seine Lumpen selbst hinaus.

Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder 2 bis 3 mal ein Halbbad oder ebenso oft einen Oberguß mit Knieguß.

Asthma     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr erzählt: "Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Aerzte; allein sie erklärten meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts Anderes übrig als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien wird. Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen Grade ein, daß ich ganze Nächte, auch bei der größten Winterkälte, an dem offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. - Solch' ein Anfall konnte mehrere Tage nach einander fortdauern. Alle gebrauchten Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte, daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der Himmel. Das Buch "Meine Wasserkur" kam in meine Hände, und es kam mir als Helfer in der größten Noth. In acht Tagen wurde ich geheilt. Es ist kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit so umwandeln kann. Die Anwendungen waren:

1. Oberguß, daraus Knieguß - Wassergehen
2. Rückenguß - Schenkelguß
3. Sitzbad - Oberguß - Halbbad
4. Oberguß - Rückenguß - Wassergehen
5. Halbbad - Oberguß - Sitzbad
6. Vollbad - Oberguß
7. Schenkelguß - Oberguß.

Dazu täglich ein bis zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage wurde von Stunde zu Stunde leichter."

Athmungsbeschwerden     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Ein Priester macht folgende Angaben: "Ich bin gut gebaut, war stets gesund und kräftig; doch seit 3/4 Jahren bin ich so verschleimt, daß ich recht viel Athemnoth habe, und wenn der Husten kommt und die Athemnoth, glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche, klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag. Mehrere consultirte Aerzte erklärten es theils als Luftröhrenkatarrh, theils als Brustkatarrh."

Anwendungen: Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und täglich zweimal Wassergehen bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und ein Halbbad. Zudem täglich noch Wassergehen; so fünf Tage lang; dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen besser, der Athem leichter, die Stimme reiner, die Gemüthsstimmung heiterer. Nachtheilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und Mangel an Bewegung.

Augen-Katarrh (Entzündung)     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Ein berühmter Militär-Arzt sagte mir vor ca. 35 Jahren. Der Katarrh (Schleimhautentzündung) ist ein Uebel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht u.s.w. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all' den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angethan sind, Einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. - Hat man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.

Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur zwei. Ein unersetzlicher Verlust ist's schon, wenn eines verloren geht. Sei darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon bei kleinen Kindern vor, die wenige Wochen alt sind, bei Schulkindern noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft man Augenleidende genug.

Meistens stammt das Leiden aus dem Körper. Bei gesunden Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transspiration (Ausdünstung), durch das Athmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen. Anders kommt es, wenn der Mensch krank wird. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe u.s.w. Was im Kopfe sich ansammelt, wählt so gerne den Ausgang durch die Augen. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Theile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt sich das heftige Brennen, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Auge von der scharfen Jauche angerissen werden. Wird ihr Austreten gehindert, so entzünden sich die Augen; sie werden oft blutroth und das schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen. Heilung ist nur möglich, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Theile sind gesund, die Jauche allein und seine ätzenden Stoffe machen es krank.

Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr oder nur wie durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren Mücken und Fliegen vor den Augen; andere sehen Feuerbündel, wieder andere Anderes. Alle diese Uebel quellen aus derselben Giftquelle, sind Blüthen derselben Giftpflanze, rühren von demselben Giftstoffe her. Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt ! Ein Beispiel möge das Gesagte klar machen.

Das kleine Mädchen Antonia, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat entzündete Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was thun? Das Kind soll täglich in ein Handtuch eingewickelt werden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor in lauwarmes Wasser eingetaucht, in dem Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh siehe unter: gemischte Bäder) gesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut umwunden (Wickel siehe unter: Kurzer Wickel). Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauert eine Woche lang.

In der zweiten Woche bereite man dem Kinde ein warmes Bad mit Absud von Haberstroh (Haferstroh) (ca. 24 bis 26° Reaumur = 30 bis 32° Celsius), in dem es 15 bis 20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittelst einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser schnell übergossen und sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese erfrischende Uebergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad ausgelöst und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das Kind wird das erste mal jammern und weinen, wie Kinder thun; hat es aber die Sache einige male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein Leichtes sein. Jeden zweiten oder dritten Tag werde das Bad wiederholt. Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird reiner werden.

Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt für das Auge, so nehme sie ein Stückchen Alaun, so groß wie vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht werden. Auch nach Entfernung des Uebels versäume die Mutter es nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.

Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst fünf Wochen alt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.

Der kleine Anton mit vier Jahren ist skrophulös (rezidivierender Schleimhautkatarrh, Lymphdrüsenschwellungen), hat Ausschlag am Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe; indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde täglich vor dem Schlafengehen ein Hemdchen anziehen, das in Wasser, mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde (siehe: Nasses Hemd). Hernach soll sie das Kind schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Thut die Mutter dieses in der ersten Woche alle Tage, in der zweiten Woche jeden zweiten, in der dritten jeden dritten, in der vierten jeden vierten Tag, und gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine kleine Messerspitze Kreidemehl , so wird der Bube gesund werden, und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.

Bertha geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede Woche oder doch recht oft "böse Augen", so daß sie nicht lesen kann. Die Augen sind ganz roth und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kinde innerhalb zehn Tagen sechsmal ein nasses Hemd anziehen, und reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten mit ungefähr 24° R. = 30° C. und zugegossenem Absud von Fichtenreisern (Fichtenreiser siehe: Fichtenreiser-Bad), stets abschließend mit raschem kaltem Abguß (Rückenguß?). Nebenher kann als Augenwasser dienen das Aloe-Wasser (eine Messerspitze Aloe wird in ein Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser ausgegossen), womit täglich dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete Auge und stärkt es.

Wilhelm, ein Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.

In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und in den Augen. Der Kleine mußte in der Woche zwei warme Bäder nehmen. Viermal wöchentlich ließ ich ihn ein nasses Hemd anziehen, das in kaltes, mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1 bis 1,5 Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen nahm Wilhelm in jeder weiteren Woche drei bis vier kalte Bäder, nur mit 15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal seine Augen mit Alaunwasser (eine Messerspitze Alaun zu einem halben Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden. neu auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das Geringste gefehlt hätte.

Christine, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüthe des Lebens, hat aber immer mit Augenleiden zu thun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig Blut in den Füßen, deßhalb auch stets kalte Füße.

Patientin nimmt jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad mit Asche und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten. Dreimal in der Woche geht sie bis unter die Arme in's kalte Wasser (Halbbad), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählig ganz auf, und das Augenleiden verschwindet.

Augenleiden     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Agatha kommt und klagt: "Drei Jahre lang war ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Aerzte ausgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn's noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind."

Agatha mußte:

1. in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1,5 Stunden lang bleiben;

2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1,5 Stunden lang nehmen;

3. täglich eine Minute lang kaltes Wasser auf die Kniee gießen und daraus Bewegung machen; so zwei Wochen lang.

In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des Morgens nehmen und Nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei Minuten im kalten Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.

Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen zur Kräftigung des ganzen Körpers.

Augen-Staar     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war. Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur mit Mühe allein gehen konnte. "Wie kommen Sie zu mir?" - "Ja, mein Kind," sagte der Vater, "war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbare graue Staar. Das ist schrecklich: 9 Jahre alt und blind!" Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem Auge noch theilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsterniß war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.

Der bedauernswerte Knabe litt nicht allein an den Augen, das sagte mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war auf's tiefste heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß Jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank, recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich dann auch die Augen wieder.

Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt. Der Knabe mußte täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf nassen Steinen barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang Rücken, Brust und Unterleib ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einigen Zeit traten an Stelle der Waschungen Halbbäder, endlich kalte Ganzbäder, nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel abwechslungsweise der (kurze?) Wickel oder das nasse Hemd, in Salzwasser getaucht, auf 1,5 Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Thätigkeit, neues Leben in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.

Speziell für die Augen, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung verwendete ich mehrere Augenwasser: zuerst das Aloewasser (man nimmt eine Messerspitze Aloepulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in einem Schoppen - 1/4 Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloe löst auf, reinigt und heilt.

Später folgte diesem Alaunwasser (zwei Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis viermaligem kräftigen Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt.

Noch später nahm ich Honig-Augenwasser (ein halber Löffel Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählig in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfe erblühen auch wieder die so lange geschlossenen Augen; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig gewesen.

Ich bin der festen Ueberzeugung: die arg verkümmerten Augen waren nur ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom welk werdenden Stamme die Blätter und der Blüthenschmuck abfallen, so müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen verkommen. Treibt der Stamm von Neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und neu Blätter und Blüthen.

Ausschläge     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Darunter verstehen wir alle jene unnennbaren und unberechenbaren Haut-Unreinigkeiten, die oft in einer Nacht, in einem Tage kommen und vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust, den Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers. Jahre lang kann man die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört. Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir bekannt, welche ausbrach in Folge schnell zurückgetretenen Ausschlages. Anwendungen, wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind, lockten den Ausschlag von Neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben waren. Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich; sie können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege, große und schwere Folgen haben. Neben Geistesstörungen entwickeln sich insbesondere gerne Abzehrung, Schwindsucht, Leber-, Nierenleiden und Anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören Sie.

Jedem derart Geplagten möchte ich rathen, er solle früh genug, jetzt, wo er noch keine der genannten Folgen spürt, wöchentlich (jeden dritten Tag z. B. eine) ein paar leichte Anwendungen mit Wasser vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die kalten Ganzwaschungen, der spanische Mantel und der kurze Wickel. Man erschrecke nicht, wenn nach der einen oder nach der anderen Anwendung der Ausschlag stärker auftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit fort!

Wer den Rath befolgt, wird an sich erfahren. Das Ende jeder Anwendung gut, aller Ausschlag gut. Jeder Unparteiische urtheile selbst, ob es besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam u.s.w., zu gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei ausgeschrieene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und Manche würden roth werden vor Scham, wenn seine Herren Collegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten, daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt salbt. Mundus vult decipi, d.h. die Welt wird weiter schmieren und salben. Habeat sibi!

Ein Landwirth erzählt: "Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig, dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie es den Anschein hat. dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen wird. Ich habe schon Vieles und Verschiedenes dagegen gebraucht, doch alles umsonst."

Anwendungen:

1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder (Haferstrohbäder), mit zwei Wechseln, jedesmal 15 Minuten in's warme, eine Minute in's kalte Wasser, oder sich kräftig abwaschen.

2) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser waschen.

3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver (siehe: Knochenmehl), wie in der Apotheke beschrieben. So 3 bis 4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein- bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein Halbbad nehmen.

Auszehrung     Krankheiten A     Inhaltsverzeichnis

Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden. Man fürchtet dieses im Allgemeinen, weil die oftmals begründete Meinung herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Deßgleichen sind uns Viele, Männer, Frauen und Kinder, bekannt, bei denen gerade das Gegentheil stattfindet, deren Kräfte auffallend rasch abnehmen. Sie gleichen dem Gras aus dem Feld, das heute grünt und morgen dörrt, und das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche Kranke sehr häufig gar kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist nur über Mattigkeit, wenig guten Humor und entweder sehr großen oder gar keinen Appetit. Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken solche schon halbdürre Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus wie ein schwachbrennendes Nachtlichtlein.

Vielleicht kommt noch eine akute Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht. Kranke dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben zu gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk und Mörtel, das bald baufällig wird, und bei dem in Kurzem alles aus den Fugen geht. Er ist an der Bright'schen Krankheit gestorben, hört man oft sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen Körpers. Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut essen und trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes Haus an diesen oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel - jeder Vernünftige wird lächeln! Die Auszehrung unterscheidet sich von der Schwindsucht dadurch, daß bei dieser die Krankheit von einem Organe ausgeht, sei es von der Lunge, der Brust, dem Kehlkopf u.s.w., und von diesem Punkte weitere Kreise zieht, bei jener aber mehr eine allgemeine Auslösung, ein Ruin des ganzen Körpers stattfindet. Oft sucht man den Hauptsitz oder den Ausgangspunkt der Auszehrung in den Nieren, im Unterleibe; vielfach ist jede genaue Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar bestimmtesten und sichersten Zeichen.

1. Ein ziemlich korpulenter Herr erfreute sich stets der besten und ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr zu stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor Allem war ihm der Gedanke, auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die Füße einen besonderen Halt hatten. Kaum sechs Wochen waren vergangen, und der Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große und selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein geknicktes Rohr, leblos und todt wie ein Dürrling (dürrer Baum) im Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmüthigem Auge entgegen.

In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch rieth ich, einen letzten Versuch mit Wasser zu machen.

Die Natur, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, mußte gestärkt und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis dreimal ging der Kranke barfuß im nassen Gras oder auf nassen Steinen. Jeden weitere Tag nahm er einen Ober- und Unteraufschläger, in der Woche einmal den spanischen Mantel. Diesen Anwendungen folgten wöchentlich zwei Halbbäder, ein kurzer Wickel und ein Ober- und Unteraufschläger. Die Halbbäder lösten sodann Ganzbäder ab, und zwar kalte von je einer Minute Dauer und warme mit zweimaligem Wechsel, von beiden Arten je eines in der Woche; ebenfalls wöchentlich eine Ganzwaschung. Zur Ausheilung und zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduzirt; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.

Schon nach Schluß der ersten acht Tage war Besserung eingetreten: Stillstand der Kräfte, Abnahme und Erstarkung. Nach acht Wochen konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.

2. Eine Mutter, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das Todesurtheil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung blieben. In ihrer Noth flüchtete sie zum Wasser (zur Wasserkur).

Zweimal in der Woche zog sie ein nasses Hemd an und wickelte sich in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie ebenfalls wöchentlich zwei Halbbäder und setzte beide Uebungen 14 Tage lang fort. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren Anwendungen traten jetzt wöchentlich ein kurzer Wickel und einmalige kalte Ganzwaschung vom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.

Bei derartig Leidenden kann man (wie oben bei den Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die Bemerkung machen. daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch u.s.w. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften u.s.w. Die gut verteilten Wasseranwendungen lösen aus, leiten Unbrauchbares ab, regeln und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.

Noch ein Fall ist möglich. Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und matt, unthätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zu Grunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine geräth in Bewegung und Thätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das Wasser, das in geordneter Weise den unthätigen Körper trifft, alle Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlauheit. Sie arbeiten wieder, und neues Leben pulsirt im neu auflebenden Körper.

Wie viele junge Leute tragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!

Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Beinfraß
Bettnässen
Blasenkatarrh
Blasenleiden, nervöses
Blasenstein
Blattern
Blut-Armuth (Bleichsucht)
Blutbrechen und Blutsturz
Blutfluß
Blutvergiftung
Blutzersetzung
Bruchleiden
Brustfell-Entzündung

Beinfraß     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr von Stand bekam eine kranke Zehe; er glaubte, der Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung werth. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es nothwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages zwei kleine Beinchen (Knochen) aus- und ablösten. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu all denen die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es war Beinfraß eingetreten. Alsbald ließ ich Zinnkraut in Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen (siehe: Fußwickel). Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.

Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von Neuem, dießmal an dem anderen Fuße, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße einen ähnlichen, anhaltenden Schmerz, wie früher vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas geröthet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als Einer, der mit der Wahrheit nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hätte lauten müssen: Die Krankheit ist theilweise gehoben, aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß weiter frißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. Wie mußte dieser Fuß behandelt werden? Nothwendig müssen beide Füße zugleich in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röthe mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind zu behandeln mit in Haberstrohabsud (Haferstrohabsud) (siehe auch: Haberstrohbad) eingetauchten Fuß wickeln (siehe: Fußwickel), in der Art, daß die Füße täglich einigemale umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzu lange währen.

Wie kommt es wohl, daß in unserem Falle gerade in den Füßen der Beinfraß sich festsetzte? Weßhalb nicht z. B. in den Händen oder Armen? - Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit durchgemachr, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegen blieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere Theil den Angriffen des Giftstosses leicht erlagen.

Der Herr lebt noch. Er darf recht Acht haben, wenn er vom Beinfraß nicht mehr will heimgesucht werden. Bei den geringsten Anzeichen möge er alsbald meinen freundlichen und gut gemeinten Rath befolgen und mit den Umschlägen von Zinnkraute oder Haberstrohabsud (Haferstrohabsud) nicht zögern. Sero venientibus ossa! Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar wachsen lassen, wenn ich dießmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter nicht verdeutsche. Ich bin kein Lateiner, aber es gibt ja das Internet: Sero venientibus ossa = Den zu spät Kommenden (bleiben) die Knochen.)

Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht und schnell zu Stande kommt.

Bettnässen     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Dieses Uebel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist's nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Ruthe und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Uebel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, gerathen dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Uebel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren rieth ich, sie sollten täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin- und hergehen 3-5 Minuten lang (siehe: Gehen in kaltem Wasser), dann im Zimmer oder Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passirte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten (siehe: Armbad), was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbenthee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Badern und erreichte das Gegentheil.

Blasenkatarrh     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr berichtet: "Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei Jahre an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von Ueberanstrengung im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des Harns zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die mir obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische plötzlich einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate lang bin ich krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein Körper einem Todtengerippe gleich war, mein Körpergewicht betrug bloß mehr 82 Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser (Heilwasser), wovon ich etwa 100 Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich bekam zudem noch einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier Monaten, als es Frühling wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging es mir erträglich, wiewohl ich immer noch zeitweise große Schmerzen verspürte und der Urin sehr oft, ja beinahe täglich noch trübe war. Der Winter aber brachte mir wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst der folgende Frühling und besonders der Sommer halfen mir wieder auf die Beine.

Aber im Winter 1887 steigerten sich die Blasenschmerzen wiederum mit jedem Tage; der Urin floß immer spärlicher, ward trüber, und ich mußte drei Wochen das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte schwanden immer mehr, so daß man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich eingestellt. Am Unterkörper war ich zumeist kalt und konnte mich trotz des geheizten Zimmers, der fünf Unterbeinkleider und der drei Paar Strümpfe nicht erwärmen; es ging abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich solle mich nur recht warm halten, und gegen das Blasenleiden verordnete er theils Wildunger-, theils Kronenquellwasser, wovon ich etwa 150 Flaschen leerte. Auf vielseitiges Anrathen entschloß ich mich, sobald die Witterung es erlaubte, nach Wörishofen (Ort in Bayern, in dem Kneipp praktizierte und dieses Buch schrieb) zu gehen."

Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage bekam er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu Tag ab, der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen erklärte er: "Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie ehedem, dieß hat das Wasser gethan."

Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für vollständig hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.

Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang Vor- und Nachmittags Oberguß und Wassertreten; später Sitzbäder und Oberguß, täglich abwechselnd, außerdem Anfangs Thee von Zinnkraut und Wachholderbeeren.

Blasenleiden, nervöses     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein Lehrer berichtet: "Meine Krankheit wird von den Aerzten bezeichnet als "nervöser Reizzustand der Blase und des Unterleibes". Seit ungefähr 15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden, bald mehr, bald weniger. Mit Beginn dieses Frühjahres stellte sich das Leiden wieder in besonders hohem Grade ein. Oft mußte ich in einer Nacht 15 bis 20 Mal unter heftigem Drang den Harn lassen. In dem reichlichen Niederschlage fanden sich viele Salzkristalle, später auch Schleim. Dabei litt ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals, besonders Nachts, an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des Unterleibes, verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen Zuckungen in den Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit haben mich sehr geschwächt." Die Anwendungen waren folgende:

1) in jeder Nacht Ganzwaschung
2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen
3) täglich eine Tasse Zinnkrautthee, worin 20 zerstoßene Wachholderbeeren mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.

In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, und eine Krankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen Folgendes:

1) früh ein Oberguß
2) Nachmittags ein Knieguß
3) manchmal ein Halbbad

Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.

Blasenstein     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen. Herbeigerufene Aerzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der aber nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich dazu durchaus nicht verstehen.

Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden zu erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Noth und erhielt den Rath: Mittags, Abends und Morgens ein warmes Sitzbad von Zinnkraut zu nehmen und vor jedem Bad eine Tasse Thee von Zinnkraut zu trinken. In 36 Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war aller Schmerz weg und der Mann gesund.

Blattern     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Was Scharlach im Kleinen, das sind die Blattern im Großen. Giftig ist schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die weißen oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle dieselbe. Man sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten, so müsse der Kranke daran sterben. Darum kann nichts Besseres gethan und sorgfältiger gethan werden, als so schnell wie möglich den Blatternstoff an die Oberfläche der Haut zu leiten, um so im Inneren die ärgste Vergiftung zu verhüten und eine rasche Ableitung vorzunehmen.

Sechs Personen, die an den weißen Blattern erkrankten, wurden geheilt, indem dieselben so oft gewaschen wurden, als die Hitze recht groß, die Bangigkeit fast nicht auszuhalten war. Anfangs war es jede Stunde nothwendig, später alle zwei Stunden, nach längerem Verlauf im Tage nur noch zwei- bis dreimal. Am siebenten Tage waren die sechs Kranken vollständig Gesund. Gegessen haben sie fast nichts, was am besten ist, getrunken ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen Portionen getrunken wird. Daß alle Patienten dieß beachteten! Viel Trinken auf einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die Bangigkeit.

Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch die einfachen Waschungen, die Blattern stets auf der Oberfläche der Haut erschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen, aus der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser hervorschauen. Man wasche ohne die geringste Scheu! Je bälder und pünktlicher solches geschieht, desto schneller entwickeln sich die Bläschen, desto rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu den Geschwüren sich entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf, gleichsam weggewaschen.

Noch Eines: Man gönne den Kranken auch die frische Luft, die ehedem so sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch kleine Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.

Das Waschen geschehe so schnell, daß höchstens eine Minute zu einer Waschung gebraucht werde. Auf diese Weise können bei Erwachsenen ebenso leicht die Blattern wie bei den Kindern der Scharlach geheilt werden. Bemerkt sei noch, daß die gelindeste Anwendung die beste ist.

Vier Personen litten an denselben Blattern. Sie wurden geheilt, indem sie statt der Waschungen täglich zwei- bis dreimal ein nasses Hemd anzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hatte. Nach einer Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt, wenn Hitze und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses höchstens noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur vorüber, und von den schrecklichen Narben, die manches Antlitz für's ganze Leben entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu sehen.

Fritz kann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern. Sein Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige Uebelkeiten befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust. Man ruft den Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der Blattern; es brauche indeß zur Entwickelung derselben noch drei Tage. Ein Abführmittel könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts thun. Fritz war damit nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er sich eine Wanne mit Wasser in's Zimmer bringen, unmittelbar neben das Bett. Jede Stunde steigt er in's Wasser und wäscht sich mit einem rauhen Handtuche kräftig ab (ich verstehe den Satz so, dass der Kranke im Wasser steht und sich wäscht, der Schwerpunkt liegt also auf der Waschung); in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute ist jedesmal die Arbeit fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der Kranke achtzehnmal gewaschen.

Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts und getrunken nur das liebe Wasser.

Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rathe folgend, ganz auf diese Weise 4 bis 5 Personen, die plötzlich vom Fieber befallen worden waren, und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern befürchtet wurde, in wenigen Tagen heilte.

Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach, Ausschlagkrankheiten, und zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Ein zuwartendes, rein beobachtendes Verfahren, "was da wohl sich entwickeln möge," ist stets vom Uebel. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die Kräfte. Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen schon kann die Rettung zu spät kommen.

Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über Kopfweh, Beengung, schweren Athem, Husten klagt und sagt, daß aller Muth gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.

Im Allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle folgende Regeln:

Die Waschungen seien so kurz als möglich und erstrecken sich auf den ganzen Körper des Patienten.

Das Zudecken (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung geschehe sorgsam, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete Erneuerung der frischen Luft (gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.

Die Wiederholung des Waschens bei jedesmaligem Steigen der Hitze und der Bangigkeit werde genau eingehalten.

Niemals dränge man einen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zum Essen. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthinderniß der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.

Welche Thorheiten werden in dieser Beziehung oft, sehr oft aus Unwissenheit, besonders auf dem Lande, begangen! Alles kommt zum Krankenbett und nöthigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken Süßigkeiten u. A., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes thut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Thorheiten und sündigt unwissend schwer gegen die Gesundheit.

Meldet sich der Appetit, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so gebe man ja recht wenige, einfache (nicht viel gesalzene, nicht gewürzte), milde, leicht verdauliche Speisen, niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlich gut eingekochte Früchte. Wasser mit etwas Wein, Wasser mit Milch und später Milch allein sind das beste Labsal. Man hüte sich, den Conditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.

Man hat bereits mancherorts begonnen, bei Blatternepidemien das Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser Seuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze hinwegerafft werden, wandelt mich große Schwermuth an. Das Löschmittel steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!

Die Heilung der Blattern durch Wasser hat noch den speziellen Vortheil , daß der Giftstoff nie tief einfrißt, und daß deßhalb nach solcher Behandlung niemals die entstellenden Blatternnarben das Gesicht für's ganze Leben kennzeichnen.

Die Waschungen, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet haben, können ersetzt werden durch den spanischen Mantel, den man täglich zweimal, bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1 bis 1,5 Stunden lang. Man versäume es nie, nach jeder Anwendung den Mantel sorgfältig auswaschen zu lassen; er enthält jedes Mal eine Menge giftiger Stoffe.

Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein zweifach zusammengelegtes grobes Linnen in's Wasser taucht, es auf Brust und Unterleib legt in Form des Oberaufschlägers und nachher in derselben Weise den Unteraufschläger folgen läßt. Bei großer Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Blut-Armuth (Bleichsucht)     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, So darf ich den Satz aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat, ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd; und wo wenig oder schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten eintreten können.

Zu einer guten Blutbildung ist vor Allem nothwendig eine gute, gesunde Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Thätigkeit des Körpers. Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut abnehmen, und Sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.

Blut-Armuth kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.

Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.

Ein Bild der Blut-Armuth ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an Wärme, gebückte Haltung - somit ein Bild der Krankheit. Die weiteren Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Athem, besonders beim Treppen-Steigen, Kopfweh, Kreuz-Schmerzen, Ohnmacht, Krämpfe, Magen-Krampf, Verdauungs-Schwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu Speisen, die weder der Natur zuträglich sind, noch ein gutes Blut geben können.

Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und schließe sich nie fest an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche Kranke sollen wo möglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller, geschlossene Räume, rauchige Zimmer!

Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen: Milch, gutes Brod, gekochte Brod-Suppe und von ganz einfachem Mehl bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2 bis 4 Löffel voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen. Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.

Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett ausstehen, sich ganz waschen und gleich wieder in's Bett; in's Wasser stehen bis über die Waden, eine Minute lang; gleich darauf kommen auch die Arme in's Wasser, in der Woche ungefähr zwei bis dreimal.

Ist der Bleichsüchtige recht schwach, und hat er wenig Naturwärme, so soll Anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig gemischt werden. Um den Appetit zu befördern, ist es recht gut, täglich dreimal, jedesmal 2 bis 3 Eßlöffel voll Wermuth-Thee einzunehmen. Ein vorzügliches Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine Messerspitze voll Kreidemehl in 4 bis 6 Löffeln Wasser einzunehmen.

Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert, dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder in der Woche. zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und Knieguß, nicht zu oft angewendet, ihre Dienste thun.

Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.

Blutarmuth bei einem Kinde: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die eines Todten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben noch Muth, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so blutarm und der ganze Organismus so unthätig, daß es mehr einem Greise ähnlich sieht. Mehrere Aerzte haben das Kind behandelt, geholfen hat nichts. Zwei Aerzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu thun?

1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd anziehen, in warmes Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden;

2) Jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;

3) wo möglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch in's Freie, in die frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2 bis 3 Löffel voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit.

1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden, 3 bis 5 Minuten lang;

2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;

3) in der Woche ein oder zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salz- oder Heublumenwasser getaucht.

Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens halb so oft gebrauchen.

Blutbrechen und Blutsturz     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Wenn sich eine Blutung einstellt, So fragt es sich, ob das Blut aus dem Magen oder aus der Lunge kommt. Aus Lungenblutung kann man schließen, wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellroth und schaumig aussieht; hingegen auf Magenblutung, wenn es durch Erbrechen entleert worden und von dunkelbraun-rother, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und erheischt Vorsicht, da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.

Kommt das Blut aus dem Magen, wer weiß, welches Aederchen gelitten hat, ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine Vernachläßigung könnte Blutarmuth oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum, die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem Magen keine Bedeutung.

Von größerer, oft recht großer Gefahr ist das Blutbrechen aus der Lunge. Man schaffe deßhalb möglichst schnelle Abhilfe!

Bei beiden Arten des Blutbrechens ist Thee von Zinnkraut immer ein erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können, öfters solchen Thee durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10 bis 15 Minuten ein paar Löffel solchen Thee's ein. - In der Regel stillt derselbe sehr schnell. Der Thee werde selbst nach vollständiger Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.

Stellt sich das Blutbrechen öfter ein, so müssen die Ursachen erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (siehe: Congestionen = Blutandrang), oder es rührt von Magengeschwüren her.

Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende. Meistens tritt plötzlicher Tod ein.

Hier ein Wort über das Nasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf "wohl" wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit folgen wird. Abgesehen von allem Andern muß nothwendiger Weise allmählig Blutarmuth, schwaches Blut u.s.w. eintreten und damit die bekannten Zustande: Angst, Furcht, Erschrecken, Aengstlichkeit, Skrupulantenthum (Überängstliche) der verschiedensten Art. Als gute stillende Mittel beim Nasenbluten werden hausig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu erschrecken, ihm Wasser in's Genick zu gießen, ihn verschiedene Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.

Ich bin gegen all' diese oft das Gegentheil bewirkenden Manöver. Das einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den Blutlauf in geregelten Gang zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und Gebrechen ergeben.

Zu dieser Ableitung des Blutes nach unten helfen vortrefflich: Anfangs ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche zwei bis dreimal; deßgleichen wöchentlich 2 bis 3maliges Gehen auf nassen Steinen und 2 bis 3 kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so thun weiter vorzügliche Dienste der Ober- und Unterguß und Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.

Ein Nasenbluten gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem Tode (sog. Bluterkrankheit).

Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr 1,5 Stunden durch die Nase drei Lavoirs (Waschbecken) reines Blut verlor. Die zunehmende Todtenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das Aergste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft, ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich 0,5 Gießer mit Wasser auf den Kopf spülen, die andere Hälfte auf den oberen Rücken. Fast augenblicklich hörte das Bluten auf.

Das Mädchen lag mehrere Stunden ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche nahm die Kranke - Appetit und Durst fehlten gänzlich - jede halbe Stunde 2 bis 3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen genommen, allmählig dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen. Der Oberguß wurde täglich pünktlichst vorgenommen. Die Blutungen blieben aus, dagegen meldete sich binnen Kurzem ein recht guter Appetit. In 4 bis 6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte sie wohl im Innern noch Schwäche, im Aeußern war das Aussehen blühend wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache der Blutung gewesen sein.

Blutfluß     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein Hausvater kommt und erzählt Folgendes: "Meine Frau hat schon länger den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht schon gestorben. Aerztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt's denn gar kein Mittel?"

Ich gab dem Manne den Rath: Die Frau soll

1) Anfangs nach je 1/4 Stunde 2 bis 3 Eßlöffel voll Zinnkrautthee nehmen, später täglich je 2 Löffel voll

2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20 Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen Ueberschlag anzuwenden.

Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht: in jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen Hausmannskost. Nach 4 Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften wieder nachkommen.

Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Nothfalle angezeigt sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.

Blutvergiftung (siehe auch: Vergiftung des Blutes)   Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt, sie wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, - beachtete diese Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend in's Bett, ohne den Schaden näher anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht schon wacht sie auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf, große Uebelkeit, Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der linken Hand, und sie empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten Fuß. Die Hand schwillt stark an bis an den Ellbogen, wird feuerroth, und innerhalb 10 Stunden tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher Schmerz ein. Die Adern bis zu dem Ellenbogen treten stark hervor und sind ganz dunkel. Arzt war keiner im Ort, und es war sichtbar die höchste Gefahr im Verzug, es werde die Blutvergiftung die Herrschaft bekommen. Die Röthe war bereits über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf den Oberarm gekommen.

Heublumen wurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze Hand wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen konnte, eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsammt dem Verband in das heiße Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen zogen wie ein Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben gelungen, die Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein Beweis, wie schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1 bis 2 Stunden die Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden, daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach 36 Stunden war aus der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so abgelöst, daß sie hatte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem Finger nachließen, hörte auch natürlich alle Uebelkeit auf.

Blutzersetzung     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einen Pfarrer. Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man sein baldiges Ende erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im Lehnstuhle und erzählte: "Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie sehen hier im Gesicht 5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe. Ganz schnell entstehen kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit. Setze ich ein Pflästerchen aus, so hält es 1 Tag; beim Wegnehmen bleibt gewöhnlich etwas abgestandenes, faules Fleisch hängen. So leide und dulde ich schon seit Monaten, und Hilfe bekomme ich keine mehr. Quälender noch als die Wunden am Körper empfinde ich den entsetzlichen Eckel im Gaumen, den ich Niemandem beschreiben kann. Theurer geistlicher Mitbruder, wissen Sie einen guten Rath für einen Armen, dann geben Sie ihn bald; mir scheint es höchste Zeit."

Ich rieth dem Bedauernswerten, er solle täglich alle 2 Stunden 4 bis 6 Löffel Thee von Salbei und Wermuth nehmen, daß ihm der Ekel aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf Wiedersehen in der Ewigkeit. Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote, doch nicht mit der erwarteten Todesnachricht, sondern mit der Freudenkunde, der Ekel sei aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre schon Verlangen nach Speise. Der erste Rath habe so vortrefflich gewirkt, ich möchte bald einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er solle während 14 Tagen täglich mit frischem Wasser Ganzwaschungen vornehmen oder vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich. Von Neuem kam die Meldung, der Zustand bessere sich, der Appetit sei im Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen abwechselnd den einen Tag den spanischen Mantel, den andern eine Ganzwaschung. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die erste hl. Messe. Es folgten noch wöchentlich je ein Kräuterbad zu 20° Reaumur = 25° Celsius aus Heublumen bereitet, am Schlusse mit kalter Abwaschung und kalte Halbbäder (mit Waschen des Oberkörpers) im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag die erste, den andern die zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder genas vollkommen und wirkte noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte als Pfarrer bis zum Ende seines Lebens.

Ein Mann kommt und erzählt: "2,5 Jahre bin ich krank, und Niemand kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen und wurden bis zu den Knieen herauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser wurden, schwoll der rechte Arm Stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark ausgetrieben, und ich habe darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben. Wenn's erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angethan. Doch sei ihm, wie ihm wolle, ich kann nicht mehr elender werden."

Ich verordnete: "Sieden Sie Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh siehe auch: Gemischte Bäder), tauchen in solches Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein Beinkleid bis unter die Schultern (siehe: Der kurze Wickel). So werden Sie eingewickelt in eine Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie können, Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes nasses Hemd ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an und lassen sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen Sie einen kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser (Haferstrohwasser), 1,5 Stunden lang. So wird 14 Tage fortgemacht." Nach 14 Tagen waren alle Geschwülste beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine kleine Oeffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.

Bruchleiden (Knochenbrüche)     Krankheiten B     Inhaltsverzeichnis

Ein besonders hervorragendes und häufiges Leiden unserer Zeit sind die Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft erscheinen sie plötzlich, wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft künden sie sich am Körper durch besonders schmerzende Stellen an. Alle damit Behafteten zählen unter die Presthaften, d. h. unter diejenigen, die nicht mehr zu allen Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt stets die Gefahr nicht nur heftiger Leiden, sondern bei Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in sich.

Diese Zustände kommen hauptsächlich bei schwächlichen Naturen vor. Deßhalb kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche Früchte aufweisen. Ich bin der vollsten und festen Ueberzeugung: wenn eine vernünftige Abhärtung gepflegt würde von Jugend an, wenn nur reelle, nahrhafte, vernünftig Kost genossen würde und keine verkünstelte, verfeinerte und so vielfach verdorbene, so träten alle diese Uebel höchst selten auf und meistens nur in Fällen, in denen gewaltsame Einwirkungen auf den Körper geschehen durch Schlag oder Stoß.

Vor 50 Jahren kannte man wenig "gebrochene Leuten in einem Dorfe; in einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen. Heutzutage kommen vielleicht 20 Personen zusammen, und 3 bis 4 derselben haben einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem Unglück hin ihr Uebel so viel wie möglich verborgen zu halten. Man hört's nicht gern, wenn es heißt: der hat einen Bruch. Bei Manchem klingt dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn roth macht bis über die Ohren. Thorheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das kleinere Uebel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen; Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen. Wie leicht und schnell ist's geschehen! A. bekam seinen Leibschaden aus dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen. E. litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester, predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.

Mich schmerzt es jedesmal tief (gerade weil großentheils so leicht vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst gesunder, kräftiger Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein Mann im schönsten, kräftigsten Alter zu den Invaliden gehöre. Fast muß ich es so heißen; denn eine große Anzahl Bruchleidender muß das Berufsleben vor der Zeit verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren, und selten ist solchen eine Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden des Bruches nicht den Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es erfahren hat, weiß, daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte sich wahrlich mehr Mühe geben, nach den Ursachen des gewaltigen Ueberhandnehmens gerade dieses Uebels zu forschen, mit anderen Worten: man sollte der verweichlichten, geschwächten Menschheit aufhelfen. Wohin sollen wir denn kommen?

Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; siehe unten, wo wir von Kindern reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst eingetreten in Folge von angeborener oder später eingetretener Schwäche. Gar leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch Abhärtung mit Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob die sogenannte "bessere Welt" endlich klug wird? Ich zweifle daran. Dir aber, braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig liesest, rathe ich: nimm in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad oder ein paar kalte Sitzbäder (jedes Schaff (Wanne) ist gut genug)! Bald wirst du deren kräftige Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst du keine bestimmte Zeit abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und Alles in Allem: Ausziehen, Baden, Wiederanziehen dauert nicht länger als 4, höchstens 6 Minuten. Von der Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und unmittelbar darauf kannst du wieder an deine Arbeit gehen. - Doch ich bin im größten Schweiße! Auch das hindert nicht; bade ruhig, du hast nichts zu fürchten! Ueber diesen Punkt habe ich mich bei den Halb- und Ganzbädern des Näheren ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser verantwortungsvollen Sache ist reiflich erwogen, und erst ward lange Jahre versucht und praktizirt (gehandelt), bevor gesprochen und geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust in's Wasser und wasche rasch und kräftig den Oberkörper ab; dann kleide dich, ohne abzutrocknen, an und gehe rüstig wieder an deine Arbeit! Nach 3 bis 4 solchen Bädern brauchst du keine Aneiferung und keinen herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die Waschung wird dir fast Bedürfniß, und du erweisest deinem Körper diesen Liebesdienst mit Freuden. Und das Werk (der Erstarkung, Feiung) wird seinen Meister loben.

Ein Bauer klagte mir einmal über arge Schmerzen etwas oberhalb der Weichen. Der Arzt habe erklärt, es sei ein Leibschaden im Anzuge. Ich rieth ihm, fleißig Ober- und Unteraufschläger zu nehmen. Bald ließ der Schmerz nach. Der Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten Arbeit und blieb von dem angekündigten Uebel frei. Diese Warnung hat ihn zur Besinnung gebracht und klug gemacht, er wurde von nun an ein eifriger Wassermann.

Zum Schluß noch die Frage: Können Leibschäden gar nie geheilt werden? Mehrere neue Leibschaden habe ich, selbst bei Erwachsenen, dadurch geheilt, daß die gebrochene Stelle mit Kampheröl kräftig eingerieben und darüber ein Pechpflaster, das Pech auf Wachsleinwand gestrichen, aufgelegt wurde. Fuchsfett sodann ist und galt zu jeder Zeit als eines der allerbesten Mittel zur Heilung eines jungen Bruches. Man reibe alle zwei bis drei Tage die Bruchstelle mit solchem Fett ein und lege stets das Pechpflaster darüber. Auf solche Weise heilte ich einmal einen Bruch, der bereits sieben Wochen alt war.

Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnißmäßig häufig vor. Die Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark ausgetrieben werden, und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde bereite man täglich ein Haberstrohbad (ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder Bauer jedem Armen), ebenso täglich einen Ober- und Unteraufschläger, klein natürlich, wie sie für das kleine Geschöpf passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist. Man reibe nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampheröl oder noch besser mit Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn sie nicht allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an Heilung zu denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg übrig, als daß ihnen ein Bruchband beschafft werde, das sie nach Anweisung des Chirurgen tragen.

Gerade die Mütter sollten Alles ausbieten, - auch das nenne ich in diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, - derlei Gebrechen von Anfang an und von Grund auf vorzubeugen. Es hängt viel davon ab, oft das ganze spätere glückliche oder unglückliche Leben ihres Kindes, der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott mir das Leben gibt, werde ich den Müttern einmal einige Winke und Rathschläge aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig abhärten und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten Wassermann; er hat für die Erziehung und für Alle, die dabei betheiligt sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache Nerven haben und ihren "Engeln" vor lauter Einmummung und Einbauschung in Sammt und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft gönnen, werde ich mich nicht wenden. Nur solchen gilt's, denen daran gelegen ist, zur Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken Generation das Ihrige beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre der betreffenden Rathschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt Zeit, kommt Rath. Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich durch die Rechnung. Und dann ist's auch so recht und gut, und ich bin damit zufrieden.

Brustfell-Entzündung siehe unter: Entzündung

Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Cholera
Cholerine
Congestionen
Darm-Entzündung
Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe, Durchfall)
Darmleiden
Diphtheritis
Emphysem der Lungen
Entkräftung
Entzündung (Allgemeines)
Epilepsie

Cholera     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in mehreren Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte dem Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Ueberschwemmungen sicher zu sein, wirft man Dämme auf, man regulirt die Flüsse. Bei einem Waldbrande zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiter fresse. Ein solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen entsetzlichsten Feind des Menschenlebens, ist das Wasser. Es rettet aus der Gefahr und umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem Damm oder Graben.

Bei der Cholera herrscht der Grundsatz: Wer bald in Schweiß kommt, der ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß geräth, der ist verloren.

Einmal wurde ich nachts um elf Uhr zu einer armen Magd gerufen. Schon zwanzigmal hatte sie Erbrechen gehabt, zwanzigmal schon an starkem Durchfall gelitten. Der Arzt war zwei Stunden weit entfernt. Die Magd wollte zum Tode vorbereitet werden; denn, sagte sie, sie fühle nur zu gut, daß sie dieser schrecklichen Krankheit erliegen müsse. Hände und Füße waren einer Eismasse gleich, das Gesicht blaß, die Gesichtszüge eingefallen, die Zeichen der Auflösung waren da. Sofort versuchte ich die Sterbenskranke in Schweiß zu bringen, von dessen Zustandekommen nach meinem Urtheile Alles abhing, Leben oder Tod. 

Schleunigst brachte die Hausfrau zwei große, grobe Leintücher. Ich ließ dieselben in heißes Wasser eintauchen, mehrfach zusammenlegen, auswinden und die fast heiße, dicke Ueberlage auf Brust und Unterleib decken. Unter dieselbe, auf den bloßen Leib, kam zuvor ein einfaches Tuch, das in heißen Essig getaucht war, zu liegen. Die nasse, heiße Auflage umhüllte und schloß nach Außen ab ein Federbett. Alles so warm und schwer, wie es die Kranke nur ertragen konnte. Schneidend drang die Hitze in den Choleraleib, und in 15 Minuten war der ganze Körper durchwärmt. Nach weiteren 20 Minuten perlten schon Schweißtropfen vom Gesichte. Ich ließ die heiße Decke nochmals in heißes Wasser tauchen. In ganz kurzer Zeit hörten alle Krämpfe aus, das Erbrechen und der Brechreiz verloren sich. Um der von außen wirkenden Wärme nach innen entgegenzukommen, bekam die Kranke eine Tasse Milch mit Fenchel (ein Löffel voll gemahlener Fenchel wird drei Minuten in Milch gesotten) so warm als möglich zu trinken. Die Kranke kam in reichlichen Schweiß, und sie war gerettet.

Es durfte und darf in solchen Fällen nicht vernachlässigt werden die Ausheilung, die nicht schwierig ist, aber wichtig. Es soll der Rekonvaleszent (der Genesende) täglich einen Unteraufschläger (ein mehrfach zusammengelegtes Tuch unter der ganzen Rückenlänge) nehmen, eine Stunde lang; gleichfalls täglich einmal eine Stunde lang einen Oberaufschläger (dasselbe Tuch auf Brust und Unterleib), jedesmal gut zugedeckt. Auch unsere Kranke that so, und in 10 bis 12 Tagen war sie hergestellt. Ein zweiter Fall wurde ebenso und mit demselben Erfolge behandelt.

Zwei Bemerkungen will ich hier nicht unterdrücken.

Wenn die oben angeführten Symptome (Kennzeichen) der Krankheit, wie heftiges Abführen, Erbrechen, Krämpfe u.s.w. erscheinen, so soll man nicht säumen, solche Kranke alsbald in's Bett zu bringen. Landleute sind in dieser Beziehung gegen sich oft zu hart und deßhalb unklug. Nach innen gebe man einen warmen Trunk. Drohen krampfhafte Zustände einzutreten, oder wollen die Füße eiskalt werden, so bringe man alsbald eine warme Ueberlage auf den Leib, nicht länger als circa drei Viertelstunden. Ebenso lange lege man sich auf eine ebenfalls warme Unterlage. Wiederholen sich die Krämpfe, so können die Ueberlage und die Unterlage wiederholt werden. Treten Wärme und Schweiß ein, so hat man's gewonnen.

Vorsichtig sei man, bis Alles wieder in Ordnung ist, mit Essen und Trinken. Von der gewohnten einfachen Kost wähle man das Leichtere aus. Als Getränk diene am besten warme Milch, die Heil- und Nährmittel zugleich ist.

Wüthet die Cholera an einem Orte, so vertraue auf Gott und sei unverzagt! Wasche zur Vorsicht jeden Morgen und jeden Abend kräftig die Brust und den Unterleib; kaue täglich zehn bis zwölf Wacholderbeeren, und sollten diese dir abgehen, so kaufe dir Pfefferkügelchen! Für 20 Pfennig erhältst du eine große Anzahl. Täglich zweimal je fünf solcher Pfefferkügelchen erwärmen den Magen, unterstützen die Verdauung und leiten die Gase aus.

Cholerine     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Fast in jedem Orte zählt man jedes Jahr einige Fälle von Cholerine; mir selbst sind jährlich solche Kranke genug vorgekommen. Die Cholerine ist die Cholera im Kleinen, ein recht unlieber, wenn auch weniger befürchteter Gast. In ihrem Gefolge sind heftiges Abführen, starkes Erbrechen, zuweilen stärkere oder schwächere Krämpfe.

Meine Anwendungen bei Cholerine sind genau dieselben wie bei der Cholera, an Zahl und Stärke klug und verständig geregelt, je nach dem Heftigkeitsgrade der Krankheit. Auf einmal wurden so vierzig mit Cholerine Behaftete mit gleich gutem Erfolge behandelt und geheilt.

Congestionen (Blutandrang)     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Ein Beamter klagt Folgendes: "Ich leide an schwerem Athem, Krämpfen im Halse und sehr großen Kopfschmerzen. Oft ganze Nächte ist es mir wegen Congestionen und Schmerzen im Kopfe nicht möglich, zu schlafen. Stuhl erfolgt seit Jahren nur durch Medikamente. Außerdem besteht viel Krampf auf der Brust, und wenn dieser in den Unterleib kommt, empfinde ich Sehr große Schmerzen. Gegen Kälte weiß ich mich gar nicht mehr zu schützen, Hände und Füße sind gewöhnlich kalt. Meine Lebensstellung wäre eine angenehme, wenn ich nicht fortwährend von Leiden gequält wäre. Ich besuchte schon mehrere Bäder, fand aber keine Hilfe. Statt der früheren Korpulenz ist nun Abmagerung eingetreten. Wenn nun Wasser keine Hilfe bringt, klagte er wehmüthig, so bin ich verloren." Die Behandlung war folgende:

1) täglich Morgens und Abends längere Zeit im Gras und auf Fußwegen barfuß gehen, - was ihm eine unbeschreibliche Erquickung brachte und sein Kopfleiden ableitete

2) in der Woche zwei kurze Wickel

3) einmal den spanischen Mantel

Um Stuhlgang zu befördern, mehrere Tage hindurch jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll Wasser und bei größeren Beschwerden: Aloe, eine Erbse groß, mit einem halben Löffel voll Zucker, das Ganze in warmem Wasser aufgelöst, und auch dieses jede Stunde löffelweise genommen.

Darm-Entzündung     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Ein Verwalter erzählt: "Ich habe Jahre lang heftig, mitunter fast unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon längere Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe regelmäßig Abweichen (Durchfall) darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe wenig oder höchstens auf kurze Zeit bekommen." Das Aussehen dieses Mannes in den schönsten Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert, hat blasse Farbe und trübe Augen. Was mag helfen?

Dieser Mann hat in jeder Woche

1) drei Sitzbäder genommen
2) jeden Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig eingewaschen, 3) in der Woche ein Halbbad genommen, eine Minute lang.

In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit. Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf Wermuth-Tropfen im warmen Wasser.

Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe = Durchfall)     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen. Die Wiederholung kann regelmäßig, z.B. zu gewissen Zeiten, ein- bis zweimal im Jahre, oder unregelmäßig stattfinden. Die Betroffenen fühlen sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die regelmäßigen Diarrhöen rühren daher, daß die kräftige Natur all' die gesammelten überflüssigen Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn an einem Dampfkessel ein Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig darf man sein, wenn die Natur gleich diesem Kessel das "Zuviel und Ungesund" ausspeit.

Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich warne sogar, dagegen etwas zu thun. Meistens kommen diese Ausscheidungen im Herbst oder Frühjahr vor, und uns scheint, daß die Luft, die Temperatur gut einwirken und mithelfen.

Beachtenswerther sind die unregelmäßigen Diarrhöen, die mit oder ohne Schmerzen stattfinden können. Es sind Mahnungen für solche Leute, daß in ihrem Körper sich krankhafte Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie nicht entfernt werden, häufig Verderben anrichten. Man macht in der That die Erfahrung, daß bei derart Heimgesuchten meistens das eine oder andere Organ krank ist, und daß solche Kranke sehr oft früh sterben oder wenigstens nicht besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen Vorboten von schweren Krankheiten. Bei der Heilung muß vor Allem auf den Unterleib gewirkt werden, doch stets im Wechsel mit Anwendungen auf den ganzen Körper. Plötzliche Stillung der Diarrhöe ist nie zu empfehlen; es sollen die faulen Stoffe allmählig entfernt und die inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule Stoffe gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.

Nach innen wende man Thee an von Wermuth mit Salbei, von Tausenguldenkraut mit Salbei, von Schafgarbe mit Johanniskraut, täglich ein bis zwei kleine Tassen; oder man nehme täglich sechs bis zehn Wachholderbeeren. Alle die genannten Mittel befördern die Verdauung, unterstützen die Magensäfte und enthalten zugleich Nährstoffe.

Sollte die Diarrhöe stark sein und schon länger dauern, so werde zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist (in warmem Wasser) eingenommen.

Als äußerliche Anwendungen genügen im Anfange wöchentlich drei bis vier Aufschläger auf den Unterleib von je 1,5 Stunden (ein vierfach zusammengelegtes Tuch werde zu diesem Zweck in Wasser mit Essig oder in einen Absud von Fichtenreisern (siehe: Fichtenreiserbad) getaucht und auf den Unterleib gelegt oder gebunden), ebenfalls wöchentlich ein kurzer Wickel. So fahre man vierzehn Tage fort. Nach vierzehn Tagen können zur Kräftigung in der Woche ein bis zwei Halbbäder folgen mit Waschung des Oberkörpers und gleichfalls wöchentlich ein bis zwei Ganzwaschungen Nachts vom Bette aus. Dieses für die folgenden drei bis vier Wochen. Wenn es dann zur Regel würde, keine Woche ohne wenigstens eine Ganzwaschung oder ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers vorübergehen zu lassen, müßte der ganze Organismus kräftiger und gesünder werden und der berührte Ausnahmezustand (wenn er nicht tieferliegende Ursachen hat) aufhören.

Ein Herr, 48 Jahre alt, erzählt: "Seit vielen Jahren habe ich mit wenig Unterbrechung Abweichen (Durchfall), ich mag essen, was ich will; habe von den Aerzten recht viel eingenommen, auch manches Hausmittel gebraucht, wurde in mehrere Bäder geschickt, doch - Alles vergebens. Besonders stark ist das Abweichen, wenn ich trinke, sei es Wasser, Bier oder Wein. Recht trockene Kost ist mir am zuträglichsten. Weil von mir Alles zu rasch und zu wenig verdaut abgeht, bin ich nie bei Kraft, und bin ich auch nicht ganz abgemagert, so sind doch meine Muskeln nur welk."

Die Anwendungen waren folgende:

1. täglich zweimal Oberguß
2. täglich einmal im Wasser gehen
3. einmal Knieguß

In der zweiten Woche: den einen Tag Oberguß und im Wasser gehen, den andern Tag Halbbad.

Nach diesen zwei Wochen fühlte sich der Kranke frischer, kräftiger und wohler, aber das Abweichen (Durchfall) blieb. In der dritten Woche bekam er:

1. täglich ein vierfach zusammengelegtes Tuch (Aufschläger), in Wasser und etwas Essig getaucht, auf den Unterleib, 1,5 bis 2 Stunden lang

2. den einen Tag Oberguß und Schenkelguß

3. den andern Tag Halbbad und Oberguß.

Nach dieser Woche hatte sich der Stuhlgang vollständig geändert. Eine weitere Woche:

1. jeden Tag ein Halbbad
2. jeden zweiten Tag ein Tuch auf den Unterleib wie oben (Aufschläger).

Zur weiteren Erhaltung der Kraft und Gesundheit reichten aus:

in der Woche zwei Halbbäder und ein- bis zweimal ein wie oben beschriebener nasser Umschlag auf den Unterleib (Aufschläger).

Zum innerlichen Gebrauch wurden verwendet:

a. Wermuthtropfen
b. Wachholderbeeren, im Wechsel.

Es könnte Mancher fragen, warum gerade diese Reihenfolge in den Anwendungen eingehalten wurde. Darauf ist zu erwidern:

Die Anwendungen in der ersten Woche suchen den Körper, oben und unten angefangen, zu kräftigen; die der zweiten Woche stärkten, wie den Körper im Allgemeinen, so die Organe im Inneren; die der dritten Woche wirkten hauptsächlich auf die Kräftigung des Magens und der Gedärme.

Auf diese Weise wurde der ganze Körper ausgebessert. Die Anwendungen der vierten Woche umfaßten den ganzen Organismus in allen seinen Theilen, und so ist die Ausheilung auch bei diesem Körper gelungen. - Was innerlich gebraucht wurde, ist theils zur Aufbesserung der Verdauung, theils zur Kräftigung der inneren Organe geschehen.

Darmleiden     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Ein Priester, 45 Jahre alt, gibt an: "Seit mehr als 25 Jahren leide ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung und einige Jahre auch an Magenbeschwerden. Vor circa acht Jahren machte ich eine Kaltwasserkur durch. Dieselbe besserte wohl meinen Magen, aber die Verstopfung blieb. Im Jahre 1885 trat auch Nierenleiden mit überschüssiger Harnsäurebildung und Griesbildung ein, wogegen mir der Arzt eine Traubenkur und nach dieser eine zehntägige Kur mit Glaubersalz verordnete, welche Kuren jedoch einen recht heftigen Dickdarmkatarrh zur Folge hatten. Nachdem ich mich allen möglichen Kuren vergeblich unterzogen hatte, wurde nur erklärt, mein Leiden sei unheilbar und könne wohl gelindert, aber nicht geheilt werden. Es quälten mich Schlaflosigkeit, Mangel an Appetit, Müdigkeit, Schwere in den Beinen, Unlust zur Arbeit, Schmerz und Druck in der Nierengegend und hochgradige Stuhlverhaltung mit Ausblähung und Spannung des Unterleibes; die Füße waren stets kalt, der Kopf heiß, der übrige Körper leicht und stark schwitzend. - In diesem Zustande entschloß ich mich nun doch zum kalten Wasser, vor welchem man mich so sehr gewarnt hatten. Dem Herrn wurde Folgendes verordnet:

Täglich ein Oberguß, ein Rückenguß, ein Sitzbad; dazu je nach Bedarf ein Halbbad, Knieguß, im Wasser gehen. Am durchgreifendsten aber hat der spanische Mantel gewirkt, der ihm ein lieber Freund geworden ist. Nach 12 wöchentlichem Kurgebrauche kam die Verdauung vollkommen in Ordnung ohne besondere Diät; der Ernährungszustand wurde vorzüglich, das Körpergewicht hatte um 13 Pfund zugenommen.

Diphtheritis (Hals- und Kehlkopferkrankung)    Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Wer überfallen wird von Diphtheritis, muß bemüht sein: 1. die angehäuften Krankheitsstoffe sobald wie möglich zu lösen, 2. Auf die ganze Natur einzuwirken, daß die ungeregelte Strömung des Blutes und der Säfte, welche der Barometer des Fiebers anzeigt, zur Ordnung komme. Man lasse einen solchen Kranken zuerst einen Kopfdampf nehmen und nach je 20 bis 24 Minuten den ganzen Körper waschen. Nach 6 bis 8 Stunden soll er einen Shawl überlegen, 1,5 Stunden lang, nach jeder halben Stunde denselben von Neuem in frisches Wasser eintauchend. Dann nehme der Kranke einen Fußdampf, gleich darauf ein Halbbad (ganz kalt) mit Waschung des Oberkörpers. In höchstens einer Minute kann das Halbbad und die Waschung vollendet sein. Es folgt von Neuem der Shawl, 1,5 Stunden lang anzulegen, wie oben angegeben. Sind diese Anwendungen vorgenommen, so wiederhole man sie von vorne, auf jeden halben Tag eine derselben vertheilend. Der Kranke gurgle nebenher fleißig mit Zinnkrautthee, täglich zum mindesten vier- bis fünfmal. Das garstige Uebel wird sich in Bälde heben.

Alle die genannten Anwendungen sind so schuldlos, daß sie nie schaden können.

Hat der Kranke (es ist dieß eine allgemeine Regel) zur Nachtzeit Ruhe, tritt Schlaf ein, so soll man denselben ja nicht stören. Denn eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen selbst um so bessere Erfolge erzielen. Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß, wenn während irgend einer Anwendung, die das Bett vorschreibt, ein Kranker in Schlaf kömmt, man denselben nie wecken soll. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung gethan, so wacht der Kranke regelmäßig von selber auf.

Ein Vater kommt und erzählt: "Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr athmen. Es ist voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein nasses Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser. Was soll ich thun, damit das Kind mir nicht ersticke?" Der Jammer des bekümmerten Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn zum Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr auf Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen! Jede halbe Stunde wurde wahrend eines Tages Rücken, Brust und Unterleib mit kaltem Wasser gut gewaschen. Da die entsetzliche Fieberhitze nicht weichen wollte, kam auf den Unterleib nichts weiter als ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch. Die Hitze mußte brechen. Am folgenden Tage kommt der Vater wieder und erzählt: "Das Kind ist bereits im Stande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes schwellen die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an. Das Reden ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die Kleine wieder reden kann." Der Vater wurde angewiesen, rechts und links am Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das mit Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach jeder halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit fort, so oft die Hitze zu steigen begann.

Gurgelungen mit Thee von Foenum graecum = Bockshornklee (ein Kaffeelöffel Foenum graecum in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im Bette sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche Wirkung. Thee der Malve, der Schafgarbe, des Wollkrautes würden dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die innerliche Hitze auffallend schnell.

Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten Gesundheit.

Emphysem (Luftansammlung) der Lungen     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Als Emphysem wird in der Medizin ein übermäßiges oder an ungewohnter Stelle aufgetretenes Vorkommen von Luft bezeichnet. Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.

Gewöhnlich sind solche Leute ziemlich korpulent, und die Lebensweise hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen. Hauptgrund des Uebels ist gewöhnlich, daß der Organismus an allgemeiner Schwäche leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und in Folge der Unthätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so stattfindet, wie sie für den Körper nothwendig wäre. Ich möchte solche Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt, die gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie gestellt werden. Ein weiterer Grund sind fast regelmäßig die Gase, welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die Organe des Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt allseitige Beengung ein.

Das Uebel wird gehoben einmal dadurch, daß die Gase aus dem Körper verbannt werden, und dadurch, daß der ganze Körper abgehärtet und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften Kost gekräftigt wird. Meine mehr als 35 jährige Erfahrung belehrte mich, daß gerade bei diesem Leiden die Bright'sche Krankheit (Nierenentzündung) leicht die Oberhand gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch diese Krankheit vollends ausgelöst, aufgerieben wird. Ein Herr, ziemlich korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von Zeit zu Zeit solche Erstickungsanfälle, daß er der Ueberzeugung lebt - der Arzt bestätigte ihm dieselbe, er werde, wenn der Anfall noch zweimal wiederkehre, unterliegen. Die Athemnoth war so groß, daß der Kranke, resp. sein Nach-Athem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses gehört wurde. Oft meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerz und Todesangst an den Wänden hinauf. Diese Athemnoth dauerte bei jedem Anfalle ziemlich lange und erschöpfte den Körper also, daß er sich jedesmal darnach ganz krank fühlte. Hatte er sich in Kurzem wieder erholt, so fühlte er sich gesund und frisch. Die Anfälle blieben oft einige Tage aus, um so mehr aber steigerte sich ihre Heftigkeit.

Der genannte Herr besaß die größte Wasserscheu und konnte sich zur Wasserkur erst dann entschließen, als ihm keine andere Hilfe mehr blühte. Sechs Wochen hindurch gebrauchte er verschiedene Anwendungen. Die Heilung war eine so vollständige, daß die Anfälle niemals wiederkehrten und der Herr sich stets - es sind heute ungefähr 21 Jahre her - der besten Gesundheit erfreute.

Der Patient nahm mehrere Tage hindurch einen Thee von Dornschlehblüthen, der einen recht gelinden, aber ergiebigen Stuhlgang beförderte; dann gebrauchte er den kurzen Wickel, Ober- und Unteraufschläger und zuletzt Halb- und Ganzbäder von der Dauer einer Minute. Unter den Anwendungen that auch der spanische Mantel gute Dienste. Am wirksamsten erwiesen sie sich in folgender Ordnung:

Erst der kurze Wickel; er beginnt die Gase auszutreiben und die Ursache der Gase zu lösen; sodann der Ober- und Unteraufschläger, eine Fortsetzung der ersten Anwendung, zugleich auf Kräftigung abzielend; im Weiteren der spanische Mantel; dieser leitet die verlegenen Stoffe aus der Haut; endlich Halbbäder, welche den Organismus starken.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Athemnoth, daß die Aerzte erklärten, es habe sich die Herzwassersucht angesetzt. Dieser Herr war, wenn auch gut genährt, nicht besonders korpulent; gleichwohl konnte er nur mit größter Anstrengung eine Stiege steigen. Appetit war fast gar nicht vorhanden, der Schlaf recht unruhig; niemals war der Herr ohne Angst und Furcht. In seinem Berufe hatte der Patient früher reichliche Bewegung gehabt; später kam er in eine Kanzlei, und dieses sitzende, unthätige Leben brachte ihn nach und nach in den eben beschriebenen peinlichen Zustand.

Zur Heilung reichten ganz wenige und leichte Anwendungen von Wasser aus. Dieselben helfen auch jetzt noch, sobald das Uebel sich von neuem zeigen will. Es hat sich seit zwölf Jahren öftere gemeldet, ist aber jedesmal schnell wieder beseitigt worden. Zu den Wasseranwendungen gebrauchte der Herr noch Thee, den er wegen seiner trefflichen Wirkung lieb gewonnen hat. Dieser Thee besorgt lediglich einen geregelten Stuhlgang und die Ausleitung der Gase aus dem Magen, erspart zugleich zahlreichere und stärkere Wasseranwendungen, die der Herr fürchtet, und zu denen manchmal die Zeit fehlt. Der Thee ist der gelinde Wühlhuber, und die Anwendungen sind folgende: Erschien das Leiden in einem niedrigen Grade, so reichte auch, dreimal in der Woche einen Unteraufschläger zu nehmen, jeden Morgen beim Ausstehen Rücken , Brust und Unterleib kräftig zu waschen. Trat das Uebel etwas stärker auf, so gebrauchte der Herr den kurzen Wickel oder auch ein Halbbad. Mit diesen Uebungen wurden verbunden Waschungen zur Nachtzeit, die stets gute Dienste thaten.

Es ist sonderbar, und oft staune ich, wenn man gegen solche Zustände die stärksten Mittel gebraucht, Mittel, welche für die Gesundheit niemals gute Folgen haben können; selbst mit Giften traktirt man leider nur allzu oft die armen Geplagten.

Letzteres insbesondere blieb und bleibt mir ein bis heute ungelöstes Räthsel. Ich muß mir stets Gewalt anthun, um die innere Ruhe zu bewahren.

Ein anderer Fall von Emphysem:

Ein Pfarrer bekam Lungenentzündung in hohem Grade, nach dieser Lungenemphysem (Lungenerweiterung, Lungenblähung), und kam mit solchem Husten, daß er kaum anzuhören war. Das Aussehen war recht krank, Appetit wenig, die Kräfte im Abnehmen. Die Lunge wurde von den Aerzten noch als heilbar erklärt.

Die Anwendungen waren folgende: Vierzehn Tage hindurch:

1) jeden Tag zwei Obergüsse
2) jeden Tag zweimal im Wasser gehen drei bis fünf Minuten lang
3) dreimal wöchentlich ein Shawl
4) jeden zweiten Tag ein kaltes Sitzbad eine Minute lang.

Einzunehmen bekam der Kranke Absud von Foeunum graecum mit Honig gekocht, womöglich jede Stunde einen Löffel voll.

Die Wirkung war: die Aufgüsse (Obergüsse) kräftigten den oberen Körper. Der Husten wurde anfangs noch stärker, Schleim ging jedoch sehr viel heraus. Nach drei Tagen verminderte sich Husten und Auswurf, und in zwölf Tagen war nur mehr ein kleiner Rest von Verschleimung übrig. - Dieser wurde beseitiget durch weitere Anwendungen von Oberguß, Knieguß und Thee von Brennnesseln und Spitzwegerich. Nach etwa drei Wochen trat vollkommene Besserung ein.

Entkräftung     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Ein Schmiedmeister, 46 Iahre alt, kommt und klagt: "Meine Hände haben seit etwa zwei Jahren so an Kraft abgenommen, daß ich mit dem Hammer nicht mehr zurechtzukommen weiß. Wie meine Arme zwei Drittel der Kraft verloren haben, so sind dieselben auch um mehr als die Hälfte dünner geworden; sonst wäre ich ziemlich gesund. Nur fühle ich seit einem halben Jahre auch meine Füße viel schwacher werden und daß sie besonders gegen Abend wehe thun. Der Appetit ist ziemlich gut, jedoch nicht wie früher. Auf meinem Rücken, am oberen Kreuz merke ich oft eine gewaltige Spannung."

An den mageren Händen sieht man nur mit Mühe, wo die Adern sind; man erkennt leicht, die Arme werden nicht genährt, daher die Schwäche, Steifheit und Kälte. Blutanstauungen im Nacken und in dessen Umgebung mögen die Ursache sein, daß das Blut nicht nach allen Richtungen hin gelangen kann.

Der Schmied hielt vierzehn Tage hindurch täglich einmal die ganzen Arme in ein warmes  Heublumenbad eine halbe Stunde lang und einmal zu anderer Tageszeit zwei Minuten in kaltes Wasser; dazu kam wöchentlich dreimal der Shawl. Schon während dieser Kur wurden die Arme fester, die Adern schwollen an, die Anstauungen wurden aufgelöst. Nach 14 Tagen wurde täglich ein Ober- und Unterguß, in der Woche zweimal ein warmes Heublumenbad und zweimal ein Kaltwasserbad für die Arme genommen. Der Mann fuhr damit fort und wurde wieder fähig zu seinem Beruf. Innerlich gebrauchte er wahrend der Kur täglich zwanzig Wermuthtropfen in warmem Wasser.

Entzündungen (Hals, Lunge, Unterleib, u.a.)     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Ein Knabe, der kaum recht gehen konnte, sieht, wie die Mutter Licht gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein Hölzchen zu erwischen; er will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der kleine Uebelthäter zündet mit dem Streichhölzchen ein mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt ab und Alles, was darinnen ist.

Wie viele tausend Menschen liegen auf den Gottesäckern, bei denen sich gleichsam so ein kleiner Funken krankhaften Stoffes im Körper entzündet hat; der Funken wurde zur Flamme. Von allen Seiten drang das Blut zur entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es goß Oel in die Flamme, und die Flamme wurde zum großen Feuer. Es waren vielleicht nicht die richtigen Anstalten zum Löschen getroffen worden, und die armselige Hütte der menschlichen Seele brannte elendiglich zusammen. Tausende von Thieren gehen jährlich so zu Grunde. Abertausende von Menschen ereilt ein gleiches Schicksal. Wie schnell geht das oft! Dein Hals hat an einer Stelle Feuer gefangen, er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes Lüftchen und thut Blasbalgdienste; es bläst das Feuerchen an, die Adern liefern neuen Brandstoff, und in wenigen Stunden steht der Hals in Brand. Ist's nicht so? Was thun? Was thun die Leute, wenn's brennt? Sie schreien Feurio und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann entfernen sie, wenn es Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile Alles, was dem Feuer nur Futter sein kann, und spritzen dann darauf los, bis der Feuersnoth oft die Wassernoth folgt. Diesen Wink wollen wir verstehen und ausnützen.

Wenn irgend eine Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald, das auf diese Stelle zuströmende Blut, zurückzuleiten. Man rette das noch nicht entzündete Blut. Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle ein, damit das zusammengeströmte Blut möglichst vertheilt und abgeleitet werde.

Unlängst ging Nachts, als ich eben einschlafen wollte, das Holz im Ofen an. "Fatale Geschichte!" dachte ich; "bis dieser Scheiterhaufen abgebrannt ist und ausgeknittert und ausgeprasselt hat, geht die halbe Nachtruhe hin." Mein Nachbar war gescheidter. "Nicht das Knistern, meine Ruhe will ich habend, murmelte er. Und was that er? Er nahm Scheit für Scheit, ob's flammte, ob's schon knisterte, heraus. Und aus war alles Feuer. Das ist doch klar.

Doch nun zurück zur Halsentzündung! Greif einmal die Füße an und fühle, ob sie nicht vielleicht eiskalt sind! Manchmal trifft dieses zu. Wo mehr Wärme ist, entstehe sie, wo sie wollen strömt mehr Blut zu. Das Blut in den Füßen ist gleichsam davon - und dem Brande im Halse zugeeilt. Wickle die Füße ein in linnene Lappen, die in mit etwas Essig vermischtes Wasser eingetaucht sind! Bald schon wirst du große Wärme verspüren. Der Fußwickel zieht das Blut nach unten, und etwas Brennstoff ist dem Feuer schon genommen. Suche sodann das Blut weiter abzuleiten in den Unterleib! Dieses geschieht durch Auflegen eines größeren, in derselben Weise durchnetzten Tuches auf den Unterleib. Sollte es recht heiß werden, so tauche es von Neuem ein in kaltes Wasser, und zwar so oft als die Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr Brennstoff als durch die erste Anwendung (Fußwickel) wird durch diese zweite (Oberaufschläger) dem gefährdeten Halse entzogen. Und nun kannst du den Hals selbst angreifen, den eigentlichen Feuerherd. Tauche ein Tuch in's kälteste Wasser und binde es um (Halswickel); laß das Tuch aber nicht zu heiß werden; erneuere vielmehr dessen Eintauchen, so oft es recht warm wird!

Lassest du es heiß werden, so entwickelt sich auch am und im Halse wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Theil abgeleitet ist oder noch vollends abgeleitet werden soll, strömt von Neuem dem Halse zu und droht die Entzündung frisch anzufachen. Wer diesen letzten Punkt, über den schon so viel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird nach kurzer Praxis bald sein eigener bester Wärter. Er fühlt am besten, wo Hitze weggetrieben, wann der Ausschlag oder Wickel erneuert werden soll. Darnach applizirt und wiederholt er die Wasseranwendungen. Der Hitzegrad wird ihm der Zeiger an der Uhr; zeigt jener auf Null, d. h. ist das Feuer gedämpft, so läßt er den Körper in Ruhe; zeigt er auf geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt das Feuer zu, so eilt er ohne Säumen neuerdings zur Feuerspritze.

Entzündung edler Körperteile: Lungen-, Brustfell-, Bauchfell- und Unterleibs-Entzündung.

Margaretha liegt zu Bett. Sie hat heftigen, trockenen Husten, verbunden mit viel Brechreiz, und von Stunde zu Stunde nimmt die Hitze zu. Gewaltiges Stechen und Brennen peinigt die Brust und die eine Seite. Der Arzt erklärt, es sei eine LungenEntzündung im Anzug. Wie kann der Kranken geholfen werden? Jedes Kind weiß, daß ein Schwamm ungemein viel Wasser einsaugen und behalten kann. Sollte es nicht auch Mittel geben, welche, wie der Schwamm das Wasser, die Hitze an sich ziehen, gleichsam einsaugen und behalten? Ja, es gibt solche Mittel, und sie liegen nicht ferne. Jede Bauersfrau bei uns auf dem Lande kennt den Topfenkäs. Anderwärts nennt man ihn Zieger (Ziger ist eine Masse, die sich beim Erhitzen von saurer Molke abscheidet. Ziger kann als Brotaufstrich verwendet werden. Eventuell im Käsegeschäft kaufen.); er wird gewonnen aus der geronnenen (gestockten) Milch. Solchen Topfenkäs rührt man mit Topfenwasser zu einer feinen Salbe an, streicht ihn etwas mehr als messerdick auf Leinwand und legt das Pflaster auf die stechende oder brennende Stelle, an der das Feuer der Lungenentzündung um sich greifen will. Ich kenne kein Mittel, welches mehr Hitze an- und einzuziehen im Stande ist. Die stärksten Hitzen habe ich so dämmen und ganz auslöschen sehen, wenn man täglich zwei- bis viermal, je nach dem Grade der Hitze, so ein Pflaster auflegte. Viele kenne ich, die hauptsächlich bei Lungenentzündung ihr Leben allein dieser so einfachen Auflage verdanken.

Innerlich soll der Kranke jeden halben Tag zur Kühlung einen Löffel voll Salatöl einnehmen.

Reichen diese zwei Mittel nicht aus, d. h. sollte die Hitze noch groß bleiben, so können Wasseranwendungen folgen. Man wickle den ganzen Körper des Kranken von unter den Armen an in ein naßkaltes Tuch ein (Unterwickel) und wiederhole dieses täglich zweimal. Von der jedesmal notwendigen Umhüllung spreche ich nicht mehr. Man sehe vorn nach bei der Beschreibung der Anwendungen. Oder man umwinde beide Füße bis über die Knöchel mit in Wasser (eine kleine Beimischung von Essig kann nur gut sein) getauchten Tüchern (Fußwickel) und erneuere das Eintauchen so oft, als die Tücher recht heiß werden. Statt der Tücher kann man auch nasse Socken anziehen, darüber als Umhüllung trockene.

Wendet die kranke Margaretha 3 bis 5 Tage das Pflaster an, gleich beim Beginn der Krankheit, so kann sie in 6 bis 7 Tagen, längstens in 9 bis 10 Tagen wieder gesund sein.

Wie die Lungen sich entzünden, ebenso können auch andere edle Theile des Körpers entzündet werden. Wir sprechen von Brustfell-, Bauchfell-, Unterleibs- und anderen Entzündungen. Bei allen gelten dieselben eben berührten, allgemeinen Grundsätze und dasselbe Heilverfahren: Vertheilung, d. i. Ableitung des Blutes, Kühlung der entzündeten Stelle, d. h. Entziehung der Hitze durch Einwirken von Kälte.

Mitternachts wurde ich einst zu einem Kranken gerufen. Er wußte nicht mehr zu athmen. Husten und Brechreiz waren groß. In der Brust, besonders auf der einen Seite - so klagte er - gehe es zu, wie wenn man sie mit Messern durchsteche; der ganze Körper glühe schrecklich. Ich providirte den Kranken nicht, wie die Angehörigen baten, und bereitete ihn nicht zum Tode vor. Aber ich ließ ihn von unter den Armen an in nasse Tücher einwickeln (Unterwickel) und auf die schmerzende Stelle ein Topfenpflaster (siehe: Topfenkäs) auflegen. Zum Einnehmen erhielt er einen Löffel Salatöl. Das that wohl. 6 Tage wurde so fortgefahren, und der Todkranke war außer Gefahr.

Stirbt Jemand an der Lungen- oder an einer anderen inneren Entzündung, was ist da im Innern vor sich gegangen, wie haben wir uns dieses vorzustellen? Im Aeußeren spiegelt sich das Innere. Du hast sicherlich schon hie und da bei Anderen kleine Geschwüre gesehen - man nennt sie Karbunkel - oder solche an einem Arm, Fuß, einer Hand oder aus deinem Rücken, Magen, deiner Brust u.s.w. vielleicht schon selbst empfunden. Wie entwickeln sich diese? Wenn sich so ein Geschwür irgendwo bildet, entsteht an der Stelle erst eine Röthe, und man fühlt im Inneren ein Brennen. Die Geschwulst nimmt zu, und nach einiger Zeit bemerkt man an jedem dieser spitzen Kegel, seien sie groß oder klein, einen erhöhten weißen Punkt. Man sagt: das Geschwür ist reif, zeitig, und schneidet es aus oder drückt es aus. Es kommt Eiter heraus und mit und nach dem Eiter in Fäulniß geratenes Blut. Gut ist's!

So ein kleines "Blutschwär" (Blutgeschwür), wie es die Landleute nennen, verursacht meistens große Schmerzen, nicht allein an der Hand, am Fuß u.s.w., wo es sich ansetzt. Man "spürt's in allen Gliedern", der "ganze Körper thut weh". Das ist der deutlichste Beweis, daß der ganze Körper selbst bei solchen unscheinbaren Uebeln in Mitleidenschaft gezogen wird, so daß folgerichtig es dem ganzen Körper zu gut kommt, wenn derlei Dinge gut ausheilen, und daß er leidet, und daß es sich rächt, wenn sie vernachlässiget werden.

Kommt ein derartiges größeres Geschwür nicht zur Entwicklung, zum Aufbrechen, "will's" nach dem Volksmund "nicht heraus," so färbt sich nach und nach die kranke Stelle blau und rothbraun. Das Blut steht ab, und das abgestandene Blut wird und wirkt giftartig. Ein Biß der unheimlichen Klapperschlange, ein Tropfen Schlangengift in's Blut, und nach einigen Minuten tritt der Tod ein. Solches Blut ist Gift. Mischt es sich mit gesundem Blute, so vergiftet es auch dieses, es beginnt eine Blutvergiftung. Kann sie nicht ausgehalten werden, so endet sie stets mit dem Tod. Nicht anders haben wir uns den Prozeß im Inneren zu denken. Die Vergiftung vollzieht an edlen Organen ihr Werk nur schneller und wüthet unheilvoller und schrecklicher. "Er unterlag einer Blutvergiftung," wie die heutige Sprache sich ausdrückt, oder: "er ist am Brand gestorben," wie die alten und gemeinen Leute sagen - das sind beides nur verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache.

Martin, ein schöner, starker Mann, bekommt heftiges Fieber. Zuerst schüttelt ihn entsetzlicher Frost. Dann quält ihn brennende Hitze. Der Kopf ist so heiß, daß der Arzt auf eine Gehirnentzündung schließt. Das ganze Innere steht in Flammen; diese schlagen durch den glühenden Athem gleichsam zum Munde heraus, oder besser: wie die innere Gluth den Holzhaufen verbrennt, so arbeitet die Glühhitze schrecklich, die inneren Organe in raschem Tempo zu verkohlen. Die Vorboten des Uebels waren Kopfweh, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Frost. Außer dem Fieber aber fühlt der Kranke jetzt an keiner einzelnen Stelle besonderen Schmerz. Nach 10 Tagen war der Mann eine Leiche, und beim Seciren stellte es sich heraus, daß das Gehirn intakt, unverletzt, daß der Arme vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben war.

"Wie hätten Sie diesen Fall behandelt?" fragte man mich. Zuerst eine Vorbemerkung. Dieser Fall zeigt sonnenklar, wie leicht die Diagnose (die Kunst, nach den Erscheinungen die Krankheit zu unterscheiden und zu finden) täuschen kann. Bei Lungenentzündung ist fast regelmäßig Stechen, Brennen in der Lungengegend, Husten und Brechreiz vorhanden. Unser Kranker fühlte davon nichts. Wie hart thut in derlei Fällen - vielleicht komme ich später einmal in die Lage, davon Mehreres zu sagen - der Allopath (Schulmediziner)! Und wohlgemerkt, es ist oft die höchste Zeit, die Feuersbrunst hat schon große Dimensionen (Ausdehnungen) angenommen. Die Feuerspritze darf das Feuer nicht verfehlen, sonst ist's geschehen. Auch tropfen- und löffelweise kann ich da nicht mehr zu Werke gehen, die Tropfen zehrt das Feuer augenblicklich auf. Mein einfacher Grundsatz in solchen verzweifelten Fällen - und es wird ihn wohl Niemand anfechten - heißt: Wenn's brennt, so lösche; lösche zuerst, wo es am meisten brennt; ist der ganze Körper ein Brand, so lösche auch am ganzen Körper! Vielleicht wirst du Herr des ganzen Feuers; jedenfalls schwächst du es und hast zu weiterer Ueberlegung Ruhe und ein freies Ausschnaufen.

Dem Kranken hätte ich während 3 bis 4 Stunden jede halbe Stunde Rücken, Brust und Unterleib waschen lassen. Die Wuth des Feuers wäre so um Vieles gedämpft worden. Dann hätte ich weiter gelöscht mit Ober- und Unteraufschlägern - die Unteraufschläger zum Daraufliegen recht dick (mehrfach zusammengelegt) - und mit nassen Socken oder Tüchern (siehe: Fußwickel) bis über die Knöchel, letztere nach jeder Stunde neu eintauchend. Hatte der Kranke sonst gesunde Lungen, - und mir scheint Solches der Fall zu sein, wenn es im höchsten Stadium der Lungenentzündung keine Schmerzen fühlt, - so sollte er menschlich gesprochen, d. h. wenn Gott in seinen ewigen Ratschlüssen nicht anders bestimmt hat, gerettet werden.

Epilepsie     Krankheiten C - E     Inhaltsverzeichnis

Derart Heimgesuchte lasse ich nie berichten. Ich frage sie nur, wie lange sie dieses Uebel schon haben, ob sie den Anfall, die Vorzeichen desselben jedesmal bemerken, wie alt sie seien, ob die Geisteskräfte noch frisch oder schon tief heruntergekommen seien.

Nach meiner Ueberzeugung hat auch diese Krankheit ihren Hauptsitz im Blut, sei es nun Blutarmuth, krankhaftes, verdorbenes Blut oder ungeregelter Blutlauf. Meine Ansicht wird unterstützt durch die oft sich wiederholende Thatsache, daß hervorgelockte Ausschläge, gleichsam die Niederschläge, die Ausdünstungen des Blutes, solchen Kranken stets dauernde und sichere Hilfe gebracht haben, daß ferner sogenannte Unheilbare stets durch Aufgedunsenheit, blaue Farbe (das sind Anstauungen von verdorbenem Blute) sich kenntlich machen.

Lauten die Antworten auf sämmtliche Fragen günstig, was in der Regel bei jungen Leuten im Alter von 8 bis 20 Jahren bei mir zutraf, so betrachtete ich das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als krampfhafte Zustände, anschließend an den Veitstanz (anderer Ausdruck für Epilepsie), und als heilbar. Recht Vielen konnte ich Hilfe bringen, selbst Solchen, welche das Uebel von den Eltern geerbt hatten.

Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen verneint (Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Uebel alt und mehr oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen, von mir nie etwas zu erwarten.

Nach diesen Grundsätzen richtete ich jederzeit die Behandlungsweise ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des Blutumlaufes abzielte. Ich suchte die Kranken vor Allem zur Abhärtung anzuleiten, besonders zu recht fleißigem Barfußgehen. Zur Sommerszeit ließ ich dieselben zuweilen ein kaltes Bad nehmen, nie länger als eine Minute; zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten dauernd) etwas erwärmt. Dazu kam in der Woche einmal ein nasses Hemd, in Salzwasser getaucht.

Die durch letztere Anwendung oft zu Tage geförderten Ausschläge werden behandelt nach den an eigener Stelle (siehe Ausschläge) angegebenen Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache, vernünftige, nicht verweichlichende Kleidung zu gewöhnen, die Mädchen insbesondere, das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und krankmachende Einschnüren aufzugeben. Das tägliche Brod, das Essen, sei einfach. Alle geistigen Getränke, wie Wein, Bier, Kaffe u.s.w. müssen sorgfältigst gemieden werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder Kraftleistungen, sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft angepaßt sind.

Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Fieber
Flechten
Fuß-Geschwüre
Fuß-Leiden
Fußleiden, anderes
Geburten
Gehirnentzündung
Gehirnleiden, schweres
Geisteskrankheit
Gelbsucht
Gelenkrheumatismus, chronischer
Gemüthsleiden
Geschwüre
Gesichtsrose
Gicht
Gries- und Steinleiden

Fieber     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Anton kommt in's Zimmer und erzählt: "Ich bin nur mit Mühe noch über diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich bin schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und bin bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich ein Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es schon einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so, daß ich nichts mehr thun kann."

Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich in's Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen, legen Sie sich wieder in's Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen Sie sich wieder!

Anton kommt am dritten Tage und berichtet: "Mir ist's schon ziemlich leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und Hitze sind verschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will sich wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde." Anton hat fernerhin ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen und erfreute sich dann voller Gesundheit. Er ist circa 40 Jahre alt.

Flechten     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampyre verkriechen sich sehr gerne unter die Haare, auf den Rücken, die Brust u.s.w. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich wie Blutegel an die Arme, die Füße, besonders gern zwischen die Finger fest. Diese Ausschläge können ein Erbtheil sein, aber auch die Folgen schlechter Kost und schlechter Getränke, welche die Säfte ruiniren, nicht weniger die Folgen ungeordneter Lebensweise.

Sehr bedenklich und gefährlich ist's, diesen unsauberen Saft mit scharfen Mitteln, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben (grüne Seife u.s.w.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. A.), anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die ersten, ganz abgesehen von den Zerstörungen, welche scharfe, ätzende Mittel an und in der Haut anrichten. Als Regeln für die Heilung stelle ich folgende auf: Aeußerlich darf gar nichts angewendet werden als lauwarmes Wasser, um den Schmutz wegzuwaschen. Alles Übrige ist vom und zum Uebel.

Speise und Trank für solche Kranke seien leicht verdaulich, einfach, nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben und die vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und Gewürzte, alle geistigen Getränke werden so viel wie möglich vermieden. Es sind wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die eigentliche Wasserbehandlung sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage einen Kopfdampf nehmen und den spanischen Mantel anzielten, am zweiten Tage den Fußdampf und einen Unterwickel, am dritten Tage früh neuerdings den spanischen Mantel, Nachmittags den kurzen Wickel. Am vierten Tage sei Ruhetag! Den fünften Tag hüte er das Bett und wasche nach je zwei Stunden den ganzen Körper schnell kalt ab! Im Verhinderungsfalle soll er außer Bett die Waschung Morgens, Mittags und Abends vornehmen und sich darauf Bewegung machen oder an eine Handarbeit schreiten. Die Anwendungen lassen in dem Grade und in der Zahl nach, als die Flechtenbildung, d. i. das Ausschwitzen und Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen aufhört und die Neubildung der Haut fortschreitet.

Noch eine Bemerkung finde hier ihre Stelle. Die Unterscheidung der Flechten in nasse und trockene hat aus deren Behandlung, beziehungsweise auf das Heilverfahren keinen Einfluß. Ich denke mir: beide Bezeichnungen werden ein und dasselbe Ding ausdrücken. Die trockenen Flechten sind jene, die weniger stark fließen, so daß die Flüssigkeit auf der Oberfläche der Haut sofort als Kruste vertrocknet. Die nassen Flechten sind die stark fließenden; deßhalb lästiger, gefährlicher und schwerer zu heilen.

Die Folgen von zurückgedrängten Flechten (überhaupt kranker, giftiger Säfte) sind unberechenbar. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen, bereiten ein langsames Siechthum vor, das den Tod bringt oder, was noch schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.

Ein Theologe hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene runde Platte an der linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich dem Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde öffnete, nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das Gesicht des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Aerzte befragt und Vermiedenes angewendet, aber ohne Erfolg.

Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; die Sache sei von selbst gekommen. Jetzt schien Alles klar zu sein. Die blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrath benahmen den letzten Zweifel. Der Giftstoff kam aus dem Körper.

Noch vor 20 bis 25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen ließen), in welche der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte abführte, weßhalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat die kräftige Natur sich selbst eine solche Oeffnung gebohrt und mit dem passenden Deckel versehen.

Vierzehn Tage hindurch mußte der Kranke jeden zweiten Tag einen Kopfdampf nehmen, ebenso oft einen Fußdampf. Sodann kamen der kurze Wickel und der spanische Mantel zur Anwendung, so daß auf jeden Tag zwei, oft drei Anwendungen fielen. Thee von Salbei, Wermuth und Minzen half innerlich zu rascherem Erfolge mit. Unter der Kruste bildete sich schon bald ein zartes Häutchen, das sicherste Zeichen der vollendeten Auflösung und Ausleitung, d. i. der Heilung. Nach drei Wochen konnte man kaum mehr unterscheiden, auf welcher Wange die Kruste gesessen hatte.

Ein Mädchen, 25 Jahre alt, erzählt: "Ich habe am ganzen Kopfe einen starken Ausschlag, viele kleine Geschwüre unter den Haaren; meine Ohren sind voll großer Schuppen, und wenn sie von Zeit zu Zeit wegfallen, dann hat das Ohr keine Haut mehr.

Kopfweh habe ich von Zeit zu Zeit stark, manchmal gar nicht. Die Augen brennen wie Feuer, und meistens läuft schmieriges Wasser heraus. Durch die Nase kann ich schon längere Zeit gar nicht mehr athmen. An meinem ganzen Körper habe ich ein so heftiges Beißen und Brennen, daß es mich im Schlafe oft aufweckt.

Anwendung:

1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh (Haferstroh), 30 Grad, mit zweimaligem Wechsel; zuerst fünfzehn Minuten in's warme Bad, dann eine Minute in's kalte oder ganz mit kaltem Wasser waschen.

2) In der Woche zwei Kopfdämpfe, 20 bis 25 Minuten.

3) Zweimal in der Woche ganz waschen.

4) Täglich zweimal jedesmal 25 Wermuthtropfen in acht bis zehn Löffel voll Wasser einnehmen.

In vier Wochen waren die Flechten und die ungesunden Stoffe im ganzen Körper so ziemlich beseitigt, und zur weiteren Ausscheidung und Kräftigung reichte aus, noch vierzehn Tage lang dieselben Anwendungen halb so oft vorzunehmen. (Siehe Kopfflechten.)

Ein ziemlich gut beleibter Gewerbsmann, circa 40 jahre alt, erzählt:
"Ich habe an den Vorderarmen und Händen, die Finger ausgenommen, seit zwei Jahren starke Flechten, auch an den Schenkeln, sowie Flecken auf Rücken und Brust und kann deßhalb oft Nächte hindurch höchstens ein bis zwei Stunden schlafen. Sonst habe ich guten Appetit und Kraft."

Die Anwendungen sind folgende:

1) In jeder Nacht ganz waschen.

2) In der Woche zwei warme Bäder von Haberstrohabsud (Haferstrohabsud), eine halbe Stunde lang, 28° Reaumur = 35° Celsius, nach je vierzehn Minuten ganz waschen und auch am Schluß des Bades.

3) Jeden Tag ein Oberguß und unmittelbar darauf ein Knieguß; dazu täglich zwei Messerspitzen voll weißes Pulver.

Nach vier Wochen kam der Mann vollkommen gesund zurück; um aber vorzubeugen, daß das Uebel nicht mit der Zeit wiederkehren würde, mußte derselbe in jeder Woche sich zweimal in der Nacht ganz waschen und in jedem Monat ein oben genanntes Bad nehmen (Haberstrohbad = Haferstrohbad). Dazu erklärte er: "Wenn diese Anwendungen auch nicht notwendig sind, so werde ich sie doch vornehmen, um bei meiner dadurch gewonnenen Kraft und Frische zu bleiben."

Fuß-Geschwüre     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Ein armer Taglöhner hatte viele Monate hindurch einen offenen Fuß, an welchem eine Oeffnung war so lang wie ein Finger und drei Finger breit. Dieser Mann, noch in den schönsten Jahren, hatte fast immer große Schmerzen und konnte nur selten einige Stunden schlafen. Sein Ansehen war recht krank und aller Muth verschwunden. Dem Patienten gab ich den Rath, er solle auf die wunden Stellen gekochtes Foenum graecum auf Flecken ausgestrichen, wie ein Pflaster auflegen, darüberher den ganzen Fuß von über dem Knöchel bis über die Waden mit frischen Huflattichblättern umlegen und darüber die Strümpfe anziehen. Jeden Morgen und jeden Abend mußte er Pflaster und Blätter frisch umwinden und vom Foenum graecum Zu Thee gesotten, nach je zwei Stunden zwei Löffel voll einnehmen. Dabei konnte er seinem Geschäften ohne Unterbrechung nachgehen. In vierzehn Tagen nach diesen Anwendungen waren zwei Drittheile dieser Wunde schon geheilt. Der Mann sah ganz gesund und frisch aus, hatte keine Schmerzen mehr und konnte gut schlafen. Drei Wochen später war der Fuß vollkommen geheilt. Zum Einnehmen des Foenum graecum wird ein kleiner Löffel voll in ungefähr einem Schoppen Wasser eine Minute lang gesotten, dann abgegossen und so löffelweise, wie bemerkt, eingenommen. Es nimmt die innere Hitze und wirkt heilend von innen heraus.

Fuß-Leiden     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Ein Beamter klagt über einen lange schon offenen Fuß, der ihm im Berufe recht hinderlich sei. "Die Wunde unten an der Wade," so erzählt er, "ist bedeutend, und es fließt täglich viel Unrath aus derselben; schrecklicher noch als die Wunde und Entzündung kommt mir vor die Farbe des Fußes. Derselbe ist um und um schwarzblau. Aerzte befragte ich mehrere. Neben Anderem ließen sie mich viel Mineralwasser trinken. Alles vergebens!"

Der Mann, gegen 45 Jahre zählend, zeigt kräftigen Körperbau, etwas Anlage zur Korpulenz. Das Aussehen ist ziemlich geröthet; ich erkannte sofort den Tierfreund. Die Augenwinkel waren trüb, die Augen selbst etwas gelb, die Ohren hochroth. Aus die Frage, ob er sich sonst gesund fühle, entgegnete er: „Mir fehlt gar nichts, ich habe den besten Appetit, ein Trinker bin ich nicht; es schmecken mir täglich meine zwei bis drei Glas Bier recht gut. Mein Leiden ist ein rein lokales, eines der so häufigen Fußleiden."

Alle derartigen Kranken - eine Ausnahme ist so selten wie ein weißer Rabe - klagen stets nur über die wehthuende oder fließende Stelle und halten dafür, diese müsse zuheilen und so gesunden. Das umgekehrte Verfahren indessen ist das richtige. Erst muß man den Körper heilen, erst alle unreinen Säfte aus ihm entfernen, und die Mündung der Kloake, die Fußwunde heilt dann von selbst zu. In der That existirt nach meinem Dafürhalten keine verderblichere Blindheit und keine schädlichere Thorheit, als einen Fleck, eine Oeffnung heilen, eine Pforte verschließen zu wollen, durch welche der kranke Körper sich oft allein noch retten kann. In den Bergen sammeln sich die Wasser; sie brechen durch, und es fließt ein kristallheller Quell. Aehnlich geht es in manchem Körper zu; es strömen die ungesunden Säfte nach einer Stelle hin und drängen und treiben, bis ein Durchbruch geschehen ist.

Die Natur selbst zeigt an, wie sie sich helfen kann und will. Wir binden ihr sozusagen Hände und Füße, verstopfen und versalben ihr die Rettungswege. Wenn da das Ende Untergang und Verderben der Natur, des Körpers ist, wer will sich wundern?

Dem Beamten rieth ich, er solle vierzehn Tage lang täglich einen Unterwickel nehmen, je 1,5 Stunden lang, und zweimal im Tage den Oberkörper kräftig waschen; dazu wöchentlich einen Kopfdampf von zwanzig Minuten. Diese Anwendungen sollten den Körper reinigen, zugleich zur Ausscheidung der kranken Säfte kräftigen. Nach vierzehn Tagen kam der Kranke wieder; seine ersten Worte waren: "Ich habe das letztenmal gesagt, ich sei nicht krank; jetzt aber weiß ich, daß ich recht krank war. Ich konnte nur mehr mit Mühe die Treppen steigen, so hart ging der Athem. Stets war ich ungewöhnlich aufgetrieben. Als ich dieses voll Angst dem Arzte sagte, meinte er, ich möge doch nur bedenken, daß ich allmählig älter werde. Jetzt aber," fuhr der Mann fort, "fühle ich mich ganz anders, wie neugeboren. Das Athmen geht leicht, und mir ist so wohl. Die Launenhaftigkeit hat mich früher fast zu Grunde gerichtet; jetzt habe ich den heitersten Humor, und Essen und Trinken schmeckt mir wie nie zuvor. Daß man mir aber dieses früher nie gesagt hat? In diesen vierzehn Tagen," so schloß der Patient, "ging ungemein viel Urin ab; im Körper, besonders im Unterleib fühle ich mich viel leichter; schon lassen auch die Schmerzen im Fuße etwas nach, und der Schaden scheint gleichfalls zu heilen. Was muß ich weiter thun, damit der Fuß vollends heil werde wie der Körper?"

Der Beamte nahm wöchentlich noch zwei Unterwickel auf je eine halbe Stunde und täglich einen kräftigen Oberguß. Auf den Fuß legte er täglich einen drei- bis viermal in lauem Wasser neu angefeuchtetes leinenes Läppchen (siehe: Fußwickel). Sonst durfte am Fuße absolut nichts geschehen. Wenn die Quelle nicht mehr gespeist wird, hört das Fließen von selbst auf, und sie versiegt. Nach weiteren 14 Tagen kam der erfreute Beamte wieder; am gesunden Körper hatte er auch wieder einen gesunden Fuß. Seitdem hat er nie aufgehört, die Heilkraft des Wassers zu loben. Ein so Geheilter soll (und dieses ist sehr wichtig), um die Ansammlung neuer Krankheitsstoffe zu verhüten, die eine oder andere der erprobten Anwendungen noch längere Zeit hindurch vornehmen. Er wähle unter den Uebungen jene, deren Wirkung er als die wohlthätigste verspürte.

Agatha litt seit Jahren an einem kranken Fuße, der von Zeit zu Zeit ausbrach , dann wieder von Zeit zu Zeit anheilte.

Ueber die unvermeidlichen Salbereien verliere ich kein Wort mehr, es würde mich nur aufregen. Der Arzt versprach der Kranken Heilung, wenn sie längere Zeit hindurch getreulich thun wolle, was er bestimme. Der Fuß wurde in ziemlich hohe Lage gebracht, so daß er im Bette etwas höher zu liegen kam als der Unterleib.

Fast augenblicklich ließen die Schmerzen nach. Man brachte an die Wunde eine Kleinigkeit, ich weiß nicht was, und band sie gut ein. Der Kranken ging es vortrefflich; sie war ohne alle Schmerzen in dem kranken Gliede, und die Heilung machte große Fortschritte.

Die Fußwunde war geschlossen. Plötzlich fühlte Agatha einen schweren Kopf und etwas Schwindel; doch sie machte sich nicht viel daraus. Nachts indessen überfiel sie eine solche Schwäche und Ohnmacht, daß der herbeigerufene Arzt erklärte, es trete schneller Marasmus (Kräfteverfall, Auszehrung) ein, mit Agatha nehme es ein baldiges Ende. Nachts 12 Uhr noch mußte die Kranke versehen werden; fünf Tage lang lag sie regungslos da. Sie athmete mühsam und war geistesabwesend, wie betäubt. Am sechsten Tage kehrte die Besinnung wieder, mühsam brachte sie auch einige Worte zusammen. Ohne Geheiß legte sie selbst nasse Wickel um den Leib und den kranken Fuß. Den zweiten Tag schwoll der Fuß bedeutend an und begann heftiger zu schmerzen. Der Kopf aber und die Besinnung wurden besser. Agatha wickelte den Unterleib und den Fuß muthig weiter ein. Der halbe Fuß entzündete sich heftig, und nach fünf Tagen brach er auf. Die Heilung, wie oben angegeben, war ein Leichtes. Agatha erhielt ihre frühere Gesundheit wieder.

Was aber hatte wohl der Anfall zu bedeuten? Am allerwenigsten einen Marasmus. Dem Knaben, der sich auf den Kopf stellt, muß das Blut zum Kopf strömen. Die vom Fuße gewaltsam (durch die erhöhte Lage) zurück und nach oben getriebenen Säfte fliegen der Brust und dem Kopfe zu und bewirkten die fatalen Erscheinungen. Die Wickel leiteten sie wieder nach unten, das Wasser öffnete die Wunde, und die kranken Stoffe, die ihre früheren Wege und Ausgänge offen fanden, ließen die Brust frei athmen und den Kopf frisch und leicht denken.

Daß Jeder Dieses recht beherzigte, der mit solchen "Presten" (Übeln) behaftet ist! Ich weiß gut: viele Aerzte der neuen Schule denken da ganz anders. Bei vielen Aerzten indessen, auch bei mir bleibt in dieser Beziehung Alles beim Alten. Ich halte und nenne jede offene Stelle, welche die Natur selbst sich gräbt, um das Ungesunde auszuwerfen, so lange dieselbe fließt, eine Gesundheits- und Lebensversicherung. Wer kennt nicht Fälle genug, daß Leute nach zugeheilten Füßen schnell gestorben sind? Und wer weiß nicht, daß, wenn solche offene Füße im Alter sich schließen der Sensenmann kein ferner Gast mehr ist?

In einem mir vorliegenden Briefe steht wörtlich: "Mein Fußleiden ist wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Theil an meinem Körper ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein doppeltes Leiden; entweder habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen, oder, wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht sagen kann, welches Uebel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei Leiden nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am ganzen Leibe nicht gesund." Soweit der Bericht.

Wie das Quecksilber im Barometer steigt und fällt, so gibt es Leiden, die von einer Stelle im Körper zur anderen eilen. Die Gicht, der wandernde Rothlauf (Rosen) sind solche fahrende Schüler. Als Dritter im Bunde gesellt sich ihnen unser Uebel bei mit dem Unterschiede, daß es nicht wie Gicht und Rothlauf sich äußerlich verräth, sondern seine Kreuz- und Querzüge stets auf verborgenen Wegen, im Innern, antritt.

Dreigetheilt muß stets der Angreifer gegen diese Wandergesellen vorrücken.

In unserem Falle greift der kurze Wickel die Plankler an, d. h. er räumt mit all den Stoffen auf, die noch auf der Wanderung vom Kopf zu den Füßen oder von den Füßen zum Kopf begriffen sind. Oefter angewandt verleidet er ihnen durch Ausleitung alle Wanderlust. Sekundär wirkt er schon auf die leidende Stelle ein, indem Stoffe, die von ihr Reißaus genommen, unterwegs aufgefangen und so an der Rückkehr verhindert werden. Der Fußdampf mit dem abfließenden Unterguß richtet sich gegen den einen Flügel, die leidende Fußstelle. Er löst die kranken Stoffe auf und leitet sie aus.

Die kalten Waschungen, statt deren auch der spanische Mantel, rücken gegen das Centrum, gegen den ganzen Körper vor, freilich zu freundschaftlichen Diensten. Sie kräftigen und stärken den Körper, daß er zu schneller Ausheilung mithelfe.

Sämmtliche Angriffe wären somit der Reihe nach zu machen: der kurze Wickel, zwei Ganzwaschungen in einer Nacht, nochmals der kurze Wickel, der Fußdampf und zuletzt der spanische Mantel. Als Hilfstruppen von innen könnte entgegenkommen Thee von Tausendgüldenkraut, Salbei und Minze. Die ersten zwei wirken reinigend, die Minze mit ihrem Bitterstoff unterstützt die Magensäfte.

Noch zwei Arten von Heilung offener Füße will ich hier angeben; die erste kann manchem Bauern und einfachen Manne vielleicht Dienste leisten, der die Vorrichtung zum Baden nicht so leicht hat; die andere dürfte selbst Herrenleuten nicht übel anstehen. Ein ziemlich wohlgenährtes Bäuerlein blinzelte, ob ernst, ob spöttelnd, ich weiß es nicht, gar klug mit seinen Augen und sagte: ,,Hochwürden, ich hab' so einen offenen Fuß. Haben Sie nicht auch ein Wässerlein für mich?" "O ja, guter Freund." sagte ich. "Jetzt machen Sie's so, Bauer: Sie gehen heim und breiten auf Ihrer Liegerstatt, auf dem Bett, einen wollenen Teppich oder ein recht grobes Tuch aus! Dann suchen Sie sich unter Ihren Säcken einen recht alten, abgenutzten und deßhalb nicht steifen aus! Den tauchen Sie herzhaft in kaltes Wasser, winden ihn etwas aus und schlüpfen dann in Adams Kostüm hinein! Oder wenn das Ihnen besser gefällt, können Sie den Sack wie elegante Hosen anziehen; darauf schnell einen Satz in's Bett und ein warmes Zudecken mit der Woll- oder rauhen Decke und dem gansfederigen Oberbett." (siehe: kurzer Wickel und Unterwickel)

Die früher blinzelnden Augen wurden wie Pflugrädchen so groß und vor Wasserangst jetzt schon naß; dem Bauer kam's schaurig vor. "Und dieses," so lautete der gestrenge Spruch weiter, "zum ersten Versuch täglich einmal, eine Woche lang; jeder Sackschlupf soll dauern zwei Stunden lang." Der Bauer schwitzte bereits beim Weggehen: dennoch that er, wie ihm geheißen. Innerhalb fünfzig Tagen hat er fünfundzwanzigmal dies eigentümliche Sackschlupfen und Sackjucken probirt, und der Fuß war geheilt. Vor Freude hüpfte er auf, mehr noch als über den Fuß darüber, daß er in dem Sacke auch einen so vortrefflichen Humor bekommen. Ich rieth ihm, die Uebung noch zuweilen einmal vorzunehmen. Ich brauchte dieses nicht zweimal zu sagen. "Zum Dank und aus Freude," rief er mir zu, "will ich die Sackgeschichte ein ganzes Jahr lang treiben." Und er hat Wort gehalten.

So schauerlich diese Kur in manchem Ohre geklungen haben mag (in der That ist sie es nicht), so kurz und vornehm lautet die andere:

Man nehme: a) in der Woche zweimal ein warmes Bad mit dreimaligem Wechsel, am besten ein Haberstrohbad (Haferstrohbad); deßgleichen b) zweimal wöchentlich einen Unterwickel von 1,5 Stunden oder statt dessen den spanischen Mantel in derselben Dauer.

Zur Warnung führe ich folgenden Fall an.

Ein ziemlich korpulenter, aber sehr gesunder Herr, der seinesgleichen suchte, bekam einen offenen Fuß, der ihm recht lästig war. Er nahm die Zuflucht zur Wasserkur und gebrauchte dieselbe auch zwölf Tage. Nicht genug konnte er erstaunen, wie leicht und wohl es ihm wurde. "Doch der leidige offene Fuß," fagte er, "heilen Sie den mir zu!" "Wer es thut, kürzt Ihnen das Leben ab; ich thue es nie und nimmermehr," entgegnete ich entschieden. Das verdroß den Herrn, und er ging. Es war Herbstzeit; im Frühjahr besuchte er, wie ich hörte, ein Mineralbad und gebrauchte, nach Hause zurückgekehrt, verschiedene Mittel, die Wunde zuzuklabastern. Es gelang, und 6 bis 8 Wochen freute er sich seines zugeheilten Fußes. Da bildete sich aus dem oberen Rücken, mitten aus dem Kreuze, ein gewaltiges Geschwür. Die Aerzte hielten dasselbe für einen Karbunkel und öffneten es durch einen kräftigen Kreuzschnitt. Doch statt des Unrathes trafen sie auf eine große harte Platte. In zwölf Tagen hatten Blutvergiftung dem kräftigen Leben ein Ende gemacht. Solche und ähnliche Beispiele könnte man in großer Zahl sammeln und aufzählen.

Ich kam in ein Haus. Der junge Herr hatte eben seinen Fuß bis an das Knie herauf auf Verordnung des Arztes im heißen Wasser stehen. So heiß solle er das Bad nehmen, als er es nur ertragen könne. Die ohnehin großen Schmerzen wurden durch das heiße Wasser noch bedeutend gesteigert. Der Fuß war vom Knöchel bis an die Waden zur doppelten Stärke angeschwollen und die Geschwulst oberhalb des Knöchels so gefärbt und entzündet, daß ein baldiges Aufbrechen der brandigen Stelle nahe bevorstand.

Mir ist unbegreiflich, was bei einer so heftigen Entzündung eines Gliedes, das Einen förmlich heiß anweht, noch heißes Wasser, das einen Gesunden halb verbrühen könnte, thun soll, und zwar nicht kurz und einmal, sondern länger und öfter genommen. Der Herr erklärte aufgeregt, er könne es nicht mehr aushalten, man solle ihm das Wasser aus den Augen bringen. Ruhig ließ ich seinen Befehl vollziehen und rieth hernach, er möge statt des Brühwassers Krautwasser bringen lassen, einen weichen Fleck (Stück Stoff) eintauchen und unmittelbar auf die am ärgsten entzündete Stelle legen, darüber ein größeres, recht weiches, in kaltes Wasser getauchtes Tuch umwinden, so daß es den ganzen Fuß vom Knöchel bis zu den Waden bedecke (darüber natürlich trockene Auflage) (siehe: Fußwickel), und beide Aufschläge zusammen so oft wiederholen, als der Fuß von Neuem zu brennen und wehe zu thun anfange. Der junge Herr that nach meinem Rathe; in zwei Tagen konnte er wieder gehen. Das Geschwür brach auf. Um rascher die Materie auszulösen und auszuleiten, umwand er die Geschwürstelle mit einem Linnensäcklein, das angefüllt war mit angeschwellten (gekochten) Heublumen. In acht bis zehn Tagen war der Fuß geheilt und diente als treuer Unterthan mit alter, ja verjüngter Geh- und Tragkraft.

Ein Herr von Stand erzählt: "Jedes Iahr bekomme ich ein Fußleiden, welches zwei bis drei Wochen dauert; dann bin ich wieder auf ein Jahr gesund. Etwas empfindlich sind meine Füße immer. Ehe dieses Leiden kommt, brennen mich meine Füße, und mitunter spüre ich ein heftiges Stechen. Dann schwellen die Füße bis an die Kniee ziemlich stark aus. Wenn das Anschwellen beginnt, läßt der Schmerz etwas nach; ich bin aber doch unfähig zu jeder Arbeit. Kann diesem Uebel nicht vorgebeugt werden? Die Antwort heißt: "Ja, mit folgenden Anwendungen:

1) In der Woche ein- bis zweimal leinene Strümpfe (siehe: Fußwickel), in Wasser getaucht, in welchem Haberstroh (ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder Bauer jedem Armen) gesotten wurde, anziehen (angenehm warm); über die nassen Strümpfe ein trockenes Tuch winden und zwei Stunden lang diesen Fußwickel behalten. (Kann am Abend geschehen.)

2) In der Woche einen kurzen Wickel 1,5 Stunden lang, in Wasser getaucht. Wer noch fünf bis sechs Wochen ein- bis zweimal wöchentlich die Anwendung vornimmt, beugt gewiß seinem Uebel vor."

Ein Landmann kommt und zeigt seine geschwollenen Füße. die von unten an bis an die Kniee gleichmaßig hart anzufühlen und mit schwarzblauen großen Flecken bedeckt waren. Diese geschwollenen Füße schmerzten ihn sehr, so daß er oft ganze Nächte nicht schlafen konnte; zudem wurde er, seitdem die Füße so anschwollen, gemüthsleidend, schwermüthig, so daß er nach seiner Angabe sich schon oft den Tod gewünscht hatte. Appetit schlecht, Aussehen recht krank. Die Anwendungen waren folgende:

1) Jede Woche einen Fußdampf, in der ersten Woche aber zwei.

2) Zweimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in Haberstrohwasser (Haferstrohwasser) getaucht, 1,5 Stunden lang.

3) Zweimal wöchentlich von unter den Armen ganz hinunter sich einwickeln (Unterwickel), 1,5 Stunden lang.

4) In jeder Nacht werde der Fuß bis an die Kniee eingewunden mit einem Tuch (Fußwickel), in Wasser getaucht, in welchem zwei Löffel voll Foenum graecum abgesotten wurden. Gerade diese Einwicklung hat besonders zur Linderung der Schmerzen und zur Aufweichung gewirkt. Eingenommen wurde Absud von Foenum graecum zwei Messerspitzen voll in einem Schoppen Wasser gesotten, - während des Tages in drei bis vier Portionen.

Fußleiden, anderes     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Eine Frau hatte Jahre hindurch Fußleiden. Von Zeit zu Zeit brach einer der Füße aus mit Entleerungen von viel Unrath, und nach mehreren Wochen heilte er wieder zu. Wie Jeder gesund werden will, so wollte auch diese Frau für ihren Beruf von diesem Leiden befreit werden und wendete Folgendes an: 1) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder in's Bett; 2) in der Woche einmal den spanischen Mantel; 3) die Füße wurden von Morgen bis Mittag oder bis Abend umwunden mit einem Tuch (siehe: Fußwickel), das in Heublumenwasser getaucht war, aber ziemlich stark ausgewunden, und darüber ein Wollstoff gelegt. Auf die wunde, von Haut entblößte Stelle, die so groß war, wie ungefähr drei Finger breit und lang, wurde gesottenes Foenum graecum auf Flecken ausgestrichen, aufgelegt. Dasselbe zieht das Ungesunde heraus, nimmt die Hitze und den Schmerz und heilt, wenn der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Nach je zwei bis drei Tagen wurden über den kranken Fuß angeschwellte Heublumen, die ziemlich gut ausgetrocknet waren, warm, aber nicht heiß, direkt aufgetragen und umwickelt - zwei Stunden lang. Innerlich: täglich eine Messerspitze voll graues Pulver und täglich eine Tasse Thee, von vier bis fünf grünen Hollunderblättern gesotten.

Geburten     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Ein junges Weib hatte drei todte Kinder geboren; sie wurde darob sehr betrübt und ganz entmuthigt, zumal der Arzt erklärte, "sie werde nie ein Kind austragen können." Ich tröstete sie und machte ihr Hoffnung, falls sie sich bequemen wolle, Wasser Anwendungen vorzunehmen; ihre Natur werde so erstarken, gesunden, und wenn dieses eingetreten, habe sie weiter nichts zu fürchten. Dem trostlosen Weibe klang dieses wie frohe Botschaft.

Mit den leichtesten Abhärtungsübungen wurde begonnen; nach und nach gewöhnte sie sich an stärkere, abhärtende Wasseranwendungen, bis sie zuletzt bei Halb- und Ganzbädern stehen blieb. Innerhalb drei Jahren gebar sie dem erfreuten Vater drei gesunde, kräftige Kinder.

Eine Frau litt an Typhus; sie hatte Kopfschmerzen zur Verzweiflung. Ihre Verwandten brachten sie aus der Stadt auf's Land, damit sie dorten ruhig sterben könne. Die arme Frau sollte zudem Mutter werden. Man fragte mich; ich rieth kurze Wickel an, die alsbald angewendet wurden. Das Kopfleiden ließ nach. Um sicher zu gehen, fragten die Angehörigen auch bei dem früher die Kranke behandelnden Arzte an, ob nicht vielleicht ein Wickel gute Dienste leisten würde. Dessen Verdikt lautete, der erste Wickel würde das Kind zu früh zur Welt bringen. Unterdessen waren bei Einlangung der Nachricht fataler Weise schon sechs Wickel genommen. Die Typhuskranke wurde selbst gesund und genas glücklich auch eines gesunden Kindleins.

Gehirnentzündung     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Wo immer eine Entzündung entsteht, dorthin drängt sich auch durch alle Adern das Blut. Es eilt der Wärme zu, und in den von der Entzündung entfernteren Körperteilen nimmt das Blut am meisten ab. Tritt eine Gehirnentzündung ein, so muß allererst das Blut in die äußersten Theile geleitet werden, aber auch auf die entzündeten Stellen muß hitzeableitend eingewirkt werden. Die Anwendungen sind folgende: Es sollen die Füße bis an die Kniee mit Tüchern, welche in Wasser und Essig getaucht sind, eingewickelt werden (Fußwickel). Sind die Füße recht kalt, so ist das Tuch Anfangs in heißes Wasser zu tauchen. Sind die Tücher an den Füßen nach ungefähr einer halben bis einer Stunde recht heiß, dann sollen sie in kaltes Wasser getaucht und wieder umgelegt werden. Wie die Füße, so sollen auch die Hände eingewickelt werden, wenigstens bis an die Ellenbogen, und es soll gerade so verfahren werden wie bei den Füßen; dann kann ein Unteraufschläger genommen werden.

Nach drei Viertelstunden tauche man das Tuch wieder in kaltes Wasser. Ist die Hitze immer noch stark, kann länger so fortgefahren werden. Um die Hitze recht stark abzuleiten, kann man ein zweifaches grobes Tuch, in Wasser getaucht, auf den Unterleib legen (Oberaufschläger), wodurch das Blut mehr in den Unterleib geleitet wird. Auf den Kopf wende man weiter nichts an, als daß man einen Lappen auf die Stirne bindet und diesen nach je einer halben Stunde in kaltes Wasser frisch eintaucht (Kopfwickel). Fast noch günstiger wirkt ein Tuch, das um den Hals gewunden wird (Halswickel), oder ein Shawl; beides darf jedoch nie länger als drei Viertelstunden an Ort und Stelle bleiben, ohne daß das Eintauchen von neuem besorgt wird. Diese Anwendungen werden, im Wechsel vorgenommen, die Entzündung nicht aus einen hohen Grad kommen lassen, und die ganze Entzündung wird einen ziemlich raschen Verlauf nehmen. Nach innen bleibt immer das Beste frisches Wasser, aber ja nicht viel, höchstens ein bis zwei Löffel voll, lieber öfter. Statt Wasser kann man auch einen Absud von Foenum graecum nehmen.

Gehirnleiden, schweres     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Ein ungefähr 33 Jahre alter Bräumeister ist seit elf Iahren schwer leidend. Im Mai 1877 stürzte er eines Morgens nach dem Aufstehen vom Bett plötzlich halb bewußtlos hin und blieb zwei Stunden in diesem Zustande liegen. Dies war die Einleitung zu einem schweren, sechs Monate dauernden Typhus. Schon damals stellte sich täglich starker Schwindel mit Erbrechen und Ohnmacht ein. Der Schwindel begann mit Klopfen im Gehirn; dann warf es den Mann zu Boden, oft auf Zimmerlänge hin. Dieser Zustand währte meist fünf bis zehn Minuten und wiederholte sich täglich fünf- bis acht- bis zehnmal. Nach diesen sechs Monaten wurde er wieder arbeitsfähig, aber nur auf zwei Monate. Darnach traten die Anfälle so häufig und stark auf, daß er weitere acht Monate das Bett hüten mußte.

Im Verlaufe dieser elf Jahre war er alle Jahre sechs bis sieben, sogar acht Monate bettlägerig. Das Leiden steigerte sich so, daß die Anfälle von Schwindel und Hinfallen auch in der Zwischenzeit alle zwei bis drei Tage wiederkehrten, besonders auch nach geistigen Anstrengungen, nach raschen Bewegungen, bei jeder Drehung des Kopfes. Die Anfälle kündigten sich stets durch Klopfen im Kopfe an, und wenn er sich nun rasch genug anzuklammern vermochte an einen Tisch oder im Freien an einen Baum, so schüttelte und warf es ihn hin und her, bis er zu Boden kam. Das Bewußtsein verging ihm dabei nicht, wohl aber das Sehen.

Neun Jahre lang war der Anfall stets von Erbrechen begleitet, welches seit dem letzten Jahre aufhörte. Die ganze Zeit über, seit 10,5 Jahren empfand der Unglückliche einen fortwährenden Druck auf der Scheitelhöhe, wie wenn ein Zentnerstein droben liege. Seit fünf Jahren besteht fast anhaltend Ohrensausen und Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr. Der Schlaf stellte sich neun Jahre lang fast nie vor ein bis zwei Uhr Nachts ein wegen Gefühl von Schwere und Vollsein im Kopfe. Von Mai 1886 bis Oktober 1887 war der Mann mit ganz geringer Unterbrechung bettlägerig. Von vierzehn Aerzten, die ihn im Laufe dieser langen Krankheit behandelten, und von denen ihn verschiedene für unheilbar erklärten, nahm er eine Masse Medikamente ein. Die meisten sprachen die Ansicht aus, es sei durch eine frühere Kopfverletzung - es war dem Bräumeister früher ein Faß auf den Kopf gefallen - die Hirnschale gesprungen, und seitdem drücke ein Knochensplitter aus das Gehirn, und hierdurch fei das Leiden verursacht.

Einige Aerzte hielten es für chronische Hirnhautverdickung. Nach meiner Meinung bestanden außerordentlich starke Congestionen (Blutstauungen) zum Kopfe und waren folgende Anwendungen angezeigt: Oberguß, Wassergehen, Rückenguß, Schenkel- und Knieguß, Fußdampf, sowie der spanische Mantel. Der Erfolg innerhalb der fünfwöchentlichen Kur vom 28. Juli bis 2. September war ein ganz vorzüglicher. Schon am fünften Tage erklärte sich der Patient frei vom Gehirndruck. Am zweiten Tage erfolgte noch ein Anfall nach einer längeren, geistigen Anstrengung (Briefschreiben), - es war der letzte. Von Tag zu Tag schritt die Besserung zu seiner größten Freude voran; die nächsten vier Wochen fühlte er sich "wie neu geboren, so frei und so leicht im Kopf", und auch im Sehvermögen erleichtert. Schlafen konnte er seit diesen fünf Wochen anhaltend die ganze Nacht. Der Mann ist überglücklich und lebt nun neu auf. Zu Hause hat er täglich bloß noch eine der obigen Anwendungen fortzusetzen.

Geisteskrankheit     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Furchtbar muß es sein, wenn diese Geistesnacht über Einen hereinbricht, wenn der Mensch nicht mehr Mensch ist, sondern gleichsam zum unvernünftigen Thiere wird. Noch vor 50, 40, 30 Jahren gehörten Geisteskrankheiten zu den Seltenheiten. Heutzutage mehrt sich deren Zahl (darin sind Alle eins) in schreckenerregender Weise. Die Irrenhäuser, so zahlreich sie sein mögen, sind überfüllt, reichen nicht mehr aus. Man baut jetzt vielerorts außerhalb der Grosstädte fast ganze Irrenstadtviertel. Unheimlich ist's, diese Todtenfelder von Lebenden zu durchwandeln. Also das ist der Mensch, der so groß thun kann! Gott bewahre uns vor solcher Heimsuchung! Derlei Gedanken umflattern bei solch düsteren Gängen die ernstgestimmte Seele.

Das sind die Ganz-Irren. Wie viele hundert, ja wie viele tausend Menschen aber sind halbe Geisteskranke, die entsetzlich viel leiden und selten Hilfe bekommen. In Wahrheit darf ich sagen, daß eine sehr große Anzahl solcher Unglücklicher bei mir Linderung und Heilung suchte, und mit besonderer Liebe und Sorgfalt fühlte ich mich jederzeit gerade zu diesen so arg verlassenen und so trostlosen Menschen hingezogen. Sie waren zu wenig krank für's Irrenhaus, aber unfähig zu jedem Berufsleben. Unsagbar, unbeschreiblich, unzählig und mannigfaltig sind die Plagen solcher Geistesgestörten. Wie zur Sommerszeit in der heißesten Mittagsgluth die Stechmücken am ärgsten schwirren, so treiben in dem heißen Gehirn dieser Armen die tollsten Gedanken ihr heillosestes Spiel. Die Einen hassen ihren bisherigen, geliebten Beruf, Andere wollen nicht mehr beten. Menschenscheu und Menschenhaß hat die Einen erfaßt, Haß gegen sich selbst die Anderen, sie wollen sich das Leben nehmen u.s.w. Die Köpfe und deren Inhalt sind so verschieden als die armen Individuen selbst.

Bei allen Kranken, die mich aufsuchten, habe ich in den fünfunddreißig Jahren stets Ursachen der Krankheit gefunden. Entweder war das Uebel angeerbt, also von Kindheit an grundgelegt, im Keime vorhanden; oder es rührte her von Körpergebrechen, von Krankheiten, wohl auch von der Lebensweise.

Ein Punkt ist wohl zu beachten, weil da so gerne Täuschungen vorkommen. Man bleibe bei der Beurteilung solcher Zustände recht nüchtern, lasse sich selbst den Geist nicht einnehmen. Nicht genug kann ich warnen vor jenem voreiligen, so überaus thörichten Gebahren, welches alsbald übernatürliche, besonders teuflische Einflüsse hellsehen will. In Fällen selbst, in denen Jedermann fast hätte glauben müssen, der leibhafte Satan herrsche in dem Kranken, hat der einfache kalte Strahl ihn vertrieben.

Mir kam in meiner ganzen Praxis nicht ein einziger Fall vor, in dem natürliche Mittel, recht angewendet, nicht geholfen hätten. Ich klammere mich fest an den Glauben und an das Uebernatürliche wie an ein Rettungsboot und möchte - Gott bewahre! - kein Strichlein und kein Pünktlein dieser Glaubensueberzeugung aufgeben. Nie aber möchte ich den Glaubensfeinden eine Handhabe reichen zum Spotte oder Angriffe auf den Glauben.

Die es angeht, kennen und verstehen mich. Ein Beispiel: Ein Bruder bringt seine Schwester, welche behauptet, mitten in ihrer Brust wohne der böse Geist. Sie wisse vom Teufel viel, der Teufel aber wisse von ihr Alles, auch die geheimsten Gedanken; er regiere, leite und beherrsche sie. Ein Narr sei ihr Bruder, noch dümmer sei der Pfarrer, der allerdümmste aber sei der Arzt. Warum? "Weil sie immer sagen, ich solle einen anderen Kopf aufsetzen, meine Thorheiten ablegen und ihnen folgen. Wenn einmal der Teufel in Einem herrscht," fügte die Kranke bei, "dann hat der eigene Kopf das Regiment verloren." Es ist nicht zu sagen, wie heftig und unbändig wild die Arme gegen die drei genannten Persönlichkeiten wüthete.

Hätten dieselben ruhig geschwiegen, - sie wußten ja, wen sie vor sich hatten, - sie hätten die Kranke nicht in so gewaltige Aufregung versetzt, und ich hätte leichter gethan.

Bei derlei Kranken kommt Alles, ja Alles auf die Behandlung an. Ich widersprach ihr mit keinem Worte und sagte bloß: „Ja freilich, in Deinem Innern steht es nicht gut." Damit war die Kranke zufrieden, und ich hatte sie auf meiner Seite. Sofort faßte sie Vertrauen, wie ihre Antwort bekundete. "Wenn mir Einer nicht glauben will," so lautete diese, "daß ich den Teufel in mir habe, so wird er ihn auch nicht austreiben können."

Dieses Vertrauen heißt bei mir jedesmal so viel als: die Kranke ist bereits zur Hälfte geheilt, und deine Arbeit ist mehr als zur Hälfte gethan. Die Kranke nahm ein, was ich ihr gab; sie wendete pünktlich das Wasser an, wie ich es bestimmte. In sechs Wochen ward sie vollkommen geheilt. Gewiß interessirt es Manchen, was der Person wohl gefehlt hat. Die Kranke sah stürmisch drein. Ihre Gesichtszüge waren eingefallen, die Hände kalt, die Füße noch kälter; auf der Brust fühlte sie einen schweren Druck und im Magen Widerwillen gegen jede Speise. Alles Blut war, so schien es, der Brust zugeeilt. Die erste Aufgabe bestand darin, die Zirkulation des Blutes zu ordnen, dadurch gleichmäßige Naturwärme und ein geordnetes Arbeiten des ganzen Organismus herzustellen.

Zu dem Ende mußte die Kranke täglich zweimal bis über die Waden in's kalte Wasser stehen, je zwei Minuten lang, darauf tüchtig barfuß gehen, um die Füße so bald als möglich zu erwärmen; dann ebenso die ganzen Arme täglich zweimal in's Wasser halten, je zwei Minuten lang, darauf denselben in irgend einer Weise Bewegung verschaffen, um sie ebenfalls möglichst schnell warm zu bekommen. Zweimal des Tages ließ sie sich, zu Bette liegend, Rücken, Brust und Unterleib mit Wasser und Essig kräftig waschen. Die verhältnismäßig schwachen Anwendungen mußten durch vierzehn Tage genau fortgesetzt werden. Die heftigste Aufregung ließ nach, wenn auch der Teufel in dem wirren Kopfe immer noch spuckte. Die eingefallenen Züge belebten sich. Nach vierzehn Tagen ließ ich kräftiger einwirken. Die Kranke bekam Unterwickel im Wechsel mit kalten Halbbädern (nur eine halbe Minute lang, und jedesmal folgte die Waschung des Oberkörpers und der spanische Mantel; alle drei Anwendungen waren cirka drei Wochen fortzusetzen. Nach der dritten Woche beschloß er, die Heilung wöchentlich eine Ganzwaschung und ein kurzer Wickel von einer Stunde. So wurde der vermeinte Teufel ausgetrieben, und die Aufregung wich großer Ruhe und ungestörtem Frieden.

Arme Eltern brachten ihren Knaben von zehn Jahren und erzählten Folgendes: „So oft man zur Kirche läutet, fängt der Bube an zu toben und in der heftigsten und gräßlichsten Weise die entsetzlichsten Flüche auszustoßen, Flüche und Schwüre, die wir in unserem Leben noch nie gehört haben. Er flucht so lange, als er die letzte Person auf dem Kirchwege sieht. Dann hört er auf. Sobald aber nach vollendetem Gottesdienste der erste Andächtige die Kirche verläßt, fängt er auch schon wieder an, zu schwören, und er schwört und flucht fort, bis er Niemanden mehr erblicken kann. Wenn wir beten, so flucht er; hören wir auf, so hört auch er auf. Hochwürden, es ist schrecklich. Man mag anwenden, was man will, helfen thut gar nichts, am wenigsten das Einreden; das macht ihn nur noch heftiger. Seine Mutter packte er einmal mit beiden Armen wie mit Krallen und schüttelte sie derart, daß man nicht glauben sollte, wie ein Knabe so viel Kraft entwickeln könnte. Aerzte sind mehrere befragt worden, geholfen hat nichts. Benedizirt (gesegnet) wurde er auch; da hat er noch am ärgsten geflucht u.s.w."

Der Knabe hatte ein ganz sonderbares Aussehen: abgestandene Gesichtsfarbe, im höchsten Grade wildaussehende Züge; die Haare standen, wie beim Igel die Stapeln, senkrecht in die Höhe. Ich unterstand mich, seine Hand anzufühlen; er wollte mir sofort in's Gesicht springen. Zwei Priester, welche den schrecklichen Zustand gesehen hatten, sagten: "Wer an eine Besessenheit glaubt, muß sagen: hier ist sie."

Ich faßte das Leiden von Anfang an ganz natürlich auf und täuschte mich auch dieses mal nicht; in sechs Wochen war das arme Kind vollständig geheilt. Ich ließ den Knaben täglich auf 1 bis 1,5 Stunden ein nasses Hemd anziehen, das in Wasser (mit etwas Salz) getaucht war, ebenfalls täglich einmal mit einer Mischung von Wasser und etwas Essig ganz waschen. Beides dauerte vierzehn Tage lang. In der dritten Woche bekam er den einen Tag ein (oben beschriebenes) nasses Hemd angezogen, den andern Tag auf eine halbe Stunde ein warmes Bad von 28° Reaumur = 35° Celsius im Wechsel mit einem kalten (eine halbe Minute). am dritten Tage eine Ganzwaschung. Dieses waren die Uebungen der dritten und vierten Woche. In der fünften reichte ans ein nasses Hemd, in der sechsten und letzten ein warmes Bad mit rascher kalter Abwaschung.

Die Umänderung und Besserung vollzog sich rasch. Der ganz kalte Knabe wurde wieder warm, der verlorene Appetit kehrte wieder, und er ließ sich die Milch- und Mehlkost, welche die armen Eltern mit Freuden ihm reichten, trefflich schmecken. Aller Spuck war wie weggeblasen.

Einer der Leser wird vielleicht fragen: "Warum denn wendet der Pfarrer bei solchen Kranken keine Güsse an, da doch in unseren Irrenanstalten die Tobsüchtigen besonders mit Douchen u.s.w. behandelt werden?" Nach meiner unmaßgeblichen Meinung darf ein Jäger (doch vielleicht ist's Jägerlatein?), der einen Fuchs aus seiner Höhle locken will, unmittelbar vor das Loch hin nicht schießen. Besser wird's sein, den listigen Reinecke mit einer Lockspeise (etwa einem Huhn oder Spanferkel) zum gefälligen Herauskommen einzuladen. Nun höre, mein lieber Leser! Wo eine Krankheit drinnen steckt, da steckt auch Krankheitsstoff. Diesen auflösen und ausleiten, das heißt den Fuchs locken und fangen. Eine Douche aber löst nicht auf, leitet aber auch nicht aus. Ist einmal aufgelöst und ausgeleitet, dann hat die leichtere Douche einen Sinn, dann laß ich sie nur auch recht wohl gefallen.

Vor neun Jahren kam ein Madchen zu mir und erzählte, wie folgt: "Mein Bruder ist schon mehr als ein Iahr im Irrenhause. Er wurde für unheilbar erklärt. Nun bekomme ich ganz dieselben Zeichen, die mein Bruder vor dem Ausbruch der Krankheit hatte. Ich hatte bisher gedient, mußte aber meinen Dienst verlassen; denn ich kann nicht mehr arbeiten. Wenn ich keine Hilfe erhalte, komme ich in Bälde zu meinem Bruder in die Irren-Anstalt.

Auf verschiedene Fragen erhielt ich den Bescheid, daß der Appetit sehr wechsle, manchmal gut sei, manchmal ganz fehle; daß ferner sobald das heftige Gliederreissen nachlasse ebenso heftige Brustschmerzen folgen, daß die früher dichten und langen Haare schon mehr als zur Hälfte ausgefallen seien. Sofort war mir klar, daß hier recht verdorbene Säfte ihr Unwesen trieben, und daß das sicherste Zeichen ihres gänzlichen Ausscheidens darin bestehe, wenn die Haare auf dem halbkahlen Schädel wieder festen Fuß faßten und in alter Stärke von Neuem weiter wüchsen.

Die Kranke wendete nach einander folgende Uebung an: zuerst täglich das nasse Hemd, getaucht in Salzwasser oder in Wasser mit Essig gemischt; ebenso täglich lauwarme Halbbäder mit kräftiger, kalter Waschung des Oberkörpers (höchstens eine Minute). Es war Sommerszeit. So ging sie jeden Tag viel barfuß mit großem Erfolg, besonders im Morgenthau. Dieses dauerte drei Wochen hindurch. Es folgten jetzt warme Bäder im Wechsel mit kalten, sodann der Unterwickel (die Kranke bediente sich des Sackes), in Absud von Heublumen getaucht. Die ganze Kur währte bis zu vollständiger Herstellung drei Monate. Der starke und solide Haarwuchs wies auf gründliche Heilung. Die Person hat später geheirathet und ist gesund bis zum heutigen Tage.

Ein Pfarrer, in seiner Gemeinde hochgeschätzt und geliebt, kam vom Ausland ganz entmuthigt zu mir. Er könne, so meinte er, seiner Pflicht gar nicht mehr nachkommen. Dieser Zustand, der sich in großer Traurigkeit, in Mißmuth, in Unfähigkeit zum Studiren äußerte, hatte früher schon einmal die Nachbarsgeistlichen veranlaßt, den Armen in eine Anstalt zu bringen. Daselbst verblieb er mehrere Wochen und kehrte ruhiger, aber ungeheilt in seine Heimath zurück. Er berieth mich, was doch zu thun sei, ob er die Pfarrei verlassen oder was er anfangen solle. Der Herr sah gesund, frisch und kräftig aus, was bei solchen Kranken so leicht täuscht und so viele harte, ungerechte und lieblose Urtheile veranlaßt. Wer näher zusah, konnte wohl bemerken, daß das Auge trüb die Farbe verbleicht, die Haare erstorben waren.

Die Anwendungen waren dreifacher Art: der Kopf- und Fußdampf, kalte Ober- und Untergüsse, häufiges Gehen auf nassen Steinen oder in's Wasser stehen, drei bis vier Minuten lang. Nach einigen Tagen folgten warme Bäder im Wechsel mit kalten Ober- und Untergüssen. Am sechsten Tage der Wasserkur zeigte sich ein bläulicher Ausschlag auf dem Rücken. Je mehr dieser heraustrat, um so besser fühlte sich der Kranke. Als der Krankheitsstoff gänzlich ausgeleitet war, war der Pfarrer gesund. Das ganze Heilverfahren dauerte vierzehn Tage. Mit neuem Muth kehrte der seeleneifrige Priester heim in seine Gemeinde.

Gelbsucht     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Die Gallenblase liegt an der Leber und ist eine Art Sammelbehälter für die aus den Lebergängen herausfließende Galle. In den innerhalb der Leber gelegenen Gängen oder in der Gallenblase können sich Verhärtungen der Galle bilden, Gallensteine genannt, die entweder in der Leber oder bei der Weiterwanderung in dem Gallengange die Entleerung der Galle hindern. Aber auch durch Druck, durch Stoßen und ähnliche Uebelstände können Zuschwellungen des Gallenganges eintreten, und dadurch kann die Galle in's Blut gerathen. Dann entsteht die Gelbsucht. Sie entsteht auch gerne nach schweren Krankheiten, wie Typhus, starkem Fieber u.s.w. Es kann aber auch die Leber krank sein und in Folge dessen das Blut krankhaft oder gar nach und nach vergiftet werden. Kommt die Gelbsucht nur von Störungen her oder auch von anderen Krankheiten, so hat dies meistens wenig Bedeutung; kommt aber die Gelbsucht von einer Krankheit der Leber her, so bringt sie gerne den Tod. Die ersten Zeichen der Gelbsucht erblickt man im Weißen des Auges, dann in der Haut selber, im Stuhlgang und Urin; der Appetit läßt gewöhnlich nach, und auch der Geschmack ändert sich meistens. Ist die Leber gut, so hat diese Krankheit im Heilen keine Schwierigkeit. Nach innen ist besonders zu empfehlen: täglich drei- bis viermal, jedesmal drei bis vier Löffel voll, Wermuththee oder dreimal eine Messerspitze voll Wermuthpulver in sechs bis zehn Löffeln voll warmen Wassers einnehmen. Salbei mit Wermuththee thut treffliche Dienste.

Täglich sechs Pfefferkörner mit der Speise verschluckt, ist ebenfalls ein Mittel zu guter Verdauung. Im Essen und Trinken mäßig sein ist zu empfehlen. Die Milch als Nahrungsmittel ist vorzüglich.

Die besten Anwendungen mit Wasser sind: In der Woche zwei- bis dreimal einen kurzen Wickel und eine Waschung zur Nachtzeit vom Bett und gleich wieder in's Bett. Die gelbe Farbe bleibt oft Wochen hindurch, hat aber durchaus keine Gefahr. Wie man aus einem Stoffe nicht schnell eine Farbe herausbringt, so geht es auch bei der Gelbsucht. Geht aber die gelbe Farbe nach und nach über in braune und schwärzliche, nimmt der Appetit stets ab, ist ein allgemeines Beissen und Brennen in der Haut und steigert sich die Abmagerung immer mehr, dann ist aller Grund da, zu suchten die Leber sei unheilbar, und es trete Leberverhärtung, Leberkrebs oder eine ähnliche Krankheit ein.

Ganz besonders wirkt auf kranke Leber und Gelbsucht, jeden Morgen und jeden Abend eine Tasse Milch trinken, mit welchem ein Löffel voll Kohlenstaub mit Zucker vermischt ist. Gelenkrheumatismus.

Es kommt ein Herr. Sein Aussehen ist krankhaft. Verschiedenes und schweres Unbekannte hat seinen Zügen eine tiefe Wehmuth eingedrückt. Mir stieg beim ersten Anblick unwillkürlich der Gedanke im Kopfe auf: Der Mann leidet viel oder hat viel gelitten. Die ungesunde Gesichtsfarbe zeigt ein unheimliches Gelb, der Kopf nur mehr wenig (kaum den zwanzigsten Theil von früher) Haare. Der Mann selbst noch nicht vierzig Jahre; er ist ein Bild des Ernstes, großer Ruhe, aber auch, wie gesagt, ein Leidensbild. Sein eigener Bericht lautet also: „Es stellten sich bei mir öfters Unterleibsleiden mit heftigen Kolikanfällen und Diarrhöen (Durchfall) ein. Später bekam ich eine Nierenkrankheit, wie die Aerzte es nannten. Wenn die unsäglichen Schmerzen kamen, drehte es mich um wie eine Spindel, wie einen Kreisel. Nach Jahren verlor ich dieses Uebel, dafür aber bekam ich diesen Gelenkrheumatismus. Mir ist's, als wenn die Summe alles früher erlittenen Schmerzes in die Glieder gefahren wäre und jedes Glied eigens gepeinigt werde. Ich gebrauchte viele ärztliche Mittel. Das Ende war stets nicht die ersehnte Hilfe sondern das alte Leiden.

Mit großer Ueberwindung und großen Opfern konnte ich meinem Berufe bis zuletzt vorstehen; geklagt habe ich Niemandem, es verstand mich ja weder der Arzt noch sonst Jemand. Derjenige, welcher den Leidenden die Krone versprochen hat, weiß allein, was ich gelitten. Eines noch wäre vielleicht meinen Worten beizufügen. Ich hatte Fußschweiß; die angerathenen und angewendeten Mittel vertrieben ihn, aber mir war nicht gut. Auch Mineralbäder habe ich auf Verlangen des Arztes gebraucht; doch sie steigerten mein Uebel. Peinlicher fast als aller Schmerz quälte mich im Innersten die Wahrnehmung, daß Mancher meinte, die Sache sei doch nicht so arg; die Empfindsamkeit spiele bei mir eine große Rolle, man müsse sich überwinden und über derlei Dinge hinwegsetzen. Leiden tragen ohne Theilnahme heißt doppelt leiden."

Die Erzählung hat lange gedauert, freundlicher Leser; aber sie war und ist lehrreich. Daß wir gegen Kranke doch nie hart und ungerecht werden! Ein sonst tüchtiger Mann wird ja nicht plötzlich und ohne Grund wie eine feige Memme jammern.

Wer mag die Wurzel all' dieser Uebel uns nennen, das Innere dieses recht kranken Körpers uns erschließen? Das Geheimniß ist nicht schwer zu errathen. Die Vordersätze hat uns der Kranke selbst in seinem Berichte gegeben; wir brauchen nur den Schluß daraus zu ziehen. Die gelbe Farbe, die häufigen Kolikanfälle, der zurückgedrängte Fußschweiß lassen auf einen giftigen Stoff schließen, der, wie die Schlange im Versteck, im Körper lauerte, zuweilen züngelte und zischte, jetzt aber, bei dem letzten Anfall auf seine Beute schießt, d. i. alle Glieder erfaßt und sie mit seinem Biß bis hinein in die Gelenke und in das Knochenmark selbst vergiftet. Auch die Haare fallen von einem sonst dichten und starken Haarboden nicht ohne Grund aus. Es muß sie ein innerer Sturm ausschütteln, wie der Herbstwind die fahlen und dürren Blätter von den Bäumen schüttelt. Oder ein giftiger Wurm, d. i. ein Giftstoff, muß deren Wurzeln tödten.

Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff, der Alles durchmessen hat, ausgelöst, ausgleitet und der Körper dergestalt gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr auskommen läßt. Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für unser Gift, in welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen? Mancher würde es gut bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn sie noch neu und unbekannt sind, zahlt man sein theures Geld; für die natürlichen und besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft kaum ein kaltes "Deo gratias", „Gott sei Dank!"

Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende Heilmittel, das wir meinen. Es ist das Wasser. Wie soll das Wasser heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i. ihr das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe in's Wasser, begießt sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite, dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen; dann aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht ein trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so einem ungebleichten Linnenstück. Ein Theil der Wasseranwendung muß die Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und nach bis in's Innerste eindringen machen; der andere Theil muß Wärme entwickeln, welche, der Sonnenwärme gleich, das Aufgelöste herauszieht. Noch Eines. Auch der Lauge bedient sich zuweilen die Hausfrau, welche nachhaltiger und Schneller die Dienste des Wassers thut bei ihrem Linnen. Laugen können als stärkere Auslösungsmittel auch wir bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen, und die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.

Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! Der kranke Herr mußte zuerst den spanischen Mantel anlegen. Diesem folgte ein Kopfdampf mit kräftiger Abwaschung, hernach ein Fußdampf. Beide Dämpfe ersetzten die beste Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach ordentlichen Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich der Körper behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten und selbst mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm der Kranke einen kurzen Wickel und, um die Natur zu stärken, einen Ober- und Unterguß, von sämmtlichen Anwendungen abwechselnd täglich eine; dazu jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung. So wurde drei Wochen fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je zwei Halbbäder, einen Kopfdampf und Fußdampf und einen spanischen Mantel; die sechste Woche endlich zwei warme Bäder im Wechsel mit kalten, ein Halbbad und einen Ober- und Unterguß. Für die weitere Zukunft empfahl ich dem Patenten wöchentlich ein paar Ganzwaschungen, einen Ober- und Unterguß, monatlich ein warmes Bad ohne Wechsel.

Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht Lügen. Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht hätte, verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten wieder; an Stelle des gebrochenen Muthes trat neue Begeisterung zum Berufsleben. Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie mir das herzliche "Vergelt's Gott." Demjenigen aber, von dem allein alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares Gloria: die Ehre sei Gott!

Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen und Schultern. Angewendet wurde schon Verschiedenes, jedoch ohne Erfolg. Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er sich so ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde vollständig geheilt.

Die Anwendungen waren folgende:

1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei Schenkelgüsse, einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden 1 bis 3 Minuten. Jeden Tag einen Rückenguß und Grasgehen.
2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit Knieguß im Wechsel mit einem Halbbad, letzeres eine Minute lang.

Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: "Ich habe bereits zwei Jahre keinen einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf dem Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe, bald in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt mich die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt. Ich gebrauchte Anfangs mehrere Aerzte ganz erfolglos; es wurden auch Einspritzungen vorgenommen, woraus die Schmerzen eine kurze Zeit gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten. Weil mir die Aerzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht; ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber Alles, was ich gethan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser machen."

Die Anwendungen waren folgende:
1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit 2 bis 4 Gießern voll kaltem Wasser,
2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,
3. Nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß und 4. Abends im Wasser gehen

So am ersten Tage. Am zweiten Tage. des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr Schenkelguß, Nachmittags 2 Uhr Rückenguß, Abends 5 Uhr Sitzbad.

Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr Oberguß, Nachmittags 2 Uhr Schenkelguß, um 5 Uhr Wasser gehen.

Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr Halbbad, Nachmittags Rückenguß und Abends Wasser gehen.

So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis zweimal Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im Wasser gehen.

Gelenkrheumatismus, chronischer     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854 gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde wieder rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch dießmal erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch traten Rückfälle ein. Patient suchte berühmte Aerzte aus, aber ohne Erfolg; er machte eine Badekur durch in Aibling, später wieder in Aachen; dießmal wurde er indeß durch die dortigen heilen, langdauernden Bäder außerordentlich geschwächt und ganz elend. - Zuletzt, nachdem alles Angewandte fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.

Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper, in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen, die Gelenke ganz unbeweglich; die Kniee, ebenfalls geschwollen, konnten nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen. Die Behandlung bestand in Folgendem:

1. Zweimal in der Woche Wicklung von unter den Armen an bis zu den Füßen ganz hinunter. 1 1/2 Stunden lang, das Tuch in 30° Reaumur = 37° Celsius warmes Wasser getaucht, in welchem Haberstroh (ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder Bauer jedem Armen), Heublumen und Fichtennadeln (siehe: Fichtenreiserbad) gesotten wurden;

2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud ein- bis zwei Stunden lang einwickeln (siehe: Wicklungen);

3. in der Woche 2 warme Kräutervollbäder mit dreimaligem Wechsel ins kalte Vollbad - etwa 1 Minute;

4. dreimal wöchentlich einen Shawl umlegen, eine Stunde lang.

Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung bemerklich. Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:

1. Einwicklung des Armes in einen Absud von Haberstroh, Heublumen und Fichtennadeln;
2. wöchentlich ein warmes Kräutervollbad mit Wechsel ins kalte Vollbad (1 Minute);
3. dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute lang;
4. drei- bis fünfmal in der Woche ein kaltes Sitzbad von zwei Minuten Dauer.

Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung des kranken Armes und der Kniee und Wiederherstellung der Beweglichkeit.

Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:

1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen (siehe: Wicklungen) und gleich darauf kalte Abwaschung der Hand (siehe: Teilwaschungen);
2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;
3. in der Woche ein ein warmes Kräutervollbad mit dreimaligem Wechsel ins kalte Vollbad (1 Minute)
4. viermal wöchentlich ein Oberguß.

Der Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke wurden ganz frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich; das Gesammtbefinden und der Lebensmuth des Herrn Grafen war seitdem ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er Stunden lang ohne Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er - ein passionirter Waidmann - Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten müssen, konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd mitmachen zum Erstaunen der andern hohen Herren.

Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen vorzunehmen: ein kaltes Halbbad oder ein kaltes Vollbad oder Wassergehen im kalten Wasser. Kaltes Halbbad und kaltes Vollbad etwa 1 Minute lang. Wassergehen anfangen mit 1 Minute, dann länger bis 5 und 6 Minuten.

Gemüthsleiden     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

"Seit mehreren Jahren leide ich an Gemüthsverstimmungen, Kopfweh, krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am ganzen Körper. Mehrere Aerzte wollten mir Hilfe bringen, aber umsonst."

In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den Körper für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche ein Halbbad und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn Tage waren: 1) In der Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, vor dem Anziehen in kaltes Salzwasser getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der Woche ein Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich eine Ganzwaschung, um den Körper zur Thätigkeit zu bringen.

"Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr thun und kann auch nichts mehr thun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich abgemagert, und was man ihr bisher eingegeben hatten war ohne Wirkung."

Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig kalt waschen. 2) Täglich zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang. 3) Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuthtropfen in Wasser einnehmen. Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen: 1) In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine kalte  Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal kalt waschen und drei bis fünfmal wöchentlich im kalten Wasser gehen.

Geschwüre     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch außerhalb am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen Begleiter der verschiedenen Geschwüre. Wenn's brennt, laufen die Nachbarn zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am Körper brennt, so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig. Rasch meldet es ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen, die kommen, verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr. Entzündet sich an einem Gliedchen, z.B. an der Zehe, ein Geschwürlein, auch nur so groß wie ein Linsenkorn, so thut nicht bloß die ganze Zehe weh, sondern oft schon einTheil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz bis hinein in den Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein Zündhölzchen anzündet. So ein kleines Ding wirst seinen Lichtschein weit hinaus in den Hof.

Anna hat schreckliches Weh am Daumen. Man sieht nicht viel. Der Finger ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas röther als die anderen Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel schmerzt es heftig. Gib Acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper nicht mehr wohl sein! "Da muß etwas dahinter stecken", meint der Vater. Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen Stecken. Das Mädchen bindet natürlich seinen Finger gut ein und wartet drei bis sechs Tage zu, was das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt an. Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib zuckt's. Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger an der kranken Hand geheilt ist.

Wie hätte das Mädchen den Finger in die Kur nehmen sollen? Sobald es merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu sein, schmerzt, so soll es thun, wie die Mutter thut, wenn sie aus dem Herde ein kleines Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend oder mit etwas Wasserspritzen auslöschend. Vielleicht mag's so gut werden.

Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon die Hand wehe thut, so ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger die Hand ergriffen. Darf nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten, um den Brand zu kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Uebel besteht nicht allein im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern vielmehr in giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.

Dem Mädchen werden in einem kalten Armwickel (siehe: Wicklungen) Finger und Hand umwunden, und dieser Wickel werde so oft erneuert, d.h. neu eingetaucht, als er heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach dem Volksmunde "ein böser Finger" werden, d.h. er muß und wird ausbrechen; aber Alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu vereitern, und es ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die Größe einer Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung erreicht.

Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sich auf den ganzen Körper ausdehnen, so verordnen wir diesem eine Zeit lang täglich den spanischen Mantel. Das Allgemeinbefinden wird in Bälde wieder ein gutes sein.

Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem Namen "Wurm am Finger". Die Behandlung, vielmehr Mißhandlung eines derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und thöricht die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand verlassen hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am oder im Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich Manche diesen Wurm vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß eine neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie (Scharlatanerie), wie sie es nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben lassen, dann ist es mit dem Wurm aus. Und wenn dann genug gesalbt und geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisirt und der Finger nach mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden ist und aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt es. "Seht, der Wurm ist getödtet, der Wurm geht ab." Weiter kann man es in der Thorheit und Selbstverblendung nicht treiben.

Was ist denn so ein Wurm am Finger? Nichts Anderes als ein größeres Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper haben. Deßhalb muß, wie auf Finger und Haut, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch die Hand- und Armwickel (siehe: Wicklungen). Den Finger umwinde man zwei- bis drei- bis vierfach am besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden des Beinchens zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen Wassers ist gut Absud von Heublumen oder Zinnkraut), und man erneuere das Eintauchen des Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich mehren. Auf den ganzen Körper wirke man durch ein bis zwei kurze Wickel oder den spanischen Mantel, täglich je einen von einer Stunde Dauer. Nach der ersten Woche geschehen die Wickelungen nur jeden zweiten oder dritten Tag. Mit Ober- und Untergüssen sei man vorsichtig und wende sie erst später, wenn genügend ausgelöst und abgeleitet ist, zur Kräftigung an. Sobald der Finger "reif" ist, d.i. sich bläulich färbt und an einer Seite weich wird, dann soll man mit dem Oeffnen und Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn mit dem Eiter Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern, und so ist es gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die Sache erleichtert wird. Das Bangen vor dem zu frühen Oeffnen eines Geschwüres ist bei Wasseranwendungen ziemlich überflüssig (große Reinlichkeit), bei Salbereien wohl begründet.

Die Heilung des Wurmes kann noch in folgender Weise geschehen. Bei mir war dieses oft das kürzere Verfahren. Man bade Finger und Vorderarm täglich zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen) Heublumenbad von einer halben Stunde Dauer. Die Finger-, Arm- (siehe: Wicklungen) und Körperwickel bleiben dieselben wie oben.

Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine Haut mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene Fleischmasse. Das Bein (Knochen) blickte an mehreren Stellen durch. Der Arzt hatte Schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten, abgenommen werden. Ich schaute mir die Hand an und dachte: "Gott, könnte ich dem armen Mann die Hand retten. Dann legte ich mir den Fall also zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht recht frisch aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich angeschwollene, eckelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in welche der Körper seine nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese scharfen Stoffe mehren die Geschwulst, zerfressen das Fleisch und vergiften Alles, was sie angreifen. Somit muß ich einwirken auf den halbabgefaulten Daumen, noch kräftiger aber auf den Körper, daß er aufhöre, sein eigenes Glied zu morden. Der Ueberlegung folgte das Handeln.

Der Daumen und die ganze Hand bekam Wickel (siehe: Wicklungen) von Heublumen- und Zinnkrautabsud (beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Der kranke Leib erhielt täglich einen kurzen Wickel und wöchentlich dreimal den spanischen Mantel. An den wunden Finger ließ ich jeden Tag recht verdünntes Alaunwasser gießen, welches den Unrath wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und Alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in der That nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu einem neuen Daumen, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.

Gesichtsrose     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

"Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist angeschwollen, sieht feuerroth aus; er hat ein heftiges Fieber; es verbreitet sich die Röthe über das ganze Gesicht; es zeigen sich an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören," - so klagte mir eine Gattin. "Schleunigst soll ein  Shawl umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht," - verordnete ich; "drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder überbelegt werden; so dreimal wiederholt - macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden (siehe. Oberaufschläger), drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel entfernt find, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden, ein Stunde lang liegen (siehe: Unteraufschläger). Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lau-warmem Wasser. Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen."

Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen: Dem Kranken soll täglich zweimal ein Shawl umgelegt werden, drei Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den ganzen Körper, mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später nur mehr alle Tage; Soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches (kaltes) Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon Mehrere geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachtheil zurückblieb.

Josepha, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund war besonders stark geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs bis zehnmal, wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den Shawl um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um Vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.

Gicht     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Wer zur Herbstzeit in's Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirth die Galle kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie vertheilen dem hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie auf's Gerathewohl der einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf denen die Wucherstellen die übel angebrachte Verschwendung zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die in Folge der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.

Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.

Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen Ungleichheit herrscht? Dem Einen wird's täglich und stündlich im Ueberflusse zugeworfen; ein Anderer hat jahraus jahrein Quadragesimalzeit. "Was für eine Mahlzeit?" fragte einmal Einer. Nicht 40-, sondern 365tägiges Fasten ! Wenn nun Jemand täglich und stündlich seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt, daß die Natur es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und verwerthen können, was muß die Folge sein? Die Knochen z.B. brauchen zu ihrem Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken Speisen vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu drei Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da bilden sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um die Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.

Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine langdauernde, entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden mit so wohlbehäbigen Podagranern (Schlemmern). Es ist nicht ganz christlich, aber manchmal sehr erklärlich. Die Leute sagen: "Er hat das Genießen gehabt; er habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen Genusses." Indessen können auch arme Leute von der Gicht heimgesucht werden, ja selbst die Aermsten.

Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote vor; er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er aus lauter Diensteifer die Pflege des Körpers vernachlässigt hatte. Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst, statt am Bein am Ueberbein.

Weitere Ursachen können sein: allzugroße Anstrengung, Vernässung, Erkältung u.A. Gicht im hohen Grade quält viele, Gicht im geringeren Grade unzählige Menschen. Sie quält die Einen an den Zehen, die Andern im Kopf, Viele am Aeußern, Viele im Innern des Körpers.

Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen, die gerne folgen und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr leicht. Bei den Podagranern der ersteren und vornehmeren Gattung gebe ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits unter dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen; heilbar wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.

Ein Herr von Stand litt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen. Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der Bruderschaft der Podagraner. Schwitzen kurirte ihn dieses mal. Doch nach einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen an's Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses Wasser allein heilte das zweite mal nicht. Er ließ mich befragen und erklärte, er werde Alles thun, was immer verlangt werde, wenn nur diese fürchterliche Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen Wochen war die Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten Kalk kommt und dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die Gichtbeulen unter den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte der Patient von Zeit zu Zeit die eine oder andere Wasserübung, und so viel ich weiß, hat das Uebel seit den letzten Jahren ihn nicht weiter belästigt. Die Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim folgenden Falle kennen.

Ein Priester sandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen ihn wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch thun könne. Ich rieth, er solle in heißem Wasser angeschwellte und hernach ausgepreßte  Heublumen auf ein Linnen bringen, die schmerzenden Füße mitten drein legen und den warmen Heublumenwickel gut zubinden (siehe: Fußwickel). Nach zwei Stunden solle er die aufgelegten Heublumen von Neuem in den Heublumenabsud eintauchen, auspressen und nochmals umbinden. Ob die Heublumen das zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt umgebunden werden, bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester that so die folgenden Tage. Nach dem ersten halben Tage schon waren die Hauptschmerzen entfernt, nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz frei von Schmerzen.

Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede man Haberstroh (Haferstroh - bekommt man bei jedem Bauern) und tauche die zu umwindenden Fußwickel in den Absud. Auch dieses ist bei unserem Uebel von vorzüglicher Wirkung. Man beachte, wie ich bei diesem Leiden mit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse.

Vor einer Täuschung muß ich hier warnen. Sobald den Kranken die Füße nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig kurirt. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig wäre. Den Fußwickeln müssen wenigstens einige Anwendungen auf den ganzen Körper folgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu entfernen. Am besten dienen während der drei ersten Wochen wöchentlich zwei bis dreimal der spanische Mantel (je 1,5 bis 2 Stunden), im folgenden Monat einige Warmbäder mit Absud von Heublumen oder Haberstroh (Haferstroh) und dreimaligem Wechsel.

Ein Taglöhner hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er ging wöchentlich dreimal in den Sack (siehe: Kurzer Wickel), den man in heißen Haberstrohabsud eingetaucht hatte; dann wurden ihm in der Woche zwei Fichtenreis-Bäder bereitet von 33 bis 35° Reaumur = 41 bis 43° Celsius mit dreimaligem Wechsel (ins kalte Bad von je einer Minute). Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt. Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige Zeit in der einen Woche zweimal den Sack, in der anderen das beschriebene warme Bad. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an, den er bis heute gut versieht.

Ein Brunnenmacher zeigte mir die Gichtknoten an seinen Fingern und an seinen Zehen. die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, - Gicht durch Vernässung.

Jeden zweiten Tag ein eben beschriebenes warmes Bad, jeden dritten oder vierten Tag die Anwendung mit dem Sack (Kurzer Wickel) haben den Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Uebel befreit. Die Hände hat er sich über die Nacht in angeschwellte Heublumen eingebunden (siehe: Wicklungen).

Ein armer Hausvater bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht oder einem anderen Uebel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.

Es war gerade die Heuernte. Ich rieth ihm, er solle aus seinen Heustock gehen, der eben in Gährung sei, dort eine Art Grube in das heiße Heu machen und sich in das heiße Heugrab legen, mit heißem Heu auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er that's und schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper wie im Wasser schwamm. Sechsmal innerhalb zehn Tagen stieg der Bauer in so ein Heubad, und es hat ihn gründlich kurirt.

Nicht einem Jeden würde ich solches rathen. Aber nur Derjenige, der es selbst probirt, kennt die große und auslösende Kraft solchen Heudampfes. Recht alte, tief eingewurzelte Uebel können oft durch solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würde Derjenige diesen Heudampf am wirksamsten brauchen, der unmittelbar vom Dampfbade (siehe: Dämpfe) weg ganz rasch ein kaltes Halbbad nähme mit Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.

Das ist nicht so dumm und überspannt, wie Manchem dünken möchte. Das bewiesen neben vielen Anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zu Stande gebracht werden könne.

Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß schwächere Rheumatismen, Krämpfe, gewöhnlich Ueberreste und Ueberbleibsel nach schweren Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu entfernen wären.

Du siehst, mein lieber Landmann, was für Schätze du im Haufe hast! Probir's einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau werden ! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus allen Gliedern ziehen.

Und wenn du einmal so ein Reissen oder Brennen verspürst, sei vernünftig! Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß dessen Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten.

Ein Wirth erzählt:
"Ich habe oft so reissende Schmerzen im Kopf, besonders wenn das Wetter anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen. Es kommen die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die Oberschenkel; wenn sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr gehen. Trinke ich ein Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in den Kopf. Weil ich es schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede ordentliche Arbeit unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht entleidet."

Die Anwendungen waren folgende:

1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder (Haferstrohbäder), 30° Reaumur = 37° Celsius von einer halben Stunde; darauf kräftig kalt abwaschen oder ein kurzes kaltes Bad (1 Minute).

2) Jeden Tag einen Oberguß mit Knieguß.

3) In der Woche dreimal ganz waschen, so rasch als möglich, im Schweiß oder im Bett Nachts.

4) Täglich am Morgen und am Abend eine Tasse Thee von fünf bis sechs frischen Holderblättern, fein zerschnitten, fünf Minuten lang gekocht.

In vier Wochen war dieser Wirth vollständig gesund, so daß seine Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.

Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er alle Monate ein solches Haberstrohbad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.

Ein Gewerbsmann kommt und erzahlt: "Bei mir sind beide Füße stark angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern ist der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und thun mir recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es mich aus, so daß ich kaum mehr zu athmen vermag; ich kann fast gar nicht mehr gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen, daß ich kaum mehr weiß, wo ich bin. Aerzte habe ich viele gehabt, habe recht viel eingenommen, aber soweit ich urtheilen kann, hat sich meine Lage bei allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir schon oft den Tod gewünscht." Der Betreffende war ziemlich stark und sah mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann, obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank. Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Aerzte sollte Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.

In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Uebeln befreit, und er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu haben. Was hat ihm geholfen?

1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann jeden zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen eingebunden (siehe: Fußwickel), nämlich die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde darüber gewunden und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang.

2) Jeden zweiten und später jeden vierten Tag, mußte er ein nasses Hemd anziehen, in Heublumen-Absud getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils verschwunden war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und Knieguß und auch Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.

Gries- und Steinleiden     Krankheiten F - G     Inhaltsverzeichnis

Gar oft kommt es vor, daß Gries und Stein sich bilden in der Blase und in den Nieren. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden selbst erduldet hat, kennt diese fürchterlichen Schmerzen. Die Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.

Obenan stehen hier die Haberstrohbäder (Haferstroh). Es wird Haberstroh (wer dieses nicht zur Hand hat, nehme Zinnkraut oder saures Pferdeheu) gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet mit ungefähr 30° Reaumur = 37° Celsius. In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem (kaltem) Wasser kräftig ab. Solche Bäder können in der Woche drei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Woche zwei bis drei kurze Wickel oder statt derselben nasse Auslagen über die schmerzlichen Theile (ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung - siehe: Oberaufschläger). Beide Anwendungen sind selbftverständlich stets nur im Bette vorzunehmen. Sie lösen die Griessteine in Blase und Nieren aus und leiten dieselben aus.

Doch soll gerade bei diesen Leiden der Thee nicht vergessen werden. Obenan steht der Haferthee. Hafer wird eine halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als Haferthee wirkt Thee von Haberstroh (Haferstroh), der auf dieselbe Weise bereitet wird. Zinnkrautthee ist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne ich die Hagebutten, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Thee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurch genommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genannten Anwendungen sollen zwei bis drei Wochen in der angegebenen Zahl, weitere drei bis vier Wochen zur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Aerzte sicher verlieren.

Ein Herr, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei ihm innerhalb einiger Wochen viele hundert Steinchen abgetrieben worden.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Gries und Steinen, daß die Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst unangenehmes Kitzeln und Beissen und Brennen. Dreißig Haberstrohbäder (Haferstrohbäder) innerhalb eines Jahres, der spanische Mantel, wöchentlich ein paar mal angezogen, Thee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen vollständig.

Zum Schlüsse noch ein Wort an die jüngere Generation, die so gerne das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder Unwissenheit oder Bigotterie (übertriebenes frömmelndes Wesen) beruht, wie sie meint, und die stets und mit Hast nach Neuem strebt und greift.

Für alle Leiden, die zahlreicher und schmerzhafter austreten, - und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, - hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganzen Erde läßt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Uebel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben - und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) - diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen, d.i. den Büchern, welche sämmtliche Heilmittel enthalten, als "unwissenschaftlich" und als "veraltet" ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder aus. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat Rechte Merkwürdig! Jedes Thier, besonders jedes wilde Thier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und Mancher, der bald in die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst aus der Mode gekommen, thaten ebenso.

Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben. Aber nicht Alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese modern klingende Aufschrift trägt.

Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande geschrieben, und ihnen sage ich: "Danket eurem Schöpfer auch für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die Anderen, die Reichen nicht!"

"Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie in einem Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt wo immer zu finden sein!"

"Das würde mich schmerzen, wenn auch ihr Gottes Gabe, die Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es sonst so gut mit euch meine euch nicht mehr helfen!"

Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Hämorrhoiden
Halsbräune
Halsleiden
Harnbeschwerden
Heiserkeit
Herzleiden
Hexenschuß
Hüftnerven-Entzündung (Ischias)
Hypochondrie
Impfen
Katarrh
Knieschwulst
Knochengeschwüre
Kolik
Kopfflechten
Kopfleiden (eigener Art)
Kopfleiden
Kopfleiden, nervöses
Krämpfe
Krätze
Krebs

Hämorrhoiden     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Die Hämorrhoiden (Goldadern nennen sie die gewöhnlichen Leute) können theils mit zum Erbtheil der Eltern gehören, theils in Folge der Lebensweise entstehen. Stubensitzer, Aktenmenschen, Studirte, Feinschmecker u.s.w. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt. Der Landmann, der jahraus jahrein Kartoffel und einfache Mehlkost ißt und das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem an Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein (Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit thut, kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.

Diese Hämorrhoiden sind ein lästiges, ein überaus lästiges, wenn auch im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurch ungefährliches Uebel. Schon das Jucken und Brennen ist recht unangenehm, manchmal sehr peinlich, peinlicher noch die drückende Einwirkung auf das Gemüth; sie machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in denen sie das Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum Wahnsinn steigern.

Daraus schon wird klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Uebel nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen Charakter annimmt.

Doch was sind denn eigentlich Hämorrhoiden, wie entstehen sie? Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die häutigen Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere Taschen ohne jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann füllen sich diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rothe Kugeln. Solche Kugeln, blut oder schleimgefüllte Taschen sind die Hämorrhoiden, mögen sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen, blinde oder sehende (fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.

Die Adern sind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut ungeregelt an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern aus, am meisten da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine Blutteiche bildet. Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand oder im Gesicht, und diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten dieselben innerhalb des Körpers im Mastdarm u.s.w. auf, so heißen sie die blinden Hämorrhoiden; dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die Knoten außerhalb am After erscheinen.

Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Ausbrechen der Knoten wird dem Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten sie ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und im Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung kommen sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die Plünderer sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese Blutsauger die Adern, besonders die Hauptadern.

Je zahlreicher die Knoten auftreten, und je öfter sie aufbrechen, um so schadhafter müssen die von ihnen besetzten Theile werden. Daher kommt es nicht selten vor, daß an den betreffenden Stellen bösartige, unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs,  Fisteln, Geschwüre u.s.w.

Ueberaus peinliche Mehrung des Leidens können die sogenannten Madenwürmer bringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie die Zacken in die Haut, so bohren sich diese in den Mastdarm ein. Bei großer Anzahl zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind leicht bösartige Geschwüre.

Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht und erzielt in den meisten Fällen sicheren Erfolg. Die Zahl derer, denen so Hilfe ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle glücklich verliefen.

Greifen wir zuerst die Madenwürmer an, diese Afterblutegelchen, wenn solche vorhanden sind. Sie verrathen sich meist durch ein Zwicken, Beissen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder drei kalte Klystiere (ein Klystier ist ein kleines Glasröhrchen, eine kleine Pumpe, mit einem aufgesetzten Gummiballon und dient zur Einführung von Flüssigkeiten in den Mastdarm zu Reinigungs- und Behandlungszwecken) schnell nach einander und lasse dieselben gleich wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klystier gleich wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus. Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen alle ab.

Haben wir es mit Hämorrhoidalknoten allein zu thun, so merke man sich Folgendes: Von Stellen, wo zu viel Blut hinströmt, muß dasselbe abgeleitet werden; Gefäße, die zu sehr ausgedehnt wurden und eben deßhalb zu weit auseinandergehen, sind zu verengen.

Für alle diese Zustände dient folgende Anwendung gut: Man bereite sich im Bette einen Unteraufschläger, d.i. in unserem Falle ein recht dickes, vielfach zusammengelegtes, in's kälteste Wasser getauchtes Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende bis über den After hinausreicht, so breit, daß es den Rücken deckt. Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und besser nochmals eingetaucht.

Als fernere Anwendung thut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in der Woche drei- bis viermal ein Sitzbad nehmen, kalt und kurz. Man kann dasselbe an einem halben Tage oder auch Nachts vom Bette aus zwei- bis dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.

Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in jedem Vierteljahr innerhalb ein bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren durchmacht, darf sicher sein, daß das Uebel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie zu lästig wird. Wem Solches zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen keinen Rath.

Bezüglich der Nahrung mache ich nur auf einen Punkt aufmerksam, der nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier haben angefangen, statt des modernen Hausbrodes Kleienbrod zu essen, und sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig gehoben sei. Dieses Kleienbrod (Kleienbrod = Weizenmischbrot bestehend aus: 15 % Weizenspeisekleie, 55 % Weizenmehl, 30 % Roggenmehl) möchte ich sehr empfehlen, es sollte eine Zukunft haben. Nicht bloß bei Einzelnen, allgemeine Verbreitung sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrod, nicht das verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt des Auslandes fand ich einst Kleienbrod (dasselbe ist bekanntlich sehr schwer) so leicht wie anderes Brod. Ich durchschnitt den Wecken. Inwendig war es Brod wie anderes Brod; nur über die Rinde her hatte der kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept für Kleienbrodbereitung bei.

Halsbräune     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die Halsbräune. "Das Kind hat es," sagt er, "gerade wie die drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht mehr athmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben. Was soll ich thun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und bis dahin ist mein Kind todt." Die Antwort lautete: "Hausvater, gehe gleich heim, mache etwas Wasser, das mit Essig gemischt ist, heiß, tauche ein Handtuch ein, winde dieses aus und wickle damit den ganzen Hals des Kindes gut ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten Wickel drei Viertelstunden lang liegen (Halswickel). Dann tauche das Tuch von Neuem in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei Viertelstunden den Umschlag von Neuem naß machend!

Nach Verlauf der sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend. Sodann applizire dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen kurzen Wickel um den Leib! Darüber lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig, aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben. Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen. Sollte nach sechs bis acht Stunden noch schweres Athmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das Tuch von Neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren."

Der Vater that, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.

Heilung wäre auch dann erfolgt, wenn man das Tuch in recht kaltes Wasser (mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hätten noch die Füße bis über die Waden mit eingewickelt werden können (Fußwickel).

Halsleiden     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Andreas fängt zu erzählen an, wie folgte "Ich kann fast nicht mehr reden, manchmal will's gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg bösen Finger. Damals habe ich's das erste mal bekommen, daß ich nicht mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt, das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will ich aber nicht thun lassen."

Das Aussehen des Mannes zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Aeußern im Innern angelaufen, aufgedunsen, daher im Allgemeinen Verengung in diesen Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der kranke Finger das erste mal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert, der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man ableitend zuerst auf den ganzen Körper ein, sodann im Besonderen auf die Kopftheile.

Ersteres geschieht durch die Anwendung des Sackes (Kurzer Wickel) und die Umlegung des Shawls. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote. Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor in Haberstrohabsud (Haferstroh) eingetaucht hat. Dieses thue er drei Tage nach einander, je 1,5 Stunden. Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden dritten Tag. Den Shawl trage er täglich eine Stunde lang. Nach vierzehn Tagen kann er Ganzwaschungen vornehmen zweimal in der Woche, und einmal in der Woche soll er den spanischen Mantel tragen. Wenn das Halszäpfchen noch Beschwerden macht, kann er ein paar Kopfdämpfe vornehmen, natürlich an verschiedenen Tagen. Dem Uebel wurde gründlich gesteuert.

Ein Priester erzählt: "Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Uebel steigerte sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze affizirt. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25. Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung Meran zu verlassen und Wörishofen (den Ort in dem Kneipp praktizierte) aufzusuchen.

Die Wasseranwendungen, täglich zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze Homilie (Predigt) und ein Amt (Meßfeier) zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein wie früher; ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll und ganz nachkommen."

Harnbeschwerden     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um ihn möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß es, entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald stand ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich nichts machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie vor Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm jammerte und weinte seine Frau, die rathlos dasaß.

Ich gab ihr an, eiligst strudelndes Wasser zu machen und zugleich einen Leibstuhl herzurichten. In den Topf solle sie eine Handvoll Zinnkraut bringen. Ich bemerke, daß der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß hätte derselbe den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das Wasser sprudelte, die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut. Der Kranke ging auf den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die schmerzenden Stellen beräuchern. So solle er, befahl ich, 20 bis 30 Minuten sitzen bleiben und darauf in's Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich bei, werde ich wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach einer Stunde kam ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem Schweiße. Freudigst erzählte er mir, es seien schon zwei Liter Wasser abgegangen, und er fühle nicht mehr die geringster Schmerzen. Die Vorbereitung zum Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann nochmals so einen Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er Rasttag, und am vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.

Der Mann hatte sich erkältet und so das Uebel sich zugezogen. Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig angewendet, in den bittersten Leidensstunden an
Hilfe bringt.

Ein Bauer bekam ein ähnliches Leiden. Beim größtem Drang und unter namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter Wasser abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein neues, fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich das abgebrochene Stück aus dem Leibe herausgebracht worden war. Eine schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase einzudringen. Doch der zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden, Rettung sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald. Zufällig hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten Fall geheilt (Leibstuhl + Zinnkraut-Dampf). Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung blieb nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich, und der Kranke wurde vollständig gesund. Täglich nahm er zwei solcher Dämpfe.

Noch kann empfohlen werden, neben der äußerlichen Anwendung aus Zinnkraut einen Thee zu machen und diesen Thee (täglich eine Tasse auf zwei bis drei Portionen vertheilt) zu trinken.

Ein armer Taglöhn er hatte mehrere Wochen hindurch große Beschwerden der angegebenen Art. Das Uebel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendete Zinnkraut-Dämpfe an; doch sie wollten dieses mal so gute Wirkung nicht hervorbringen. Die Dämpfe allein waren zu schwach, ihre Wirkung mußte durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut ausgesotten, ein vierfach zusammen gelegtes Linnen in den heißen Absud getaucht, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt (Oberaufschäger). Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Uebel geheilt. Erkältung, wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel "Krankes" im Innern gelöst wurde.

Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes warmes Wasser, mit Essig gemischt, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher (Oberaufschäger) thaten dieselbe gute Wirkung.

Eine Hausmutter lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer ärztliche Hilfe. Die Aerzte erklärten das Uebel als Blasenkrebs. Die Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten. An ein Auskommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich rieth dem armen Weibe, es solle Zinnkraut sieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das etwas ausgewundene Tuch das ausgekochte Zinnkraut selbst legen, einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden (Oberaufschäger oder Kurzer Wickel). Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung Sie that so fünf Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedes mal gut gemessene zwei Stunden. Dreimal täglich nahm die Frau auch innerlich Zinnkrautthee. Am fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Theile davon abgelöst hatten. Das Uebel war gründlich kurirt, der fatale Krebs mitsammt den Scheeren richtig gefangen.

Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den Katheter und erklärte, daß es für dieses Uebel keine Medizin mehr gebe. In der That mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes große Fieberhitze ein, und was ganz fatal war, er sollte nichts trinken. Zwei Uebel galten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig, fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rath, der Kranke solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes Wasser getauchtes Linnen sich legen (Unteraufschläger), drei Viertelstunden lang, dasselbe Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe appliziren (Oberaufschläger) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten Anwendung gingen 1,5 Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. Nach innen nahm der Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen eine Tasse Thee von Zinnkraut, Wachholderbeeren oder Attichwurzeln (fünf Minuten in Wasser gesotten). Rosmarin, in Wein angesetzt, selbst Wachholderbeeren allein, in Wasser gesotten und als Thee getrunken, hätten gleichfalls gute Dienste gethan. Das erste Uebel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder als früher.

Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:
"Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Ueber eine halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es langer andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser ab. Ich habe schon viele Aerzte gehabt. geholfen hat gar nichts; habe 80 Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes; ein klein wenig half es. aber das Uebel ist nicht im geringsten gehoben. Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht ein wenig Wasser ab, und geschieht dieß nicht, so mache ich das Leiden immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu thun?"

Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh (Haferstroh), 30 bis 32° Reaumur = 37 bis 39° Celsius zehn Minuten in's warme, dann eine halbe Minute in's kalte, dann wieder zehn Minuten in's warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage, an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Kniee, ebenfalls in Haberstrohwasser (Haferstroh gibt's beim Bauern oder im Kräuterladen) getaucht, wenn's geht, eine Stunde lang; so 12 bis 14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Thee trinken von Zinnkraut und Wachholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.

Ein Knecht bekam große Beschwerden im Uriniren. Es ging nur wenig und langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.

Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Uebel nahm indeß immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.

Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25 bis 30 Tropfen von Wachholder- und Hagebutten-Geist (Kräuter-Likör) in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Uebel ziemlich gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag Wermuthtropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.

Recht empfehlenswerth ist für solche Zustände, für Blasenleiden, überhaupt für Gries (Steine), einen Absud zu trinken von Blättern des schwarzen Johannisbeerstrauches.  Solcher Thee hat selbst in ganz schwierigen Fallen schon vorzügliche Dienste gethan.

Heiserkeit     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Mädchen mit elf Iahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten so verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise sich verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die Augen bläulich, und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und Entkräftung. Die Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit war mehr da außer zu etwas Bier und Wein.

Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt, und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal barfuß im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Shawl umlegen. 3) In jeder Woche viermal ein Sitzbad. 4) Bei warmer Temperatur während der letzten drei Wochen im Sonnenwasser (Wasser, welches von der Sonne beschienen wird = Teich, Pol, See, Freibad) baden, dreimal wöchentlich.

Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch, halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.

Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und gesund.

Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis Mai. Er versuchte Alles, zog mehrere Aerzte zu Rathe, aber umsonst. Das Leiden blieb das alte, vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei mir Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.

Der Herr mußte täglich bis an die Kniee in's Wasser stehen und zugleich beide Hände in dasselbe halten. Außerdem mußte er Ganzwaschungen vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht beim Aufwachen.

Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich verschwunden, und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.

Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.

Herzleiden     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Unzählig viele in unseren aufgeregten Zeiten lebende Menschen werden als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen und die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar Vieles herhalten müssen. Wenn Einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich möchte sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu kränkeln an, da soll's auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar noch ein organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden! Meine ganze bisherige Erfahrung - es sind mir unzählige solcher Fälle vorgekommen - strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie nun an den Adern, an den Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen. Unter hundert Fällen, in denen die Betreffenden selbst sich entweder für herzleidend hielten oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz auffallend wenige mit wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete Patienten vor. Das Herz gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber das ist wahr, es geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es für den Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien, wenn man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr gehen, wenn ich die Uhrgewichte aushänge. Thorheit wäre es, zu sagen, die Uhr sei schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich die Klappen zubinde oder verrosten lasse.

Das gesündeste Herz kann in seiner Thätigkeit gehemmt, gestört werden, wenn irgend ein Feind, der im Körper sitzt, ihm sozusagen den Hals zuschnürt. Man suche diesen Feind, man hebe gewisse Uebelstände, und keine Spur eines Herzleidens wird mehr vorhanden sein. Mich bringt es immer auf, wenn es nur heißt: Herzleiden, Herzleiden. Man ängstigt ohne Grund die Leute und fügt Aufregung zu der leider schon in übergenügendem Maße vorhandenen Aufregung.

Ein Mann, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach Aussage der Aerzte ein Herzleiden; des Herz dehne sich zu sehr aus. Ich erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses, fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einen Ausschlag. Das war mir genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden Stelle sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden Säfte aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin, der sich selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu thun, d.h. mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch: so oft der Ausschlag stärker auftrete, sei's ihm um die Herzgegend herum ganz wohl; wenn der Aufschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann stelle sich jedesmal ein fürchterliches Herzklopfen ein. Das war alles Wasser auf meine Mühle. Der Mann erhielt in der Woche zwei kurze Wickel, einen Unterwickel, einen spanischen Mantel und einen Fußdampf. Wurde durch den spanischen Mantel auf den ganzen Körper auflösend und ableitend eingewirkt, so durch den kurzen Wickel hauptsächlich auf den Unterleib. Der Unterwickel vollendete die Arbeit des kurzen Wickels, und der Fußdampf zog den etwa noch vorhandenen Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung nach unten. In ungefähr drei Wochen schied der Körper überaus viel, ich hoffe, alles Ungesunde aus. Das Herzleiden war spurlos verschwunden. Wenn demnach in früherer Zeit und auch nach Heilung des kranken Körpers kein Herzleiden da war, kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht behaupten, daß überhaupt niemals und zu keiner Zeit ein solches vorhanden gewesen ist?

Nachts 10 Uhr wurde ich zu einer Hausmutter gerufen, die nicht mehr reden konnte des schweren, harten Athems wegen. Der Herzschlag war so stark, daß man seine Bewegung auf der Bettdecke ganz gut bemerkte und sein Hämmern selbst in einiger Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen der Kranken schmeckte es ganz süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze zu sterben, woran auch ihre Mutter in demselben Jahre bereits gestorben war. Der behandelnde Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden, in erster Linie aber ein Herzleiden. Die Hände und die Füße waren ganz kalt, und fortwährend quälte ein Drang zum Husten.

Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner ursprünglichen Heimath, dem Herzen, zugelaufen Sein. Und es sucht wieder einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es gleichsam die Riegel (die Klappen) und die Herzthore sprengen. Du hast ja schon gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen und Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.

Der fürchterliche Herzschlag der Frau wurde in fünf Minuten dadurch bedeutend vermindert, daß ein doppelt zusammengelegtes nasses Handtuch auf den Unterleib gelegt wurde (Oberaufschläger), wohin das Blut, welches sich, gut behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin der Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm als weitere Anwendungen am ersten Tage im Bette zwei Ganzwaschungen vor; am zweiten Tage bekam sie den spanischen Mantel, am dritten einen Kopfdampf, am vierten einen Fußdampf. In dieser Reihenfolge setzte sie die Uebungen eine Zeit lang fort. Der Unterleib, der am längsten nicht Vernunft annehmen wollte, war der Hauptübelthäter und bei dem heftigen Ueberfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer und Anstifter gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das Müthchen, und Alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel ich weiß, auch später nie mehr etwas gefehlt hat.

Ein Herr von Stand war längere Jahre schon leidend und konnte nur mit großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche Ängstlichkeit vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommniß brachte ihm Herzklopfen, Erregtheit, Furcht. Seine Umgebung mußte sehr vorsichtig sein im Berichterstatten. Freude und Leid bewirkten stets Störungen im Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte gebeizt werden, und es erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die Zimmer ja stets ihren bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten Aerzte wurden zu Rathe gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber überein, der Patient habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber und Hämorrhoiden einen organischen Herzfehler, der wohl mit einem Herzschlage enden werde. Der Herr starb wirklich. Des merkwürdigen Leidens wegen wurde der Leichnam secirt. Und was stellte sich heraus? Daß Lunge, Leber und Herz mit zu den gesündesten Organen gehörten, daß sich nur um das Herz eine Masse von Speck angesetzt, deßgleichen sich auf der Brust eine Schichte Speck gebildet hatte. Der Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut ging aus, da es durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbirt, aufgezehrt wurde. Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt, und er hat hinzugefügt: "Bei diesem Falle ist die Wissenschaft wieder einmal gründlich betrogen worden."

Ein Mädchen klagt: "So oft ich schnell gehe oder über etwas erschrecke oder etwas fürchte, deßgleichen so oft ein Unglück erzählt wird, fühle ich stets einen argen Druck in der Herzgegend, und das Herz klopft so heftig, daß ich Furcht bekomme, ich müsse plötzlich sterben. Dabei werden Hände und Füße kalt, und in das Herz kommt eine große Hitze. Ich habe eben, wie mir auch von zwei Aerzten gesagt worden ist, ein Herzleiden." Ein Herzleiden natürlich, was könnte es denn anders sein?

Wie klar, wie sonnenklar liegt hier die Sache. Wenn ein Kind unter der Hausthüre sitzt, und es kommt ein großer Hund, da schreit es, springt auf und flieht erschreckt in das Haus hinein und ruft: "Mutter, Mutter!" Und wenn das arme Herz durch besondere Ereignisse erschreckt wird, dann schreit und sprangt es gleichsam auf in heftigem Pochen, und das Blut flieht von den Hausthüren, den Ausgängen des Körpers, den Extremitäten, in's Haus, in's Herz hinein, und dieses klopft dann noch mehr und schreit, daß man es Strecken weit hört. Was ist da Ausfallendes, wo ist da ein Herzleiden? Das Mädchen soll zu allererst alle unnützen und schädlichen Einmummungen und Einhüllungen u.s.w. ablegen, dann mit leichteren Abhärtungsmitteln beginnen. Das zarte Wesen wird dann nicht mehr vor jedem Bellen eines Hundes, vor jedem Pfiff der Lokomotive scheu werden. Täglich dreimal je eine Minute in's kalte Wasser stehen bis über die Waden, ebenso oft die ganzen Arme in's kalte Wasser halten - das sind vortreffliche Stärkungsmittel. Sollte es zu kalt werden, so kann das naive Ding ja etwas auf das kalte Wasser blasen, es wärmend anhauchen. Probatum est! (Es ist bewährt!)

Diese Uebungen währen eine Woche. Dann kann sich die Kranke dreimal in der Woche Nachts vom Bette aus schnell mit kaltem Wasser ganz abwaschen und einmal wöchentlich bis unter die Arme in's frische Wasser gehen (Kaltes Vollbad), nur eine halbe Minute lang, dabei den Oberkörper kräftig abwaschen. Diese Uebungen füllen die zweite Woche. In der dritten und vierten Woche endlich soll die Kranke täglich zwei Ober- und Untergüsse sich geben lassen und darauf durch Bewegung oder Arbeit sich zu erwärmen trachten. In sechs Wochen war das Mädchen gesund, und alle Herzübelskrupel waren weggewaschen.

Ein Fräulein kommt und bittet um Hilfe. Es erzählt also: "Ich habe den Kurs als Musiklehrerin mit der ersten Note bestanden, und sechs Jahre lang habe ich Musik gelehrt in einem Ordensinstitute. Jetzt habe ich so viel Kopfleiden, daß ich kaum mehr ein Instrument hören kann, weder Orgel noch Klavier noch Violine. Selbst die Glöcklein am Altare geben mir heftige Stiche im Kopfe. Die Aerzte nennen meinen Zustand ein Nerven- und Herzleiden. Gesund wäre ich in's Kloster aufgenommen worden; so aber bin ich berufs-, selbst brodlos und leide unsägliche körperliche und geistige Schmerzen."

Der Erzählerin entgegnete ich: "Ihnen kann ich nicht helfen. Sie müssen sich anderswo Hilfe suchen." Auf die Frage, warum ich denn gerade ihr eine so harte Antwort gebe, sagte ich rundweg: "Sie werden als Stadtfräulein mit höheren Studien, mit solchen Sprach- und Musikkenntnissen doch nicht thun, was ich haben will; im Uebrigen ist Ihr, wenn auch tief beklagenswerther Zustand, heilbar." Rasch entschlossen erklärte sie: "Um gesund zu werden, werde ich thun, was immer Sie verlangen." Und sie hat Wort gehalten. Ich schickte sie zehn Tage lang mit den weiblichen Dienstboten - es war März - auf die Wiesen hinaus, dort solle sie barfuß gehen. Täglich bekam sie zu allmähliger Ueberleitung in's Kalte ein warmes Fußbad und einen Oberguß. Statt des warmen Fußbades kniete sie nach sechs Tagen täglich in's kalte Wasser, so daß das Wasser bis an die Magengegend reichte. Feldarbeit machte sie der Bewegung wegen mit, so weit Uebung und Kraft es erlaubten.

Nach zehn Tagen kehrte das Fräulein zu einem Wohlthäter zurück, welcher ihr die Studien ermöglicht und auch die Wasserkur angerathen hatte. Sie setzte all' die Uebungen, aber auch mit Lust und Freude die liebgewonnenen Haus- und Feldarbeiten fort. Statt des Geigenbogens und der Klavier- und Orgelhefte nahm sie fleißig Spaten, Rechen und Gabel in die Hand. Je mehr der Körper aufhörte, schwach und siech zu sein, um so mehr, in demselben Grade schwanden auch das Nerven- und Herzleiden und alle sie begleitenden Beschwerden. Nach vier Monaten hatten auch die letzteren aufgehört, und die Frische und die Gesundheit der Kindheit waren wiedergekehrt.

Ein Studierender der Theologie kam und fragte mich, was er anfangen solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und die Aerzte sagten, er habe neben Anderem ein Herzleiden. So gerne wäre er Priester geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem Herzklopfen und der damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre einfach Alles auf. Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als Schein vor.

Ich rieth dem Patienten, er solle seinen Körper vernünftig abhärten. Das thue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle er das Fach wählen, welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte er seine Studien fort und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige seiner Kursgenossen werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen. Jeden Morgen ging der junge Herr über eine halbe Stunde barfuß im Morgenthau, täglich stieg er in's Wasser bis an die Magengegend (Halbbäder) mit Waschung des Oberkörpers. Leichte Arbeiten ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen Lieblingswunsch, die Wälder aufzusuchen, benahm. Zur Stärkung gebrauchte er später reichliche Obergüsse, täglich einen, oft zwei, im Wechsel mit Halbbädern. Kopf- und Herzleiden verschwanden mit der Zunahme der allgemeinen Körperkraft.

Hexenschuß     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Agatha kommt und erzählt: "Mein Mann hat heute Nacht, ich weiß nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will. Es ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er schon öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl thun?" Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald verschwinden. Es könnten auch warme Ueberschläge gemacht und nach jeder Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich das Uebel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem Wasser und Essig den Rücken waschen.

Der Hexenschuß ist häufiger aus dem sogenannten Kreuze und verursacht große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch sich legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht ist (Unteraufschläger). Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis dreimal, nach je einer Stunde frisch einzutauchen.

Hüftnerven-Entzündung (Ischias)     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, - das seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidende Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.

Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab, das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner, und er konnte selten eine Stunde schlafen.

Endlich faßte er Muth, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet hatte: das kalte Wasser.

Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am Vormittag, 2) Nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß, Nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad; mitunter auch Barfußgehen, also Abhärtung.

Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient Nachts vier Stunden Schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen war er vollständig geheilt.

Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an Hüftnervenschmerzen und besuchte deßhalb verschiedene Bäder: Ofen, Teplitz, Heviz u.a., jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder. Seit zwei Jahren leidet er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl stets angehalten, Blähungsbeschwerden, Kopf eingenommen, am meisten in der Frühe. Besonders klagt der Patient über außerordentliche Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderungen und anhaltendes Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei Jahren immerwährend Jäger'sche Wollkleidung trug. Ferner bestanden talgartige Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der Hände.

Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; Vormittags Oberguß; Nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein Halbbad; Kniegüsse; auch Sitzbäder gegen die Verstopfung.

Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem vierten Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf ein und blieb seitdem gut. Das langwierige Ischias-Leiden ist ganz gewichen. Die Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist überglücklich.

Ueber seine jetzige Bekleidung rühmt er: "Ich trage so leichte Kleidung, auch an kühlen, regnerischen Tagen, als Jemand im Hochsommer haben kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm und bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt mir alles wie ein Wunder vor."

Hypochondrie     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Mit den Hypochondern wie mit den Skrupulanten (Perfektionisten) habe ich stets inniges Mitleid. "Es ist eben ein Hypochonder, ein Skrupulant!" Tausendmal kann man dieses hören. Eine wohlfeile und fade Rede! Und dann lacht man noch dazu und thut dem Armen in liebloser Weise oft recht wehe. Gerade diese Kranken verdienen unser größtes Mitleid und unsere regste Theilnahme. Ich frage mich immer: "War dieser Hypochonder (dasselbe thue ich bei Skrupulanten) einmal ein normaler Mann? Gab es eine Zeit, wo er vernünftig dachte und wacker arbeitete?" Wenn ich nun bejahende Antwort erhalte, dann wäre es doch von meiner Seite unvernünftig, zu glauben, diesem Menschen fehle nichts, er treibe solche Thorsten, solches Selbst und Anderer Matyrium aus reinem Vergnügen. Ich muß mir vielmehr sagen: mit diesem guten Mann muß im Innern, im Körper oder im Geist eine Veränderung vorgegangen sein, d. h. er muß recht krank sein, daher solche Erscheinungen. Und ich fahre also fort: Suche man das, was sich geändert hat, zu heilen, den früheren gesunden Zustand wieder herzustellen; das Hypochonderwesen hört dann von selbst auf. Gerade die tüchtigsten Leute, die sich durch Studium viel abmühen, verfallen oft in diese Art Gemüthskrankheit. Es wird ihnen wie eingeblasen. Im bestgebauten Hause kann plötzlich was ausbrechen.

Nach meiner Ansicht ist bei der Hypochondrie, wie bei jeder Geistes- und Gemüthskrankheit, die Wurzel des Uebels stets im Körper, im kranken Körper zu suchen. Nur bei solcher Auffassung wird man sicher und mit Erfolg heilen. Man suche bei solchen Kranken das Schlaffe zu wecken, das Geschwächte zu stärken, das Unthätige wieder in bessere Bewegung zu bringen; mit einem Worte: man bringe den Blutumlauf in das richtige Geleise, und der Hypochonder wird geheilt sein.

Ich kannte einen Mann von herrlichen Geistesgaben. Viele, viele Jahre lebte er ganz glücklich in seinem Berufe und that mit Leichtigkeit und Begeisterung Arbeit für Zwei. Auf einmal ward er Hypochonder und kam soweit, daß er um seine Berufsarbeiten sich nicht mehr im Mindesten kümmerte, Alles scheute und fürchtete, jede Gesellschaft floh.

Statt der Hilfe, der Theilnahme, der er mehr als jeder Andere bedurfte, hörte er täglich und stündlich das verachtende Urtheil: "Sie sind eben Hypochonder, Ihnen kann man nicht helfen!" Sollte das nicht einen Mann niederdrücken müssen?

Merkwürdig! Der Herr hatte (ich erfuhr es von ihm selbst) schon zwei Wasserheilanstalten besucht, sie verschlimmerten den Zustand. Die Anwendungen waren zu drastisch, zu stark, zu gewaltsam; sie halfen bei diesem halbzerstörten Bau mit, noch mehr einzureissen, nicht auszubauen.

Gerade in diesem Falle hatte ich Gelegenheit, wieder auf's deutlichste zu sehen. wie das Wasser, auf's gelindeste angewendet, die besten und solidesten Erfolge sichert. Daß so ein Uebel nicht in wenigen Tagen gehoben werden kann, ist klar.

Wer die gewöhnlichen Regeln für Gesundheits- und Körperpflege (vernünftige Nahrung, Kleidung, Lüftung, Erholung, Reinlichkeit) befolgt, wird diese fatale Laus nie in den Pelz bekommen. Bei etwaigen Meldungen, gleich im Beginne, kann ihr leicht der Abschied gegeben werden.

Die geeignetsten Wasseranwendungen bestehen in Ganz- und Theilwaschungen, in Bädern (Halbbädern), besonders dem Sitzbade, in kurzen Wickeln, zuletzt in kalten Ganzbädern.

Noch zwei Punkte, die mich drücken, mögen hier mit einem Worte stehen. Es ist ein Unglück unserer Zeit, daß man so viel auf geistige Getränke (Alkohol) hält, daß selbst junge Leute sich an starke Weine so leicht gewöhnen. Alle diese scharfen Sachen gießen Oel in's Feuer; Blut und Säfte unserer jetzigen geschwächten Generation können derlei Zeug nicht brauchen. Bleibe man doch nüchtern und einfach, und manches Leiden, das eigentlich erst in der "Neuzeit" und mit dem "Fortschritt" auf die Krankheitsbühne trat, wird allmählig wieder hinter den Coulissen verschwinden.

Als einen weiteren Uebelstand möchte ich es sodann bezeichnen, daß so viele Menschen sich fast ausschließlich von Fleisch nähren wollen, daß die trefflichen Milch- und Mehlspeisen, welche die besten Säfte, das beste Blut ohne alle Schärfen liefern, so sehr verachtet und gemieden werden. Das kann keine guten Folgen haben, ist auch Unnatur. Den Raubthieren allein hat der Schöpfer Magen und Gebiß nur für's Fleisch zugerichtet. Dem Menschen, wegen dessen Alles erschaffen ist, hat er sein Nahrungsgebiet nicht so enge begrenzt. Thoren sind, - zu ihrem eigenen Verderben, - die Solches thun.

Vom Impfen und den schlimmen Folgen desselben     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Bauer aus Altbayern erzählt: "Ich habe ein Kind zu Hause, das am ganzen Körper geschwollen ist. Die Füße sind ganz dick, der Leib ist doppelt so dick, als er sein sollte, der Kopf wie der Oberkörper, Alles ist angeschwollen. Das Kind ist schon seit drei Vierteljahren nicht mehr gesund, das Elend steigert sich von Woche zu Woche. Es bekommt bald da, bald dort kleine Geschwüre, die schnell aufbrechen, jedoch alsbald wieder zuheilen, und ihnen folgen wieder an anderer Stelle solche Geschwüre. Ich war in München bei drei Aerzten, habe noch andere Aerzte gefragt und gesucht, wo ich glaubte, Hilfe zu finden, aber immer vergebens."

Dem Bauer rieth ich: "Sieden Sie Heublumen, eine halbe Stunde lang, tauchen in diesen Absud ein leinenes Hemd ein, winden es aus, legen es dem Kinde an (siehe: Nasses Hemd) und wickeln dieß in eine wollene Decke, lassen es 1 1/2 Stunden im Wickel und machen es so täglich zweimal. An jedem dritten Tag lassen Sie das Kind ein Heublumenbad nehmen, wobei möglichst viele Heublumen im Wasser bleiben. Das Wasser sei so warm, daß das Kind gerne hineingeht und gerne 25 bis 30 Minuten darin verbleibt."

Nach vierzehn Tagen war das Kind schon ziemlich normal, heiter, bekam Appetit, und die weiteren Anwendungen waren folgende: Jeden dritten Tag war das Kind wieder einzuwickeln (Nasses Hemd + wollene Decke), eine Stunde lang, am vierten Tag in ein warmes Heublumenbad zu bringen, aber vom warmen Wasser aus recht tüchtig kalt  abzuwaschen.

So wurde zehn bis vierzehn Tage fortgemacht, dann war das Kind ganz gesund.

Ein Herr erzählt: "Ich war in meinem Leben stets gesund. Vor zehn Jahren, als die Blattern in meiner Umgebung herrschten, ließ ich mich, wie viele Andere, impfen. Ich bekam keine Blattern.; aber es blieb die Impfstelle am rechten Arm immer etwas geröthet. Dazu kam ein kleiner Ausschlag um den Impfschnitt. Ich merkte acht Jahre hindurch bloß, daß die entzündete Stelle sich erweitere, und jetzt, nach zehn Jahren, habe ich die nassen Flechten so lästig, daß ich ganze Nächte keine Ruhe finde. Diese Flechten sind bald stärker am einen Arm, bald am andern, und so ist auch der Wechsel an den Füßen. Angewendet habe ich viel, die giftigsten Salben auf der Hautfläche; eingenommen habe ich auch viel, Alles ohne Erfolg."

Anwendungen: Sicher sind hier das Blut und die Säfte verdorben, und die Flechtenstellen dienen bloß zum Ausfluß der verdorbenen Säfte. Somit ist nothwendig, daß auf den ganzem Körper eingewirkt werde, alles Krankhafte in Blut und Säften aufzulösen und auszuleiten.

1. In der Woche dreimal in der Nacht den ganzen Körper vom Bette aus waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett gehen.

2. Die Flechtenstellen mit einem Absud von Foenum graecum täglich zwei- bis dreimal gut auswaschen. Statt gesottenem Foenum graecum wird gut wirken Aloe, in heißem Wasser aufgelöst, zu einem Liter Wasser ein Kaffeelöffel Aloe.

3. Zweimal in der Woche den spanischen Mantel. So vierzehn Tage lang bis drei Wochen fortgemacht.

Weitere Anwendungen: in einer Woche oder innerhalb vierzehn Tagen ein warmes Bad mit kaltem gewechselt (das kalte Bad etwa 1 Minute - ruhig zwei oder drei mal wechseln). Gut wäre während dieser Kur etwas Wermutthee, täglich zweimal je drei bis vier Löffel voll.

Katarrh (Schleimhautentzündung)     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Die zahlreichsten Katarrhe entstehen dadurch, daß man vom Aufenthalte in der Kälte und im Freien, vielleicht gar schwitzend, schnell in einen ziemlich warmen Raum kommt. Auch kalte Zugluft, der man einige Zeit ausgesetzt war, kann schnell einen Katarrh reifen. Gewöhnlich fühlt man fast sofort eine Verengung auf der Brust, im Halse, in der Nase. Es ist, als stecke einem ein kleiner Knödel im Halse. Uebersieht man diesen im Anfange des Katarrhs, so setzt er sich fest und breitet sich aus. Empfänglicher ist, wer zu warme Kleider trägt, wessen Körper und einzelne Organe in Folge dessen sehr verweichlicht sind. Gar nicht schwer wäre es (ich sage es kühn), von jedem Katarrh frei zu bleiben, wenn man seinen Körper nicht "barbarisch", sondern nur vernünftig abhärtete, wie dieses schon an so manchen Stellen betont wurde.

Wie muß man es anfangen, um verschont zu bleiben? Ein Beispiel soll uns darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich starkem Tempo gegangen. Es ist draußen "hübsch frisch", wie der Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen, er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich gethan, ich wäre die letzten 5 bis 20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und dann noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in einiger Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme etwas abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der Luft wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch einige Zeit aus- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.

Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit, den kleinen Knödel im Halse, wohlan, gehe nochmals in's Freie und mache dir eine leichte Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles Ueberflüssige im Halse auflösen und entfernen.

Die Heiserkeit ist nichts Anderes als die Ausdehnung des Katarrhs in den Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden, keinen Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin, die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen!

Folgende Bemerkung noch dürfte Manchem einen Dienst erweisen. Es gibt Leute, die Anlage haben, viel zu hüsteln. Jede Kleinigkeit, z.B. ein Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es thut nicht wohl und thut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne den geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den Eltern geerbt und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar keine Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von tiefer gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten: Wer lang hustet, lebt lang. Andere Erbtheile dagegen sind nicht so unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung werth. Dahin gehören z.B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft herrschende Auszehrung, Schwindsucht u.s.w.

Da gilt der Grundsatz: Principiis obsta! (Wehre den Anfängen!) Gleich den ersten Anfängen entschieden und wirksam entgegentreten mit aller Umsicht und Vorsicht! Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht früh. Ein kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer Familie um Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die stärkste Tanne, den kräftigsten Körper ruinirt und stürzt, in's Grab bringt. Vorsicht also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte Leiden ohne weitere schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.

Kniegeschwulst     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb der Knöchel bis über das Knie hinaus. Die Geschwulst war zeitweilig sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes Jahr ärztliche Mittel, unter Anderem einen Gipsverband zwölf Wochen lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte sich so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte; besonders schmerzte das Kniegelenk.. Weil Alles nichts geholfen, wurden versuchsweise angeschwellte (gekochte) Heublumen aufgebunden und zwar von oberhalb der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen ließen bald nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur Hälfte verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.

Knochengeschwüre     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Oft treten rings um die Knochen harte Geschwülste auf, besonders gerne unten am Kinnbacken, an den Knöcheln, am Knie, auch an anderen Knochenstellen. Man könnte fast meinen, der Knochen selbst sei gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der meistens fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft 14 Tage bis drei Wochen). In der That erheischen solche Geschwülste stets große Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei Vernachlässigung tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe nicht mehr leicht, oftmals unmöglich.

Die kräftigsten und schnellsten Heilmittel bestehen in einem zwei-, drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen an der geschwollenen Stelle (siehe: Wickel). Am erprobtesten gelten mir Umschläge mit Absud von Heublumen, von Haberstroh = Haferstroh (vom Bauern oder aus dem Kräuterladen), ferner Umschläge mit abgekochtem foenum graecum und mit Topfenkäs (Zieger - Ziger ist eine Masse, die sich beim Erhitzen von saurer Molke abgeschieden wird. Eventuell im Käsegeschäft kaufen.)

Bei einer Fußknöchelgeschwulst wird ein Unter- oder ein kurzer Wickel gute Dienste thun und die Heilung beschleunigen, bei einer Kinngeschwulst ein Shawl oder Halswickel, auch der kurze Wickel, bei einer Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen Fußes. Es genügt täglich eine der genannten Anwendungen.

Kolik     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Kolik mit Abweichen (Durchfall) oder mit Erbrechen tritt oft plötzlich auf. Man kennt keinen Grund und keine Veranlagung. Es kann eine Erkältung, eine Erhitzung vorangegangen sein, oder irgend eine Speise, ein Trank hat der Natur den Spuck gespielt. Man bringe einen derartigen Kranken ungesäumt in's Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch eine Bettflasche) auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu peinigend), so daß keine Luft zudringen kann. Als Linderungsmittel reiche man ihm einen Schoppen Milch, in der Fenchel oder Kümmel gesotten wurde. Das einfache Hausmittel wird genügen.

Was die Speise und das Getränk betrifft, so lange der Zustand dauert, so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte, leicht verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch ausreicht, den lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur empfehlen.

Kopfflechten     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Eine Bauerstochter erzählte: "Ich habe schon ungefähr zwei Jahre stets Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer; unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre, aus denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes Beissen am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe schon viel eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich nicht.

Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder in's Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein nasses Hemd anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen. Zum Einnehmen täglich zweimal jedes mal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in einem Glas Wasser."

Kopfleiden (eigener Art)     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr von hohem Stande hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es begann regelmäßig Morgens 7 Uhr, dauerte bis Abends zum Sonnenuntergang und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal leichte Sachen lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes besorgen konnte. Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz; dieser war wie weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich angestrengt hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und hatte den Umfang ungefähr eines silbernen Fünf-Markstückes. Die Schmerzen griffen nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper dergestalt an, daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen wich auch die Kraft. Die berühmtesten Aerzte wurden um Rath gefragt, auch eine Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne sichtlichen Erfolg. Da sandten die Aerzte den Patienten zum letztem Versuch nach Meran, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich geheilt in die heimatliche Großstadt zurück.

Seine Angehörigen begrüßten ihn mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern Morgen Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte Posto an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen Hause, und guter Rath war theuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch einmal an's Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche. Der hohe Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem er sein Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei selten ohne Katarrh und besitze auffallend wenig Naturwärme. Man wolle all Dieses einem viele Jahre früher erlittenen Unfälle zuschreiben. Sei dem, wie ihm wolle, so schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn heilen.

Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche nicht den schmerzenden Fleck am Kopfes sondern
die ganze kranke Natur, den ganzen entkräfteten Körper anklagten. Darnach richtete ich mein Verfahren ein. Auf den Gesammtorganismus wurde eingewirkt und das lokale Kopfleiden nicht einer Anwendung gewürdigt. Die einfachen Abhärtungsmittel mit einigen Waschungen, wie sie im ersten Theil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d.i. die gleichmäßige Transpiration der Haut, die richtige Emulation des Blutes, gute Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen, völlige Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie genug von Neuem erzählen!

Wie richtig mein Urtheil bezüglich des Kopfleidens war, bewies der Erfolg. In circa sechs Wochen erfreute sich der ganze Körper des besten Wohlseins. Auch das gefürchtete Stirnleiden brachte die 7 Uhr-Stunde nie wieder. Dessen Heilung hat das Wasser (wie gesagt, ohne jede Anwendung auf diese Stelle) bei Heilung des Gesammtkörpers umsonst obendrein gegeben.

Kopfleiden     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

"Seit 6 bis 7 Jahren," so berichtet ein Herr, "leide ich mehrere Wochen an einem Kopfweh, das mir die Erfüllung meines Berufes recht hart und oft unmöglich macht. Es verschwand mir oft aller Muth und alle Lebensfreude. Ich habe einen Druck in dem Kopf und das Gefühl. als ob etwas in einer Flüssigkeit umherschwämme. Jeder feste Fußtritt bewirkt neue Schmerzen im Kopf. Wenn ich durch Gehen oder Arbeiten warm werde, ist's mir ungefähr, wie es einem recht Betrunkenen sein mag. Achtmal hatte ich schon Nierensteinkolik. Zwölf Aerzte, die ich wegen meiner Rückenschmerzen zu verschiedenen Zeiten konsultirte, haben das Uebel nicht erkannt. Nur ein einziger hat mir etwas Hilfe bringen können. Nierenschmerzen bekomme ich, wenn ich etwas Saures esse, oder wenn sich zu viel Gase anhäufen; wenn ich länger gehe und warm werde, wenn ich länger sitze oder stehe, spüre ich das Uebel gleich. Bald fühle ich eine Feuerhitze im ganzen Körper, und bald darauf bin ich durch und durch voll Frost. Der Sommer ist mir immer härter als der Winter. Früher habe ich viel an Schlafsucht gelitten. Gesund war ich, sehr kräftig, stark und gut gebaut. Ich glaube, daß man kaum noch elender sein kann, als ich zwanzig Jahre hindurch gewesen bin. Ich war auch schon einmal in Königstein in der Heilanstalt, bekam wohl Erleichterung, aber nicht Heilung."

Die Anwendungen waren: 1) Täglich zweimal Oberguß. 2) Täglich im kalten Wasser gehen und Knieguß. In der Woche drei bis fünfmal Rückenguß, öfter Sitzbad, besonders fleißig die Abhärtungsmittel: im Gras und auf nassen Steinen gehen, Thee trinken von Wachholderbeeren, Hagebutten, Zinnkraut, aber nur zeitweilig, täglich zwei Tassen.

Innerhalb vier Wochen war er gesund, und jetzt nach einem halben Jahre kann man sagen, er besitze die volle Gesundheit und auch die vollste Kraft, geistig und körperlich.

Ein Mann erzählt: "Ich bin 35 Jahre alt, habe beständig Kopfweh und manchmal eine solche Schwäche, daß ich es fast gar nicht aushalten kann. Auf der Brust habe ich meistens Schmerzen, gerade so auf dem Rücken. Am schmerzlichsten ist mir das Genick, wo ein beständiges krampfhaftes Zusammenziehen ist. Ganz auffallend ist, daß mir die Haare massenhaft vom Kopfe fallen; wenn es noch ein halbes Jahr so fortgeht, dann habe ich kein Haar mehr auf dem Kopfe. Füße und Hände sind meistens ganz kalt. Appetit habe ich gar keinen."

Anwendungen: 1) Dreimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht. 2) Dreimal in der Woche während der Nacht den ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver einnehmen.

Nach zwei Monaten zeigte sich dieser Mann und erklärte, daß er jetzt vollständig gesund sei; er verspüre nur da noch Nachwehen, wo er die ärgsten Leiden gehabt habe. Sein Körpergewicht hatte um 10 Pfund zugenommen.

Zwei Herren, Musiker von Beruf, erzählen Folgendes: "Wir haben beide ein Leiden: Kopfweh beständig, manchmal fast unausstehlich, Schlaf ganz wenig und unruhig. Congestionen (Blutandrang) und Schwindel belästigen uns fast zum Verzweifeln. Füße und Hände sind ganz kalt. Wir sind fast unfähig zu unserem Berufe." Beide waren über fünfzig Jahre alt.

Zwölf Tage hindurch gebrauchten diese beiden Leidensgefährten Folgendes: Durch 6 Tage täglich zweimal Oberguß und zweimal Knieguß; die folgenden 6 Tage abwechselnd den einen Tag ein Halbbad, den andern Tag einen Rückenguß; außerdem einmal wöchentlich je einen Kopfdampf. Nach diesen 12 Tagen waren Beide hergestellt und übernahmen wieder ihren Beruf.

Um die Gesundheit zu bewahren und an Kräften zu gewinnen, war weiter nichts mehr nothwendig als taglich eine Anwendüng zur Abhärtung und zweimal wöchentlich ein Halbbad. Zufolge neuerdings gegebenen Nachrichten hielt die Besserung vollkommen an.

Ein Herr aus Ungarn kommt mit folgenden Angaben: "Mehr als ein Jahr bin ich zu meinem Berufe unfähig wegen heftiger Kopfschmerzen und starken Schwindels. Am ganzen Körper habe ich intensives Beissen und Brennen, das mir oft den Schlaf raubt. In Folge des Leidens bin ich theilweise schwermüthig und recht ängstlich."

Nach wenigen Wochen trat vollkommene Genesung ein unter Gebrauch folgender Wasserkur: 1) Oberguß, gleich darauf Wassergehen; 2) Halbbad täglich; in der zweiten und dritten Woche dreimal ein Halbbad, täglich Oberguß und Knieguß; 3) späterhin Vollbäder und Oberguß mit Wassergehen.

Kopfleiden, nervöses     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Zwei Studenten mußten die Anstalt verlassen, ehe das Schuljahr zu Ende war. Sie hatten beide so viel Kopfleiden und Blutandrang in den Kopf, daß sie nicht mehr studiren, selbst nur mehr einige Minuten lesen konnten. Beide haben durch alle angewendeten Mittel keine Hilfe gefunden. Ich gab diesen armen Studirenden den einfachen Rath, sie sollen die meiste Zeit des Tages mit Barfußgehen, besonders im Thau zubringen; sie sollen wo möglich im Wald oder in irgend einem Bächlein jede Stunde einige Minuten hineinstehen (siehe: Gehen im kalten Wasser), dazu noch täglich zwei, bei warmer Witterung sich drei Obergüsse geben lassen.

Die beiden Jungen befolgten diesen Rath, thaten noch mehr, als verlangt wurde. Das sichtliche Besserwerden machte ihnen Muth, und sie gingen am Schluß der Vakanz (Schulferien) gesund und freudig wieder in ihre Lehranstalt.

Wenn doch in den Anstalten, wo so viel geturnt wird, auch ähnliche Turnübungen vorgenommen würden, bei denen die Natur nicht erhitzt und aufgeregt, sondern beruhiget wird! Es ist unglaublich, welche Wirkung das Barfußgehen auf nasser Wiese oder im Thau ausübt.

Ein Mann von 45 Jahren kommt klagend zu mir und beginnt: "Die Aerzte erklären mein Leiden für nervöses Kopfleiden. Ohne Kopfbinde bin ich gar nie; ich habe manchmal einen unausstehlichen Druck am Hinterkopfe, bald rechts, bald links. Kommt das Leiden auf den Rücken, dann bekomme ich starkes Herzklopfen, oft mehrere Stunden lang. Der Appetit vergeht oft ganz; ich habe einen solchen Schwindel, daß ich nicht mehr allein gehen kann; deßhalb mußte meine Frau mitreisen. Ueber alle diese Leiden aber geht mein Gemüthsleiden. Ich habe eine solche trostlose Schwermuth, daß ich mir schon oft den Tod gewünscht habe." Der Herr war ziemlich beleibt, die Gesichtsfarbe gelblich und abgestanden, der Leib stark gefüllt.

In 13 Tagen war der ganze Zustand wieder in Ordnung. Das Körpergewicht hatte viel abgenommen; Kopfweh und Schwindel waren verschwunden; statt dessen aber waren heitere Stimmung, guter Schlaf und Appetit zurückgekehrt.

Die Anwendungen waren folgende:
1. den einen Tag ein Oberguß und Knieguß Vormittags, Rückenguß und Wassergehen Nachmittags;
2. den andern Tag Vormittags Rückenguß, später Wassergehen, Nachmittags wieder Rückenguß und später Knieguß;
3. am dritten Tage Vormittags ein Oberguß und Knieguß, Nachmittags Ganzguß, später Halbbad.

Der Patient, weil kräftig und stark, erhielt täglich vier Anwendungen.

Krämpfe     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Ich wurde zu einer Kranken gerufen; diese zitterte am ganzen Körper, und es warf Sie im Bette bald in die Höhe, bald rechts, bald links; die Kranke selber konnte nicht reden; ihre Mutter erzählte:

"Meine Tochter hat stets schreckliche Kopfschmerzen, ein arges Drücken auf der Brust und in der Magen-Gegend; Hände und Füße sind stets eiskalt und naß von einem schmierigen Schweiß; meine Tochter ist drei Vierteljahre verheirathet; zehn Wochen lang war sie ganz gesund; dann haben diese Zustände im Kleinen begönnen und sich bis auf diese Höhe gesteigert; essen kann sie nichts oder höchstens einige Löffel Fleischsuppe oder Kaffee. Alles, was Sie von Aerzten eingenommen, auch Einspritzungen, und was man zu einem gezwungenen Schlaf angewendet, hat den Zustand nur noch mehr verschlimmert."

Dieser Kranken gab ich folgenden Rath:

Täglich zweimal die Füße in's kalte Wasser bis über die Waden (Gehen im kalten Wasser) und nebenzu die Füße abwaschen mit Schwamm oder Handtuch; gleich daraus die Hände in's kalte Wasser bis an die Achseln eine Minute lang (Kaltbaden der Arme), und nebenzu auch die Hände waschen; Hände und Füße sollen dann unter die warme Bettdecke kommen; jeden Morgen und jeden Nachmittag soll die Kranke ungefähr zwölf Kamillen-Tropfen in 6 bis 8 Löffel voll warmen Wassers einnehmen. Als Nahrung soll sie von Zeit zu Zeit 3 bis 4 Löffel voll Milch essen oder Malzkaffee trinken; besonders empfiehlt es sich, mit Milch und Malzkaffee zu wechseln.

Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden, und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört; das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.

Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße in's kalte Wasser, wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder in's Bett. Statt Kamillentropfen hat sie Wermuth- und Salbei-Tropfen genommen, jedesmal 10 bis 12 Tropfen im warmen Wasser; die Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die Kirche gehen und ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich, um vollständig gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche kalt zu waschen; Halbbäder würden noch kräftigere Dienste thun.

Krätze     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Das verabscheute Uebel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel Unheil anrichten. Am meisten zu beklagen ist, daß man, um (es sei das triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach seine Zuflucht zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos schaden und den mißhandelten Körper in's größte Elend bringen können. Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines thun diese eckelhaften Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut, verbarrikadiren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut nothwendigen Transspiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle, treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, Manchem die Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu heilen ist.

Bei mir suchte ernmal ein 28jährrger, gutgewachsener Mensch Hilfe, dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett erinnerte. Nirgends fand er Rath; man wußte eigentlich nicht, was ihm fehle. Ich fragte ihn: "Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal die Krätze gehabt? Er bejahte meine vorwitzige Frage, indeß mit dem Aber: "Sie ist in drei Tagen geheilt worden." - So will ich nicht heilen. Gott bewahre!

Gerade bei derlei eckelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles Andere auf Giftiges schließen lassen, muß bei der Heilung obenanstehend der Grundsatz gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht hinein gehört, das muß hinausgetrieben werden. Das Gegenteil praktiziren wollen hieße, etwa ebenso viel als Ungeziefer in die Kleider und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen. Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen, die das Ungesunde, Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.

Erst nahm unser Kranker drei Tage nach einander je ein warmes Bad (33° Reaumur = 40° Celsius) mit Absud aus Fichtenreisern mit dreimaligem Wechsel ins kalte Bad (1 Minute). Eine Seife that ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen, - ich kann nicht dafür, - wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm affizirt. Nach den Bädern folgten als stärkende Anwendungen noch in der ersten Woche nächtliche Ganzwaschungen vom Bette aus und ein viertes warmes Fichtenreiserbad mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein warmes Bad mit kalter Waschung und ein kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers; in der dritten Woche ein kaltes Ganzbad; in der Folge je innerhalb eines oder zweier Monate ein paar warme Bäder. Sollte die Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten Anwendungen fortgefahren werden. Selbst ein warmes Bad wöchentlich könnte nur gute Wirkungen haben.

In 6 Wochen war unsere recht armseliger Patient geheilt und konnte sich endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit an; von dem früheren lästigen Uebel hat er nie mehr das Geringste verspürt.

Also behandelt man die nach innen gedrungene Krätze.

Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen, so nehme auch er ein warmes Bad von 33  bis 34° Reaumur = 40 bis 41° Celsius und reibe sich mit scharfer Seife, am wirksamsten mit "grüner Seife" (Kaliseife), die er in jeder Apotheke bestellen kann, kräftig ein. Nach 1/4-stündigem Bade wasche er sich mit reinem Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife ab. Trefflich würde es wirken, wenn der Kranke sofort in ein zweites derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen könnte (am Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).

Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch Kleidungsstücke, Bettwäsche u. f. w. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine Hauptsache, nach den Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung, als auch die Bettwäsche gründlich zu wechseln. Alle Anwendungen würden sonst nichts nützen.

In 3 bis 4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.

Krebs     Krankheiten H - K     Inhaltsverzeichnis

Eine gar häufige Krankheit unserer Zeit sind die verschiedenartigsten Krebse. Es ist wohl kaum ein Theil des Körpers, der nicht vom Krebs oder krebsartigen Schäden zerstört werden könnte. Hat dieses Uebel einmal weiter um sich gegriffen, so wage ich mit Wasser nichts mehr anzufangen; Blut und Säfte sind schon zu verdorben.

Die Krebskrankheit ist erblich, zumal wenn bei einem Individuum Blut und Säfte bereits zu einer derartigen Zersetzung hinneigen.

Mir sind Eheleute bekannt, die eine an Zungenkrebs leidende Base besuchten. Ohne Ahnung von einem so schrecklichen Uebel entsetzten sich beide, als sie die schauderhaften Verwüstungen wahrnahmen. Bei der Frau schwoll die halbe Zunge innerhalb drei Tagen krankhaft an; dem Manne wurde die Unterlippe entzündet und wund. "Wir haben die Krankheit geerbt," - so klagend kamen sie zu mir. Ich suchte die bis zum Tode Erschrockenen zu ermuthigen und ihnen nach Können ihr steifes Behaupten auszureden. Zugleich rieth ich ihnen, sie sollten den einen Tag mit Alaunwasser den ganzen Mund, besonders die angegriffenen Stellen ungefähr viermal gut auswaschen, den zweiten Tag mit Aloewasser die Waschung wiederholen, zudem jeden zweiten Tag einen Kopfdampf nehmen und im Wechsel mit dem Kopfdampfe einen Wickel um den Hals anlegen.

Die zwei Personen wurden von dem Uebel ganz befreit. Ich selbst hätte nie geglaubt, daß bloßer Schrecken die Wirkung habe, eine so entsetzliche Krankheit zu vererben. Später erfuhr ich, daß sich ein Arzt wirklich dahin ausgesprochen habe, die Leute hätten das Uebel geerbt. Von beginnenden Krebsübeln, auch von fortgeschrittenen kleineren Krebsschäden sind mir mehrere Fälle vorgekommen. Sie konnten leicht geheilt werden. Alle Anwendungen zielten lediglich hin auf Reinigung des Blutes und der Säfte.

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Leibschaden
Lungen-Entzündung
Lungenleiden
Magengeschwüre
Magen- und Darmkatarrh
Magenkrampf
Magenleiden
Magen-Säure
Migraine
Nasenbluten
Nervenerschöpfung
Nervenleiden
Nervenüberreizung
Nervenzerrüttung
Nervöses Leiden
Nierenleiden 

Leibschaden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr, ungefähr 40 Jahre alt, klagte uber Schwindel, Congestionen (Blutandrang) und heftige Kopfschmerzen; er hätte einen guten Appetit, aber wenn er nach Appetit esse, müsse er es büßen. Wie sein Aussehen blühend roth, so ganz widernatürlich stark war sein Leib, obwohl Arme und Füße unverhältnismäßig dünn waren.

Er trug ein Bruchband auf Anrathen der Aerzte, weil zwei Leibschäden im Entstehen waren. Das Hauptübel bestand in Austreibung des Unterleibes durch Gase.

Als durch die Anwendungen des Wassers die Gase beseitigt und die Organe gekräftigt waren, verschwanden die hervorragenden Erscheinungen von Leibschäden; es wichen die Congestionen sammt dem Kopfschmerz, und so war der Kranke nach 4 Wochen vollständig hergestellt.

Die Behandlung bestand in Folgendem: 1. Tag: Oberguß mit Knieguß Vormittags, dann Oberguß mit Wassergehen Nachmittags. 2. Tag: Oberguß mit Wassergehen bis an die Kniee Vormittags, Nachmittags Oberguß mit Wasserstehen. 3. Tag. Oberguß mit Wasserknieen; Nachmittags: Rückenguß. 4. Tag. Oberguß und Wasserknieen; Nachmittags: Rückenguß. 5. Tag. Halbbad, später Oberguß; Nachmittags: Oberguß und zwei Stunden später Sitzbad. 6. Tag: Oberguß und zwei Stunden später Halbbad; Nachmittags: kaltes Bad bis unter die Arme (1 Minute). 7. Tag: Wassergehen bis über die Knöchel und zwei Stunden später Rückenguß.

In dieser Weise wurde fortgefahren, bis in vier Wochen die vollständige Gesundheit wieder erlangt war; besonders merkwürdig ist, daß sowohl sein aufgedunsenes Gesicht, sein ungewöhnlich ausgedehnter Leib, als auch die Leibschäden gänzlich verschwunden waren.

Lungen-Entzündung siehe: Emphysem der Lungen     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Lungenleiden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Eine Hausfrau erzählt Folgendes: "Die Aerzte sagen: ich habe Lungen- und Rachenkatarrh (Entzündung), meine Lunge sei stark angegriffen, und zwei Aerzte erklärten, es sei mir nicht zu helfen. Ich möchte nur noch den Versuch machen mit Wasser; wenn auch dieß nicht hilft, so füge ich mich in Gottes Willen." Durch 20 Tage hat das Weib täglich zwei Obergüsse erhalten und gleich darnach Knieguß und zweimal in der Woche einen kurzen Wickel; ferner täglich zwei Tassen Thee, in kleinen Portionen, von gesottenem Fenchelsamen, Brennesseln und Spitzwegerich. Nach dieser Zeit war der Husten verschwunden, alle Verschleimung gehoben, das Aussehen frisch, und die Kräfte waren wiedergekehrt.

Magengeschwüre     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Vieles Erbrechen, Brennen im Magen u.s.w. sind noch keine entscheidenden Zeichen für Magengeschwüre. Daß indeß solche manchmal vorkommen, ist leider nur zu wahr.

Solche Leidende sollen ja nichts Aetzendes einnehmen, wenig salzen, wenig pfeffern, wenig würzen. Recht einfache Kost und noch einfachere Getränke, besonders Milchkur, haben sich schon als die allerbesten Heilmittel erwiesen für die beginnenden kleinen Geschwürchen.

Im Uebrigen gibt uns das Heilverfahren bei kleinen äußerlichen Geschwüren einen Fingerzeig für die Heilung von Geschwüren im Innern. Am Finger kann ich ein Geschwür recht leicht heilen, wenn ich einen kleinen Lappen fleißig in's Wasser tauche und naß umwinde; er reinigt und heilt. Warum sollten innere Geschwüre nicht auch heilen, wenn man längere Zeit jede halbe Stunde einen Löffel Wasser einnimmt, oder wenn man aus erprobten Heilkräutern einen Thee sich machen läßt und, statt die gewohnte Tasse auf einmal zu trinken, jede halbe Stunde oder jede Stunde ebenfalls sich mit einem Löffel voll begnügt? Mache man einmal den Versuch mit Wermuththee oder mit Salbeithee oder mit Thee von beiden Kräutern zugleich (halb und halb)!

Oder man nehme eine kleine Messerspitze Aloepulver, löse es in einem Viertel-Liter Wasser auf und genieße die Arznei wiederum arzneiweise, d. h. alle Stunden einen Eßlöffel voll; wohlgemerkt, letztere Medizin nur immer einen halben Tag lang und mit Ausständen von je 2 bis 3 Tagen.

Ein treffliches Hausmittel, das selbst dem Aermsten nicht abgeht, ist das Krautwasser (Sauerkrautwasser). Das Sauerkrautwasser heilt die ältesten Schäden. Man vermische zu dem Zwecke einen Eßlöffel Krautwasser mit 6 bis 8 Löffeln gewöhnlichen Trinkwassers und nehme jede Stunde einen Eßlöffel voll. In der Regel hat nach meiner Erfahrung diese Tinktur gewirkt, und sollte einmal die vortheilhafte Wirkung ausbleiben, Schaden bringt das Hausmittelchen nie. Immer ist solche Medizin rathsamer und sicherer als diese und jene Giftpräparate.

Thee von Spitzwegerich wäre auch nicht zu verschmähen.

Als äußere Anwendung empfehle ich solchen Kranken jeden zweiten Tag eine 2 bis 4fältige Linnenauflage auf den Unterleib (Oberaufschläger), je 1,5 bis 2 Stunden zu tragen. Vortheilhafter als ein Eintauchen in einfaches Wasser hat sich ein Benetzen mit Absud von Heublumen, Zinnkraut, Fichtenreisern (siehe: Fichtenreiserbad) bewährt.

Sitzen einmal große, bösartige Geschwüre im Magen, gleich gefräßigen Raub- und Nagethieren, so ist an eine Heilung nicht mehr zu denken. Das Zerstörungswerk schreitet weiter und endet stets mit dem Zusammensturze des Ganzen, mit dem Tode.

Magen- und Darmkatarrh     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Eine Frau, 40 Jahre alt, klagte über folgende Leiden: "Auf der linken Seite unterhalb der Rippen habe ich immer Schmerzen, bald schwächer, bald stärker; ich kann oft die Schmerzen nicht mehr aushalten. Gerade so leide ich an Wasserbeschwerden; manchmal geht bereits nichts ab, und geht es auch oft besser, so habe ich doch immer Schmerzen. Recht oft wird der Schmerz so stark, daß ich mir den Tod schon gewünscht habe. Dann bin ich auch so aufgetrieben, daß ich mir nicht zu helfen weiß; mein Hals wird oft so dick und aufgedunsen, daß ich kaum zu reden vermag. Ich habe schon viel gebraucht von Aerzten und Nicht-Aerzten; manchmal bekam ich etwas Linderung, aber bald war wieder die alte Geschichte da."

In vier Wochen wurde diese Frau von ihren Leiden befreit durch folgende Anwendungen:
1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und Magen in einem Tuche aufbinden, 1,5 Stunden lang (Oberaufschläger); 2. dreimal in der Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen mit Wasser und etwas Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins Bett; 3. jeden Tag eine Tasse Thee von 20 zerstoßenen Wachholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3 Portionen trinken; so 12 Tage lang.

Nach diesen 12 Tagen folgende Anwendungen:
1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden (Oberaufschläger); 2. dreimal in der Woche in der Nacht sich ganz waschen und 3. zweimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe Minute lang; 4. den Thee forttrinken. So 3 Wochen lang.

Um den Körper in Gesundheit zu erhalten, reicht aus, in der Woche drei kalte Halbbäder zu nehmen.

Magenkrampf     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Herr N. hat sich öfters erkältet und dadurch Leibschmerzen bekommen; er mußte in Folge Anhäufung von Gasen sich oftmals erbrechen. War viel Luft abgegangen, und hatte er sich stark erbrechen können, fühlte er sich wieder wohl und hatte besten Appetit. Das Uebel steigerte sich aber mit der Länge der Zeit und begann ziemlich schnell nach jeder Mahlzeit derart heftig, daß er vor Schmerz zuweilen aufschreien mußte. Dabei waren Hände und Füße eiskalt und der ganze Körper in leichtem Frost.

Der Magen ist in solchen Fällen gewöhnlich ganz schuldlos, und der heftige Druck der Luft auf denselben verursacht Brechreiz und Erbrechen. Letzteres selbst lindert das Uebel nur auf kurze Zeit. Völlig beseitigt wird es nur dann, wenn im ganzen Körper gleiche Warme und gleiche Transspiration wie auch Emulation des Blutes hergestellt ist. Dieß wurde dadurch erreicht, daß der Kranke am ersten Tag dreimal mit ganz warmem Wasser und Essig im Bett gewaschen und, ohne abgetrocknet zu werden, gut zugedeckt wurde. Am zweiten Tage geschah dieß nur zweimal und von da ab täglich nur einmal. Dieß Verfahren genügt, so oft man durch Erkältung sich Fieber, verbunden mit Aufstoßen der Luft und Erbrechen, zugezogen hat.

Magenleiden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein fröhlich spielender, heiterer Knabe. Beispiele mögen meine Behauptung erhärten.

Amalie hat ein ganzes Iahr hindurch das Meiste, was sie genossen, erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3 bis 4 Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Aerzte. Der Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seiner ganzen Apotheke kein Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.

Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, - ein Jammerbild. Husten indessen (das war nur das Wichtigste) war nicht vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da fehle es ganz anderswo; zu den gesündesten Theilen an und in dieser Person gehöre der Magen. Die Einen ärgerten sich. die Anderen lachten; die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei. Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war das alles eins.

Was brachte mich zu solchem Urtheile?

Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (die Gase) beim Munde heraus. Der Magen und der Unterleib waren mit Gasen bis auf's Aeußerste, bis zum Uebermaß gefüllt. In solcher Umgebung kann es Niemand mehr aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muß seine geregelte Thätigkeit ganz oder zum größten Theile einstellen. Das Uebel vergrößerte sich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jede Transspiration gehemmt war.

Die Aufeinanderfolge der Anwendungen war diese: Lauwarme Unterwickel, Waschung des Oberkörpers, kurzer Wickel, Ganz-Waschung, Knieguß (eine halbe Minute), abermaliger Unterwickel, Oberguß, in's kalte Wasser knieen (eine halbe Minute) bis an die Magengegend, Ganz-Waschung, Ober- und Unteraufschläger. Jeden halben Tag sollte die Kranke eine dieser Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paar mal auf nassen Steinen gehen.

Durch lauwarme Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all' die anderen Uebungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die normale Thätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte in den luft- und gasleeren Raum der Appetit ein; Blut und Säfte mehrten sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.

Rosa leidet seit langen Jahren am Magen, seit einigen Monaten an besonders heftigen Magenkrämpfen. Sehr oft muß Sie das Bett hüten, und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Noth und Anstrengung ihrem Berufe theilweise vorstehen. Mehrere Aerzte haben erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einen recht schlechten Magen. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger und fester Form, in Pulver und Pillen- und anderer Gestalt, zum Theile scharfe Sachen.

Das Aussehen läßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen. Ihr Unterleib - so ergänzte sie das Krankheitsbild - sei stark aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen. Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz kalt.

Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Das Mädchen hatte sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß es oft plötzlich von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie Niemanden, dem sie sich anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Uebel, so lange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war, Alles, was er an Speisen ausnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.

Zu den allgemeinen Anwendungen, die Thätigkeit in den ganzen Körper zu bringen hatten, mußten besondere für den Unterleib (nicht den Magen) hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und auszuleiten. Als Anwendungen folgten (jeden Tag eine derselben): der spanische Mantel; Ueberlagen mit angeschwellten Heublumen auf den Unterleib (Oberaufschläger), jeden Tag 2 Stunden lang; der kurze Wickel (auflösend und ableitend); Ober- und Unteraufschläger; kalte Ganzwaschungen, zweimal jede Nacht vom Bett aus; wiederum der spanische Mantel.

Als Nebenanwendungen dienten das Gehen auf nassen Steinen oder im nassen Grase, mitunter der Knieguß. Nach 4 Wochen reichten aus ein Wechsel zwischen dem spanischen Mantel und dem kurzen Wickel, jeden zweiten Tag eine dieser Anwendungen. Daneben mußte die Kranke, wie oben bemerkt, häufig barfuß gehen. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. "So gesund bin ich," äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen Begegnung, "wie noch nie in meinem Leben."

Friedrich erbrach Anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definirte das Uebel als Magenverhärtung mit Magenschluß.

Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas alt und die Gesichtsfarbe gelb. Luft stoße es ihm viel aus dem Magen, meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben wir Unthätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme. Daher der ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf Magen und Kopf. Der Kranke mußte 10 Tage hindurch täglich ein Tuch, getaucht in Wasser und Essig, 2 Stunden lang auf den Unterleib binden (Oberaufschläger), täglich ein warmes Fußbad nehmen mit Asche und Salz und den Rücken sich in jeder Nacht zweimal kalt abwaschen lassen. Nach 6 Tagen schon verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patient wöchentlich zweimal den kurzen Wickel, einmal den spanischen Mantel an und nahm jeden zweiten Tag ein Fußbad mit Asche und Salz. Die dritte Verordnung bestimmte für die letzten 2 Wochen wöchentlich je 3 Ober- und Untergüsse und 2 Halbbäder (bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke vollständig hergestellt.

Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag indeß genügen.

Das muß und will auch ich gerne constatiren und zugeben: Wenn solche Uebelstande nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten und gefährlichen Magengeschwüre entstehen, die meistens in die entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.

Selbst da noch können Täuschungen und Irrungen vorkommen. Ein Beispiel will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten Magenkrebs, und man lasse bei mir nur anfragen, welche Vorsichtsmaßregeln in diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den Kranken selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs zum Rückzuge bliesen. Die Mittel bestanden in einfachen Theen von Schafgarbe, Wermuth und Salbei und in kurzen Wickeln im Wechsel mit Fußbädern.

Congestionen (Blutandrang) nach dem Essen, sowie Aufstoßen der Speisen, besonders 2 Stunden nach dem Essen und weiterhin den ganzen Nachmittag, wiederholten sich ungefähr alle 4 bis 5 Minuten; außerdem träger Stuhlgang, völlige Schlaffheit der Gedärme, starker Fußschweiß (starker, eckelhafter Geruch). Dieser Zustand dauerte 5 bis 6 Jahre. Verschiedene Mittel wurden angewendet, aber ohne Erfolg. Das Aussehen ist recht krankhaft, wie Porzellan-Farbe; die Ränder um die Augen sind ganz grau und blau, recht wenig Blut, wenig Naturwärme, schlechte Verdauung, deßhalb Blut und Natur nur krankhaft genährt.

Die Anwendungen müssen folgende sein: 1) die faulen Stoffe auflösen, 2) die Naturwärme vermehren, 3) durch Kräftigung der Organe eine bessere Verdauung bewirken, daß Blut und Säfte besser werden und die ganze Maschine in guten Gang bringen. Denn dieser Organismus ist doch einer Maschine gleich, die fleißig geschmiert wurde, aber kein gutes Material hatte, und deßhalb muß die Maschine überall gereinigt werden.

Anwendungen: 1) Warmes Fußbad zur Ausleitung der faulen Stoffe in den Füßen, ungefähr drei- bis viermal, bis der Fußschweiß aufhört. 2) Ganzwaschungen, die eine allgemeine Transspiration bewirken und zugleich die Naturwärme erhöhen. 3) Ober- und Unterguß.

Mit diesen Anwendungen soll man ungefähr 8 bis 10 Tage fortfahren, an jedem Tag zwei Anwendungen. Als zweite Kur kommt die Ganzwaschung, Ober- und Unteraufschläger, in's Wasser knieen, Rückenguß, wieder 10 Tage lang. Als dritte Kur folgen Halbbäder und Ganzwaschungen. In 3 bis 4 Wochen kann so ein Organismus wieder hergestellt werden. Zur Erhaltung und weiteren Befestigung aber ist nothwendig, in der Woche noch ein paar Anwendungen beizubehalten, wozu eine Ganzwaschung oder auch ein Ober- und Unterguß ausreicht.

Ein Weib, 64 Jahre alt, hat heftiges Brennen im Magen, Aufstoßen und Erbrechen; oft kommt dazu kaltes Fieber und manches mal auch starker Schweiß. Wochen hindurch nimmt das Uebel immer zu trotz aller angewandten Mittel. Die beste Wirkung wird hervorbringen: Täglich zweimal jedesmal 20 Wermuthtropfen in einer kleinen Tasse ganz warmen Wassers; dazu täglich einmal ein warmer Unteraufschläger eine Stunde lang; ferner jeden zweiten Tag ein doppeltes Tuch, in warmes Wasser getaucht, auf den Unterleib gebunden, eine Stunde lang (Oberaufschläger). Jeden zweiten Tag ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang.

Eine Person, 40 Jahre alt, klagte über häufige Magenschmerzen, Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit, saures Aufstoßen und Entkräftung. Besonders waren Hände und Füße meistens kalt. Die Anwendungen waren folgende: 1) Jeden Morgen und jeden Abend Brust und Unterleib mit halb Wasser und halb Essig kräftig einreiben (Waschungen). 2) Täglich 6 bis 8 Wachholderbeeren essen. 3) In der Woche dreimal vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. In 14 Tagen war die Kranke geheilt, und um gesund zu bleiben, wird selbe gut thun, wenn sie längere Zeit hindurch wöchentlich einmal sich ganz wäscht.

"Längere Zeit hindurch habe ich ein hartes Magenleiden. Es treibt mich gewaltig aus, und unter großen Schmerzen muß ich oft alles erbrechen. Meine Füße thun mir meistens weh und zeigen dabei krampfhafte Zuckungen. Meine Lippen sind beständig weiß; ich magere am ganzen Körper ab. Ich habe mehrere Aerzte gehabt; die haben mir aber nichts als zum Lavieren gegeben, und dieses hat mich wohl recht angegriffen und geschwächt."

Anwendungen: 1) In der Woche dreimal angeschwellte Heublumen auf den Unterleib binden, eine Stunde lang (Kurzer Wickel). 2) Jede zweite Nacht vom Bett heraus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. 3) Jeden Morgen 25 Wermuthtropfen in Wasser einnehmen, jeden Nachmittag 25 Tropfen von Hagebutten.

Eine Hausfrau klagt: "Ich bin gar nie frei von Schmerzen im Unterleib; derselbe ist oft aufgetrieben, und wenn es recht arg ist, habe ich einen Druck auf den Magen, daß mir viele Säure aufstößt, oft auch die Kost erbrochen wird. Mein Kopf ist recht eingenommen, und nicht selten habe ich großen Schwindel. Es gibt Zeiten, wo ich alle halbe Stunde Harn lassen muß, dann wieder Tage, wo höchstens einmal Wasser abgeht. Drei Aerzte erklärten, ich habe Magenkatarrh."

Diese Kranke wurde geheilt innerhalb 4 Wochen auf folgende Weise: Die erste Woche bekam sie bloß täglich 2 Obergüsse und 2 Kniegüsse und täglich eine Tasse Thee von Wachholderbeeren und Zinnkraut; in der zweiten Woche täglich einen Oberguß und Knieguß, zweimal einen Wickel von unter den Armen an; in der dritten Woche einmal den spanischen Mantel, dreimal ein Sitzbad und einmal ein Halbbad; in der vierten Woche Halbbäder, dreimal den spanischen Mantel, einmal Wassergehen täglich.

Magen-Säure     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Erescentia erzählt: "Ich bin 45 Jahre alt, habe fast täglich starkes Magenleiden; es hört von Zeit zu Zeit auf, aber immer nur auf kurze Zeit; recht oft stößt es mir Säure und Bitterkeit oben heraus, und ich weiß mich oft gar nicht zu erwärmen; je mehr Säure und Bitterkeit, um so größer die Kälte."

Das Aussehen dieser Person war recht leidend, sie selber recht mager; die Gesichtszüge waren eingefallen; die Kälte scheint die Wärme gänzlich verdrängt zu haben. Hier ist sicher durch schlechte Verdauung eine große Blut-Armuth eingetreten.

Ich verordnete ihr: "Schütten Sie siedendes Wasser an Heublumen, bringen Sie diese so warm wie möglich in ein Tuch oder noch besser in ein Säcklein und legen Sie dieses ganz warm, wie Sie es gut ertragen können, auf die Magengegend und den Unterleib! Bringen Sie über das Ganze ein Tuch über den Körper, daß das Sacklein auf den Leib aufgebunden ist, und lassen Sie es dann eineinhalb Stunden lang liegen (Oberaufschläger); so 3 Tage lang! Nehmen Sie drei Tage nach einander jeden Abend ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang, dann jeden 3. oder 4. Tag, und waschen Sie sich in der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aus ganz und gehen Sie dann gleich wieder in's Bett! Nehmen Sie dann täglich zweimal 4 bis 6 Löffel voll Wermuth-Thee, und machen Sie so 14 Tage fort; dann wird ausreichen in der Woche einmal ein Fußbad und einmal eine Waschung in der Nacht oder auch ein Halbbad."

Migraine     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Die Migräne, das halbseitige Kopfweh, ist vorherrschend eine Frauenkrankheit, die aber auch geistesstarke Männer recht oft befallen kann, besonders solche, die viel und anstrengend geistig beschäftigt sind. Man kann manchmal den Trost eines Arztes hören: "Seien Sie ruhig, einen Dummkopf befällt keine Migraine!" Leicht kann dieses Leiden von gestörtem Blutlaufe herkommen, noch häufiger aber von störenden Einflüssen aus dem Magen und Unterleib. (Gänzlicher Mangel an Appetit und Widerwille gegen alle Kost.) Wenn der Unterleib im Ganzen etwas geschwächt ist, wenn sich häufig Gase sammeln und die Stuhlentleerungen nicht regelmäßig sind, so üben gar zu leicht und oft diese Beschwerden eine Rückwirkung auf den Kopf und verursachen an einzelnen Stellen diese Schmerzen. Oder es kann das Blut bei einem unregelmäßigen Lauf auf eine Stelle besonders hindrängen. Oft meldet sich das unheimliche Leiden, indem sich's wie Nebelflor auf die Augen legt. Bei Manchen spukt es in den Augenecken, bei Anderen wird das Augenlicht selbst ganz gestört, und es ist ihnen, als ob verschiedene Figuren vor den Augen tanzten.

Migraine kommt gerne nach Krankheiten, wenn die Natur sich noch nicht vollständig erholt hat und die Thätigkeit der Organe keine ganz normale ist. Migraine kann auch ein Erbtheil sein. Leute, die oft an Migraine leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater daran gelitten.

Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt die Migraine von Gasen her, und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache, so kann es ausreichen, wenn man 2 bis 3 Tage nach einander täglich zwei bis viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig wäscht. Nicht nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft vollständig abgeleitet,  sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang und bringt nicht selten allein Alles in Ordnung. Kräftiger noch ist die Wirkung, wenn in's Wasser, das man zur Waschung benützt, etwas Essig oder Salz gemischt wird.

Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann können innerhalb einer Woche 2 bis 3 Halbbäder genommen werden. Diese sollten genügen. Nebenzu mag der Patient Thee verwenden, der die Gase auskehrt oder löst. Kümmel oder Fenchel, als Thee bereitet und getrunken, wirkt vortrefflich. Auch kleine Hausmittel sind nicht zu verachten. Jeden Morgen und jeden Nachmittag 5 Tropfen Spiköl auf Zucker thut denselben Dienst. 6 bis 8 Wachholderbeeren, im Tage nach einander zu verschiedenen Zeiten gekaut, haben schon Manchem geholfen.

Brausepulver halten Viele für ein Radikalmittel gegen dieses Leiden. Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man übertreibe nicht. Radikalmittel sind sie nicht. Derlei Leute erinnern mich mit ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen, worin Einer mit einer Rakete einen Hasen todtschießt. Als das Non plus ultra für Migraine gilt heutzutage der Migrainestift, ein feines und fein gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark nach Kampher riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr aus ohne dieses kleine Vade maecum. Die Wurzel des Uebels (der Migraine) sitzt, wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem Stifte braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne (glaube ich) zu machen, und gut ist's. Helfe, was helfen mag! Ich will mir darüber kein weiteres Urtheil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn ein Patient, dem Klystier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich in das Ohr spritzen ließe.

Nasenbluten siehe: Blutbrechen und Blutsturz     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Nervenerschöpfung     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Pfarrer gab an, er habe zeitweilig fast unausstehliches Kopfweh, und wenn dieses sich bessere, solche Halsbeschwerden, daß er vor Müdigkeit und Schmerzen kaum reden könne. Auch im Rücken bestehe oft schmerzhaftes Zusammenziehen und Mattigkeit. Nach dem mitgebrachten Zeugnisse seines Arztes leide er an "ausgebildeter Nervenerschöpfung, und es sei nahe daran, daß Gehirn und Rückenmark angegriffen würden". - Außerdem waren hochgradige Reizbarkeit und Angstgefühle vorhanden.

Anwendungen: Täglich ein schwacher Oberguß in der Frühe und Nachmittags; täglich einmal im nassen Grase und auf nassen Steinen 4 Minuten lang gehen; So 5 Tage lang. Darnach täglich ein stärkerer Oberguß, ein Knieguß und zweimal im kalten Wasser gehen; So 5 Tage lang. Dazwischen Sitzbäder.

Die weiteren Anwendungen waren: Täglich ein Rückenguß, ein Halbbad, ein Oberguß und Wassergehen. Diese Anwendungen beseitigten alle Leiden, und gesund und heiter ging der Geheilte wieder an sein Berufsleben.

Nervenleiden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Geistlicher berichtet also:

"In Folge gewaltiger Aufregung, Angst und Schrecken bekam ich Ende Juli 1884 ein Leiden, welches sich Anfangs durch häufiges, sehr beängstigendes Herzklopfen und beständige Athmungsbeschwerden mit allgemeiner Schwäche äußerte. Das Herzklopfen hörte nach einigen Monaten wieder auf. Aber nun erschienen andere Uebel: mitunter sehr heftige beängstigende Anfälle von Asthma, häufiges Drücken mit Schmerzen und Spannen bis in den Unterleib hinab. Hauptsächlich spürte ich den Druck in der ganzen Rippengegend, zuweilen auch im Rückenmark. Oftmals fühlte ich sehr große Mattigkeit und Abgeschlagenheit in allen Gliedern mit Schmerzen in den Gelenken. Nebenher quälten Verstopfungen mit Blähungen stets den Unterleib. Die Stimme war ganz geschwächt, so daß mir oft schon das einfache Sprechen Schmerzen, Beklemmungen und Asthma verursachte; ein anhaltender, starker Gebrauch der Stimme war ganz unmöglich geworden.

Während der ganzen Zeit habe ich auch Beschwerden im Kopfe, nämlich Schwindel, starke Eingenommenheit, zu Zeiten heftige Kopfschmerzen, so daß ich manchmal kaum zu denken im Stande und zu jeder geistigen Anstrengung unfähig bin. Jede Kleinigkeit regt mich ungemein auf und steigert nicht selten die Beschwerden in Brust und Kopf auf's Aeußerste. Dazu hat eine unsägliche Melancholie meinen Geist eingenommen, manchmal ist's fast zum Verzweifeln. Die Aerzte erklärten mein Leiden für ein Nervenleiden. Zwei derselben, ein Allopath und ein Homöopath, beide berühmte Männer, verschrieben mir Mittel (Douchebäder, Diät, Bromkali, Zincumoxydat, Natr. phosph. u. a.), die aber sämmtlich ganz erfolglos blieben, ja das Uebel zuweilen noch ärger machten. Am ehesten schien noch zu wirken, was ein dritter Arzt anrieth: kalte Vollbäder und fleißige Bewegung in der Luft. Das dauerte so ein halbes Jahr, bis ich endlich ganz zum Wasser meine Zuflucht nahm."

So weit der Kranke. Schauen wir ihn selbst näher an! Sein Aussehen ist ungewöhnlich geröthet, die Augenränder sind etwas gelb, Ohren und Lippen hochroth, mit blau untermischt. Die Haare sind dem jungen Herrn, der kaum mehr als 30 Jahre zählt, bis auf einen kleinen Rest gänzlich ausgefallen. Worauf lassen diese Anzeichen schließen? Gewiß auf allzuheftigen Drang des Blutes gegen Kopf und Brust. Der Schmerz auf der Stirne zeigt die Heftigkeit des Blutandranges zum Kopfe an, und das zu viele Blut im Kopfe bewirkt eine Ausdehnung der Adern. Kann da geheilt werden und wie? Die zwei hauptsächlichsten Leidensstellen, Kopf und Brust, sind vor Allem in's Auge zu fassen. Beide werden gleichsam erdrückt unter der Ueberfülle des Blutes. Dieses muß allererst gegen die Extremitäten abgeleitet werden. Dann kann ich an die Auflösung alles Abnormalen (Anstauungen, Erweiterungen der Adern, Ausbuchtungen nach innen u.s.w.) an Kopf und Brust gehen und zuletzt allgemein auf den ganzen Körper einwirken.

Als Anwendungen werden sich der Reihe nach am besten eignen: Fußdampf, Kopfdampf, kurzer Wickel, spanischer Mantel, auf nassen Steinen gehen, Ober- und Untergüsse, spanischer Mantel, Barfußgehen, zur Winterszeit am besten im frischgefallenen Schnee.

Innerhalb 3 Wochen hatte sich der Zustand bedeutend gebessert. Bis zur vollen Erholung indessen dürften bei so fortgeschrittenem und tiefgewurzeltem Leiden noch Monate vergehen.

Aus der mehr oder minder guten Wirkung jeder einzelnen Anwendung lernt der Patient selbst am sichersten urtheilen, welche derselben von den besten Folgen begleitet ist und deßhalb öfters wiederholt werden soll. Nur lasse man sich ja nie und nimmer verleiten, den Willen stets nur auf diese besondere Anwendung hinzurichten. Mit den besonderen Anwendungen sind jederzeit, um den Einklang und den gesunden, reellen Fortschritt in der Heilung nicht zu stören, die gemeinsamen, d.i. die auf den ganzen Organismus wirkenden, pünktlich zu verbinden.

Ein Priester aus Böhmen berichtet:

"Vor 8 Monaten trat bei mir in Folge von Ueberanstrengung heftiges Herzklopfen ein sowie auch Schlaflosigkeit, späterhin starkes Aufstoßen, Austreibung des Unterleibes, auch Athmungsbeschwerden. Es bestanden zuweilen perverse Empfindungen, Schmerzen in Händen und Füßen, Unruhe, Später auch Zittern in denselben, dabei hochgradige Abspannung und Müdigkeit. Appetit fehlte zuletzt auch, ebenso Stuhl."

Bei seiner Ankunft schien Patient sehr erschöpft und zeigte eine blaßgelbe Gesichtsfarbe. Nach siebenwöchentlicher Kur war er wieder frisch, gesund und munter. Auch der Schlaf hatte sich langsam wieder eingestellt.

Die Wasseranwendungen bestanden in Folgendem: In den ersten drei Wochen: 1) Nachts vom Bett aus ein Halbbad; 2) Vormittags Oberguß und Wassergehen; 3) Nachmittags Rückenguß und Halbbad; 4) täglich fleißig Grasgehen. Späterhin: Oberguß mit Knieguß, auch Halbbäder, zweimal Fußdampf. Zum Einnehmen täglich 8 bis 10 Wacholderbeeren, auch Thee von Wermuth und Salbei.

Nervenüberreizung     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Zwei Studierende kamen in die Osterferien und erzählten: "Wir haben Kopfleiden, Blutandrang nach dem Kopf, schlechten Schlaf und große Müdigkeit, mangelhaften Appetit, und wir sind somit unfähig, weiter fortzumachen. Konnten wir nicht die Vakanz (Ferien) benützen zur Wiederherstellung unserer Gesundheit durch die Wasserkur?"

Ich gab den Rath, sie sollten, weil es Frühling, der Boden feucht und es noch ziemlich kalt war, diese Vakanztage wo möglich im Freien, im Walde, aus den Wiesen barfußgehend zubringen und rasche Bewegungen machen, wenn sie sich kalt fühlten; auch von Zeit zu Zeit in einen mit Wasser gefüllten Graben 2 bis 3 Minuten stehen und darin hin- und hergehen (siehe: Gehen im kalten Wasser).

Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz in's Wasser kaltes halten. Diese Anwendungen gefielen den jungen Leuten sehr; es kam ihnen Muth und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien, konnten ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien, um ihren Körper auf's Neue abzuhärten und zu kräftigen.

Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese wird bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.

Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus (Pflegekind, Schüler) zu, welcher mit folgenden Klagen hieher kam: "Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich oft kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich thue; ferner habe ich oft erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Thätigkeit; ich mußte die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen."

Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen früh bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2 bis 4 Obergüsse. Innerhalb 12 Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung seine Herbstferien ebenso durchzumachen.

Nervenzerrüttung     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurtheilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei.

Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund wieder auf's Neue zu beginnen.

Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt werden: Erster Tag: Den oberen Körper Vormittags mit Wasser und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein kalter Knieguß (eine Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste (waschen + Knieguß). Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser (Oberguß); gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Kniee (Knieguß), Nachmittags dasselbe. Dritter Tag: Oberguß (1 Gießer voll) und Knieguß, Nachmittags: Oberguß (1 Gießer voll), daraufhin in's kalte Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Thränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren.

Die zweite Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit Wasserstehen, so weit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1 bis 3 Gießer. Auch das in's Wasser Stehen wurde verstärkt bis an die Kniee, aber immer nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse mit Knieguß und Wasserstellen weiter gesteigert und jeden zweien Tag ein Sitzbad genommen, gewöhnlich Nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß mit Wasser stehen, je Vormittags, Nachmittags ein Halbbad. In der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstellen oder mit Knieguß, Nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine Anwendung: a) Oberguß mit Knieguß, b) ein Halbbad, c) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.

Innerlich wurde gegeben: a) weißes Pulver, täglich eine Messerspitze voll, im Wechsel mit b) Wachholderbeeren, täglich 6 bis 8 Beeren, und c) Thee von Wermuth und Salbei.

Nervöses Leiden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: "Vor 11 Jahren fing durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Congestionen (Blutandrang, heftigem Schmerz und Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für zwei Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven total irritirt und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig zu geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z.B. auf einen Zug zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim Alten, trotz Schenkel-, Ober- und Rückenguß und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Oel und mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber das Uebel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3 bis 4 Tage keine Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Oel wirkte; der Kopf wurde plötzlich frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute."

Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betretende Herr schon geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich zu helfen gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr vernünftige Auswahl des für ihn passenden sowie auch durch sehr pünktliche und genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der bei mir gemachten Kur schon bedeutend vorgearbeitet hatte. Alls er ankam, war er in einem noch elenden und trostlosen Zustande und um so beklagenswerther, als wegen seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur ein gründlicher Kenner von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es gedankt, daß er jetzt wieder mit freudigem Muthe seinen höheren Studien obliegen kann.

Nierenleiden     Krankheiten L - N     Inhaltsverzeichnis

Ein Bauer erzählt: "So stark und korpulent ich aussehe, gerade so elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen; die Athemnoth wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken. Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können. Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Aerzte habe ich mehrere gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deßhalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim vorhanden ist." Dem fast Trostlosen wurden folgende Anwendungen gerathen: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh - vom Bauern oder aus dem Kräuterladen) (37 bis 39 Grad Celsius) mit dreimaligem Wechsel ins kalte Wasser. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurzer Wickel, ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Thee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft wiedergekehrt.

Ein armer Arbeiter schreibt: "Ich erkrankte an einem Nierenleiden ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888. Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer, röthlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter, daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deßhalb Tag für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel medizinirt und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so entschloß ich mich aus Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen (zur Wasserkur) zu gehen. Ich wandte nun die KaltWasserkur an, die mir vortrefflich behagte."

Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen: 1 . den einen Tag Oberguß und Knieguß Vormittags, ein kaltes Halbbad eine halbe Minute lang Nachmittags; 2. den anderen Tag des Nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, Nachmittags Oberguß und Knieguß; 3. Oberguß, später Schenkelguß Vormittags, Rückenguß und Wassertreten Nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner 4. täglich eine Tasse Thee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, Morgens und Abends in je zwei Portionen trinken.

Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Ohrenkrankheit
Ohrensausen
Rheumatische Zustände
Rothlauf Gesichtsrose
Rückgrat
Ruhr
Säuferwahnsinn
Scharlachfieber
Schlaflosigkeit
Schlaganfälle
Schleimfieber
Schweiß
Schwermuth
Schwindel
Schwindsucht (Tuberkulose)
Staar
Steinleiden
Stimme, Verlust derselben

Ohrenkrankheit     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachtheiliger wirkt auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten Theile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch unglückliche Lebenswege.

So kommt eine Mutter und erzählt: "Meine Tochter hat das Scharlach-Fieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses, bald über ein anderes Leiden; aber das Härteste ist, daß sie das Gehör fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts geholfen."

Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt. Wird das Mädchen von allen nachtheiligen Folgen des Scharlach-Fiebers geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten. Es muß somit, wie auf's Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.

Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen. 1) Ein nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Shawl umlegen, eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz mit kaltem Wasser waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett, besonders den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Ueber die Ohren und deren Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, 2 Stunden lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel nehmen.

Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden, jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der Woche ein warmes Haberstrohbad (Haferstroh), 25 Minuten lang, 28 bis 30° Reaumur = 35 bis 37° Celsius, gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durch's warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit warmen Ueberschlägen über die Ohren.

Ohrensausen     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft Zittern an Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Augen. Diese Person hat mehrere Aerzte gehabt. Der eine sagte, das Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas eingegangen.

Anwendungen: 1) Täglich im kalten Wasser gehen 2 bis 4 Minuten, darauf Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien 2) Jede zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit kaltem Wasser mit etwas Essig. 3) Zweimal in der Woche einen Shawl umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag im kalten Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.

Rheumatische Zustände     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Wer möchte es versuchen, all' die verschiedenen rheumatischen Zustände aufzuzählen, über die man klagen hört! Den Einen quält der Schmerz im Kopfe, den Anderen in den Zehen, Diesen im Arme, Jenen in den Beinen, sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust u.s.w. Der Rheumatismus ist wahrlich weit verbreitet.

Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle Diejenigen, die recht angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von dieser Krankheit, nach meinem Dafürhalten deßhalb, weil diese Leute oft in der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der anderen ihn bereits wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am Morgen, Nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.

Letztere Beobachtung gibt uns klare Winke, wie Rheumatismus geheilt werden kann und soll.

Ein Thierarzt jammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem Berufe weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie eine Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er unkluger Weise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde, wie jedes mal, diese lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.

"Wenn Sie wollen, Herr Thierarzt," entgegnete ich ihm, "so sind Sie in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre Katze hetzen." Er lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit Manneswort und Handschlag versprach er indessen, genau zu thun, wie der gestrenge Herr befehle. Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den Rücken zuerst kräftig trocken reiben, dann einen kalten Oberguß appliziren. Nach ungefähr 8 Stunden nahm er einen Kopfdampf mit darauffolgendem kalten Guß (Kopfguß). Die 24. Stunde hatte noch lange nicht geschlagen, die Katze war längst über alle Berge, und die Wette war gewonnen. - Von trockenem Reiben wurde dieses Mal gesprochen, was doch sonst nie vorkommt!

Ja, und der Grund ist folgender:

Entsteht der Rheumatismus in Folge raschen Wechsels von der Kälte in die Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf der Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innere, ja, wie man meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückführen auf Störungen in der Emulation des Blutes, sei es nun ein langsameres oder rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine Entzündungen an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen Reibungen, Pressungen u.s.w. verursachen den Schmerz und müssen durch Auflösung, Ausleitung und Stärkung der leidenden Theile entfernt werden. Wenn der Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempo halten will, dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien Hand, mit dem Kopfe, den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich in die junge Hühnerfamilie mischt und das "Gehscht weg, du ..." der Futterbringerin nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach der dummen Gans oder Ente. Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon länger währt, besonders schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe ich zum Wasser noch die Reibung zu Hilfe. Sie entwickelt rascher Wärme und bewirkt eine schnellere Verteilung des Blutes u.s.w. Wäre die kranke Stelle etwas kühl, und würde ohne Weiteres, ohne vorherige Erwärmung ein Guß darauf kommen, so wiche der Rheumatismus wohl etwas weiter im, aber nicht aus dem Körper.

Ein Bauer bekam so heftige rheumatische Zustände in beiden Füßen, daß er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die Schenkel. Der Mann wußte nicht, wie er zu dem Uebel gekommen war. Der Bauer wickelte sich täglich zweimal von unter den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißen Heublumenabsud eingetaucht war, und legte sich jedesmal zwei Stunden in's Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher Anwendungen nuckelten den Rheumatismus vollkommen aus und ab.

Ein anderer Bauer konnte vor lauter Schmerzen in den Hüften gar nicht eingewickelt werden. Er wurde in ein Haberstrohbad (Haferstroh) mit 33 bis 35° Reaumur = 40 bis 42° Celsius und mit dreimaligem Wechsel ins kalte Wasser (1 Minute) gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3 Tagen war er geheilt.

Fälle von Kopfrheumatismus könnte ich eine Unzahl nennen. Sie wurden am leichtesten dadurch entfernt, daß man möglichst wenig am Kopfe selbst, dagegen warme Bäder und Dämpfe an den Füßen anwandte. Kommt man dem Kopfe mit Kälte, so wird's ärger; kommt man mit Wärme, so strömt noch mehr Blut zu. Die Reihenfolge der besten Anwendungen wäre etwa folgende:

Das warme Fußbad (mit Asche und Salz), die Ueberlegung eines Shawls, der Fußdampf, der Kopfdampf mit kaltem Abguß (Kopfguß) und wieder der Shawl.

Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr oft durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.

Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden, ein jeder könnte der Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der Lungen, der Augen, Ohren, zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu Geschwüren u.s.w.

Ein Student, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande in die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich Rheumatismus auf der Brust. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas nicht schaden; die "leidige Geschichte" werde sich von selbst wieder verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige eine leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell einen bösartigen Charakter annahm. Nach 2 Monaten war das blühende und hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur täglich vier- bis fünfmal Brust und Unterleib mit kaltem Wasser kräftig abgewaschen, in 1 bis 2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer aller Gefahr gewesen.

Anna Maria, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt rings um das Knie herum eine Geschwulst. Sie beachtete dieselbe mehrere Wochen gar nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem Unverstande dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser, sondern schlimmer, und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe zum Einreiben, die indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog sich der Fuß unter dem Knie am Schienbein einwärts. Um die Steifheit zu verhindern, verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen. Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband an und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich gehen. Nach 9 Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die arme Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende Zustand währte fort bis vor wenigen Wochen.

Derlei Verhärtungen an und um die Knochen können nur aufgelöst werden durch längere Zeit fortgesetzte Ueberschläge (Wicklungen oder Aufschläger) mit geschwellten Heublumen, die stets ganz warm aufgelegt werden. Oft die Auflösung geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Theilen dringen, dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.

Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke bereits auf dem Fuße Stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder gehen.

Ein Herr von Stand kommt und erzählt: "Ich bin vom Kopf bis zum Fuß voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh (Schleimhautentzündung), bald schwächer, bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich weiß mir nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne Appetit, und wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes Berufsleben einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein Jäger-Unterbeinkleid (warm angezogen). Ueber dieses Jägerhemd trage ich ein zweites Hemd von Wollbarchent (Baumwollgewebe), dem stärksten Stoff, den ich bekommen konnte. So trage ich auch noch eine zweite Jäger-Unterhose vom stärksten Wollstoff, dann ein Gilet von Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch eine Burkinghose, endlich einen Rock und einen Ueberwurf. Mein ganzer Körper ist vorherrschend kalt und wie mit Theer von übelriechendem Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch ein unglücklicheres Geschöpf geben, als ich bin." Nun zur Wasserkur!

Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen, ebenso Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde später ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd mit einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Aermeln versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß und Unterguß im Wechsel mit Halbbädern genommen. Nach 14 Tagen war der ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut transspirirte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten sich vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu hergestellt, am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Ueber das Ganze äußerte er sich mit folgenden Worten: "Hätte ich mein kleines Uebel, meinem eigenen Urtheil folgend, so verschlimmert, könnte ich mir nur gram sein. Doch ich that nichts ohne Anleitung der berühmtesten Aerzte."

"Mein ganzer Oberkörper," berichtet Jemand, "ist voll Rheumatismus; an der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne große Schmerzen, und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf eine oder auf beide Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die Schultern nicht mehr zu rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf den Magen, dann ist es, wie wenn sich Alles umdrehe; ich kann dann auch gar nichts essen. Am allerärgsten aber ist der Schmerz am Hintertheil des Kopfes, besonders auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar nicht mehr warm. So ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem Berufe gar nicht nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen Mitteln und sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe aufgewendet; geholfen hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahre trage ich auf Befehl eines Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel empfindlicher geworden."

Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd anziehen, 1,5 Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden (Nasses Hemd). 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen an bis ganz hinunter (Unterwickel), das Tuch ebenfalls in warmes Heublumen-Wasser getaucht. 3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen mit kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett. So 14 Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein Oberguß und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen, 2 bis 4 Minuten lang, dann Bewegung. 3) Zweimal in der Woche ganz waschen.

Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt noch in der Woche 2 Halbbäder.

Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:

"Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen; bald bin ich wie in Rheumatismen gewickelt bald sind wieder einzelne Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von andern gewichen ist. Athemnoth besteht fast fortwahrend, oft so stark, daß ich fürchte, zu ersticken; zudem leide ich auch an Congestionen (Blutandrang) und habe so selten eine frohe Stunde.

Ich wurde magnetisirt, electrisirt und gebrauchte vieles Andere - ohne Erfolg - Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz genommen und von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren. Ich habe die Ueberzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen wird mir auch den letzten Rest nehmen."

So der Kranke.

Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß und zwei Schenkelgüsse, am zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein Halbbad täglich, statt Oberguß, und einmal wöchentlich Kopfdampf.

Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: "Irgendwo habe ich immer Schmerzen, entweder auf der rechen Seite oder oben auf der Schulter. Es bleibt der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in den Kopf, dann bin ich voll Schwindel:

Aus dem rechten Auge läuft viel Wasser herauf, fährt mir aber der Schmerz in den Fuß hinunter, dann wird dieser ganz steif; kommt er mir auf die Brust, dann weiß ich kaum mehr zu athmen. So leide ich schon Jahre hindurch und habe, wenn auch nur auf kurze Zeit Erleichterung, doch nie Hilfe gefunden."

Dieser Kranke wurde in 5 Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:
1. In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 1,5 Stunden lang;
2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;
3. zweimal den Oberguß; so 14 Tage lang.

Dann:

1. einmal den kurzen Wickel,
2. zweimal die Ganzwaschung,
3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.

So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad und zweimal Oberguß und Knieguß.

Rothlauf / Gesichtsrose     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Gesichtsrose ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut und Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang sucht. Er kann entstehen an einem Fuße, an einem Arme, am Kopfe oder an jeder anderen Stelle des Körpers. Wo er sich zeigt, tritt große Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie auseinanderbringen möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die Oberfläche, und der davon Befallene leidet oft große Schmerzen. Beim Ausbruche zeigen sich zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher Flüssigkeit, nach und nach eine Unzahl derselben, kleinere und größere, die so giftig sind, daß sie ganze Theile der Haut auffressen. Der Rothlauf kann gefährlich werden und leicht den Tod bringen, wenn er nicht im Stande ist, nach außen sich zu entfalten, wenn er im Inneren eine Blutvergiftung bewirkt, die rasch sich verbreitet, da nach der entzündeten Stelle viel Blut hinströmt. Gar oft kommt noch der Fall vor, daß der Rothlauf, wenn er sich nach außen entwickelt, von der ursprünglichen Stelle weicht und im Inneren an eine Stelle tritt. Derlei Fälle haben meistens einen tödtlichen Ausgang.

Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rothlauf am Arme. Er wollte dem Uebel kein Gewicht beilegen; "das sei eine Weiberkrankheit," meinte er. Der Rothlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posten im Gehirn, und in Bälde ward der Kranke unterlegen.

Deßgleichen ist mir ein Priester bekannt; diesem setzte sich der Rothlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß ich nicht. Der Rothlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von Neuem, jetzt am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe festsetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.

Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von einer Reihe von Todesfällen erzählen können, die eintreten durch Vernachlässigung des Rothlaufs.

Bei der Heilung ist vor Allem darauf zu achten und muß Dem vorgebeugt werden, daß der Rothlauf nicht auf Wanderung gehe. An der Stelle, wo er zu Tage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und der Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll man nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.

Wer Rothlauf am Fuße hat, soll am besten einen kurzen Wickel nehmen. Dieser schneidet der Rothlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen Wickel kann er den Fuß oberhalb der Rothlaufstelle gegen den Körper zu umwinden (Fußwickel). Man kann aber auch den Rothlauf direkt angreifen. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses vertheilt und leitet aus.

Bekommt Jemand den Rothlauf am Arm, so kann er wieder zuerst durch einen kurzen Wickel die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll er einen Shawl umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrothlauf) nichts einwenden.

Sollte der Rothlauf am Kopfe entstehen, so wird ein Oberaufschläger kräftig nach unten ableiten und ein Halswickel rasch den Rothlaufstoff vermindern. Sind diese Anwendungen ein paar mal vorausgegangen, so kann man direkt auf die Rothlaufstelle selbst einwirken, anfangs mit warmem und, wenn ein großer Theil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was das Nachlassen der Röthe und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.

Ein Geistlicher aus M. berichtet: "Vielleicht in Folge einer Erkältung trat ein heftiger Rothlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande tätlich vier- bis fünfmal die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber nicht das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dieß hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohlthuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch Nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage."

Rückgrat     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Ein hochgestellter Offizier hatte sich beim Fahren einen Wirbel des Rückgrates eingedrückt und, wie die Aerzte behaupteten, das Rückenmark so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch mehr auf das Gemüth, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Aerzte der Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim Wasser. In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemüthsleiden verschwand mit dem körperlichen Leiden vollständig.

Welche Anwendungen in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem Uebel leiden solltest, so würde ich dir Folgendes rathen: Laß dir dreimal in der Woche den spanischen Mantel umlegen; nimm dreimal in der Woche ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers und zweimal einen Ober- und Unterguß! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Theil vernarbt.

Abermals wiederhole ich: wenn ein Theil am Körper schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam Theil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein in's Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper. Dieses sind treffliche Winke für das Heilverfahren. Sonach muß man beim Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken, damit er stark werde, und damit die gesunden Theile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.

Ruhr     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Die Ruhr ist eine Schwester der Cholera. Beide sehen einander überaus ähnlich. Diese Krankheit beginnt in der Regel mit gräßlichen Krämpfen im Unterleib und mit starkem Abweichen (Durchfall). Neben Anderem geht viel Blut ab.

Am schnellsten heilt man die Ruhr, indem man ein doppelt gefaltetes Tuch in recht warmes Wasser mit Essig eintaucht und auf den Unterleib bindet (Oberaufschläger). Ganz auffallend wirkt nach innen ein Gläschen Heidelbeergeist (Likör), den man sich selbst leicht machen kann, und der in keiner noch so kleinen Hausapotheke fehlen sollte. Zweimal im Tage kann man zwei Eßlöffel dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der Labetrunk wird vortrefflich munden. Sollte der Zustand am zweiten Tage nicht wesentlich besser sein, so erneuert man die Auflage auf den Unterleib und nimmt nochmals eine Portion Heidelbeergeist.

Joseph krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die Krämpfe herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war mehr als ein halbes Liter Blut. Zwei Löffel des oben erwähnten Heidelbeergeistes, am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in Kurzem Alles wieder gut gemacht.

Anna, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen Krämpfen. Abweichen (Durchfall) mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die ausgebildete Cholera. Das Essigtuch am Leibe, der Heidelbeergeist nach innen haben die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten keine Heidelbeeren zu finden sein, so thut Milch, mit Fenchel abgekocht, gleichfalls recht gute Dienste.

Säuferwahnsinn     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über Entkräftung.

Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt, daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte er besonders viel über rheumatische Schmerzen, Krämpfe und zeitweilige Kopfschmerzen. Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von seinem Elende frei werden.

Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann vollständig hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei- bis drei Anwendungen und zwar der Reihe nach, wie sie hier folgen. 1. Tag: a) Oberguß und Knieguß, b) Wasserstehen, Wassergehen und die Arme in's Wasser, c) Rückenguß. 2. Tag: a) Halbbad, b) Oberguß mit Knieguß. 3. Tag. a) Sitzbad, b) Oberguß. 4. Tag: a) Halbbad, b) Vollbad. So wurde fortgefahren bis zur Heilung; alle krankhaften Zustände hörten auf, das Aussehen hat sich vollständig gebessert, guter Appetit sich eingestellt, und die Lust zum leidenschaftlichen Trinken hatte ganz nachgelassen. Besonders muß betont werden, daß während der Kur an den verschiedensten Stellen des Körpers Ausschläge mit Ausscheidung der giftigen Stoffe auftraten.

Scharlachfieber     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die Zeichen vor dem Eintreten sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit, Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft, so leicht ist mit Wasser zu helfen. Kinder sind meist schon in zwei Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer. Scharlach kann auf zweierlei Weise recht leicht geheilt werden. Sind bei einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird
oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden, so tauche man ein Hemd in heißes Wasser, in das man etwas Salz geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es dem Kinde, das im Bette liegt, an (Nasses Hemd). Dann wickle man es gut in eine Decke ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so eingehüllt eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der ganze Körper des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage.

Sollte die Hitze übergroß werden, so wasche man das Kind ganz, aber schnell ab und lege es wieder in's Bett. In schwierigen Fällen, in denen die Hitze sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in einem Tage das Hemd zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt werden müssen. Es kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers an. Nimmt die Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum zwischen den Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke sich nur, daß bei diesen späteren Anwendungen stets kaltes Wasser (mit Essig) gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der Umhüllung und dem Zudecken, - gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung des nassen Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen Hemdchen. Bei solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen der Scharlach völlig geheilt sein.

Eine Bemerkung sei hier beigefügt. Selten ist Appetit vorhanden. Dränge man dem Kinde ja keine Nahrung auf! (Wie der Ausschlag nach außen dringt, so ist er auch im Innern.) Der Durst ist gewöhnlich stark. Das Wasser bleibt das beste Linderungsmittel. Etwas Zucker, auch ein wenig Wein (rother oder weißer) kann gut beigemischt werden. Landkinder trinken am liebsten Milch. Als Grundsatz gilt: wenig trinken, aber öfter. Ich glaube nicht, daß ein Kind, das so behandelt wird, stirbt.

Ludwig, ein Knabe von 10 Jahren, kann vor Hitze kaum mehr reden. Das Gesicht ist geröthet, und er klagt, Alles thue ihm weh. Ludwig wird, weil die Hitze stark und die Bangigkeit groß ist, jede Stunde gewaschen, und dieses zwei Tage lang. Am dritten Tage fängt der Knabe schon an zu essen. Das Waschen geschieht nur noch zweimal während des Tages. Am fünften Tage fühlt sich Ludwig wohl; am sechsten geht er im Zimmer umher, und bald spielt er wieder im Freien mit anderen Kindern.

Maria, 20 Jahre alt, kann nicht mehr gehen, hat heftigen Kopfschmerz, fühlt sich wie zerschlagen in allen Gliedern; dazu hustet sie immer ganz trocken, und es drückt sie schrecklich auf der Brust. Sie weiß vor Bangen nicht, was thun, kann keinen Augenblick aus dem Bette sein. Eckel quält sie vor jedem Essen, aber sie kann nicht genug trinken. Maria wird in einem hohen Grade das Scharlachfieber bekommen. Was thun? Alle Stunden soll ihr der Rücken kräftig mit kaltem Wasser, in das etwas Salz gemischt wurde, gewaschen werden, ebenso die Brust und der Unterleib. Ist sie auf diese Weise gewaschen, was aber so schnell als möglich geschehen soll, dann decke man sie ordentlich zu, aber ja nicht zu stark.

Zwei Tage hindurch wurde die Kranke derart gewaschen. Gegessen hat sie gar nicht, um so fleißiger getrunken. Der Hals brennt fort und fort schrecklich. Fleckenweise steht der Scharlach ab (verschwindet, Häute und Krusten bildend). Der Durst läßt etwas nach. Noch 2 bis 4 Tage lang soll die Kranke täglich zwei und, wenn die Hitze noch nicht nachgelassen hat, dreimal gewaschen werden.

Nach weiteren 3 Tagen war Maria vom Scharlach befreit.

Johann, ein Knabe von 13 Jahren, hat seit einigen Tagen kein Leben und keine Liebe mehr zur Arbeit, die sonstige Fröhlichkeit ist geschwunden. Da fängt auf einmal der ganze Leib an zu schwellen; Kopf und Füße werden dick, den Unterleib bläht es in ganz unheimlicher Weise auf. Das Kind bekommt die Wassersucht. Woher das? Johann ist vor kaum sechs Wochen vom Scharlach aufgestanden, und dieser war nicht zur rechten Entwicklung gekommen.

Der Kranke hat sechsmal innerhalb 8 Tagen ein nasses Hemd, das in warmes Salzwasser eingetaucht wurde, angezogen und sich jedesmal gut in eine wollene Decke einwickeln lassen. Nach 10 Tagen war er wieder munter, frisch und gesund. Bei dieser Gelegenheit sei gesagt: wenn der Scharlach nicht ganz ausheilt und kranker Stoff im Körper zurückbleibt, so tritt gern die Wassersucht ein. Auf die angegebene Weise ist sie aber auch jedesmal zu heilen.

Kreszentia, eine Frau von 65 Jahren, liegt bereits zwei Tage zu Bett. Sie klagt über gewaltiges Stechen auf dem Rücken, über Brennen und Stechen auf der Brust. Weil sie so schrecklich gefroren habe, sagt sie, habe sie sich in's Bett gelegt und fühle sich jetzt ganz heiß. Essen kann sie nichts. Durst leidet sie viel. "Waschet," so lautete mein Rezept an den Fragesteller, "der Kranken einen Tag lang alle Stunden den Rücken mit kaltem Wasser; Brust und Unterleib kann sie selbst jede Stunde waschen. Am zweiten Tag braucht sie dieses nur noch viermal zu thun, am dritten Tag werden zwei Waschungen genügen." Die Kranke befolgte meine Weisung. Arn vierten Tage war die Frau bedeutend besser und, nachdem sie innerhalb dreier weiterer Tage noch ein paar mal die Prozedur wiederholt hatte, gesund wie früher. Getrunken hat sie Wasser und geronnene Milch, gegessen sehr wenig.

Ein Mädchen, ungefähr 24 Jahre alt, bisher recht gesund, frisch und ziemlich stark, bekommt einen Ausschlag, den Scharlach. Der Ausschlag steigerte sich innerhalb 8 Tagen in einer Weise, wie nur wenige Fälle werden ausgewiesen werden können. Die Kranke verlangte als Heilmittel sofort das Wasser, auf das sie alles Vertrauen setzte, hauptsächlich weil ihre Schwester durch Wasser von einer bedenklichen Krankheit geheilt worden war. Der Hilfesuchenden wurde gerathen, Rücken, Brust, Unterleib, sodann Arme und Beine (Füße) allstündlich entweder selbst sich zu waschen oder waschen zu lassen. Der Zwischenraum von einer Stunde war ihr zu groß. Die Hitze steigerte sich dermaßen, daß mehr als fünf Tage lang nie über eine halbe Stunde das Waschen ausgesetzt werden durfte. Gegessen hat das Mädchen fast gar nichts, getrunken nur wenig in kleinen Portionen. Erst nach 10 Tagen, bei dem gewissenhaftesten Gebrauche des Wassers, brach die Hitze; der Ausschlag ließ fleckenweise ganz nach, bis er am 14ten Tage gänzlich entfernt und das Mädchen vollständig gesund war.

Ich frage: wie wäre es dem armen Wesen ergangen, wenn bei solcher Glühhitze, bei einer derartigen förmlichen Feuersbrunft im Körper nichts angewendet worden wäre als löffelweise kleine Gaben nach innen zur Kühlung? Jeder gebe sich die Antwort selbst und erwäge noch, daß bei solchem Fieber der innere Organismus ganz und gar unthätig ist! Von dieser Heilung eines der höchsten Grade von Scharlach kann man schließen auf geringere Grade desselben. Das Wasser, richtig angewendet, hilft sicher und leicht.

Schlaflosigkeit     Krankheiten O - S     Inhaltsverzeichnis

Ein Pfarrer litt seit 9 Wochen an Schlaflosigkeit. Seine Kräfte nahmen täglich ab, und der Geist wurde zur Denkarbeit mehr und mehr unfähig. Gedrücktheit, Müdigkeit, Mutlosigkeit traten an Stelle des früheren Fleißes und der gewohnten Bergfreudigkeit.

Große Anstrengung und widrige Verdrießlichkeiten hatten den guten Herrn in heftige Aufregung, das Gemüth in große Bitterkeit versetzt. So Etwas rächt sich immer. Der Arme befand sich beständig wie in einem hitzigen Fieber. Das gehetzte Blut wollte wie ein verfolgtes Reh in wilder Flucht davonrennen. Man brachte dasselbe zur vollen Ruhe durch den Kopfdampf, den spanischen Mantel, den Oberguß mit dem Knieguß, den Fußdampf, den kurzen Wickel, den Ober- und Unteraufschläger, welche Uebungen man 12 Tage hindurch in täglich zwei, öfters drei Anwendungen wirken ließ. Schon am dritten Tage schlief der Herr drei Stunden. Heute noch lebt er unter uns als einer der Gesündesten.

Die Schlaflosigkeit, diese aufsässige Verfolgerin vieler, kann in mancherlei Ursachen ihren Grund haben: in Störungen des Blutumlaufes, in unterdrückter oder mangelhafter Transspiration, in Gasen, welche Magen und Unterleib quälen, u.s.w.

Sie belästigt mit Vorzug solche Menschen, welche oft den lieben langen Tag mit angestrengter Kopfarbeit zubringen und hierin des Guten zu viel thun.

Die zuerst angeführten Ursachen sind an anderer Stelle zur Genüge behandelt worden.

Obwohl auch für die letzteren, die Kopfarbeiter, ein Kräutchen wächst oder ein Wässerchen fließt, das als Schlaftrunk dienen kann?

Ich kenne einen vornehmen Herrn, dessen Körper wenig, dessen Geist sehr viel Arbeit thut. Am liebsten hätte er gar keinen Magen und keinen Leib und keine Füße. Solchen Herren ist oft der Kopf nicht gut, nicht leicht zurechtzusetzen. In unserem Falle ging es. Der Mann gönnte dem armen Genossen der Seele, dem verkümmerten Leibe, wenigstens einige Brosamen. Er machte es sich zur Gewohnheit, wöchentlich ein- bis zweimal den spanischen Mantel anzuziehen. Die Schlaflosigkeit ließ bald nach, auch all' die kleinen Uebel, gleichsam die Störenfriede, die sie verursacht hatten.

Ein anderer Herr ließ jeden Abend in sein Schlafzimmer ein Gefäß mit frischem Wasser bringen. Dieses stellte er auf einen Stuhl neben das Bett. Kam in einer halben Stunde oder in einer Stunde der ersehnte Freund noch nicht, dann wusch er sich den ganzen Körper und stieg, ohne je sich abzutrocknen, wieder in's Bett. Er nickte ein. Die nächste Stunde fand ihn vielleicht wieder wach. Sofort griff er neuerdings zum Wasser und dieses ein drittes mal, wenn er zu frühe aufwachte. Ich habe den Herrn später über Schlaflosigkeit n