Meine Wasserkur - Krankheiten
Sebastian Kneipp, 49. Auflage 1894
Achtung!
Dieses Buch ist ein altes Fachbuch, der Inhalt entspricht nicht dem
aktuellen Stand der Medizin. Angegebene Therapien entsprechen höchstens
dem Stand der Medizin zum angegebenen Druckdatum. Dasselbe gilt für
eine ggf. angegebene Rezeptur für ein Medikament. Diese entsprechen
nicht dem heutigen Stand der Medizin und sind unter Umständen sogar körperlich
schädigend. Die Zubereitung von Rezepturen und die Anwendung derselben
gehört in die Hände erfahrener Ärzte und Apotheker.
III. Krankheiten
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Inhaltsverzeichnis
Die folgenden Krankheitsfälle beruhen nicht auf Einbildung und
Erdichtung. Es sind lauter aus dem Leben gerissene Thatsachen, und für
jede in denselben genannte oder angedeutete Persönlichkeit stehe ich
jederzeit ein. Sie wollen nicht Lärm schieben oder großthun, sondern
unterrichten und im Leben dienen. Nur zu gut weiß ich selbst, welch' Mangel und lückenhaftes Stückwerk dieser dritte Theil bildet, wie wenig
er die Krankheiten erschöpft, d. i. vollständig aufzählt. Zum Theil
hat die Zeit solches nicht erlaubt; in der Hauptsache aber wollte ich es
gar nicht anders haben. Ich wollte nämlich nicht trocken die einzelnen
Hebel und deren Heilmittel herbuchstabieren; ich wollte mit Absicht und
mit Rücksicht auf den mir zunächst vor Augen schwebenden Leserkreis
die gewählten Fälle mehr in Unterhaltungsform beschreiben, doch so,
dass jeder Einzelfall zugleich Winke und Lehren gibt über die Zeichen
(Symptome) der betreffenden Krankheit, über die gute Auswahl der
Anwendungen u.s.w. wie der im Garten einen Strauß windende Gärtner
nicht von allen Blumen pflückt und nicht von jeder Sorte die gleiche
Anzahl, so suchte ich auch aus dem Krankheitsfelde die am häufigsten
unter uns vorkommenden Krankheiten und unter diesen diejenigen Fälle
aus, welche mir besonders lehrreich zu sein schienen. Ob und in wie weit
ich's getroffen - der Wille war gut! Und ich denke, wer mit gutem Tillen
ohne Voreingenommenheit liest, kann auch im Sande manches Goldkörnchen
finden. Ueber die Schreibform im Allgemeinen habe ich in der Vorrede
gesprochen; ich bemerke hier nur, daß kleine Wiederholungen, vorzüglich
in der Art der Anwendungen, der Klarheit wegen geschahen. Bezüglich der
letzteren wolle man stets den ersten Theil zu Rathe ziehen. Krankheiten
sind Kreuze, lieber Leser! Jeder von uns wird früher oder später zum
mindesten ein solches Kreuz zu tragen bekommen, vielleicht bis zum
Absterben. Wir dürfen uns diese Kreuze zu erleichtern suchen. Schon zu
Naaman, dem Aussätzigen Syrerfürsten, sprach der Prophet Elisäus:
"Geh' hin und wasche dich siebenmal im Jordan, und dein Fleisch
wird wieder gesund und du rein werden!"
Möge der Herr die gute Absicht, manchem recht schwer schleppenden
Kreuzträger unter die Arme zu greifen, segnen! Krankheiten
Übersicht Inhaltsverzeichnis
Krankheiten A
Inhaltsverzeichnis
Abweichen
(Durchfall)
Asthma
Athmungsbeschwerden
Augen (-Katarrh)
Augenleiden
Augen-Staar
Ausschläge
Auszehrung
Abweichen
(Durchfall) Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Ein Mann von 48 Jahren kommt und erzählt: "Ich habe beständig
Abweichen (Durchfall), heute schon siebenmal, weil ich gereist bin, zu Hause täglich
ein- bis sechsmal. An diesem Uebel leide ich bereits seit 3/4
Jahren." Das Aussehen dieses Mannes war sehr gut, weder mager noch
zu stark, die Farbe frisch. - Dieser Kranke bekam: 1. jeden Morgen und
jeden Nachmittag einen Oberguß, 2. jeden Morgen im Wasser gehen und
jeden Nachmittag einen Knieguß.
Die Wirkung dieser Anwendungen war, daß nach fünf Tagen der Mann den
ersten Stuhlgang bekam. Eingenommen hatte er nichts außer täglich
sechs bis acht Wacholderbeeren.
Warum wohl hier diese Anwendungen gegeben wurden, die doch ganz
verschieden sind von den sonst üblichen, so könnte mancher Leser
fragen. Antwort: Weil dieser Mann gesund und kräftig ausah, auch das
Auge frisch und gut, so war dies ein Beweis, daß noch gute Naturkraft
vorhanden war; wird dieselbe nun unterstützt und noch mehr Wärme durch
die Wasseranwendungen hervorgebracht, dann ist der innere Schaden bald
durch die Naturkraft verdrängt, und somit findet hier das Sprichwort
seine Anwendung: Ein guter Wirth wirft seine Lumpen selbst hinaus.
Als weitere Anwendungen würde ich empfehlen: in der Woche entweder 2
bis 3
mal ein Halbbad oder ebenso oft einen
Oberguß mit Knieguß.
Asthma
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Ein Herr erzählt: "Ich bin 46 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren leide
ich an Asthma. Ich wandte mich an verschiedene Aerzte; allein sie erklärten
meine Krankheit für unheilbar und verordneten mir nur
Beruhigungsmittel, die alle erfolglos waren. So blieb mir nichts Anderes
übrig als mein Kreuz zu tragen, bis mich Gott davon befreien wird.
Dieses Kreuz war oft recht schmerzlich. Recht oft traten die
Atembeschwerden, besonders zur Nachtzeit, in einem so heftigen Grade
ein, daß ich ganze Nächte, auch bei der größten Winterkälte, an dem
offenen Fenster stehen mußte, um nicht zu ersticken. - Solch' ein
Anfall konnte mehrere Tage nach einander fortdauern. Alle gebrauchten
Mittel waren ohne Wirkung. Zu diesem langen Leiden kam noch
Appetitlosigkeit, große Abnahme der Kräfte, so daß ich einsehen mußte,
daß es so nicht mehr lange gehen könne. Endlich erbarmte sich der
Himmel. Das Buch "Meine Wasserkur" kam in meine Hände, und es
kam mir als Helfer in der größten Noth. In acht Tagen wurde ich
geheilt. Es ist kaum glaublich, wie das Wasser eine Natur in kurzer Zeit
so umwandeln kann. Die Anwendungen waren:
1. Oberguß, daraus Knieguß
- Wassergehen
2. Rückenguß - Schenkelguß
3. Sitzbad - Oberguß
- Halbbad
4. Oberguß - Rückenguß
- Wassergehen
5. Halbbad - Oberguß
- Sitzbad
6. Vollbad -
Oberguß 7.
Schenkelguß - Oberguß. Dazu täglich
ein bis zwei Stunden im Gras barfußgehen. Es war Sommer, und meine Lage
wurde von Stunde zu Stunde leichter."
Athmungsbeschwerden
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Ein Priester macht folgende Angaben: "Ich bin gut gebaut, war stets
gesund und kräftig; doch seit 3/4 Jahren bin ich so verschleimt, daß
ich recht viel Athemnoth habe, und wenn der Husten kommt und die
Athemnoth, glaube ich, ich müsse ersticken. Ich hatte früher eine vorzügliche,
klangvolle Stimme, und jetzt kann ich mich kaum mehr verständlich
machen; auch werde ich so müde, daß ich fast nicht zu gehen vermag.
Mehrere consultirte Aerzte erklärten es theils als Luftröhrenkatarrh,
theils als Brustkatarrh."
Anwendungen: Täglich dreimal, auch viermal einen
Oberguß und täglich
zweimal Wassergehen
bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach
diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen
Rückenguß
und ein Halbbad. Zudem täglich noch
Wassergehen; so fünf Tage lang;
dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein
Halbbad, einen Rückenguß, einen
Oberguß
und einen Knieguß. Nach
kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine
ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das
Aussehen besser, der Athem leichter, die Stimme reiner, die Gemüthsstimmung
heiterer. Nachtheilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und
Mangel an Bewegung.
Augen-Katarrh
(Entzündung) Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Ein berühmter Militär-Arzt sagte mir vor ca. 35 Jahren. Der Katarrh
(Schleimhautentzündung) ist ein Uebel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können,
wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht
u.s.w. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all' den unzähligen
Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angethan sind, Einem einen
Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. - Hat man einen Katarrh,
so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.
Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die
verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen
kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur zwei. Ein
unersetzlicher Verlust ist's schon, wenn eines verloren geht. Sei darum
wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon
bei kleinen Kindern vor, die wenige Wochen alt sind, bei Schulkindern
noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft
man Augenleidende genug.
Meistens stammt das Leiden aus dem Körper. Bei gesunden Menschen werden
alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transspiration
(Ausdünstung), durch das Athmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar
ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen. Anders kommt es,
wenn der Mensch krank wird. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper
nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe u.s.w.
Was im Kopfe sich ansammelt, wählt so gerne den Ausgang durch die
Augen. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge
dagegen und alle Theile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt
sich das heftige Brennen, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig
erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße
im Auge von der scharfen Jauche angerissen werden. Wird ihr Austreten
gehindert, so entzünden sich die Augen; sie werden oft blutroth und das
schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr
ertragen. Heilung ist nur möglich, wenn die Flüssigkeit so schnell als
möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine
Theile sind gesund, die Jauche allein und seine ätzenden Stoffe machen
es krank.
Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr oder nur wie durch
einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren Mücken und
Fliegen vor den Augen; andere sehen Feuerbündel, wieder andere Anderes.
Alle diese Uebel quellen aus derselben Giftquelle, sind Blüthen
derselben Giftpflanze, rühren von demselben Giftstoffe her. Entferne
diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt ! Ein
Beispiel möge das Gesagte klar machen.
Das kleine Mädchen Antonia, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das
Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat entzündete
Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht
gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was thun? Das
Kind soll täglich in ein Handtuch eingewickelt werden von unter den
Armen an. Das Tuch werde zuvor in lauwarmes Wasser eingetaucht, in dem
Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh siehe unter: gemischte
Bäder) gesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut
umwunden (Wickel siehe unter: Kurzer
Wickel). Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind
sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so
lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft
es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang
die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauert eine Woche lang.
In der
zweiten Woche bereite man dem Kinde ein warmes Bad mit Absud von
Haberstroh (Haferstroh) (ca. 24 bis 26° Reaumur = 30 bis 32° Celsius), in dem es 15
bis 20 Minuten bleibt. In der letzten
Minute werde es mittelst einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem,
nicht zu kaltem Wasser schnell übergossen und sofort angezogen. Auch
bei Kindern ist diese erfrischende Uebergießung nach einem warmen Bade
höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad ausgelöst
und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung
der Poren ein. Das Kind wird das erste mal jammern und weinen, wie
Kinder thun; hat es aber die Sache einige male durchgemacht, so wird ihm
unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein
Leichtes sein. Jeden zweiten oder dritten Tag werde das Bad wiederholt.
Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das
Auge wird reiner werden.
Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel
direkt für das Auge, so nehme sie ein Stückchen Alaun, so groß wie
vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und
wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird
recht werden. Auch nach Entfernung des Uebels versäume die Mutter es
nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach
obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.
Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst fünf Wochen alt,
so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben Wickel
und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.
Der kleine Anton mit vier Jahren ist skrophulös (rezidivierender
Schleimhautkatarrh, Lymphdrüsenschwellungen), hat Ausschlag am
Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die
Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe;
indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde täglich
vor dem Schlafengehen ein Hemdchen anziehen, das in Wasser, mit etwas
Salz gemischt, eingetaucht wurde (siehe: Nasses
Hemd). Hernach soll sie das Kind schlafen
legen und mit einer Decke gut umhüllen. Thut die Mutter dieses in der
ersten Woche alle Tage, in der zweiten Woche jeden zweiten, in der
dritten jeden dritten, in der vierten jeden vierten Tag, und gibt sie
dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine
kleine Messerspitze Kreidemehl , so wird der Bube gesund werden, und die
Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.
Bertha geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede
Woche oder doch recht oft "böse Augen", so daß sie nicht
lesen kann. Die Augen sind ganz roth und brennen heftig. Die Mutter soll
dem Kinde innerhalb zehn Tagen sechsmal ein nasses
Hemd anziehen, und
reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder
bereiten mit ungefähr 24° R. = 30° C. und zugegossenem Absud von
Fichtenreisern (Fichtenreiser siehe: Fichtenreiser-Bad),
stets abschließend mit raschem kaltem Abguß (Rückenguß?). Nebenher kann als
Augenwasser dienen das Aloe-Wasser (eine Messerspitze Aloe wird in ein
Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser ausgegossen), womit täglich
dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete
Auge und stärkt es.
Wilhelm, ein Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht
mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine
war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für
diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht
Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das
ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit,
der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im
Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze
Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen
hin.
In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und
in den Augen. Der Kleine mußte in der Woche zwei warme Bäder nehmen.
Viermal wöchentlich ließ ich ihn ein nasses
Hemd anziehen, das in kaltes, mit
etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1
bis 1,5 Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen
Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen
nahm Wilhelm in jeder weiteren Woche drei bis vier kalte
Bäder, nur mit 15
Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch
dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal
seine Augen mit Alaunwasser (eine Messerspitze Alaun zu einem halben
Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden. neu
auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten
sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und
frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das Geringste
gefehlt hätte.
Christine, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüthe des Lebens, hat aber
immer mit Augenleiden zu thun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig
Blut in den Füßen, deßhalb auch stets kalte Füße.
Patientin nimmt jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad mit Asche und
Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten.
Dreimal in der Woche geht sie bis unter die Arme in's kalte Wasser (Halbbad), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß.
Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählig ganz auf, und das
Augenleiden verschwindet.
Augenleiden
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Agatha kommt und klagt: "Drei Jahre lang war ich von heftigen
Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht
schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der
Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken,
daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Aerzte
ausgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein
Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn's
noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind."
Agatha mußte:
1. in jeder Woche zweimal ein nasses
Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und
in eine Decke eingewickelt 1,5 Stunden lang bleiben;
2. in der Woche
zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin
Heublumen
gesotten worden, warm 1,5 Stunden lang nehmen;
3. täglich eine Minute lang kaltes Wasser auf die Kniee gießen und daraus
Bewegung machen; so zwei Wochen lang.
In der dritten Woche mußte sie täglich einen
Oberguß und Knieguß
des
Morgens nehmen und Nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei
Minuten im kalten Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen
war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war
wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die
Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.
Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen
zur Kräftigung des ganzen Körpers.
Augen-Staar
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war.
Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur
mit Mühe allein gehen konnte. "Wie kommen Sie zu mir?" -
"Ja, mein Kind," sagte der Vater, "war längere Zeit in
einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das
Leiden sei der unheilbare graue Staar. Das ist schrecklich: 9 Jahre alt
und blind!" Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man
den Stern nur mit recht gutem Auge noch theilweise unterscheiden konnte;
eine totale Finsterniß war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge
lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den
Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein
letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen,
elendiglichen Untergange.
Der bedauernswerte Knabe litt nicht allein an den Augen, das sagte mir
sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war auf's tiefste
heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß
Jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch
krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein
Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese
förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank,
recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich
dann auch die Augen wieder.
Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt.
Der Knabe mußte täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf
nassen Steinen barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang Rücken,
Brust und Unterleib ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einigen
Zeit traten an Stelle der Waschungen
Halbbäder, endlich kalte
Ganzbäder, nie
länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel abwechslungsweise der
(kurze?) Wickel oder das
nasse Hemd, in Salzwasser getaucht, auf 1,5 Stunden.
Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Thätigkeit, neues Leben in den Körper
zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.
Speziell für die Augen, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung
verwendete ich mehrere Augenwasser: zuerst das Aloewasser (man nimmt
eine Messerspitze Aloepulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in
einem Schoppen - 1/4 Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden
damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloe löst auf,
reinigt und heilt.
Später folgte diesem Alaunwasser (zwei Messerspitzen
Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis
viermaligem kräftigen Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt.
Noch später
nahm ich Honig-Augenwasser (ein halber Löffel Honig wird in einem
Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger
Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so
kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen
frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählig
in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfe erblühen
auch wieder die so lange geschlossenen Augen; sie leuchten zur Freude
der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine
Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig
gewesen.
Ich bin der festen Ueberzeugung: die arg verkümmerten Augen waren nur
ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom
welk werdenden Stamme die Blätter und der Blüthenschmuck abfallen, so
müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen verkommen. Treibt
der Stamm von Neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch
und neu Blätter und Blüthen.
Ausschläge
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Darunter verstehen wir alle jene unnennbaren und unberechenbaren
Haut-Unreinigkeiten, die oft in einer Nacht, in einem Tage kommen und
vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen
indessen können sie recht lästig werden und plagen dann die Brust, den
Rücken, die Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers. Jahre
lang kann man die Last tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder
auch nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört. Doch kenne
ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen eintraten, so oft der
Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind mir bekannt,
welche ausbrach in Folge schnell zurückgetretenen Ausschlages.
Anwendungen, wie sie bei Flechten
und Geschwüren
angegeben sind,
lockten den Ausschlag von Neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben
waren. Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so kleinlich; sie können,
vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege, große und
schwere Folgen haben. Neben Geistesstörungen entwickeln sich
insbesondere gerne Abzehrung, Schwindsucht, Leber-, Nierenleiden und
Anderes mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich
einnisten, da verwüsten, zerfressen und zerstören Sie.
Jedem derart Geplagten möchte ich rathen, er solle früh genug, jetzt,
wo er noch keine der genannten Folgen spürt, wöchentlich (jeden
dritten Tag z. B. eine) ein paar leichte Anwendungen mit Wasser
vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die kalten
Ganzwaschungen, der
spanische Mantel und der kurze
Wickel. Man erschrecke nicht, wenn nach
der einen oder nach der anderen Anwendung der Ausschlag stärker
auftritt. Das ist ja ein trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle
die Anwendungen nur nicht ein, sondern fahre um so entschiedener damit
fort!
Wer den Rath befolgt, wird an sich erfahren. Das Ende jeder Anwendung
gut, aller Ausschlag gut. Jeder Unparteiische urtheile selbst, ob es
besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen und abscheulichen
Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam u.s.w., zu
gebrauchen oder das reine, kristallklare Wasser. Was mögen derlei
ausgeschrieene und jetzt bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte
Salbereien für Zeug enthalten! Mancher und Manche würden roth werden
vor Scham, wenn seine Herren Collegen, wenn seine hohen Verwandten wüßten,
daß auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft
alles nichts, ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt
salbt. Mundus vult decipi, d.h. die Welt wird weiter schmieren und
salben. Habeat sibi!
Ein Landwirth erzählt: "Ich habe schon mehr als zwei Jahre einen
Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper. Manchmal sieht man wenig,
dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus. Ich bin sonst
gesund; aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie es den
Anschein hat. dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen
wird. Ich habe schon Vieles und Verschiedenes dagegen gebraucht, doch
alles umsonst."
Anwendungen: 1) In der Woche zwei warme
Haberstrohbäder
(Haferstrohbäder), mit zwei
Wechseln, jedesmal 15 Minuten in's warme, eine Minute in's kalte Wasser,
oder sich kräftig abwaschen. 2) Dreimal in der Woche in der Nacht vom
Bett aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser
waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll weißes
Pulver (siehe: Knochenmehl), wie in der
Apotheke beschrieben. So 3 bis 4 Wochen fortmachen, dann jede Woche ein- bis
zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein
Halbbad
nehmen.
Auszehrung
Krankheiten
A Inhaltsverzeichnis
Wir kennen viele Menschen, die außerordentlich schnell beleibt werden.
Man fürchtet dieses im Allgemeinen, weil die oftmals begründete
Meinung herrscht, daß solche Leute meistens nicht lange leben. Deßgleichen
sind uns Viele, Männer, Frauen und Kinder, bekannt, bei denen gerade
das Gegentheil stattfindet, deren Kräfte auffallend rasch abnehmen. Sie
gleichen dem Gras aus dem Feld, das heute grünt und morgen dörrt, und
das Merkwürdige an der Sache ist, daß solche Kranke sehr häufig gar
kein besonderes Leiden fühlen. Sie klagen meist nur über Mattigkeit,
wenig guten Humor und entweder sehr großen oder gar keinen Appetit.
Kommt man da nicht bald mit der Hilfe, so welken solche schon halbdürre
Pflanzen nach und nach ganz ab; sie löschen aus wie ein
schwachbrennendes Nachtlichtlein.
Vielleicht kommt noch eine akute
Krankheit dazu, die dem glimmenden Dochte rasch ein Ende macht. Kranke
dieser Art kommen mir, um ein Bild aus dem alltäglichen Leben zu
gebrauchen, vor wie ein Haus, das gebaut wurde aus schlechtem Kalk und Mörtel,
das bald baufällig wird, und bei dem in Kurzem alles aus den Fugen
geht. Er ist an der Bright'schen Krankheit gestorben, hört man oft
sagen. Das war so ein Zusammenbrechen eines morschen, baufälligen Körpers.
Verschiedene Bezeichnungen für eine und dieselbe Sache! Gut essen und
trinken hilft da nichts mehr. Wirf an ein zerfallendes Haus an diesen
oder jenen Fleck noch einige Kübel Mörtel - jeder Vernünftige wird lächeln!
Die Auszehrung unterscheidet sich von der Schwindsucht dadurch, daß bei
dieser die Krankheit von einem Organe ausgeht, sei es von der Lunge, der
Brust, dem Kehlkopf u.s.w., und von diesem Punkte weitere Kreise zieht,
bei jener aber mehr eine allgemeine Auslösung, ein Ruin des ganzen Körpers
stattfindet. Oft sucht man den Hauptsitz oder den Ausgangspunkt der
Auszehrung in den Nieren, im Unterleibe; vielfach ist jede genaue
Bestimmung vor der Sektion unmöglich; gar oft täuschen die scheinbar
bestimmtesten und sichersten Zeichen.
1. Ein ziemlich korpulenter Herr erfreute sich stets der besten und
ausdauerndsten Gesundheit. Seine Lebensweise und Diät waren wohl
geordnet. Plötzlich merkte er, daß seine Kräfte und seine Korpulenz
schwinden. Er fühlte Schwindel im Kopf und getraute sich nicht mehr zu
stehen, ohne sich festzuhalten. Peinlich vor Allem war ihm der Gedanke,
auf dem Boden ausschreiten, gehen zu sollen, ohne daß die Füße einen
besonderen Halt hatten. Kaum sechs Wochen waren vergangen, und der
Patient hatte 72 Pfund am Körpergewicht abgenommen. Der große und
selten schöne Mann von ehedem wankte und schwankte daher wie ein
geknicktes Rohr, leblos und todt wie ein Dürrling (dürrer Baum) im
Walde. Alle ärztlichen Mittel wollten nichts helfen; der Kranke sah seiner baldigen Auflösung mit sicherem, aber wehmüthigem Auge
entgegen.
In diesem Zustande und in dieser Stimmung kam er zu mir; ich erkannte
ihn nicht wieder, obwohl er mir sonst ein lieber Bekannter war. Ich
selbst zweifelte an der Möglichkeit eines Wiederaufkommens. Doch rieth
ich, einen letzten Versuch mit Wasser zu machen.
Die Natur, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, mußte gestärkt
und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis
dreimal ging der Kranke barfuß im nassen Gras oder
auf nassen Steinen.
Jeden weitere Tag nahm er einen Ober- und
Unteraufschläger, in der
Woche einmal den spanischen Mantel. Diesen Anwendungen folgten wöchentlich
zwei Halbbäder, ein kurzer
Wickel und ein Ober- und Unteraufschläger.
Die Halbbäder lösten sodann Ganzbäder ab, und zwar kalte von je einer
Minute Dauer und warme mit zweimaligem Wechsel, von beiden Arten je
eines in der Woche; ebenfalls wöchentlich eine Ganzwaschung. Zur
Ausheilung und zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich
ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit
Knieguß und hin und wieder den
spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei
reduzirt; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.
Schon nach Schluß der ersten acht Tage war Besserung eingetreten:
Stillstand der Kräfte, Abnahme und Erstarkung. Nach acht Wochen konnte
der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an
Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder,
stattlicher und kräftiger Mann.
2. Eine Mutter, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die
Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das
Todesurtheil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung
blieben. In ihrer Noth flüchtete sie zum Wasser (zur Wasserkur).
Zweimal in der Woche zog sie ein nasses Hemd an und wickelte sich in die
trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie
ebenfalls wöchentlich zwei Halbbäder und setzte beide Uebungen 14 Tage
lang fort. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren
Anwendungen traten jetzt wöchentlich ein kurzer Wickel und einmalige
kalte Ganzwaschung vom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der
Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.
Bei derartig Leidenden kann man (wie oben bei den
Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die Bemerkung machen. daß
sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur
dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch
u.s.w. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie
anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften u.s.w. Die gut
verteilten Wasseranwendungen lösen aus, leiten Unbrauchbares ab, regeln
und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.
Noch ein Fall ist möglich. Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber
ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und
matt, unthätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz
geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die
Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst,
die Saugwurzeln ab, sie muß zu Grunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen
die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige
Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine geräth in
Bewegung und Thätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das
Wasser, das in geordneter Weise den unthätigen Körper trifft, alle
Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlauheit. Sie arbeiten wieder, und
neues Leben pulsirt im neu auflebenden Körper.
Wie viele junge Leute tragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft
schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß
sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!
Krankheiten B
Inhaltsverzeichnis
Beinfraß
Bettnässen
Blasenkatarrh
Blasenleiden, nervöses
Blasenstein
Blattern
Blut-Armuth (Bleichsucht)
Blutbrechen und Blutsturz
Blutfluß
Blutvergiftung
Blutzersetzung
Bruchleiden
Brustfell-Entzündung
Beinfraß
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein Herr von Stand bekam eine kranke Zehe; er glaubte, der Nagel sei
etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung
werth. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es nothwendig, den
Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen
verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung
an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen
und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte
nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages zwei kleine Beinchen
(Knochen) aus- und ablösten. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu
all denen die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und
erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es war
Beinfraß eingetreten. Alsbald ließ ich Zinnkraut in Wasser sieden und
den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud
getauchten Tüchern überschlagen (siehe: Fußwickel). Innerhalb ganz kurzer Zeit war die
Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder
zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.
Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von Neuem, dießmal
an dem anderen Fuße, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der
Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die
Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße
einen ähnlichen, anhaltenden Schmerz, wie früher vor dem Auftreten des
ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde
schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die
durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas
geröthet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und
was wollte er auch mehr? Als Einer, der mit der Wahrheit nicht hinter
dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden
und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hätte
lauten müssen: Die Krankheit ist theilweise gehoben, aber nicht
entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß
weiter frißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. Wie mußte
dieser Fuß behandelt werden? Nothwendig müssen beide Füße zugleich
in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röthe
mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind
zu behandeln mit in Haberstrohabsud (Haferstrohabsud) (siehe auch: Haberstrohbad)
eingetauchten Fuß wickeln (siehe: Fußwickel), in der
Art, daß die Füße täglich einigemale umwickelt werden und die Wickel
über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die
vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzu lange währen.
Wie kommt es wohl, daß in unserem Falle gerade in den Füßen der
Beinfraß sich festsetzte? Weßhalb nicht z. B. in den Händen oder
Armen? - Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit
durchgemachr, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen,
zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegen blieb.
Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen
ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was
für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere
Theil den Angriffen des Giftstosses leicht erlagen.
Der Herr lebt noch. Er darf recht Acht haben, wenn er vom Beinfraß
nicht mehr will heimgesucht werden. Bei den geringsten Anzeichen möge
er alsbald meinen freundlichen und gut gemeinten Rath befolgen und mit
den Umschlägen von Zinnkraute oder Haberstrohabsud (Haferstrohabsud) nicht zögern. Sero
venientibus ossa! Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich.
Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar
wachsen lassen, wenn ich dießmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter
nicht verdeutsche. Ich bin kein Lateiner, aber es gibt ja das Internet: Sero
venientibus ossa = Den zu spät Kommenden (bleiben) die Knochen.)
Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere
Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht
und schnell zu Stande kommt.
Bettnässen
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Dieses Uebel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes
häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre
und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel
ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist's nur Schwindel. Leider,
daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche
Kinder noch mit Ruthe und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was
doch gewiß nicht helfen, sondern das Uebel nur ärger machen kann. Mir
wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal
vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor
Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, gerathen dann um so tiefer
in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Uebel die Herrschaft. Der
Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt,
so muß jenes in Bälde weichen.
Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren rieth ich, sie sollten täglich in einer
Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin- und
hergehen 3-5 Minuten lang (siehe: Gehen
in kaltem Wasser), dann im Zimmer oder Freien rasche Bewegung
machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen
passirte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen
waren auch diese geheilt.
Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser
auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten (siehe: Armbad), was sichtlich nicht
bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank
aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.
Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn
durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind,
empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbenthee zu trinken, die
eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.
Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich
machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Badern und erreichte
das Gegentheil.
Blasenkatarrh
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein Herr berichtet: "Ich bin 30 Jahre alt, leide nun schon drei
Jahre an Blasenkatarrh und habe mir dieses Leiden infolge von
Ueberanstrengung im Beruf und besonders durch allzu langes Aufhalten des
Harns zugezogen. Im Anfange verrichtete ich noch zwei Monate lang die
mir obliegenden Arbeiten unter großen Schmerzen, bis ich bei Tische plötzlich
einmal vor Schwäche und Schmerz zusammenbrach. Vier Monate lang bin ich
krank im Bette gelegen und so elend geworden, daß mein Körper einem
Todtengerippe gleich war, mein Körpergewicht betrug bloß mehr 82
Pfund. Der Arzt verordnete mir nun Wildunger-Wasser (Heilwasser), wovon ich etwa 100
Flaschen getrunken habe, und warme Sitzbäder. Ich bekam zudem noch
einen sehr heftigen Magen- und Darmkatarrh. Nach vier Monaten, als es Frühling
wurde, ging es besser. Im Sommer sodann ging es mir erträglich, wiewohl
ich immer noch zeitweise große Schmerzen verspürte und der Urin sehr
oft, ja beinahe täglich noch trübe war. Der Winter aber brachte mir
wieder ein ganzes Heer von Schmerzen; erst der folgende Frühling und
besonders der Sommer halfen mir wieder auf die Beine.
Aber im Winter
1887 steigerten sich die Blasenschmerzen wiederum mit jedem Tage; der
Urin floß immer spärlicher, ward trüber, und ich mußte drei Wochen
das Bett hüten. Meine körperlichen Kräfte schwanden immer mehr, so daß
man glaubte, eine Art Abzehrung habe sich eingestellt. Am Unterkörper
war ich zumeist kalt und konnte mich trotz des geheizten Zimmers, der fünf
Unterbeinkleider und der drei Paar Strümpfe nicht erwärmen; es ging
abwärts mit mir. Der Arzt sagte, ich solle mich nur recht warm halten,
und gegen das Blasenleiden verordnete er theils Wildunger-, theils
Kronenquellwasser, wovon ich etwa 150 Flaschen leerte. Auf vielseitiges
Anrathen entschloß ich mich, sobald die Witterung es erlaubte, nach Wörishofen
(Ort in Bayern, in dem Kneipp praktizierte und dieses Buch schrieb) zu gehen."
Der Patient sah sehr abgemagert und elend aus, hustete aber nicht. Ich
gab ihm gute Hoffnung auf Wiederherstellung. Schon am dritten Tage bekam
er eine bessere Gesichtsfarbe, die Schmerzen nahmen von Tag zu Tag ab,
der Urin floß reichlicher und heller, und nach vier Wochen erklärte
er: "Nun bin ich wieder der frohe, heitere, gesunde Mensch wie
ehedem, dieß hat das Wasser gethan."
Der Erfolg war ein außerordentlich günstiger. Ein Arzt, der sich
speziell mit Blasenleiden beschäftigt, erklärte den Herrn für vollständig
hergestellt und war ganz erstaunt über den Heilerfolg.
Die Anwendungen waren: Anfangs einigemal Leibstuhldampf mit
Zinnkrautabsud; ferner drei Wochen lang Vor- und Nachmittags
Oberguß
und Wassertreten; später Sitzbäder und
Oberguß, täglich abwechselnd,
außerdem Anfangs Thee von Zinnkraut
und Wachholderbeeren.
Blasenleiden,
nervöses Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein Lehrer berichtet: "Meine Krankheit wird von den Aerzten
bezeichnet als "nervöser Reizzustand der Blase und des
Unterleibes". Seit ungefähr 15 Jahren leide ich an Urinbeschwerden,
bald mehr, bald weniger. Mit Beginn dieses Frühjahres stellte sich das
Leiden wieder in besonders hohem Grade ein. Oft mußte ich in einer
Nacht 15 bis 20 Mal unter heftigem Drang den Harn lassen. In dem reichlichen
Niederschlage fanden sich viele Salzkristalle, später auch Schleim.
Dabei litt ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung, Blähungen, oftmals,
besonders Nachts, an heftigem Erzittern des Körpers, hauptsächlich des
Unterleibes, verbunden mit Kältegefühl, zuweilen auch an nervösen
Zuckungen in den Beinen. Vollständige Appetitlosigkeit und
Schlaflosigkeit haben mich sehr geschwächt." Die Anwendungen waren
folgende:
1) in jeder Nacht Ganzwaschung
2) den einen Tag einen kurzen Wickel, den andern ein
in warmes Salzwasser getauchtes Hemd anziehen
3)
täglich eine Tasse Zinnkrautthee, worin 20 zerstoßene
Wachholderbeeren
mit abgesotten waren, trinken; so drei Wochen lang.
In kurzer Zeit stellten sich Schlaf und Appetit ein, und eine
Krankheitserscheinung schwand nach der anderen. Nur blieb noch
Mattigkeit und Schmerz in den Beinen zurück. Dagegen Folgendes:
1) früh ein Oberguß
2) Nachmittags ein Knieguß
3) manchmal ein Halbbad
Die letzten Reste der Krankheit waren bald verschwunden.
Blasenstein
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein Herr in den schönsten Jahren erkrankte. Er bekam heftige Schmerzen
in den Nieren, und es wollte durchaus kein Wasser mehr abgehen.
Herbeigerufene Aerzte erklärten, es sei ein Stein in der Blase, der
aber nur durch Operation entfernt werden könne. Der Kranke wollte sich
dazu durchaus nicht verstehen.
Den kranken Herrn besuchte ein Bekannter, um sich über sein Leiden zu
erkundigen. Diesem klagte der Patient seine Noth und erhielt den Rath:
Mittags, Abends und Morgens ein warmes Sitzbad von
Zinnkraut zu nehmen
und vor jedem Bad eine Tasse Thee von Zinnkraut zu trinken. In 36
Stunden ging ein Stein ab in beinahe Haselnußgröße. Plötzlich war
aller Schmerz weg und der Mann gesund.
Blattern
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Was Scharlach im Kleinen, das sind die Blattern im Großen. Giftig ist
schon der Scharlach, giftiger sind die Blattern, seien es die weißen
oder die schwarzen. Die Behandlung bleibt für alle Fälle dieselbe. Man
sagt gewöhnlich, wenn die Blattern nicht hervortreten, so müsse der
Kranke daran sterben. Darum kann nichts Besseres gethan und sorgfältiger
gethan werden, als so schnell wie möglich den Blatternstoff an die
Oberfläche der Haut zu leiten, um so im Inneren die ärgste Vergiftung
zu verhüten und eine rasche Ableitung vorzunehmen.
Sechs Personen, die an den weißen Blattern erkrankten, wurden geheilt,
indem dieselben so oft gewaschen wurden, als die Hitze recht groß, die
Bangigkeit fast nicht auszuhalten war. Anfangs war es jede Stunde
nothwendig, später alle zwei Stunden, nach längerem Verlauf im Tage
nur noch zwei- bis dreimal. Am siebenten Tage waren die sechs Kranken
vollständig Gesund. Gegessen haben sie fast nichts, was am besten ist,
getrunken ziemlich viel, was nicht schadet, wenn nur in kleinen
Portionen getrunken wird. Daß alle Patienten dieß beachteten! Viel
Trinken auf einmal löscht den Durst nicht nachhaltig und vermehrt die
Bangigkeit.
Ich selbst mußte oft staunen, wie durch obige Behandlungsweise, durch
die einfachen Waschungen, die Blattern stets auf der Oberfläche der
Haut erschienen. Sie zeigen sich als kleine, spitzige Erhöhungen, aus
der Haut hervortretend, ähnlich den Fröschen, die über das Wasser
hervorschauen. Man wasche ohne die geringste Scheu! Je bälder und pünktlicher
solches geschieht, desto schneller entwickeln sich die Bläschen, desto
rascher wird der Giftstoff ausgeleitet. Ehe er zu den Geschwüren sich
entwickeln kann, wird er, wenn ich so sagen darf, gleichsam
weggewaschen.
Noch Eines: Man gönne den Kranken auch die frische Luft, die ehedem so
sehr mißgönnte und gefürchtete. Immer sei eine, wenn auch kleine
Stelle geöffnet, bei der sie eindringen kann.
Das Waschen geschehe so schnell, daß höchstens eine Minute zu einer
Waschung gebraucht werde. Auf diese Weise können bei Erwachsenen ebenso
leicht die Blattern wie bei den Kindern der Scharlach geheilt werden.
Bemerkt sei noch, daß die gelindeste Anwendung die beste ist.
Vier Personen litten an denselben Blattern. Sie wurden geheilt, indem
sie statt der Waschungen täglich zwei- bis dreimal ein nasses Hemd
anzogen, welches der spanische Mantel gut ersetzt hatte. Nach einer
Stunde wurde das Hemd abgenommen und erst wieder angelegt, wenn Hitze
und Bangigkeit groß waren. Die letzten Tage geschah dieses höchstens
noch ein- bis zweimal. Nach acht Tagen war die ganze Kur vorüber, und
von den schrecklichen Narben, die manches Antlitz für's ganze Leben
entstellen, war keine, auch nicht die geringste Spur zu sehen.
Fritz kann nicht mehr gehen, er ist todmüde an allen Gliedern. Sein
Aussehen ist zum Erschrecken. Heftiges Kopfweh und lästige Uebelkeiten
befallen ihn, und es drückt ihn gewaltig auf der Brust. Man ruft den
Arzt. Dieser erklärt, das seien sichere Anzeichen der Blattern; es
brauche indeß zur Entwickelung derselben noch drei Tage. Ein Abführmittel
könne nicht schaden, sonst aber lasse sich nichts thun. Fritz war damit
nicht zufrieden, und da er vom Wasser gehört, ließ er sich eine Wanne
mit Wasser in's Zimmer bringen, unmittelbar neben das Bett. Jede Stunde
steigt er in's Wasser und wäscht sich mit einem rauhen Handtuche kräftig
ab (ich verstehe den Satz so, dass der Kranke im Wasser steht und sich
wäscht, der Schwerpunkt liegt also auf der Waschung); in ganz kurzer Zeit, in kaum einer Minute ist jedesmal die Arbeit
fertig. Innerhalb 18 Stunden hat sich der Kranke achtzehnmal gewaschen.
Bevor der Arzt wieder kam, war Fritz gesund und von seinem
Blatternansatz gründlich geheilt. Gegessen hat er in dieser Zeit nichts
und getrunken nur das liebe Wasser.
Soeben höre ich von einem Freunde, daß er, meinem Rathe folgend, ganz
auf diese Weise 4 bis 5 Personen, die plötzlich vom Fieber befallen worden
waren, und bei denen mit Grund der Ausbruch der Blattern befürchtet
wurde, in wenigen Tagen heilte.
Herrschen an irgend einem Orte die Blattern, Scharlach,
Ausschlagkrankheiten, und zeigen sich Krankheits-Erscheinungen, so
beginne man möglichst bald mit der Anwendung. Ein zuwartendes, rein
beobachtendes Verfahren, "was da wohl sich entwickeln möge,"
ist stets vom Uebel. Das Feuer greift weiter und verzehrt rasch die Kräfte.
Wer sofort löscht, löscht am leichtesten. Nach wenigen Tagen schon
kann die Rettung zu spät kommen.
Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über Kopfweh, Beengung, schweren
Athem, Husten klagt und sagt, daß aller Muth gebrochen, alle Kraft gelähmt
sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der
Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können
letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.
Im Allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle folgende Regeln:
Die Waschungen seien so kurz als möglich und erstrecken sich auf den
ganzen Körper des Patienten.
Das Zudecken (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung
geschehe sorgsam, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete Erneuerung
der frischen Luft (gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom
dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.
Die Wiederholung des Waschens bei jedesmaligem Steigen der Hitze und der
Bangigkeit werde genau eingehalten.
Niemals dränge man einen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zum
Essen. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder
aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie
belästigen und sind zuweilen ein Haupthinderniß der Genesung, zuweilen
die einzige Ursache eines Rückfalles.
Welche Thorheiten werden in dieser Beziehung oft, sehr oft aus
Unwissenheit, besonders auf dem Lande, begangen! Alles kommt zum
Krankenbett und nöthigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm
wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken
Süßigkeiten u. A., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes thut.
Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Thorheiten und sündigt unwissend
schwer gegen die Gesundheit.
Meldet sich der Appetit, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so
gebe man ja recht wenige, einfache (nicht viel gesalzene, nicht gewürzte),
milde, leicht verdauliche Speisen, niemals bis zur vollen Sättigung.
Ich empfehle als Beigabe namentlich gut eingekochte Früchte. Wasser mit
etwas Wein, Wasser mit Milch und später Milch allein sind das beste
Labsal. Man hüte sich, den Conditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer
zu machen.
Man hat bereits mancherorts begonnen, bei Blatternepidemien das Wasser
als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und
abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel
allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter würde; zahlreiche
Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen
Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der
nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde
(wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich
lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser Seuche,
vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze
hinwegerafft werden, wandelt mich große Schwermuth an. Das Löschmittel
steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen
der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und
Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!
Die Heilung der Blattern durch Wasser hat noch den speziellen Vortheil ,
daß der Giftstoff nie tief einfrißt, und daß deßhalb nach solcher
Behandlung niemals die entstellenden Blatternnarben das Gesicht für's
ganze Leben kennzeichnen.
Die Waschungen, welche wir in unseren obigen Fällen verordnet haben, können
ersetzt werden durch den spanischen
Mantel, den man täglich zweimal,
bei großen Hitzen dreimal umlegt je 1 bis 1,5 Stunden lang. Man versäume
es nie, nach jeder Anwendung den Mantel sorgfältig auswaschen zu
lassen; er enthält jedes Mal eine Menge giftiger Stoffe.
Eine weitere Anwendung besteht darin, daß man, zu Bette liegend, ein
zweifach zusammengelegtes grobes Linnen in's Wasser taucht, es auf Brust
und Unterleib legt in Form des Oberaufschlägers und
nachher in derselben Weise den Unteraufschläger folgen läßt. Bei großer
Hitze kann dieses Verfahren in einem halben Tage zwei- bis dreimal
wiederholt werden.
Blut-Armuth
(Bleichsucht) Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Weil der ganze Körper aus Blut gebildet ist und der ganze Körper seine
Größe, seine Kraft und Ausdauer vom Blute hat, So darf ich den Satz
aufstellen: wer gesund bleiben und lang leben will, der muß gutes Blut
und hinlängliches Blut haben. Die Natur bereitet aus Speise und Getränk
das notwendige Blut, und man kann mit Recht sagen: wer gutes Blut hat,
ist gesund, und wer viel Blut hat, ist ausdauernd; und wo wenig oder
schlechtes Blut bereitet wird, werden alle möglichen Krankheiten
eintreten können.
Zu einer guten Blutbildung ist vor Allem nothwendig eine gute, gesunde
Luft, viel Licht, eine gute, entsprechende Nahrung, welche gutes Blut
geben kann, und die erforderliche Bewegung oder Thätigkeit des Körpers.
Gehen diese notwendigen Bedingungen ab, dann wird auch das Blut
abnehmen, und Sind die Nährstoffe nicht gut, dann wird zur Blutabnahme
auch noch krankhaftes Blut bereitet werden.
Blut-Armuth kann auch eintreten, wenn man Blut verloren hat durch
Verwundungen, Aderlaß und andere Blutverluste.
Wer blutarm ist, der ist auch schwächlich oder krank.
Ein Bild der Blut-Armuth ist der Bleichsüchtige. Das Gesicht des
Bleichsüchtigen ist blaß, bleich, oft gelblich, bräunlich; besonders
sind die Lippen und das Zahnfleisch abgestanden; die Augenlider sind
matt, und so ist vorherrschend überall Schwäche, Magerkeit, Mangel an
Wärme, gebückte Haltung - somit ein Bild der Krankheit. Die weiteren
Folgen sind: Herzklopfen, schwerer Athem, besonders beim
Treppen-Steigen, Kopfweh, Kreuz-Schmerzen, Ohnmacht, Krämpfe,
Magen-Krampf, Verdauungs-Schwäche. Neigung bekommen solche Leute oft zu
Speisen, die weder der Natur zuträglich sind, noch ein gutes Blut geben können.
Als Heilmittel ist einzig sicher, daß der Kranke möglichst viel in
frischer Luft verweilt, wenig im Zimmer, und dieses sei nur spärlich
geheizt; die Kleidung sei ja nicht zu warm und schließe sich nie fest
an den Körper an, damit überall die Luft eindringen kann. Solche
Kranke sollen wo möglich vermeiden: dumpfe Luft, wie im Keller,
geschlossene Räume, rauchige Zimmer!
Solche Kranke sollen nur gute, leichtverdauliche Nahrung genießen:
Milch, gutes Brod, gekochte Brod-Suppe und von ganz einfachem Mehl
bereitete Speisen; sie sollen recht wenig auf einmal essen; 2 bis 4 Löffel
voll Milch, und dieses öfter, ist am besten; weil wenig Magensäfte
vorhanden, wird sie nicht schnell verdaut und darum schlecht im Magen.
Bewegung und Arbeit im Freien (aber nie über die Kräfte arbeiten!) ist
gut zur Vermehrung des Blutes, und die Gesundheit kommt dann von selber.
Die Anwendungen mit Wasser sind folgende: In der Woche drei- bis viermal
in der Nacht vom Bett ausstehen, sich ganz waschen und gleich wieder
in's Bett; in's Wasser stehen bis über die
Waden, eine Minute lang;
gleich darauf kommen auch die Arme in's
Wasser, in der Woche ungefähr
zwei bis dreimal.
Ist der Bleichsüchtige recht schwach, und hat er wenig Naturwärme, so
soll Anfangs nur warmes Wasser genommen werden, sowohl für die
Waschungen als für die Bäder; in das Wasser kann auch Salz oder Essig
gemischt werden. Um den Appetit zu befördern, ist es recht gut, täglich
dreimal, jedesmal 2 bis 3 Eßlöffel voll Wermuth-Thee einzunehmen. Ein vorzügliches
Mittel gegen Bleichsucht ist auch, täglich zweimal, jedesmal eine
Messerspitze voll Kreidemehl in
4 bis 6 Löffeln Wasser einzunehmen.
Hat sich durch die bezeichneten Anwendungen der ganze Zustand gebessert,
dann können statt der Waschungen und Fußbäder Halbbäder in der
Woche. zwei- bis dreimal genommen werden; dann werden Ober- und
Knieguß,
nicht zu oft angewendet, ihre Dienste thun.
Ein armes Dienstmädchen wird nicht leicht bleichsüchtig.
Blutarmuth bei einem Kinde: Eine Mutter bringt einen Knaben, 5 Jahre
alt. Der Knabe ist wohlbeleibt, hat eine recht gute Haltung, ist also
recht gut gebaut, aber im Gesicht so bleich, daß die Farbe mehr die
eines Todten ist als die eines gesunden Kindes. Das Kind hat weder Leben
noch Muth, ist ohne Appetit, hat auch keine Kraft, kurz, das Kind ist so
blutarm und der ganze Organismus so unthätig, daß es mehr einem Greise
ähnlich sieht. Mehrere Aerzte haben das Kind behandelt, geholfen hat
nichts. Zwei Aerzte haben recht viel Wein zu trinken befohlen; doch der
Zustand blieb der gleiche, und das Kind hatte gegen den Wein wie gegen
alle Kost die größte Abneigung. Was ist hier zu thun?
1) Jeden Tag dem Kinde ein Hemd
anziehen, in warmes Wasser getaucht, in
welchem Heublumen gesotten wurden;
2) Jeden Tag den ganzen Knaben waschen mit Wasser und Essig;
3) wo möglich im Zimmer barfuß gehen lassen; auch in's Freie, in die
frische Luft gehen. Zu essen und zu trinken gebe man einfache
Hausmannskost: Wasser, Milch (aber immer nur kleine Portionen, 2 bis 3 Löffel
voll); so 14 Tage lang. Nach dieser Zeit.
1) Täglich in nicht zu kaltem Wasser gehen lassen bis über die Waden,
3 bis 5 Minuten lang;
2) täglich einmal ganz waschen mit Wasser und Essig;
3) in der Woche ein oder zweimal ein nasses
Hemd anziehen, in Salz- oder
Heublumenwasser getaucht.
Mit diesen Anwendungen 14 Tage fortmachen und dann dieselben höchstens
halb so oft gebrauchen.
Blutbrechen und
Blutsturz Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Wenn sich eine Blutung einstellt, So fragt es sich, ob das Blut aus dem
Magen oder aus der Lunge kommt. Aus Lungenblutung kann man schließen,
wenn das Blut unter Husten entleert wird und hellroth und schaumig
aussieht; hingegen auf Magenblutung, wenn es durch Erbrechen entleert
worden und von dunkelbraun-rother, kaffeesatzartiger Farbe, klumpig und
geronnen ist. Blutbrechen ist stets erschreckend und erheischt Vorsicht,
da es immer größere oder geringere Gefahren in sich schließt.
Kommt das Blut aus dem Magen, wer weiß, welches Aederchen gelitten hat,
ob und wann das Brechen sich wiederholen wird? Eine Vernachläßigung könnte
Blutarmuth oder eine schwere Krankheit zur Folge haben. Man suche darum,
die wunde Stelle schnell zu heilen, dann hat das Blutbrechen aus dem
Magen keine Bedeutung.
Von größerer, oft recht großer Gefahr ist das Blutbrechen aus der
Lunge. Man schaffe deßhalb möglichst schnelle Abhilfe!
Bei beiden Arten des Blutbrechens ist Thee von
Zinnkraut immer ein
erstes Hauptmittel wegen seiner zusammenziehenden Kraft. Ergießt sich
das Blut aus der Nase, so ziehe man nach Können, öfters solchen Thee
durch die Nase ein. Kommt es aus dem Munde, so nehme man alle 10 bis 15
Minuten ein paar Löffel solchen Thee's ein. - In der Regel stillt
derselbe sehr schnell. Der Thee werde selbst nach vollständiger
Stillung noch eine gute Zeit genommen. Mir persönlich ist kein Fall
bekannt, in dem Zinnkraut nicht rasche Hilfe gebracht hätte.
Stellt sich das Blutbrechen öfter ein, so müssen die Ursachen
erforscht werden. Es ist dann entweder die Lunge krank, und der Patient
gehört zu den Schwindsüchtigen; oder es findet ein zu starker
Blutandrang nach dem Kopfe statt, der gehoben werden muß (siehe: Congestionen
= Blutandrang), oder es rührt von Magengeschwüren
her.
Der Blutsturz, den die Verletzung eines edleren Blutorganes zur Folge
hat, sei hier nur erwähnt. Da hat gewöhnlich alle Hilfe ein Ende.
Meistens tritt plötzlicher Tod ein.
Hier ein Wort über das Nasenbluten. Viele Menschen haben sehr häufiges
Nasenbluten und machen sich nichts daraus, weil es ihnen darauf
"wohl" wird. Dennoch ist und bleibt dieser Zustand ein
ungesunder, dem sicher früher oder später eine schwere Krankheit
folgen wird. Abgesehen von allem Andern muß nothwendiger Weise allmählig
Blutarmuth, schwaches Blut u.s.w. eintreten und damit die bekannten
Zustande: Angst, Furcht, Erschrecken, Aengstlichkeit, Skrupulantenthum (Überängstliche)
der verschiedensten Art. Als gute stillende Mittel beim Nasenbluten
werden hausig gepriesen: den Betreffenden ohne sein Wissen zu
erschrecken, ihm Wasser in's Genick zu gießen, ihn verschiedene
Haltungen des Kopfes einnehmen zu lassen.
Ich bin gegen all' diese oft das Gegentheil bewirkenden Manöver. Das
einzig Richtige scheint mir zu sein, daß man den Blutlauf in geregelten
Gang zu bringen sucht, das übermäßig zum Kopfe steigende Blut in den
Unterleib und in die Füße lenkt, die bei solchen Zuständen regelmäßig
blutarm sind, woraus sich dann später allerhand Schwächen und
Gebrechen ergeben.
Zu dieser Ableitung des Blutes nach unten helfen vortrefflich: Anfangs
ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 15 Minuten lang, in der Woche
zwei bis dreimal; deßgleichen wöchentlich 2 bis 3maliges Gehen
auf nassen
Steinen und 2 bis 3 kurze Wickel. Ist die Natur erst erstarkt, so thun
weiter vorzügliche Dienste der Ober-
und Unterguß und Halbbäder
mit
Waschung des Oberkörpers, wöchentlich je eine Anwendung.
Ein Nasenbluten gibt es, das nicht bloß bedenklich ist, sondern leicht
den Tod bringt. Ein Mädchen von 15 Jahren, das in der Zeit der
Entwicklung war, verblutete vollständig innerhalb 2 Stunden. Wie durch
eine Röhre strömte alles Blut aus der Nase, das Bluten endete mit dem
Tode (sog. Bluterkrankheit).
Mir selbst kam der Fall vor, daß ein Mädchen von 16 Jahren in ungefähr
1,5 Stunden durch die Nase drei Lavoirs (Waschbecken) reines Blut verlor. Die
zunehmende Todtenblässe und die anrückende Schlafsucht ließen das
Aergste befürchten. Nachts 2 Uhr wurde ich schleunigst gerufen, die
Verblutende zum Sterben vorzubereiten. Alle Hausmittel waren erschöpft,
ein Arzt nicht zur Stelle. Ungesäumt ließ ich 0,5 Gießer mit Wasser
auf den Kopf spülen, die andere Hälfte auf den oberen
Rücken. Fast
augenblicklich hörte das Bluten auf. Das Mädchen lag mehrere Stunden
ruhig, aber in seiner Schwäche mehr oder weniger bewußtlos da. Kaum
hatte es sich etwas erholt, so meldete sich das Nasenbluten wieder. Der
Guß wurde wiederholt und erzielte dieselbe Wirkung. Zur Hebung der Schwäche
nahm die Kranke - Appetit und Durst fehlten gänzlich - jede halbe
Stunde 2 bis 3 Löffel Milch; nach 2 Tagen konnten bereits Kraftsuppen
folgen, die, im Wechsel mit Milch und in überaus geringen Portionen
genommen, allmählig dem so arg geschwächten Körper etwas aufhalfen.
Der Oberguß wurde täglich pünktlichst vorgenommen. Die Blutungen
blieben aus, dagegen meldete sich binnen Kurzem ein recht guter Appetit.
In 4 bis 6 Wochen erholte sich die Kranke sichtlich, in einem halben Jahre fühlte
sie wohl im Innern noch Schwäche, im Aeußern war das Aussehen blühend
wie früher. Die beginnende Entwicklung mag, wie im ersten Fall, Ursache
der Blutung gewesen sein.
Blutfluß
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein Hausvater kommt und erzählt Folgendes: "Meine Frau hat schon länger
den Blutfluß und ist am Sterben; bis ich heimkomme, ist sie vielleicht
schon gestorben. Aerztliche Hilfe gibt es keine mehr. Gibt's denn gar
kein Mittel?"
Ich gab dem Manne den Rath: Die Frau soll
1) Anfangs nach je 1/4 Stunde 2 bis 3 Eßlöffel voll Zinnkrautthee nehmen, später täglich je 2 Löffel
voll
2) auf den Unterleib ein Tuch legen, in halb Wasser und halb Essig
getaucht, 2 Stunden lang, und innerhalb dieser zwei Stunden nach je 20
Minuten wieder frisch eintauchen. Die Blutung hörte rasch auf, und das
Weib hatte bloß noch zweimal, jedesmal eine halbe Stunde, einen solchen
Ueberschlag anzuwenden.
Um wieder Blut zu bekommen, hat die beste Wirkung hervorgebracht: in
jeder Stunde zwei Eßlöffel voll Milch zu der gewöhnlichen Hausmannskost. Nach 4 Wochen konnte dieses Weib ihren Hausgeschäften
wieder nachkommen.
Bemerkt sei hier, daß solche Anwendungen nur im Nothfalle angezeigt
sind, bis ein Arzt zur Stelle ist.
Blutvergiftung (siehe
auch: Vergiftung des Blutes) Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Eine Hausmutter hatte sich an einem Finger ganz unbedeutend geritzt, sie
wußte nicht, ob an einem Nagel oder Holzsplitter, - beachtete diese
Kleinigkeit gar nicht und ging am Abend in's Bett, ohne den Schaden näher
anzusehen; er schien ihr zu unbedeutend. In der Nacht schon wacht sie
auf, empfindet im Finger einen schmerzhaften Krampf, große Uebelkeit,
Brechreiz bis zum Erbrechen. Der Schaden war an der linken Hand, und sie
empfindet auch Schmerz und Krampf am rechten Fuß. Die Hand schwillt
stark an bis an den Ellbogen, wird feuerroth, und innerhalb 10 Stunden
tritt am ganzen Arm ein fast unausstehlicher Schmerz ein. Die Adern bis
zu dem Ellenbogen treten stark hervor und sind ganz dunkel. Arzt war
keiner im Ort, und es war sichtbar die höchste Gefahr im Verzug, es
werde die Blutvergiftung die Herrschaft bekommen. Die Röthe war bereits
über den Ellenbogen schon zur Hälfte auf den Oberarm gekommen.
Heublumen wurden mit siedendem Wasser übergossen, und die ganze Hand
wurde mit so heißen Heublumen, als sie dieselben nur ertragen konnte,
eingewunden. Der ganze Arm wurde mitsammt dem Verband in das heiße
Heublumenwasser gelegt, acht Stunden lang. Diese Heublumen zogen wie ein
Zugpflaster am ganzen Arm, und so ist es denselben gelungen, die
Giftstoffe aus dem Blut auszuziehen, mithin wieder ein Beweis, wie
schleunigst eingewirkt werden soll, wenn die Zeichen einer
Blutvergiftung sich zeigen. Vielleicht wäre nach 1 bis 2 Stunden die
Hausfrau schon ein Opfer des Todes geworden. Bemerkt soll noch werden,
daß selbst die Zunge schon eine bläuliche Farbe bekommen hatte. Nach
36 Stunden war aus der flachen Hand die Haut von allem Fleisch so abgelöst,
daß sie hatte abgezogen werden können. Als die Krämpfe in dem Finger
nachließen, hörte auch natürlich alle Uebelkeit auf.
Blutzersetzung
Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Auf der Heimreise von einer Fastenpredigt besuchte ich einen Pfarrer.
Ich hatte auf dem Wege zufällig erfahren, daß man sein baldiges Ende
erwarte. Ich trat ein. Der geistliche Herr saß im Lehnstuhle und erzählte:
"Ich habe 25 Löcher und Wunden am Leibe. Sie sehen hier im Gesicht
5 Pflästerchen. Deren habe ich 20 am Leibe. Ganz schnell entstehen
kleine Geschwüre mit brauner Flüssigkeit. Setze ich ein Pflästerchen
aus, so hält es 1 Tag; beim Wegnehmen bleibt gewöhnlich etwas
abgestandenes, faules Fleisch hängen. So leide und dulde ich schon seit
Monaten, und Hilfe bekomme ich keine mehr. Quälender noch als die
Wunden am Körper empfinde ich den entsetzlichen Eckel im Gaumen, den
ich Niemandem beschreiben kann. Theurer geistlicher Mitbruder, wissen
Sie einen guten Rath für einen Armen, dann geben Sie ihn bald; mir
scheint es höchste Zeit."
Ich rieth dem Bedauernswerten, er solle
täglich alle 2 Stunden 4 bis 6 Löffel Thee von Salbei und
Wermuth nehmen,
daß ihm der Ekel aus dem Gaumen schwinde. Dann verließ ich ihn auf
Wiedersehen in der Ewigkeit. Nach fünf Tagen kam wirklich ein Bote,
doch nicht mit der erwarteten Todesnachricht, sondern mit der
Freudenkunde, der Ekel sei aus dem Gaumen entfernt, und der Kranke spüre
schon Verlangen nach Speise. Der erste Rath habe so vortrefflich
gewirkt, ich möchte bald einen zweiten geben. Ich ließ ihm melden, er
solle während 14 Tagen täglich mit frischem Wasser Ganzwaschungen
vornehmen oder vornehmen lassen, die einzelnen Waschungen so kurz wie möglich.
Von Neuem kam die Meldung, der Zustand bessere sich, der Appetit sei im
Steigen. Ich verordnete als weitere Anwendungen durch einige Wochen
abwechselnd den einen Tag den spanischen
Mantel, den andern eine
Ganzwaschung. Nach 14 Tagen las der Pfarrer wieder die erste hl. Messe.
Es folgten noch wöchentlich je ein Kräuterbad zu 20° Reaumur = 25°
Celsius aus Heublumen
bereitet, am Schlusse mit kalter Abwaschung und kalte Halbbäder (mit
Waschen des Oberkörpers) im Wechsel mit Ganzwaschungen, den einen Tag
die erste, den andern die zweite Anwendung. Der geistliche Mitbruder
genas vollkommen und wirkte noch 24 Jahre berufsfreudig in seinem Amte
als Pfarrer bis zum Ende seines Lebens.
Ein Mann kommt und erzählt: "2,5 Jahre bin ich krank, und Niemand
kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen
und wurden bis zu den Knieen herauf ganz blau. In jeden Fuß brachen
zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas
besser wurden, schwoll der rechte Arm Stark an, wurde ebenfalls ganz
blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser;
ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem
obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark ausgetrieben, und ich habe
darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen
sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet
haben. Wenn's erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende
gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angethan. Doch sei ihm, wie ihm
wolle, ich kann nicht mehr elender werden."
Ich verordnete: "Sieden Sie Haberstroh (Haberstroh = Haferstroh siehe auch: Gemischte
Bäder), tauchen in solches
Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein
Beinkleid bis unter die Schultern (siehe: Der
kurze Wickel). So werden Sie eingewickelt in eine
Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie können,
Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes nasses
Hemd
ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an und lassen
sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen Sie einen
kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser (Haferstrohwasser), 1,5 Stunden lang. So
wird 14 Tage fortgemacht." Nach 14 Tagen waren alle Geschwülste
beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine kleine
Oeffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden
dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach
drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.
Bruchleiden
(Knochenbrüche) Krankheiten
B Inhaltsverzeichnis
Ein besonders hervorragendes und häufiges Leiden unserer Zeit sind die
Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft erscheinen sie plötzlich,
wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft künden sie sich am Körper
durch besonders schmerzende Stellen an. Alle damit Behafteten zählen
unter die Presthaften, d. h. unter diejenigen, die nicht mehr zu allen
Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt stets die Gefahr nicht
nur heftiger Leiden, sondern bei Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in
sich.
Diese Zustände kommen hauptsächlich bei schwächlichen Naturen vor. Deßhalb
kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche Früchte aufweisen.
Ich bin der vollsten und festen Ueberzeugung: wenn eine vernünftige Abhärtung
gepflegt würde von Jugend an, wenn nur reelle, nahrhafte, vernünftig
Kost genossen würde und keine verkünstelte, verfeinerte und so
vielfach verdorbene, so träten alle diese Uebel höchst selten auf und
meistens nur in Fällen, in denen gewaltsame Einwirkungen auf den Körper
geschehen durch Schlag oder Stoß.
Vor 50 Jahren kannte man wenig "gebrochene Leuten in einem Dorfe;
in einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen.
Heutzutage kommen vielleicht 20 Personen zusammen, und 3 bis 4 derselben
haben einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem
Unglück hin ihr Uebel so viel wie möglich verborgen zu halten. Man hört's
nicht gern, wenn es heißt: der hat einen Bruch. Bei Manchem klingt
dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn roth macht bis über die
Ohren. Thorheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das
kleinere Uebel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß
bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen;
Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen.
Wie leicht und schnell ist's geschehen! A. bekam seinen Leibschaden aus
dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen. E.
litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine
Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester,
predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.
Mich schmerzt es jedesmal tief (gerade weil großentheils so leicht
vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst gesunder, kräftiger
Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein Mann im schönsten, kräftigsten
Alter zu den Invaliden gehöre. Fast muß ich es so heißen; denn eine
große Anzahl Bruchleidender muß das Berufsleben vor der Zeit
verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren, und selten ist solchen eine
Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden des Bruches nicht den
Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es erfahren hat, weiß,
daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte sich wahrlich mehr
Mühe geben, nach den Ursachen des gewaltigen Ueberhandnehmens gerade
dieses Uebels zu forschen, mit anderen Worten: man sollte der
verweichlichten, geschwächten Menschheit aufhelfen. Wohin sollen wir
denn kommen?
Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; siehe unten, wo wir von Kindern
reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst eingetreten
in Folge von angeborener oder später eingetretener Schwäche. Gar
leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch Abhärtung mit
Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob die sogenannte
"bessere Welt" endlich klug wird? Ich zweifle daran. Dir aber,
braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig liesest,
rathe ich: nimm in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad oder ein paar
kalte Sitzbäder (jedes Schaff (Wanne) ist gut genug)! Bald wirst du deren kräftige
Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst du keine bestimmte Zeit
abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und Alles in Allem: Ausziehen, Baden,
Wiederanziehen dauert nicht länger als 4, höchstens 6 Minuten. Von der
Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und unmittelbar darauf kannst du
wieder an deine Arbeit gehen. - Doch ich bin im größten Schweiße!
Auch das hindert nicht; bade ruhig, du hast nichts zu fürchten! Ueber
diesen Punkt habe ich mich bei den Halb- und
Ganzbädern des Näheren
ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser verantwortungsvollen Sache ist
reiflich erwogen, und erst ward lange Jahre versucht und praktizirt
(gehandelt), bevor gesprochen und geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust
in's Wasser und wasche rasch und kräftig den Oberkörper ab; dann
kleide dich, ohne abzutrocknen, an und gehe rüstig wieder an deine
Arbeit! Nach 3 bis 4 solchen Bädern brauchst du keine Aneiferung und keinen
herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die Waschung wird dir fast Bedürfniß,
und du erweisest deinem Körper diesen Liebesdienst mit Freuden. Und das
Werk (der Erstarkung, Feiung) wird seinen Meister loben.
Ein Bauer klagte mir einmal über arge Schmerzen etwas oberhalb der
Weichen. Der Arzt habe erklärt, es sei ein Leibschaden im Anzuge. Ich
rieth ihm, fleißig Ober- und Unteraufschläger zu nehmen. Bald ließ
der Schmerz nach. Der Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten
Arbeit und blieb von dem angekündigten Uebel frei. Diese Warnung hat
ihn zur Besinnung gebracht und klug gemacht, er wurde von nun an ein
eifriger Wassermann.
Zum Schluß noch die Frage: Können Leibschäden gar nie geheilt werden?
Mehrere neue Leibschaden habe ich, selbst bei Erwachsenen, dadurch
geheilt, daß die gebrochene Stelle mit Kampheröl kräftig eingerieben
und darüber ein Pechpflaster, das Pech auf Wachsleinwand gestrichen,
aufgelegt wurde. Fuchsfett sodann ist und galt zu jeder Zeit als eines
der allerbesten Mittel zur Heilung eines jungen Bruches. Man reibe alle
zwei bis drei Tage die Bruchstelle mit solchem Fett ein und lege stets
das Pechpflaster darüber. Auf solche Weise heilte ich einmal einen
Bruch, der bereits sieben Wochen alt war.
Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnißmäßig häufig vor. Die
Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark ausgetrieben werden,
und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde
bereite man täglich ein Haberstrohbad
(ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder Bauer jedem Armen), ebenso täglich einen
Ober- und Unteraufschläger, klein natürlich, wie sie für das kleine Geschöpf
passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist. Man reibe
nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampheröl oder noch besser mit
Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn sie nicht
allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an Heilung zu
denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg übrig, als
daß ihnen ein Bruchband beschafft werde, das sie nach Anweisung des
Chirurgen tragen.
Gerade die Mütter sollten Alles ausbieten, - auch das nenne ich in
diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, - derlei Gebrechen von
Anfang an und von Grund auf vorzubeugen. Es hängt viel davon ab, oft
das ganze spätere glückliche oder unglückliche Leben ihres Kindes,
der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott mir das Leben gibt,
werde ich den Müttern einmal einige Winke und Rathschläge
aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig abhärten
und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten
Wassermann; er hat für die Erziehung und für Alle, die dabei
betheiligt sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache
Nerven haben und ihren "Engeln" vor lauter Einmummung und
Einbauschung in Sammt und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft
gönnen, werde ich mich nicht wenden. Nur solchen gilt's, denen daran
gelegen ist, zur Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken
Generation das Ihrige beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre
der betreffenden Rathschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt
Zeit, kommt Rath. Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich
durch die Rechnung. Und dann ist's auch so recht und gut, und ich bin
damit zufrieden.
Brustfell-Entzündung
siehe unter: Entzündung
Krankheiten C
- E Inhaltsverzeichnis
Cholera
Cholerine
Congestionen
Darm-Entzündung
Darmkatarrh (Abweichen, Diarrhöe, Durchfall)
Darmleiden
Diphtheritis
Emphysem der Lungen
Entkräftung
Entzündung (Allgemeines)
Epilepsie
Cholera
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in
mehreren Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte
dem Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Ueberschwemmungen sicher zu
sein, wirft man Dämme auf, man regulirt die Flüsse. Bei einem
Waldbrande zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiter
fresse. Ein solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen
entsetzlichsten Feind des Menschenlebens, ist das Wasser. Es rettet aus
der Gefahr und umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem
Damm oder Graben.
Bei der Cholera herrscht der Grundsatz: Wer bald in Schweiß kommt, der
ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß geräth, der ist verloren.
Einmal wurde ich nachts um elf Uhr zu einer armen Magd gerufen. Schon
zwanzigmal hatte sie Erbrechen gehabt, zwanzigmal schon an starkem
Durchfall gelitten. Der Arzt war zwei Stunden weit entfernt. Die Magd
wollte zum Tode vorbereitet werden; denn, sagte sie, sie fühle nur zu
gut, daß sie dieser schrecklichen Krankheit erliegen müsse. Hände und
Füße waren einer Eismasse gleich, das Gesicht blaß, die Gesichtszüge
eingefallen, die Zeichen der Auflösung waren da. Sofort versuchte ich
die Sterbenskranke in Schweiß zu bringen, von dessen Zustandekommen
nach meinem Urtheile Alles abhing, Leben oder Tod.
Schleunigst brachte
die Hausfrau zwei große, grobe Leintücher. Ich ließ dieselben in heißes
Wasser eintauchen, mehrfach zusammenlegen, auswinden und die fast heiße,
dicke Ueberlage auf Brust und Unterleib decken. Unter dieselbe, auf den
bloßen Leib, kam zuvor ein einfaches Tuch, das in heißen Essig
getaucht war, zu liegen. Die nasse, heiße Auflage umhüllte und schloß
nach Außen ab ein Federbett. Alles so warm und schwer, wie es die
Kranke nur ertragen konnte. Schneidend drang die Hitze in den
Choleraleib, und in 15 Minuten war der ganze Körper durchwärmt. Nach
weiteren 20 Minuten perlten schon Schweißtropfen vom Gesichte. Ich ließ
die heiße Decke nochmals in heißes Wasser tauchen. In ganz kurzer Zeit
hörten alle Krämpfe aus, das Erbrechen und der Brechreiz verloren
sich. Um der von außen wirkenden Wärme nach innen entgegenzukommen,
bekam die Kranke eine Tasse Milch mit Fenchel (ein Löffel voll
gemahlener Fenchel wird drei Minuten in Milch gesotten) so warm als möglich
zu trinken. Die Kranke kam in reichlichen Schweiß, und sie war
gerettet.
Es durfte und darf in solchen Fällen nicht vernachlässigt werden die
Ausheilung, die nicht schwierig ist, aber wichtig. Es soll der
Rekonvaleszent (der Genesende) täglich einen Unteraufschläger (ein
mehrfach zusammengelegtes Tuch unter der ganzen Rückenlänge) nehmen,
eine Stunde lang; gleichfalls täglich einmal eine Stunde lang einen
Oberaufschläger (dasselbe Tuch auf Brust und Unterleib), jedesmal gut
zugedeckt. Auch unsere Kranke that so, und in 10 bis 12 Tagen war sie
hergestellt. Ein zweiter Fall wurde ebenso und mit demselben Erfolge
behandelt.
Zwei Bemerkungen will ich hier nicht unterdrücken.
Wenn die oben angeführten Symptome (Kennzeichen) der Krankheit, wie
heftiges Abführen, Erbrechen, Krämpfe u.s.w. erscheinen, so soll man
nicht säumen, solche Kranke alsbald in's Bett zu bringen. Landleute
sind in dieser Beziehung gegen sich oft zu hart und deßhalb unklug.
Nach innen gebe man einen warmen Trunk. Drohen krampfhafte Zustände
einzutreten, oder wollen die Füße eiskalt werden, so bringe man
alsbald eine warme Ueberlage auf den Leib, nicht länger als circa drei
Viertelstunden. Ebenso lange lege man sich auf eine ebenfalls warme
Unterlage. Wiederholen sich die Krämpfe, so können die Ueberlage und
die Unterlage wiederholt werden. Treten Wärme und Schweiß ein, so hat
man's gewonnen.
Vorsichtig sei man, bis Alles wieder in Ordnung ist, mit Essen und
Trinken. Von der gewohnten einfachen Kost wähle man das Leichtere aus.
Als Getränk diene am besten warme Milch, die Heil- und Nährmittel
zugleich ist.
Wüthet die Cholera an einem Orte, so vertraue auf Gott und sei
unverzagt! Wasche zur Vorsicht jeden Morgen und jeden Abend kräftig die
Brust und den Unterleib; kaue täglich zehn bis zwölf Wacholderbeeren,
und sollten diese dir abgehen, so kaufe dir Pfefferkügelchen! Für 20
Pfennig erhältst du eine große Anzahl. Täglich zweimal je fünf
solcher Pfefferkügelchen erwärmen den Magen, unterstützen die
Verdauung und leiten die Gase aus.
Cholerine
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Fast in jedem Orte zählt man jedes Jahr einige Fälle von Cholerine;
mir selbst sind jährlich solche Kranke genug vorgekommen. Die Cholerine
ist die Cholera im Kleinen, ein recht unlieber, wenn auch weniger befürchteter
Gast. In ihrem Gefolge sind heftiges Abführen, starkes Erbrechen,
zuweilen stärkere oder schwächere Krämpfe.
Meine Anwendungen bei Cholerine sind genau dieselben wie bei der
Cholera, an Zahl und Stärke klug und verständig geregelt, je nach dem
Heftigkeitsgrade der Krankheit. Auf einmal wurden so vierzig mit
Cholerine Behaftete mit gleich gutem Erfolge behandelt und geheilt.
Congestionen
(Blutandrang) Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Ein Beamter klagt Folgendes:
"Ich leide an schwerem Athem, Krämpfen im Halse und sehr großen
Kopfschmerzen. Oft ganze Nächte ist es mir wegen Congestionen und
Schmerzen im Kopfe nicht möglich, zu schlafen. Stuhl erfolgt seit
Jahren nur durch Medikamente. Außerdem besteht viel Krampf auf der Brust, und wenn dieser in den Unterleib kommt, empfinde ich Sehr große
Schmerzen. Gegen Kälte weiß ich mich gar nicht mehr zu schützen, Hände
und Füße sind gewöhnlich kalt. Meine Lebensstellung wäre eine
angenehme, wenn ich nicht fortwährend von Leiden gequält wäre. Ich
besuchte schon mehrere Bäder, fand aber keine Hilfe. Statt der früheren
Korpulenz ist nun Abmagerung eingetreten. Wenn nun Wasser keine Hilfe
bringt, klagte er wehmüthig, so bin ich verloren." Die Behandlung
war folgende:
1) täglich Morgens und Abends längere Zeit im Gras und
auf Fußwegen
barfuß gehen, - was ihm eine unbeschreibliche Erquickung brachte und
sein Kopfleiden ableitete
2) in der Woche zwei kurze Wickel
3) einmal den spanischen Mantel
Um Stuhlgang zu befördern, mehrere Tage hindurch jede halbe Stunde
einen Eßlöffel voll Wasser und bei größeren Beschwerden: Aloe, eine
Erbse groß, mit einem halben Löffel voll Zucker, das Ganze in warmem
Wasser aufgelöst, und auch dieses jede Stunde löffelweise genommen.
Darm-Entzündung
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Ein Verwalter erzählt: "Ich habe Jahre lang heftig, mitunter fast
unausstehliche Schmerzen, viel Bauchweh und Grimmen. Ich kann schon längere
Zeit gar nichts mehr essen ohne heftige Schmerzen und habe regelmäßig
Abweichen (Durchfall) darauf. Ich habe recht viel eingenommen, Hilfe wenig oder höchstens
auf kurze Zeit bekommen." Das Aussehen dieses Mannes in den schönsten
Jahren ist recht krankhaft. Er ist abgemagert, hat blasse Farbe und trübe
Augen. Was mag helfen?
Dieser Mann hat in jeder Woche
1) drei Sitzbäder genommen
2) jeden
Morgen und Abend Brust und Unterleib mit Essig und Wasser kräftig eingewaschen, 3) in der Woche ein
Halbbad genommen, eine Minute lang.
In vier Wochen war der arme Mann von seinem Magenleiden befreit.
Eingenommen hat er bloß täglich zweimal jedesmal zwölf
Wermuth-Tropfen im warmen Wasser.
Darmkatarrh (Abweichen,
Diarrhöe = Durchfall) Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Es gibt Leute, welche ohne besondere Veranlassung Diarrhöe bekommen.
Die Wiederholung kann regelmäßig, z.B. zu gewissen Zeiten, ein- bis
zweimal im Jahre, oder unregelmäßig stattfinden. Die Betroffenen fühlen
sich vor und nach den Anfällen wohl und gut. Die regelmäßigen Diarrhöen
rühren daher, daß die kräftige Natur all' die gesammelten überflüssigen
Stoffe auswirft. Wie ruhig arbeitet man, wenn an einem Dampfkessel ein
Sicherheitsventil angebracht ist! Wie ruhig darf man sein, wenn die
Natur gleich diesem Kessel das "Zuviel und Ungesund" ausspeit.
Gegen derlei Diarrhöe habe ich durchaus nichts zu verordnen; ich warne
sogar, dagegen etwas zu thun. Meistens kommen diese Ausscheidungen im
Herbst oder Frühjahr vor, und uns scheint, daß die Luft, die
Temperatur gut einwirken und mithelfen.
Beachtenswerther sind die unregelmäßigen Diarrhöen, die mit oder ohne
Schmerzen stattfinden können. Es sind Mahnungen für solche Leute, daß
in ihrem Körper sich krankhafte Stoffe angesammelt haben, die, wenn sie
nicht entfernt werden, häufig Verderben anrichten. Man macht in der
That die Erfahrung, daß bei derart Heimgesuchten meistens das eine oder
andere Organ krank ist, und daß solche Kranke sehr oft früh sterben
oder wenigstens nicht besonders alt werden. Oft sind die Diarrhöen
Vorboten von schweren Krankheiten. Bei der Heilung muß vor Allem auf
den Unterleib gewirkt werden, doch stets im Wechsel mit Anwendungen auf
den ganzen Körper. Plötzliche Stillung der Diarrhöe ist nie zu
empfehlen; es sollen die faulen Stoffe allmählig entfernt und die
inneren Organe so gekräftigt werden, daß die Natur solch faule Stoffe
gar nicht aufkommen läßt oder sie zur rechten Zeit ausscheidet.
Nach innen wende man Thee an von Wermuth mit
Salbei, von
Tausenguldenkraut mit Salbei, von Schafgarbe mit
Johanniskraut, täglich
ein bis zwei kleine Tassen; oder man nehme täglich sechs bis zehn Wachholderbeeren. Alle die genannten Mittel befördern die Verdauung,
unterstützen die Magensäfte und enthalten zugleich Nährstoffe.
Sollte die Diarrhöe stark sein und schon länger dauern, so werde
zweimal täglich ein halber Löffel voll Heidelbeergeist (in warmem
Wasser) eingenommen.
Als äußerliche Anwendungen genügen im Anfange wöchentlich drei bis
vier Aufschläger auf den Unterleib von je 1,5 Stunden (ein vierfach
zusammengelegtes Tuch werde zu diesem Zweck in Wasser mit Essig oder in
einen Absud von Fichtenreisern (siehe: Fichtenreiserbad)
getaucht und auf den Unterleib gelegt
oder gebunden), ebenfalls wöchentlich ein kurzer
Wickel. So fahre man
vierzehn Tage fort. Nach vierzehn Tagen können zur Kräftigung in der
Woche ein bis zwei Halbbäder folgen mit
Waschung des Oberkörpers und
gleichfalls wöchentlich ein bis zwei Ganzwaschungen Nachts vom Bette
aus. Dieses für die folgenden drei bis vier Wochen. Wenn es dann zur
Regel würde, keine Woche ohne wenigstens eine Ganzwaschung oder ein
kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers vorübergehen zu lassen, müßte
der ganze Organismus kräftiger und gesünder werden und der berührte
Ausnahmezustand (wenn er nicht tieferliegende Ursachen hat) aufhören.
Ein Herr, 48 Jahre alt, erzählt: "Seit vielen Jahren habe ich mit
wenig Unterbrechung Abweichen (Durchfall), ich mag essen, was ich will; habe von den
Aerzten recht viel eingenommen, auch manches Hausmittel gebraucht, wurde
in mehrere Bäder geschickt, doch - Alles vergebens. Besonders stark ist
das Abweichen, wenn ich trinke, sei es Wasser, Bier oder Wein. Recht
trockene Kost ist mir am zuträglichsten. Weil von mir Alles zu rasch
und zu wenig verdaut abgeht, bin ich nie bei Kraft, und bin ich auch
nicht ganz abgemagert, so sind doch meine Muskeln nur welk."
Die Anwendungen waren folgende:
1. täglich zweimal
Oberguß
2. täglich
einmal im Wasser gehen
3. einmal Knieguß
In der zweiten Woche:
den einen Tag
Oberguß und im Wasser gehen, den andern Tag
Halbbad.
Nach diesen zwei Wochen fühlte sich der Kranke frischer, kräftiger und
wohler, aber das Abweichen
(Durchfall) blieb. In der dritten Woche bekam er:
1. täglich ein vierfach zusammengelegtes Tuch (Aufschläger), in Wasser und etwas
Essig getaucht, auf den Unterleib, 1,5 bis 2 Stunden lang
2. den einen Tag
Oberguß und Schenkelguß
3. den andern Tag Halbbad
und
Oberguß.
Nach dieser Woche hatte sich der Stuhlgang vollständig geändert. Eine
weitere Woche:
1. jeden Tag ein Halbbad
2. jeden zweiten Tag ein Tuch auf den Unterleib wie oben (Aufschläger).
Zur weiteren
Erhaltung der Kraft und Gesundheit reichten aus:
in der Woche zwei Halbbäder
und ein- bis zweimal ein wie oben
beschriebener nasser Umschlag auf den Unterleib (Aufschläger).
Zum innerlichen
Gebrauch wurden verwendet:
a. Wermuthtropfen
b. Wachholderbeeren, im
Wechsel.
Es könnte Mancher fragen, warum gerade diese Reihenfolge in den
Anwendungen eingehalten wurde. Darauf ist zu erwidern:
Die Anwendungen in der ersten Woche suchen den Körper, oben und unten
angefangen, zu kräftigen; die der zweiten Woche stärkten, wie den Körper
im Allgemeinen, so die Organe im Inneren; die der dritten Woche wirkten
hauptsächlich auf die Kräftigung des Magens und der Gedärme.
Auf diese Weise wurde der ganze Körper ausgebessert. Die Anwendungen
der vierten Woche umfaßten den ganzen Organismus in allen seinen
Theilen, und so ist die Ausheilung auch bei diesem Körper gelungen. -
Was innerlich gebraucht wurde, ist theils zur Aufbesserung der
Verdauung, theils zur Kräftigung der inneren Organe geschehen.
Darmleiden
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Ein Priester, 45 Jahre alt, gibt an: "Seit mehr als 25 Jahren leide
ich an hartnäckiger Stuhlverstopfung und einige Jahre auch an
Magenbeschwerden. Vor circa acht Jahren machte ich eine Kaltwasserkur
durch. Dieselbe besserte wohl meinen Magen, aber die Verstopfung blieb.
Im Jahre 1885 trat auch Nierenleiden mit überschüssiger Harnsäurebildung
und Griesbildung ein, wogegen mir der Arzt eine Traubenkur und nach
dieser eine zehntägige Kur mit Glaubersalz verordnete, welche Kuren
jedoch einen recht heftigen Dickdarmkatarrh zur Folge hatten. Nachdem
ich mich allen möglichen Kuren vergeblich unterzogen hatte, wurde nur
erklärt, mein Leiden sei unheilbar und könne wohl gelindert, aber
nicht geheilt werden. Es quälten mich Schlaflosigkeit, Mangel an
Appetit, Müdigkeit, Schwere in den Beinen, Unlust zur Arbeit, Schmerz
und Druck in der Nierengegend und hochgradige Stuhlverhaltung mit Ausblähung
und Spannung des Unterleibes; die Füße waren stets kalt, der Kopf heiß,
der übrige Körper leicht und stark schwitzend. - In diesem Zustande
entschloß ich mich nun doch zum kalten Wasser, vor welchem man mich so
sehr gewarnt hatten. Dem Herrn wurde Folgendes verordnet:
Täglich ein Oberguß, ein Rückenguß, ein
Sitzbad; dazu je nach Bedarf
ein Halbbad, Knieguß,
im Wasser gehen. Am durchgreifendsten aber hat
der spanische Mantel gewirkt, der ihm ein lieber Freund geworden ist.
Nach 12 wöchentlichem Kurgebrauche kam die Verdauung vollkommen in
Ordnung ohne besondere Diät; der Ernährungszustand wurde vorzüglich,
das Körpergewicht hatte um 13 Pfund zugenommen.
Diphtheritis (Hals-
und Kehlkopferkrankung) Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Wer überfallen wird von Diphtheritis, muß bemüht sein: 1. die angehäuften
Krankheitsstoffe sobald wie möglich zu lösen, 2. Auf die ganze Natur
einzuwirken, daß die ungeregelte Strömung des Blutes und der Säfte,
welche der Barometer des Fiebers anzeigt, zur Ordnung komme. Man lasse
einen solchen Kranken zuerst einen Kopfdampf nehmen und nach je
20 bis 24
Minuten den ganzen Körper
waschen. Nach 6 bis 8 Stunden soll er einen Shawl
überlegen, 1,5 Stunden lang, nach jeder halben Stunde denselben von
Neuem in frisches Wasser eintauchend. Dann nehme der Kranke einen Fußdampf,
gleich darauf ein Halbbad (ganz kalt) mit
Waschung des Oberkörpers. In
höchstens einer Minute kann das Halbbad und die Waschung vollendet
sein. Es folgt von Neuem der Shawl, 1,5 Stunden lang anzulegen, wie oben
angegeben. Sind diese Anwendungen vorgenommen, so wiederhole man sie von
vorne, auf jeden halben Tag eine derselben vertheilend. Der Kranke
gurgle nebenher fleißig mit Zinnkrautthee, täglich zum mindesten vier-
bis fünfmal. Das garstige Uebel wird sich in Bälde heben.
Alle die genannten Anwendungen sind so schuldlos, daß sie nie schaden können.
Hat der Kranke (es ist dieß eine allgemeine Regel) zur Nachtzeit Ruhe,
tritt Schlaf ein, so soll man denselben ja nicht stören. Denn
eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur
Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen
selbst um so bessere Erfolge erzielen. Bei dieser Gelegenheit sei noch
bemerkt, daß, wenn während irgend einer Anwendung, die das Bett
vorschreibt, ein Kranker in Schlaf kömmt, man denselben nie wecken
soll. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung gethan, so wacht der
Kranke regelmäßig von selber auf.
Ein Vater kommt und erzählt: "Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar
nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr athmen. Es ist
voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein nasses
Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser. Was soll ich
thun, damit das Kind mir nicht ersticke?" Der Jammer des bekümmerten
Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn zum
Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem
Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr auf
Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen! Jede
halbe Stunde wurde wahrend eines Tages Rücken, Brust und Unterleib mit
kaltem Wasser gut gewaschen. Da die entsetzliche Fieberhitze nicht
weichen wollte, kam auf den Unterleib nichts weiter als ein in kaltes
Wasser getauchtes Tuch. Die Hitze mußte brechen. Am folgenden Tage
kommt der Vater wieder und erzählt: "Das Kind ist bereits im
Stande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes schwellen
die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an. Das Reden
ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die Kleine
wieder reden kann." Der Vater wurde angewiesen, rechts und links am
Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das mit
Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach jeder
halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben
angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als
sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die
Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit
fort, so oft die Hitze zu steigen begann.
Gurgelungen mit Thee von Foenum graecum
= Bockshornklee (ein Kaffeelöffel Foenum
graecum in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im Bette
sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche
Wirkung. Thee der Malve, der Schafgarbe, des
Wollkrautes würden
dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier
Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die
innerliche Hitze auffallend schnell.
Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten
Gesundheit.
Emphysem
(Luftansammlung) der
Lungen Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Als Emphysem wird in der Medizin ein übermäßiges oder an ungewohnter
Stelle aufgetretenes Vorkommen von Luft bezeichnet. Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter
stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die
peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.
Gewöhnlich sind solche Leute ziemlich korpulent, und die Lebensweise
hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen.
Hauptgrund des Uebels ist gewöhnlich, daß der Organismus an
allgemeiner Schwäche leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und
in Folge der Unthätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so
stattfindet, wie sie für den Körper nothwendig wäre. Ich möchte solche Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt,
die gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie
gestellt werden. Ein weiterer Grund sind fast regelmäßig die Gase,
welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die Organe des
Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst
ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt
allseitige Beengung ein.
Das Uebel wird gehoben einmal dadurch, daß die
Gase aus dem Körper verbannt werden, und dadurch, daß der ganze Körper
abgehärtet und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften Kost
gekräftigt wird. Meine mehr als 35 jährige Erfahrung belehrte mich, daß
gerade bei diesem Leiden die Bright'sche Krankheit (Nierenentzündung) leicht die Oberhand
gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch diese
Krankheit vollends ausgelöst, aufgerieben wird. Ein Herr, ziemlich
korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von Zeit zu Zeit solche
Erstickungsanfälle, daß er der Ueberzeugung lebt - der Arzt bestätigte
ihm dieselbe, er werde, wenn der Anfall noch zweimal wiederkehre,
unterliegen. Die Athemnoth war so groß, daß der Kranke, resp. sein
Nach-Athem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses gehört wurde. Oft
meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerz und Todesangst an den Wänden
hinauf. Diese Athemnoth dauerte bei jedem Anfalle ziemlich lange und
erschöpfte den Körper also, daß er sich jedesmal darnach ganz krank fühlte.
Hatte er sich in Kurzem wieder erholt, so fühlte er sich gesund und
frisch. Die Anfälle blieben oft einige Tage aus, um so mehr aber
steigerte sich ihre Heftigkeit.
Der genannte Herr besaß die größte Wasserscheu und konnte sich zur
Wasserkur erst dann entschließen, als ihm keine andere Hilfe mehr blühte.
Sechs Wochen hindurch gebrauchte er verschiedene Anwendungen. Die
Heilung war eine so vollständige, daß die Anfälle niemals
wiederkehrten und der Herr sich stets - es sind heute ungefähr 21 Jahre
her - der besten Gesundheit erfreute.
Der Patient nahm mehrere Tage hindurch einen Thee von Dornschlehblüthen,
der einen recht gelinden, aber ergiebigen Stuhlgang beförderte; dann
gebrauchte er den kurzen Wickel, Ober- und
Unteraufschläger und zuletzt Halb-
und Ganzbäder von der Dauer einer Minute. Unter den Anwendungen
that auch der spanische Mantel gute Dienste. Am wirksamsten erwiesen sie
sich in folgender Ordnung:
Erst der kurze Wickel; er beginnt die Gase auszutreiben und die Ursache
der Gase zu lösen; sodann der Ober- und
Unteraufschläger, eine
Fortsetzung der ersten Anwendung, zugleich auf Kräftigung abzielend; im
Weiteren der spanische Mantel; dieser leitet die verlegenen Stoffe aus
der Haut; endlich Halbbäder, welche den Organismus starken.
Ein anderer Herr litt dermaßen an Athemnoth, daß die Aerzte erklärten,
es habe sich die Herzwassersucht angesetzt. Dieser Herr war, wenn auch
gut genährt, nicht besonders korpulent; gleichwohl konnte er nur mit größter
Anstrengung eine Stiege steigen. Appetit war fast gar nicht vorhanden,
der Schlaf recht unruhig; niemals war der Herr ohne Angst und Furcht. In
seinem Berufe hatte der Patient früher reichliche Bewegung gehabt; später
kam er in eine Kanzlei, und dieses sitzende, unthätige Leben brachte
ihn nach und nach in den eben beschriebenen peinlichen Zustand.
Zur
Heilung reichten ganz wenige und leichte Anwendungen von Wasser aus.
Dieselben helfen auch jetzt noch, sobald das Uebel sich von neuem zeigen
will. Es hat sich seit zwölf Jahren öftere gemeldet, ist aber jedesmal
schnell wieder beseitigt worden. Zu den Wasseranwendungen gebrauchte der
Herr noch Thee, den er wegen seiner trefflichen Wirkung lieb gewonnen
hat. Dieser Thee besorgt lediglich einen geregelten Stuhlgang und die
Ausleitung der Gase aus dem Magen, erspart zugleich zahlreichere und stärkere
Wasseranwendungen, die der Herr fürchtet, und zu denen manchmal die
Zeit fehlt. Der Thee ist der gelinde Wühlhuber, und die Anwendungen
sind folgende: Erschien das Leiden in einem niedrigen Grade, so reichte
auch, dreimal in der Woche einen Unteraufschläger
zu nehmen, jeden
Morgen beim Ausstehen Rücken , Brust und Unterleib kräftig zu
waschen.
Trat das Uebel etwas stärker auf, so gebrauchte der Herr den kurzen
Wickel oder auch ein Halbbad. Mit diesen Uebungen wurden verbunden
Waschungen zur Nachtzeit, die stets gute Dienste thaten.
Es ist sonderbar, und oft staune ich, wenn man gegen solche Zustände
die stärksten Mittel gebraucht, Mittel, welche für die Gesundheit
niemals gute Folgen haben können; selbst mit Giften traktirt man leider
nur allzu oft die armen Geplagten.
Letzteres insbesondere blieb und bleibt mir ein bis heute ungelöstes Räthsel.
Ich muß mir stets Gewalt anthun, um die innere Ruhe zu bewahren.
Ein anderer Fall von Emphysem:
Ein Pfarrer bekam Lungenentzündung in hohem Grade, nach dieser
Lungenemphysem (Lungenerweiterung, Lungenblähung), und kam mit solchem
Husten, daß er kaum anzuhören war. Das Aussehen war recht krank,
Appetit wenig, die Kräfte im Abnehmen. Die Lunge wurde von den Aerzten
noch als heilbar erklärt.
Die Anwendungen waren folgende: Vierzehn Tage hindurch:
1) jeden Tag
zwei Obergüsse
2) jeden Tag zweimal im Wasser gehen drei bis fünf
Minuten lang
3) dreimal wöchentlich ein
Shawl
4) jeden zweiten Tag
ein kaltes Sitzbad eine Minute lang.
Einzunehmen bekam der Kranke Absud von Foeunum graecum mit Honig
gekocht, womöglich jede Stunde einen Löffel voll.
Die Wirkung war: die Aufgüsse (Obergüsse)
kräftigten den oberen Körper. Der
Husten wurde anfangs noch stärker, Schleim ging jedoch sehr viel
heraus. Nach drei Tagen verminderte sich Husten und Auswurf, und in zwölf
Tagen war nur mehr ein kleiner Rest von Verschleimung übrig. - Dieser
wurde beseitiget durch weitere Anwendungen von Oberguß, Knieguß und
Thee von Brennnesseln und Spitzwegerich. Nach etwa drei Wochen trat
vollkommene Besserung ein.
Entkräftung
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Ein Schmiedmeister, 46 Iahre alt, kommt und klagt: "Meine Hände
haben seit etwa zwei Jahren so an Kraft abgenommen, daß ich mit dem
Hammer nicht mehr zurechtzukommen weiß. Wie meine Arme zwei Drittel der
Kraft verloren haben, so sind dieselben auch um mehr als die Hälfte dünner
geworden; sonst wäre ich ziemlich gesund. Nur fühle ich seit einem
halben Jahre auch meine Füße viel schwacher werden und daß sie
besonders gegen Abend wehe thun. Der Appetit ist ziemlich gut, jedoch
nicht wie früher. Auf meinem Rücken, am oberen Kreuz merke ich oft
eine gewaltige Spannung."
An den mageren Händen sieht man nur mit Mühe, wo die Adern sind; man
erkennt leicht, die Arme werden nicht genährt, daher die Schwäche,
Steifheit und Kälte. Blutanstauungen im Nacken und in dessen Umgebung mögen
die Ursache sein, daß das Blut nicht nach allen Richtungen hin gelangen
kann.
Der Schmied hielt vierzehn Tage hindurch täglich einmal die ganzen Arme
in ein warmes Heublumenbad eine halbe Stunde lang und einmal zu anderer
Tageszeit zwei Minuten in kaltes Wasser; dazu kam wöchentlich dreimal
der Shawl. Schon während dieser Kur wurden die Arme fester, die Adern
schwollen an, die Anstauungen wurden aufgelöst. Nach 14 Tagen wurde täglich
ein Ober- und Unterguß, in der Woche zweimal ein warmes
Heublumenbad
und zweimal ein Kaltwasserbad für die Arme genommen. Der Mann fuhr
damit fort und wurde wieder fähig zu seinem Beruf. Innerlich gebrauchte
er wahrend der Kur täglich zwanzig Wermuthtropfen in warmem Wasser.
Entzündungen
(Hals, Lunge, Unterleib, u.a.) Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Ein Knabe, der kaum recht gehen konnte, sieht, wie die Mutter Licht
gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein Hölzchen zu erwischen; er
will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der kleine Uebelthäter zündet
mit dem Streichhölzchen ein mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt
ab und Alles, was darinnen ist.
Wie viele tausend Menschen liegen auf den Gottesäckern, bei denen sich
gleichsam so ein kleiner Funken krankhaften Stoffes im Körper entzündet
hat; der Funken wurde zur Flamme. Von allen Seiten drang das Blut zur
entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es goß Oel in die Flamme,
und die Flamme wurde zum großen Feuer. Es waren vielleicht nicht die
richtigen Anstalten zum Löschen getroffen worden, und die armselige Hütte
der menschlichen Seele brannte elendiglich zusammen. Tausende von
Thieren gehen jährlich so zu Grunde. Abertausende von Menschen ereilt
ein gleiches Schicksal. Wie schnell geht das oft! Dein Hals hat an einer
Stelle Feuer gefangen, er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes
Lüftchen und thut Blasbalgdienste; es bläst das Feuerchen an, die
Adern liefern neuen Brandstoff, und in wenigen Stunden steht der Hals in
Brand. Ist's nicht so? Was thun? Was thun die Leute, wenn's brennt? Sie
schreien Feurio und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann
entfernen sie, wenn es Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile
Alles, was dem Feuer nur Futter sein kann, und spritzen dann darauf los,
bis der Feuersnoth oft die Wassernoth folgt. Diesen Wink wollen wir
verstehen und ausnützen.
Wenn irgend eine Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald, das
auf diese Stelle zuströmende Blut, zurückzuleiten. Man rette das noch
nicht entzündete Blut. Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle ein,
damit das zusammengeströmte Blut möglichst vertheilt und abgeleitet
werde.
Unlängst ging Nachts, als ich eben einschlafen wollte, das Holz im Ofen
an. "Fatale Geschichte!" dachte ich; "bis dieser
Scheiterhaufen abgebrannt ist und ausgeknittert und ausgeprasselt hat,
geht die halbe Nachtruhe hin." Mein Nachbar war gescheidter.
"Nicht das Knistern, meine Ruhe will ich habend, murmelte er. Und
was that er? Er nahm Scheit für Scheit, ob's flammte, ob's schon
knisterte, heraus. Und aus war alles Feuer. Das ist doch klar.
Doch nun zurück zur Halsentzündung! Greif einmal die Füße an und fühle,
ob sie nicht vielleicht eiskalt sind! Manchmal trifft dieses zu. Wo mehr
Wärme ist, entstehe sie, wo sie wollen strömt mehr Blut zu. Das Blut
in den Füßen ist gleichsam davon - und dem Brande im Halse zugeeilt.
Wickle die Füße ein in linnene Lappen, die in mit etwas Essig
vermischtes Wasser eingetaucht sind! Bald schon wirst du große Wärme
verspüren. Der Fußwickel zieht das Blut nach unten, und etwas
Brennstoff ist dem Feuer schon genommen. Suche sodann das Blut weiter
abzuleiten in den Unterleib! Dieses geschieht durch Auflegen eines größeren,
in derselben Weise durchnetzten Tuches auf den
Unterleib. Sollte es
recht heiß werden, so tauche es von Neuem ein in kaltes Wasser, und
zwar so oft als die Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr Brennstoff
als durch die erste Anwendung (Fußwickel)
wird durch diese zweite (Oberaufschläger)
dem gefährdeten
Halse entzogen. Und nun kannst du den Hals selbst angreifen, den
eigentlichen Feuerherd. Tauche ein Tuch in's kälteste Wasser und binde
es um (Halswickel); laß das Tuch aber nicht zu heiß werden; erneuere vielmehr
dessen Eintauchen, so oft es recht warm wird!
Lassest du es heiß werden, so entwickelt sich auch am und im Halse
wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Theil abgeleitet ist oder noch
vollends abgeleitet werden soll, strömt von Neuem dem Halse zu und
droht die Entzündung frisch anzufachen. Wer diesen letzten Punkt, über
den schon so viel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird nach
kurzer Praxis bald sein eigener bester Wärter. Er fühlt am besten, wo
Hitze weggetrieben, wann der Ausschlag oder Wickel erneuert werden soll.
Darnach applizirt und wiederholt er die Wasseranwendungen. Der Hitzegrad
wird ihm der Zeiger an der Uhr; zeigt jener auf Null, d. h. ist das
Feuer gedämpft, so läßt er den Körper in Ruhe; zeigt er auf
geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt das Feuer zu, so eilt er ohne
Säumen neuerdings zur Feuerspritze.
Entzündung edler Körperteile: Lungen-, Brustfell-, Bauchfell- und
Unterleibs-Entzündung.
Margaretha liegt zu Bett. Sie hat heftigen, trockenen Husten, verbunden
mit viel Brechreiz, und von Stunde zu Stunde nimmt die Hitze zu.
Gewaltiges Stechen und Brennen peinigt die Brust und die eine Seite. Der
Arzt erklärt, es sei eine LungenEntzündung im Anzug. Wie kann der
Kranken geholfen werden? Jedes Kind weiß, daß ein Schwamm ungemein
viel Wasser einsaugen und behalten kann. Sollte es nicht auch Mittel
geben, welche, wie der Schwamm das Wasser, die Hitze an sich ziehen,
gleichsam einsaugen und behalten? Ja, es gibt solche Mittel, und sie
liegen nicht ferne. Jede Bauersfrau bei uns auf dem Lande kennt den
Topfenkäs. Anderwärts nennt man ihn Zieger (Ziger ist eine Masse,
die sich beim Erhitzen von saurer Molke abscheidet. Ziger kann als
Brotaufstrich verwendet werden. Eventuell im Käsegeschäft kaufen.); er wird gewonnen aus der
geronnenen (gestockten) Milch. Solchen Topfenkäs rührt man mit
Topfenwasser zu einer feinen Salbe an, streicht ihn etwas mehr als
messerdick auf Leinwand und legt das Pflaster auf die stechende oder
brennende Stelle, an der das Feuer der Lungenentzündung um sich greifen
will. Ich kenne kein Mittel, welches mehr Hitze an- und einzuziehen im
Stande ist. Die stärksten Hitzen habe ich so dämmen und ganz auslöschen
sehen, wenn man täglich zwei- bis viermal, je nach dem Grade der Hitze,
so ein Pflaster auflegte. Viele kenne ich, die hauptsächlich bei
Lungenentzündung ihr Leben allein dieser so einfachen Auflage
verdanken.
Innerlich soll der Kranke jeden halben Tag zur Kühlung einen Löffel
voll Salatöl einnehmen.
Reichen diese zwei Mittel nicht aus, d. h. sollte die Hitze noch groß
bleiben, so können Wasseranwendungen folgen. Man wickle den ganzen Körper
des Kranken von unter den Armen an in ein naßkaltes Tuch ein (Unterwickel) und wiederhole dieses täglich zweimal. Von der jedesmal
notwendigen Umhüllung spreche ich nicht mehr. Man sehe vorn nach bei
der Beschreibung der Anwendungen. Oder man umwinde beide Füße bis über
die Knöchel mit in Wasser (eine kleine Beimischung von Essig kann nur
gut sein) getauchten Tüchern (Fußwickel)
und erneuere das Eintauchen so oft, als
die Tücher recht heiß werden. Statt der Tücher kann man auch nasse
Socken anziehen, darüber als Umhüllung trockene.
Wendet die kranke Margaretha 3 bis 5 Tage das Pflaster an, gleich beim
Beginn der Krankheit, so kann sie in 6 bis 7 Tagen, längstens in 9 bis
10 Tagen
wieder gesund sein.
Wie die Lungen sich entzünden, ebenso können auch andere edle Theile
des Körpers entzündet werden. Wir sprechen von Brustfell-, Bauchfell-,
Unterleibs- und anderen Entzündungen. Bei allen gelten dieselben eben
berührten, allgemeinen Grundsätze und dasselbe Heilverfahren:
Vertheilung, d. i. Ableitung des Blutes, Kühlung der entzündeten
Stelle, d. h. Entziehung der Hitze durch Einwirken von Kälte.
Mitternachts wurde ich einst zu einem Kranken gerufen. Er wußte nicht
mehr zu athmen. Husten und Brechreiz waren groß. In der Brust,
besonders auf der einen Seite - so klagte er - gehe es zu, wie wenn man
sie mit Messern durchsteche; der ganze Körper glühe schrecklich. Ich
providirte den Kranken nicht, wie die Angehörigen baten, und bereitete
ihn nicht zum Tode vor. Aber ich ließ ihn von unter den Armen an in
nasse Tücher einwickeln (Unterwickel) und auf die schmerzende Stelle
ein Topfenpflaster (siehe: Topfenkäs) auflegen. Zum Einnehmen erhielt er einen Löffel
Salatöl. Das that wohl. 6 Tage wurde so fortgefahren, und der Todkranke
war außer Gefahr.
Stirbt Jemand an der Lungen- oder an einer anderen inneren Entzündung,
was ist da im Innern vor sich gegangen, wie haben wir uns dieses
vorzustellen? Im Aeußeren spiegelt sich das Innere. Du hast sicherlich
schon hie und da bei Anderen kleine Geschwüre gesehen - man nennt sie
Karbunkel - oder solche an einem Arm, Fuß, einer Hand oder aus deinem
Rücken, Magen, deiner Brust u.s.w. vielleicht schon selbst empfunden.
Wie entwickeln sich diese? Wenn sich so ein Geschwür irgendwo bildet,
entsteht an der Stelle erst eine Röthe, und man fühlt im Inneren ein
Brennen. Die Geschwulst nimmt zu, und nach einiger Zeit bemerkt man an
jedem dieser spitzen Kegel, seien sie groß oder klein, einen erhöhten
weißen Punkt. Man sagt: das Geschwür ist reif, zeitig, und schneidet
es aus oder drückt es aus. Es kommt Eiter heraus und mit und nach dem
Eiter in Fäulniß geratenes Blut. Gut ist's!
So ein kleines "Blutschwär" (Blutgeschwür), wie es die
Landleute nennen, verursacht meistens große Schmerzen, nicht allein an
der Hand, am Fuß u.s.w., wo es sich ansetzt. Man "spürt's in
allen Gliedern", der "ganze Körper thut weh". Das ist
der deutlichste Beweis, daß der ganze Körper selbst bei solchen
unscheinbaren Uebeln in Mitleidenschaft gezogen wird, so daß
folgerichtig es dem ganzen Körper zu gut kommt, wenn derlei Dinge gut
ausheilen, und daß er leidet, und daß es sich rächt, wenn sie
vernachlässiget werden.
Kommt ein derartiges größeres Geschwür nicht zur Entwicklung, zum
Aufbrechen, "will's" nach dem Volksmund "nicht
heraus," so färbt sich nach und nach die kranke Stelle blau und
rothbraun. Das Blut steht ab, und das abgestandene Blut wird und wirkt
giftartig. Ein Biß der unheimlichen Klapperschlange, ein Tropfen
Schlangengift in's Blut, und nach einigen Minuten tritt der Tod ein.
Solches Blut ist Gift. Mischt es sich mit gesundem Blute, so vergiftet
es auch dieses, es beginnt eine Blutvergiftung. Kann sie nicht
ausgehalten werden, so endet sie stets mit dem Tod. Nicht anders haben
wir uns den Prozeß im Inneren zu denken. Die Vergiftung vollzieht an
edlen Organen ihr Werk nur schneller und wüthet unheilvoller und
schrecklicher. "Er unterlag einer Blutvergiftung," wie die
heutige Sprache sich ausdrückt, oder: "er ist am Brand
gestorben," wie die alten und gemeinen Leute sagen - das sind
beides nur verschiedene Ausdrücke für dieselbe Sache.
Martin, ein schöner, starker Mann, bekommt heftiges Fieber. Zuerst schüttelt
ihn entsetzlicher Frost. Dann quält ihn brennende Hitze. Der Kopf ist
so heiß, daß der Arzt auf eine Gehirnentzündung schließt. Das ganze
Innere steht in Flammen; diese schlagen durch den glühenden Athem
gleichsam zum Munde heraus, oder besser: wie die innere Gluth den
Holzhaufen verbrennt, so arbeitet die Glühhitze schrecklich, die
inneren Organe in raschem Tempo zu verkohlen. Die Vorboten des Uebels
waren Kopfweh, Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Frost. Außer dem Fieber
aber fühlt der Kranke jetzt an keiner einzelnen Stelle besonderen
Schmerz. Nach 10 Tagen war der Mann eine Leiche, und beim Seciren
stellte es sich heraus, daß das Gehirn intakt, unverletzt, daß der
Arme vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben war.
"Wie hätten Sie diesen Fall behandelt?" fragte man mich.
Zuerst eine Vorbemerkung. Dieser Fall zeigt sonnenklar, wie leicht die
Diagnose (die Kunst, nach den Erscheinungen die Krankheit zu
unterscheiden und zu finden) täuschen kann. Bei Lungenentzündung ist
fast regelmäßig Stechen, Brennen in der Lungengegend, Husten und
Brechreiz vorhanden. Unser Kranker fühlte davon nichts. Wie hart thut
in derlei Fällen - vielleicht komme ich später einmal in die Lage,
davon Mehreres zu sagen - der Allopath (Schulmediziner)! Und wohlgemerkt, es ist oft die
höchste Zeit, die Feuersbrunst hat schon große Dimensionen
(Ausdehnungen) angenommen. Die Feuerspritze darf das Feuer nicht
verfehlen, sonst ist's geschehen. Auch tropfen- und löffelweise kann
ich da nicht mehr zu Werke gehen, die Tropfen zehrt das Feuer
augenblicklich auf. Mein einfacher Grundsatz in solchen verzweifelten Fällen
- und es wird ihn wohl Niemand anfechten - heißt: Wenn's brennt, so lösche;
lösche zuerst, wo es am meisten brennt; ist der ganze Körper ein
Brand, so lösche auch am ganzen Körper! Vielleicht wirst du Herr des
ganzen Feuers; jedenfalls schwächst du es und hast zu weiterer
Ueberlegung Ruhe und ein freies Ausschnaufen.
Dem Kranken hätte ich während 3 bis 4 Stunden jede halbe Stunde Rücken,
Brust und Unterleib waschen lassen. Die Wuth des Feuers wäre so um
Vieles gedämpft worden. Dann hätte ich weiter gelöscht mit Ober- und
Unteraufschlägern - die Unteraufschläger zum Daraufliegen recht dick
(mehrfach zusammengelegt) - und mit nassen Socken oder Tüchern (siehe: Fußwickel)
bis über
die Knöchel, letztere nach jeder Stunde neu eintauchend. Hatte der
Kranke sonst gesunde Lungen, - und mir scheint Solches der Fall zu sein,
wenn es im höchsten Stadium der Lungenentzündung keine Schmerzen fühlt,
- so sollte er menschlich gesprochen, d. h. wenn Gott in seinen ewigen
Ratschlüssen nicht anders bestimmt hat, gerettet werden.
Epilepsie
Krankheiten
C - E Inhaltsverzeichnis
Derart Heimgesuchte lasse ich nie berichten. Ich frage sie nur, wie
lange sie dieses Uebel schon haben, ob sie den Anfall, die Vorzeichen
desselben jedesmal bemerken, wie alt sie seien, ob die Geisteskräfte
noch frisch oder schon tief heruntergekommen seien.
Nach meiner Ueberzeugung hat auch diese Krankheit ihren Hauptsitz im
Blut, sei es nun Blutarmuth, krankhaftes, verdorbenes Blut oder
ungeregelter Blutlauf. Meine Ansicht wird unterstützt durch die oft
sich wiederholende Thatsache, daß hervorgelockte Ausschläge, gleichsam
die Niederschläge, die Ausdünstungen des Blutes, solchen Kranken stets
dauernde und sichere Hilfe gebracht haben, daß ferner sogenannte
Unheilbare stets durch Aufgedunsenheit, blaue Farbe (das sind
Anstauungen von verdorbenem Blute) sich kenntlich machen.
Lauten die Antworten auf sämmtliche Fragen günstig, was in der Regel
bei jungen Leuten im Alter von 8 bis 20 Jahren bei mir zutraf, so
betrachtete ich das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als
krampfhafte Zustände, anschließend an den Veitstanz (anderer Ausdruck
für Epilepsie), und als heilbar.
Recht Vielen konnte ich Hilfe bringen, selbst Solchen, welche das Uebel
von den Eltern geerbt hatten.
Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen verneint
(Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Uebel alt und mehr
oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die
bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen,
von mir nie etwas zu erwarten.
Nach diesen Grundsätzen richtete ich jederzeit die Behandlungsweise
ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des Blutumlaufes
abzielte. Ich suchte die Kranken vor Allem zur Abhärtung anzuleiten,
besonders zu recht fleißigem Barfußgehen. Zur Sommerszeit ließ ich
dieselben zuweilen ein kaltes Bad nehmen, nie länger als eine Minute;
zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten dauernd) etwas
erwärmt. Dazu kam in der Woche einmal ein nasses
Hemd, in Salzwasser
getaucht.
Die durch letztere Anwendung oft zu Tage geförderten Ausschläge werden
behandelt nach den an eigener Stelle (siehe Ausschläge) angegebenen
Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache, vernünftige,
nicht verweichlichende Kleidung zu gewöhnen, die Mädchen insbesondere,
das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und krankmachende Einschnüren
aufzugeben. Das tägliche Brod, das Essen, sei einfach. Alle geistigen
Getränke, wie Wein, Bier, Kaffe u.s.w. müssen sorgfältigst gemieden
werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder Kraftleistungen,
sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft angepaßt sind.
Krankheiten F - G
Inhaltsverzeichnis
Fieber
Flechten
Fuß-Geschwüre
Fuß-Leiden
Fußleiden, anderes
Geburten
Gehirnentzündung
Gehirnleiden, schweres
Geisteskrankheit
Gelbsucht
Gelenkrheumatismus, chronischer
Gemüthsleiden
Geschwüre
Gesichtsrose
Gicht
Gries- und Steinleiden
Fieber
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Anton kommt in's Zimmer und erzählt: "Ich bin nur mit Mühe noch
über diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich
bin schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und
bin bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich
ein Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es
schon einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so,
daß ich nichts mehr thun kann."
Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich in's
Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser
den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen, legen Sie sich wieder in's
Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in
Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen
Sie sich wieder!
Anton kommt am dritten Tage und berichtet: "Mir ist's schon
ziemlich leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und
Hitze sind verschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will
sich wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde." Anton
hat fernerhin ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen
und erfreute sich dann voller Gesundheit. Er ist circa 40 Jahre alt.
Flechten
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es
eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampyre
verkriechen sich sehr gerne unter die Haare, auf den Rücken, die Brust
u.s.w. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich wie
Blutegel an die Arme, die Füße, besonders gern zwischen die Finger
fest. Diese Ausschläge können ein Erbtheil sein, aber auch die Folgen
schlechter Kost und schlechter Getränke, welche die Säfte ruiniren,
nicht weniger die Folgen ungeordneter Lebensweise.
Sehr bedenklich und gefährlich ist's, diesen unsauberen Saft mit
scharfen Mitteln, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben (grüne
Seife u.s.w.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. A.),
anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei
zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die
ersten, ganz abgesehen von den Zerstörungen, welche scharfe, ätzende
Mittel an und in der Haut anrichten. Als Regeln für die Heilung stelle
ich folgende auf: Aeußerlich darf gar nichts angewendet werden als
lauwarmes Wasser, um den Schmutz wegzuwaschen. Alles Übrige ist vom und
zum Uebel.
Speise und Trank für solche Kranke seien leicht verdaulich, einfach,
nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben und die
vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und Gewürzte,
alle geistigen Getränke werden so viel wie möglich vermieden. Es sind
wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die eigentliche Wasserbehandlung
sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage einen Kopfdampf
nehmen und den spanischen Mantel anzielten, am zweiten Tage den
Fußdampf
und einen Unterwickel, am dritten Tage früh neuerdings den
spanischen Mantel, Nachmittags den
kurzen Wickel. Am vierten Tage sei Ruhetag! Den
fünften Tag hüte er das Bett und wasche nach je zwei Stunden den
ganzen Körper schnell kalt ab! Im Verhinderungsfalle soll er außer
Bett die Waschung Morgens, Mittags und Abends vornehmen und sich darauf
Bewegung machen oder an eine Handarbeit schreiten. Die Anwendungen
lassen in dem Grade und in der Zahl nach, als die Flechtenbildung, d. i.
das Ausschwitzen und Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen
aufhört und die Neubildung der Haut fortschreitet.
Noch eine Bemerkung finde hier ihre Stelle. Die Unterscheidung der
Flechten in nasse und trockene hat aus deren Behandlung, beziehungsweise
auf das Heilverfahren keinen Einfluß. Ich denke mir: beide
Bezeichnungen werden ein und dasselbe Ding ausdrücken. Die trockenen
Flechten sind jene, die weniger stark fließen, so daß die Flüssigkeit
auf der Oberfläche der Haut sofort als Kruste vertrocknet. Die nassen
Flechten sind die stark fließenden; deßhalb lästiger, gefährlicher
und schwerer zu heilen.
Die Folgen von zurückgedrängten Flechten (überhaupt kranker, giftiger
Säfte) sind unberechenbar. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen,
bereiten ein langsames Siechthum vor, das den Tod bringt oder, was noch
schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.
Ein Theologe hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene runde Platte an der
linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich dem
Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde öffnete,
nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das Gesicht
des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln
wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Aerzte befragt und Vermiedenes
angewendet, aber ohne Erfolg.
Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; die
Sache sei von selbst gekommen. Jetzt schien Alles klar zu sein. Die
blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrath
benahmen den letzten Zweifel. Der Giftstoff kam aus dem Körper.
Noch vor 20 bis 25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte
Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße
eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen
ließen), in welche der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte
abführte, weßhalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat
die kräftige Natur sich selbst eine solche Oeffnung gebohrt und mit dem
passenden Deckel versehen.
Vierzehn Tage hindurch mußte der Kranke jeden zweiten Tag einen Kopfdampf
nehmen, ebenso oft einen Fußdampf. Sodann kamen der
kurze Wickel und der spanische Mantel
zur Anwendung, so daß auf jeden Tag
zwei, oft drei Anwendungen fielen. Thee von Salbei,
Wermuth und Minzen
half innerlich zu rascherem Erfolge mit. Unter der Kruste bildete sich
schon bald ein zartes Häutchen, das sicherste Zeichen der vollendeten
Auflösung und Ausleitung, d. i. der Heilung. Nach drei Wochen konnte
man kaum mehr unterscheiden, auf welcher Wange die Kruste gesessen
hatte.
Ein Mädchen, 25 Jahre alt, erzählt: "Ich habe am ganzen Kopfe
einen starken Ausschlag, viele kleine Geschwüre unter den Haaren; meine
Ohren sind voll großer Schuppen, und wenn sie von Zeit zu Zeit
wegfallen, dann hat das Ohr keine Haut mehr.
Kopfweh habe ich von Zeit zu Zeit stark, manchmal gar nicht. Die Augen
brennen wie Feuer, und meistens läuft schmieriges Wasser heraus. Durch
die Nase kann ich schon längere Zeit gar nicht mehr athmen. An meinem
ganzen Körper habe ich ein so heftiges Beißen und Brennen, daß es
mich im Schlafe oft aufweckt.
Anwendung:
1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem
Haberstroh (Haferstroh),
30 Grad, mit zweimaligem Wechsel; zuerst fünfzehn Minuten in's warme
Bad, dann eine Minute in's kalte oder ganz mit kaltem Wasser
waschen.
2) In der Woche zwei Kopfdämpfe, 20 bis 25 Minuten.
3) Zweimal
in der Woche ganz waschen.
4) Täglich zweimal jedesmal 25
Wermuthtropfen in acht bis zehn Löffel voll Wasser einnehmen.
In vier Wochen waren die Flechten und die ungesunden Stoffe im ganzen Körper
so ziemlich beseitigt, und zur weiteren Ausscheidung und Kräftigung
reichte aus, noch vierzehn Tage lang dieselben Anwendungen halb so oft
vorzunehmen. (Siehe Kopfflechten.)
Ein ziemlich gut beleibter Gewerbsmann, circa 40 jahre alt, erzählt:
"Ich habe an den Vorderarmen und Händen, die Finger ausgenommen,
seit zwei Jahren starke Flechten, auch an den Schenkeln, sowie Flecken
auf Rücken und Brust und kann deßhalb oft Nächte hindurch höchstens
ein bis zwei Stunden schlafen. Sonst habe ich guten Appetit und
Kraft."
Die Anwendungen sind folgende:
1) In jeder Nacht ganz
waschen.
2) In der
Woche zwei warme Bäder von
Haberstrohabsud (Haferstrohabsud), eine halbe Stunde lang, 28° Reaumur = 35° Celsius, nach je vierzehn Minuten
ganz waschen und auch am Schluß des Bades.
3) Jeden Tag ein Oberguß und unmittelbar darauf ein
Knieguß; dazu täglich
zwei Messerspitzen voll weißes
Pulver.
Nach vier Wochen kam der Mann vollkommen gesund zurück; um aber
vorzubeugen, daß das Uebel nicht mit der Zeit wiederkehren würde, mußte
derselbe in jeder Woche sich zweimal in der Nacht ganz waschen
und in
jedem Monat ein oben genanntes Bad nehmen (Haberstrohbad
= Haferstrohbad).
Dazu erklärte er:
"Wenn diese Anwendungen auch nicht notwendig sind, so werde ich sie
doch vornehmen, um bei meiner dadurch gewonnenen Kraft und Frische zu
bleiben."
Fuß-Geschwüre
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Ein armer Taglöhner hatte viele Monate hindurch einen offenen Fuß, an
welchem eine Oeffnung war so lang wie ein Finger und drei Finger breit.
Dieser Mann, noch in den schönsten Jahren, hatte fast immer große Schmerzen und konnte nur selten einige
Stunden schlafen. Sein Ansehen war recht krank und aller Muth
verschwunden. Dem Patienten gab ich den Rath, er solle auf die wunden
Stellen gekochtes Foenum graecum auf Flecken ausgestrichen, wie ein
Pflaster auflegen, darüberher den ganzen Fuß von über dem Knöchel
bis über die Waden mit frischen Huflattichblättern umlegen und darüber
die Strümpfe anziehen. Jeden Morgen und jeden Abend mußte er Pflaster
und Blätter frisch umwinden und vom Foenum graecum Zu Thee gesotten,
nach je zwei Stunden zwei Löffel voll einnehmen. Dabei konnte er seinem
Geschäften ohne Unterbrechung nachgehen. In vierzehn Tagen nach diesen
Anwendungen waren zwei Drittheile dieser Wunde schon geheilt. Der Mann
sah ganz gesund und frisch aus, hatte keine Schmerzen mehr und konnte
gut schlafen. Drei Wochen später war der Fuß vollkommen geheilt. Zum
Einnehmen des Foenum graecum wird ein kleiner Löffel voll in ungefähr
einem Schoppen Wasser eine Minute lang gesotten, dann abgegossen und so
löffelweise, wie bemerkt, eingenommen. Es nimmt die innere Hitze und
wirkt heilend von innen heraus.
Fuß-Leiden
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Ein Beamter klagt über einen lange schon offenen Fuß, der ihm im
Berufe recht hinderlich sei. "Die Wunde unten an der Wade," so
erzählt er, "ist bedeutend, und es fließt täglich viel Unrath
aus derselben; schrecklicher noch als die Wunde und Entzündung kommt
mir vor die Farbe des Fußes. Derselbe ist um und um schwarzblau. Aerzte
befragte ich mehrere. Neben Anderem ließen sie mich viel Mineralwasser
trinken. Alles vergebens!"
Der Mann, gegen 45 Jahre zählend, zeigt kräftigen Körperbau, etwas
Anlage zur Korpulenz. Das Aussehen ist ziemlich geröthet; ich erkannte
sofort den Tierfreund. Die Augenwinkel waren trüb, die Augen selbst
etwas gelb, die Ohren hochroth. Aus die Frage, ob er sich sonst gesund fühle,
entgegnete er: „Mir fehlt gar nichts, ich habe den besten Appetit, ein
Trinker bin ich nicht; es schmecken mir täglich meine zwei bis drei
Glas Bier recht gut. Mein Leiden ist ein rein lokales, eines der so häufigen
Fußleiden."
Alle derartigen Kranken - eine Ausnahme ist so selten wie ein weißer
Rabe - klagen stets nur über die wehthuende oder fließende Stelle und
halten dafür, diese müsse zuheilen und so gesunden. Das umgekehrte
Verfahren indessen ist das richtige. Erst muß man den Körper heilen,
erst alle unreinen Säfte aus ihm entfernen, und die Mündung der
Kloake, die Fußwunde heilt dann von selbst zu. In der That existirt
nach meinem Dafürhalten keine verderblichere Blindheit und keine schädlichere
Thorheit, als einen Fleck, eine Oeffnung heilen, eine Pforte verschließen
zu wollen, durch welche der kranke Körper sich oft allein noch retten
kann. In den Bergen sammeln sich die Wasser; sie brechen durch, und es
fließt ein kristallheller Quell. Aehnlich geht es in manchem Körper
zu; es strömen die ungesunden Säfte nach einer Stelle hin und drängen
und treiben, bis ein Durchbruch geschehen ist.
Die Natur selbst zeigt an, wie sie sich helfen kann und will. Wir binden
ihr sozusagen Hände und Füße, verstopfen und versalben ihr die
Rettungswege. Wenn da das Ende Untergang und Verderben der Natur, des Körpers
ist, wer will sich wundern?
Dem Beamten rieth ich, er solle vierzehn Tage lang täglich einen
Unterwickel nehmen, je 1,5 Stunden lang, und zweimal im Tage den Oberkörper
kräftig waschen; dazu wöchentlich einen Kopfdampf von zwanzig Minuten.
Diese Anwendungen sollten den Körper reinigen, zugleich zur
Ausscheidung der kranken Säfte kräftigen. Nach vierzehn Tagen kam der
Kranke wieder; seine ersten Worte waren: "Ich habe das letztenmal
gesagt, ich sei nicht krank; jetzt aber weiß ich, daß ich recht krank
war. Ich konnte nur mehr mit Mühe die Treppen steigen, so hart ging der
Athem. Stets war ich ungewöhnlich aufgetrieben. Als ich dieses voll
Angst dem Arzte sagte, meinte er, ich möge doch nur bedenken, daß ich
allmählig älter werde. Jetzt aber," fuhr der Mann fort, "fühle
ich mich ganz anders, wie neugeboren. Das Athmen geht leicht, und mir
ist so wohl. Die Launenhaftigkeit hat mich früher fast zu Grunde
gerichtet; jetzt habe ich den heitersten Humor, und Essen und Trinken
schmeckt mir wie nie zuvor. Daß man mir aber dieses früher nie gesagt
hat? In diesen vierzehn Tagen," so schloß der Patient, "ging
ungemein viel Urin ab; im Körper, besonders im Unterleib fühle ich
mich viel leichter; schon lassen auch die Schmerzen im Fuße etwas nach,
und der Schaden scheint gleichfalls zu heilen. Was muß ich weiter thun,
damit der Fuß vollends heil werde wie der Körper?"
Der Beamte nahm wöchentlich noch zwei
Unterwickel auf je eine halbe
Stunde und täglich einen kräftigen Oberguß. Auf den Fuß legte er täglich
einen drei- bis viermal in lauem Wasser neu angefeuchtetes leinenes
Läppchen (siehe: Fußwickel).
Sonst durfte am Fuße absolut nichts geschehen. Wenn die Quelle nicht
mehr gespeist wird, hört das Fließen von selbst auf, und sie versiegt.
Nach weiteren 14 Tagen kam der erfreute Beamte wieder; am gesunden Körper
hatte er auch wieder einen gesunden Fuß. Seitdem hat er nie aufgehört,
die Heilkraft des Wassers zu loben. Ein so Geheilter soll (und dieses
ist sehr wichtig), um die Ansammlung neuer Krankheitsstoffe zu verhüten,
die eine oder andere der erprobten Anwendungen noch längere Zeit
hindurch vornehmen. Er wähle unter den Uebungen jene, deren Wirkung er
als die wohlthätigste verspürte.
Agatha litt seit Jahren an einem kranken Fuße, der von Zeit zu Zeit
ausbrach , dann wieder von Zeit zu Zeit anheilte.
Ueber die unvermeidlichen Salbereien verliere ich kein Wort mehr, es würde
mich nur aufregen. Der Arzt versprach der Kranken Heilung, wenn sie längere
Zeit hindurch getreulich thun wolle, was er bestimme. Der Fuß wurde in
ziemlich hohe Lage gebracht, so daß er im Bette etwas höher zu liegen
kam als der Unterleib.
Fast augenblicklich ließen die Schmerzen nach. Man brachte an die Wunde
eine Kleinigkeit, ich weiß nicht was, und band sie gut ein. Der Kranken
ging es vortrefflich; sie war ohne alle Schmerzen in dem kranken Gliede,
und die Heilung machte große Fortschritte.
Die Fußwunde war geschlossen. Plötzlich fühlte Agatha einen schweren
Kopf und etwas Schwindel; doch sie machte sich nicht viel daraus. Nachts
indessen überfiel sie eine solche Schwäche und Ohnmacht, daß der
herbeigerufene Arzt erklärte, es trete schneller Marasmus
(Kräfteverfall, Auszehrung)
ein, mit
Agatha nehme es ein baldiges Ende. Nachts 12 Uhr noch mußte die Kranke
versehen werden; fünf Tage lang lag sie regungslos da. Sie athmete mühsam
und war geistesabwesend, wie betäubt. Am sechsten Tage kehrte die
Besinnung wieder, mühsam brachte sie auch einige Worte zusammen. Ohne
Geheiß legte sie selbst nasse Wickel um den Leib und den
kranken Fuß.
Den zweiten Tag schwoll der Fuß bedeutend an und begann heftiger zu
schmerzen. Der Kopf aber und die Besinnung wurden besser. Agatha
wickelte den Unterleib und den Fuß muthig weiter ein. Der halbe Fuß
entzündete sich heftig, und nach fünf Tagen brach er auf. Die Heilung,
wie oben angegeben, war ein Leichtes. Agatha erhielt ihre frühere
Gesundheit wieder.
Was aber hatte wohl der Anfall zu bedeuten? Am allerwenigsten einen
Marasmus. Dem Knaben, der sich auf den Kopf stellt, muß das Blut zum
Kopf strömen. Die vom Fuße gewaltsam (durch die erhöhte Lage) zurück
und nach oben getriebenen Säfte fliegen der Brust und dem Kopfe zu und
bewirkten die fatalen Erscheinungen. Die Wickel leiteten sie wieder nach
unten, das Wasser öffnete die Wunde, und die kranken Stoffe, die ihre
früheren Wege und Ausgänge offen fanden, ließen die Brust frei
athmen und den Kopf frisch und leicht denken.
Daß Jeder Dieses recht beherzigte, der mit solchen "Presten"
(Übeln) behaftet ist! Ich weiß gut: viele Aerzte der neuen Schule denken da
ganz anders. Bei vielen Aerzten indessen, auch bei mir bleibt in dieser
Beziehung Alles beim Alten. Ich halte und nenne jede offene Stelle,
welche die Natur selbst sich gräbt, um das Ungesunde auszuwerfen, so
lange dieselbe fließt, eine Gesundheits- und Lebensversicherung. Wer
kennt nicht Fälle genug, daß Leute nach zugeheilten Füßen schnell
gestorben sind? Und wer weiß nicht, daß, wenn solche offene Füße im
Alter sich schließen der Sensenmann kein ferner Gast mehr ist?
In einem mir vorliegenden Briefe steht wörtlich: "Mein Fußleiden
ist wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem
ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am
Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Theil an meinem Körper
ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein doppeltes Leiden; entweder
habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen, oder,
wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht sagen
kann, welches Uebel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei Leiden
nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am ganzen Leibe
nicht gesund." Soweit der Bericht.
Wie das Quecksilber im Barometer steigt und fällt, so gibt es Leiden,
die von einer Stelle im Körper zur anderen eilen. Die Gicht, der
wandernde Rothlauf (Rosen) sind solche fahrende Schüler. Als Dritter im Bunde
gesellt sich ihnen unser Uebel bei mit dem Unterschiede, daß es nicht
wie Gicht und Rothlauf sich äußerlich verräth, sondern seine Kreuz-
und Querzüge stets auf verborgenen Wegen, im Innern, antritt.
Dreigetheilt muß stets der Angreifer gegen diese Wandergesellen vorrücken.
In unserem Falle greift der kurze Wickel die Plankler an, d. h. er räumt
mit all den Stoffen auf, die noch auf der Wanderung vom Kopf zu den Füßen
oder von den Füßen zum Kopf begriffen sind. Oefter angewandt verleidet
er ihnen durch Ausleitung alle Wanderlust. Sekundär wirkt er schon auf
die leidende Stelle ein, indem Stoffe, die von ihr Reißaus genommen,
unterwegs aufgefangen und so an der Rückkehr verhindert werden. Der Fußdampf
mit dem abfließenden Unterguß richtet sich gegen den einen Flügel,
die leidende Fußstelle. Er löst die kranken Stoffe auf und leitet sie
aus.
Die kalten Waschungen, statt deren auch der
spanische Mantel, rücken
gegen das Centrum, gegen den ganzen Körper vor, freilich zu
freundschaftlichen Diensten. Sie kräftigen und stärken den Körper, daß
er zu schneller Ausheilung mithelfe.
Sämmtliche Angriffe wären somit der Reihe nach zu machen: der kurze Wickel, zwei
Ganzwaschungen in einer Nacht, nochmals der
kurze Wickel, der Fußdampf und zuletzt der
spanische Mantel. Als Hilfstruppen
von innen könnte entgegenkommen Thee von Tausendgüldenkraut,
Salbei
und Minze. Die ersten zwei wirken reinigend, die Minze mit ihrem
Bitterstoff unterstützt die Magensäfte.
Noch zwei Arten von Heilung
offener Füße will ich hier angeben; die erste kann manchem Bauern und
einfachen Manne vielleicht Dienste leisten, der die Vorrichtung zum
Baden nicht so leicht hat; die andere dürfte selbst Herrenleuten nicht
übel anstehen. Ein ziemlich wohlgenährtes Bäuerlein blinzelte, ob
ernst, ob spöttelnd, ich weiß es nicht, gar klug mit seinen Augen und
sagte: ,,Hochwürden, ich hab' so einen offenen Fuß. Haben Sie nicht
auch ein Wässerlein für mich?" "O ja, guter Freund."
sagte ich. "Jetzt machen Sie's so, Bauer: Sie gehen heim und
breiten auf Ihrer Liegerstatt, auf dem Bett, einen wollenen Teppich oder
ein recht grobes Tuch aus! Dann suchen Sie sich unter Ihren Säcken
einen recht alten, abgenutzten und deßhalb nicht steifen aus! Den
tauchen Sie herzhaft in kaltes Wasser, winden ihn etwas aus und schlüpfen
dann in Adams Kostüm hinein! Oder wenn das Ihnen besser gefällt, können
Sie den Sack wie elegante Hosen anziehen; darauf schnell einen Satz in's
Bett und ein warmes Zudecken mit der Woll- oder rauhen Decke und dem
gansfederigen Oberbett." (siehe: kurzer
Wickel und Unterwickel)
Die früher blinzelnden Augen wurden wie
Pflugrädchen so groß und vor Wasserangst jetzt schon naß; dem Bauer
kam's schaurig vor. "Und dieses," so lautete der gestrenge
Spruch weiter, "zum ersten Versuch täglich einmal, eine Woche
lang; jeder Sackschlupf soll dauern zwei Stunden lang." Der Bauer
schwitzte bereits beim Weggehen: dennoch that er, wie ihm geheißen.
Innerhalb fünfzig Tagen hat er fünfundzwanzigmal dies eigentümliche
Sackschlupfen und Sackjucken probirt, und der Fuß war geheilt. Vor
Freude hüpfte er auf, mehr noch als über den Fuß darüber, daß er in
dem Sacke auch einen so vortrefflichen Humor bekommen. Ich rieth ihm,
die Uebung noch zuweilen einmal vorzunehmen. Ich brauchte dieses nicht
zweimal zu sagen. "Zum Dank und aus Freude," rief er mir zu,
"will ich die Sackgeschichte ein ganzes Jahr lang treiben."
Und er hat Wort gehalten.
So schauerlich diese Kur in manchem Ohre geklungen haben mag (in der
That ist sie es nicht), so kurz und vornehm lautet die andere:
Man nehme: a) in der Woche zweimal ein warmes Bad mit dreimaligem
Wechsel, am besten ein Haberstrohbad
(Haferstrohbad); deßgleichen b) zweimal wöchentlich
einen Unterwickel von 1,5 Stunden oder statt dessen den
spanischen
Mantel in derselben Dauer.
Zur Warnung führe ich folgenden Fall an.
Ein ziemlich korpulenter, aber sehr gesunder Herr, der seinesgleichen
suchte, bekam einen offenen Fuß, der ihm recht lästig war. Er nahm die
Zuflucht zur Wasserkur und gebrauchte dieselbe auch zwölf Tage. Nicht
genug konnte er erstaunen, wie leicht und wohl es ihm wurde. "Doch
der leidige offene Fuß," fagte er, "heilen Sie den mir
zu!" "Wer es thut, kürzt Ihnen das Leben ab; ich thue es nie
und nimmermehr," entgegnete ich entschieden. Das verdroß den
Herrn, und er ging. Es war Herbstzeit; im Frühjahr besuchte er, wie ich
hörte, ein Mineralbad und gebrauchte, nach Hause zurückgekehrt,
verschiedene Mittel, die Wunde zuzuklabastern. Es gelang, und 6 bis 8 Wochen
freute er sich seines zugeheilten Fußes. Da bildete sich aus dem oberen
Rücken, mitten aus dem Kreuze, ein gewaltiges Geschwür. Die Aerzte
hielten dasselbe für einen Karbunkel und öffneten es durch einen kräftigen
Kreuzschnitt. Doch statt des Unrathes trafen sie auf eine große harte
Platte. In zwölf Tagen hatten Blutvergiftung dem kräftigen Leben ein
Ende gemacht. Solche und ähnliche Beispiele könnte man in großer Zahl
sammeln und aufzählen.
Ich kam in ein Haus. Der junge Herr hatte eben seinen Fuß bis an das
Knie herauf auf Verordnung des Arztes im heißen Wasser stehen. So heiß
solle er das Bad nehmen, als er es nur ertragen könne. Die ohnehin großen
Schmerzen wurden durch das heiße Wasser noch bedeutend gesteigert. Der
Fuß war vom Knöchel bis an die Waden zur doppelten Stärke
angeschwollen und die Geschwulst oberhalb des Knöchels so gefärbt und
entzündet, daß ein baldiges Aufbrechen der brandigen Stelle nahe
bevorstand.
Mir ist unbegreiflich, was bei einer so heftigen Entzündung eines
Gliedes, das Einen förmlich heiß anweht, noch heißes Wasser, das
einen Gesunden halb verbrühen könnte, thun soll, und zwar nicht kurz
und einmal, sondern länger und öfter genommen. Der Herr erklärte
aufgeregt, er könne es nicht mehr aushalten, man solle ihm das Wasser
aus den Augen bringen. Ruhig ließ ich seinen Befehl vollziehen und
rieth hernach, er möge statt des Brühwassers Krautwasser bringen
lassen, einen weichen Fleck (Stück Stoff) eintauchen und unmittelbar auf die am ärgsten
entzündete Stelle legen, darüber ein größeres, recht weiches, in
kaltes Wasser getauchtes Tuch umwinden, so daß es den ganzen Fuß vom
Knöchel bis zu den Waden bedecke (darüber natürlich trockene Auflage)
(siehe: Fußwickel), und beide Aufschläge zusammen so oft wiederholen, als der Fuß
von Neuem zu brennen und wehe zu thun anfange. Der junge Herr that nach
meinem Rathe; in zwei Tagen konnte er wieder gehen. Das Geschwür brach
auf. Um rascher die Materie auszulösen und auszuleiten, umwand er die
Geschwürstelle mit einem Linnensäcklein, das angefüllt war mit
angeschwellten (gekochten) Heublumen. In acht bis zehn Tagen war der Fuß geheilt
und diente als treuer Unterthan mit alter, ja verjüngter Geh- und
Tragkraft.
Ein Herr von Stand erzählt: "Jedes Iahr bekomme ich ein Fußleiden,
welches zwei bis drei Wochen dauert; dann bin ich wieder auf ein Jahr
gesund. Etwas empfindlich sind meine Füße immer. Ehe dieses Leiden
kommt, brennen mich meine Füße, und mitunter spüre ich ein heftiges
Stechen. Dann schwellen die Füße bis an die Kniee ziemlich stark aus.
Wenn das Anschwellen beginnt, läßt der Schmerz etwas nach; ich bin
aber doch unfähig zu jeder Arbeit. Kann diesem Uebel nicht vorgebeugt
werden? Die Antwort heißt: "Ja, mit folgenden Anwendungen:
1) In
der Woche ein- bis zweimal leinene Strümpfe (siehe: Fußwickel), in Wasser getaucht, in
welchem Haberstroh (ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder Bauer jedem
Armen) gesotten wurde, anziehen (angenehm warm); über die
nassen Strümpfe ein trockenes Tuch winden und zwei Stunden lang diesen
Fußwickel behalten. (Kann am Abend geschehen.) 2) In der Woche einen
kurzen Wickel 1,5 Stunden lang, in Wasser getaucht. Wer noch fünf bis
sechs Wochen ein- bis zweimal wöchentlich die Anwendung vornimmt, beugt
gewiß seinem Uebel vor."
Ein Landmann kommt und zeigt seine geschwollenen Füße. die von unten
an bis an die Kniee gleichmaßig hart anzufühlen und mit schwarzblauen
großen Flecken bedeckt waren. Diese geschwollenen Füße schmerzten ihn
sehr, so daß er oft ganze Nächte nicht schlafen konnte; zudem wurde
er, seitdem die Füße so anschwollen, gemüthsleidend,
schwermüthig,
so daß er nach seiner Angabe sich schon oft den Tod gewünscht hatte.
Appetit schlecht, Aussehen recht krank. Die Anwendungen waren folgende: 1) Jede Woche einen
Fußdampf, in der ersten Woche aber zwei. 2) Zweimal
in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in Haberstrohwasser
(Haferstrohwasser) getaucht, 1,5
Stunden lang. 3) Zweimal wöchentlich von unter den Armen ganz hinunter
sich einwickeln (Unterwickel), 1,5 Stunden lang. 4) In jeder Nacht werde der Fuß bis
an die Kniee eingewunden mit einem Tuch (Fußwickel), in Wasser getaucht, in welchem
zwei Löffel voll Foenum graecum abgesotten wurden. Gerade diese
Einwicklung hat besonders zur Linderung der Schmerzen und zur
Aufweichung gewirkt. Eingenommen wurde Absud von Foenum graecum zwei
Messerspitzen voll in einem Schoppen Wasser gesotten, - während des
Tages in drei bis vier Portionen.
Fußleiden,
anderes Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Eine Frau hatte Jahre hindurch Fußleiden. Von Zeit zu Zeit brach einer
der Füße aus mit Entleerungen von viel Unrath, und nach mehreren
Wochen heilte er wieder zu. Wie Jeder gesund werden will, so wollte auch
diese Frau für ihren Beruf von diesem Leiden befreit werden und wendete
Folgendes an: 1) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus ganz
waschen und gleich wieder in's Bett; 2) in der Woche einmal den
spanischen Mantel; 3) die Füße wurden von Morgen bis Mittag oder bis
Abend umwunden mit einem Tuch (siehe: Fußwickel), das in
Heublumenwasser getaucht war, aber
ziemlich stark ausgewunden, und darüber ein Wollstoff gelegt. Auf die
wunde, von Haut entblößte Stelle, die so groß war, wie ungefähr drei
Finger breit und lang, wurde gesottenes Foenum graecum auf Flecken
ausgestrichen, aufgelegt. Dasselbe zieht das Ungesunde heraus, nimmt die
Hitze und den Schmerz und heilt, wenn der Krankheitsstoff ausgeleitet
ist. Nach je zwei bis drei Tagen wurden über den kranken Fuß
angeschwellte Heublumen, die ziemlich gut ausgetrocknet waren, warm,
aber nicht heiß, direkt aufgetragen und umwickelt - zwei Stunden lang.
Innerlich: täglich eine Messerspitze voll graues Pulver und täglich
eine Tasse Thee, von vier bis fünf grünen Hollunderblättern gesotten.
Geburten
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Ein junges Weib hatte drei todte Kinder geboren; sie wurde darob sehr
betrübt und ganz entmuthigt, zumal der Arzt erklärte, "sie werde
nie ein Kind austragen können." Ich tröstete sie und machte ihr
Hoffnung, falls sie sich bequemen wolle, Wasser Anwendungen vorzunehmen;
ihre Natur werde so erstarken, gesunden, und wenn dieses eingetreten,
habe sie weiter nichts zu fürchten. Dem trostlosen Weibe klang dieses
wie frohe Botschaft.
Mit den leichtesten Abhärtungsübungen wurde begonnen; nach und nach
gewöhnte sie sich an stärkere, abhärtende Wasseranwendungen, bis sie
zuletzt bei Halb- und Ganzbädern stehen blieb. Innerhalb drei Jahren
gebar sie dem erfreuten Vater drei gesunde, kräftige Kinder.
Eine Frau litt an Typhus; sie hatte Kopfschmerzen zur Verzweiflung. Ihre
Verwandten brachten sie aus der Stadt auf's Land, damit sie dorten ruhig
sterben könne. Die arme Frau sollte zudem Mutter werden. Man fragte
mich; ich rieth kurze Wickel an, die alsbald angewendet wurden. Das
Kopfleiden ließ nach. Um sicher zu gehen, fragten die Angehörigen auch
bei dem früher die Kranke behandelnden Arzte an, ob nicht vielleicht
ein Wickel gute Dienste leisten würde. Dessen Verdikt lautete, der
erste Wickel würde das Kind zu früh zur Welt bringen. Unterdessen
waren bei Einlangung der Nachricht fataler Weise schon sechs Wickel
genommen. Die Typhuskranke wurde selbst gesund und genas glücklich auch
eines gesunden Kindleins.
Gehirnentzündung
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Wo immer eine Entzündung entsteht, dorthin drängt sich auch durch alle
Adern das Blut. Es eilt der Wärme zu, und in den von der Entzündung
entfernteren Körperteilen nimmt das Blut am meisten ab. Tritt eine
Gehirnentzündung ein, so muß allererst das Blut in die äußersten
Theile geleitet werden, aber auch auf die entzündeten Stellen muß
hitzeableitend eingewirkt werden. Die Anwendungen sind folgende: Es
sollen die Füße bis an die Kniee mit Tüchern, welche in Wasser und
Essig getaucht sind, eingewickelt werden (Fußwickel). Sind die Füße recht kalt, so
ist das Tuch Anfangs in heißes Wasser zu tauchen. Sind die Tücher an
den Füßen nach ungefähr einer halben bis einer Stunde recht heiß,
dann sollen sie in kaltes Wasser getaucht und wieder umgelegt werden.
Wie die Füße, so sollen auch die Hände eingewickelt werden,
wenigstens bis an die Ellenbogen, und es soll gerade so verfahren werden
wie bei den Füßen; dann kann ein Unteraufschläger genommen werden.
Nach drei Viertelstunden tauche man das Tuch wieder in kaltes Wasser.
Ist die Hitze immer noch stark, kann länger so fortgefahren werden. Um
die Hitze recht stark abzuleiten, kann man ein zweifaches grobes Tuch,
in Wasser getaucht, auf den Unterleib legen (Oberaufschläger), wodurch das Blut mehr in
den Unterleib geleitet wird. Auf den Kopf wende man weiter nichts an,
als daß man einen Lappen auf die Stirne bindet und diesen nach je einer
halben Stunde in kaltes Wasser frisch eintaucht (Kopfwickel). Fast noch günstiger
wirkt ein Tuch, das um den Hals gewunden wird (Halswickel), oder ein
Shawl; beides
darf jedoch nie länger als drei Viertelstunden an Ort und Stelle
bleiben, ohne daß das Eintauchen von neuem besorgt wird. Diese
Anwendungen werden, im Wechsel vorgenommen, die Entzündung nicht aus
einen hohen Grad kommen lassen, und die ganze Entzündung wird einen
ziemlich raschen Verlauf nehmen. Nach innen bleibt immer das Beste
frisches Wasser, aber ja nicht viel, höchstens ein bis zwei Löffel
voll, lieber öfter. Statt Wasser kann man auch einen Absud von Foenum
graecum nehmen.
Gehirnleiden,
schweres Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Ein ungefähr 33 Jahre alter Bräumeister ist seit elf Iahren schwer
leidend. Im Mai 1877 stürzte er eines Morgens nach dem Aufstehen vom
Bett plötzlich halb bewußtlos hin und blieb zwei Stunden in diesem
Zustande liegen. Dies war die Einleitung zu einem schweren, sechs Monate
dauernden Typhus. Schon damals stellte sich täglich starker Schwindel
mit Erbrechen und Ohnmacht ein. Der Schwindel begann mit Klopfen im
Gehirn; dann warf es den Mann zu Boden, oft auf Zimmerlänge hin. Dieser
Zustand währte meist fünf bis zehn Minuten und wiederholte sich täglich
fünf- bis acht- bis zehnmal. Nach diesen sechs Monaten wurde er wieder
arbeitsfähig, aber nur auf zwei Monate. Darnach traten die Anfälle so
häufig und stark auf, daß er weitere acht Monate das Bett hüten
mußte.
Im Verlaufe dieser elf Jahre war er alle Jahre sechs bis sieben, sogar
acht Monate bettlägerig. Das Leiden steigerte sich so, daß die Anfälle
von Schwindel und Hinfallen auch in der Zwischenzeit alle zwei bis drei
Tage wiederkehrten, besonders auch nach geistigen Anstrengungen, nach
raschen Bewegungen, bei jeder Drehung des Kopfes. Die Anfälle kündigten
sich stets durch Klopfen im Kopfe an, und wenn er sich nun rasch genug
anzuklammern vermochte an einen Tisch oder im Freien an einen Baum, so
schüttelte und warf es ihn hin und her, bis er zu Boden kam. Das Bewußtsein
verging ihm dabei nicht, wohl aber das Sehen.
Neun Jahre lang war der
Anfall stets von Erbrechen begleitet, welches seit dem letzten Jahre
aufhörte. Die ganze Zeit über, seit 10,5 Jahren empfand der Unglückliche
einen fortwährenden Druck auf der Scheitelhöhe, wie wenn ein
Zentnerstein droben liege. Seit fünf Jahren besteht fast anhaltend
Ohrensausen und Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr. Der Schlaf stellte
sich neun Jahre lang fast nie vor ein bis zwei Uhr Nachts ein wegen Gefühl
von Schwere und Vollsein im Kopfe. Von Mai 1886 bis Oktober 1887 war der
Mann mit ganz geringer Unterbrechung bettlägerig. Von vierzehn Aerzten,
die ihn im Laufe dieser langen Krankheit behandelten, und von denen ihn
verschiedene für unheilbar erklärten, nahm er eine Masse Medikamente
ein. Die meisten sprachen die Ansicht aus, es sei durch eine frühere
Kopfverletzung - es war dem Bräumeister früher ein Faß auf den Kopf
gefallen - die Hirnschale gesprungen, und seitdem drücke ein
Knochensplitter aus das Gehirn, und hierdurch fei das Leiden verursacht.
Einige Aerzte hielten es für chronische Hirnhautverdickung. Nach meiner
Meinung bestanden außerordentlich starke Congestionen (Blutstauungen) zum Kopfe und
waren folgende Anwendungen angezeigt: Oberguß,
Wassergehen, Rückenguß,
Schenkel- und Knieguß, Fußdampf, sowie der
spanische Mantel. Der
Erfolg innerhalb der fünfwöchentlichen Kur vom 28. Juli bis 2.
September war ein ganz vorzüglicher. Schon am fünften Tage erklärte
sich der Patient frei vom Gehirndruck. Am zweiten Tage erfolgte noch ein
Anfall nach einer längeren, geistigen Anstrengung (Briefschreiben), -
es war der letzte. Von Tag zu Tag schritt die Besserung zu seiner größten
Freude voran; die nächsten vier Wochen fühlte er sich "wie neu
geboren, so frei und so leicht im Kopf", und auch im Sehvermögen
erleichtert. Schlafen konnte er seit diesen fünf Wochen anhaltend die
ganze Nacht. Der Mann ist überglücklich und lebt nun neu auf. Zu Hause
hat er täglich bloß noch eine der obigen Anwendungen fortzusetzen.
Geisteskrankheit
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Furchtbar muß es sein, wenn diese Geistesnacht über Einen
hereinbricht, wenn der Mensch nicht mehr Mensch ist, sondern gleichsam
zum unvernünftigen Thiere wird. Noch vor 50, 40, 30 Jahren gehörten
Geisteskrankheiten zu den Seltenheiten. Heutzutage mehrt sich deren Zahl
(darin sind Alle eins) in schreckenerregender Weise. Die Irrenhäuser,
so zahlreich sie sein mögen, sind überfüllt, reichen nicht mehr aus.
Man baut jetzt vielerorts außerhalb der Grosstädte fast ganze
Irrenstadtviertel. Unheimlich ist's, diese Todtenfelder von Lebenden zu
durchwandeln. Also das ist der Mensch, der so groß thun kann! Gott
bewahre uns vor solcher Heimsuchung! Derlei Gedanken umflattern bei
solch düsteren Gängen die ernstgestimmte Seele.
Das sind die
Ganz-Irren. Wie viele hundert, ja wie viele tausend Menschen aber sind
halbe Geisteskranke, die entsetzlich viel leiden und selten Hilfe
bekommen. In Wahrheit darf ich sagen, daß eine sehr große Anzahl
solcher Unglücklicher bei mir Linderung und Heilung suchte, und mit
besonderer Liebe und Sorgfalt fühlte ich mich jederzeit gerade zu
diesen so arg verlassenen und so trostlosen Menschen hingezogen. Sie
waren zu wenig krank für's Irrenhaus, aber unfähig zu jedem
Berufsleben. Unsagbar, unbeschreiblich, unzählig und mannigfaltig sind
die Plagen solcher Geistesgestörten. Wie zur Sommerszeit in der heißesten
Mittagsgluth die Stechmücken am ärgsten schwirren, so treiben in dem
heißen Gehirn dieser Armen die tollsten Gedanken ihr heillosestes
Spiel. Die Einen hassen ihren bisherigen, geliebten Beruf, Andere wollen
nicht mehr beten. Menschenscheu und Menschenhaß hat die Einen erfaßt,
Haß gegen sich selbst die Anderen, sie wollen sich das Leben nehmen
u.s.w. Die Köpfe und deren Inhalt sind so verschieden als die armen
Individuen selbst.
Bei allen Kranken, die mich aufsuchten, habe ich in den fünfunddreißig
Jahren stets Ursachen der Krankheit gefunden. Entweder war das Uebel
angeerbt, also von Kindheit an grundgelegt, im Keime vorhanden; oder es
rührte her von Körpergebrechen, von Krankheiten, wohl auch von der
Lebensweise.
Ein Punkt ist wohl zu beachten, weil da so gerne Täuschungen vorkommen.
Man bleibe bei der Beurteilung solcher Zustände recht nüchtern, lasse
sich selbst den Geist nicht einnehmen. Nicht genug kann ich warnen vor
jenem voreiligen, so überaus thörichten Gebahren, welches alsbald übernatürliche,
besonders teuflische Einflüsse hellsehen will. In Fällen selbst, in
denen Jedermann fast hätte glauben müssen, der leibhafte Satan
herrsche in dem Kranken, hat der einfache kalte Strahl ihn vertrieben.
Mir kam in meiner ganzen Praxis nicht ein einziger Fall vor, in dem natürliche
Mittel, recht angewendet, nicht geholfen hätten. Ich klammere mich fest
an den Glauben und an das Uebernatürliche wie an ein Rettungsboot und möchte
- Gott bewahre! - kein Strichlein und kein Pünktlein dieser
Glaubensueberzeugung aufgeben. Nie aber möchte ich den Glaubensfeinden
eine Handhabe reichen zum Spotte oder Angriffe auf den Glauben.
Die es angeht, kennen und verstehen mich. Ein Beispiel: Ein Bruder
bringt seine Schwester, welche behauptet, mitten in ihrer Brust wohne
der böse Geist. Sie wisse vom Teufel viel, der Teufel aber wisse von
ihr Alles, auch die geheimsten Gedanken; er regiere, leite und
beherrsche sie. Ein Narr sei ihr Bruder, noch dümmer sei der Pfarrer,
der allerdümmste aber sei der Arzt. Warum? "Weil sie immer sagen,
ich solle einen anderen Kopf aufsetzen, meine Thorheiten ablegen und
ihnen folgen. Wenn einmal der Teufel in Einem herrscht," fügte die
Kranke bei, "dann hat der eigene Kopf das Regiment verloren."
Es ist nicht zu sagen, wie heftig und unbändig wild die Arme gegen die
drei genannten Persönlichkeiten wüthete.
Hätten dieselben ruhig geschwiegen, - sie wußten ja, wen sie vor sich
hatten, - sie hätten die Kranke nicht in so gewaltige Aufregung
versetzt, und ich hätte leichter gethan.
Bei derlei Kranken kommt Alles, ja Alles auf die Behandlung an. Ich
widersprach ihr mit keinem Worte und sagte bloß: „Ja freilich, in
Deinem Innern steht es nicht gut." Damit war die Kranke zufrieden,
und ich hatte sie auf meiner Seite. Sofort faßte sie Vertrauen, wie
ihre Antwort bekundete. "Wenn mir Einer nicht glauben will,"
so lautete diese, "daß ich den Teufel in mir habe, so wird er ihn
auch nicht austreiben können."
Dieses Vertrauen heißt bei mir jedesmal so viel als: die Kranke ist
bereits zur Hälfte geheilt, und deine Arbeit ist mehr als zur Hälfte
gethan. Die Kranke nahm ein, was ich ihr gab; sie wendete pünktlich das
Wasser an, wie ich es bestimmte. In sechs Wochen ward sie vollkommen
geheilt. Gewiß interessirt es Manchen, was der Person wohl gefehlt hat.
Die Kranke sah stürmisch drein. Ihre Gesichtszüge waren eingefallen,
die Hände kalt, die Füße noch kälter; auf der Brust fühlte sie
einen schweren Druck und im Magen Widerwillen gegen jede Speise. Alles
Blut war, so schien es, der Brust zugeeilt. Die erste Aufgabe bestand
darin, die Zirkulation des Blutes zu ordnen, dadurch gleichmäßige
Naturwärme und ein geordnetes Arbeiten des ganzen Organismus
herzustellen.
Zu dem Ende mußte die Kranke täglich zweimal bis über
die Waden in's kalte Wasser
stehen, je zwei Minuten lang, darauf tüchtig barfuß
gehen, um die Füße so bald als möglich zu erwärmen; dann ebenso die
ganzen Arme täglich zweimal in's Wasser
halten, je zwei Minuten lang,
darauf denselben in irgend einer Weise Bewegung verschaffen, um sie
ebenfalls möglichst schnell warm zu bekommen. Zweimal des Tages ließ
sie sich, zu Bette liegend, Rücken, Brust und Unterleib mit Wasser und
Essig kräftig waschen. Die verhältnismäßig schwachen Anwendungen mußten
durch vierzehn Tage genau fortgesetzt werden. Die heftigste Aufregung
ließ nach, wenn auch der Teufel in dem wirren Kopfe immer noch spuckte.
Die eingefallenen Züge belebten sich. Nach vierzehn Tagen ließ ich kräftiger
einwirken. Die Kranke bekam Unterwickel im Wechsel mit
kalten Halbbädern (nur
eine halbe Minute lang, und jedesmal folgte die Waschung des
Oberkörpers
und der spanische Mantel; alle drei Anwendungen waren
cirka drei Wochen
fortzusetzen. Nach der dritten Woche beschloß er, die Heilung wöchentlich
eine Ganzwaschung und ein kurzer Wickel von einer Stunde. So wurde der
vermeinte Teufel ausgetrieben, und die Aufregung wich großer Ruhe und
ungestörtem Frieden.
Arme Eltern brachten ihren Knaben von zehn Jahren und erzählten
Folgendes: „So oft man zur Kirche läutet, fängt der Bube an zu toben
und in der heftigsten und gräßlichsten Weise die entsetzlichsten Flüche
auszustoßen, Flüche und Schwüre, die wir in unserem Leben noch nie
gehört haben. Er flucht so lange, als er die letzte Person auf dem
Kirchwege sieht. Dann hört er auf. Sobald aber nach vollendetem
Gottesdienste der erste Andächtige die Kirche verläßt, fängt er auch
schon wieder an, zu schwören, und er schwört und flucht fort, bis er
Niemanden mehr erblicken kann. Wenn wir beten, so flucht er; hören wir
auf, so hört auch er auf. Hochwürden, es ist schrecklich. Man mag
anwenden, was man will, helfen thut gar nichts, am wenigsten das
Einreden; das macht ihn nur noch heftiger. Seine Mutter packte er einmal
mit beiden Armen wie mit Krallen und schüttelte sie derart, daß man
nicht glauben sollte, wie ein Knabe so viel Kraft entwickeln könnte.
Aerzte sind mehrere befragt worden, geholfen hat nichts. Benedizirt
(gesegnet) wurde er auch; da hat er noch am ärgsten geflucht u.s.w."
Der Knabe hatte ein ganz sonderbares Aussehen: abgestandene
Gesichtsfarbe, im höchsten Grade wildaussehende Züge; die Haare
standen, wie beim Igel die Stapeln, senkrecht in die Höhe. Ich
unterstand mich, seine Hand anzufühlen; er wollte mir sofort in's
Gesicht springen. Zwei Priester, welche den schrecklichen Zustand
gesehen hatten, sagten: "Wer an eine Besessenheit glaubt, muß
sagen: hier ist sie."
Ich faßte das Leiden von Anfang an ganz natürlich auf und täuschte
mich auch dieses mal nicht; in sechs Wochen war das arme Kind vollständig
geheilt. Ich ließ den Knaben täglich auf 1 bis 1,5 Stunden ein nasses
Hemd
anziehen, das in Wasser (mit etwas Salz) getaucht war, ebenfalls täglich
einmal mit einer Mischung von Wasser und etwas Essig ganz waschen.
Beides dauerte vierzehn Tage lang. In der dritten Woche bekam er den
einen Tag ein (oben beschriebenes) nasses Hemd
angezogen, den andern Tag auf
eine halbe Stunde ein warmes Bad von 28° Reaumur = 35° Celsius im Wechsel mit einem kalten
(eine halbe Minute). am dritten Tage eine Ganzwaschung. Dieses waren die
Uebungen der dritten und vierten Woche. In der fünften reichte ans ein
nasses Hemd, in der sechsten und letzten ein warmes Bad mit rascher
kalter Abwaschung.
Die Umänderung und Besserung vollzog sich rasch. Der ganz kalte Knabe
wurde wieder warm, der verlorene Appetit kehrte wieder, und er ließ
sich die Milch- und Mehlkost, welche die armen Eltern mit Freuden ihm
reichten, trefflich schmecken. Aller Spuck war wie weggeblasen.
Einer der Leser wird vielleicht fragen: "Warum denn wendet der
Pfarrer bei solchen Kranken keine Güsse an, da doch in unseren
Irrenanstalten die Tobsüchtigen besonders mit Douchen u.s.w. behandelt
werden?" Nach meiner unmaßgeblichen Meinung darf ein Jäger (doch
vielleicht ist's Jägerlatein?), der einen Fuchs aus seiner Höhle
locken will, unmittelbar vor das Loch hin nicht schießen. Besser wird's
sein, den listigen Reinecke mit einer Lockspeise (etwa einem Huhn oder
Spanferkel) zum gefälligen Herauskommen einzuladen. Nun höre, mein
lieber Leser! Wo eine Krankheit drinnen steckt, da steckt auch
Krankheitsstoff. Diesen auflösen und ausleiten, das heißt den Fuchs
locken und fangen. Eine Douche aber löst nicht auf, leitet aber auch
nicht aus. Ist einmal aufgelöst und ausgeleitet, dann hat die leichtere
Douche einen Sinn, dann laß ich sie nur auch recht wohl gefallen.
Vor neun Jahren kam ein Madchen zu mir und erzählte, wie folgt:
"Mein Bruder ist schon mehr als ein Iahr im Irrenhause. Er wurde für
unheilbar erklärt. Nun bekomme ich ganz dieselben Zeichen, die mein
Bruder vor dem Ausbruch der Krankheit hatte. Ich hatte bisher gedient,
mußte aber meinen Dienst verlassen; denn ich kann nicht mehr arbeiten.
Wenn ich keine Hilfe erhalte, komme ich in Bälde zu meinem Bruder in
die Irren-Anstalt.
Auf verschiedene Fragen erhielt ich den Bescheid, daß der Appetit sehr
wechsle, manchmal gut sei, manchmal ganz fehle; daß ferner sobald das
heftige Gliederreissen nachlasse ebenso heftige Brustschmerzen folgen, daß
die früher dichten und langen Haare schon mehr als zur Hälfte
ausgefallen seien. Sofort war mir klar, daß hier recht verdorbene Säfte
ihr Unwesen trieben, und daß das sicherste Zeichen ihres gänzlichen
Ausscheidens darin bestehe, wenn die Haare auf dem halbkahlen Schädel
wieder festen Fuß faßten und in alter Stärke von Neuem weiter wüchsen.
Die Kranke wendete nach einander folgende Uebung an: zuerst täglich
das nasse Hemd, getaucht in Salzwasser oder in Wasser mit Essig
gemischt; ebenso täglich lauwarme Halbbäder mit kräftiger, kalter
Waschung des Oberkörpers (höchstens eine Minute). Es war Sommerszeit.
So ging sie jeden Tag viel barfuß mit großem Erfolg, besonders im
Morgenthau. Dieses dauerte drei Wochen hindurch. Es folgten jetzt warme
Bäder im Wechsel mit kalten, sodann der
Unterwickel (die Kranke
bediente sich des Sackes), in Absud von Heublumen getaucht. Die ganze
Kur währte bis zu vollständiger Herstellung drei Monate. Der starke
und solide Haarwuchs wies auf gründliche Heilung. Die Person hat später
geheirathet und ist gesund bis zum heutigen Tage.
Ein Pfarrer, in seiner Gemeinde hochgeschätzt und geliebt, kam vom
Ausland ganz entmuthigt zu mir. Er könne, so meinte er, seiner Pflicht
gar nicht mehr nachkommen. Dieser Zustand, der sich in großer
Traurigkeit, in Mißmuth, in Unfähigkeit zum Studiren äußerte, hatte
früher schon einmal die Nachbarsgeistlichen veranlaßt, den Armen in
eine Anstalt zu bringen. Daselbst verblieb er mehrere Wochen und kehrte
ruhiger, aber ungeheilt in seine Heimath zurück. Er berieth mich, was
doch zu thun sei, ob er die Pfarrei verlassen oder was er anfangen
solle. Der Herr sah gesund, frisch und kräftig aus, was bei solchen
Kranken so leicht täuscht und so viele harte, ungerechte und lieblose
Urtheile veranlaßt. Wer näher zusah, konnte wohl bemerken, daß das
Auge trüb die Farbe verbleicht, die Haare erstorben waren.
Die Anwendungen waren dreifacher Art: der Kopf-
und Fußdampf, kalte Ober-
und Untergüsse, häufiges Gehen auf nassen Steinen oder
in's Wasser stehen, drei bis vier Minuten lang. Nach einigen Tagen folgten
warme Bäder
im Wechsel mit kalten Ober- und Untergüssen. Am sechsten Tage der
Wasserkur zeigte sich ein bläulicher Ausschlag auf dem Rücken. Je mehr
dieser heraustrat, um so besser fühlte sich der Kranke. Als der
Krankheitsstoff gänzlich ausgeleitet war, war der Pfarrer gesund. Das
ganze Heilverfahren dauerte vierzehn Tage. Mit neuem Muth kehrte der
seeleneifrige Priester heim in seine Gemeinde.
Gelbsucht
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Die Gallenblase liegt an der Leber und ist eine Art Sammelbehälter für
die aus den Lebergängen herausfließende Galle. In den innerhalb der
Leber gelegenen Gängen oder in der Gallenblase können sich Verhärtungen
der Galle bilden, Gallensteine genannt, die entweder in der Leber oder
bei der Weiterwanderung in dem Gallengange die Entleerung der Galle
hindern. Aber auch durch Druck, durch Stoßen und ähnliche Uebelstände
können Zuschwellungen des Gallenganges eintreten, und dadurch kann die
Galle in's Blut gerathen. Dann entsteht die Gelbsucht. Sie entsteht auch
gerne nach schweren Krankheiten, wie Typhus, starkem Fieber u.s.w. Es
kann aber auch die Leber krank sein und in Folge dessen das Blut
krankhaft oder gar nach und nach vergiftet werden. Kommt die Gelbsucht
nur von Störungen her oder auch von anderen Krankheiten, so hat dies
meistens wenig Bedeutung; kommt aber die Gelbsucht von einer Krankheit
der Leber her, so bringt sie gerne den Tod. Die ersten Zeichen der
Gelbsucht erblickt man im Weißen des Auges, dann in der Haut selber, im
Stuhlgang und Urin; der Appetit läßt gewöhnlich nach, und auch der
Geschmack ändert sich meistens. Ist die Leber gut, so hat diese
Krankheit im Heilen keine Schwierigkeit. Nach innen ist besonders zu
empfehlen: täglich drei- bis viermal, jedesmal drei bis vier Löffel
voll, Wermuththee oder dreimal eine Messerspitze voll Wermuthpulver in
sechs bis zehn Löffeln voll warmen Wassers einnehmen. Salbei mit
Wermuththee thut treffliche Dienste.
Täglich sechs Pfefferkörner mit der Speise verschluckt, ist ebenfalls
ein Mittel zu guter Verdauung. Im Essen und Trinken mäßig sein ist zu
empfehlen. Die Milch als Nahrungsmittel ist vorzüglich.
Die besten Anwendungen mit Wasser sind: In der Woche zwei- bis dreimal
einen kurzen Wickel und eine Waschung zur Nachtzeit vom Bett und gleich
wieder in's Bett. Die gelbe Farbe bleibt oft Wochen hindurch, hat aber
durchaus keine Gefahr. Wie man aus einem Stoffe nicht schnell eine Farbe
herausbringt, so geht es auch bei der Gelbsucht. Geht aber die gelbe
Farbe nach und nach über in braune und schwärzliche, nimmt der Appetit
stets ab, ist ein allgemeines Beissen und Brennen in der Haut und
steigert sich die Abmagerung immer mehr, dann ist aller Grund da, zu
suchten die Leber sei unheilbar, und es trete Leberverhärtung,
Leberkrebs oder eine ähnliche Krankheit ein.
Ganz besonders wirkt auf kranke Leber und Gelbsucht, jeden Morgen und
jeden Abend eine Tasse Milch trinken, mit welchem ein Löffel voll
Kohlenstaub mit Zucker vermischt ist. Gelenkrheumatismus.
Es kommt ein Herr. Sein Aussehen ist krankhaft. Verschiedenes und
schweres Unbekannte hat seinen Zügen eine tiefe Wehmuth eingedrückt.
Mir stieg beim ersten Anblick unwillkürlich der Gedanke im Kopfe auf:
Der Mann leidet viel oder hat viel gelitten. Die ungesunde Gesichtsfarbe
zeigt ein unheimliches Gelb, der Kopf nur mehr wenig (kaum den
zwanzigsten Theil von früher) Haare. Der Mann selbst noch nicht vierzig
Jahre; er ist ein Bild des Ernstes, großer Ruhe, aber auch, wie gesagt,
ein Leidensbild. Sein eigener Bericht lautet also: „Es stellten sich
bei mir öfters Unterleibsleiden mit heftigen Kolikanfällen und Diarrhöen
(Durchfall) ein. Später bekam ich eine Nierenkrankheit, wie die Aerzte es nannten.
Wenn die unsäglichen Schmerzen kamen, drehte es mich um wie eine
Spindel, wie einen Kreisel. Nach Jahren verlor ich dieses Uebel, dafür
aber bekam ich diesen Gelenkrheumatismus. Mir ist's, als wenn die Summe
alles früher erlittenen Schmerzes in die Glieder gefahren wäre und
jedes Glied eigens gepeinigt werde. Ich gebrauchte
viele ärztliche Mittel. Das Ende war stets nicht die ersehnte Hilfe
sondern das alte Leiden.
Mit großer Ueberwindung und großen Opfern
konnte ich meinem Berufe bis zuletzt vorstehen; geklagt habe ich
Niemandem, es verstand mich ja weder der Arzt noch sonst Jemand.
Derjenige, welcher den Leidenden die Krone versprochen hat, weiß
allein, was ich gelitten. Eines noch wäre vielleicht meinen Worten
beizufügen. Ich hatte Fußschweiß; die angerathenen und angewendeten
Mittel vertrieben ihn, aber mir war nicht gut. Auch Mineralbäder habe
ich auf Verlangen des Arztes gebraucht; doch sie steigerten mein Uebel.
Peinlicher fast als aller Schmerz quälte mich im Innersten die
Wahrnehmung, daß Mancher meinte, die Sache sei doch nicht so arg; die
Empfindsamkeit spiele bei mir eine große Rolle, man müsse sich überwinden
und über derlei Dinge hinwegsetzen. Leiden tragen ohne Theilnahme heißt
doppelt leiden."
Die Erzählung hat lange gedauert, freundlicher Leser; aber sie war und
ist lehrreich. Daß wir gegen Kranke doch nie hart und ungerecht werden!
Ein sonst tüchtiger Mann wird ja nicht plötzlich und ohne Grund wie
eine feige Memme jammern.
Wer mag die Wurzel all' dieser Uebel uns nennen, das Innere dieses recht
kranken Körpers uns erschließen? Das Geheimniß ist nicht schwer zu
errathen. Die Vordersätze hat uns der Kranke selbst in seinem Berichte
gegeben; wir brauchen nur den Schluß daraus zu ziehen. Die gelbe Farbe,
die häufigen Kolikanfälle, der zurückgedrängte Fußschweiß lassen
auf einen giftigen Stoff schließen, der, wie die Schlange im Versteck,
im Körper lauerte, zuweilen züngelte und zischte, jetzt aber, bei dem
letzten Anfall auf seine Beute schießt, d. i. alle Glieder erfaßt und
sie mit seinem Biß bis hinein in die Gelenke und in das Knochenmark
selbst vergiftet. Auch die Haare fallen von einem sonst dichten und
starken Haarboden nicht ohne Grund aus. Es muß sie ein innerer Sturm
ausschütteln, wie der Herbstwind die fahlen und dürren Blätter von
den Bäumen schüttelt. Oder ein giftiger Wurm, d. i. ein Giftstoff, muß
deren Wurzeln tödten.
Eine solide Heilung wird nur möglich sein, wenn dieser Giftstoff, der
Alles durchmessen hat, ausgelöst, ausgleitet und der Körper dergestalt
gekräftigt ist, daß er solche fatale Säfte nicht mehr auskommen läßt.
Mäuse vertilgt man mit Mausgift. Und das Gegengift für unser Gift, in
welcher Materialienhandlung ist es zu kaufen? Mancher würde es gut
bezahlen. Für künstliche Mittel ja, besonders wenn sie noch neu und
unbekannt sind, zahlt man sein theures Geld; für die natürlichen und
besten Mittel aber weiß man dem Geber alles Guten oft kaum ein kaltes
"Deo gratias", „Gott sei Dank!"
Im klaren Quell, im Bache, im Brunnen fließt das vielvermögende
Heilmittel, das wir meinen. Es ist das Wasser. Wie soll das Wasser
heilen? So höre! Wenn die Hausmutter ihre Leinwand bleichen, d. i. ihr
das blendende Weiße geben will, so taucht sie selbe in's Wasser, begießt
sie öfters und läßt dann die liebe Sonne darauf scheinen. Das
oftmalige Gießen weicht die sogenannten Rohstoffe auf, und die Sonne
zieht sie alle aus. Das Linnen ist gebleicht auf der einen Seite,
dasselbe Verfahren bleicht es auf der anderen. Durch und durch müssen
zu gründlicher Bleiche der Wasser- und der Sonnenstrahl dringen; dann
aber trübt das blendende Weiß, den Stolz der Hausfrau, auch nicht ein
trüber Fleck. Das ist klar. Machen wir die Anwendung! Der Körper
unseres Kranken mit seinem gelben Hautüberzug gleicht wahrlich so einem
ungebleichten Linnenstück. Ein Theil der Wasseranwendung muß die
Feuchtigkeit, welche die Roh- d. i. die Giftstoffe auflöst, nach und
nach bis in's Innerste eindringen machen; der andere Theil muß Wärme
entwickeln, welche, der Sonnenwärme gleich, das Aufgelöste
herauszieht. Noch Eines. Auch der Lauge bedient sich zuweilen die
Hausfrau, welche nachhaltiger und Schneller die Dienste des Wassers thut
bei ihrem Linnen. Laugen können als stärkere Auslösungsmittel auch
wir bereiten. Wir kochen im Wasser verschiedene Vegetabilien, Pflanzen,
und die trefflichste Lauge für die Körperbleiche ist fertig.
Doch kehren wir zurück zu unserem Falle! Der kranke Herr mußte zuerst
den spanischen Mantel anlegen. Diesem folgte ein
Kopfdampf mit kräftiger Abwaschung, hernach ein
Fußdampf. Beide Dämpfe ersetzten die beste
Lauge (man kann mir glauben) und durften erst nach ordentlichen
Zwischenräumen einander ablösen. Je schonender nämlich der Körper
behandelt wird, um so leichter kann die Natur es aushalten und selbst
mithelfen, die Krankheitsstoffe auszuleiten. Darauf nahm der Kranke
einen kurzen Wickel und, um die Natur zu stärken, einen
Ober- und
Unterguß, von sämmtlichen Anwendungen abwechselnd täglich eine; dazu
jede Nacht vom Bette aus eine Ganzwaschung. So wurde drei Wochen
fortgefahren. Die vierte und fünfte Woche erhielt er je zwei Halbbäder,
einen Kopfdampf und Fußdampf
und einen spanischen Mantel; die sechste Woche
endlich zwei warme Bäder im Wechsel mit
kalten, ein Halbbad und einen
Ober- und
Unterguß. Für die weitere Zukunft empfahl ich dem Patenten wöchentlich
ein paar Ganzwaschungen, einen Ober- und
Unterguß, monatlich ein warmes Bad
ohne Wechsel.
Das Wasser strafte auch in diesem heiklen Falle das Vertrauen nicht Lügen.
Das schwere Leiden, das ohne Zweifel einen frühen Tod gebracht hätte,
verschwand. Das frische Aussehen, die verlorenen Kräfte kehrten wieder;
an Stelle des gebrochenen Muthes trat neue Begeisterung zum Berufsleben.
Die Stimme tönte klangvoll wie früher. Oft wiederholte sie mir das
herzliche "Vergelt's Gott." Demjenigen aber, von dem allein
alles Heil und Gelingen kommt, sang sie ein freudiges und dankbares
Gloria: die Ehre sei Gott!
Ein Mann von ungefähr 40 Jahren hatte im rechten Fuß solche
rheumatische Schmerzen, daß er nur mit Hilfe eines Stockes ganz kurze
Strecken gehen konnte. Zeitweilig hatte er auch Schmerzen in den Armen
und Schultern. Angewendet wurde schon Verschiedenes, jedoch ohne Erfolg.
Er nahm die Zuflucht zum Wasser, und in sechs Tagen fühlte er sich so
ziemlich befreit, setzte die Anwendungen noch fort und wurde vollständig
geheilt.
Die Anwendungen waren folgende:
1) Sechs Tage hindurch täglich zwei Obergüsse und zwei
Schenkelgüsse,
einmal in der Woche ein Wickel unter den Armen. Täglich zweimal
im
Wasser gehen bis über die Waden 1 bis 3 Minuten. Jeden Tag einen Rückenguß
und Grasgehen.
2) Nach diesen sechs Tagen Oberguß mit
Knieguß im Wechsel mit einem Halbbad,
letzeres eine Minute lang.
Ein Bursche von 28 Jahren erzählt: "Ich habe bereits zwei Jahre
keinen einzigen Tag, an welchem ich schmerzlos bin; der Anfang war auf
dem Rücken, wo ich ein heftiges Brennen und Stechen empfunden habe,
bald in schrecklicher Weise, dann erträglicher, nach und nach zog sich
der Schmerz mehr in den rechten Schenkel bis hinunter; ich kann oft
ganze Nächte nicht zwei Stunden ordentlich schlafen; bald peinigt mich
die Hitze, bald kommt ein Kältegefühl, daß es mich schüttelt. Ich
gebrauchte Anfangs mehrere Aerzte ganz erfolglos; es wurden auch
Einspritzungen vorgenommen, woraus die Schmerzen eine kurze Zeit
gemildert wurden, aber gewöhnlich bald darauf viel ärger auftraten.
Weil mir die Aerzte nicht helfen konnten, habe ich Pfuscher gebraucht;
ich bekam Einreibungen, geistige Einwaschungen; aber Alles, was ich
gethan, half mir nichts. Jetzt möchte ich den Versuch mit Wasser
machen."
Die Anwendungen waren folgende:
1. jeden Morgen um 8 Uhr ein Oberguß mit
2 bis 4 Gießern voll kaltem
Wasser,
2. um 10 Uhr ein Schenkelguß,
3. Nachmittags 2 Uhr ein Schenkelguß
und 4. Abends im
Wasser gehen
So am ersten Tage. Am zweiten Tage. des Morgens Wassergehen, um 10 Uhr
Schenkelguß, Nachmittags 2 Uhr Rückenguß, Abends 5 Uhr
Sitzbad.
Am 3. Tage: Am Morgen Halbbad, um 10 Uhr
Oberguß, Nachmittags 2 Uhr Schenkelguß, um 5 Uhr
Wasser gehen.
Am 4. Tage: Am Morgen Schenkelguß, um 10 Uhr
Halbbad, Nachmittags Rückenguß
und Abends
Wasser gehen.
So wurde 12 Tage lang fortgemacht, und der Kranke war gesund. Um aber
den Körper zu stärken, der durch die Schmerzen viel Kraft verloren
hatte, mußte der Geheilte noch längere Zeit in der Woche ein- bis
zweimal Halbbad nehmen und ein- bis zweimal im
Wasser gehen.
Gelenkrheumatismus,
chronischer Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Herr Graf N. leidet seit 35 Jahren an Rheumatismus. Im Jahre 1854
gebrauchte er die Bäder in Aachen, damals mit günstigem Erfolge. Im
Feldzuge 1870/71 bekam er durch das viele Lagern auf freiem Felde wieder
rheumatische Schmerzen am ganzen Körper in hohem Grade; auch dießmal
erwies sich eine Badekur in Aachen recht günstig. Bald jedoch traten Rückfälle
ein. Patient suchte berühmte Aerzte aus, aber ohne Erfolg; er machte
eine Badekur durch in Aibling, später wieder in Aachen; dießmal wurde
er indeß durch die dortigen heilen, langdauernden Bäder außerordentlich
geschwächt und ganz elend. - Zuletzt, nachdem alles Angewandte
fruchtlos gewesen war, entschloß er sich zur Wasserkur.
Am 20. Juni 1887 kam der Kranke nach unmittelbar vorausgegangenem
zweimonatlichen Krankenlager hier an mit Rheumatismus am ganzen Körper,
in den Fuß- und Kniegelenken, Hand- und Schultergelenken. Der rechte
Arm war von den Fingern bis über den Ellenbogen dick aufgeschwollen,
die Gelenke ganz unbeweglich; die Kniee, ebenfalls geschwollen, konnten
nicht gebraucht werden. Den kräftig gebauten, stattlichen Herrn hatte
das lange schmerzhafte Leiden ziemlich stark angegriffen. Die Behandlung
bestand in Folgendem:
1. Zweimal in der Woche Wicklung von unter den Armen an bis zu den Füßen
ganz hinunter. 1 1/2 Stunden lang, das Tuch in 30° Reaumur = 37°
Celsius warmes Wasser
getaucht, in welchem Haberstroh (ein Büschel Haberstroh = Haferstroh schenkt jeder
Bauer jedem Armen), Heublumen und Fichtennadeln
(siehe: Fichtenreiserbad) gesotten
wurden;
2. jeden Morgen und Abend den angeschwollenen Arm in solchem Absud ein-
bis zwei Stunden lang einwickeln (siehe: Wicklungen);
3. in der Woche 2
warme Kräutervollbäder
mit dreimaligem Wechsel ins kalte
Vollbad - etwa 1 Minute;
4. dreimal wöchentlich einen Shawl umlegen,
eine Stunde lang.
Nach 14 Tagen war bereits wesentliche Besserung
bemerklich. Fernerhin gebrauchte Patient zu Hause:
1. Einwicklung des
Armes in einen Absud von Haberstroh, Heublumen und Fichtennadeln;
2. wöchentlich ein
warmes Kräutervollbad mit
Wechsel ins kalte
Vollbad (1 Minute);
3.
dreimal in der Woche ein kaltes Halbbad, eine halbe bis eine Minute
lang;
4. drei- bis fünfmal in der Woche ein kaltes Sitzbad von zwei Minuten
Dauer.
Durch Gebrauch dieser Anwendungen erfolgte eine gänzliche Abschwellung
des kranken Armes und der Kniee und Wiederherstellung der
Beweglichkeit.
Zur weiteren Ausheilung wurden im September 1887 angewendet:
1. ein warmes Handbad, Einwicklung der Hand in angeschwellte Heublumen
(siehe: Wicklungen) und gleich darauf kalte Abwaschung der
Hand (siehe: Teilwaschungen);
2. in der Woche drei- bis viermal ein Halbbad;
3. in der Woche ein ein
warmes Kräutervollbad mit
dreimaligem Wechsel ins kalte
Vollbad (1 Minute)
4. viermal wöchentlich ein Oberguß.
Der
Erfolg dieser Kur gestaltete sich sehr günstig. Die Gelenke wurden ganz
frei von Schwellung und Schmerz und vollkommen beweglich; das
Gesammtbefinden und der Lebensmuth des Herrn Grafen war seitdem
ausgezeichnet. Derselbe befindet sich so wohl, daß er Stunden lang ohne
Ermüdung zu marschieren vermag, und nachdem er - ein passionirter
Waidmann - Jahre lang krankheitshalber auf die Jagd hatte verzichten müssen,
konnte er im nämlichen Herbst wieder neun Tage lang eine Jagd mitmachen
zum Erstaunen der andern hohen Herren.
Um gesund zu bleiben, ist täglich eine der Abhärtungsanwendungen
vorzunehmen: ein kaltes Halbbad oder
ein kaltes Vollbad oder Wassergehen
im kalten Wasser. Kaltes Halbbad und kaltes Vollbad etwa 1 Minute lang.
Wassergehen anfangen mit 1 Minute, dann länger bis 5 und 6 Minuten.
Gemüthsleiden
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
"Seit mehreren Jahren leide ich an Gemüthsverstimmungen, Kopfweh,
krampfhaften Gesichtsschmerzen, viel Rheumatismus, viel Schwitzen am
ganzen Körper. Mehrere Aerzte wollten mir Hilfe bringen, aber
umsonst."
In vierzehn Tagen waren diese traurigen Zustände beseitigt; um den Körper
für die Zukunft zu stärken und abzuhärten, genügte in der Woche ein Halbbad
und eine Ganzwaschung. Die Anwendungen der ersten vierzehn Tage
waren: 1) In der Woche zweimal ein nasses
Hemd anziehen, vor dem Anziehen in kaltes Salzwasser
getaucht, um die krankhaften Stoffe auszuleiten. 2) Zweimal in der Woche
ein
Halbbad, um den Unterleib zu stärken. 3) Zweimal wöchentlich eine
Ganzwaschung, um den Körper zur Thätigkeit zu bringen.
"Ich komme, um mich bei Ihnen wegen einer gemütskranken Person zu
befragen. Ein Weib, 38 Jahre alt, mag nichts mehr thun und kann auch
nichts mehr thun. Sie lebt so traurig dahin, bekümmert sich nicht mehr
um ihren Mann und ihr ganzes Hauswesen. Sie flieht, wo möglich, alle
Leute und geht gar nicht mehr aus dem Hause. Sie ist schon ziemlich
abgemagert, und was man ihr bisher eingegeben hatten war ohne
Wirkung."
Anwendungen: 1) Jeden Abend, wenn die Kranke im Bett warm ist, den
ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig kalt
waschen. 2) Täglich
zweimal ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, vierzehn Minuten lang. 3)
Täglich zweimal jedesmal zwanzig Wermuthtropfen in Wasser einnehmen.
Nach drei Wochen war der Zustand ziemlich gut. Weitere Anwendungen: 1)
In der Woche zwei kurze Wickel. 2) Zweimal wöchentlich eine
kalte Ganzwaschung. Vierzehn Tage später bloß in der Woche einmal
kalt waschen und drei bis fünfmal wöchentlich
im kalten Wasser gehen.
Geschwüre
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Wie Entzündungen im Innern des Körpers entstehen können, so auch außerhalb
am Körper. Sie sind insbesondere die fast unzertrennlichen Begleiter
der verschiedenen Geschwüre. Wenn's brennt, laufen die Nachbarn
zusammen. Wenn ein Fleck oder auch nur ein Fleckchen am Körper brennt,
so bleiben die benachbarten Stellen nicht gleichgültig. Rasch meldet es
ein Blutkügelchen dem andern, und die vorwitzigen, die kommen,
verbrennen sich dabei selbst die Finger und noch mehr. Entzündet sich
an einem Gliedchen, z.B. an der Zehe, ein Geschwürlein, auch nur so groß
wie ein Linsenkorn, so thut nicht bloß die ganze Zehe weh, sondern oft
schon einTheil des Fußes; manchmal sticht der Schmerz bis hinein in den
Leib. Es kommt mir vor, wie wenn einer nachts nur ein Zündhölzchen anzündet.
So ein kleines Ding wirst seinen Lichtschein weit hinaus in den Hof.
Anna hat schreckliches Weh am Daumen. Man sieht nicht viel. Der Finger
ist nur ein klein wenig angelaufen und etwas röther als die anderen
Mitgenossen. Nicht allein am Daumen, auch unter der Achsel schmerzt es
heftig. Gib Acht, in kurzer Zeit wird dein ganzer Körper nicht mehr
wohl sein! "Da muß etwas dahinter stecken", meint der Vater.
Ja freilich muß etwas dahinter und drinnen Stecken. Das Mädchen bindet
natürlich seinen Finger gut ein und wartet drei bis sechs Tage zu, was
das wohl abgeben möge. Der Finger wird dick, auch die Hand schwillt an.
Es entsteht ein großes Geschwür; im Finger, im Arm und im Leib zuckt's.
Und es geht recht lange, bis aller Eiter heraus und der Finger an der
kranken Hand geheilt ist.
Wie hätte das Mädchen den Finger in die Kur nehmen sollen? Sobald es
merkt, daß der Finger, ohne irgend verletzt worden zu sein, schmerzt,
so soll es thun, wie die Mutter thut, wenn sie aus dem Herde ein kleines
Feuerchen nicht groß haben will, es ausblasend oder mit etwas
Wasserspritzen auslöschend. Vielleicht mag's so gut werden.
Wenn nicht allein der Finger, sondern auch schon die Hand wehe thut, so
ist das Feuer größer, es hat mit dem Finger die Hand ergriffen. Darf
nun das Mädchen die Hand unter das Brunnenrohr halten, um den Brand zu
kühlen und zu löschen? Durchaus nicht! Das Uebel besteht nicht allein
im Brande, in der Hitze, die zu entfernen ist, sondern vielmehr in
giftigen Säften, die aufzulösen und auszuleiten sind.
Dem Mädchen werden in einem kalten Armwickel (siehe: Wicklungen) Finger und Hand umwunden,
und dieser Wickel werde so oft erneuert, d.h. neu eingetaucht, als er
heiß zu werden beginnt. Der Finger muß zwar nach dem Volksmunde
"ein böser Finger" werden, d.h. er muß und wird ausbrechen;
aber Alles, was der Wickel auszieht, braucht nicht zu vereitern, und es
ist doch ein großer Unterschied, ob das Geschwür die Größe einer
Haselnuß oder einer Wallnuß oder noch größere Ausdehnung erreicht.
Sollte das Gefühl der Unbehaglichkeit, des Unwohlseins sich auf den
ganzen Körper ausdehnen, so verordnen wir diesem eine Zeit lang täglich
den spanischen
Mantel. Das Allgemeinbefinden wird in Bälde wieder ein
gutes sein.
Eine Art von Geschwür kennen die Landleute insbesondere unter dem Namen
"Wurm am Finger". Die Behandlung, vielmehr Mißhandlung eines
derart kranken Fingers gibt uns neue Beweise, wie verblendet und thöricht
die Menschen sind. Es ist, als ob sie für Zeiten der Verstand verlassen
hätte, so gedankenlos benehmen sie sich. Mit so einem Wurm am oder im
Finger (es wäre interessant, zu wissen, wie sich Manche diesen Wurm
vorstellen) wird aller mögliche Unsinn getrieben. Jedes Weib weiß eine
neue Salbe, und wenn das Salben ausgeht, dann geht die Sympathie (Scharlatanerie), wie
sie es nennen, an. Vorher noch suchen recht abergläubische Menschen
einen lebendigen Maulwurf zu bekommen. Denn wenn sie diesen lebendig in
der Hand oder nur zwischen dem Daumen und den anderen Fingern absterben
lassen, dann ist es mit dem Wurm aus. Und wenn dann genug gesalbt und
geschmiert, geschwätzt und gelogen und sympathisirt und der Finger nach
mehreren Wochen, nach unsäglichen Schmerzen reif geworden ist und
aufbricht und der Eiter dicht und fest herausdringt, dann heißt es.
"Seht, der Wurm ist getödtet, der Wurm geht ab." Weiter kann
man es in der Thorheit und Selbstverblendung nicht treiben.
Was ist denn so ein Wurm am Finger? Nichts Anderes als ein größeres
Geschwür, das nach obiger Methode zu behandeln ist. Meistens bekommen
solche Leute diesen Wurm, die recht viele ungesunde Stoffe im Körper
haben. Deßhalb muß, wie auf Finger und Haut, so auch auf den ganzen Körper
eingewirkt werden. Auf erstere geschieht die Einwirkung durch die Hand-
und Armwickel (siehe: Wicklungen). Den Finger umwinde man
zwei- bis drei- bis vierfach am
besten mit Absud von Zinnkraut, um das Angefressenwerden des Beinchens
zu verhindern, Hand und Arme zweifach (statt einfachen Wassers ist gut
Absud von Heublumen oder
Zinnkraut), und man erneuere das Eintauchen des
Wickels, sobald die Hitze oder die Schmerzen sich mehren. Auf den ganzen
Körper wirke man durch ein bis zwei kurze Wickel oder den
spanischen Mantel, täglich je einen von einer Stunde Dauer. Nach der ersten Woche
geschehen die Wickelungen nur jeden zweiten oder dritten Tag. Mit Ober-
und Untergüssen sei man vorsichtig und wende sie erst später, wenn genügend
ausgelöst und abgeleitet ist,
zur Kräftigung an. Sobald der Finger "reif" ist, d.i. sich bläulich
färbt und an einer Seite weich wird, dann soll man mit dem Oeffnen und
Ausdrücken nicht zögern und sich nicht fürchten, wenn mit dem Eiter
Blut kommt. Dieses Blut müßte ja doch noch vereitern, und so ist es
gut, wenn ihm dieser Prozeß erspart und dem Finger die Sache
erleichtert wird. Das Bangen vor dem zu frühen Oeffnen eines Geschwüres
ist bei Wasseranwendungen ziemlich überflüssig (große Reinlichkeit),
bei Salbereien wohl begründet.
Die Heilung des Wurmes kann noch in folgender Weise geschehen. Bei mir
war dieses oft das kürzere Verfahren. Man bade Finger und Vorderarm täglich
zwei- bis dreimal in einem warmen (ja nicht heißen) Heublumenbad von
einer halben Stunde Dauer. Die Finger-, Arm- (siehe: Wicklungen) und
Körperwickel bleiben
dieselben wie oben.
Andreas, einem Gärtner, war der Daumen der rechten Hand entsetzlich
zugerichtet. Furchtbar angeschwollen zeigte der ganze Finger keine Haut
mehr; er war rein wie eine abgestandene, mit Eiter überzogene
Fleischmasse. Das Bein (Knochen) blickte an mehreren Stellen durch. Der Arzt hatte
Schon erklärt, es müsse die Hand, um das Leben zu retten, abgenommen
werden. Ich schaute mir die Hand an und dachte: "Gott, könnte ich
dem armen Mann die Hand retten. Dann legte ich mir den Fall also
zurecht: Das sichtbare Bein (das war die Hauptsache) sieht recht frisch
aus, es ist also noch nicht angegriffen. Der schrecklich angeschwollene,
eckelhafte Daumen ist wie eine Jauchengrube, in welche der Körper seine
nichtsnutzigen Säfte ausschüttet. Diese scharfen Stoffe mehren die
Geschwulst, zerfressen das Fleisch und vergiften Alles, was sie
angreifen. Somit muß ich einwirken auf den halbabgefaulten Daumen, noch
kräftiger aber auf den Körper, daß er aufhöre, sein eigenes Glied zu
morden. Der Ueberlegung folgte das Handeln.
Der Daumen und die ganze
Hand bekam Wickel (siehe: Wicklungen) von
Heublumen- und Zinnkrautabsud (beide Kräuter
wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Der
kranke Leib erhielt täglich einen kurzen Wickel und wöchentlich
dreimal den spanischen
Mantel. An den wunden Finger ließ ich jeden Tag
recht verdünntes Alaunwasser gießen, welches den Unrath wegwusch. Noch
nicht vier Wochen waren vergangen, und Alles, Finger und Hand, war
wieder gewonnen. Um das in der That nicht angefressene Bein bildete sich
eine neue Fleischmasse zu einem neuen Daumen, der, den Nagel
ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann
konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher
noch viele Jahre.
Gesichtsrose
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
"Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist
angeschwollen, sieht feuerroth aus; er hat ein heftiges Fieber; es
verbreitet sich die Röthe über das ganze Gesicht; es zeigen sich an
allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören,"
- so klagte mir eine Gattin. "Schleunigst soll ein Shawl umgelegt
werden, in warmes Wasser getaucht," - verordnete ich; "drei
Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen,
in frisches Wasser getaucht und wieder überbelegt werden; so dreimal
wiederholt - macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später
soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich
ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden (siehe. Oberaufschläger), drei Stunden lang; aber
nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht
und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel
entfernt find, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes
Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden,
ein Stunde lang liegen (siehe: Unteraufschläger). Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach
vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der
Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte
wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut
gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lau-warmem Wasser. Ist der
Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk,
aber immer nur in recht kleinen Portionen."
Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen: Dem Kranken soll täglich
zweimal ein Shawl umgelegt
werden, drei Stunden lang jedesmal, nach
jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach
je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den
ganzen Körper, mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber
nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend
abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später
nur mehr alle Tage; Soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm
genommen werden, so gebraucht man später frisches (kaltes) Wasser. Den Schaden
im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit
waschen. Auf diese zwei Arten sind schon Mehrere geheilt worden, ohne daß
irgend ein Nachtheil zurückblieb.
Josepha, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell
eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll
Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist
ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit
warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar
drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war
angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im
Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund war besonders stark
geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs bis zehnmal, wurden
die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den
Shawl um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer
Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt;
zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen.
Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um
Vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar
nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen
wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.
Gicht
Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Wer zur Herbstzeit in's Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren
Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine
neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirth die Galle kitzelt,
das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie vertheilen dem hungrigen
Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit
einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie auf's Gerathewohl der einen
Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein
neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele
von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf
denen die Wucherstellen die übel angebrachte Verschwendung zeigen,
daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die in Folge der stiefmütterlichen
und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.
Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.
Was dem Acker und der Wiese der Dünger, das ist dem Menschen die
Nahrung. Ob da in all den verschiedenen Ständen und Lebenslagen
Ungleichheit herrscht? Dem Einen wird's täglich und stündlich im
Ueberflusse zugeworfen; ein Anderer hat jahraus jahrein
Quadragesimalzeit. "Was für eine Mahlzeit?" fragte einmal
Einer. Nicht 40-, sondern 365tägiges Fasten ! Wenn nun Jemand täglich
und stündlich seinem Felde (seinem Körper) zu viel, so viel zuführt,
daß die Natur es nicht bewältigen, die Organe es nicht verarbeiten und
verwerthen können, was muß die Folge sein? Die Knochen z.B. brauchen
zu ihrem Bau Schwefel und Kalk. Nun aber wird in kräftigen und starken
Speisen vielleicht soviel Baumaterial eingeführt, daß es zu zwei, zu
drei Körper-Neubauten ausreichte. Was wird, was muß geschehen? Da
bilden sich Moräste (dickes Blut), dort Sümpfe (schlechte Säfte), um
die Knochen herum Sand- und Schutt- und Kalk- und Steinhaufen.
Die Knöchel schwellen an, entzünden sich, und es ist eine
langdauernde, entsetzliche Qual, bis diese verknorpelten und verknöcherten
Gichtknoten durch den Schmerz selbst gleichsam verbrannt und anders
entfernt sind. Und so arg das Leiden, so gering oft das Mitleiden mit so
wohlbehäbigen Podagranern (Schlemmern). Es ist nicht ganz christlich, aber manchmal
sehr erklärlich. Die Leute sagen: "Er hat das Genießen gehabt; er
habe nun auch die Schmerzen, die Folgen des übermäßigen
Genusses." Indessen können auch arme Leute von der Gicht
heimgesucht werden, ja selbst die Aermsten.
Einmal stellte sich mir ein armer und überaus fleißiger Dienstbote
vor; er bekam die Gicht im höchsten Grade. Ursache war bei ihm, daß er
aus lauter Diensteifer die Pflege des Körpers vernachlässigt hatte.
Ein windbrüchiger Blasbalg arbeitet den Blas, die Luft, nicht in die
Orgelpfeifen, sondern zu den Löchern hinaus. Geschwächte, halbkranke
Organe schaffen, arbeiten oftmals statt am Fleisch an der Geschwulst,
statt am Bein am Ueberbein.
Weitere Ursachen können sein: allzugroße Anstrengung, Vernässung,
Erkältung u.A. Gicht im hohen Grade quält viele, Gicht im geringeren
Grade unzählige Menschen. Sie quält die Einen an den Zehen, die Andern
im Kopf, Viele am Aeußern, Viele im Innern des Körpers.
Einfache, noch nicht allzusehr geschwächte Leutchen, die gerne folgen
und nicht den Flohstich spüren, heile ich recht gerne und meistens sehr
leicht. Bei den Podagranern der ersteren und vornehmeren Gattung gebe
ich mich nie Täuschungen hin. Sie sind mir ein Kreuz und mit Wasser
meistens nicht zu heilen; denn sie folgen nicht, weil sie bereits unter
dem Doppeljoche der Verweichlichung und der Wasserscheu seufzen; heilbar
wären sonst auch sie wie die anderen Gichtkranken.
Ein Herr von Stand litt seit vier Wochen an heftigen Fußschmerzen.
Seine Bekannten nannten ihn scherzhaft ein weiteres Mitglied der
Bruderschaft der Podagraner. Schwitzen kurirte ihn dieses mal. Doch nach
einem Jahre kehrte das Leiden wieder und fesselte ihn zwölf Wochen an's
Bett. Es brannte tüchtig, und er schwitzte tüchtig; aber dieses Wasser
allein heilte das zweite mal nicht. Er ließ mich befragen und erklärte,
er werde Alles thun, was immer verlangt werde, wenn nur diese fürchterliche
Krankheit nicht noch einmal wiederkehre. In wenigen Wochen war die
Hauptkur vorüber. Wie wenn Wasser auf ungelöschten Kalk kommt und
dieser aufschwellt und zerbröckelt, so vergingen die Gichtbeulen unter
den verschiedenen Anwendungen. Später wiederholte der Patient von Zeit
zu Zeit die eine oder andere Wasserübung, und so viel ich weiß, hat
das Uebel seit den letzten Jahren ihn nicht weiter belästigt. Die
Anwendungen selbst lerne der geneigte Leser beim folgenden Falle kennen.
Ein Priester sandte zu mir mit der Nachricht, seine Füße brennen ihn
wie lebendiges Feuer, er müsse fast verzweifeln, was er doch thun könne.
Ich rieth, er solle in heißem Wasser angeschwellte und hernach ausgepreßte
Heublumen auf ein Linnen bringen, die schmerzenden
Füße mitten drein
legen und den warmen Heublumenwickel gut zubinden (siehe: Fußwickel). Nach zwei Stunden
solle er die aufgelegten Heublumen von Neuem in den Heublumenabsud
eintauchen, auspressen und nochmals umbinden. Ob die Heublumen das
zweite Mal lau oder ziemlich kalt oder ganz kalt umgebunden werden,
bleibt sich ganz gleich. Der kranke Priester that so die folgenden Tage.
Nach dem ersten halben Tage schon waren die Hauptschmerzen entfernt,
nach zwei bis drei Tagen war der Kranke ganz frei von Schmerzen.
Fehlen einem Kranken die Heublumen, so siede man Haberstroh (Haferstroh
- bekommt man bei jedem Bauern) und tauche
die zu umwindenden Fußwickel in den Absud. Auch dieses ist bei unserem
Uebel von vorzüglicher Wirkung. Man beachte, wie ich bei diesem Leiden
mit Vorzug erwärmend einwirke, vielmehr auflöse.
Vor einer Täuschung muß ich hier warnen. Sobald den Kranken die Füße
nicht mehr schmerzen, so meint er natürlich, er sei schon völlig
kurirt. Man beginge einen großen Fehler, wenn man jetzt nachgiebig wäre.
Den Fußwickeln müssen wenigstens einige Anwendungen auf den ganzen Körper
folgen, um wo möglich allen krankhaften Stoff daraus zu entfernen. Am
besten dienen während der drei ersten Wochen wöchentlich zwei bis
dreimal der spanische Mantel (je
1,5 bis 2 Stunden), im folgenden Monat
einige Warmbäder mit Absud von Heublumen oder Haberstroh
(Haferstroh) und
dreimaligem Wechsel.
Ein Taglöhner hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er ging wöchentlich
dreimal in den Sack (siehe: Kurzer
Wickel), den man in heißen Haberstrohabsud eingetaucht
hatte; dann wurden ihm in der Woche zwei Fichtenreis-Bäder bereitet von
33 bis 35° Reaumur = 41 bis 43° Celsius mit dreimaligem Wechsel (ins
kalte Bad von je einer Minute). Jede zweite Nacht wusch er sich
vom Bett aus kalt. Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte
jedoch noch für einige Zeit in der einen Woche zweimal den Sack, in der
anderen das beschriebene warme Bad. Bald trat er neugekräftigt seinen
Dienst an, den er bis heute gut versieht.
Ein Brunnenmacher zeigte mir die Gichtknoten an seinen Fingern und an
seinen Zehen. die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, -
Gicht durch Vernässung.
Jeden zweiten Tag ein eben beschriebenes warmes
Bad, jeden dritten oder
vierten Tag die Anwendung mit dem Sack (Kurzer
Wickel) haben den Mann in kurzer Zeit gänzlich
von seinem Uebel befreit. Die Hände hat er sich über die Nacht in
angeschwellte Heublumen
eingebunden (siehe: Wicklungen).
Ein armer Hausvater bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht
oder einem anderen Uebel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur
entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.
Es war gerade die Heuernte. Ich rieth ihm, er solle aus seinen Heustock
gehen, der eben in Gährung sei, dort eine Art Grube in das heiße Heu
machen und sich in das heiße Heugrab legen, mit heißem Heu auch sich
zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er that's und
schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper
wie im Wasser schwamm. Sechsmal innerhalb zehn Tagen stieg der Bauer in
so ein Heubad, und es hat ihn gründlich kurirt.
Nicht einem Jeden würde ich solches rathen. Aber nur Derjenige, der es
selbst probirt, kennt die große und auslösende Kraft solchen
Heudampfes. Recht alte, tief eingewurzelte Uebel können oft durch
solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würde
Derjenige diesen Heudampf am wirksamsten brauchen, der unmittelbar vom
Dampfbade (siehe: Dämpfe) weg ganz rasch ein kaltes
Halbbad nähme mit
Waschung des
Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.
Das ist nicht so dumm und überspannt, wie Manchem dünken möchte. Das
bewiesen neben vielen Anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten.
Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn
solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich
vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-,
gleichsam Neuschaffung im Organismus zu Stande gebracht werden könne.
Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß schwächere Rheumatismen, Krämpfe,
gewöhnlich Ueberreste und Ueberbleibsel nach schweren Krankheiten,
leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu
entfernen wären.
Du siehst, mein lieber Landmann, was für Schätze du im Haufe hast!
Probir's einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein
paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau
werden ! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit
aus allen Gliedern ziehen.
Und wenn du einmal so ein Reissen oder Brennen verspürst, sei vernünftig!
Du gönnst das Heilkraut jeden Tag deinen Vierfüßlern. Laß dessen
Heilkraft auch mal deinen eigenen Körper kosten.
Ein Wirth erzählt:
"Ich habe oft so reissende Schmerzen im Kopf, besonders wenn das
Wetter anders wird, daß ich unfähig bin, meinem Berufe nachzukommen.
Es kommen die Schmerzen in den Rücken, besonders auch in die
Oberschenkel; wenn sie aber in die Füße kommen, kann ich nicht mehr
gehen. Trinke ich ein Glas Bier, so kommt der Schmerz ganz schnell in
den Kopf. Weil ich es schon Monate hindurch so stark habe, ist mir jede
ordentliche Arbeit unmöglich, und das Leben wurde mir schon oft recht
entleidet."
Die Anwendungen waren folgende:
1) In der Woche zwei warme Haberstrohbäder
(Haferstrohbäder),
30° Reaumur = 37° Celsius von einer halben Stunde; darauf kräftig
kalt abwaschen oder ein kurzes
kaltes Bad (1 Minute).
2) Jeden Tag einen Oberguß mit
Knieguß.
3) In der Woche
dreimal ganz waschen, so rasch als möglich, im Schweiß oder im Bett
Nachts.
4) Täglich am Morgen und am Abend eine Tasse Thee von fünf bis
sechs frischen Holderblättern, fein zerschnitten, fünf Minuten lang
gekocht.
In vier Wochen war dieser Wirth vollständig gesund, so daß seine
Bekannten sein Aussehen als geradezu verjüngt erklärten.
Damit weiterhin diese Krankheit sich nicht wieder einniste, kann er alle
Monate ein solches Haberstrohbad nehmen und jede Woche ein- bis zweimal sich
ganz waschen im Schweiß oder in der Nacht vom Bett aus.
Ein Gewerbsmann kommt und erzahlt: "Bei mir sind beide Füße stark
angeschwollen, ganz steif, und ich bin nie ohne Schmerzen, kann oft
nicht eine Stunde in der Nacht schlafen; besonders in den Gliedern ist
der Schmerz am heftigsten; meine Arme sind auch ganz steif und thun mir
recht wehe; Appetit hätte ich; aber wenn ich esse, treibt es mich aus,
so daß ich kaum mehr zu athmen vermag; ich kann fast gar nicht mehr
gehen und bin so voll Schwindel, besonders beim Aufstehen, daß ich kaum
mehr weiß, wo ich bin. Aerzte habe ich viele gehabt, habe recht viel
eingenommen, aber soweit ich urtheilen kann, hat sich meine Lage bei
allem, was ich versucht habe, nur verschlimmert; ich habe mir schon oft
den Tod gewünscht." Der Betreffende war ziemlich stark und sah
mehr einem wohlgenährten Bräumeister gleich als einem Gewerbsmann,
obwohl er nur einfache Kost hatte und nicht besonders viel Bier trank.
Er war ungefähr fünfzig Jahre alt. Nach Aussage der Aerzte sollte
Herzverfettung die erste Ursache zu diesem Elende sein.
In fünf Wochen war dieser Kranke von seinen vielen Uebeln befreit, und
er freute sich, seine Gesundheit wieder vollständig erlangt zu haben.
Was hat ihm geholfen?
1) Die Füße wurden zuerst jeden Tag, dann jeden
zweiten und später jeden dritten Tag mit Heublumen
eingebunden (siehe: Fußwickel), nämlich
die Heublumen kamen auf die bloße Haut, ein Tuch wurde darüber
gewunden und zwar warm, zwei bis drei Stunden lang.
2) Jeden zweiten und
später jeden vierten Tag, mußte er ein nasses Hemd anziehen, in
Heublumen-Absud
getaucht. Als die Geschwulst an den Füßen großenteils verschwunden
war, bekam der Kranke jeden Tag einen Oberguß und
Knieguß und auch
Halbbäder. Dies wurde fünf Wochen fortgesetzt.
Gries- und
Steinleiden Krankheiten
F - G Inhaltsverzeichnis
Gar oft kommt es vor, daß Gries und Stein sich bilden in der Blase und
in den Nieren. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden
selbst erduldet hat, kennt diese fürchterlichen Schmerzen. Die Heilung
mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.
Obenan stehen hier die
Haberstrohbäder (Haferstroh). Es wird Haberstroh (wer dieses
nicht zur Hand hat, nehme Zinnkraut oder saures Pferdeheu) gesotten,
gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet
mit ungefähr 30° Reaumur = 37° Celsius. In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht
sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem
Aussteigen aus der Wanne mit frischem (kaltem) Wasser kräftig ab. Solche Bäder
können in der Woche drei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich
in der Woche zwei bis drei kurze Wickel oder statt derselben nasse
Auslagen über die schmerzlichen Theile (ein Linnentuch vier- bis
sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende
Umhüllung - siehe: Oberaufschläger). Beide Anwendungen sind selbftverständlich stets nur im
Bette vorzunehmen. Sie lösen die Griessteine in Blase und Nieren aus
und leiten dieselben aus.
Doch soll gerade bei diesen Leiden der Thee
nicht vergessen werden. Obenan steht der Haferthee. Hafer wird eine
halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei
Tassen getrunken. Stärker noch als Haferthee wirkt Thee von Haberstroh
(Haferstroh),
der auf dieselbe Weise bereitet wird. Zinnkrautthee ist kaum von einem
anderen übertroffen. Noch nenne ich die Hagebutten, die gesotten
gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Thee abgeben; nur muß er längere
Zeit hindurch genommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er
besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben
genannten Anwendungen sollen zwei bis drei Wochen in der angegebenen
Zahl, weitere drei bis vier Wochen zur Hälfte vorgenommen werden. Das
Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Aerzte sicher
verlieren.
Ein Herr, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei
ihm innerhalb einiger Wochen viele hundert Steinchen abgetrieben worden.
Ein anderer Herr litt dermaßen an Gries und Steinen, daß die Salzschärfe
von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner
Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst
unangenehmes Kitzeln und Beissen und Brennen. Dreißig Haberstrohbäder
(Haferstrohbäder) innerhalb
eines Jahres, der spanische Mantel, wöchentlich ein paar mal angezogen,
Thee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen
vollständig.
Zum Schlüsse noch ein Wort an die jüngere Generation, die so gerne das
Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder
Unwissenheit oder Bigotterie (übertriebenes frömmelndes Wesen) beruht, wie sie meint, und die stets und
mit Hast nach Neuem strebt und greift.
Für alle Leiden, die zahlreicher und schmerzhafter austreten, - und
dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist
Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, - hat der Schöpfer
liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganzen Erde läßt er die
verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen
lindern, das Uebel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben - und das
hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) - diese
Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen,
d.i. den Büchern, welche sämmtliche Heilmittel enthalten, als
"unwissenschaftlich" und als "veraltet"
ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen,
jährlich im großen Buche der Natur wieder aus. Keines noch hat er
gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen
sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat Rechte Merkwürdig!
Jedes Thier, besonders jedes wilde Thier, entspricht, wenn auch
naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom
Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz,
bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und
Mancher, der bald in die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst
aus der Mode gekommen, thaten ebenso.
Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich
desselben. Aber nicht Alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese
modern klingende Aufschrift trägt.
Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem
Lande geschrieben, und ihnen sage ich: "Danket eurem Schöpfer auch
für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die Anderen, die
Reichen nicht!"
"Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben
innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie
in einem Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie
euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und
Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten
Welt wo immer zu finden sein!"
"Das würde mich schmerzen, wenn auch ihr Gottes Gabe, die Heilpflänzchen,
die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt,
mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es
sonst so gut mit euch meine euch nicht mehr helfen!"
Krankheiten H - K Inhaltsverzeichnis
Hämorrhoiden
Halsbräune
Halsleiden
Harnbeschwerden
Heiserkeit
Herzleiden
Hexenschuß
Hüftnerven-Entzündung (Ischias)
Hypochondrie
Impfen
Katarrh
Knieschwulst
Knochengeschwüre
Kolik
Kopfflechten
Kopfleiden (eigener Art)
Kopfleiden
Kopfleiden, nervöses
Krämpfe
Krätze
Krebs
Hämorrhoiden
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Die Hämorrhoiden (Goldadern nennen sie die gewöhnlichen Leute) können
theils mit zum Erbtheil der Eltern gehören, theils in Folge der
Lebensweise entstehen. Stubensitzer, Aktenmenschen, Studirte,
Feinschmecker u.s.w. werden viel von dieser Blindschleiche geplagt. Der
Landmann, der jahraus jahrein Kartoffel und einfache Mehlkost ißt und
das Fleisch nur an den Sonn- und höheren Festtagen sieht, bei dem an
Stelle des Bieres und starker Weine die Milch und der Apostelwein
(Wasser) tritt, der täglich draußen und daheim schwere Arbeit thut,
kennt diese Blutsauger oft kaum dem Namen nach.
Diese Hämorrhoiden sind ein lästiges, ein überaus lästiges, wenn
auch im Beginne und oft Jahre, ja das ganze Leben hindurch ungefährliches
Uebel. Schon das Jucken und Brennen ist recht unangenehm, manchmal sehr
peinlich, peinlicher noch die drückende Einwirkung auf das Gemüth; sie
machen mißmutig, launenhaft, gereizt. Es gibt Fälle, in denen sie das
Leben schrecklich verbittern und die Gereiztheit bis zum Wahnsinn
steigern.
Daraus schon wird klar, daß Gleichgültigkeit und Mißachtung dieses
Leidens schlecht am Platze ist. Man soll sorgen, daß sich das Uebel
nicht zu stark vermehrt, daß es mit der Zeit nicht einen bösartigen
Charakter annimmt.
Doch was sind denn eigentlich Hämorrhoiden, wie entstehen sie?
Sicherlich hat jeder Leser schon einen Truthahn gesehen, auch die häutigen
Säcke, die ihm vorn am Halse hängen, bisweilen wie leere Taschen ohne
jeden Inhalt. Wenn aber so ein Welscher zornig wird, dann füllen sich
diese Säcke mit Blut, und die Taschen werden wie rothe Kugeln. Solche
Kugeln, blut oder schleimgefüllte Taschen sind die Hämorrhoiden, mögen
sie im oder am Körper auftreten, wo sie wollen, blinde oder sehende
(fließende, blutende) Hämorrhoiden sein.
Die Adern sind elastische, dehnbare Röhren. Je mehr das Blut ungeregelt
an eine Stelle dringt, desto mehr dehnen sich die Adern aus, am meisten
da, wo das Blut sich sammelt, staut, gleichsam kleine Blutteiche bildet.
Es entstehen kleine Knoten wie Warzen an der Hand oder im Gesicht, und
diese Knoten sind mit Blut gefüllt. Treten dieselben innerhalb des Körpers
im Mastdarm u.s.w. auf, so heißen sie die blinden Hämorrhoiden;
dagegen nennt man sie die sehenden, wenn die Knoten außerhalb am After
erscheinen.
Von Zeit zu Zeit brechen solche Knoten auf, und ihr Inhalt ist brauner
Schleim, häufig jedoch reines Blut. Beim Ausbrechen der Knoten wird dem
Leidenden leichter und wohler; gefüllt und in großer Zahl bereiten sie
ihm viel Leid und manche Schwierigkeiten. Nicht bloß am After und im
Mastdarm bilden sich diese Aderauswüchse. Bei großer Entartung kommen
sie selbst im Innern des Körpers an den Blutgefäßen vor. Wie die Plünderer
sich den regulären Truppen anschließen, so verfolgen diese Blutsauger
die Adern, besonders die Hauptadern.
Je zahlreicher die Knoten auftreten, und je öfter sie aufbrechen, um so
schadhafter müssen die von ihnen besetzten Theile werden. Daher kommt
es nicht selten vor, daß an den betreffenden Stellen bösartige,
unheilbare Geschwüre entstehen, wie Mastdarm-Krebs, Fisteln,
Geschwüre
u.s.w.
Ueberaus peinliche Mehrung des Leidens können die sogenannten Madenwürmer
bringen, kleine Würmchen im Innern des Mastdarmes. Wie die Zacken in
die Haut, so bohren sich diese in den Mastdarm ein. Bei großer Anzahl
zerfressen sie den Mastdarm, und die Folgen davon sind leicht bösartige
Geschwüre.
Die Behandlung der Hämorrhoiden mit Wasser ist leicht und erzielt in
den meisten Fällen sicheren Erfolg. Die Zahl derer, denen so Hilfe
ward, kann ich als sehr groß bezeichnen und beifügen, daß alle Fälle
glücklich verliefen.
Greifen wir zuerst die Madenwürmer an, diese Afterblutegelchen, wenn
solche vorhanden sind. Sie verrathen sich meist durch ein Zwicken,
Beissen, Nagen, Krabbeln in der Aftergegend (obgleich ein solches auch
jedesmal die Neufüllung der Knoten begleitet). Man nehme ein, zwei oder
drei kalte Klystiere (ein Klystier ist ein kleines Glasröhrchen, eine
kleine Pumpe, mit einem aufgesetzten Gummiballon und dient zur Einführung
von Flüssigkeiten in den Mastdarm zu Reinigungs- und Behandlungszwecken)
schnell nach einander und lasse dieselben gleich
wieder abgehen. Kommt das kalte Wasser in den Mastdarm, so hängen sich
die Madenwürmer vom After gleichsam aus, wie der Blutegel von der
Blutstelle, wenn ich selbe mit Salz bestreue. Geht das Klystier gleich
wieder ab, so schwemmt es die losgelösten Peiniger mit hinaus.
Wiederholt man dieses zwei- bis dreimal, so gehen (das ganze Verfahren
kann wöchentlich zwei- bis dreimal stattfinden) recht viele, zuweilen
alle ab.
Haben wir es mit Hämorrhoidalknoten allein zu thun, so merke man sich
Folgendes: Von Stellen, wo zu viel Blut hinströmt, muß dasselbe
abgeleitet werden; Gefäße, die zu sehr ausgedehnt wurden und eben deßhalb
zu weit auseinandergehen, sind zu verengen.
Für alle diese Zustände dient folgende Anwendung gut: Man bereite sich
im Bette einen Unteraufschläger, d.i. in unserem Falle ein recht
dickes, vielfach zusammengelegtes, in's kälteste Wasser getauchtes
Linnen, so lang, daß es den ganzen Rücken bedeckt und am untern Ende
bis über den After hinausreicht, so breit, daß es den Rücken deckt.
Darauf lege man sich drei Viertelstunden lang und wiederhole die
Anwendung wöchentlich drei- bis viermal. Sollte das Tuch vor den
verflossenen drei Viertelstunden warm sein, so werde es entfernt und
besser nochmals eingetaucht.
Als fernere Anwendung thut es sehr gute Dienste, wenn solche Leidende in
der Woche drei- bis viermal ein Sitzbad nehmen, kalt und kurz. Man kann
dasselbe an einem halben Tage oder auch Nachts vom Bette aus zwei- bis
dreimal wiederholen, nie länger als ein bis zwei Minuten. Auch diese
Anwendung wirkt wie die obige zugleich auf die vorhandenen Hämorrhoiden
und deren Entstehungsursachen im Unterleibe.
Wer bei vorhandenen Hämorrhoiden in jedem Vierteljahr innerhalb ein
bis zwei Wochen eine der beschriebenen Kuren durchmacht, darf sicher
sein, daß das Uebel ohne alle erheblichen Folgen bleibt und, wenn es
nicht ganz verschwinden sollte, gewiß nie zu lästig wird. Wem Solches
zu anstrengend erscheint und zu schwer, dem weiß ich in Gottes Namen
keinen Rath.
Bezüglich der Nahrung mache ich nur auf einen Punkt aufmerksam, der
nach meinem Dafürhalten nicht genug gewürdigt wird. Viele der Hämorrhoidarier
haben angefangen, statt des modernen Hausbrodes Kleienbrod zu essen, und
sie behaupten, seit dieser Zeit verspüren sie von dem Leiden durchaus
keine erhebliche Belästigung mehr, wenn dasselbe auch nicht vollständig
gehoben sei. Dieses Kleienbrod (Kleienbrod = Weizenmischbrot bestehend
aus: 15 % Weizenspeisekleie, 55 % Weizenmehl, 30 % Roggenmehl) möchte ich sehr empfehlen, es sollte
eine Zukunft haben. Nicht bloß bei Einzelnen, allgemeine Verbreitung
sollte es finden (auch aus anderen Gründen) als gesundes, kräftiges
Nahrungsmittel. Aber wohl gemerkt, nur das echte Kleienbrod, nicht das
verfälschte oder nachgeäffte! Die strafbare Verfälschungssucht hat
sich leider auch schon dieses Artikels bemächtigt. In einer Großstadt
des Auslandes fand ich einst Kleienbrod (dasselbe ist bekanntlich sehr
schwer) so leicht wie anderes Brod. Ich durchschnitt den Wecken.
Inwendig war es Brod wie anderes Brod; nur über die Rinde her hatte der
kluge Bäcker die Kleie gestreut, wie man sonst Kümmel oder Anis
streut. Ich fügte meiner Apotheke zum Schlusse das Rezept für
Kleienbrodbereitung bei.
Halsbräune
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Vater kommt und klagt, seine Tochter, vier Jahre alt, habe die
Halsbräune. "Das Kind hat es," sagt er, "gerade wie die
drei anderen Kinder, welche alle gestorben sind. Sie starben sehr
schnell; auch dieses Kind wird schnell sterben. Schon kann es fast nicht
mehr athmen und nicht mehr husten. Kopf und Leib sind ganz aufgetrieben.
Was soll ich thun? Vier Stunden brauche ich, um den Arzt zu holen, und
bis dahin ist mein Kind todt." Die Antwort lautete:
"Hausvater, gehe gleich heim, mache etwas Wasser, das mit Essig
gemischt ist, heiß, tauche ein Handtuch
ein, winde dieses aus und wickle damit den ganzen Hals des Kindes gut
ein! Darüber bringe noch ein trockenes Tuch und lasse den also übergelegten
Wickel drei Viertelstunden lang liegen (Halswickel). Dann tauche das Tuch von Neuem
in Wasser und Essig! So fahre sechs Stunden lang fort, aber alle drei
Viertelstunden den Umschlag von Neuem naß machend!
Nach Verlauf der
sechs Stunden mache den Hals frei, ihn leicht bedeckend. Sodann
applizire dem Kinde mit demselben Handtuch, das du zu diesem Behufe
wieder in Wasser und Essig eintauchst, einen kurzen
Wickel um den Leib! Darüber
lege eine trockene Hülle und decke das kranke Kind gut zu, sorgfältig,
aber nie zu stark! So soll die Kleine eine Stunde lang ruhen bleiben.
Nach einer Stunde entferne die Hülle und lasse das Kind, nicht mehr als
gewöhnlich bedeckt, im Bette liegen. Sollte nach sechs bis acht Stunden
noch schweres Athmen und Husten vorhanden sein, so kannst du den Umschlag um den Hals nochmals, wie oben gesagt, erneuern und denselben
ein bis zwei Stunden lang umlegen. Wenn er nach Verlauf einer Stunde
recht heiß ist und dem Kinde recht bange werden sollte, so tauche das
Tuch von Neuem ein! Du wirst die Wirkung erfahren."
Der Vater that, wie ihm befohlen, und nach 30 Stunden war das verloren
geglaubte Kind wieder gesund, frisch und munter.
Heilung wäre auch dann erfolgt, wenn man das Tuch in recht kaltes
Wasser (mit halb Essig) eingetaucht und das Eintauchen alle drei
Viertelstunden erneuert hätte. Bei Nichtabnahme der Hitze hätten noch
die Füße bis über die Waden mit eingewickelt werden können (Fußwickel).
Halsleiden
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Andreas fängt zu erzählen an, wie folgte "Ich kann fast nicht
mehr reden, manchmal will's gar nicht mehr gehen. Ich hatte so einen arg
bösen Finger. Damals habe ich's das erste mal bekommen, daß ich nicht
mehr reden konnte; jetzt wird mein Finger wieder bös. Sonst habe ich
den besten Appetit, und es fehlt mir gar nichts. Der Arzt hat gesagt,
das Halszäpfchen sei zu lang und müsse abgeschnitten werden. Das will
ich aber nicht thun lassen."
Das Aussehen des Mannes zeigt einen etwas gefüllten, aufgedunsenen
Kopf; die linke Seite desselben, vom Ohre abwärts, zeigt eine kleine
Anschwellung. Man sieht recht gut, daß das Normalgesicht etwas gestört
ist, und Kopf und Hals sind mehr noch als im Aeußern im Innern
angelaufen, aufgedunsen, daher im Allgemeinen Verengung in diesen
Organen, daher die Halsbeschwerden. Unstreitig ist der kranke Finger das
erste mal nicht gehörig geheilt, der Giftstoff nicht ganz entfernt
worden. Wer den Krankheitsstoff jetzt völlig ausleitet, den Körper säubert,
der hat auch dem Halse geholfen. Zu dem Zwecke wirke man ableitend
zuerst auf den ganzen Körper ein, sodann im Besonderen auf die
Kopftheile.
Ersteres geschieht durch die Anwendung des Sackes (Kurzer
Wickel) und die
Umlegung des Shawls. Der Sack steht dem Bauersmann am ehesten zu Gebote.
Er schlüpfe in denselben, nachdem er ihn zuvor in Haberstrohabsud
(Haferstroh) eingetaucht hat. Dieses thue er drei Tage nach einander, je 1,5 Stunden.
Vom vierten Tage an beziehe er die nicht mehr ungewohnte Wohnung jeden
dritten Tag. Den Shawl trage er täglich eine Stunde lang. Nach vierzehn
Tagen kann er Ganzwaschungen vornehmen zweimal in der Woche, und einmal
in der Woche soll er den spanischen Mantel tragen. Wenn das Halszäpfchen
noch Beschwerden macht, kann er ein paar Kopfdämpfe vornehmen, natürlich
an verschiedenen Tagen. Dem Uebel wurde gründlich gesteuert.
Ein Priester erzählt: "Im Laufe des Sommers 1887 verspürte ich
zeitweilig ein leichtes Schmerzgefühl im Hals, das vorübergehend und
mit leichtem Hustenreiz verbunden war. Bei längerem Reden in der
Katechese, auf der Kanzel und im Beichtstuhl wurde die Stimme nach und
nach kraft- und klanglos und drohte zu versagen. Das Uebel steigerte
sich in den Monaten September und Oktober; es entstand ein heftiger
Rachenkatarrh, und der Arzt fand auch die obere rechte Lungenspitze
affizirt. Ein drei monatlicher Aufenthalt in Meran, Pinseln und Gurgeln
und Bergsteigen, nichts vermochte das Leiden zu entfernen. Um Neujahr
herum war ein Arzt sogar in Versuchung, eine kleine Operation
vorzunehmen, doch unterblieb sie. Endlich entschloß ich mich am 25.
Januar, da mein Urlaub dem Ende zuneigte, in sehr gedrückter Stimmung
Meran zu verlassen und Wörishofen (den Ort in dem Kneipp praktizierte)
aufzusuchen.
Die Wasseranwendungen, täglich
zweimaliger Oberguß und Wassergehen, brachten mir alsbald Erleichterung
im Hals; der Schmerz nahm ab, die Stimme wurde kräftiger und bekam
wieder Klang, und an Lichtmeß vermochte ich schon in D. eine kurze
Homilie (Predigt) und ein Amt (Meßfeier) zu halten. Aber die Stimme war noch heiser, und ich
hatte nachher auch eine ganz leichte Schmerzempfindung im Hals, die aber
bald wieder aufhörte. Von acht Tagen zu acht Tagen verspürte ich
Besserung. Nach drei Wochen war meine Stimme so kräftig und rein wie früher;
ich konnte wieder in die Seelsorge eintreten und meinen Pflichten voll
und ganz nachkommen."
Harnbeschwerden
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Eiligst wurde ich einst zu einem 70jährigen Zimmermann gerufen, um ihn
möglichst schnell für die Ewigkeit vorzubereiten. Er habe, hieß es,
entsetzliche Schmerzen, er könne nicht mehr Wasser machen. Bald stand
ich im Hause des Kranken. Allein als Seelsorger konnte ich nichts
machen; denn der Mann lief in seinem Zimmer umher und schrie vor
Schmerzen; keinen Augenblick konnte er ruhig bleiben. Mit ihm jammerte
und weinte seine Frau, die rathlos dasaß.
Ich gab ihr an, eiligst
strudelndes Wasser zu machen und zugleich einen Leibstuhl herzurichten.
In den Topf solle sie eine Handvoll Zinnkraut bringen. Ich bemerke, daß
der Arzt zwei Stunden weit entfernt wohnte, und gewiß hätte derselbe
den Mann nicht mehr unter den Lebenden getroffen. Das Wasser sprudelte,
die Frau goß es in den Topf über das Zinnkraut. Der Kranke ging auf
den Stuhl und ließ den heißen Zinnkrautdampf die schmerzenden Stellen
beräuchern. So solle er, befahl ich, 20 bis 30 Minuten sitzen bleiben und
darauf in's Bett gehen. In einer Stunde, fügte ich bei, werde ich
wieder kommen und ihn zum Sterben vorbereiten. Nach einer Stunde kam
ich, fand den Mann aber ganz ruhig im Bette in großem Schweiße.
Freudigst erzählte er mir, es seien schon zwei Liter Wasser abgegangen,
und er fühle nicht mehr die geringster Schmerzen. Die Vorbereitung zum
Sterben konnte unterbleiben. Tags darauf nahm der Mann nochmals so einen
Dampf zwanzig Minuten lang; am dritten Tag hielt er Rasttag, und am
vierten ging er wieder an sein gewohntes Handwerk.
Der Mann hatte sich erkältet und so das Uebel sich zugezogen.
Unglaublich ist es, was so ein einfaches Kräutlein, schnell und richtig
angewendet, in den bittersten Leidensstunden an
Hilfe bringt.
Ein Bauer bekam ein ähnliches Leiden. Beim größtem Drang und unter
namenlosen Schmerzen wurde ihm vom Arzte mit dem Katheter Wasser
abgezogen. Der Katheter brach, und zu dem alten Leiden kam ein neues,
fast noch furchtbareres. Es war ein Martyrium, bis endlich das
abgebrochene Stück aus dem Leibe herausgebracht worden war. Eine
schreckliche Entzündung bildete sich, so daß an einen Katheter nicht
mehr zu denken war. Der Arzt suchte durch ein Instrument in die Blase
einzudringen. Doch der zweimalige Stich mißlang, und der Arzt ordnete
an, der Kranke solle schleunigst auf den Tod vorbereitet werden, Rettung
sei keine mehr möglich. Der betreffende Priester kam bald. Zufällig
hatte dieser von dem Mittel gehört, mit dem ich den ersten Fall geheilt
(Leibstuhl + Zinnkraut-Dampf). Rasch wurde es auch hier angewendet, und die Wirkung blieb
nicht aus. Die Blase entleerte sich, alle Entzündung hob sich, und der
Kranke wurde vollständig gesund. Täglich nahm er zwei solcher Dämpfe.
Noch kann empfohlen werden, neben der äußerlichen Anwendung aus
Zinnkraut einen Thee zu machen und diesen Thee (täglich eine Tasse auf
zwei bis drei Portionen vertheilt) zu trinken.
Ein armer Taglöhn er hatte mehrere Wochen hindurch große Beschwerden
der angegebenen Art. Das Uebel steigerte sich von Tag zu Tag. Er wendete
Zinnkraut-Dämpfe an; doch sie wollten dieses mal so gute Wirkung nicht
hervorbringen. Die Dämpfe allein waren zu schwach, ihre Wirkung mußte
durch eine weitere Anwendung verstärkt werden. So wurde Zinnkraut
ausgesotten, ein vierfach zusammen gelegtes Linnen in den heißen Absud
getaucht, dieses etwas ausgewunden und so auf die leidende Stelle gelegt
(Oberaufschäger). Täglich ein Zinnkrautdampf und täglich eine solche Auflage während
zwei Stunden, das genügte. In wenigen Tagen war das Uebel geheilt. Erkältung,
wie beim ersten Fall, war auch hier die Ursache des Leidens, wenn auch
nicht die einzige Ursache; Nebenumstände traten hinzu. Der
freigewordene Urin ließ erkennen, daß viel "Krankes" im
Innern gelöst wurde.
Bei einem ähnlichen Falle habe ich statt des Zinnkrautes warmes Wasser,
mit Essig gemischt, angewendet. Die also genetzten und übergelegten Tücher
(Oberaufschäger) thaten dieselbe gute Wirkung.
Eine Hausmutter lag schon neunzehn Wochen zu Bette und gebrauchte immer
ärztliche Hilfe. Die Aerzte erklärten das Uebel als Blasenkrebs. Die
Schmerzen waren oft so groß, daß die Nachbarn die arme Frau schreien hörten.
An ein Auskommen wurde längst nicht mehr gedacht. Ich rieth dem armen
Weibe, es solle Zinnkraut sieden, ein Tuch in den Absud tauchen, in das
etwas ausgewundene Tuch das ausgekochte Zinnkraut selbst legen,
einbinden und so vorne auf die schmerzhafte Stelle legen oder binden (Oberaufschäger
oder Kurzer Wickel).
Nach der ersten Anwendung fühlte die Kranke Linderung Sie that so fünf
Tage lang, drei- bis viermal täglich, jedes mal gut gemessene zwei
Stunden. Dreimal täglich nahm die Frau auch innerlich Zinnkrautthee. Am
fünften Tage ging ein Salzstein ab unter unsäglichen Schmerzen. An dem
ausgeschiedenen Steine konnte man recht deutlich sehen, daß sich Theile
davon abgelöst hatten. Das Uebel war gründlich kurirt, der fatale
Krebs mitsammt den Scheeren richtig gefangen.
Ein 64 Jahre zählender Mann, sonst kräftig und gesund, konnte nicht
mehr das Wasser lassen. Er ließ den Arzt rufen. Dieser gebrauchte den
Katheter und erklärte, daß es für dieses Uebel keine Medizin mehr
gebe. In der That mußte er alle 24 Stunden zu der unliebsamen Operation
geholt werden. Nach vier Tagen stellte sich im ganzen Körper des Mannes
große Fieberhitze ein, und was ganz fatal war, er sollte nichts
trinken. Zwei Uebel galten so den armen Körper. Der Arzt hatte wenig,
fast keine Hoffnung mehr. Ich wurde befragt und gab den Rath, der Kranke
solle mit dem Rücken auf ein mehrfach zusammengelegtes, in warmes
Wasser getauchtes Linnen sich legen (Unteraufschläger), drei Viertelstunden lang, dasselbe
Tuch sodann neu eingetaucht dem Unterleibe appliziren (Oberaufschläger) in der Dauer einer Stunde. Schon nach der ersten
Anwendung gingen 1,5 Liter Wasser ab. Dieselbe wurde im Anfange täglich
zweimal, nach einiger Zeit nur einmal erneuert. Nach innen nahm der
Patient täglich in drei Portionen oder Absätzen eine Tasse Thee von Zinnkraut,
Wachholderbeeren oder Attichwurzeln (fünf Minuten in Wasser
gesotten). Rosmarin, in Wein angesetzt, selbst Wachholderbeeren allein,
in Wasser gesotten und als Thee getrunken, hätten gleichfalls gute
Dienste gethan. Das erste Uebel mit seinen Schmerzen ließ nach, auch
die Hitze verschwand gänzlich. Der Mann fühlt sich seit dieser Kur gesünder
als früher.
Ein Bauer, ungefähr 42 Jahre alt, erzählt:
"Ich bin seit vier Jahren leidend, und mein Leiden steigert sich
von Monat zu Monat; ich habe Beschwerden beim Wassermachen. Ueber eine
halbe Stunde auszuhalten ist mir unmöglich, und wenn es langer
andauert, so steigert sich das Leiden derart, daß ich heftige Krämpfe
bekomme, und erst wenn diese Krämpfe ausgetobt, geht nur wenig Wasser
ab. Ich habe schon viele Aerzte gehabt. geholfen hat gar nichts; habe 80
Flaschen Mineralwasser getrunken auf Empfehlung eines Münchener Arztes;
ein klein wenig half es. aber das Uebel ist nicht im geringsten gehoben.
Ich muß jede halbe Stunde die Nacht hindurch aufstehen, und dann geht
ein wenig Wasser ab, und geschieht dieß nicht, so mache ich das Leiden
immer noch bitterer. Ich bin sonst ganz gesund, habe, wie jedermann
sagt, ein gutes Aussehen, trinke selten Bier; es wird darauf nur noch
schlimmer, und ich war nie besonders daran gewöhnt. Was ist zu thun?"
Anwendung: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem
Haberstroh (Haferstroh), 30 bis 32° Reaumur = 37 bis 39° Celsius zehn Minuten in's warme, dann eine halbe Minute in's kalte, dann
wieder zehn Minuten in's warme Bad, so dreimal. 2) Die übrigen Tage,
an jedem Tag ein kurzer Wickel von unter den Armen bis an die Kniee,
ebenfalls in Haberstrohwasser (Haferstroh gibt's beim Bauern oder im
Kräuterladen) getaucht, wenn's geht, eine Stunde lang;
so 12 bis 14 Tage fortmachen. 3) Täglich drei kleine Tassen Thee trinken
von Zinnkraut und Wachholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten.
Ein Knecht bekam große Beschwerden im Uriniren. Es ging nur wenig und
langsam Harn ab und unter heftigen Schmerzen.
Der Arzt erklärte, nicht anders helfen zu können als durch Entleerung
mit Katheter einige Zeit hindurch jeden zweiten Tag. Das Uebel nahm indeß
immer mehr zu, die Schmerzen steigerten sich.
Der Knecht nahm nun täglich zweimal je 25 bis 30 Tropfen von Wachholder-
und Hagebutten-Geist
(Kräuter-Likör) in einem Weinglas voll Wasser. Schon in einem
halben Tage merkte er Besserung, nach zehn Tagen war das Uebel ziemlich
gehoben. Zur Abwechslung nahm er noch weiter den einen Tag
Wermuthtropfen statt der obigen und wurde so in kurzer Zeit befreit.
Recht empfehlenswerth ist für solche Zustände, für Blasenleiden, überhaupt
für Gries (Steine), einen Absud zu trinken von Blättern des schwarzen
Johannisbeerstrauches. Solcher Thee hat selbst in ganz schwierigen
Fallen schon vorzügliche Dienste gethan.
Heiserkeit
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Mädchen mit elf Iahren hatte die Stimme seit mehreren Monaten so
verloren, daß sie nur mit größter Mühe auf krächzende Weise sich
verständlich machen konnte. Die Farbe war ganz weiß, die Augen bläulich,
und dabei bemerkte man hochgradige Abmagerung und Entkräftung. Die
Naturwärme war wie verschwunden, auch kein Appetit war mehr da außer
zu etwas Bier und Wein.
Innerhalb zwei Monaten war das Mädchen gänzlich geheilt und gekräftigt,
und zwar durch folgende Anwendungen: 1) Täglich zwei- bis viermal barfuß
im Gras gehen. 2) In der Woche drei- bis viermal einen Shawl umlegen. 3)
In jeder Woche viermal ein Sitzbad. 4) Bei warmer Temperatur während
der letzten drei Wochen im Sonnenwasser (Wasser, welches von der Sonne
beschienen wird = Teich, Pol, See, Freibad) baden, dreimal wöchentlich.
Die Kost bestand in einfacher Hausmannskost, besonders in Milch,
halbtageweise einen Eßlöffel voll jede Stunde.
Nach eingetroffener Nachricht ist das Mädchen jetzt ganz wohl und
gesund.
Ein geistlicher Herr litt an Heiserkeit, und zwar stets vom Oktober bis
Mai. Er versuchte Alles, zog mehrere Aerzte zu Rathe, aber umsonst. Das
Leiden blieb das alte, vierzehn Jahre hindurch. Endlich suchte er bei mir
Hilfe, und in auffallend kurzer Zeit bekam er sie.
Der Herr mußte täglich bis an die Kniee in's Wasser stehen und
zugleich beide Hände in dasselbe
halten. Außerdem mußte er
Ganzwaschungen vornehmen, meistens beim Aufstehen oder während der Nacht
beim Aufwachen.
Schon nach zwölf Tagen war das jahrelange Leiden gänzlich
verschwunden, und seit 16 Jahren hat es sich nie wieder eingestellt.
Ein Beweis, wie gründlich das Wasser heilt.
Herzleiden
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Unzählig viele in unseren aufgeregten Zeiten lebende Menschen werden
als nerven-, magen- und herzleidend bezeichnet. Das Herz, der Magen und
die Nerven, das sind die Sündenböcke, die für gar Vieles herhalten müssen.
Wenn Einer 20, 30 Jahre gesund war, wenn er bis dahin, ich möchte
sagen, gar nie fühlte, wo sein Herz liegt, und er fängt zu kränkeln
an, da soll's auf einmal ein Herzleiden sein, vielleicht gar noch ein
organischer, unheilbarer Herzfehler. Wohlfeile Ausreden! Meine ganze
bisherige Erfahrung - es sind mir unzählige solcher Fälle vorgekommen
- strafte die meisten dieser Herzfehler, ob sie nun an den Adern, an den
Klappen oder anderswo liegen sollten, Lügen. Unter hundert Fällen, in
denen die Betreffenden selbst sich entweder für herzleidend hielten
oder dafür gehalten wurden, fanden sich ganz auffallend wenige mit
wirklichen, ausgebildeten Herzleiden behaftete Patienten vor. Das Herz
gehörte mit zu den gesündesten Organen; aber das ist wahr, es
geschahen Einflüsse, Einwirkungen auf das Herz, die es für den
Augenblick leidend machten. Die gesündeste Katze wird schreien, wenn
man sie in den Schwanz kneift. Die beste Uhr wird nicht mehr gehen, wenn
ich die Uhrgewichte aushänge. Thorheit wäre es, zu sagen, die Uhr sei
schlecht. Die wundervollste Flöte hat ausgeblasen, wenn ich die Klappen
zubinde oder verrosten lasse.
Das gesündeste Herz kann in seiner Thätigkeit gehemmt, gestört
werden, wenn irgend ein Feind, der im Körper sitzt, ihm sozusagen den
Hals zuschnürt. Man suche diesen Feind, man hebe gewisse Uebelstände,
und keine Spur eines Herzleidens wird mehr vorhanden sein. Mich bringt
es immer auf, wenn es nur heißt: Herzleiden, Herzleiden. Man ängstigt
ohne Grund die Leute und fügt Aufregung zu der leider schon in übergenügendem
Maße vorhandenen Aufregung.
Ein Mann, in den besten Jahren stehend, klagte mir, er habe nach Aussage
der Aerzte ein Herzleiden; des Herz dehne sich zu sehr aus. Ich
erkundigte mich genau, ob er je krank gewesen sei. Er verneinte dieses,
fügte aber nach einigem Besinnen bei, das müsse er sagen, er habe an
einem Fuß (Bein) unter der Kniebeuge einen Ausschlag. Das war mir
genug. Die kräftige Mannesnatur selbst hatte sich in der wunden Stelle
sozusagen den Kanal gegraben, durch welchen sie die ungesunden Säfte
aus dem Körper ausschied. Meine Aufgabe bestand einzig darin, der sich
selbst heilenden Natur Kanal-Reinigungsdienste zu thun, d.h.
mitzuhelfen, daß ja aller kranke Stoff recht rasch und gründlich
hinausgeworfen werde. Auf das Herz geschah nicht die geringste
Einwirkung. Der Kranke bemerkte noch: so oft der Ausschlag stärker
auftrete, sei's ihm um die Herzgegend herum ganz wohl; wenn der
Aufschlag aber ganz oder größtenteils verschwinde, dann stelle sich
jedesmal ein fürchterliches Herzklopfen ein. Das war alles Wasser auf
meine Mühle. Der Mann erhielt in der Woche zwei kurze
Wickel, einen Unterwickel, einen
spanischen Mantel und einen Fußdampf. Wurde durch
den spanischen Mantel auf den ganzen Körper auflösend und ableitend
eingewirkt, so durch den kurzen Wickel hauptsächlich auf den Unterleib.
Der Unterwickel vollendete die Arbeit des kurzen Wickels, und der Fußdampf
zog den etwa noch vorhandenen Krankheitsstoff mit nachhaltiger Wirkung
nach unten. In ungefähr drei Wochen schied der Körper überaus viel,
ich hoffe, alles Ungesunde aus. Das Herzleiden war spurlos verschwunden.
Wenn demnach in früherer Zeit und auch nach Heilung des kranken Körpers
kein Herzleiden da war, kann und darf ich da nicht mit Fug und Recht
behaupten, daß überhaupt niemals und zu keiner Zeit ein solches
vorhanden gewesen ist?
Nachts 10 Uhr wurde ich zu einer Hausmutter gerufen, die nicht mehr
reden konnte des schweren, harten Athems wegen. Der Herzschlag war so
stark, daß man seine Bewegung auf der Bettdecke ganz gut bemerkte und
sein Hämmern selbst in einiger Entfernung deutlich hörte. Im Gaumen
der Kranken schmeckte es ganz süß; sie selbst fürchtete am Blutsturze
zu sterben, woran auch ihre Mutter in demselben Jahre bereits gestorben
war. Der behandelnde Arzt erklärte, es seien mehrere Leiden vorhanden,
in erster Linie aber ein Herzleiden. Die Hände und die Füße waren
ganz kalt, und fortwährend quälte ein Drang zum Husten.
Hände kalt, Füße kalt, ungewöhnlich starker Herzschlag! Was besagt
dieses? Es muß wohl alles Blut von der Ferne (den Extremitäten) seiner
ursprünglichen Heimath, dem Herzen, zugelaufen Sein. Und es sucht
wieder einen Ausweg. Daher das Klopfen und Hämmern, als wollte es
gleichsam die Riegel (die Klappen) und die Herzthore sprengen. Du hast
ja schon gesehen, was für einen Spektakel es gibt, was für ein Brausen
und Tosen, wenn bei starkem Regen das Wasser an einen Ort zusammenströmt
und keinen Ausweg mehr findet. Mit Gewalt will es sich Bahn brechen.
Der fürchterliche Herzschlag der Frau wurde in fünf Minuten dadurch
bedeutend vermindert, daß ein doppelt zusammengelegtes nasses Handtuch
auf den Unterleib gelegt wurde (Oberaufschläger), wohin das Blut, welches sich, gut
behandelt, wie ein Kind an der Hand führen läßt, bald eine Ableitung
fand. Nach zehn Minuten war der Herzschlag ruhig; dem Herzen, worin der
Hauptfehler steckte, fehlte schon nichts mehr. Die Kranke nahm als
weitere Anwendungen am ersten Tage im Bette zwei Ganzwaschungen vor; am
zweiten Tage bekam sie den spanischen Mantel, am dritten einen
Kopfdampf, am vierten einen Fußdampf. In dieser Reihenfolge setzte sie
die Uebungen eine Zeit lang fort. Der Unterleib, der am längsten nicht
Vernunft annehmen wollte, war der Hauptübelthäter und bei dem heftigen
Ueberfalle in der Nacht jedenfalls der Rädelsführer und Anstifter
gewesen. Das Wasser indessen kühlte zuletzt auch ihm das Müthchen, und
Alles war wieder gut, sehr gut auch das Herz, dem, so viel ich weiß,
auch später nie mehr etwas gefehlt hat.
Ein Herr von Stand war längere Jahre schon leidend und konnte nur mit
großer Mühe seinem Berufe nachkommen. Eine ungewöhnliche Ängstlichkeit
vermehrte seine Peinen. Das kleinste Vorkommniß brachte ihm
Herzklopfen, Erregtheit, Furcht. Seine Umgebung mußte sehr vorsichtig
sein im Berichterstatten. Freude und Leid bewirkten stets Störungen im
Herzschlag. Zur Sommers- wie Winterszeit mußte gebeizt werden, und es
erheischte ein fortwährendes Aufpassen, daß die Zimmer ja stets ihren
bestimmten Wärmegrad hatten. Die berühmtesten Aerzte wurden zu Rathe
gezogen; sie kamen bei den Beratungen darüber überein, der Patient
habe, abgesehen von angegriffener Lunge, Leber und Hämorrhoiden einen
organischen Herzfehler, der wohl mit einem Herzschlage enden werde. Der
Herr starb wirklich. Des merkwürdigen Leidens wegen wurde der Leichnam
secirt. Und was stellte sich heraus? Daß Lunge, Leber und Herz mit zu
den gesündesten Organen gehörten, daß sich nur um das Herz eine Masse
von Speck angesetzt, deßgleichen sich auf der Brust eine Schichte Speck
gebildet hatte. Der Herr starb also eigentlich an Blutmangel. Das Blut
ging aus, da es durch Muskel- und Speckbildung gänzlich absorbirt,
aufgezehrt wurde. Ein Arzt selbst, der dabei war, hat mir dieses erzählt,
und er hat hinzugefügt: "Bei diesem Falle ist die Wissenschaft
wieder einmal gründlich betrogen worden."
Ein Mädchen klagt: "So oft ich schnell gehe oder über etwas
erschrecke oder etwas fürchte, deßgleichen so oft ein Unglück erzählt
wird, fühle ich stets einen argen Druck in der Herzgegend, und das Herz
klopft so heftig, daß ich Furcht bekomme, ich müsse plötzlich
sterben. Dabei werden Hände und Füße kalt, und in das Herz kommt eine
große Hitze. Ich habe eben, wie mir auch von zwei Aerzten gesagt worden
ist, ein Herzleiden." Ein Herzleiden natürlich, was könnte es
denn anders sein?
Wie klar, wie sonnenklar liegt hier die Sache. Wenn ein Kind unter der
Hausthüre sitzt, und es kommt ein großer Hund, da schreit es, springt
auf und flieht erschreckt in das Haus hinein und ruft: "Mutter,
Mutter!" Und wenn das arme Herz durch besondere Ereignisse
erschreckt wird, dann schreit und sprangt es gleichsam auf in heftigem
Pochen, und das Blut flieht von den Hausthüren, den Ausgängen des Körpers,
den Extremitäten, in's Haus, in's Herz hinein, und dieses klopft dann
noch mehr und schreit, daß man es Strecken weit hört. Was ist da
Ausfallendes, wo ist da ein Herzleiden? Das Mädchen soll zu allererst
alle unnützen und schädlichen Einmummungen und Einhüllungen u.s.w.
ablegen, dann mit leichteren Abhärtungsmitteln beginnen. Das zarte
Wesen wird dann nicht mehr vor jedem Bellen eines Hundes, vor jedem
Pfiff der Lokomotive scheu werden. Täglich dreimal je eine Minute in's
kalte Wasser stehen bis über die Waden, ebenso oft die ganzen Arme in's
kalte Wasser halten - das sind vortreffliche Stärkungsmittel. Sollte es
zu kalt werden, so kann das naive Ding ja etwas auf das kalte Wasser
blasen, es wärmend anhauchen. Probatum est! (Es ist bewährt!)
Diese Uebungen währen eine Woche. Dann kann sich die Kranke dreimal in
der Woche Nachts vom Bette aus schnell mit kaltem Wasser ganz abwaschen
und einmal wöchentlich bis unter die Arme in's frische Wasser gehen (Kaltes
Vollbad),
nur eine halbe Minute lang, dabei den Oberkörper kräftig abwaschen.
Diese Uebungen füllen die zweite Woche. In der dritten und vierten
Woche endlich soll die Kranke täglich zwei Ober- und
Untergüsse sich
geben lassen und darauf durch Bewegung oder Arbeit sich zu erwärmen
trachten. In sechs Wochen war das Mädchen gesund, und alle Herzübelskrupel
waren weggewaschen.
Ein Fräulein kommt und bittet um Hilfe. Es erzählt also: "Ich
habe den Kurs als Musiklehrerin mit der ersten Note bestanden, und sechs
Jahre lang habe ich Musik gelehrt in einem Ordensinstitute. Jetzt habe
ich so viel Kopfleiden, daß ich kaum mehr ein Instrument hören kann,
weder Orgel noch Klavier noch Violine. Selbst die Glöcklein am Altare
geben mir heftige Stiche im Kopfe. Die Aerzte nennen meinen Zustand ein
Nerven- und Herzleiden. Gesund wäre ich in's Kloster aufgenommen
worden; so aber bin ich berufs-, selbst brodlos und leide unsägliche körperliche
und geistige Schmerzen."
Der Erzählerin entgegnete ich:
"Ihnen kann ich nicht helfen. Sie müssen sich anderswo Hilfe
suchen." Auf die Frage, warum ich denn gerade ihr eine so harte
Antwort gebe, sagte ich rundweg: "Sie werden als Stadtfräulein mit
höheren Studien, mit solchen Sprach- und Musikkenntnissen doch nicht
thun, was ich haben will; im Uebrigen ist Ihr, wenn auch tief
beklagenswerther Zustand, heilbar." Rasch entschlossen erklärte
sie: "Um gesund zu werden, werde ich thun, was immer Sie
verlangen." Und sie hat Wort gehalten. Ich schickte sie zehn Tage
lang mit den weiblichen Dienstboten - es war März - auf die Wiesen
hinaus, dort solle sie barfuß
gehen. Täglich bekam sie zu allmähliger
Ueberleitung in's Kalte ein warmes Fußbad und einen
Oberguß. Statt des
warmen Fußbades kniete sie nach sechs Tagen täglich in's
kalte Wasser, so daß
das Wasser bis an die Magengegend reichte. Feldarbeit machte sie der
Bewegung wegen mit, so weit Uebung und Kraft es erlaubten.
Nach zehn
Tagen kehrte das Fräulein zu einem Wohlthäter zurück, welcher ihr die
Studien ermöglicht und auch die Wasserkur angerathen hatte. Sie setzte
all' die Uebungen, aber auch mit Lust und Freude die liebgewonnenen
Haus- und Feldarbeiten fort. Statt des Geigenbogens und der Klavier- und
Orgelhefte nahm sie fleißig Spaten, Rechen und Gabel in die Hand. Je
mehr der Körper aufhörte, schwach und siech zu sein, um so mehr, in
demselben Grade schwanden auch das Nerven- und Herzleiden und alle sie
begleitenden Beschwerden. Nach vier Monaten hatten auch die letzteren
aufgehört, und die Frische und die Gesundheit der Kindheit waren
wiedergekehrt.
Ein Studierender der Theologie kam und fragte mich, was er anfangen
solle; es gehe bei ihm nicht mehr so recht aufeinander, und die Aerzte
sagten, er habe neben Anderem ein Herzleiden. So gerne wäre er Priester
geworden, aber bei solchem Kopfweh, bei solchem Herzklopfen und der
damit verbundenen Beengung und Bangigkeit höre einfach Alles auf.
Alles, was er sehe und höre, komme ihm nur als Schein vor.
Ich rieth dem Patienten, er solle seinen Körper vernünftig abhärten.
Das thue ihm nichts, denn er sei gut gebaut. Später solle er das Fach wählen,
welches ihm gefalle. Nach wenigen Wochen setzte er seine Studien fort
und wurde nach zwei Jahren Priester, und wenige seiner Kursgenossen
werden ihn an Gesundheit und Kraft übertreffen. Jeden Morgen ging der
junge Herr über eine halbe Stunde barfuß im Morgenthau, täglich stieg
er in's Wasser bis an die Magengegend (Halbbäder)
mit Waschung des Oberkörpers.
Leichte Arbeiten ersetzten ihm die Bewegung, wenn ihm der Regen seinen
Lieblingswunsch, die Wälder aufzusuchen, benahm. Zur Stärkung
gebrauchte er später reichliche Obergüsse, täglich einen, oft zwei,
im Wechsel mit Halbbädern.
Kopf- und Herzleiden verschwanden mit der
Zunahme der allgemeinen Körperkraft.
Hexenschuß
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Agatha kommt und erzählt: "Mein Mann hat heute Nacht, ich weiß
nicht wie, schreckliche Schmerzen auf dem Rücken zwischen den
Schulterblättern bekommen. Der Schmerz reicht bis an die rechte
Schulter. Er schreit oft vor Schmerzen, wenn er sich bewegen will. Es
ist ihm gar nicht möglich, aufzusitzen. Diesen Hexenschuß hat er schon
öfters bekommen, aber noch nie so stark. Was soll er wohl thun?"
Antwort: Wenn der ganze Rücken alle Stunden mit warmem Wasser und Essig
gewaschen und ordentlich zugedeckt wird, so wird der Schmerz bald
verschwinden. Es könnten auch warme Ueberschläge gemacht und nach
jeder Stunde gewechselt werden. In drei bis vier Stunden ist gewöhnlich
das Uebel der Hauptsache nach gehoben. Man kann noch zweimal mit warmem
Wasser und Essig den Rücken waschen.
Der Hexenschuß ist häufiger aus dem sogenannten Kreuze und verursacht
große Schmerzen. Auch hier hilft wieder am ehesten: auf ein warmes Tuch
sich legen, das in heißes, mit Essig vermischtes Wasser getaucht ist (Unteraufschläger).
Es reicht auch hier gewöhnlich aus, die Unterlage zwei- bis dreimal,
nach je einer Stunde frisch einzutauchen.
Hüftnerven-Entzündung
(Ischias) Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Beamter litt über ein Vierteljahr an heftigen Schmerzen im linken
Schenkel bis hinunter zu den Knöcheln. Er hatte alles Mögliche
angewendet; zuletzt wurde ihm empfohlen: Warmhalten und Ruhe, - das
seien die einzigen Mittel zur Heilung. So suchte der Herr seine leidende
Stellen möglichst zu erwärmen durch warme Tücher, warme Platten, und
zuletzt nahm er noch ganz warme Bäder, so warm er sie ertragen konnte.
Die Schmerzen jedoch steigerten sich, die Kräfte nahmen zusehends ab,
das Körpergewicht verringerte sich um mehr als einen halben Zentner,
und er konnte selten eine Stunde schlafen.
Endlich faßte er Muth, das Mittel zu gebrauchen, das er am meisten gefürchtet
hatte: das kalte Wasser.
Täglich bekam er zwei oder drei Anwendungen: 1) einen Rückenguß am
Vormittag, 2) Nachmittags Oberguß; am zweiten Tag: am Morgen Oberguß,
Nachmittags Rückenguß; jeden zweiten oder dritten Tag ein Halbbad;
mitunter auch Barfußgehen, also
Abhärtung.
Gleich nach dem ersten Guß konnte der Patient Nachts vier Stunden
Schlafen; so gewann er Schlaf, besseres Aussehen, mehr Appetit. In vier
Wochen hatte seine Krankheit kaum noch Bedeutung, und in sechs Wochen
war er vollständig geheilt.
Ein Professor aus Ungarn leidet seit sieben Jahren an Hüftnervenschmerzen
und besuchte deßhalb verschiedene Bäder: Ofen, Teplitz, Heviz u.a.,
jedoch ohne Erfolg, gebrauchte auch Dampfbäder. Seit zwei Jahren leidet
er an Schlaflosigkeit. Appetit ist gut, Stuhl stets angehalten, Blähungsbeschwerden,
Kopf eingenommen, am meisten in der Frühe. Besonders klagt der Patient
über außerordentliche Empfindlichkeit gegen Temperaturveränderungen
und anhaltendes Kältegefühl am ganzen Körper, obwohl er seit drei
Jahren immerwährend Jäger'sche Wollkleidung trug. Ferner bestanden
talgartige Ausscheidungen auf der Haut und unangenehme Feuchtigkeit der
Hände.
Er bekam hier folgende Anwendungen: Jede Nacht Ganzwaschung; Vormittags
Oberguß; Nachmittags Rückenguß; alle zwei Tage ein
Halbbad; Kniegüsse;
auch Sitzbäder gegen die
Verstopfung.
Der Erfolg war ein vortrefflicher innerhalb 24 Tagen. Nach dem vierten
Tage schon trat ruhiger, die ganze Nacht anhaltender Schlaf ein und
blieb seitdem gut. Das langwierige Ischias-Leiden ist ganz gewichen. Die
Haut ist auch wieder normal. Der Herr ist überglücklich.
Ueber seine jetzige Bekleidung rühmt er: "Ich trage so leichte
Kleidung, auch an kühlen, regnerischen Tagen, als Jemand im Hochsommer
haben kann: leinenes Hemd, leichte Socken, und fühle mich dabei so warm
und bin gar nicht mehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse; es kommt
mir alles wie ein Wunder vor."
Hypochondrie
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Mit den Hypochondern wie mit den Skrupulanten (Perfektionisten) habe ich stets inniges
Mitleid. "Es ist eben ein Hypochonder, ein Skrupulant!"
Tausendmal kann man dieses hören. Eine wohlfeile und fade Rede! Und
dann lacht man noch dazu und thut dem Armen in liebloser Weise oft recht
wehe. Gerade diese Kranken verdienen unser größtes Mitleid und unsere
regste Theilnahme. Ich frage mich immer: "War dieser Hypochonder
(dasselbe thue ich bei Skrupulanten) einmal ein normaler Mann? Gab es
eine Zeit, wo er vernünftig dachte und wacker arbeitete?" Wenn ich
nun bejahende Antwort erhalte, dann wäre es doch von meiner Seite
unvernünftig, zu glauben, diesem Menschen fehle nichts, er treibe
solche Thorsten, solches Selbst und Anderer Matyrium aus reinem Vergnügen.
Ich muß mir vielmehr sagen: mit diesem guten Mann muß im Innern, im Körper
oder im Geist eine Veränderung vorgegangen sein, d. h. er muß recht
krank sein, daher solche Erscheinungen. Und ich fahre also fort: Suche
man das, was sich geändert hat, zu heilen, den früheren gesunden
Zustand wieder herzustellen; das Hypochonderwesen hört dann von selbst
auf. Gerade die tüchtigsten Leute, die sich durch Studium viel abmühen,
verfallen oft in diese Art Gemüthskrankheit. Es wird ihnen wie
eingeblasen. Im bestgebauten Hause kann plötzlich was ausbrechen.
Nach meiner Ansicht ist bei der Hypochondrie, wie bei jeder Geistes- und
Gemüthskrankheit, die Wurzel des Uebels stets im Körper, im kranken Körper
zu suchen. Nur bei solcher Auffassung wird man sicher und mit Erfolg
heilen. Man suche bei solchen Kranken das Schlaffe zu wecken, das Geschwächte
zu stärken, das Unthätige wieder in bessere Bewegung zu bringen; mit
einem Worte: man bringe den Blutumlauf in das richtige Geleise, und der
Hypochonder wird geheilt sein.
Ich kannte einen Mann von herrlichen Geistesgaben. Viele, viele Jahre
lebte er ganz glücklich in seinem Berufe und that mit Leichtigkeit und
Begeisterung Arbeit für Zwei. Auf einmal ward er Hypochonder und kam
soweit, daß er um seine Berufsarbeiten sich nicht mehr im Mindesten kümmerte,
Alles scheute und fürchtete, jede Gesellschaft floh.
Statt der Hilfe, der Theilnahme, der er mehr als jeder Andere bedurfte,
hörte er täglich und stündlich das verachtende Urtheil: "Sie
sind eben Hypochonder, Ihnen kann man nicht helfen!" Sollte das
nicht einen Mann niederdrücken müssen?
Merkwürdig! Der Herr hatte (ich erfuhr es von ihm selbst) schon zwei
Wasserheilanstalten besucht, sie verschlimmerten den Zustand. Die
Anwendungen waren zu drastisch, zu stark, zu gewaltsam; sie halfen bei
diesem halbzerstörten Bau mit, noch mehr einzureissen, nicht
auszubauen.
Gerade in diesem Falle hatte ich Gelegenheit, wieder auf's deutlichste
zu sehen. wie das Wasser, auf's gelindeste angewendet, die besten und
solidesten Erfolge sichert. Daß so ein Uebel nicht in wenigen Tagen
gehoben werden kann, ist klar.
Wer die gewöhnlichen Regeln für Gesundheits- und Körperpflege (vernünftige
Nahrung, Kleidung, Lüftung, Erholung, Reinlichkeit) befolgt, wird diese
fatale Laus nie in den Pelz bekommen. Bei etwaigen Meldungen, gleich im
Beginne, kann ihr leicht der Abschied gegeben werden.
Die geeignetsten Wasseranwendungen bestehen in Ganz- und
Theilwaschungen,
in Bädern (Halbbädern), besonders dem
Sitzbade, in kurzen
Wickeln,
zuletzt in kalten Ganzbädern.
Noch zwei Punkte, die mich drücken, mögen hier mit einem Worte stehen.
Es ist ein Unglück unserer Zeit, daß man so viel auf geistige Getränke
(Alkohol) hält, daß selbst junge Leute sich an starke Weine so leicht gewöhnen.
Alle diese scharfen Sachen gießen Oel in's Feuer; Blut und Säfte
unserer jetzigen geschwächten Generation können derlei Zeug nicht
brauchen. Bleibe man doch nüchtern und einfach, und manches Leiden, das
eigentlich erst in der "Neuzeit" und mit dem
"Fortschritt" auf die Krankheitsbühne trat, wird allmählig
wieder hinter den Coulissen verschwinden.
Als einen weiteren Uebelstand möchte ich es sodann bezeichnen, daß so
viele Menschen sich fast ausschließlich von Fleisch nähren wollen, daß
die trefflichen Milch- und Mehlspeisen, welche die besten Säfte, das
beste Blut ohne alle Schärfen liefern, so sehr verachtet und gemieden
werden. Das kann keine guten Folgen haben, ist auch Unnatur. Den
Raubthieren allein hat der Schöpfer Magen und Gebiß nur für's Fleisch
zugerichtet. Dem Menschen, wegen dessen Alles erschaffen ist, hat er
sein Nahrungsgebiet nicht so enge begrenzt. Thoren sind, - zu ihrem
eigenen Verderben, - die Solches thun.
Vom Impfen und den schlimmen Folgen
desselben Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Bauer aus Altbayern erzählt: "Ich habe ein Kind zu Hause, das
am ganzen Körper geschwollen ist. Die Füße sind ganz dick, der Leib
ist doppelt so dick, als er sein sollte, der Kopf wie der Oberkörper,
Alles ist angeschwollen. Das Kind ist schon seit drei Vierteljahren
nicht mehr gesund, das Elend steigert sich von Woche zu Woche. Es
bekommt bald da, bald dort kleine Geschwüre, die schnell aufbrechen,
jedoch alsbald wieder zuheilen, und ihnen folgen wieder an anderer
Stelle solche Geschwüre. Ich war in München bei drei Aerzten, habe
noch andere Aerzte gefragt und gesucht, wo ich glaubte, Hilfe zu finden,
aber immer vergebens."
Dem Bauer rieth ich: "Sieden Sie Heublumen, eine halbe Stunde lang,
tauchen in diesen Absud ein leinenes Hemd ein, winden es aus, legen es
dem Kinde an (siehe: Nasses Hemd) und wickeln dieß in eine wollene
Decke, lassen es 1 1/2
Stunden im Wickel und machen es so täglich zweimal. An jedem dritten
Tag lassen Sie das Kind ein Heublumenbad nehmen, wobei möglichst
viele Heublumen im Wasser bleiben. Das Wasser sei so warm, daß das Kind
gerne hineingeht und gerne 25 bis 30 Minuten darin verbleibt."
Nach vierzehn Tagen war das Kind schon ziemlich normal, heiter, bekam
Appetit, und die weiteren Anwendungen waren folgende: Jeden dritten Tag
war das Kind wieder einzuwickeln (Nasses
Hemd + wollene Decke), eine Stunde lang, am vierten Tag in
ein warmes Heublumenbad zu bringen, aber vom warmen Wasser aus recht tüchtig
kalt abzuwaschen.
So wurde zehn bis vierzehn Tage fortgemacht, dann war das Kind ganz
gesund.
Ein Herr erzählt: "Ich war in meinem Leben stets gesund. Vor zehn
Jahren, als die Blattern
in meiner Umgebung herrschten, ließ ich mich,
wie viele Andere, impfen. Ich bekam keine Blattern.; aber es blieb die
Impfstelle am rechten Arm immer etwas geröthet. Dazu kam ein kleiner
Ausschlag um den Impfschnitt. Ich merkte acht Jahre hindurch bloß, daß
die entzündete Stelle sich erweitere, und jetzt, nach zehn Jahren, habe
ich die nassen Flechten
so lästig, daß ich ganze Nächte keine Ruhe
finde. Diese Flechten sind bald stärker am einen Arm, bald am andern,
und so ist auch der Wechsel an den Füßen. Angewendet habe ich viel,
die giftigsten Salben auf der Hautfläche; eingenommen habe ich auch
viel, Alles ohne Erfolg."
Anwendungen: Sicher sind hier das Blut und die Säfte verdorben, und die
Flechtenstellen dienen bloß zum Ausfluß der verdorbenen Säfte. Somit
ist nothwendig, daß auf den ganzem Körper eingewirkt werde, alles
Krankhafte in Blut und Säften aufzulösen und auszuleiten.
1. In der Woche dreimal in der Nacht den ganzen Körper vom Bette aus
waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett gehen.
2. Die Flechtenstellen mit einem Absud von Foenum graecum täglich zwei-
bis dreimal gut auswaschen. Statt gesottenem Foenum graecum wird gut
wirken Aloe, in heißem Wasser aufgelöst, zu einem Liter Wasser ein
Kaffeelöffel Aloe.
3. Zweimal in der Woche den spanischen
Mantel. So vierzehn Tage lang bis
drei Wochen fortgemacht.
Weitere Anwendungen: in einer Woche oder innerhalb vierzehn Tagen ein
warmes Bad mit kaltem gewechselt
(das kalte Bad etwa 1 Minute - ruhig zwei oder drei mal wechseln). Gut wäre während
dieser Kur etwas Wermutthee, täglich zweimal je drei bis vier Löffel
voll.
Katarrh
(Schleimhautentzündung) Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Die zahlreichsten Katarrhe entstehen dadurch, daß man vom Aufenthalte
in der Kälte und im Freien, vielleicht gar schwitzend, schnell in einen
ziemlich warmen Raum kommt. Auch kalte Zugluft, der man
einige Zeit ausgesetzt war, kann schnell einen Katarrh reifen. Gewöhnlich
fühlt man fast sofort eine Verengung auf der Brust, im Halse, in der
Nase. Es ist, als stecke einem ein kleiner Knödel im Halse. Uebersieht
man diesen im Anfange des Katarrhs, so setzt er sich fest und breitet
sich aus. Empfänglicher ist, wer zu warme Kleider trägt, wessen Körper
und einzelne Organe in Folge dessen sehr verweichlicht sind. Gar nicht
schwer wäre es (ich sage es kühn), von jedem Katarrh frei zu bleiben,
wenn man seinen Körper nicht "barbarisch", sondern nur vernünftig
abhärtete, wie dieses schon an so manchen Stellen betont wurde.
Wie muß man es anfangen, um verschont zu bleiben? Ein Beispiel soll uns
darüber unterrichten. Ich bin eine Stunde weit stets in ziemlich starkem
Tempo gegangen. Es ist draußen "hübsch frisch", wie der
Bauer die Hände reibend sagt; es hat gegen 12 Grad Kälte. Ich komme
ohne Vermittlung in ein Zimmer von 14 Grad Wärme. Dieser plötzliche
Temperaturwechsel von 26 Grad kann ja nicht ungerächt sich vollziehen,
er muß Gefahr bringen. Am besten hätte ich gethan, ich wäre die
letzten 5 bis 20 Minuten obiger Stunde um ein Weniges langsamer gegangen und
dann noch einige Minuten in dem kühlen Hausflur geblieben, stets in
einiger Bewegung. So hätte die durch das rasche Gehen erhöhte Wärme
etwas abnehmen und der Schweiß sich verlieren können. Der Wechsel der
Luft wäre so vermittelt und, wenn ich auch im Innern des Zimmers noch
einige Zeit aus- und abgegangen wäre, völlig gefahrlos gewesen.
Spürst du die Folgen deiner Unvorsichtigkeit, den kleinen Knödel im
Halse, wohlan, gehe nochmals in's Freie und mache dir eine leichte
Bewegung in der frischen Luft! Diese wird in einer halben Stunde alles
Ueberflüssige im Halse auflösen und entfernen.
Die Heiserkeit ist nichts Anderes als die Ausdehnung des Katarrhs in den
Sprechorganen. Das silberne Glöcklein gibt, wenn unterbunden, keinen
Klang, die herrlichste Stimme bei durch Geschwulst belasteten
Sprechorganen keinen Ton. Man hebe den Katarrh, und seine Gefährtin,
die Heiserkeit, wird ihm ohne Säumen folgen!
Folgende Bemerkung noch dürfte Manchem einen Dienst erweisen. Es gibt
Leute, die Anlage haben, viel zu hüsteln. Jede Kleinigkeit, z.B. ein
Kitzel der frischen Luft, ruft dieses Bellen hervor; es thut nicht wohl
und thut nicht weh. Solche Menschen husten Jahre lang ohne den
geringsten Schmerz. Gewöhnlich ist ein derartiger Zustand von den
Eltern geerbt und dann schwer zu entfernen. Er hat indessen gar keine
Bedeutung, rühre nun das Hüsteln aus dem Halse, rühre es von tiefer
gelegenen Organen her. Solche Leute mag das Sprichwort trösten: Wer
lang hustet, lebt lang. Andere Erbtheile dagegen sind nicht so
unschuldig, oft recht ernst und bedenklich und aller Beachtung werth.
Dahin gehören z.B. die in irgend einer Familie oder Verwandtschaft
herrschende Auszehrung, Schwindsucht
u.s.w.
Da gilt der Grundsatz: Principiis obsta! (Wehre den Anfängen!) Gleich den ersten Anfängen
entschieden und wirksam entgegentreten mit aller Umsicht und Vorsicht!
Sonst kostet es Opfer früher oder später, leider oft recht früh. Ein
kleiner vernachlässigter Katarrh kann, wo es sich in einer Familie um
Schwindsucht handelt, der Borkenkäfer werden, der die stärkste Tanne,
den kräftigsten Körper ruinirt und stürzt, in's Grab bringt. Vorsicht
also! Durch kluges Verfahren können selbst ererbte Leiden ohne weitere
schwere Folgen recht in die Länge gezogen werden.
Kniegeschwulst
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Mädchen, 30 Jahre alt, bekam eine starke Geschwulst von oberhalb
der Knöchel bis über das Knie hinaus. Die Geschwulst war zeitweilig
sehr schmerzlich, ganz fest und heiß. Die Kranke gebrauchte ein halbes
Jahr ärztliche Mittel, unter Anderem einen Gipsverband zwölf Wochen
lang und einen zweiten acht Wochen lang. Der Zustand verschlimmerte sich
so, daß der Fuß den Boden gar nicht mehr berühren durfte; besonders
schmerzte das Kniegelenk.. Weil Alles nichts geholfen, wurden
versuchsweise angeschwellte (gekochte) Heublumen aufgebunden und zwar von oberhalb
der Knöchel bis zur Mitte der Oberschenkel. Die Schmerzen ließen bald
nach, und die Schwellung nahm ab; als die Geschwulst zur Hälfte
verschwunden war, wurden auch Gießungen auf den leidenden Fuß
vorgenommen (jeden zweiten Tag). Nach ungefähr acht Wochen war der
ganze Fuß zum Gehen brauchbar, und nach einiger Zeit konnte das Mädchen
wieder an seine sehr strenge Arbeit gehen.
Knochengeschwüre
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Oft treten rings um die Knochen harte Geschwülste auf, besonders gerne
unten am Kinnbacken, an den Knöcheln, am Knie, auch an anderen
Knochenstellen. Man könnte fast meinen, der Knochen selbst sei
gewachsen. Daß die Sache nicht ohne Bedeutung sei, zeigt der meistens
fiebernde Körper an und die Langwierigkeit der Heilung (oft 14 Tage bis
drei Wochen). In der That erheischen solche Geschwülste stets große
Vorsicht in der Behandlung und schnelles Eingreifen. Bei Vernachlässigung
tritt gerne Knochenfraß ein, und dann ist die Hilfe nicht mehr leicht,
oftmals unmöglich.
Die kräftigsten und schnellsten Heilmittel bestehen in einem zwei-,
drei- bis vierfachen Wechsel mit Umschlägen an der geschwollenen Stelle
(siehe: Wickel).
Am erprobtesten gelten mir Umschläge mit Absud von Heublumen, von
Haberstroh = Haferstroh (vom Bauern oder aus dem Kräuterladen), ferner Umschläge mit abgekochtem
foenum graecum und mit Topfenkäs (Zieger
- Ziger ist eine Masse, die sich beim Erhitzen von saurer Molke
abgeschieden wird. Eventuell im Käsegeschäft kaufen.)
Bei einer Fußknöchelgeschwulst wird ein Unter- oder ein
kurzer Wickel
gute Dienste thun und die Heilung beschleunigen, bei einer
Kinngeschwulst ein Shawl oder Halswickel, auch der
kurze Wickel, bei
einer Kniegeschwulst ein Wickel des ganzen
Fußes. Es genügt täglich
eine der genannten Anwendungen.
Kolik
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Kolik mit Abweichen
(Durchfall) oder mit Erbrechen tritt oft plötzlich auf. Man
kennt keinen Grund und keine Veranlagung. Es kann eine Erkältung, eine
Erhitzung vorangegangen sein, oder irgend eine Speise, ein Trank hat der
Natur den Spuck gespielt. Man bringe einen derartigen Kranken ungesäumt
in's Bett, lege ihm ein warmes Tuch (vielleicht auch eine Bettflasche)
auf den Leib und decke ihn gut zu (ja nicht zu peinigend), so daß keine
Luft zudringen kann. Als Linderungsmittel reiche man ihm einen Schoppen
Milch, in der Fenchel oder Kümmel gesotten wurde. Das einfache
Hausmittel wird genügen.
Was die Speise und das Getränk betrifft, so lange der Zustand dauert,
so wähle man recht einfache, wenig gesalzene, wenig gewürzte, leicht
verdauliche Speisen. Wem als Getränk Wasser oder Milch ausreicht, den
lobe ich mir. Wasser mit etwas Wein kann ich auch nur empfehlen.
Kopfflechten
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Eine Bauerstochter erzählte: "Ich habe schon ungefähr zwei Jahre
stets Kopfausschlag, auch im ganzen Gesichte, bald stärker, bald schwächer;
unter den Haaren bilden sich viele größere und kleinere Geschwüre,
aus denen hitzige Flüssigkeit kommt. Ich habe häufig ein starkes
Beissen am Körper, im Innern merke ich beständige Hitze; ich habe
schon viel eingenommen, besonders Abführmittel, geheilt wurde ich
nicht.
Die Wasserkur hat mich in sechs Wochen ganz hergestellt. Ich mußte
folgende Anwendungen 3 Wochen hindurch gebrauchen: 1) In der Woche
dreimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder in's
Bett; 2) in jeder Woche zweimal ein nasses Hemd anziehen, in Salzwasser
getaucht; 3) in der Woche einen Kopfdampf nehmen. Zur vollständigen
Ausheilung und Kräftigung weitere drei Wochen: einmal in der Woche ein nasses Hemd
anziehen und ein- oder zweimal in der Woche ganz waschen.
Zum Einnehmen täglich zweimal jedes mal 20 Tropfen Ginster-Extrakt in
einem Glas Wasser."
Kopfleiden (eigener
Art) Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ein Herr von hohem Stande hatte ein Kopfleiden ganz eigener Art. Es
begann regelmäßig Morgens 7 Uhr, dauerte bis Abends zum
Sonnenuntergang und war derart schmerzlich, daß der Herr nicht einmal
leichte Sachen lesen, viel weniger die Schreibereien seines Berufes
besorgen konnte. Zur Nachtzeit fühlte er keine Spur von diesem Schmerz;
dieser war wie weggeblasen, vorausgesetzt, daß er nicht geistig sich
angestrengt hatte. Die Schmerzstelle befand sich an der Stirne links und
hatte den Umfang ungefähr eines silbernen Fünf-Markstückes. Die
Schmerzen griffen nicht den Kopf allein, sondern auch den ganzen Körper
dergestalt an, daß der Herr zusehends abnahm; mit dem frischen Aussehen
wich auch die Kraft. Die berühmtesten Aerzte wurden um Rath gefragt,
auch eine Wasserheilanstalt war schon besucht worden, aber ohne
sichtlichen Erfolg. Da sandten die Aerzte den Patienten zum letztem
Versuch nach Meran, und von da kehrte derselbe, wie es schien, glücklich
geheilt in die heimatliche Großstadt zurück.
Seine Angehörigen begrüßten
ihn mit Jubel und freuten sich innig seiner Genesung. Doch am andern
Morgen Punkt 7 Uhr kehrte der alte unheimliche Gast wieder und faßte
Posto an der früheren Leidensstelle. Ein Ach und Weh war im ganzen
Hause, und guter Rath war theuer. Bekannte erinnerten den Herrn noch
einmal an's Wasser, und zuletzt entschloß man sich zu einem Versuche.
Der hohe Herr sah recht krank aus und war ziemlich abgemagert. Nachdem
er sein Leiden geschildert, bemerkte er noch, er sei selten ohne Katarrh
und besitze auffallend wenig Naturwärme. Man wolle all Dieses einem
viele Jahre früher erlittenen Unfälle zuschreiben. Sei dem, wie ihm
wolle, so schloß er ab, ich kenne jetzt seinen Zustand und solle ihn
heilen.
Das üble Aussehen, die schwache Naturwärme, die daraus folgende
Empfindsamkeit gegen den Wechsel der Atmosphäre, das Abmagern, alle
diese Symptome traten als ebenso viele vollgültige Zeugen auf, welche
nicht den schmerzenden Fleck am Kopfes sondern
die ganze kranke Natur, den ganzen entkräfteten Körper anklagten.
Darnach richtete ich mein Verfahren ein. Auf den Gesammtorganismus wurde
eingewirkt und das lokale Kopfleiden nicht einer Anwendung gewürdigt.
Die einfachen Abhärtungsmittel mit einigen
Waschungen, wie sie im
ersten Theil aufgezählt werden, bewirkten die Heilung, d.i. die gleichmäßige
Transpiration der Haut, die richtige Emulation des Blutes, gute
Verdauung und damit die Hebung der Naturwärme, besseres Aussehen, völlige
Gesundung. Immer die alte Geschichte, und doch kann man sie nie genug
von Neuem erzählen!
Wie richtig mein Urtheil bezüglich des Kopfleidens war, bewies der
Erfolg. In circa sechs Wochen erfreute sich der ganze Körper des besten
Wohlseins. Auch das gefürchtete Stirnleiden brachte die 7 Uhr-Stunde
nie wieder. Dessen Heilung hat das Wasser (wie gesagt, ohne jede
Anwendung auf diese Stelle) bei Heilung des Gesammtkörpers umsonst
obendrein gegeben.
Kopfleiden
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
"Seit 6 bis 7 Jahren," so berichtet ein Herr, "leide ich
mehrere Wochen an einem Kopfweh, das mir die Erfüllung meines Berufes
recht hart und oft unmöglich macht. Es verschwand mir oft aller Muth
und alle Lebensfreude. Ich habe einen Druck in dem Kopf und das Gefühl.
als ob etwas in einer Flüssigkeit umherschwämme. Jeder feste Fußtritt
bewirkt neue Schmerzen im Kopf. Wenn ich durch Gehen oder Arbeiten warm
werde, ist's mir ungefähr, wie es einem recht Betrunkenen sein mag.
Achtmal hatte ich schon Nierensteinkolik. Zwölf Aerzte, die ich wegen
meiner Rückenschmerzen zu verschiedenen Zeiten konsultirte, haben das
Uebel nicht erkannt. Nur ein einziger hat mir etwas Hilfe bringen können.
Nierenschmerzen bekomme ich, wenn ich etwas Saures esse, oder wenn sich
zu viel Gase anhäufen; wenn ich länger gehe und warm werde, wenn ich länger
sitze oder stehe, spüre ich das Uebel gleich. Bald fühle ich eine
Feuerhitze im ganzen Körper, und bald darauf bin ich durch und durch
voll Frost. Der Sommer ist mir immer härter als der Winter. Früher
habe ich viel an Schlafsucht gelitten. Gesund war ich, sehr kräftig,
stark und gut gebaut. Ich glaube, daß man kaum noch elender sein kann,
als ich zwanzig Jahre hindurch gewesen bin. Ich war auch schon einmal in
Königstein in der Heilanstalt, bekam wohl Erleichterung, aber nicht
Heilung."
Die Anwendungen waren: 1) Täglich zweimal Oberguß. 2) Täglich
im kalten Wasser gehen und Knieguß. In der Woche
drei bis fünfmal Rückenguß, öfter
Sitzbad, besonders fleißig die Abhärtungsmittel:
im Gras und auf nassen
Steinen gehen, Thee trinken von Wachholderbeeren,
Hagebutten, Zinnkraut,
aber nur zeitweilig, täglich zwei Tassen.
Innerhalb vier Wochen war er gesund, und jetzt nach einem halben Jahre
kann man sagen, er besitze die volle Gesundheit und auch die vollste
Kraft, geistig und körperlich.
Ein Mann erzählt: "Ich bin 35 Jahre alt, habe beständig Kopfweh
und manchmal eine solche Schwäche, daß ich es fast gar nicht aushalten
kann. Auf der Brust habe ich meistens Schmerzen, gerade so auf dem Rücken.
Am schmerzlichsten ist mir das Genick, wo ein beständiges krampfhaftes
Zusammenziehen ist. Ganz auffallend ist, daß mir die Haare massenhaft
vom Kopfe fallen; wenn es noch ein halbes Jahr so fortgeht, dann habe
ich kein Haar mehr auf dem Kopfe. Füße und Hände sind meistens ganz
kalt. Appetit habe ich gar keinen."
Anwendungen: 1) Dreimal in der Woche ein nasses Hemd anziehen, in
Salzwasser getaucht. 2) Dreimal in der Woche während der Nacht den
ganzen Körper waschen. 3) Täglich eine Messerspitze voll
weißes
Pulver einnehmen.
Nach zwei Monaten zeigte sich dieser Mann und erklärte, daß er jetzt
vollständig gesund sei; er verspüre nur da noch Nachwehen, wo er die
ärgsten Leiden gehabt habe. Sein Körpergewicht hatte um 10 Pfund
zugenommen.
Zwei Herren, Musiker von Beruf, erzählen Folgendes: "Wir haben beide
ein Leiden: Kopfweh beständig, manchmal fast unausstehlich, Schlaf ganz
wenig und unruhig. Congestionen
(Blutandrang) und Schwindel belästigen uns fast zum
Verzweifeln. Füße und Hände sind ganz kalt. Wir sind fast unfähig zu
unserem Berufe." Beide waren über fünfzig Jahre alt.
Zwölf Tage hindurch gebrauchten diese beiden Leidensgefährten
Folgendes: Durch 6 Tage täglich zweimal Oberguß und zweimal
Knieguß;
die folgenden 6 Tage abwechselnd den einen Tag ein Halbbad, den andern
Tag einen Rückenguß; außerdem einmal wöchentlich je einen
Kopfdampf.
Nach diesen 12 Tagen waren Beide hergestellt und übernahmen wieder
ihren Beruf.
Um die Gesundheit zu bewahren und an Kräften zu gewinnen, war weiter
nichts mehr nothwendig als taglich eine Anwendüng zur Abhärtung und
zweimal wöchentlich ein Halbbad. Zufolge neuerdings gegebenen
Nachrichten hielt die Besserung vollkommen an.
Ein Herr aus Ungarn kommt mit folgenden Angaben: "Mehr als ein Jahr
bin ich zu meinem Berufe unfähig wegen heftiger Kopfschmerzen und
starken Schwindels. Am ganzen Körper habe ich intensives Beissen und
Brennen, das mir oft den Schlaf raubt. In Folge des Leidens bin ich
theilweise schwermüthig und recht ängstlich."
Nach wenigen Wochen trat vollkommene Genesung ein unter Gebrauch
folgender Wasserkur: 1) Oberguß, gleich darauf
Wassergehen; 2) Halbbad
täglich; in der zweiten und dritten Woche dreimal ein Halbbad, täglich
Oberguß und Knieguß; 3) späterhin Vollbäder und Oberguß mit
Wassergehen.
Kopfleiden,
nervöses Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Zwei Studenten mußten die Anstalt verlassen, ehe das Schuljahr zu Ende
war. Sie hatten beide so viel Kopfleiden und Blutandrang in den Kopf, daß
sie nicht mehr studiren, selbst nur mehr einige Minuten lesen konnten.
Beide haben durch alle angewendeten Mittel keine Hilfe gefunden. Ich gab
diesen armen Studirenden den einfachen Rath, sie sollen die meiste Zeit
des Tages mit Barfußgehen, besonders im Thau zubringen; sie sollen wo möglich
im Wald oder in irgend einem Bächlein jede Stunde einige Minuten
hineinstehen (siehe: Gehen im
kalten Wasser), dazu noch täglich zwei, bei warmer Witterung sich drei Obergüsse
geben lassen.
Die beiden Jungen befolgten diesen Rath, thaten noch mehr, als verlangt
wurde. Das sichtliche Besserwerden machte ihnen Muth, und sie gingen am
Schluß der Vakanz (Schulferien) gesund und freudig wieder in ihre Lehranstalt.
Wenn doch in den Anstalten, wo so viel geturnt wird, auch ähnliche Turnübungen
vorgenommen würden, bei denen die Natur nicht erhitzt und aufgeregt,
sondern beruhiget wird! Es ist unglaublich, welche Wirkung das Barfußgehen
auf nasser Wiese oder im Thau ausübt.
Ein Mann von 45 Jahren kommt klagend zu mir und beginnt: "Die
Aerzte erklären mein Leiden für nervöses Kopfleiden. Ohne Kopfbinde
bin ich gar nie; ich habe manchmal einen unausstehlichen Druck am
Hinterkopfe, bald rechts, bald links. Kommt das Leiden auf den Rücken,
dann bekomme ich starkes Herzklopfen, oft mehrere Stunden lang. Der
Appetit vergeht oft ganz; ich habe einen solchen Schwindel, daß ich
nicht mehr allein gehen kann; deßhalb mußte meine Frau mitreisen.
Ueber alle diese Leiden aber geht mein Gemüthsleiden. Ich habe eine
solche trostlose Schwermuth, daß ich mir schon oft den Tod gewünscht
habe." Der Herr war ziemlich beleibt, die Gesichtsfarbe gelblich
und abgestanden, der Leib stark gefüllt.
In 13 Tagen war der ganze Zustand wieder in Ordnung. Das Körpergewicht
hatte viel abgenommen; Kopfweh und Schwindel waren verschwunden; statt
dessen aber waren heitere Stimmung, guter Schlaf und Appetit zurückgekehrt.
Die Anwendungen waren folgende:
1. den einen Tag ein Oberguß und Knieguß Vormittags,
Rückenguß und Wassergehen Nachmittags;
2. den andern Tag Vormittags Rückenguß, später
Wassergehen,
Nachmittags wieder Rückenguß und später
Knieguß;
3. am dritten Tage Vormittags ein Oberguß und
Knieguß, Nachmittags
Ganzguß, später Halbbad.
Der Patient, weil kräftig und stark, erhielt täglich vier Anwendungen.
Krämpfe
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Ich wurde zu einer Kranken gerufen; diese zitterte am ganzen Körper,
und es warf Sie im Bette bald in die Höhe, bald rechts, bald links; die
Kranke selber konnte nicht reden; ihre Mutter erzählte:
"Meine Tochter hat stets schreckliche Kopfschmerzen, ein arges Drücken
auf der Brust und in der Magen-Gegend; Hände und Füße sind stets
eiskalt und naß von einem schmierigen Schweiß; meine Tochter ist drei
Vierteljahre verheirathet; zehn Wochen lang war sie ganz gesund; dann
haben diese Zustände im Kleinen begönnen und sich bis auf diese Höhe
gesteigert; essen kann sie nichts oder höchstens einige Löffel Fleischsuppe oder Kaffee. Alles, was Sie von Aerzten eingenommen,
auch Einspritzungen, und was man zu einem gezwungenen Schlaf
angewendet, hat den Zustand nur noch mehr verschlimmert."
Dieser Kranken gab ich folgenden Rath:
Täglich zweimal die Füße in's kalte Wasser bis über die Waden (Gehen
im kalten Wasser) und
nebenzu die Füße abwaschen mit Schwamm oder Handtuch; gleich daraus
die Hände in's kalte Wasser bis an die Achseln eine Minute lang (Kaltbaden
der Arme), und
nebenzu auch die Hände waschen; Hände und Füße sollen dann unter die
warme Bettdecke kommen; jeden Morgen und jeden Nachmittag soll die
Kranke ungefähr zwölf Kamillen-Tropfen in
6 bis 8 Löffel
voll warmen Wassers einnehmen. Als Nahrung soll sie von Zeit zu Zeit 3
bis 4
Löffel voll Milch essen oder Malzkaffee trinken; besonders empfiehlt es
sich, mit Milch und Malzkaffee zu wechseln.
Nach 12 Tagen war die Person so weit voran, daß sich der Appetit zur
gewöhnlichen Hausmannskost einstellte; die Krämpfe waren verschwunden,
und der drückende Schmerz auf Brust und Magengegend hatte aufgehört;
das Kopfweh war weg, Hände und Füße warm.
Die weiteren Anwendungen waren: jeden zweiten Tag die Füße in's kalte
Wasser, wie oben; zweimal in der Woche ein warmes Fußbad mit Asche und
Salz, 14 Minuten lang, und einmal in der Woche vom Bett aus ganz waschen
und gleich wieder in's Bett. Statt Kamillentropfen hat sie Wermuth- und
Salbei-Tropfen genommen, jedesmal 10 bis 12 Tropfen im warmen Wasser; die
Kranke war so weit hergestellt, daß sie wieder in die Kirche gehen und
ihre Hausarbeit verrichten konnte, und braucht sich, um vollständig
gesund und kräftig zu werden, nur zweimal in der Woche kalt zu waschen;
Halbbäder würden noch kräftigere Dienste thun.
Krätze
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Das verabscheute Uebel der Krätze kann am und noch mehr im Körper viel
Unheil anrichten. Am meisten zu beklagen ist, daß man, um (es sei das
triviale Wort gestattet) diese Laus aus dem Pelz zu treiben, vielfach
seine Zuflucht zu Mitteln nimmt, welche, statt zu heilen, grenzenlos
schaden und den mißhandelten Körper in's größte Elend bringen können.
Wer kennt alle die fettigen Salben mit Schwefel-, Branntwein- und, wer
weiß, mit welch anderen Beimischungen? Eines thun diese eckelhaften
Schmierarzneien: Sie verschließen gründlich die Poren der Haut,
verbarrikadiren der zum Wohlbefinden des Körpers absolut nothwendigen
Transspiration durch fettige Krusten gründlich ihre Luft- und Wasserkanäle,
treiben Schweiß und Ausdünstung in den Körper zurück, vergiften so
Blut und Säfte und bereiten schwere Krankheiten vor, Manchem die
Todeskrankheit. Das ist nicht übertrieben, aber sehr betrübend, wenn
man weiß, wie leicht und schnell und ungefährlich die Krätze zu
heilen ist.
Bei mir suchte ernmal ein 28jährrger, gutgewachsener Mensch Hilfe,
dessen Aussehen mich sofort an ein durch und durch wurmstichiges Brett
erinnerte. Nirgends fand er Rath; man wußte eigentlich nicht, was ihm
fehle. Ich fragte ihn: "Haben Sie in der Jugend vielleicht einmal
die Krätze gehabt? Er bejahte meine vorwitzige Frage, indeß mit dem
Aber: "Sie ist in drei Tagen geheilt worden." - So will ich
nicht heilen. Gott bewahre!
Gerade bei derlei eckelhaften Krankheiten, die deutlicher als alles
Andere auf Giftiges schließen lassen, muß bei der Heilung
obenanstehend der Grundsatz gelten: Was drinnen ist im Körper und nicht
hinein gehört, das muß hinausgetrieben werden. Das Gegenteil
praktiziren wollen hieße, etwa ebenso viel als Ungeziefer in die Kleider
und Haare, Erdkrebse in die Mistbeete, Mäuse in den Acker einpflanzen.
Nach dem Grundsatze richten sich die Anwendungen, die das Ungesunde,
Giftige hervorlocken, ausziehen, entfernen, nebenbei den ganzen
Organismus zu kräftiger Mithilfe stärken müssen.
Erst nahm unser Kranker drei Tage nach einander je ein warmes Bad (33°
Reaumur = 40° Celsius) mit Absud aus Fichtenreisern mit dreimaligem
Wechsel ins kalte Bad (1 Minute). Eine Seife
that ihm vortreffliche Dienste, die Poren allseitig zu öffnen und den
Schmutz zu entfernen. Man muß einmal die Dinge mit ihrem Namen nennen,
- ich kann nicht dafür, - wenn es auch manche Nerven etwas unangenehm
affizirt. Nach den Bädern folgten als stärkende Anwendungen noch in
der ersten Woche nächtliche Ganzwaschungen vom Bette aus und ein
viertes warmes Fichtenreiserbad
mit kalter Abwaschung; in der zweiten Woche ein
warmes Bad mit kalter Waschung und ein kaltes
Halbbad mit Waschung des
Oberkörpers; in der dritten Woche ein kaltes Ganzbad; in der Folge je
innerhalb eines oder zweier Monate ein paar warme Bäder. Sollte die
Heilung sich in die Länge ziehen, so kann mit den zwei letztgenannten
Anwendungen fortgefahren werden. Selbst ein warmes Bad wöchentlich könnte
nur gute Wirkungen haben.
In 6 Wochen war unsere recht armseliger Patient geheilt und konnte sich
endlich einen Beruf wählen. Bis heute dauert seine kräftige Gesundheit
an; von dem früheren lästigen Uebel hat er nie mehr das Geringste
verspürt.
Also behandelt man die nach innen gedrungene Krätze.
Wird jemand äußerlich von der Krätze befallen, so nehme auch er ein
warmes Bad von 33 bis 34° Reaumur = 40 bis 41° Celsius und reibe sich mit scharfer Seife, am
wirksamsten mit "grüner Seife" (Kaliseife), die er in jeder Apotheke bestellen
kann, kräftig ein. Nach 1/4-stündigem Bade wasche er sich mit reinem
Wasser (kalt oder warm) und mit anderer, gewöhnlicher Hautseife ab.
Trefflich würde es wirken, wenn der Kranke sofort in ein zweites
derartiges Bad, jedoch mit erneuertem warmen Wasser steigen könnte (am
Schlusse ebenfalls kalte oder warme Abwaschung).
Da die Krätze in sehr vielen Fällen durch Kleidungsstücke, Bettwäsche
u. f. w. ansteckt und vererbt wird, so ist es eine Hauptsache, nach den
Bädern sowohl die Leibwäsche und Kleidung, als auch die Bettwäsche gründlich
zu wechseln. Alle Anwendungen würden sonst nichts nützen.
In 3 bis 4 Tagen kann auf diese Art die Krätze geheilt werden.
Krebs
Krankheiten
H - K Inhaltsverzeichnis
Eine gar häufige Krankheit unserer Zeit sind die verschiedenartigsten
Krebse. Es ist wohl kaum ein Theil des Körpers, der nicht vom Krebs
oder krebsartigen Schäden zerstört werden könnte. Hat dieses Uebel
einmal weiter um sich gegriffen, so wage ich mit Wasser nichts mehr
anzufangen; Blut und Säfte sind schon zu verdorben.
Die Krebskrankheit ist erblich, zumal wenn bei einem Individuum Blut und
Säfte bereits zu einer derartigen Zersetzung hinneigen.
Mir sind Eheleute bekannt, die eine an Zungenkrebs leidende Base
besuchten. Ohne Ahnung von einem so schrecklichen Uebel entsetzten sich
beide, als sie die schauderhaften Verwüstungen wahrnahmen. Bei der Frau
schwoll die halbe Zunge innerhalb drei Tagen krankhaft an; dem Manne
wurde die Unterlippe entzündet und wund. "Wir haben die Krankheit
geerbt," - so klagend kamen sie zu mir. Ich suchte die bis zum Tode
Erschrockenen zu ermuthigen und ihnen nach Können ihr steifes Behaupten
auszureden. Zugleich rieth ich ihnen, sie sollten den einen Tag mit
Alaunwasser den ganzen Mund, besonders die angegriffenen Stellen ungefähr
viermal gut auswaschen, den zweiten Tag mit Aloewasser die Waschung
wiederholen, zudem jeden zweiten Tag einen Kopfdampf nehmen und im
Wechsel mit dem Kopfdampfe einen Wickel um den Hals anlegen.
Die zwei Personen wurden von dem Uebel ganz befreit. Ich selbst hätte
nie geglaubt, daß bloßer Schrecken die Wirkung habe, eine so
entsetzliche Krankheit zu vererben. Später erfuhr ich, daß sich ein
Arzt wirklich dahin ausgesprochen habe, die Leute hätten das Uebel
geerbt. Von beginnenden Krebsübeln, auch von fortgeschrittenen
kleineren Krebsschäden sind mir mehrere Fälle vorgekommen. Sie konnten
leicht geheilt werden. Alle Anwendungen zielten lediglich hin auf
Reinigung des Blutes und der Säfte.
Krankheiten L - N Inhaltsverzeichnis
Leibschaden
Lungen-Entzündung
Lungenleiden
Magengeschwüre
Magen- und Darmkatarrh
Magenkrampf
Magenleiden
Magen-Säure
Migraine
Nasenbluten
Nervenerschöpfung
Nervenleiden
Nervenüberreizung
Nervenzerrüttung
Nervöses Leiden
Nierenleiden
Leibschaden
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Herr, ungefähr 40 Jahre alt, klagte uber Schwindel,
Congestionen
(Blutandrang) und heftige Kopfschmerzen; er hätte einen guten Appetit, aber wenn er
nach Appetit esse, müsse er es büßen. Wie sein Aussehen blühend roth,
so ganz widernatürlich stark war sein Leib, obwohl Arme und Füße
unverhältnismäßig dünn waren.
Er trug ein Bruchband auf Anrathen der Aerzte, weil zwei Leibschäden im
Entstehen waren. Das Hauptübel bestand in Austreibung des Unterleibes
durch Gase.
Als durch die Anwendungen des Wassers die Gase beseitigt und die Organe
gekräftigt waren, verschwanden die hervorragenden Erscheinungen von
Leibschäden; es wichen die Congestionen sammt dem Kopfschmerz, und so
war der Kranke nach 4 Wochen vollständig hergestellt.
Die Behandlung bestand in Folgendem: 1. Tag: Oberguß
mit Knieguß
Vormittags, dann
Oberguß mit Wassergehen Nachmittags. 2. Tag:
Oberguß mit Wassergehen
bis an die Kniee Vormittags, Nachmittags
Oberguß mit Wasserstehen. 3. Tag.
Oberguß mit Wasserknieen; Nachmittags:
Rückenguß.
4. Tag.
Oberguß und Wasserknieen; Nachmittags:
Rückenguß. 5. Tag. Halbbad, später
Oberguß; Nachmittags:
Oberguß und zwei Stunden später Sitzbad. 6. Tag:
Oberguß und zwei Stunden später Halbbad; Nachmittags:
kaltes Bad bis unter die Arme (1
Minute). 7. Tag: Wassergehen bis über die Knöchel und
zwei Stunden später
Rückenguß.
In dieser Weise wurde fortgefahren, bis in vier Wochen die vollständige
Gesundheit wieder erlangt war; besonders merkwürdig ist, daß sowohl
sein aufgedunsenes Gesicht, sein ungewöhnlich ausgedehnter Leib, als
auch die Leibschäden gänzlich verschwunden waren.
Lungen-Entzündung
siehe:
Emphysem der Lungen Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Lungenleiden
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Eine Hausfrau erzählt Folgendes: "Die Aerzte sagen: ich habe
Lungen- und Rachenkatarrh (Entzündung), meine Lunge sei stark angegriffen, und zwei
Aerzte erklärten, es sei mir nicht zu helfen. Ich möchte nur noch den
Versuch machen mit Wasser; wenn auch dieß nicht hilft, so füge ich
mich in Gottes Willen." Durch 20 Tage hat das Weib täglich zwei Obergüsse
erhalten und gleich darnach Knieguß und zweimal in der Woche
einen kurzen Wickel; ferner täglich zwei Tassen Thee, in kleinen
Portionen, von gesottenem Fenchelsamen,
Brennesseln und Spitzwegerich.
Nach dieser Zeit war der Husten verschwunden, alle Verschleimung
gehoben, das Aussehen frisch, und die Kräfte waren wiedergekehrt.
Magengeschwüre
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Vieles Erbrechen, Brennen im Magen u.s.w. sind noch keine entscheidenden
Zeichen für Magengeschwüre. Daß indeß solche manchmal vorkommen, ist
leider nur zu wahr.
Solche Leidende sollen ja nichts Aetzendes einnehmen, wenig salzen,
wenig pfeffern, wenig würzen. Recht einfache Kost und noch einfachere
Getränke, besonders Milchkur, haben sich schon als die allerbesten
Heilmittel erwiesen für die beginnenden kleinen Geschwürchen.
Im Uebrigen gibt uns das Heilverfahren bei kleinen äußerlichen Geschwüren
einen Fingerzeig für die Heilung von Geschwüren im Innern. Am Finger
kann ich ein Geschwür recht leicht heilen, wenn ich einen kleinen
Lappen fleißig in's Wasser tauche und naß umwinde; er reinigt und
heilt. Warum sollten innere Geschwüre nicht auch heilen, wenn man längere
Zeit jede halbe Stunde einen Löffel Wasser einnimmt, oder wenn man aus
erprobten Heilkräutern einen Thee sich machen läßt und, statt die
gewohnte Tasse auf einmal zu trinken, jede halbe Stunde oder jede Stunde
ebenfalls sich mit einem Löffel voll begnügt? Mache man einmal den
Versuch mit Wermuththee oder mit Salbeithee oder mit Thee von beiden Kräutern
zugleich (halb und halb)!
Oder man nehme eine kleine Messerspitze Aloepulver, löse es in einem
Viertel-Liter Wasser auf und genieße die Arznei wiederum arzneiweise,
d. h. alle Stunden einen Eßlöffel voll; wohlgemerkt, letztere Medizin
nur immer einen halben Tag lang und mit Ausständen von je 2 bis 3 Tagen.
Ein treffliches Hausmittel, das selbst dem Aermsten nicht abgeht, ist
das Krautwasser (Sauerkrautwasser). Das Sauerkrautwasser heilt die ältesten Schäden.
Man vermische zu dem Zwecke einen Eßlöffel Krautwasser mit 6 bis 8 Löffeln
gewöhnlichen Trinkwassers und nehme jede Stunde einen Eßlöffel voll.
In der Regel
hat nach meiner Erfahrung diese Tinktur gewirkt, und sollte einmal die
vortheilhafte Wirkung ausbleiben, Schaden bringt das Hausmittelchen nie.
Immer ist solche Medizin rathsamer und sicherer als diese und jene
Giftpräparate.
Thee von Spitzwegerich wäre auch nicht zu verschmähen.
Als äußere Anwendung empfehle ich solchen Kranken jeden zweiten Tag
eine 2 bis 4fältige Linnenauflage auf den Unterleib (Oberaufschläger), je
1,5 bis 2 Stunden zu
tragen. Vortheilhafter als ein Eintauchen in einfaches Wasser hat sich
ein Benetzen mit Absud von Heublumen,
Zinnkraut, Fichtenreisern (siehe: Fichtenreiserbad)
bewährt.
Sitzen einmal große, bösartige Geschwüre im Magen, gleich gefräßigen
Raub- und Nagethieren, so ist an eine Heilung nicht mehr zu denken. Das
Zerstörungswerk schreitet weiter und endet stets mit dem Zusammensturze
des Ganzen, mit dem Tode.
Magen- und
Darmkatarrh Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Eine Frau, 40 Jahre alt, klagte über folgende Leiden: "Auf der
linken Seite unterhalb der Rippen habe ich immer Schmerzen, bald schwächer,
bald stärker; ich kann oft die Schmerzen nicht mehr aushalten. Gerade
so leide ich an Wasserbeschwerden; manchmal geht bereits nichts ab, und
geht es auch oft besser, so habe ich doch immer Schmerzen. Recht oft
wird der Schmerz so stark, daß ich mir den Tod schon gewünscht habe.
Dann bin ich auch so aufgetrieben, daß ich mir nicht zu helfen weiß;
mein Hals wird oft so dick und aufgedunsen, daß ich kaum zu reden
vermag. Ich habe schon viel gebraucht von Aerzten und Nicht-Aerzten;
manchmal bekam ich etwas Linderung, aber bald war wieder die alte
Geschichte da."
In vier Wochen wurde diese Frau von ihren Leiden befreit durch folgende
Anwendungen:
1. jede Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den Unterleib und
Magen in einem Tuche aufbinden, 1,5 Stunden lang (Oberaufschläger); 2. dreimal in der
Woche in der Nacht vom Bette aus sich ganz waschen mit Wasser und etwas
Salz daran, eine Minute lang, und gleich wieder, ohne abzutrocknen, ins
Bett; 3. jeden Tag eine Tasse Thee von 20 zerstoßenen Wachholderbeeren
und etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang gesotten, während des Tages in 3
Portionen trinken; so 12 Tage lang.
Nach diesen 12 Tagen folgende Anwendungen:
1. einmal in der Woche die Heublumen aufbinden (Oberaufschläger); 2. dreimal in der Woche
in der Nacht sich ganz waschen
und 3. zweimal in der Woche ein kaltes Halbbad,
eine halbe Minute lang; 4. den Thee forttrinken. So 3 Wochen lang.
Um den Körper in Gesundheit zu erhalten, reicht aus, in der Woche drei
kalte Halbbäder zu nehmen.
Magenkrampf
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Herr N. hat sich öfters erkältet und dadurch Leibschmerzen bekommen;
er mußte in Folge Anhäufung von Gasen sich oftmals erbrechen. War viel
Luft abgegangen, und hatte er sich stark erbrechen können, fühlte er
sich wieder wohl und hatte besten Appetit. Das Uebel steigerte sich aber
mit der Länge der Zeit und begann ziemlich schnell nach jeder Mahlzeit
derart heftig, daß er vor Schmerz zuweilen aufschreien mußte. Dabei
waren Hände und Füße eiskalt und der ganze Körper in leichtem Frost.
Der Magen ist in solchen Fällen gewöhnlich ganz schuldlos, und der
heftige Druck der Luft auf denselben verursacht Brechreiz und Erbrechen.
Letzteres selbst lindert das Uebel nur auf kurze Zeit. Völlig beseitigt
wird es nur dann, wenn im ganzen Körper gleiche Warme und gleiche
Transspiration wie auch Emulation des Blutes hergestellt ist. Dieß
wurde dadurch erreicht, daß der Kranke am ersten Tag dreimal mit ganz
warmem Wasser und Essig im Bett gewaschen und, ohne abgetrocknet zu
werden, gut zugedeckt wurde. Am zweiten Tage geschah dieß nur zweimal
und von da ab täglich nur einmal. Dieß Verfahren genügt, so oft man
durch Erkältung sich Fieber, verbunden mit Aufstoßen der Luft und
Erbrechen, zugezogen hat.
Magenleiden
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Armer Magen, was sollst du nicht alles verschuldet haben! Neben dem
Herzen und den Nerven bist du wohl der Hauptsündenbock! Frage hundert
Menschen, ob sie nicht magenleidend seien! Ganz wenige antworten mit
einem entschiedenen Nein. Und doch ist in den allermeisten Fällen der
Magen so unschuldig wie ein neugeborenes Kind und so gesund wie ein fröhlich
spielender, heiterer Knabe. Beispiele mögen meine Behauptung erhärten.
Amalie hat ein ganzes Iahr hindurch das Meiste, was sie genossen,
erbrechen müssen. Nichts konnte sie bei sich behalten als täglich 3
bis 4
Löffel lauwarmer Milch. Sie befragte mehrere berühmte Aerzte. Der
Apotheker erklärte zuletzt, er habe in seiner ganzen Apotheke kein
Mittel mehr, welches nicht schon versucht und angewendet worden sei.
Man brachte die Kranke, ohne anzufragen, auf einem Wagen vor meine
Wohnung. Fortschicken konnte ich die armen Leute doch nicht. Die Arme
war sehr abgemagert, die Züge eingefallen, die Stimme gebrochen, - ein
Jammerbild. Husten indessen (das war nur das Wichtigste) war nicht
vorhanden, nur ein fatales Magenleiden; ich sollte ihr doch, meinten die
Leute, etwas geben für den Magen. Sofort erklärte ich, sie sollen
ruhig sein und nicht so über den Magen herfallen und schimpfen, da
fehle es ganz anderswo; zu den gesündesten Theilen an und in dieser
Person gehöre der Magen. Die Einen ärgerten sich. die Anderen lachten;
die Kranke selbst stutzte zweifelnd, ob ich auch recht bei Sinnen sei.
Soweit hergefahren, mochte sie denken, unter solchen Schmerzen, und
jetzt diese mitleidslose und harte Aussage eines Geistlichen! Mir war
das alles eins.
Was brachte mich zu solchem Urtheile?
Die Person hustete nicht, aber es stieß ihr die Luft (die Gase) beim
Munde heraus. Der Magen und der Unterleib waren mit Gasen bis auf's
Aeußerste,
bis zum Uebermaß gefüllt. In solcher Umgebung kann es Niemand mehr
aushalten, selbst nicht der sonst so geduldige Magen; er muß seine
geregelte Thätigkeit ganz oder zum größten Theile einstellen. Das
Uebel vergrößerte sich dadurch, daß die Haut ganz trocken und jede
Transspiration gehemmt war.
Die Aufeinanderfolge der Anwendungen war diese: Lauwarme Unterwickel,
Waschung des Oberkörpers, kurzer
Wickel, Ganz-Waschung, Knieguß (eine
halbe Minute), abermaliger Unterwickel,
Oberguß, in's
kalte Wasser knieen
(eine halbe Minute) bis an die Magengegend, Ganz-Waschung,
Ober- und Unteraufschläger. Jeden halben Tag sollte die Kranke eine dieser
Anwendungen der Reihe nach gebrauchen, dazu täglich ein paar mal auf
nassen Steinen gehen.
Durch lauwarme Unterwickel suchte ich die Haut erst wieder wärmer, feuchter
und weicher zu machen, dann durch Ganzwaschungen und all' die anderen
Uebungen insbesondere auf den Unterleib einzuwirken. Es gelang; die
Luft, die Gase suchten die richtigen Auswege, und die Transpiration, die
normale Thätigkeit der Haut kam in Gang. Mit dem Schwinden der Gase rückte
in den luft- und gasleeren Raum der Appetit ein; Blut und Säfte mehrten
sich, und in der kurzen Zeit von 5 Wochen war die Kranke gesund.
Rosa leidet seit langen Jahren am Magen, seit einigen Monaten an
besonders heftigen Magenkrämpfen. Sehr oft muß Sie das Bett hüten,
und wenn das Aufsein auch leidlich ist, kann sie nur mit großer Noth
und Anstrengung ihrem Berufe theilweise vorstehen. Mehrere Aerzte haben
erklärt, es fehle ihr weiter nichts, sie besitze nur einen recht
schlechten Magen. Die arme Geplagte brauchte viel in tropfbar-flüssiger
und fester Form, in Pulver und Pillen- und anderer Gestalt, zum Theile
scharfe Sachen.
Das Aussehen läßt auf arge Leiden schließen: die Gesichtszüge sind
eingefallen, die Farbe ist blaß, der Körper nur mehr Haut und Knochen.
Ihr Unterleib - so ergänzte sie das Krankheitsbild - sei stark
aufgetrieben, und sogar das anliegende Kleid verursache ihr Schmerzen.
Oft habe sie sich erbrochen, und Füße und Hände seien stets ganz
kalt.
Mein Gutachten lautete wie im vorhergehenden Falle. Das Mädchen hatte
sich den Unterleib gründlich dadurch verdorben, daß es oft plötzlich
von der Hitze in die Kälte, vom heißen Herde weg in den Eiskeller kam
und nicht wußte, wie sie sich gegen die schon bald fühlbaren schädlichen
Einflüsse schützen könne. Dazu hatte sie Niemanden, dem sie sich
anvertrauen wollte, und sie trug die vermeintlichen kleinen Uebel, so
lange sie diese ertragen konnte, bis endlich der Druck vom Unterleib aus
so heftig wurde, daß dem Magen, eingeengt und eingezwängt, wie er war,
Alles, was er an Speisen ausnahm, förmlich wieder ausgepreßt wurde.
Zu den allgemeinen Anwendungen, die Thätigkeit in den ganzen Körper zu
bringen hatten, mußten besondere für den Unterleib (nicht den Magen)
hinzukommen, das Angesammelte, besonders auch die Gase, zu lösen und
auszuleiten. Als Anwendungen folgten (jeden Tag eine derselben):
der spanische Mantel; Ueberlagen mit
angeschwellten Heublumen auf den Unterleib (Oberaufschläger), jeden Tag 2 Stunden lang;
der kurze Wickel (auflösend und ableitend);
Ober- und Unteraufschläger;
kalte Ganzwaschungen, zweimal jede Nacht vom Bett aus; wiederum der
spanische Mantel.
Als Nebenanwendungen dienten das Gehen auf nassen Steinen oder
im nassen Grase, mitunter der Knieguß. Nach 4 Wochen reichten aus ein Wechsel
zwischen dem spanischen Mantel und dem
kurzen Wickel, jeden zweiten Tag
eine dieser Anwendungen. Daneben mußte die Kranke, wie oben bemerkt, häufig
barfuß gehen. Rosa wurde ganz gesund und ist es heute noch. "So
gesund bin ich," äußerte sie sich bei einer jüngsten zufälligen
Begegnung, "wie noch nie in meinem Leben."
Friedrich erbrach Anfangs viel Magensäure, später alles Gegessene und
Getrunkene. Alle Mittel halfen nichts, und der Arzt definirte das Uebel
als Magenverhärtung mit Magenschluß.
Das Aussehen des Patienten war gar nicht schlecht, die Züge wohl etwas
alt und die Gesichtsfarbe gelb. Luft stoße es ihm viel aus dem Magen,
meinte er; der Unterleib sei vor Blähungen oft wie eine Trommel, und
dann zeige sich auch regelmäßig heftiges Weh im Kopfe. Wiederum haben
wir Unthätigkeit im unteren Revier, Schlaffheit der Gedärme. Daher der
ungeregelte Stuhlgang, die Häufung der Gase und daher der Druck auf
Magen und Kopf. Der Kranke mußte 10 Tage hindurch täglich ein Tuch,
getaucht in Wasser und Essig, 2 Stunden lang auf den Unterleib binden (Oberaufschläger), täglich
ein warmes Fußbad nehmen mit Asche und Salz und den Rücken sich in
jeder Nacht zweimal kalt abwaschen lassen. Nach 6 Tagen schon
verbesserte sich der ganze Zustand. Nach 10 Tagen wandte der Patient wöchentlich
zweimal den kurzen Wickel, einmal den
spanischen Mantel an und nahm
jeden zweiten Tag ein Fußbad mit Asche und Salz. Die dritte Verordnung
bestimmte für die letzten 2 Wochen wöchentlich je 3 Ober- und
Untergüsse
und 2 Halbbäder (bis an die Magengegend). In 6 Wochen war der Kranke
vollständig hergestellt.
Unzählige solcher Fälle könnte ich noch anführen; das Gesagte mag
indeß genügen.
Das muß und will auch ich gerne constatiren und zugeben: Wenn solche
Uebelstande nicht beseitigt, wenn der fortwährende Druck und die stete
Pressung mit der Hand in Hand gehenden Entzündung des Magens nicht
gehoben werden, dann freilich müssen nach und nach die berüchtigten
und gefährlichen Magengeschwüre entstehen, die meistens in die
entsetzliche Krebskrankheit (Magenkrebs) ausarten.
Selbst da noch können Täuschungen und Irrungen vorkommen. Ein Beispiel
will ich nur andeuten. Ein Familienmitglied habe, so meldete man mir
einstens, nach dem Ausspruche verschiedener Fachleute den ausgebildeten
Magenkrebs, und man lasse bei mir nur anfragen, welche Vorsichtsmaßregeln
in diesem Hause zu treffen seien, daß die schreckliche Krankheit nicht
ansteckend wirke. Ich gab Regeln an, darunter auch für den Kranken
selbst solche, welche ihn in 4 Wochen vollkommen heilten und dem Krebs
zum Rückzuge bliesen. Die Mittel bestanden in einfachen Theen von Schafgarbe,
Wermuth und Salbei und in
kurzen Wickeln im Wechsel mit Fußbädern.
Congestionen (Blutandrang) nach dem Essen, sowie Aufstoßen der Speisen, besonders 2
Stunden nach dem Essen und weiterhin den ganzen Nachmittag, wiederholten
sich ungefähr alle 4 bis 5 Minuten; außerdem träger Stuhlgang, völlige
Schlaffheit der Gedärme, starker Fußschweiß (starker, eckelhafter
Geruch). Dieser Zustand dauerte 5 bis 6 Jahre. Verschiedene Mittel
wurden angewendet, aber ohne Erfolg. Das Aussehen ist recht krankhaft,
wie Porzellan-Farbe; die Ränder um die Augen sind ganz grau und blau,
recht wenig Blut, wenig Naturwärme, schlechte Verdauung, deßhalb Blut
und Natur nur krankhaft genährt.
Die Anwendungen müssen folgende sein: 1) die faulen Stoffe auflösen,
2) die Naturwärme vermehren, 3) durch Kräftigung der Organe eine
bessere Verdauung bewirken, daß Blut und Säfte besser werden und die
ganze Maschine in guten Gang bringen. Denn dieser Organismus ist doch
einer Maschine gleich, die fleißig geschmiert wurde, aber kein gutes
Material hatte, und deßhalb muß die Maschine überall gereinigt
werden.
Anwendungen: 1) Warmes Fußbad zur Ausleitung der faulen Stoffe in den Füßen,
ungefähr drei- bis viermal, bis der Fußschweiß aufhört. 2) Ganzwaschungen, die eine allgemeine Transspiration bewirken und zugleich
die Naturwärme erhöhen. 3) Ober- und
Unterguß.
Mit diesen Anwendungen soll man ungefähr 8 bis 10 Tage fortfahren, an jedem
Tag zwei Anwendungen. Als zweite Kur kommt die Ganzwaschung,
Ober- und Unteraufschläger,
in's Wasser knieen,
Rückenguß, wieder 10 Tage lang.
Als dritte Kur folgen Halbbäder
und Ganzwaschungen. In 3 bis 4 Wochen kann
so ein Organismus wieder hergestellt werden. Zur Erhaltung und weiteren
Befestigung aber ist nothwendig, in der Woche noch ein paar Anwendungen
beizubehalten, wozu eine Ganzwaschung
oder auch ein Ober- und Unterguß
ausreicht.
Ein Weib, 64 Jahre alt, hat heftiges Brennen im Magen, Aufstoßen und
Erbrechen; oft kommt dazu kaltes Fieber und manches mal auch starker
Schweiß. Wochen hindurch nimmt das Uebel immer zu trotz aller
angewandten Mittel. Die beste Wirkung wird hervorbringen: Täglich
zweimal jedesmal 20 Wermuthtropfen in einer kleinen Tasse ganz warmen
Wassers; dazu täglich einmal ein warmer Unteraufschläger eine Stunde
lang; ferner jeden zweiten Tag ein doppeltes Tuch, in warmes Wasser
getaucht, auf den Unterleib gebunden, eine Stunde lang (Oberaufschläger). Jeden zweiten
Tag ein warmes Fußbad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang.
Eine Person, 40 Jahre alt, klagte über häufige Magenschmerzen,
Schmerzen im Unterleib, Appetitlosigkeit, saures Aufstoßen und Entkräftung.
Besonders waren Hände und Füße meistens kalt. Die Anwendungen
waren folgende: 1) Jeden Morgen und jeden Abend Brust und Unterleib mit
halb Wasser und halb Essig kräftig einreiben (Waschungen). 2) Täglich
6 bis 8
Wachholderbeeren essen. 3) In der Woche dreimal vom Bett aus ganz
waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. In 14 Tagen war
die Kranke geheilt, und um gesund zu bleiben, wird selbe gut thun, wenn
sie längere Zeit hindurch wöchentlich einmal sich ganz wäscht.
"Längere Zeit hindurch habe ich ein hartes Magenleiden. Es treibt
mich gewaltig aus, und unter großen Schmerzen muß ich oft alles
erbrechen. Meine Füße thun mir meistens weh und zeigen dabei
krampfhafte Zuckungen. Meine Lippen sind beständig weiß; ich magere am
ganzen Körper ab. Ich habe mehrere Aerzte gehabt; die haben mir aber
nichts als zum Lavieren gegeben, und dieses hat mich wohl recht
angegriffen und geschwächt."
Anwendungen: 1) In der Woche dreimal angeschwellte Heublumen
auf den
Unterleib binden, eine Stunde lang (Kurzer
Wickel). 2) Jede zweite Nacht vom Bett heraus
ganz waschen und, ohne abzutrocknen, wieder in's Bett gehen. 3)
Jeden
Morgen 25 Wermuthtropfen in Wasser einnehmen, jeden Nachmittag 25
Tropfen von Hagebutten.
Eine Hausfrau klagt: "Ich bin gar nie frei von Schmerzen im
Unterleib; derselbe ist oft aufgetrieben, und wenn es recht arg ist,
habe ich einen Druck auf den Magen, daß mir viele Säure aufstößt,
oft auch die Kost erbrochen wird. Mein Kopf ist recht eingenommen, und
nicht selten habe ich großen Schwindel. Es gibt Zeiten, wo ich alle
halbe Stunde Harn lassen muß, dann wieder Tage, wo höchstens einmal
Wasser abgeht. Drei Aerzte erklärten, ich habe Magenkatarrh."
Diese Kranke wurde geheilt innerhalb 4 Wochen auf folgende Weise: Die
erste Woche bekam sie bloß täglich 2 Obergüsse und 2
Kniegüsse und täglich
eine Tasse Thee von
Wachholderbeeren und Zinnkraut; in der zweiten Woche
täglich einen Oberguß und Knieguß, zweimal einen
Wickel von unter den
Armen an; in der dritten Woche einmal den spanischen
Mantel, dreimal ein
Sitzbad und einmal ein Halbbad; in der vierten Woche
Halbbäder, dreimal
den spanischen Mantel, einmal Wassergehen täglich.
Magen-Säure
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Erescentia erzählt: "Ich bin 45 Jahre alt, habe fast täglich
starkes Magenleiden; es hört von Zeit zu Zeit auf, aber immer nur auf
kurze Zeit; recht oft stößt es mir Säure und Bitterkeit oben heraus,
und ich weiß mich oft gar nicht zu erwärmen; je mehr Säure und
Bitterkeit, um so größer die Kälte."
Das Aussehen dieser Person war recht leidend, sie selber recht mager;
die Gesichtszüge waren eingefallen; die Kälte scheint die Wärme gänzlich
verdrängt zu haben. Hier ist sicher durch schlechte Verdauung eine große
Blut-Armuth
eingetreten.
Ich verordnete ihr: "Schütten Sie siedendes Wasser an Heublumen,
bringen Sie diese so warm wie möglich in ein Tuch oder noch besser in
ein Säcklein und legen Sie dieses ganz warm, wie Sie es gut ertragen können,
auf die Magengegend und den Unterleib! Bringen Sie über das Ganze ein
Tuch über den Körper, daß das Sacklein auf den Leib aufgebunden ist,
und lassen Sie es dann eineinhalb Stunden lang liegen (Oberaufschläger); so 3 Tage lang!
Nehmen Sie drei Tage nach einander jeden Abend ein warmes Fußbad mit
Asche und Salz, 14 Minuten lang, dann jeden 3. oder 4. Tag, und waschen
Sie sich in der Woche drei- bis viermal in der Nacht vom Bett aus ganz
und gehen Sie dann gleich wieder in's Bett! Nehmen Sie dann täglich
zweimal 4 bis 6 Löffel voll Wermuth-Thee, und machen Sie so 14 Tage fort;
dann wird ausreichen in der Woche einmal ein Fußbad und einmal eine
Waschung in der Nacht oder auch ein Halbbad."
Migraine
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Die Migräne, das halbseitige Kopfweh, ist vorherrschend eine
Frauenkrankheit, die aber auch geistesstarke Männer recht oft befallen
kann, besonders solche, die viel und anstrengend geistig beschäftigt
sind. Man kann manchmal den Trost eines Arztes hören: "Seien Sie
ruhig, einen Dummkopf befällt keine Migraine!" Leicht kann dieses
Leiden von gestörtem Blutlaufe herkommen, noch häufiger aber von störenden
Einflüssen aus dem Magen und Unterleib. (Gänzlicher Mangel an Appetit
und Widerwille gegen alle Kost.) Wenn der Unterleib im Ganzen etwas
geschwächt ist, wenn sich häufig Gase sammeln und die
Stuhlentleerungen nicht regelmäßig sind, so üben gar zu leicht und
oft diese Beschwerden eine Rückwirkung auf den Kopf und verursachen an
einzelnen Stellen diese Schmerzen. Oder es kann das Blut bei einem
unregelmäßigen Lauf auf eine Stelle besonders hindrängen. Oft meldet
sich das unheimliche Leiden, indem sich's wie Nebelflor auf die Augen
legt. Bei Manchen spukt es in den Augenecken, bei Anderen wird das
Augenlicht selbst ganz gestört, und es ist ihnen, als ob verschiedene
Figuren vor den Augen tanzten.
Migraine kommt gerne nach Krankheiten, wenn die Natur sich noch nicht
vollständig erholt hat und die Thätigkeit der Organe keine ganz
normale ist. Migraine kann auch ein Erbtheil sein. Leute, die oft an
Migraine leiden, erzählen dann, wie schon die Mutter oder der Vater
daran gelitten.
Besagtes Kopfleiden ist unschwer zu heilen. Rührt die Migraine von
Gasen her, und diese sind nach meiner Ansicht die Hauptursache, so
kann es ausreichen, wenn man 2 bis 3 Tage nach einander täglich zwei bis
viermal den Unterleib mit recht kaltem Wasser kräftig wäscht. Nicht
nur die Gase werden durch diese einfache Anwendung oft vollständig
abgeleitet, sondern diese wirkt sogar auf den Stuhlgang und bringt
nicht selten allein Alles in Ordnung. Kräftiger noch ist die Wirkung,
wenn in's Wasser, das man zur Waschung benützt, etwas Essig oder Salz
gemischt wird.
Sollte diese Anwendung nicht ausreichen, dann können innerhalb einer
Woche 2 bis 3 Halbbäder genommen werden. Diese sollten genügen. Nebenzu
mag der Patient Thee verwenden, der die Gase auskehrt oder löst. Kümmel
oder Fenchel, als Thee bereitet und getrunken, wirkt vortrefflich. Auch
kleine Hausmittel sind nicht zu verachten. Jeden Morgen und jeden
Nachmittag 5 Tropfen Spiköl auf Zucker thut denselben Dienst.
6 bis 8 Wachholderbeeren, im Tage nach einander zu verschiedenen Zeiten gekaut,
haben schon Manchem geholfen.
Brausepulver halten Viele für ein Radikalmittel gegen dieses Leiden.
Dieselben leiten vielfach Gase aus, das gebe ich zu; aber man übertreibe
nicht. Radikalmittel sind sie nicht. Derlei Leute erinnern mich mit
ihren Anpreisungen immer an jenes amüsante Geschichtchen, worin Einer
mit einer Rakete einen Hasen todtschießt. Als das Non plus ultra für
Migraine gilt heutzutage der Migrainestift, ein feines und fein
gearbeitetes Holz, in dem die Wundereichel steckt, die stark nach
Kampher riecht. Kein Gebildeter und keine feine Dame gehen mehr aus ohne
dieses kleine Vade maecum. Die Wurzel des Uebels (der Migraine) sitzt,
wie wir gesehen, zumeist und hauptsächlich im Unterleib. Mit dem Stifte
braucht man aber nur eine gewisse Anzahl Striche auf die Stirne (glaube
ich) zu machen, und gut ist's. Helfe, was helfen mag! Ich will mir darüber
kein weiteres Urtheil erlauben; aber ich müßte lächeln, wenn ein
Patient, dem Klystier verordnet ist, statt dieses zu nehmen, sich in das
Ohr spritzen ließe.
Nasenbluten
siehe: Blutbrechen und Blutsturz
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Nervenerschöpfung
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Pfarrer gab an, er habe zeitweilig fast unausstehliches Kopfweh, und
wenn dieses sich bessere, solche Halsbeschwerden, daß er vor Müdigkeit
und Schmerzen kaum reden könne. Auch im Rücken bestehe oft
schmerzhaftes Zusammenziehen und Mattigkeit. Nach dem mitgebrachten
Zeugnisse seines Arztes leide er an "ausgebildeter Nervenerschöpfung,
und es sei nahe daran, daß Gehirn und Rückenmark angegriffen würden".
- Außerdem waren hochgradige Reizbarkeit und Angstgefühle vorhanden.
Anwendungen: Täglich ein schwacher Oberguß in der Frühe und
Nachmittags; täglich einmal im nassen Grase und auf
nassen Steinen 4
Minuten lang gehen; So 5 Tage lang. Darnach täglich ein stärkerer Oberguß, ein
Knieguß und zweimal im
kalten Wasser gehen; So 5 Tage lang.
Dazwischen Sitzbäder.
Die weiteren Anwendungen waren: Täglich ein Rückenguß, ein
Halbbad,
ein
Oberguß
und Wassergehen. Diese Anwendungen beseitigten alle Leiden,
und gesund und heiter ging der Geheilte wieder an sein Berufsleben.
Nervenleiden
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Geistlicher berichtet also:
"In Folge gewaltiger Aufregung, Angst und Schrecken bekam ich Ende
Juli 1884 ein Leiden, welches sich Anfangs durch häufiges, sehr beängstigendes
Herzklopfen und beständige Athmungsbeschwerden mit allgemeiner Schwäche
äußerte. Das Herzklopfen hörte nach einigen Monaten wieder auf. Aber
nun erschienen andere Uebel: mitunter sehr heftige beängstigende Anfälle
von Asthma, häufiges Drücken mit Schmerzen und Spannen bis in den
Unterleib hinab. Hauptsächlich spürte ich den Druck in der ganzen
Rippengegend, zuweilen auch im Rückenmark. Oftmals fühlte ich sehr große
Mattigkeit und Abgeschlagenheit in allen Gliedern mit Schmerzen in den
Gelenken. Nebenher quälten Verstopfungen mit Blähungen stets den
Unterleib. Die Stimme war ganz geschwächt, so daß mir oft schon das
einfache Sprechen Schmerzen, Beklemmungen und Asthma verursachte; ein
anhaltender, starker Gebrauch der Stimme war ganz unmöglich geworden.
Während
der ganzen Zeit habe ich auch Beschwerden im Kopfe, nämlich Schwindel,
starke Eingenommenheit, zu Zeiten heftige Kopfschmerzen, so daß ich
manchmal kaum zu denken im Stande und zu jeder geistigen Anstrengung unfähig
bin. Jede Kleinigkeit regt mich ungemein auf und steigert nicht selten
die Beschwerden in Brust und Kopf auf's Aeußerste. Dazu hat eine unsägliche
Melancholie meinen Geist eingenommen, manchmal ist's fast zum
Verzweifeln. Die Aerzte erklärten mein Leiden für ein Nervenleiden.
Zwei derselben, ein Allopath und ein Homöopath, beide berühmte Männer,
verschrieben mir Mittel (Douchebäder, Diät, Bromkali, Zincumoxydat,
Natr. phosph. u. a.), die aber sämmtlich ganz erfolglos blieben, ja das
Uebel zuweilen noch ärger machten. Am ehesten schien noch zu wirken,
was ein dritter Arzt anrieth: kalte Vollbäder und fleißige Bewegung in
der Luft. Das dauerte so ein halbes Jahr, bis ich endlich ganz zum
Wasser meine Zuflucht nahm."
So weit der Kranke. Schauen wir ihn selbst näher an! Sein Aussehen ist
ungewöhnlich geröthet, die Augenränder sind etwas gelb, Ohren und
Lippen hochroth, mit blau untermischt. Die Haare sind dem jungen Herrn,
der kaum mehr als 30 Jahre zählt, bis auf einen kleinen Rest gänzlich
ausgefallen. Worauf lassen diese Anzeichen schließen? Gewiß auf
allzuheftigen Drang des Blutes gegen Kopf und Brust. Der Schmerz auf der
Stirne zeigt die Heftigkeit des Blutandranges zum Kopfe an, und das zu
viele Blut im Kopfe bewirkt eine Ausdehnung der Adern. Kann da geheilt
werden und wie? Die zwei hauptsächlichsten Leidensstellen, Kopf und
Brust, sind vor Allem in's Auge zu fassen. Beide werden gleichsam erdrückt
unter der Ueberfülle des Blutes. Dieses muß allererst gegen die
Extremitäten abgeleitet werden. Dann kann ich an die Auflösung alles
Abnormalen (Anstauungen, Erweiterungen der Adern, Ausbuchtungen nach
innen u.s.w.) an Kopf und Brust gehen und zuletzt allgemein auf den
ganzen Körper einwirken.
Als Anwendungen werden sich der Reihe nach am besten eignen: Fußdampf,
Kopfdampf, kurzer
Wickel, spanischer Mantel, auf nassen Steinen
gehen,
Ober- und Untergüsse, spanischer
Mantel, Barfußgehen, zur Winterszeit
am besten im frischgefallenen
Schnee.
Innerhalb 3 Wochen hatte sich der Zustand bedeutend gebessert. Bis zur
vollen Erholung indessen dürften bei so fortgeschrittenem und
tiefgewurzeltem Leiden noch Monate vergehen.
Aus der mehr oder minder guten Wirkung jeder einzelnen Anwendung lernt
der Patient selbst am sichersten urtheilen, welche derselben von den
besten Folgen begleitet ist und deßhalb öfters wiederholt werden soll.
Nur lasse man sich ja nie und nimmer verleiten, den Willen stets nur auf
diese besondere Anwendung hinzurichten. Mit den besonderen Anwendungen
sind jederzeit, um den Einklang und den gesunden, reellen Fortschritt in
der Heilung nicht zu stören, die gemeinsamen, d.i. die auf den ganzen
Organismus wirkenden, pünktlich zu verbinden.
Ein Priester aus Böhmen berichtet:
"Vor 8 Monaten trat bei mir in Folge von Ueberanstrengung heftiges
Herzklopfen ein sowie auch Schlaflosigkeit, späterhin starkes Aufstoßen,
Austreibung des Unterleibes, auch Athmungsbeschwerden. Es bestanden
zuweilen perverse Empfindungen, Schmerzen in Händen und Füßen,
Unruhe, Später auch Zittern in denselben, dabei hochgradige Abspannung
und Müdigkeit. Appetit fehlte zuletzt auch, ebenso Stuhl."
Bei seiner Ankunft schien Patient sehr erschöpft und zeigte eine blaßgelbe
Gesichtsfarbe. Nach siebenwöchentlicher Kur war er wieder frisch,
gesund und munter. Auch der Schlaf hatte sich langsam wieder
eingestellt.
Die Wasseranwendungen bestanden in Folgendem: In den ersten drei Wochen:
1) Nachts vom Bett aus ein Halbbad; 2) Vormittags
Oberguß und Wassergehen; 3) Nachmittags
Rückenguß und Halbbad; 4) täglich fleißig
Grasgehen. Späterhin: Oberguß
mit Knieguß, auch Halbbäder, zweimal
Fußdampf. Zum Einnehmen täglich 8
bis 10 Wacholderbeeren, auch Thee von
Wermuth und Salbei.
Nervenüberreizung
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Zwei Studierende kamen in die Osterferien und erzählten: "Wir
haben Kopfleiden, Blutandrang nach dem Kopf, schlechten Schlaf und große
Müdigkeit, mangelhaften Appetit, und wir sind somit unfähig, weiter
fortzumachen. Konnten wir nicht die Vakanz (Ferien) benützen zur
Wiederherstellung unserer Gesundheit durch die Wasserkur?"
Ich gab den Rath, sie sollten, weil es Frühling, der Boden feucht und
es noch ziemlich kalt war, diese Vakanztage wo möglich im Freien, im
Walde, aus den Wiesen barfußgehend zubringen und rasche Bewegungen
machen, wenn sie sich kalt fühlten; auch von Zeit zu Zeit in einen mit
Wasser gefüllten Graben 2 bis 3 Minuten stehen und darin hin- und
hergehen (siehe: Gehen im kalten
Wasser).
Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz in's Wasser
kaltes halten. Diese Anwendungen gefielen den jungen Leuten sehr; es kam ihnen
Muth und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien, konnten
ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien, um ihren
Körper auf's Neue abzuhärten und zu kräftigen.
Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim
Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung
gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese
wird bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.
Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus (Pflegekind, Schüler) zu, welcher mit folgenden
Klagen hieher kam: "Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich
oft kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich thue; ferner habe ich oft
erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Thätigkeit; ich mußte
die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen."
Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen
die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen früh
bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2 bis 4 Obergüsse. Innerhalb 12
Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich
heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung
seine Herbstferien ebenso durchzumachen.
Nervenzerrüttung
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist
und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurtheilen war, ob Geist oder
Körper mehr zerrüttet sei.
Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den
traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch
hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen
am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser
sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche
nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund
wieder auf's Neue zu beginnen.
Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt
werden: Erster Tag: Den oberen Körper Vormittags mit Wasser und Essig
ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein
kalter Knieguß (eine Minute lang).
Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste (waschen
+ Knieguß). Zweiter Tag: Eine Gießung
auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser (Oberguß); gleich darauf
auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser
auf die Kniee (Knieguß), Nachmittags dasselbe. Dritter Tag:
Oberguß (1 Gießer
voll) und Knieguß, Nachmittags: Oberguß
(1 Gießer voll), daraufhin
in's kalte Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich,
daß dem Patienten Thränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine
Woche hindurch fortgefahren.
Die zweite Woche waren
Obergüsse jeden Tag
mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit
Wasserstehen, so weit es die
empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse
steigerten
sich während der Woche von 1 bis 3 Gießer. Auch das in's Wasser
Stehen wurde verstärkt bis an die Kniee, aber immer nur 2, höchstens 3
Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse
mit Knieguß und Wasserstellen
weiter gesteigert und jeden zweien Tag ein Sitzbad
genommen, gewöhnlich Nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß
mit Wasser stehen, je Vormittags, Nachmittags ein
Halbbad. In der fünften
Woche am Morgen ein Rückenguß mit
Wasserstellen oder mit Knieguß,
Nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine
Anwendung: a) Oberguß mit Knieguß, b) ein
Halbbad, c) Rückenguß
bis
zur vollständigen Heilung.
Innerlich wurde gegeben: a) weißes
Pulver, täglich eine Messerspitze
voll, im Wechsel mit b) Wachholderbeeren, täglich
6 bis 8 Beeren, und c)
Thee von Wermuth und Salbei.
Nervöses
Leiden Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: "Vor 11 Jahren fing
durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange
furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Congestionen (Blutandrang, heftigem Schmerz und
Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für
zwei Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven
total irritirt und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig
zu geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z.B. auf einen Zug
zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim Alten, trotz Schenkel-,
Ober- und Rückenguß
und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Oel und
mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber das
Uebel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3 bis 4 Tage keine
Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Oel wirkte; der Kopf wurde plötzlich
frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute."
Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betretende Herr schon
geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich zu helfen
gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr vernünftige
Auswahl des für ihn passenden sowie auch durch sehr pünktliche und
genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der bei mir gemachten Kur schon
bedeutend vorgearbeitet hatte. Alls er ankam, war er in einem noch
elenden und trostlosen Zustande und um so beklagenswerther, als wegen
seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur ein gründlicher Kenner
von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es gedankt, daß er jetzt
wieder mit freudigem Muthe seinen höheren Studien obliegen kann.
Nierenleiden
Krankheiten
L - N Inhaltsverzeichnis
Ein Bauer erzählt: "So stark und korpulent ich aussehe, gerade so
elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen;
die Athemnoth wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken.
Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können.
Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft
ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Aerzte habe ich mehrere gehabt.
Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat
behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung
eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deßhalb
sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim
vorhanden ist." Dem fast Trostlosen wurden folgende Anwendungen
gerathen: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh
(Haberstroh = Haferstroh - vom Bauern oder aus dem Kräuterladen) (37 bis 39 Grad Celsius) mit dreimaligem Wechsel ins kalte Wasser. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im
kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurzer
Wickel, ebenfalls von
Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Thee von
Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6
Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der
große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und
wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft
wiedergekehrt.
Ein armer Arbeiter schreibt: "Ich erkrankte an einem Nierenleiden
ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888.
Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen
das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte
mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem
Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer,
röthlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch
untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut
bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter,
daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deßhalb Tag
für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von
Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich
wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder
eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel
medizinirt und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so
entschloß ich mich aus Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen (zur
Wasserkur) zu
gehen. Ich wandte nun die KaltWasserkur an, die mir vortrefflich
behagte."
Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen: 1 . den einen Tag
Oberguß und Knieguß Vormittags,
ein kaltes Halbbad eine halbe Minute lang
Nachmittags; 2. den anderen Tag des Nachts Ganzwaschung vom Bett aus in
der Frühe, dann Wassergehen, Nachmittags
Oberguß und Knieguß; 3.
Oberguß, später Schenkelguß Vormittags,
Rückenguß und Wassertreten
Nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner 4. täglich eine
Tasse Thee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren
und etwas
Zinnkraut,
Morgens und Abends in je zwei Portionen trinken.
Krankheiten O - S Inhaltsverzeichnis
Ohrenkrankheit
Ohrensausen
Rheumatische Zustände
Rothlauf Gesichtsrose
Rückgrat
Ruhr
Säuferwahnsinn
Scharlachfieber
Schlaflosigkeit
Schlaganfälle
Schleimfieber
Schweiß
Schwermuth
Schwindel
Schwindsucht (Tuberkulose)
Staar
Steinleiden
Stimme, Verlust derselben
Ohrenkrankheit
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank
werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können,
daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt
ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachtheiliger wirkt auch eine
Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten
Theile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das
Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch unglückliche
Lebenswege.
So kommt eine Mutter und erzählt: "Meine Tochter hat das
Scharlach-Fieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit
dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses,
bald über ein anderes Leiden; aber das Härteste ist, daß sie das Gehör
fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts
geholfen."
Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt. Wird das Mädchen von allen nachtheiligen Folgen des
Scharlach-Fiebers geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten.
Es muß somit, wie auf's Gehör, so auch auf den ganzen Körper
eingewirkt werden.
Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen. 1) Ein
nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Shawl umlegen,
eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal
frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom
Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser
getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz
mit kaltem Wasser waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett, besonders den
Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Ueber die Ohren und deren
Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, 2 Stunden lang;
nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel
nehmen.
Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden,
jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der
Woche ein warmes Haberstrohbad
(Haferstroh), 25 Minuten lang, 28 bis 30° Reaumur = 35 bis 37° Celsius, gleich darauf
mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durch's warme Wasser
nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den
besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit
warmen Ueberschlägen über die Ohren.
Ohrensausen
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft
Zittern an Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene
Augen. Diese Person hat mehrere Aerzte gehabt. Der eine sagte, das
Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem
zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas
eingegangen.
Anwendungen: 1) Täglich im
kalten Wasser gehen 2 bis 4 Minuten, darauf Bewegung im
warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien 2) Jede zweite Nacht
vom Bett aus ganz
waschen mit kaltem Wasser mit etwas Essig. 3) Zweimal in der Woche
einen Shawl umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen
fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag
im
kalten Wasser gehen und in der Woche einmal
waschen.
Rheumatische
Zustände Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Wer möchte es versuchen, all' die verschiedenen rheumatischen Zustände
aufzuzählen, über die man klagen hört! Den Einen quält der Schmerz
im Kopfe, den Anderen in den Zehen, Diesen im Arme, Jenen in den Beinen,
sie auf dem Rücken, ihn auf der Brust u.s.w. Der Rheumatismus ist
wahrlich weit verbreitet.
Der arbeitsame Bauer, der Holzhacker, alle Diejenigen, die recht
angestrengt arbeiten, wissen weniger, an manchen Orten nichts von dieser
Krankheit, nach meinem Dafürhalten deßhalb, weil diese Leute oft in
der einen Stunde Rheumatismus bekommen, in der anderen ihn bereits
wieder vertrieben haben. Es zeigen sich vielleicht die Anfänge am
Morgen, Nachmittags dagegen arbeiten sie dieselben wieder hinaus.
Letztere Beobachtung gibt uns klare Winke, wie Rheumatismus geheilt
werden kann und soll.
Ein Thierarzt jammerte mir einst vor, er sei unfähig, seinem Berufe
weiter vorzustehen; ein abscheulicher Rheumatismus habe sich wie eine
Katze in sein rechtes Schulterblatt eingekrallt. Schwitzend sei er
unkluger Weise in die Kälte gekommen, und er wisse recht gut, er werde,
wie jedes mal, diese lästige Katze 6 Wochen lang zu tragen haben.
"Wenn Sie wollen, Herr Thierarzt," entgegnete ich ihm,
"so sind Sie in 24 Stunden frei; ich werde meinen Hund auf Ihre
Katze hetzen." Er lachte, und es gab eine kleine Wette. Mit
Manneswort und Handschlag versprach er indessen, genau zu thun, wie der
gestrenge Herr befehle. Er ging heim und ließ sich von seiner Frau den
Rücken zuerst kräftig trocken reiben, dann einen kalten Oberguß
appliziren. Nach ungefähr 8 Stunden nahm er einen Kopfdampf mit
darauffolgendem kalten Guß (Kopfguß). Die 24. Stunde hatte noch lange nicht
geschlagen, die Katze war längst über alle Berge, und die Wette war
gewonnen. - Von trockenem Reiben wurde dieses Mal gesprochen, was doch
sonst nie vorkommt!
Ja, und der Grund ist folgender:
Entsteht der Rheumatismus in Folge raschen Wechsels von der Kälte in
die Wärme und umgekehrt, so sind die Schmerzen, die zuweilen nur auf
der Oberfläche der Haut, zuweilen aber auch tief im Innere, ja, wie man
meinen könnte, im Marke der Knochen wurzeln, meist zurückführen auf
Störungen in der Emulation des Blutes, sei es nun ein langsameres oder
rascheres Tempo des Blutlaufes, seien es Blutstauungen oder kleine Entzündungen
an der betreffenden Stelle. Die dadurch entstandenen Reibungen,
Pressungen u.s.w. verursachen den Schmerz und müssen durch Auflösung,
Ausleitung und Stärkung der leidenden Theile entfernt werden. Wenn der
Taktstock allein die Sänger nicht mehr im richtigen Tempo halten will,
dann fuchtelt der Gesangmeister noch mit der freien Hand, mit dem Kopfe,
den Ungelehrigen zu. Wenn die Gans oder Ente sich in die junge Hühnerfamilie
mischt und das "Gehscht weg, du ..." der Futterbringerin
nichts helfen will, dann wirft sie einen Stein nach der dummen Gans oder
Ente. Wenn der Rheumatismus tief sitzt, schon länger währt, besonders
schmerzt und weit ausgedehnt ist, so rufe ich zum Wasser noch die
Reibung zu Hilfe. Sie entwickelt rascher Wärme und bewirkt eine
schnellere Verteilung des Blutes u.s.w. Wäre die kranke Stelle etwas kühl,
und würde ohne Weiteres, ohne vorherige Erwärmung ein Guß darauf
kommen, so wiche der Rheumatismus wohl etwas weiter im, aber nicht aus
dem Körper.
Ein Bauer bekam so heftige rheumatische Zustände in beiden Füßen, daß
er nicht mehr gehen konnte; am meisten schmerzten ihn die Schenkel. Der
Mann wußte nicht, wie er zu dem Uebel gekommen war. Der Bauer wickelte
sich täglich zweimal von unter den Armen an ganz in ein Tuch ein (Unterwickel), das in heißen
Heublumenabsud eingetaucht war, und legte
sich jedesmal zwei Stunden in's Bett mit guter Zudecke. Zehn solcher
Anwendungen nuckelten den Rheumatismus vollkommen aus und ab.
Ein anderer Bauer konnte vor lauter Schmerzen in den Hüften gar nicht
eingewickelt werden. Er wurde in ein Haberstrohbad
(Haferstroh) mit 33 bis 35° Reaumur = 40 bis 42° Celsius und mit
dreimaligem Wechsel ins kalte Wasser (1 Minute) gesetzt, täglich zweimal, je 25 Minuten lang. In 3
Tagen war er geheilt.
Fälle von Kopfrheumatismus könnte ich eine Unzahl nennen. Sie wurden
am leichtesten dadurch entfernt, daß man möglichst wenig am Kopfe
selbst, dagegen warme Bäder und Dämpfe an den Füßen anwandte. Kommt
man dem Kopfe mit Kälte, so wird's ärger; kommt man mit Wärme, so strömt
noch mehr Blut zu. Die Reihenfolge der besten Anwendungen wäre etwa
folgende:
Das warme Fußbad (mit Asche und Salz), die Ueberlegung eines
Shawls,
der Fußdampf, der Kopfdampf mit kaltem Abguß
(Kopfguß) und wieder der
Shawl.
Diese Anwendungen, täglich eine derselben, heilen den stärksten
Kopfrheumatismus, der gewöhnlich durch Zugluft, Verkühlung und sehr
oft durch zu raschen Wechsel von Hitze und Kälte entsteht.
Kein Rheumatismus darf vernachlässigt werden, ein jeder könnte der
Anfang zu vielen und schweren Krankheiten sein: zu Krankheiten der
Lungen, der Augen, Ohren, zu Entzündungen, Blutvergiftung, zu Geschwüren
u.s.w.
Ein Student, der ziemlich viel getrunken hatte und in diesem Zustande in
die kalte Luft gekommen war, bekam plötzlich Rheumatismus auf der
Brust. Er meinte, seiner Jugend und seiner Tapferkeit könne so etwas
nicht schaden; die "leidige Geschichte" werde sich von selbst
wieder verlieren. Aber es wurde für die Eltern und deren Angehörige
eine leidvolle Geschichte. Es entstand trockener Husten, der schnell
einen bösartigen Charakter annahm. Nach 2 Monaten war das blühende und
hoffnungsvolle Leben ausgelöscht. Hätte der junge Mann nur täglich
vier- bis fünfmal Brust und Unterleib mit kaltem Wasser kräftig abgewaschen, in
1 bis 2 Tagen wäre die Brust frei und der Arme außer aller
Gefahr gewesen.
Anna Maria, die viel und streng arbeiten mußte, erhielt rings um das
Knie herum eine Geschwulst. Sie beachtete dieselbe mehrere Wochen gar
nicht und machte später, als sie heftig schmerzte, in ihrem Unverstande
dichte kalte Umschläge. Das Knie wurde nicht besser, sondern schlimmer,
und sie befragte einen Arzt. Dieser gab eine Salbe zum Einreiben, die
indessen ohne Wirkung blieb. Zu allem Unglück bog sich der Fuß unter
dem Knie am Schienbein einwärts. Um die Steifheit zu verhindern,
verordnete der Arzt, während 14 Tagen jeden Tag den Fuß mit
Schweinefett kräftig einzureiben, später mit Karbolsäure zu waschen.
Das Knie wurde immer schlimmer. Zuletzt wandte er einen Gipsverband an
und verhieß der Kranken, nach dessen Wegnahme könne sie sicherlich
gehen. Nach 9 Wochen wurde der Gipsverband weggenommen; aber die arme
Magd konnte auf dem Fuße weder stehen noch gehen. Dieser elende Zustand
währte fort bis vor wenigen Wochen.
Derlei Verhärtungen an und um die Knochen können nur aufgelöst werden
durch längere Zeit fortgesetzte Ueberschläge (Wicklungen
oder Aufschläger) mit geschwellten
Heublumen, die stets ganz warm aufgelegt werden. Oft die Auflösung
geschehen, so wird das Blut auch wieder nach diesen Theilen dringen,
dieselben nähren, und die Kraft wird wiederkehren.
Nach achttägiger Anwendung besagten Umschlages konnte die Kranke
bereits auf dem Fuße Stehen. In 8 bis 10 Wochen konnte sie auch wieder
gehen.
Ein Herr von Stand kommt und erzählt: "Ich bin vom Kopf bis zum Fuß
voll von Rheumatismen und Krämpfen, habe beständig Katarrh
(Schleimhautentzündung), bald schwächer,
bald stärker, ich mag im Zimmer oder im Freien sein; ich weiß mir
nicht zu helfen. Ich bin meistens fast ohne Schlaf, ohne Appetit, und
wenn ich nicht besser werde, muß ich in Kürze mein ganzes Berufsleben
einstellen. Ich trage schon lange ein Jägerhemd und ein
Jäger-Unterbeinkleid (warm angezogen).
Ueber dieses Jägerhemd trage ich ein zweites Hemd von Wollbarchent
(Baumwollgewebe), dem
stärksten Stoff, den ich bekommen konnte. So trage ich auch noch eine
zweite Jäger-Unterhose vom stärksten Wollstoff, dann ein Gilet von
Tuch mit dickwollenem Unterfutter, auch eine Burkinghose, endlich einen
Rock und einen Ueberwurf. Mein ganzer Körper ist vorherrschend kalt und
wie mit Theer von übelriechendem Schweiß bedeckt. Es kann kaum noch
ein unglücklicheres Geschöpf geben, als ich bin." Nun zur
Wasserkur!
Zuerst wurde ein Oberguß genommen und die schmierige Haut abgewaschen,
ebenso Knieguß mit Waschungen. So wurde drei Tage täglich zweimal
diese Anwendung vorgenommen. Am dritten Tage wurde das Jägerhemd und
die Jägerhose entfernt und gleich darauf ein Halbbad und eine Stunde später
ein Oberguß genommen. Am fünften Tage wurde die Doppelunterhose
ausgetauscht mit einer leinenen. Am siebenten Tag wurde das Hemd mit
einem leinenen ausgewechselt, und so wurde auch das mit Aermeln
versehene Gilet entfernt; dann wurden täglich zweimal Oberguß
und
Unterguß im Wechsel mit Halbbädern
genommen. Nach 14 Tagen war der
ganze Organismus von jedem Rheumatismus und Krampf frei; die Haut
transspirirte wie bei einem Gesunden, Schlaf und Appetit stellten sich
vortrefflich ein, und der gute Herr freute sich, wieder neu hergestellt,
am Schluß der Ferien seine Berufstätigkeit wieder aufnehmen zu können.
Ueber das Ganze äußerte er sich mit folgenden Worten: "Hätte ich
mein kleines Uebel, meinem eigenen Urtheil folgend, so verschlimmert, könnte
ich mir nur gram sein. Doch ich that nichts ohne Anleitung der berühmtesten
Aerzte."
"Mein ganzer Oberkörper," berichtet Jemand, "ist voll
Rheumatismus; an der rechten Seite im Oberkörper bin ich gar nie ohne
große Schmerzen, und läßt der Schmerz etwas nach, dann kommt er auf
eine oder auf beide Schultern. Ich werde dann so steif, daß ich die
Schultern nicht mehr zu rühren vermag; kommt aber der ganze Schmerz auf
den Magen, dann ist es, wie wenn sich Alles umdrehe; ich kann dann auch
gar nichts essen. Am allerärgsten aber ist der Schmerz am Hintertheil
des Kopfes, besonders auf der linken Seite. Die Füße werden mir gar
nicht mehr warm. So ist mein Leben recht elend, und ich kann meinem
Berufe gar nicht nachkommen. Für das, was ich verbraucht habe an ärztlichen
Mitteln und sonstigen Medikamenten, habe ich eine große Summe
aufgewendet; geholfen hat mir gar nichts. Seit mehr als einem Jahre
trage ich auf Befehl eines Arztes Wollhemden, bin aber dadurch noch viel
empfindlicher geworden."
Die Anwendungen waren: 1) In der Woche dreimal ein grobes Hemd anziehen,
1,5 Stunden lang, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten
wurden (Nasses Hemd). 2) Zweimal in der Woche ein Wickel von unter den Armen an bis
ganz hinunter (Unterwickel), das Tuch ebenfalls in warmes
Heublumen-Wasser getaucht.
3) In der Woche zweimal in der Nacht vom Bett aus ganz waschen mit
kaltem Wasser und, ohne abzutrocknen, gleich wieder in's Bett. So 14
Tage lang, dann als weitere Anwendungen: 1) Täglich ein Oberguß
und Knieguß. 2) Täglich Wassergehen,
2 bis 4 Minuten lang, dann Bewegung. 3)
Zweimal in der Woche ganz waschen.
Nach 4 Wochen war der Patient von seinem Leiden frei und nimmt jetzt
noch in der Woche 2 Halbbäder.
Ein Vorstand einer öffentlichen Lehranstalt erzählt:
"Ich leide fast Unsägliches an meinen Armen, Schultern und Füßen;
bald bin ich wie in Rheumatismen gewickelt bald sind wieder einzelne
Stellen um so empfindlicher, wenn der Schmerz von andern gewichen ist.
Athemnoth besteht fast fortwahrend, oft so stark, daß ich fürchte, zu
ersticken; zudem leide ich auch an Congestionen (Blutandrang) und habe so selten eine
frohe Stunde.
Ich wurde magnetisirt, electrisirt und gebrauchte vieles Andere - ohne
Erfolg - Die Wasserkur hat mir in 10 Tagen allen Schmerz genommen und
von meinem Leiden fühle ich nur noch unbedeutende Spuren. Ich habe die
Ueberzeugung, eine Fortsetzung von leichteren Anwendungen wird mir auch
den letzten Rest nehmen."
So der Kranke.
Die Anwendungen waren: Täglich ein Oberguß
und zwei Schenkelgüsse, am
zweiten Tag der spanische Mantel; vom vierten Tag an ein
Halbbad täglich,
statt Oberguß, und einmal wöchentlich Kopfdampf.
Ein Mann, 46 Jahre alt, erzählt: "Irgendwo habe ich immer
Schmerzen, entweder auf der rechen Seite oder oben auf der Schulter. Es
bleibt der Schmerz nie lange an einer Stelle; kommt aber das Leiden in
den Kopf, dann bin ich voll Schwindel:
Aus dem rechten Auge läuft viel Wasser herauf, fährt mir aber der
Schmerz in den Fuß hinunter, dann wird dieser ganz steif; kommt er mir
auf die Brust, dann weiß ich kaum mehr zu athmen. So leide ich schon
Jahre hindurch und habe, wenn auch nur auf kurze Zeit Erleichterung,
doch nie Hilfe gefunden."
Dieser Kranke wurde in 5 Wochen geheilt durch folgende Anwendungen:
1. In der Woche dreimal einen kurzen
Wickel, 1,5 Stunden lang;
2. viermal in der Woche ganz waschen vom Bett aus;
3. zweimal den Oberguß;
so 14 Tage lang.
Dann:
1. einmal den kurzen
Wickel,
2. zweimal die Ganzwaschung,
3. jeden Tag Oberguß und Knieguß.
So geheilt nahm der Patient als zeitweilige Fortsetzung der Kur, sowie
zur Erhaltung seiner Gesundheit jede Woche ein Halbbad
und zweimal Oberguß
und Knieguß.
Rothlauf
/ Gesichtsrose Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Gesichtsrose ist ein giftiger Krankheitsstoff, der sich zwischen Haut
und Fleisch sammelt und lagert und an irgend einer Stelle einen Ausgang
sucht. Er kann entstehen an einem Fuße, an einem Arme, am Kopfe oder an
jeder anderen Stelle des Körpers. Wo er sich zeigt, tritt große
Spannung ein, als ob die Haut zu eng sei, als ob sie auseinanderbringen
möchte. Manchmal tritt er lange nicht auf die Oberfläche, und der
davon Befallene leidet oft große Schmerzen. Beim Ausbruche zeigen sich
zuerst einzelne Bläschen mit bräunlicher Flüssigkeit, nach und nach
eine Unzahl derselben, kleinere und größere, die so giftig sind, daß
sie ganze Theile der Haut auffressen. Der Rothlauf kann gefährlich
werden und leicht den Tod bringen, wenn er nicht im Stande ist, nach außen
sich zu entfalten, wenn er im Inneren eine Blutvergiftung bewirkt, die
rasch sich verbreitet, da nach der entzündeten Stelle viel Blut hinströmt.
Gar oft kommt noch der Fall vor, daß der Rothlauf, wenn er sich nach außen
entwickelt, von der ursprünglichen Stelle weicht und im Inneren an eine
Stelle tritt. Derlei Fälle haben meistens einen tödtlichen Ausgang.
Ich kannte einen Knecht; der bekam den Rothlauf am Arme. Er wollte dem
Uebel kein Gewicht beilegen; "das sei eine Weiberkrankheit,"
meinte er. Der Rothlauf verschwand, faßte aber nach kurzer Zeit Posten
im Gehirn, und in Bälde ward der Kranke unterlegen.
Deßgleichen ist mir ein Priester bekannt; diesem setzte sich der
Rothlauf an einen Fuß. Wie er den leidenden Fuß gepflegt hat, weiß
ich nicht. Der Rothlauf verschwand, und der Patient glaubte sich von dem
Unhold befreit. Doch bald zeigte sich der unliebe Gast von Neuem, jetzt
am Oberarm. Wiederum verschwand er, aber nur, um sich zuletzt im Kopfe
festsetzen. Nach 4 Tagen war der Priester eine Leiche.
Jeder, der diese Krankheit aufmerksam beobachtet hat, wird von einer
Reihe von Todesfällen erzählen können, die eintreten durch Vernachlässigung
des Rothlaufs.
Bei der Heilung ist vor Allem darauf zu achten und muß Dem vorgebeugt
werden, daß der Rothlauf nicht auf Wanderung gehe. An der Stelle, wo er
zu Tage tritt, muß er so bald wie möglich geschwächt und der
Giftstoff ausgeleitet werden. Auch die Zuströmung des Blutes soll man
nach Möglichkeit verhindern, d. h. mindern.
Wer Rothlauf am Fuße hat, soll am besten einen kurzen
Wickel nehmen.
Dieser schneidet der Rothlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen
Wickel kann er den Fuß oberhalb der Rothlaufstelle gegen den Körper zu
umwinden (Fußwickel). Man kann aber auch den Rothlauf direkt angreifen.
Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes
Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und
mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses
vertheilt und leitet aus.
Bekommt Jemand den Rothlauf am Arm, so kann er wieder zuerst durch einen
kurzen
Wickel die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll
er einen Shawl umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke
der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt
sich (wie oben beim Fußrothlauf) nichts einwenden.
Sollte der Rothlauf am Kopfe entstehen, so wird ein Oberaufschläger kräftig
nach unten ableiten und ein Halswickel rasch den Rothlaufstoff
vermindern. Sind diese Anwendungen ein paar mal vorausgegangen, so kann
man direkt auf die Rothlaufstelle selbst einwirken, anfangs mit warmem
und, wenn ein großer Theil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was
das Nachlassen der Röthe und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem
Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder
Wickeln, im letzteren Falle in Form des
Kopfwickels.
Ein Geistlicher aus M. berichtet: "Vielleicht in Folge einer Erkältung
trat ein heftiger Rothlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers
war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es
wurde mir in diesem Zustande tätlich vier- bis fünfmal die Brust, der
Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber nicht
das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß.
Später waren die Waschungen weniger. Dieß hatte den besten Erfolg zur
Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohlthuend. Nach 4 Tagen war
das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder
verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch Nachts Schweiß sich
einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper
ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe
bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen
Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war,
jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage."
Rückgrat
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Ein hochgestellter Offizier hatte sich beim Fahren einen Wirbel des Rückgrates
eingedrückt und, wie die Aerzte behaupteten, das Rückenmark so
verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte
und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch
mehr auf das Gemüth, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm
Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Aerzte der Großstadt
aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß
da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim
Wasser. In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch
guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren
stattgefunden hat. Auch das Gemüthsleiden verschwand mit dem körperlichen
Leiden vollständig.
Welche Anwendungen in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich
genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem
Uebel leiden solltest, so würde ich dir Folgendes rathen: Laß dir
dreimal in der Woche den spanischen Mantel umlegen; nimm dreimal in der
Woche ein Halbbad mit
Waschung des Oberkörpers und zweimal einen
Ober-
und Unterguß! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze
Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen
Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene
Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch
der wunde Theil vernarbt.
Abermals wiederhole ich: wenn ein Theil am Körper
schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus
nimmt gleichsam Theil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf
einen Stein in's Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder
Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte
Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper. Dieses sind
treffliche Winke für das Heilverfahren. Sonach muß man beim Heilen
immer auf den ganzen Körper einwirken, damit er stark werde, und damit
die gesunden Theile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen,
gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in
innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie,
die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem
Zusammenwirken.
Ruhr
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Die Ruhr ist eine Schwester der Cholera. Beide sehen einander überaus
ähnlich. Diese Krankheit beginnt in der Regel mit gräßlichen Krämpfen
im Unterleib und mit starkem Abweichen (Durchfall). Neben Anderem geht viel Blut ab.
Am schnellsten heilt man die Ruhr, indem man ein doppelt gefaltetes Tuch
in recht warmes Wasser mit Essig eintaucht und auf den Unterleib bindet
(Oberaufschläger).
Ganz auffallend wirkt nach innen ein Gläschen Heidelbeergeist
(Likör), den man
sich selbst leicht machen kann, und der in keiner noch so kleinen
Hausapotheke fehlen sollte. Zweimal im Tage kann man zwei Eßlöffel
dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der Labetrunk wird
vortrefflich munden. Sollte der Zustand am zweiten Tage nicht wesentlich
besser sein, so erneuert man die Auflage auf den Unterleib und nimmt
nochmals eine Portion Heidelbeergeist.
Joseph krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die Krämpfe
herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war mehr als ein
halbes Liter Blut. Zwei Löffel des oben erwähnten Heidelbeergeistes,
am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in Kurzem Alles wieder gut
gemacht.
Anna, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen Krämpfen.
Abweichen (Durchfall) mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die ausgebildete
Cholera. Das Essigtuch am Leibe, der Heidelbeergeist nach innen haben
die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten keine Heidelbeeren
zu finden sein, so thut Milch, mit Fenchel abgekocht, gleichfalls recht
gute Dienste.
Säuferwahnsinn
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und
sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er
sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über
Entkräftung.
Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt,
daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte
er besonders viel über rheumatische Schmerzen,
Krämpfe
und zeitweilige Kopfschmerzen.
Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte
dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von
seinem Elende frei werden.
Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann vollständig
hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei- bis drei Anwendungen und zwar der
Reihe nach, wie sie hier folgen. 1. Tag: a) Oberguß und
Knieguß, b) Wasserstehen,
Wassergehen und die Arme in's
Wasser, c) Rückenguß. 2.
Tag: a) Halbbad, b) Oberguß
mit Knieguß. 3. Tag. a) Sitzbad, b)
Oberguß.
4. Tag: a) Halbbad, b) Vollbad. So wurde fortgefahren bis zur Heilung;
alle krankhaften Zustände hörten auf, das Aussehen hat sich vollständig
gebessert, guter Appetit sich eingestellt, und die Lust zum
leidenschaftlichen Trinken hatte ganz nachgelassen. Besonders muß
betont werden, daß während der Kur an den verschiedensten Stellen des
Körpers Ausschläge
mit Ausscheidung der giftigen Stoffe auftraten.
Scharlachfieber
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und
verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die
Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die Zeichen vor dem
Eintreten sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit,
Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft,
so leicht ist mit Wasser zu helfen. Kinder sind meist schon in zwei
Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer.
Scharlach kann auf zweierlei Weise recht leicht geheilt werden. Sind bei
einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird
oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden,
so tauche man ein Hemd in heißes Wasser, in das man etwas Salz
geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es
dem Kinde, das im Bette liegt, an (Nasses
Hemd). Dann wickle man es gut in eine Decke
ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so eingehüllt
eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der ganze Körper
des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage.
Sollte die
Hitze übergroß werden, so wasche man das Kind ganz, aber schnell ab
und lege es wieder in's Bett. In schwierigen Fällen, in denen die Hitze
sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in einem Tage das Hemd
zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt werden müssen. Es
kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers an. Nimmt die
Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum zwischen den
Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke sich nur, daß
bei diesen späteren Anwendungen stets kaltes Wasser (mit Essig)
gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der Umhüllung und dem
Zudecken, - gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung des nassen
Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen Hemdchen. Bei
solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen der Scharlach
völlig geheilt sein.
Eine Bemerkung sei hier beigefügt. Selten ist Appetit vorhanden. Dränge
man dem Kinde ja keine Nahrung auf! (Wie der Ausschlag nach außen
dringt, so ist er auch im Innern.) Der Durst ist gewöhnlich stark. Das
Wasser bleibt das beste Linderungsmittel. Etwas Zucker, auch ein wenig
Wein (rother oder weißer) kann gut beigemischt werden. Landkinder
trinken am liebsten Milch. Als Grundsatz gilt: wenig trinken, aber öfter.
Ich glaube nicht, daß ein Kind, das so behandelt wird, stirbt.
Ludwig, ein Knabe von 10 Jahren, kann vor Hitze kaum mehr reden. Das
Gesicht ist geröthet, und er klagt, Alles thue ihm weh. Ludwig wird,
weil die Hitze stark und die Bangigkeit groß ist, jede Stunde gewaschen, und dieses zwei Tage lang. Am dritten Tage fängt der Knabe
schon an zu essen. Das Waschen geschieht nur noch zweimal während des
Tages. Am fünften Tage fühlt sich Ludwig wohl; am sechsten geht er im
Zimmer umher, und bald spielt er wieder im Freien mit anderen Kindern.
Maria, 20 Jahre alt, kann nicht mehr gehen, hat heftigen Kopfschmerz, fühlt
sich wie zerschlagen in allen Gliedern; dazu
hustet sie immer ganz trocken, und es drückt sie schrecklich auf der
Brust. Sie weiß vor Bangen nicht, was thun, kann keinen Augenblick aus
dem Bette sein. Eckel quält sie vor jedem Essen, aber sie kann nicht
genug trinken. Maria wird in einem hohen Grade das Scharlachfieber
bekommen. Was thun? Alle Stunden soll ihr der Rücken kräftig mit
kaltem Wasser, in das etwas Salz gemischt wurde, gewaschen
werden,
ebenso die Brust und der Unterleib. Ist sie auf diese Weise gewaschen,
was aber so schnell als möglich geschehen soll, dann decke man sie
ordentlich zu, aber ja nicht zu stark.
Zwei Tage hindurch wurde die Kranke derart gewaschen. Gegessen hat sie
gar nicht, um so fleißiger getrunken. Der Hals brennt fort und fort
schrecklich. Fleckenweise steht der Scharlach ab (verschwindet, Häute
und Krusten bildend). Der Durst läßt etwas nach. Noch 2 bis 4 Tage lang
soll die Kranke täglich zwei und, wenn die Hitze noch nicht
nachgelassen hat, dreimal gewaschen werden.
Nach weiteren 3 Tagen war Maria vom Scharlach befreit.
Johann, ein Knabe von 13 Jahren, hat seit einigen Tagen kein Leben und
keine Liebe mehr zur Arbeit, die sonstige Fröhlichkeit ist geschwunden.
Da fängt auf einmal der ganze Leib an zu schwellen; Kopf und Füße
werden dick, den Unterleib bläht es in ganz unheimlicher Weise auf. Das
Kind bekommt die Wassersucht. Woher das? Johann ist vor kaum sechs
Wochen vom Scharlach
aufgestanden, und dieser war nicht zur rechten
Entwicklung gekommen.
Der Kranke hat sechsmal innerhalb 8 Tagen ein nasses
Hemd, das in warmes
Salzwasser eingetaucht wurde, angezogen und sich jedesmal gut in eine
wollene Decke einwickeln lassen. Nach 10 Tagen war er wieder munter,
frisch und gesund. Bei dieser Gelegenheit sei gesagt: wenn der Scharlach
nicht ganz ausheilt und kranker Stoff im Körper zurückbleibt, so tritt
gern die Wassersucht ein. Auf die angegebene Weise ist sie aber auch
jedesmal zu heilen.
Kreszentia, eine Frau von 65 Jahren, liegt bereits zwei Tage zu Bett.
Sie klagt über gewaltiges Stechen auf dem Rücken, über Brennen und
Stechen auf der Brust. Weil sie so schrecklich gefroren habe, sagt sie,
habe sie sich in's Bett gelegt und fühle sich jetzt ganz heiß. Essen
kann sie nichts. Durst leidet sie viel. "Waschet," so lautete
mein Rezept an den Fragesteller, "der Kranken einen Tag lang alle
Stunden den Rücken mit kaltem Wasser; Brust und Unterleib kann sie
selbst jede Stunde waschen. Am zweiten Tag braucht sie dieses nur noch
viermal zu thun, am dritten Tag werden zwei Waschungen genügen."
Die Kranke befolgte meine Weisung. Arn vierten Tage war die Frau
bedeutend besser und, nachdem sie innerhalb dreier weiterer Tage noch
ein paar mal die Prozedur wiederholt hatte, gesund wie früher.
Getrunken hat sie Wasser und geronnene Milch, gegessen sehr wenig.
Ein Mädchen, ungefähr 24 Jahre alt, bisher recht gesund, frisch und
ziemlich stark, bekommt einen Ausschlag, den Scharlach. Der Ausschlag
steigerte sich innerhalb 8 Tagen in einer Weise, wie nur wenige Fälle
werden ausgewiesen werden können. Die Kranke verlangte als Heilmittel
sofort das Wasser, auf das sie alles Vertrauen setzte, hauptsächlich
weil ihre Schwester durch Wasser von einer bedenklichen Krankheit
geheilt worden war. Der Hilfesuchenden wurde gerathen, Rücken, Brust,
Unterleib, sodann Arme und Beine (Füße) allstündlich entweder selbst
sich zu waschen oder waschen zu lassen. Der Zwischenraum von einer
Stunde war ihr zu groß. Die Hitze steigerte sich dermaßen, daß mehr
als fünf Tage lang nie über eine halbe Stunde das Waschen ausgesetzt
werden durfte. Gegessen hat das Mädchen fast gar nichts, getrunken nur
wenig in kleinen Portionen. Erst nach 10 Tagen, bei dem
gewissenhaftesten Gebrauche des Wassers, brach die Hitze; der Ausschlag
ließ fleckenweise ganz nach, bis er am 14ten Tage gänzlich entfernt
und das Mädchen vollständig gesund war.
Ich frage: wie wäre es dem armen Wesen ergangen, wenn bei solcher Glühhitze,
bei einer derartigen förmlichen Feuersbrunft im Körper nichts
angewendet worden wäre als löffelweise kleine Gaben nach innen zur Kühlung?
Jeder gebe sich die Antwort selbst und erwäge noch, daß bei solchem
Fieber der innere Organismus ganz und gar unthätig ist! Von dieser
Heilung eines der höchsten Grade von Scharlach kann man schließen auf
geringere Grade desselben. Das Wasser, richtig angewendet, hilft sicher
und leicht.
Schlaflosigkeit
Krankheiten
O - S Inhaltsverzeichnis
Ein Pfarrer litt seit 9 Wochen an Schlaflosigkeit. Seine Kräfte nahmen
täglich ab, und der Geist wurde zur Denkarbeit mehr und mehr unfähig.
Gedrücktheit, Müdigkeit, Mutlosigkeit traten an Stelle des früheren
Fleißes und der gewohnten Bergfreudigkeit.
Große Anstrengung und widrige Verdrießlichkeiten hatten den guten
Herrn in heftige Aufregung, das Gemüth in große Bitterkeit versetzt.
So Etwas rächt sich immer. Der Arme befand sich beständig wie in einem
hitzigen Fieber. Das gehetzte Blut wollte wie ein verfolgtes Reh in
wilder Flucht davonrennen. Man brachte dasselbe zur vollen Ruhe durch
den Kopfdampf, den spanischen
Mantel, den Oberguß mit dem Knieguß, den
Fußdampf, den kurzen
Wickel, den Ober- und Unteraufschläger, welche
Uebungen man 12 Tage hindurch in täglich zwei, öfters drei Anwendungen
wirken ließ. Schon am dritten Tage schlief der Herr drei Stunden. Heute
noch lebt er unter uns als einer der Gesündesten.
Die Schlaflosigkeit, diese aufsässige Verfolgerin vieler, kann in
mancherlei Ursachen ihren Grund haben: in Störungen des Blutumlaufes,
in unterdrückter oder mangelhafter Transspiration, in Gasen, welche
Magen und Unterleib quälen, u.s.w.
Sie belästigt mit Vorzug solche Menschen, welche oft den lieben langen
Tag mit angestrengter Kopfarbeit zubringen und hierin des Guten zu viel
thun.
Die zuerst angeführten Ursachen sind an anderer Stelle zur Genüge
behandelt worden.
Obwohl auch für die letzteren, die Kopfarbeiter, ein Kräutchen wächst
oder ein Wässerchen fließt, das als Schlaftrunk dienen kann?
Ich kenne einen vornehmen Herrn, dessen Körper wenig, dessen Geist sehr
viel Arbeit thut. Am liebsten hätte er gar keinen Magen und keinen Leib
und keine Füße. Solchen Herren ist oft der Kopf nicht gut, nicht
leicht zurechtzusetzen. In unserem Falle ging es. Der Mann gönnte dem
armen Genossen der Seele, dem verkümmerten Leibe, wenigstens einige
Brosamen. Er machte es sich zur Gewohnheit, wöchentlich ein- bis
zweimal den spanischen Mantel anzuziehen. Die Schlaflosigkeit ließ bald
nach, auch all' die kleinen Uebel, gleichsam die Störenfriede, die sie
verursacht hatten.
Ein anderer Herr ließ jeden Abend in sein Schlafzimmer ein Gefäß mit
frischem Wasser bringen. Dieses stellte er auf einen Stuhl neben das
Bett. Kam in einer halben Stunde oder in einer Stunde der ersehnte
Freund noch nicht, dann wusch er sich den ganzen Körper und stieg, ohne
je sich abzutrocknen, wieder in's Bett. Er nickte ein. Die nächste
Stunde fand ihn vielleicht wieder wach. Sofort griff er neuerdings zum
Wasser und dieses ein drittes mal, wenn er zu frühe aufwachte. Ich habe
den Herrn später über Schlaflosigkeit n |